zwischen 5 , 6 und 7 oder irgendeinem anderen zwischen dem Kreuz ( v. K. † ) und » Bastion Brandenburg « gelegenen Punkt . Und so darf man denn , wie eingangs bemerkt , auch diese Frage als wenigstens annähernd entschieden ansehen . Absolute Sicherheit wird freilich auch dann nicht gewonnen werden , wenn das Staatsarchiv die den Katte-Prozeß behandelnden Aktenstücke jemals zu freier und ganzer Verfügung stellen sollte . Denn Lokalfragen pflegen in amtlichen Verhandlungen , wenn nicht die Lokalität selbst den Gegenstand des Prozesses bildet , immer als etwas Nebensächliches angesehen zu werden . Biographisches über Hans Hermann von Katte Hans Hermann von Katte wurde den 21. Februar 1704 zu Berlin geboren . Diese Zahlen sind zuverlässig . Auf dem Familiengute Wust findet sich folgende bald nach der Geburt Hans Hermann von Kattes in das dortige Kirchenbuch eingetragene Notiz : » Anno 1704 den 21. Februar ist des Herrn Obrist-Wachtmeisters ( von Katte ) Söhnlein zu Berlin geboren und den 22. getauft und mit Namen Hans Hermann benennet worden . Dessen Pathen waren der Hoch-Gräfliche Herr Feldmarschall von Wartensleben und dessen Frau und Sohn . « Über die Jugend Hans Hermanns ist nur weniges und nur ganz allgemeines bekanntgeworden . Daß er seine Schulzeit in Königsberg – allwo sein Vater bald nach Abschluß des Spanischen Erbfolgekrieges ein höheres Kommando antrat – zugebracht haben muß , dafür spricht folgende Stelle eines weiterhin im Wortlaute mitzuteilenden Briefes : » Sein Porträt « , so schreibt der Vater im Dezember 1730 , » haben hier in Königsberg zwei Leute , eines davon der Maler , wo er zeichnen lernte . « – Welcher Art im übrigen sein Unterricht war , kann nur gemutmaßt werden . Er war sehr begabt , weshalb ihn denn auch der Vater für den Zivildienst und zwar für die Justizkarriere bestimmte . Reisen unterstützten früh seine wissenschaftlichen Studien . Der König sah aber den Eintritt in den Zivildienst nicht allzu gern , und da seine Gnade nur für diejenigen zu hoffen war , die Militärs wurden , so kam Hans Hermann von Katte schließlich zur Armee . Wann dies war und ob er gleich anfangs bei den » Gensdarmes « oder vielleicht erst in ein Königsberger , beziehungsweise ostpreußisches Kavallerieregiment eintrat , alle diese Dinge sind in Dunkel gehüllt und werden es mutmaßlich bleiben . Als er 1729 , damals fünfundzwanzig Jahre alt , zuerst genannt wird , scheint er bereits geraume Zeit hindurch der Berliner Garnison angehört zu haben . Von seiner äußeren Erscheinung , wie zugleich von seinem Charakter , gibt Pöllnitz folgendes Bild : » Er war klein und sonnenverbrannt und hatte von den Blattern außerordentlich gelitten . Dazu dicht zusammengewachsene Augenbrauen , was ihm ein finsteres Ansehen gab . Er besaß Geist , aber wenig Urteil und war ehrgeizig und dünkelhaft . Die Gunst des Kronprinzen verrückte ihm vollends den Kopf , und er betrug sich dabei wie ein indiskreter Liebhaber in Ansehung seiner Geliebten . Überall zeigte er die Briefe des Prinzen vor , erhob ihn bis in die Wolken und tadelte dagegen jegliches , was der König tat . Seine Sitten waren nicht regelmäßiger als sein Verstand ; er debauchierte und brüstete sich , gar keine Religion zu haben . Vielleicht , daß ihn reifere Jahre geändert hätten . Um diese Zeit aber ( 1730 ) war er so , wie die vorstehende Schilderung ihn gibt . Er war es hauptsächlich , der die Unzufriedenheit des Prinzen nährte , denn er ward von demselben in allen Stücken zu Rate gezogen . Nichts geschah , ohne daß Katte befragt worden wäre , und dabei war er klug genug , dem Prinzen immer nur das anzuraten , was dieser wünschte . Es wäre für beide gut gewesen , wenn sie einander nie kennengelernt hätten . « Mit dieser Schilderung stimmt überein , was die Prinzessin Wilhelmine ( Markgräfin ) von ihm schreibt : » Sein Gesicht war mehr abstoßend als einnehmend ; ein paar schwarze Augenbrauen hingen ihm fast über die Augen . Sein Blick hatte etwas Unheimliches , etwas , was ihm sein Schicksal prophezeite . Eine dunkle von den Blattern bezeichnete Hautfarbe vermehrte seine Häßlichkeit . Er spielte den esprit fort und trieb die Liederlichkeit bis zum Exzeß . Viel Ehrgeiz und Keckheit begleiteten dieses Laster . Zugleich aber « , so fährt sie fort , » besaß er Geist , Belesenheit und Welt . Die gute Gesellschaft , in der er sich ausschließlich bewegte – so namentlich auch im Hause des französischen Gesandten Grafen Rothenburg – hatte seine Sitten gebildet , was damals in Berlin sehr selten war . « Wann die Prinzessin ihn kennenlernte , ist nicht be stimmt ersichtlich , wahrscheinlich im Herbst 1729 , als der König von einer nach Lübbenau hin unternommenen Reise zurückkehrte . Vom Mai 1730 an sahen sie sich jedenfalls häufig . Er überbrachte schriftliche und mündliche Botschaften hüben und drüben und nahm an den Aufführungen und literarisch-musikalischen Abenden teil , die , wenn der König in Potsdam oder Wusterhausen war , im königlichen Schloß oder in Schloß Monbijou stattzufinden pflegten . Einmal wurden sie überrascht . » Katte ergriff Flöte und Noten und sprang mit Quantz beiseite , um sich zu verstecken . « Daß er der Prinzessin jemals mehr gewesen wäre als der Freund und Vertraute ihres Bruders , ist aus nichts ersichtlich ; ihre eigenen Schilderungen sprechen dagegen . Katte seinerseits scheint sich freilich in jener grenzenlosen Eitelkeit , die sein hervorstechendster Charakterzug war , vor aller Welt das Ansehen gegeben zu haben , als ob ihr Verhältnis ein intimes gewesen sei . Die Prinzessin erfuhr davon , und vertraut mit der Tatsache , daß der Berliner Hof damals so recht eigentlich ein Klatschhof war , verhielt sie sich ablehnend gegen ihn und seine Huldigungen . Es handelte sich dabei ganz besonders um ein Medaillon-oder Dosenporträt , das er von ihr besaß , trug und zeigte . Sie verwies es ihm und wollte es zurück haben . Aber er weigerte sich dessen . Der Charakter Kattes tritt einem in diesem eigentümlichen Verhalten am frappantesten entgegen . » Eines Tages « , so schreibt die Markgräfin , » benachrichtigte mich die Bülow , daß Katte anderer Unbesonnenheiten zu geschweigen , auch mit einer Dose prunke , in der sich das Porträt des Kronprinzen und das meine befände . In der Tat war durch dies und ähnliches in seinem Benehmen unsere Verlegenheit auf den höchsten Grad gestiegen , weshalb ich es für notwendig hielt , der Königin Mitteilung davon zu machen . Diese zeigte sich denn auch sehr aufgebracht und gab meiner Gouvernante , dem Fräulein von Sonsfeld , den Befehl , bei dem Herrn von Katte mein Porträt in aller Verbindlichkeit zurückzufordern . Und die Sonsfeld unterzog sich diesem Auftrage noch am selben Abend . Katte entschuldigte sich , so gut er konnte , aber wie viele Vorstellungen ihm meine Gouvernante auch machen mochte , das Porträt selber wollte er ihr nicht einhändigen , versicherte sie vielmehr seiner Diskretion für die Zukunft und bat sie , die Königin zu beruhigen . Dies geschah auch . Indessen die abschlägige Erklärung verstimmte uns doch so , daß wir längere Zeit nicht mit ihm sprachen . « » Aber « , so fährt die Prinzessin fort , » dies währte nicht lange . Am 11. August hatten wir Konzert in Monbijou . Auch Katte , der nie fehlte , war zugegen . Als ich in ein Nebenzimmer ging , folgte er mir dort hin und beschwor mich um meines Bruders willen , ihm einen Augenblick Gehör zu schenken . Und so hatten wir denn wieder ein längeres Gespräch . › Ich bin in Verzweiflung ‹ , sagte er , › über Eurer Königlichen Hoheit Ungnade . Man hat Ihnen falsche Nachrichten über mich gebracht . Man beschuldigt mich , den Kronprinzen in seinen Fluchtplänen zu bestärken . Umgekehrt , ich habe es ihm abgeschlagen , ihm zu folgen . Und ich stehe Ew . K. H. mit meinem Kopfe dafür , daß er diesen Schritt nicht ohne mich unternehmen wird . ‹ › Ich sehe Ihren Kopf schon zwischen Ihren Schultern wackeln ‹ , replizierte ich . › Und wenn Sie nicht bald ihr Benehmen ändern , so werde ich ihn leicht vor ihren Füßen sehen . ‹ Er wollte antworten , aber ich fuhr fort : › Ich leugne Ihnen nicht , daß wir , die Königin und ich , sehr unzufrieden mit Ihnen sind , weil Sie die Pläne meines Bruders ausschwatzen ; vor allem aber ziemt es sich nicht für Sie , mein Porträt zu besitzen und damit zu prunken . Die Königin hat es Ihnen abfordern lassen , und Sie hätten die Pflicht gehabt , ihr zu gehorchen und es uns wieder zuzustellen . ‹ Er wußte sich jedoch geschickt herauszureden und versicherte nur immer wieder , daß er das Porträt lediglich als eine Probe seiner Arbeit gezeigt habe , es auch härter als den Tod empfinden würde , wenn er sich davon trennen müsse . › Sie spielen ein großes Spiel ‹ , schloß ich , › und ich fürchte sehr , daß ich in allem , was ich Ihnen gesagt habe , nur ein allzu guter Prophet gewesen bin . ‹ › Wenn ich den Kopf verliere ‹ , antwortete er , › so geschieht es um einer schönen Sache willen . Aber der Prinz wird mich nicht im Stich lassen . ‹ » Nach dieser Unterredung « – so schließt die Prinzessin – » trennten wir uns . Es war das letzte Mal , daß ich ihn sah , und ich glaubte damals nicht , daß sich meine Voraussagungen so bald erfüllen würden . « * Dies Zwiegespräch fand am 11. August statt . Am 16. ward er verhaftet . Was danach folgte , ist in den voraufgegangenen Abschnitten dieses Kapitels erzählt worden . Es erübrigt nur noch die Frage : Welche Dinge sind vorhanden , die den Namen Kattes in der einen oder andern Weise bis diesen Tag festhalten : Baulichkeiten , Hausgerät , Bilder . Briefe ( wenn nicht das Staatsarchiv einiges davon bei den Akten hat ) scheinen originaliter nicht mehr zu existieren ; das » Wachtlokal « in der Kaserne des Regiments Gensdarmes ist , wie die Kaserne selbst , längst vom Schauplatz verschwunden , und das Küstriner Torhäuschen , in dem er die Nacht vor seinem Tode zubrachte , wurde neuerdings bei Wegräumung des Tores mit niedergerissen . Auf Schloß Retzin dagegen befindet sich noch eine silberne , das Kattesche Wappen tragende Zuckerdose , die der Gefangene mit in sein Gefängnis genommen haben soll , und drei Bilder sind noch vorhanden – an übrigens sehr verschiedenen Stellen – , die den Anspruch erheben , Bildnisse Hans Hermann von Kattes zu sein . Das erste Katteporträt ist königliches Eigentum und befindet sich zu Schloß Charlottenburg in dem , soviel ich weiß , bis diesen Augenblick unberührt erhaltenen Arbeitskabinette König Friedrich Wilhelms IV. Es hing , als ich es vor einer Reihe von Jahren zum ersten Male sah , über der Eingangstür . Das zweite Katteporträt ist im Besitz von Gustav zu Putlitz auf Schloß Retzin in der Priegnitz . Er schreibt darüber folgendes : » Kattes Halbschwester war meine Urgroßmutter und aus der Nachlassenschaft einer Tochter derselben ( meiner Großtante ) kam dieses Bildnis in unser Haus . Ich entsinne mich deutlich noch des Tages , als es mit vielem anderen uralten Hausgerät ausgepackt wurde . Es machte einen großen Eindruck auf mich , trotzdem ich noch ein Kind war , denn ich kannte die Geschichte Kattes , die mir von der alten Tante als eine Familientradition oft erzählt worden war . Das einsame , abgeschlossene und meist ereignislose Leben jener Zeit erhielt die Familiengeschichten durch Generationen hin lebendig und gab ihnen besondere Wichtigkeit . « Das dritte Katteporträt befindet sich inmitten anderer Familienporträts aus jener Zeit in dem großen Empfangssaale des Herrenhauses Wust . Sind diese Bildnisse zuverlässig ? Keines stimmt mit der charakteristischen Personalbeschreibung , die sowohl Pöllnitz wie die Markgräfin von von Katte gegeben haben . » Häßlich , blatternarbig , mit breiten , buschigen Augenbrauen « und infolge davon » finster , melancholisch , unheimlich . « Vergleichen wir damit die Porträts , so zeigen uns dieselben einen eher hübschen als häßlichen , eher fröhlichen als finsteren , eher anheimelnden als unheimlichen jungen Mann . Wenn wir , trotz der daraus entstehenden Zweifel , auf diese Bilder hingewiesen haben , so geschah es , um an einem glänzenden Beispiele zu zeigen , wie viel oder wenig es mit derartigen Echtheitsversicherungen 50 auf sich zu haben pflegt . Der Strom der Tradition , solange er ununterbrochen fließt , kann unter Umständen ebenso wertvoll , ja wertvoller sein als das verbürgte Aktenstück . Aber nichts ist seltener als solche Kontinuität der Überlieferung . Und nur einen Tag unterbrochen , bemächtigen sich Willkür und Einbildungskraft des Gegenstandes , und das Chaos der Meinungen beginnt . Der König und die Kattes Der König hatte für den Sohn nur die Strenge des Gesetzes gehabt ; anders für den Vater . Das Füllhorn seiner Gnade war über ihm . Er wußte wohl , was er dem Herzen und Namen desselben an Schmerz und Kränkung angetan hatte , und alle seine Bemühungen – Bemühungen , die sich zeitweilig in die Form von Zartheiten kleideten – gingen zehn Jahre lang unausgesetzt dahin , das Geschehene vergessen zu machen oder wenigstens nach Kräften auszugleichen . Freilich nur mit halbem Erfolg . Der alte Katte nahm alle diese Gnadenbezeugungen hin und dankte dafür und küßte seines gnädigen Königs Hand ; aber die Freude des Daseins war aus seinem Leben gewichen , und eine Reihe von Briefen , die durchzusehen mir gestattet war , gibt in rührender Weise Zeugnis davon . Aus der Reihe dieser Briefe will ich in nachstehendem zwei mitteilen , die noch unter dem ersten Eindruck geschrieben , seitens des Generalleutnants an seinen Bruder den Kammerpräsidenten von Katte zu Magdeburg gerichtet wurden . Der erste dieser Briefe an die Gemahlin des Kammerpräsidenten lautet : » Hochwohlgeborne Frau , Sehr wertheste Frau Schwester ! Die betrübten Umstände , darin ich nach Gottes heiligem , unbegreiflichem Willen gesetzet worden bin , sind wohl mit keiner Feder zu beschreiben , und wenn ich nicht auf Gott sähe , so müßte ich vergehen . Meine liebe Frau Schwester , consideriren Sie mein Elend . Ist es möglich , es auszustehen ! Anfänglich wußte ich nicht , wo ich war . Keine Thräne ist aus meinen Augen gekommen ... Bei meiner Frau war Doktor , Priester und Feldscheer . Bedenken Sie das Elend in meinem Hause . Wäre nicht die Herzogin und Prinzessin gekommen , meine Frau wäre uns unter den Händen geblieben . Gott vergelte es ihnen . Ich möchte vor Trauer vergehen , wenn ich an meinen Sohn denke . Mein Sohn hat es vergeben ; ich muß es auch thun . Man hat dem Könige die Sache größer gemacht ; ihr Ende ist noch nicht da . Mein Sohn stehet vor dem gerechten Richter , und tröstet mich sein schönes Ende . Aber Morgens und Abends quälet mich sein Tod . Des Königs gnädige Briefe können ihn mir nicht wiedergeben . Mein Sohn hat dem Major von Schack ( der mit commandirt gewesen ) in seine Schreibtafel seinen letzten Willen diktiret . Unter anderem soll der Kriegsrath Katt seine güldene Tabatière und einen Schimmel mit dem rothen Sattel haben ... Ich will so viel als möglich in allem seinen letzten Willen erfüllen . Es ist seine letzte Bitte gewesen : ich wolle doch ja seine Schulden bezahlen , damit niemand über ihn seufze . Da dies nun aus einer noblen Seele kommt , werde ich nach Möglichkeit alles thun . Meine liebe Frau Schwester , haben Sie doch Mitleid mit mir . Ich möchte vergehen , wenn ich an meinen Sohn gedenke . Gott hat mir gar zu schweres Kreuz auferlegt . Mein Gott , wie ist mir zu Muthe . Der arme Wurm hat kaum vier Tage Zeit gehabt , sich zu praepariren ; aber der barmherzige Gott hat Wunder an ihm erwiesen . Der sei gepreyset ! Aber welche harte Wege führt mich mein Gott . Engels-Frau Schwester , grüßen Sie meinen Bruder und schicken Sie mir cito die Namen aller derer , so man es notificiren muß . Ich kenne unsre Freundschaft nicht ... Ich bin meine Engels-Frau Schwester anitzo in Thränen ihr getreuer Diener H. H. Katt . Königsberg . 23. Nov . 1730 . Nachschrift . Lassen Sie sich doch von Herrn von Platen den Abschiedsbrief zeigen , den das arme Wurm unterwegs im Wirthshause auf Zettelpapier geschrieben hat . « Der Brief , von dem der alte Generalleutnant hier spricht , ist der , den Katte am 3. November auf seiner Fahrt nach Küstrin im ersten Nachtquartier niederschrieb und den ich an betreffender Stelle mitgeteilt habe . Dem hier Vorstehenden nach scheint es fast , daß der Vater am 23. November das Abschiedsschreiben noch nicht in Händen hatte , wohl aber durch an dere briefliche Mitteilungen aus Berlin von seiner Existenz unterrichtet war . Der zweite Brief – wie der erste mit Trauerrand – ist vier Wochen später an den Kammerpräsidenten selbst gerichtet . » Hochwohlgeborener Herr , Werthester Herr Bruder ! Ich bin Euch unendlich obligiret für Euer herzlich bezeigtes Mitleiden . Ja mein lieber Bruder , Trost ist mir bey diesen betrübten Umständen höchst nöthig ; und obwohl der barmherzige Gott mir viel Gnade gethan und bei meinem schweren Kreuz so viel Tröstliches gegeben hat , so will doch die natürliche Liebe sich noch nicht brechen , kann sich auch so bald nicht geben ! Ich weiß nicht , wie Gott mir alles solchergestalt zuführet , daß es mir zum Trost und soulagement dienen muß . 1. Mein lieber Bruder , ist es nicht tröstlich dieses schöne und exempelwürdige Ende ? 2. Ist es nicht tröstlich , daß die Execution in Cüstrin hat geschehen müssen , um allen Leuten begreiflich zu machen , warum er ein sacrifice ? ! 3. Ebenso daß das Kriegsgericht ihm nicht das Leben abgesprochen , sondern des Königs Machtspruch . 4. Daß mein Sohn so généralement von aller Welt beklaget und bedauert wird . ( Es ist étonnant , was man hier für ihn thut . Die Menschen sprechen nur von ihm . Sein Portrait haben hier zwei Leute , eines davon der Maler , wo er zeichnen lernte . Dies Bildniß wird oft abgeholet , um copirt zu werden . Der Maler hat noch einige Studienblätter , auf denen der Name meines Sohnes steht . Sie kaufen alles weg , und zahlen , was er haben will . In den größten Häusern wird er bedauert , als ob ihnen ein Verwandter gestorben wäre . ) Der Kronprinz soll so wehmütig Abschied von ihm genommen haben . Endlich schreibt mir der König so viel gnädige Briefe und bittet mich recht , mich zufrieden zu geben . Aber , mein lieber Bruder , hart ist es für einen Vater , sein Kind auf solche Art zu verlieren . Der König hat mir eine information aus den Acten schicken lassen . Anfänglich habe ich sie nicht lesen wollen , aber nun möchte ich um nichts in der Welt , daß ich diese information nicht hätte . Mein Herz möchte manchen Morgen vor Thränen vergehen , wenn ich an meinen lieben Sohn gedenke . Manche Zeit geht es , aber dann kommt wieder ein Stoß , so daß ich mich nicht fassen kann . Und doch , mein lieber Bruder , lasset uns den barmherzigen Gott und seine Zornruthe in Demuth küssen ... Gott wird uns nicht verlassen . Was wir nicht erleben , wird er unsere Kinder genießen lassen . Mein Sohn hat mich einige Stunden vor seinem Ableben gebeten , unseren Albrecht nach Halle zu schicken und im Pädagogio in Gottesfurcht erziehen zu lassen . Er hätte Freylinghausen ' s › Theologia ‹ viermal durchgehöret ; die thäte ihm an seinem Ende wohl . Ich möchte mich nicht so sehr betrüben über seinen Abschied . Er versicherte mir , daß er gewiß selig werde und hat dem Prediger zum Zeugniß seines Glaubens die Hand gegeben . Nun , mein lieber Bruder , lebet wohl ... Ich bin Euer getreuer Diener H. H. Katt . Königsberg , den 19. Dezbr . 1730 . Nachschrift : Schreibet mir doch , ob Ihr meines Sohnes Brief an den König , an den Feldmarschall ( von Wartensleben ) und an mich habet . Auch die Königl . Reprimande an das Kriegsgericht und seine eigene Sentenz . « Das Recht und das Schwert Die Hinrichtung Kattes , abgesehen von ihrer geschichtlichen Bedeutung , ist auch in ihrer Eigenschaft als Rechtsfall immer als eine cause célèbre betrachtet worden . War es Gesetz oder Willkür ? War es Gerechtigkeit oder Grausamkeit ? So steht die Frage . Unsere Zeit , einerseits in Verweichlichung , andererseits in Oberflächlichkeit , die nicht tief genug in den Fall eindringt , hat in dem Geschehenen einen Fleck auf dem blanken Schilde der Hohenzollern erkennen wollen . Ich meinerseits erkenne darin einen Schmuck , einen Edelstein . Daß es ein Blutkarneol ist , ändert nichts . Entscheidend für die Beurteilung des Katte-Falles erscheint mir in erster Reihe die Frage : » Wie hat sich die damalige Zeit dazu gestellt ? « Lesen wir die zeitgenössischen Berichte , so kommt uns freilich der Eindruck , daß ein Zittern durch die halbe Welt gegangen sei . Sind wir aber aus dem » Sensationellen « der Erzählung erst heraus , beginnen wir zu sichten und zu sondern , so werden wir sehr bald gewahr , daß die tiefgehende , ganz unzweifelhaft vorhandene Bewegung der Gemüter nicht dem Katte-Fall , sondern dem begleitenden Kronprinzen-Falle gilt , und daß man in solch ungeheurer Aufregung war , nicht um des Geschehenen , sondern um des vielleicht noch zu Geschehenden willen . Wird das Schwert , das den Leutnant von Katte traf , auch den Kronprinzen treffen ? Das war es , was alle Schichten der Gesellschaft in Schrecken setzte . Von dem Augenblick an , wo diese Furcht aus den Gemütern gewichen war , war der Schrecken überhaupt dahin , und nur dem Umstande , daß die Schicksale Kattes und des Kronprinzen viele Wochen lang Hand in Hand gingen und fast identisch erschienen , nur diesem Umstande ist es zuzuschreiben , daß die Vorstellung , die Hinrichtung sei als etwas Außerordentliches oder gar Unerhörtes angesehen worden , jemals hat Platz greifen können . Es liegt vielmehr umgekehrt , und weder in den Pöllnitzschen Memoiren noch in denen der Markgräfin findet sich , bei schärferer Prüfung , auch nur ein einziges dahin lautendes Wort . Es findet sich nicht und kann sich nicht finden : denn Hof , Adel , Armee 51 fanden eben alles , was geschah , zwar streng , sehr streng vielleicht , aber schließlich doch nur in der Ordnung . Jedenfalls statthaft , zulässig . Ja die Familie selbst , so tief erschüttert sie war ( vgl. die zwei vorstehenden Briefe ) , so bestimmt sie Begnadigung erwartet haben mochte , scheint den auf Tod lautenden Machtspruch des Königs in seinem Rechte keinen Augenblick angezweifelt zu haben . * Es ist nötig , so sagte ich , den Fall aus der damaligen Zeit heraus zu beurteilen , aber er besteht auch vor dem Urteil der unserigen , vorausgesetzt , daß unsere Zeit sich Zeit nimmt , auf die Spezialien des Falles einzugehen . Denn die Wandlung der Gesamtanschauungsweise , die die Welt seit hundertfünfzig Jahren erfahren hat , ist doch nicht so groß und stark , als manche glauben möchten , und wenn nicht alle Zeichen trügen , so stehen wir eben jetzt wieder auf dem Punkt , uns einer zurückliegenden und schon überwunden geglaubten Strenge mehr zu nähern , als immer weiter von ihr zu entfernen . Und ich setze hinzu : » Gott sei Dank « , ohne damit die Segnungen , die wir einer anderthalbhundertjährigen freiheitlichen Entwicklung verdanken , anzweifeln oder verkennen zu wollen . Und so denn noch einmal : auch von unserem Standpunkt aus angesehen , war Katte nicht das Opfer einer Willkür oder Laune , sondern einer schweren selbsteigenen Schuld , indem er unter chevaleresken und in gewissem Sinne selbst unter loyalen Allüren ( denn er diente seinem künftigen Herrn ) in naiv-frivoler Weise durch alle Stadien des Hoch- und Landesverrats ging . Er war , um seines Kriegs- und Landesherrn eigene Worte zu zitieren , » dazu da , seinem Könige getreu und hold zu sein « , doppelt in seiner Eigenschaft als Offizier der Garde-Gensdarmes , die des Vorzugs genossen , » immédiatement an Seiner Majestät Allerhöchste Person attachiret zu sein « , – und was finden wir tatsächlich ? Der Kronprinz steckt in Schulden ; Katte tut das Seine , diese Schulden zu mehren . Der Kronprinz steckt in Debauchen ; Katte geht ihm dabei mit Rat und Tat zur Hand . Der Kronprinz steckt im Unglauben ; Katte bestärkt ihn darin . Der Kronprinz steckt in Komplotten mit seiner Mutter und seiner Schwester , mit fremden Höfen und Gesandten 52 , und Katte macht den Zwischenträger und zuletzt gar den Liebhaber . Der Kronprinz will desertieren ; Katte nimmt es in die Hand und hält ihm einen Vortrag » über die beste Weise des Gelingens « . Endlich rüstet er sich selber zur Desertion . Das sind so einige der » Species facti « ; nur einige , aber gerade genug , um seinen König und Herrn mit allem Fug und Recht aussprechen zu lassen : » Und da denn dieser Katte mit der künftigen Sonne tramiret , auch mit fremden Ministern und Gesandten allemal durcheinander gestecket , er aber nicht davor gesetzet worden mit dem Kronprinzen zu complottiren , au contraire es Sr. K. Majestät hätte angeben sollen , so wissen Se . Majestät nicht , was vor kahle raisons das Kriegs-Recht genommen und ihm das Leben nicht abgesprochen hat . « Es ist nur eines , was uns in diesem Schreckensschauspiel – denn ein solches bleibt es – widerstrebt und widersteht : der König wechselt hier die Rolle mit dem Richter . Er läßt das Recht über die Gnade gehen . Und das soll nicht sein . Wenn aber etwas damit versöhnen kann , so ist es das , daß er dies im eigenen Herzen empfunden hat . Hören wir noch einmal ihn selbst : » Wenn das Kriegs-Recht dem Katten die Sentence publiciret , so soll ihm gesagt werden , daß es Sr. Königlichen Majestät leid thäte ; es wäre aber besser , daß er stürbe , als daß die Justiz aus der Welt käme . « Ein großartiges Wort , das ich nie gelesen habe ( und ich habe es oft gelesen ) , ohne davon im Innersten erschüttert zu werden . Wer will nach dem noch von Biegung des Rechts sprechen ! Es war ein grades Recht , freilich auch ein scharfes . Und das Schwert , das zuletzt diese Schärfe besiegelte – es existiert noch . Die Familie Katte selbst besitzt es , und auf dem alten Kattengute Vieritz , eine Meile von Wust , wird es bis diese Stunde aufbewahrt . Dreimal wurde es gebraucht , und drei Namen sind eingekritzelt . Der dritte und letzte aber heißt : Hans Hermann von Katte . Tamsel I Hans Adam von Schöning Hans Adam von Schöning Kaum gebiet ' ich dem kochenden Blute . Gönn ' ich ihm die Ehre des Worts ? Oder gehorch ' ich dem zürnenden Mute ? Schiller Hans Adam von Schöning wurde am 1. Oktober 1641 zu Tamsel geboren . Sein Vater , ebenfalls ein Hans Adam , war Rittmeister in brandenburgischen Diensten und hatte sich das Jahr vorher mit Marianne von Schapelow auf Wulkow vermählt . Eine andere von Schapelow , vielleicht eine Schwester Mariannens , heiratete sechs Jahre später , wie bereits an anderer Stelle hervorgehoben , den damaligen schwedischen Generalmajor Georg von Derfflinger . Über die Art , wie Hans Adam seine Kindheit und Jugend im elterlichen Hause zubrachte , fehlt es an Nachrichten . 1658 ging er nach Wittenberg , um die Rechte zu studieren , 1659 nach Straßburg , 1660 nach Paris . Er hatte damit das begonnen , was man damals und auch später noch als die » große Tour « bezeichnete , den Besuch der Höfe und Hauptstädte des westlichen Europa . Nach längerem Verweilen in Paris , wo der Gesandte Kaspar von Blumenthal seinen brandenburgischen Landsmann am Hofe Ludwigs XIV. einführte , begab er sich zunächst über Turin und Mailand nach Venedig , besuchte im selben Jahre noch Rom , Neapel , Messina und Syrakus , erschien im September 1662 vor dem Großmeister des Malteserordens auf Malta , bat um die gern gewährte Ehre , einen Streifzug gegen die Ungläubigen mitmachen zu dürfen , wandte sich dann nach glücklicher Rückkehr von Malta nach Spanien , von Spanien nach England und kehrte über Amsterdam und Hamburg , nach einer fünfjährigen Abwesenheit , in die märkische Heimat zurück . » Er betrat sie wieder , nachdem er – wie sein Biograph sich ausdrückt – alles gesehen hatte , was es damals Großes und Ausgezeichnetes in Europa gab : den üppigen Hof des prachtliebendsten Königs , die Kunstschätze Italiens , den Glanz der Fastnachtsspiele in Venedig , das ritterliche Treiben auf Malta , den Hof der Dorias , die Grandezza Spaniens und die junge Freiheit der Niederlande . « Ich habe bei der vorstehenden Aufzählung absichtlich länger verweilt , um daran einige Betrachtungen über die Erziehung junger Edelleute von damals und von heute zu knüpfen . Wir sind nur allzusehr geneigt , unsere jetzige Methode als etwas vergleichsweise Vorgeschrittenes und Zweckentsprechendes anzusehen , und doch möchte sich die Frage aufwerfen lassen : wie viele Familien haben wir zur Zeit im Brandenburgischen , die geneigt sind ,