begehren , sie sollten reden . Sie redeten aber nicht , und es wurde eine Lanze gegen den Hofwart geschleudert . Darauf rief ich : Wenn ihr Räuber seid , so wird euch unser Eisen treffen , seid ihr Männer der Ehre , so sagt , was ihr da beginnet . Sie antworteten nicht , und schlossen ihren Kreis näher . Ihre Zahl war mehr als das Zehnfache der unsern . Ich sagte : Wenn sie die Türen erbrechen , so unterliegen wir ; wenn wir aber unsere Macht plötzlich gegen eine Stelle ihres Kreises richten , so können wir den Kreis durchbrechen , und uns in der Nacht in dem Lande zerstreuen . So wurde es beschlossen . Wir entfernten leise die Bollwerke des großen Tores , öffneten es , und gingen schnell an die nächste Stelle des Kreises . Der Kampf zeigte , daß geübte Krieger vor uns waren . Wir konnten im ersten Angriffe nicht durchdringen . Von weiteren Stellen kam unsern Feinden Hilfe zu . Ich erkannte die Zeichen der Herzoge Konrad und Wratislaw , und hörte die Stimme Wratislaws , der befahl . Da richtete ich schnell den Angriff auf die andere Seite , als von der Wratislaw kam , wir durchbrachen den Kreis , ich wendete mich mit den Meinigen , die Verfolger abzuhalten , und rief Zdik zu , er möge sich entfernen . Er tat es , und als ich ihn nicht mehr sah , und als die ganze Menge von Wratislaws Männern gegen uns kam , löseten wir uns auf , und suchten uns in der Tiefe des Schnees zu zerstreuen . Ich wußte einen schmalen getretenen Pfad . Auf dem Pfade ging ich schnell dahin , und die Feinde , die mir in dem unwegsamen Schnee folgten , blieben zurück . Ich ging so mit zwei Männern eine Stunde fort . Dann wendeten wir uns seitwärts zu abgelegenen Hütten , die ich kannte . In den Hütten übernachteten wir . Gegen den Morgen sahen wir ein Feuer gegen Moren hin . Da es Tag geworden war , schickte ich Boten aus den Bewohnern der Hütten auf Kundschaft . Sie kamen zurück , und sagten , der Morenhof sei ganz abgebrannt , und von den Männern , die ihn überfallen hatten , sei keiner mehr in der ganzen Gegend . Es kamen auch einige von meinen Leuten , welche gedacht hatten , daß ich auf dem schmalen Pfade werde fortgegangen sein . Wir näherten uns nun wieder dem Hofe . Da sahen wir einen Mann , welcher im unwegsamen Schnee ging . Er trug einen Sack auf der Schulter . Da wir ihm näher kamen , suchte er sich von uns zu entfernen . Ich gab meinen Leuten den Befehl , ihn zu fangen . Vier Männer liefen ihm in dem Schnee nach , sie erreichten ihn , und brachten ihn gebunden zu mir . Ich ließ den Sack öffnen . In demselben waren silberne Geschirre , Gewänder und Stoffe . Ich sagte zu dem Manne , ich werde ihn mit seinem Stricke auf einen Baum hängen lassen , wenn er uns nicht berichte , wie die Sache mit dem Hofe zu Moren sei , oder wenn er uns belüge . Sage er die Wahrheit , so werde ich ihm das Leben schenken . Der Mann sagte , er sei Dobrohost , und sei bei den Leuten des Herzoges Konrad gewesen . Da sie aber über die Beute stritten , und da er fürchtete , daß sie ihm die silbernen Geschirre nehmen , so sei er vor dem Anbruche des Tages heimlich fortgegangen , und habe das Land Österreich gewinnen wollen . Als ich ihn fragte , ob Krieger in dem Hofe seien , antwortete er , daß alle abgezogen sind , weil sie den Bischof und den Herzog Otto nicht gefunden haben . Wir nahmen den Mann in den Hof mit . An dem Hofe war alles , was brennen konnte , verbrannt . Was fortgebracht werden konnte , war fortgebracht . Wir fanden unsere Pferde und unsere Habschaften nicht mehr . Von den Bewohnern waren nur zwei Knechte da . Der Mann mußte erzählen , was er gesehen habe . Er sagte , daß die Scharen den Hof umringt haben , und daß ein kurzer Kampf gewesen ist . Dann ist der Hof mit Fackeln umstellt worden . Dann sind sie in den Hof gegangen , und haben den Bischof Zdik gesucht . Sie haben ihn mit Lichtern und Fackeln in allen Gemächern und Kellern , Ställen und Winkeln die ganze Nacht gesucht . Und da sie ihn nicht gefunden hatten , und da sie durch Martern von seinen Leuten nicht erfahren konnten , wo er sei , zündeten sie den Hof an . Und dann sind alle mit Beute fortgegangen . Als ich ihn fragte , wer den Überfall gemacht habe , nannte er die Männer : Slawibor , Kuno , Rodmil , Bogdan , Domaslaw , Hinek , Frowin , Jurata , und den alten Mikul . Ich sagte : Du hast die Führer nicht genannt . Da nannte er Konrad , den Herzog von Znaim , Wratislaw , den Herzog von Brünn , und er nannte den Bruder des hocherlauchten Herzoges Wladislaw , der jetzt in Jamnic hauset , Diepold . « » Diepold « , riefen mehrere Stimmen . » Diepold ist dabei gewesen « , sagte der Herzog . In den Augen des Herzoges waren Tränen , da er diese Worte sprach . Otto redete wieder weiter : » Ich fragte den Mann , welches Vorhaben die Herren mit dem hohen Bischofe gehabt haben . Er sagte , daß er es nicht wisse . Da wir noch redeten , kamen Leute des Bischofes . Sie sagten , daß sie geschlagen , gekneipt , bei den Haaren gerissen und angespien worden sind . Von ihrem Herrn wußten sie nichts . Sie forschten nach ihm . Ich sendete Männer in der Gegend herum , sie brachten keine Nachricht von ihm zurück . Da ging ich zu der Stelle , wo ich den hochehrwürdigen Bischof fortgehen geheißen hatte . Wir fanden die Spur eines einzelnen Mannes , und gingen ihr nach . Wir kamen nach einer Zeit in ein Gebüsch . Dort verwirrte sich die Spur . Wir sahen Tritte von einer andern Seite gegen das Gebüsch hin , sahen im Gebüsche viele Tritte , und dann von ihm weg Tritte von zweien oder mehreren Männern . Wir gingen den Tritten nach . Sie führten endlich auf einen Pfad , und waren nicht mehr zu erkennen . Wir suchten nun Häuser auf , um Nahrung zu erhalten . Ich forschte dann täglich nach dem hochehrwürdigen Bischofe . Am fünften Tage erhielt ich die Nachricht , ein hoher Herr sei krank in Leitomysl . Der Herr habe aber die Kleider eines Bauers gehabt . Ich ritt nach Leitomysl . Es war der hochehrwürdige Bischof Zdik , der dort krank war . Er konnte damals noch erzählen , und sagte , daß er sich in einem Gebüsche versteckt habe , daß er große Kälte gelitten habe , daß ein Bauer in das Gebüsch gekommen sei , daß ihm der Bauer einen Teil seines Gewandes gegeben , und daß er ihn dann auf abseitigen Pfaden nach Leitomysl geführt habe . Dort sei er krank geworden , und könne nicht weiter reisen . Er ist aber noch schwerer krank geworden , und hat sein Bewußtsein verloren . Ich sendete Botschaft an den hohen Herzog Wladislaw . Der hohe Herzog schickte zwei Ärzte nach Leitomysl , daß sie den Kranken nach Prag brächten . Er konnte aber nicht fortgebracht werden , und die Ärzte blieben bei ihm . Ich ritt nach Prag , um dem erlauchten Herzoge die genaue Nachricht über das , was sich ereignet hatte , zu bringen . Der hochehrwürdige Bischof ist noch in Leitomysl in schwerer Krankheit befangen . So habe ich die Dinge gesehen und gehört , und so habe ich sie geredet . « Er setzte sich nach diesen Worten wieder nieder . Da sprach der Herzog : » Es sind noch die Männer Hugo , Hroznata , Kunes , Sulislaw und Wot bei dem Überfalle gewesen . Von dem hochehrwürdigen Bischofe wissen wir noch nicht , ob er in dieser Krankheit am Leben bleiben werde oder nicht . Wir haben über alles Kundschaft holen lassen , und es ist so , wie der Herzog Otto gesagt hat . Nun sprich noch , was ist mit dem Manne geschehen , den du gefangen hast ? « » Ich habe ihn frei gelassen , weil er die Wahrheit gesagt hat « , antwortete Otto . » Die Gefäße waren aus der Habschaft des hochehrwürdigen Bischofes , und sind jetzt bei ihm in Leitomysl . « Als er diese Worte geredet hatte , rief Odolen mit lauter Stimme : » Und wenn es zehentausendmal unziemlich ist , daß ich jetzt rede , der ich zu den jüngeren und Geringeren gehöre , so muß ich reden , weil ich nicht anders kann , so wahr mir Gott in meinem letzten Hauche gnädig sein wolle . Sitzen wir ungesäumt auf die Pferde , so viel wir nur Männer aufbringen können , reiten wir nach Znaim , und hängen wir den eidbrüchigen , ehrvergessenen , gewissenabtrünnigen Konrad auf die Zinnen seines Schlosses , und reiten wir dann nach Brünn , und hängen Wratislaw , der alles ist , was Konrad ist , auf den höchsten Turm der Stadt , und die Helfer lasse erschlagen , und in eine Grube werfen . Die Räuber und Diebe , die Menschen überfallen , und Kasten erbrechen , sind ehrlicher , als diese . « » Und Diepold ? « fragte der Herzog . » Der tapfere , gute Diepold ist gar nicht dabei gewesen « , rief Odolen . » Er ist dabei gewesen « , sagte Wladislaw , » er hat es gestanden . « » Dann haben sie ihm Zauberei gegeben , daß er aberwitzig geworden ist « , rief Odolen . » Gegen diese Menschen muß das Äußerste unternommen werden « , rief Welislaw . » Der Himmel wird eine Strafe auf sie senden , die wir gar nicht ahnen können « , sagte Otto , der Bischof von Prag . » Ich habe an Diepold Botschaft geschickt , daß er komme « , sprach der Herzog , » er ist aber nicht gekommen . Dann habe ich Konrad und Wratislaw aufgefordert , sich zu verantworten , und sie haben es nicht getan . « » Mit welchem Rechte kann nun noch einer dieser Gebieter den Dieb , den Räuber , den Mörder strafen ? « sagte Gezo , der Abt von Strahow . » Das schreit bis zu dem Himmel « , sprach Peter , der Abt von Brewnow . » Sie werden es Kriegführung gegen den Bischof nennen « , sprach Daniel , der Propst von Prag . » Das Maß mußte voll werden , wie es allemal voll geworden ist « , sagte der alte Bolemil . » Ich meine , es werden sich alle Umstände ergründen lassen , und dann muß ein Gericht gehalten werden « , sagte Lubomir . » Es wird der hocherlauchte Herzog das Gericht halten « , sprach Witiko , » und der heilige Vater wird auf die Handlung der Herzoge antworten ; Konrad und Wratislaw haben das heilige Gelöbnis der Buße und Genugtuung , das den Bann von ihnen nahm , gebrochen . « Nun sprach der Herzog : » Hohe Herren und Freunde , ich habe euch die Kunde mitteilen lassen , und ihr habt gehört , was geschehen ist . Gegen das Recht des Herzoges hat keiner der Fürsten die Waffen erhoben . Ihre Sünde gegen den hochehrwürdigen Bischof und gegen die Kirche aber ist groß . Es ist jetzt noch nicht an dem , daß ein Krieg geführt werde ; aber ich rüste mich , und ich bitte euch , rüstet eure Männer , daß die größte Bereitschaft ist , wenn sie notwendig wird . Vielleicht vermeiden wir so den Krieg . Ein Gericht über diese Gewalttat werde ich halten , und den Spruch den Fürsten und den Schuldigen verkündigen lassen . Über die Sünde wird der Heilige Vater richten . Halten wir die Kraft und die Gerechtigkeit und die Mäßigkeit aufrecht , daß aus dem Bösen das Gute werde . « » Hoher Herr « , sagte Bolemil , » lasse einen alten Mann noch ein Wort sprechen . « » Rede , Bolemil « , sagte der Herzog . » Wenn etwas gefunden werden kann , das der Sache zu Rechte ist « , sprach Bolemil , » ohne daß es Rache wird , so wäre es gut . Wenn auf die Rache die Rache geübt wird , so wird auf die zweite Rache die dritte geübt , und jede wird bitterer , und auf die dritte die vierte , und das geht fort , bis alle , die in diesem Saale sind , nicht mehr leben , bis ihre Enkel und die Enkel der Enkel nicht mehr leben . So ist es die Zeiten her gewesen , und so wird es sein . Zu allem aber , was not tut , rüsten wir uns . « » Wir rüsten uns « , riefen die Männer . » So tun wir es , und benützen wir die Zeit des Winters « , sagte der Herzog , » und jeder der Herren und Männer , die in dieser Zeit zu unserem Rate kommen wollen , wird uns eine Ehre erweisen , und einen Dienst tun . « Darauf ging die Versammlung aus einander . Witiko ritt wieder in seine Heimat , verkündete dort , was geschehen ist , rüstete seine Männer , und rief die Männer des Waldes auf , bereit zu sein , wenn sie zu der Sache des Herzoges stehen wollten . Indessen ließ der Herzog immer genauere Kundschaft über das , was geschehen ist , einbringen , damit alles geordnet wäre , wenn die Männer des Gerichtes zusammen gerufen würden . Da die Krankheit des Bischofes Zdik milder wurde , ließ ihn der Herzog nach Prag bringen , und dort pflegen . Als der Frühling kam , konnte er seine Reise zu dem Heiligen Vater wieder beginnen . Er zog mit dem Kardinal Guido und mit Daniel , dem Propste von Prag , gegen Italien . Sie gelangten an den Hof des heiligen Vaters Eugenius nach Viterbo . Der Heilige Vater sprach in der Kirche den Bann über Konrad , Wratislaw , Diepold und ihre Helfer aus . Er sendete ein Schreiben an den Herzog Wladislaw mit kirchlichem Lobe des Herzoges und der Herzogin und mit dem Auftrage , den Bann zu verkündigen , und mit Macht zu vollführen . Der Bann wurde verkündiget . Der Herzog sendete in alle Teile der Länder Botschaft , daß die Männer bereit seien , den Bann in Wirklichkeit zu bringen . Er schickte auch Boten an Diepold , und ließ ihn bitten , nach Prag zu kommen . Diepold kam . Er wurde zu dem Herzoge und der Herzogin geführt . Er fiel vor beiden auf die Knie , faßte eine Hand des Herzogs und eine Hand der Herzogin , und sprach nicht . Der Herzog sprach : » Deine Augen sehen wieder auf unsere Angesichter , und unsere Augen sehen auf dein Angesicht , Diepold . « » Du hast gesagt « , sprach Diepold , » als du mir die Verteidigung von Prag übertrugest : Du wirst eher das Leben lassen , als deine Ehre und deinen Ruhm auf dieser Erde und deine Seligkeit im Himmel . Wie kann ich nun in dein Angesicht schauen , und in das der Frau , die dazumal als ein Krieger an meiner Seite gestanden ist ? « » Diepold , erhebe dich « , sagte der Herzog . » Ich kann es nicht « , rief Diepold . Die Herzogin beugte sich zu Diepold , faßte mit ihrer andern Hand auch noch nach ihm , und zog ihn empor . Er stand vor dem Herzoge und der Herzogin . » Diepold , du Glanz der Männer « , sagte der Herzog . » Wie ich es tun konnte ? « antwortete Diepold . » Es war Streit mit dem Bischofe über Höfe und Liegenschaften , mir zitterte das Herz , daß du , den ich so liebte , ihn vorzogest . Da kamen die Zwischenträger , und die Ohrenbelagerer , und die zwei Fürsten sagten : er hat den Bann schon einmal über uns gebracht , jetzt geht er nach Italien , und wird den Bann wieder über uns und über dich bringen . Wir müssen ihn fangen , daß er uns Gewähr gibt . Und ich willigte ein . Wir fingen ihn nicht , und es geschah Übles . « » Weshalb wurde der Morenhof angezündet ? « fragte Wladislaw . » Sie sagten , jetzt werde der Bischof aus dem Feuer fliehen , und wir können ihn fangen « , antwortete Diepold . » Wenn er aber im Feuer umgekommen wäre ? « fragte Wladislaw . » Ich weiß es nicht , ob einer die Absicht gehabt hat « , sagte Diepold ; » aber als ich den Brand tadelte , sprach ein jeder , er habe den Befehl nicht gegeben ; aber der Bischof werde jetzt kommen . Mich faßte Abscheu . « » Ich wußte es « , sagte die Herzogin . » Und nun ist alles so geworden « , sprach Diepold . » Wußtet ihr alle denn nicht , daß ein erzwungenes Versprechen nicht bindet ? « fragte der Herzog . » Ihr durftet den hochehrwürdigen Bischof nicht fangen , um von ihm etwas zu erreichen , so wie ich keinen von euch fangen ließ , um ihn nach Prag zu bringen . Ich habe nur jeden gerufen . « » Ich war ohne Sinne « , sprach Diepold . » So hat Odolen gesagt « , antwortete der Herzog . » Diepold , ich habe dich nie zurückgesetzt , so hoch ich auch Zdik achte . Du hast schon meine Stelle vertreten , er nie . « » Ich weiß es « , sagte Diepold . » Du wirst wieder mit uns handeln , wie du auf den Zinnen von Prag mit mir gehandelt hast « , sagte die Herzogin , » und wie du mit meinem Gatten in dem Kriege gegen die Fürsten gehandelt hast . « » Diepold « , sprach der Herzog , » du bist in deiner Zornmütigkeit gegen einen Mann aufgestanden , wie sie jetzt zuweilen auch in andern Ländern tun , um ihn zu zwingen , und die andern haben gewollt , daß du mit ihnen seiest , daß sie mehr Ansehen gewinnen . Keiner ist gekommen , da ich sie rief . Du bist gekommen . Diepold , ich bitte dich , gehe zu dem Heiligen Vater , tue Buße , leiste Genugtuung , und löse dich von dem Banne . Du bist mein geliebter Bruder . « Der Herzog öffnete die Arme , Diepold auch , die Brüder umfaßten sich . Die Herzogin ging hinzu , und küßte Diepold auf die Stirne . » Ja , ich gehe nach Rom und nach Viterbo , und werde Buße tun und Genugtuung leisten « , sagte Diepold . » Es ist so der Ehre gemäß . « » So ist es « , antwortete Wladislaw . Und so ging Diepold von Prag fort , und dann zu dem Heiligen Vater nach Viterbo , und dann nach Rom , tat Buße , leistete Genugtuung , wurde des Bannes ledig , und kam wieder nach Prag zurück . Gegen die Sommerszeit ritt ein Eilbote von Mähren gegen Prag zu dem Herzoge Wladislaw . Als er zu dem Herzoge kam , sagte er : » Ich komme von Brünn , der Herzog Wratislaw ist schwer krank , er bittet dich , hocherlauchter Herzog , wenn du einst vom Himmel Gnade hoffest , daß du ihm Gnade gebest , und an sein Sterbebette kommest , damit er an dir Buße tue , und die letzte Verzeihung erlange . Er hat auch den hochehrwürdigen Bischof Zdik um die Erbarmnis bitten lassen . « Der Herzog gewährte das Verlangen Wratislaws . Er zog nach Brünn , und kam mit dem Bischof Zdik an das Krankenbette des Herzogs . Wratislaw streckte einen Arm empor , und rief matt und schwer verständlich : » Nehmt Stühle . « Wladislaw und Zdik taten es . Dann sprach er mit ungelenker Zunge : » Guido hat recht gesagt . Ich wäre nicht zu Grunde gegangen und in die Erde versunken . Aber ich habe wieder gesündigt , und da ist der Zornesengel auf dieser Welt über mich gekommen . Mich hat der Schlag gerührt , und eine Hand und ein Fuß sind fremd . Er ist gekommen , der rächet . Wladislaw , du gerechter Mann , Zdik , du heiliger Mann , schützet mich . « » Denke an die Reue « , sagte Zdik , » und Gott schützt dich . « » Denke an Genugtuung , und der Bann wird von dir weichen « , sagte der Herzog . » Ich wollte , daß er verbrenne « , sprach Wratislaw , » ich wollte , daß er erschlagen werde . Der andere Fuß wird auch fremd werden , und das Haupt auch , und dann werde ich ewig verdammt sein . Guido hat es gesagt . « » Wratislaw « , sagte Zdik , » und wenn du mich wirklich erschlagen hättest , und ich könnte in der andern Welt bei dem allmächtigen Gotte für dich bitten , so würde ich es deiner Reue willen tun , und ich würde dir vergeben , so wie ich hier an deinem Bette Gott für dich bitte , dir verzeihe , und bei dem Heiligen Vater für dich bitten werde . « » Daß der Bann geht , ehe ich verdammt werde « , sagte Wratislaw . » Daß er sogleich geht « , antwortete Zdik . » So tue es , so tue es « , sagte Wratislaw , » nehmt Genugtuung , Genugtuung . « » Ich schreibe sogleich an dieser Stelle auf dem Pergamente und mit den Werkzeugen eines meiner Männer « , sagte Zdik , » und sende Boten an den Heiligen Vater . « » Tue es « , sprach Wratislaw . Und Zdik rief einen Mann herein , und ließ sich aus einer ledernen Tasche ein Pergament und Schreibgeräte reichen . Und er setzte sich an einen Tisch und begann zu schreiben . » Hast du deine Hand für mich ? « fragte Wratislaw den Herzog . Der Herzog reichte ihm die rechte Hand , und er tastete mit einer seiner Hände darnach . Dann hob er den Arm dieser Hand auf , und lallte : » Ich habe dich in der Schlacht töten wollen , ich habe dich ermorden wollen . Rette mich . « » Ich rette dich « , sagte Wladislaw . » Ich bitte Gott für dich , ich verzeihe dir , gib Genugtuung . « » Es ist alles fremd « , sagte Wratislaw , » ich kann es nicht mehr in Gebrauch setzen , nehmt Genugtuung , nehmt alle Genugtuung . « » Wir werden dir helfen « , sagte Wladislaw . » Wir helfen dir « , rief Zdik . Wratislaw sprach nicht mehr . Und nach einer Zeit verließen die Männer das Krankenbett . Zdik sendete die Botschaft an den Heiligen Vater , und Wratislaw wurde von dem Banne erlöset . Er starb aber nicht , sondern genas , und wurde seiner Glieder wieder mächtig . Jetzt forderten Wladislaw und Zdik Konrad auf , Buße zu tun , und Genugtuung zu leisten . Konrad verweigerte es . Es waren Priester in seinem Gebiete , welche den Gottesdienst verrichteten , und er beharrte im Widerstande gegen den Herzog und gegen den Papst . Da rief Wladislaw seine Männer auf , die in Bereitschaft waren . Sie kamen in allen Richtungen herbei . Von dem Walde im Mittage kam Witiko mit mehr Leuten , als in dem mährischen Kriege bei ihm gewesen waren . Auch der alte Bolemil kam noch , und alle die jungen Krieger und die jungen Führer ritten in Eile heran . Und man zog nach Mähren , und es wurde in Schnelligkeit die Burg Znaim erobert und zerstört . Konrad mußte in schlechten Gewändern und ohne Habe in die Verbannung fliehen . Wladislaw nahm das Gebiet von Znaim in Besitz . Da richtete Konrad ein demütiges Flehen an Wladislaw , er tat Buße , und gelobte Genugtuung , Konrad , der König der Deutschen , bat für ihn bei Wladislaw , und Wladislaw gewährte ihm wieder Gnade . Er wurde durch den Heiligen Vater des Bannes ledig , und wurde von Wladislaw in sein Gebiet Znaim eingesetzt , das aber jetzt in Verwüstung war . Alle Scharen , welche zu Wladislaw in diesen Krieg gekommen waren , zogen in ihre Heimat zurück . Die Männer , welche der Dinge in den Ländern Böhmen und Mähren kundig waren , sagten , jetzt seien die Streitigkeiten Wratislaws und Konrads mit Wladislaw geendet . Witiko suchte in seinem Gebiete dasjenige zu beginnen und zu vollführen und die Leute dazu anzuleiten , was er für notwendig hielt , den Schatz zu heben , der , wie er gesagt hatte , in dem Walde liege . Er übte auch die Männer in den kriegerischen Dingen , und ließ Waffen und alles Gehörige in Bereitschaft setzen , wenn wieder ein Heereszug notwendig würde . Da erscholl die Kunde , daß im Reiche Jerusalem die Stadt Edessa von den Ungläubigen erobert worden , daß das Heilige Land in Gefahr sei , daß der Abt von Clairvaux , Bernhard , in Frankreich zu einem Zuge in die heiligen Länder rufe , daß der König von Frankreich , Ludwig , das Kreuz zum Zuge in das Heilige Land auf sein Gewand geheftet habe , daß seine Gemahlin , seine Brüder , und viele Bischöfe , Herren und Edle mitziehen wollen , daß der König der Deutschen , Konrad , zum Zuge rüste , und daß sein Neffe Friedrich , dann der Herzog von Baiern und der von Lothringen , der Markgraf von Österreich , der von Steier , der von Kärnten , viele Bischöfe , so auch Regimbert von Passau , und unzählige edle Männer und Männer aus dem Volke mitgehen wollen . Die Worte Bernhards wurden in den Kirchen von Böhmen und Mähren verkündiget , und der Bischof Zdik predigte in eifrigen Worten den Zug in die heiligen Länder . Der Herzog Wladislaw , sein Bruder Heinrich , Spitihnew , der Sohn Boriwoys , und viele Herren und viele aus dem Volke hefteten das Kreuz auf ihr Gewand . Die Herrschaft des Landes übertrug Wladislaw seinem Bruder Diepold . Aus dem Walde im Mittage des Landes zog auch eine Schar von Männern aus . Witiko aber ging zu diesem Zuge nicht . Der große Eifer kam aber nicht zu seinem Ziele . Es waren Schlachten , Kämpfe , Siege , Niederlagen , Nöten , Unbilden , und man erreichte nicht , was man wollte . Wladislaw , Konrad und Friedrich und andere kehrten wieder in ihre Heimat zurück . Manche Männer hatten ihren Untergang gefunden . Jurik wurde im Kampfe getötet , und Bartholomäus , der Kanzler des Herzogs , gefangen , und man hat nie mehr etwas von ihm vernommen . Regimbert , der Bischof von Passau , der gesagt hatte : » Wenn die Spanne dieses Lebens nicht schon zu kurz ist , so werde ich die Pilgerschaft in die heiligen Länder beginnen « , sah die Heimat nicht mehr , er starb auf dem Rückwege in Griechenland . In dem Jahre , da Wladislaw zurückgekehrt war , starb Otto , der Bischof von Prag , und es wurde Daniel , der Propst von Prag , zum Bischofe gewählt , und dann in Mainz geweiht . Es starb in dem gleichen Jahre auch der alte Bolemil in der Burg bei Taus . Der Herzog , dann sein Bruder Diepold , dann Silvester , Äbte und Erzpriester und Priester , dann Lubomir , Diwis , Preda , Wsebor , Bozebor , Welislaw , Odolen , Witiko , und zahlreiche Herren und Lechen und Wladyken zogen zu der Bestattung . Bolemil lag , wie er einstens in der Sänfte gesessen war , und seine Befehle in der Schlacht erteilt hatte , angetan mit dem braunen weiten Gewande , auf das sein weißer Bart niederfloß , so nun auch auf der Bahre in braunem Sammetgewande mit Gold , dessen Oberteil sein weißer Bart deckte . Eine ungemein große Zahl von Menschen war gekommen , von sehr vielen flossen ihm die Tränen in das Grab nach . Im dritten Jahre darauf starb Gertrud , die Gemahlin Wladislaws , des Herzogs von Böhmen und Mähren . Sie hatte nur ihr zweiunddreißigstes Lebensjahr erreicht . Es war ein Klagen und Jammern in dem ganzen Lande . Und wie einstens die Sänger in manchem Lande ihre Taten gesungen hatten , so sangen sie jetzt auch ihren Tod . Wladislaw legte sie an die Seite seiner Vorfahrer . Ehe ein Jahr vergangen war , folgte seiner Schwester auch ihr Bruder Konrad , der König der Deutschen , in das Grab . Sein Neffe , Friedrich , empfing die deutsche Königskrone . Und nun kam in das Reich Wladislaws , des Herzoges von Böhmen und Mähren , die Zeit , in welcher die Streite aufgehört hatten . Er führte nun aus , und befestigte , was der Kardinal Guido eingeleitet hatte . Er stiftete Klöster oder vollendete sie , wie Strahow , Sedlec , Plaß , Nepomuk , dann die Frauenklöster Doxau und Lunowic .