eine Haltung wie aus einem Guß zu geben . Der Kronprinz sah seine Anstrengungen belohnt . Sein Regiment bewährte sich gleich bei der ersten Revue so glänzend , daß es durch Erscheinung und Exerzitium allgemeine Bewunderung erregte . Die neue Uniform , in der es erschien , war der von des Königs Grenadierregiment ähnlich , aber mit silberner Stickerei und karmesinfarbenen Aufschlägen . 14 Der strenge Vater war befriedigt . Kaum minder als der » Dienst « beschäftigte ihn die Verschönerung der Stadt . Daß Ruppin bis diesen Augenblick sich seines » Walls « , eines prächtigen , mit schönen und zum Teil sehr alten Bäumen bepflanzten Promenadenweges erfreut , ist des Kronprinzen Verdienst . Hier erwies er sich , von einem richtigen Gefühl geleitet , ausnahmsweise als Konservator , während er ja im allgemeinen den Geschmack seiner Zeit teilte , die sich eitel darin gefiel , an die Stelle des poetisch Mittelalterlichen , die Flachheit des Kasernenbaus oder die Schnörkelei des Rokoko zu setzen . Drei Wälle hatten in alter Zeit die Stadtmauer zu weiterem Schutz umgeben . Schon während der zwanziger Jahre des vorigen Jahrhunderts war mit Abtragung dieser Wälle begonnen und das dadurch gewonnene Land als Gartenland parzelliert worden . Kaum aber war der Kronprinz in Ruppin erschienen , so erkannte er , welchen Schmuck man auf dem Punkte stand , der Stadt zu rauben . Dies erkennen und dagegen einschreiten war eins . Die Miscellanea historica unseres Gewährsmannes , des Dr. Bernhard Feldmann , geb . 1704 in Berlin , gest . 1776 in Neu-Ruppin , enthalten darüber folgendes : » Schon 1732 inhibirte S. K. Hoheit die Abtragung und konservirte also die noch übrigen , land-oder nordwärts vom Rheinsbergischen bis zum Berliner Thore gelegenen Wälle , so noch stehen und mit alten Rüstern , Eichen , Buchen , Haseln usw. bewachsen sind ; auch ließ sie der Kronprinz mit vielerlei Sorten Bäumen bepflanzen und an ihrem Ende ( beim Berliner Thore ) mit einem schönen Garten zieren , wodurch der › Wall ‹ zum angenehmsten , beschatteten Spaziergang voll Nachtigallen geworden ist . « Kronprinz Friedrich hatte vier volle Jahre , von 1732 – 1736 , seinen festen Wohnsitz in Ruppin , aber nur während des ersten Jahres gehörte er dem Ruppiner Stilleben mit einer Art Ausschließlichkeit an . Vom Juni 1733 an drängten sich die Ereignisse , die ihn oft monatelang und länger von » Haus und Garten , die ihm lieb geworden waren « fernhielten . Seiner Vermählung im Juni 1733 folgte vier Monate später die Erwerbung Rheinsbergs und ehe noch der Umbau des Rheinsberger Schlosses zur Hälfte beendet war , führte die Wiedereröffnung der Feindseligkeiten zwischen Frankreich und dem Kaiser ( im Sommer 1734 ) unseren Kronprinzen an den Rhein . Am 7. Juli war er in Wiesenthal , wo der Generalleutnant von Röder mit den preußischen Truppen im Lager stand . Aber » im Kaiserlichen Heere war nur noch der Schatten des großen Eugen « , der einundsiebenzigjährige Held hatte sich überlebt . Philippsburg ging verloren ; das tatenlose Hin- und Herziehen ward unerträglich , und ausgangs Oktober erblicken wir den Prinzen wieder daheim in seiner » geliebten Garnison « . Zweierlei hatte ihm der lorbeerarme Kriegszug eingetragen ; zunächst und allgemein einen Einblick in die Schwächen der Kaiserlichen Armee , daneben speziell und allerpersönlichst – einen Freund . Dieser Freund war Chazot . Wie das Jahre 1734 einen längeren Aufenthalt am Rhein gebracht hatte , so brachte das folgende Jahr eine mehrmonatliche Reise nach Ostpreußen . Uns aber beschäftigen diese Ausflüge nicht , wir halten uns vielmehr innerhalb der Bannmeile von Ruppin und versuchen ein Bild dieser späteren Ruppiner Tage . Das Rheinsberger Schloß schmückt und erweitert sich mehr und mehr , der Tag der Übersiedelung jedoch ist noch fern und die bescheidenen Ruppiner Räume müssen zunächst noch genügen . Die Stadtwohnung läßt viel zu wünschen übrig , aber es bedrückt nicht , denn wenigstens die Sommermonate gehören dem » Garten am Wall « . Hier lebt er heitere , mußevolle Stunden , die Vorläufer jener berühmt gewordenen Tage von Rheinsberg und Sanssouci . Allabendlich , nach der Schwere des Dienstes , zieht es ihn nach seinem » Amalthea « 15 hinaus . Der Weg durch die häßlichen Straßen der alten Stadt ist ihm unbequem , so hat er denn für ein Mauerpförtchen Sorge getragen , das ihn unmittelbar aus dem Hofe seines » Palais « auf den Wall und nach kurzem Spaziergang unter den alten Eichen in die lachenden Anlagen seines Gartens führt . Da blüht es und duftet es ; Levkojen und Melonen werden gezogen , und auf leise ansteigender Erhöhung erhebt sich der » Tempel « , der Vereinigungspunkt des Freundeskreises , den der Kronprinz hier allabendlich um sich versammelt . Das Souterrain enthält eine Küche , der » Tempel « selbst aber ist einer jener oft abgebildeten Pavillons , die auf sechs korinthischen Säulen ein flachgewölbtes Dach tragen und sich in den Parks und Gärten jener Epoche einer besonderen Gunst als Eßzimmer erfreuten . Der Mond steht am Himmel , in dem dichten Gebüsch des benachbarten Walls schlagen die Nachtigallen , die Flamme der Ampel , die von der Decke herabhängt , brennt unbeweglich , denn kein Lüftchen regt sich , und keine frostig abwehrende Prinzlichkeit stört die Heiterkeit der Freunde . Noch ist kein Voltaire da , der seine Pikanterien mit graziöser Handbewegung präsentiert , noch fehlen die Algarotti , d ' Argens und Lamettrie , all die berühmten Namen einer späteren Zeit , und Offiziere seines Regiments sind es zunächst noch , die hier der Kronprinz um sich versammelt : von Kleist , von Rathenow , von Knobelsdorff , 16 von Schenkendorff , von Gröben , von Buddenbrock , von Wylich , vor allem – Chazot . 17 Das Leben , das er mit diesen Offizieren führte , war frei von allen Fesseln der Etikette , ja ein Übermut griff Platz , der unseren heutigen Vorstellungen von Anstand und guter Sitte kaum noch entsprechen dürfte . Fenstereinwerfen , Liebeshändel und Schwärmer abbrennen zur Ängstigung von Frauen und Landpastoren , zählte zu den beliebtesten Unterhaltungsmitteln . Man war noch so unphilosophisch wie möglich . So kam der August 1736 , um welche Zeit der Umbau des Rheinsberger Schlosses beendet war . Von da an beginnen die glänzenden und vielgefeierten Rheinsberger Tage . Aber diese Rheinsberger Tage , die das Ruppiner Leben verdunkelt haben , waren doch nicht so völlig das Ende desselben wie gewöhnlich geglaubt wird . Vielmehr fand jetzt ein Austausch , eine Art Rückzahlung statt , und wenn von 1733 an die Rheinsberger Ausflüge Ruppin um die andauernde Anwesenheit des Kronprinzen gebracht hatten , so war von jetzt an Ruppin der Gegenstand und das Ziel beständiger , wenn auch zum Teil durch den » Dienst « gebotener Besuche . Viele seiner Briefe geben Auskunft darüber , wie teuer ihm die Stadt , in der er vier glückliche Jahre verlebt hatte , geworden war . Entweder tragen jene Briefe das Datum Ruppin und führen dadurch den Beweis längeren oder kürzeren Aufenthalts daselbst , oder flüchtige , von Potsdam , Berlin und anderen Punkten aus geschriebene Zeilen , sprechen eine Sehnsucht aus nach seiner » geliebten Garnison « . So schreibt er im Juni 1737 an Suhm : » Den 25. geh ' ich wieder nach › Amalthea ‹ , meinem Garten in Ruppin . Ich brenne vor Ungeduld , meinen Wein , meine Kirschen und meine Melonen wieder zu sehen « , und 1739 noch ( am 16. Juni ) heißt es in einem vom Ruppiner Garten aus datierten Briefe : » Ich werde morgen nach Rheinsberg gehen , um allda nach meiner kleinen Wirtschaft zu sehen ; hier wollen keine Melonen reif werden , so gerne wie ich auch gewollt , daß ich meinem gnädigsten Vater die Erstlinge des Jahres hätte schicken können . « Diese beiden Briefe sind insoweit wichtig , als sie keinen Zweifel darüber lassen , daß Kronprinz Friedrich seinem » Amalthea « zu Ruppin keineswegs den Rücken kehrte , vielmehr vom August 1736 an eine Art Doppelwirtschaft führte und an die Gärten und Treibhäuser beider Plätze die gleichen Ansprüche erhob . Sonntags las er in Ruppin seine Predigt , während Des Champs vor der Kronprinzessin und dem Hofe in Rheinsberg predigte . Selbst noch unmittelbar nach der Thronbesteigung ( im Sommer 1740 ) sah die Stadt Ruppin den nunmehrigen König Friedrich II. mehrfach in ihren Mauern , und bis zum Spätherbst desselben Jahres blieb es zweifelhaft , ob Ruppin oder Potsdam oder Rheinsberg der erklärte Lieblingsaufenthalt des neuen Königs werden würde . Großartige Gartenanlagen , wie sie damals entworfen wurden , schienen für Ruppin zu sprechen , aber die weite Entfernung von der Hauptstadt führte schließlich zu anderen Entschlüssen . Die Terrassen von Sanssouci wuchsen empor und – Ruppin war vergessen . Es ist zweifelhaft , ob der große König in seiner sechsundvierzigjährigen Regierung es jemals wiedergesehen hat . Die Frage bleibt uns zum Schlusse , was wurde aus diesen Schöpfungen , großen und kleinen , die die Anwesenheit des Kronprinzen ins Dasein rief ? Was haben einhundertundfünfzig Jahre zerstört , was ist geblieben ? Zunächst das Stadt-Palais . 1744 schenkte es der König an seinen jüngsten Bruder , den Prinzen Ferdinand , der zum Chef des in Ruppin garnisonierenden Regiments ernannt worden war . In dieser seiner Eigenschaft als Chef des nunmehrigen Regiments Prinz Ferdinand , scheint genannter Prinz bis 1787 , wo das große Feuer die Stadt zerstörte , wenigstens zeitweilig in Ruppin residiert und das vormalig kronprinzliche Palais bewohnt zu haben . 18 Dies ergibt sich mit einiger Gewißheit aus der Existenz zweier etwa aus dem Jahre 1780 herstammender Bildnisse , die – bei Gelegenheit des Brandes von 1787 gerettet – einem anderen Gebäude wie dem Prinz Ferdinandschen Palais nicht wohl angehört haben können . Es sind dies die Bildnisse der Kaiserin Katharina von Rußland und der Königin Maria Antoinette , Porträts , die hier schwerlich anzutreffen gewesen wären , wenn nicht der Prinz auch noch in der Zeit nach dem Siebenjährigen Kriege wenigstens vorübergehend an dieser Stelle geweilt hätte . Was die Porträts selber angeht , so macht das der schönen Habsburgerin einen sehr gefälligen Eindruck , während das der Kaiserin Katharina mit dem Andreaskreuz auf der Brust nicht bloß durch Umwandlung aus einem ursprünglichen Kniestück in ein Bruststück , sondern weit mehr noch durch einen plump aufgetragenen Firnis an Wert und Ansehen verloren hat . Die Transponierung in ein Bruststück erfolgte , wie mir der gegenwärtige Besitzer vertraulich mitteilte , lediglich unter Anwendung einer großen Zuschneideschere , und war nötig , weil die ganze untere Partie der Kaiserin schwer gelitten hatte . Der Erzähler selbst ahnte dabei nichts von dem Bedeutungsvollen seiner Tat , am wenigsten aber von der historischen Gerechtigkeit , die die große Zuschneideschere geübt hatte . Das » Palais « selbst ist niedergebrannt , und ein apart aussehendes Haus ( das sogenannte Molliussche Haus ) ist auf dem Grund und Boden aufgeführt worden , auf dem 1732 die nachbarlichen Häuser des Obersten von Wreech und des Oberstleutnants von Möllendorff zu einer Art von prinzlichem Palais verbunden worden waren . Die Straße , die zu diesem Hause führt , führt wie billig den Namen der Prinzenstraße , und ein prächtiger alter Lindenbaum , der seine Zweige vor dem poetisch dreinschauenden grauweißen Hause ausbreitet , schafft ein Bild , wie ' s dieser Stelle paßt und kleidet . Zwischen dem Hause und der Stadtmauer liegt ein Gärtchen . Wir passieren es und stehen vor der auf den » Wall « hinausführenden Mauerpforte , die der Kronprinz allabendlich benutzte , wenn er nach dem Dienst und der Arbeit des Tages sich erhob , um im » Tempel « den obenbenannten Freundes- und Offizierskreis um sich her zu versammeln . Die Tür existiert nicht mehr , und es bedarf eines Umwegs , um die Außenseite der Mauer und dadurch zugleich den » Wall « zu gewinnen . Seine schattigen Gänge führen uns jetzt nach » Amalthea « . Hier im Garten ist noch manches , wie ' s ehedem war . Allerhand Neubauten entstanden , aber die Einfassung blieb , und die hohen Platanen im Hintergrunde , die über die Mauer hinweg mit den draußen stehenden Bäumen Zwiesprach halten , sind noch lebendige Zeugen aus den friderizianischen Tagen her . 19 Vor allem existiert noch der » Tempel « selbst . Aber freilich , es sind keine Säulen mehr , die das Kuppeldach tragen , sondern ein solides Mauerwerk mit Tür und Fenstern ist an ihre Stelle getreten und bildet ein mäßig großes Rundzimmer , das eben ausreicht zu einem Souper zu sechs . Wir sind die glücklich Geladenen . Der Wein lacht in den Gläsern , die Girandolen brennen und vom Garten her durch die offenstehende Tür treffen Mondlicht und Abendkühle den froh versammelten Kreis . Es ist , als wäre die alte Zeit wieder da , und ungesucht wird unser Beisammensein zu einer Darstellung aus : » Kronprinz Friedrich in Ruppin . « Unsere Kostüme freilich lassen viel vermissen ( denn an was erinnerten unsere Reiseröcke weniger als an die silbergestickten Uniformen der Offiziere des kronprinzlichen Regiments ) , aber was den Kostümen fehlt , wird aufgewogen durch die künstlerische Treue der Kulissen und Requisiten . Die Spiegel mit ihren Rahmen in Barock , die Tische mit ihren ausgeschweiften Füßen , die Atlasgardinen , endlich das die » Geburt der Venus « darstellende Deckenbild – alles erinnert an jenes aus prosaischen und poetischen Elementen so reizvoll und so wunderlich gemischte Stück Zeit , das sein Kleid in den Schlössern der Ludwige , seinen historischen Gehalt aber in den Schlössern der Friedriche empfing . Und dort ist er selbst , der seinem Jahrhundert den Namen gab . Aus der Nische hervor leuchtet sein Auge , um ihn her aber , an den Wandpfeilern entlang , schließt sich ein bunter Kreis von Zeitgenossen : Prinz Heinrich und Voltaire , Zieten und Lessing , Gluck und Kant . Unsere Gläser klingen zusammen . » Es lebe die alte Zeit . « Aber draußen schlugen die Nachtigallen , und ihr Schlagen klang wie ein Protest gegen die » alte Zeit « und wie ein Loblied auf Leben und Liebe . II Seitdem das vorstehende Kapitel geschrieben ward , ward auch von anderer Seite her der Versuch gemacht , der darin angeregten Frage näherzutreten . Hauptmann Becher vom Ruppiner Regiment Nr. 24 ( zur Zeit Kompanieführer im 3. ostpreuß . Regiment Nr. 4 in Danzig ) hat mit Hilfe der umfangreichen Korrespondenz aus den dreißiger Jahren des vorigen Jahrhunderts festzustellen gesucht , wie die Ruppiner Tage des Kronprinzen verliefen , und diese reiche und den Gegenstand vielleicht erschöpfende Bechersche Arbeit ist es , der ich auszugsweise das Material zu nachstehendem entnommen habe . Unterm 13. Juni 1734 wurde seitens des strengen Vaters eine Instruktion 20 aufgesetzt , die bestimmt war , die Lebensweise des » Kronprinzen Liebden « zu regeln . Darin heißt es : » Wenn Er zu Hause speiset , so soll Seine Tafel nicht mehr als von 8 Schüsseln sein , jedesmal 4 und 4 , des Abends aber soll weiter nichts als kalter Braten gegeben werden . Insonderheit befehlen S. K. M. , daß an seiner , des Kronprinzen Tafel , nichts gesprochen werde , so wider Gott und dessen Allmacht , Weisheit und Gerechtigkeit , noch wider dessen heiliges Wort läuft ; desgleichen denn keine groben Scherze noch schmutzige Zoten gesprochen werden müssen , falls aber sich jemand in des Kronprinzen Gegenwart so weit vergäße , so soll ihm gesagt werden que ce ne sont point des Discours qu ' on doit tenir en presence du Prince Royal , et qu ' il voudrait mieux de parler d ' autres affaires . « » Alle Sonntage soll der Kronprinz dem Gottesdienst beiwohnen , auch alle Woche zwei bis dreimal in die Betstunde mitgehn . « » Und dieweilen nach dem göttlichen Wort Unzucht , Saufen und Spielen ernstlich verboten ist , wollen sich S. K. M. von Dero Kronprinzen Liebden dergleichen weder versehen noch vermuthen . Falls aber doch ein Exceß stattfinden und des Kronprinzen Liebden ( was Gott verhüten wolle ) in Sünde und Laster verfallen sollte , so befehlen S. K. M. denen beiden Generalmajors v. Schulenburg und v. Kleist Ihm darüber sofort gehörige Erinnerung zu thun und Ihn aufs höchste zu bitten und zu ermahnen , davon abzustehen , zugleich aber alles an S. K. M. per Estafette zu melden . Auch sollen Kronprinzen Liebden nicht Karten noch Würfel spielen , auch nicht paar oder unpaar oder wie die Spiele sonst noch heißen mögen . « So einige der wichtigsten Punkte der im ganzen fünfundzwanzig Paragraphen umfassenden Instruktion . Worauf der König vorzugsweise Gewicht legte , das war Einfachheit und Sparsamkeit , anständiger Ton , Kirchlichkeit und Keuschheit . Daß der Kronprinz diesem Ideale während seiner Ruppiner Tage nachgekommen wäre , wird sich nicht behaupten lassen . Von der Keuschheit gar nicht zu reden , ward allwöchentlich mit Sehnsucht auf die Delikatessen bringende Hamburger Post gewartet , und wie ' s drittens und letztens mit dem » anständigen Tone « und der Kirchlichkeit aussah , dafür mag die nachstehende Geschichte zeugen , die Büsching erzählt . » Einige Male ( und zwar immer zur Tafelzeit ) war der Feldprediger beim Kronprinzen erschienen , und hatte bei der Gelegenheit im Gespräch mit dem ihn empfangenden Adjutanten darauf hingewiesen , › daß er bei dem vorhergehenden Herrn Obersten regelmäßig zu Mittag gespeist habe ‹ . Der Kronprinz ließ ihn aber nichtsdestoweniger abweisen und sprach in Gegenwart der Offiziere geringschätzend von ihm . Der Feldprediger nahm daraus Veranlassung in seinen Predigten auf den Kronprinzen zu sticheln . › Herodes ( so hieß es in einer dieser Predigten ) lasse die Herodias vor sich tanzen , und ihr hinterher des Johannes Kopf geben . ‹ Herodes war der Kronprinz , Herodias das lustige Offizierkorps , der Johannes aber bedeutete natürlich den nicht zur Tafel geladenen Feldprediger . Um ihn für diese Stichelreden zu strafen , begab sich der Kronprinz nächtlicherweile mit einigen jungen Offizieren des Regiments in des Feldpredigers Wohnung , auf deren Hof eine große Pfütze war . Und nun wurden ein paar Scheiben eingeschlagen , Schwärmer in die Schlafkammer geworfen , und der Feldprediger aus dem Bett in den Hof oder mit andern Worten in die Pfütze gejagt . « Dies und Schlimmeres kam zur Kenntnis des Hofes , speziell der Königin , und als der Kronprinz erfuhr , » daß man davon wisse « , war er beflissen durch Versicherungen seiner Wohlanständigkeit den Effekt solcher Ausplaudereien abzuschwächen . Es lag ihm begreiflicherweise daran , den kaum besänftigten Vater nicht aufs neue gegen sich eingenommen zu sehen , und so schrieb er denn unterm 23. Oktober 1732 von Ruppin aus an General Grumbkow : » Ich lebe jetzt , weiß Gott so zurückgezogen , wie nur möglich ; der Regimentsdienst , die Exercitien , die ökonomischen Kommissionen , mit welchen mich der König bedacht , beschäftigen mich vollauf ; darauf folgt das Essen , die Parole , und wenn ich dann nicht über Land reite , so zerstreue ich mich durch Lektüre und Musik . Gegen 7 Uhr bin ich mit den Offizieren , den Capitainen oder mit Bodenberg ( wahrscheinlich Buddenbrock ) oder Anderen zusammen und spiele mit ihnen . Um 8 Uhr soupire ich , um 9 Uhr ziehe ich mich zurück , und lebe so einen Tag wie den anderen . Nur wenn die Post aus Hamburg kommt , lade ich mir etwa drei bis vier Personen zu Gast und speise mit denselben in meinen Zimmern , da ich die Ausgabe , zehn Personen solch theure Leckerbissen vorzusetzen , nicht machen kann . Meine einzige Zerstreuung besteht im Wasserfahren , oder daß ich einige Schwärmer in meinem vor der Stadt liegenden Garten steigen lasse . Das sind meine Vergnügungen , und ich wüßte kaum , was man anders in einem so untergeordneten Orte anfangen könnte . Natürlich wünsch ich von ganzem Herzen , daß dem König über das Alles die Augen geöffnet würden . Ich glaube kaum , daß es etwas Unschuldigeres giebt und daß man stiller leben kann . Man hat – unter uns gesagt – der Königin die Meinung beigebracht , ich sei über die Maßen ausschweifend , und sie scheint es zu glauben . Ich kann mir gar nicht erklären , wie man dazu kommt , denn wenn ich auch nicht leugnen will , daß auch mein Fleisch bisweilen schwach ist , so braucht man doch um einer kleinen Sünde willen nicht als der größte Wüstling verschrieen zu werden . Ich kenne Keinen , der es nicht eben so machte , Viele aber , die es schlimmer treiben , und doch spricht , ich weiß nicht wie es kommt , Niemand von ihnen . Ich gestehe , daß mir das sehr nahe geht , und wenn ich in der Lage wäre , würde ich den elenden Subjekten , welche solche Gerüchte unter der Hand verbreiten , meinen Zorn fühlen lassen . – Sie sehen , lieber Freund , daß ich sehr aufrichtig bin , und Ihnen ohne Hintergedanken alles sage ; denn ich weiß , daß Sie für meine Schwächen einige Nachsicht haben und wissen , ( oder doch wenigstens hoffen ) daß die Zeit mich weise machen werde . Ich thue mein Möglichstes , um es zu werden ; doch glaube ich kaum , daß Cato in seiner Jugend Cato war . « Wird den in diesem Briefe gemachten » Zugeständnissen « noch einiges zugelegt , so gewinnen wir mutmaßlich ein richtiges Bild von dem privaten und gesellschaftlichen Leben des Kronprinzen in Ruppin . Neben diesem privaten und gesellschaftlichen Leben aber ( oder richtiger wohl ihm vorauf ) existierte selbstverständlich noch ein anderes : das soldatische Leben , der » Dienst « . Der Dienst war das Corrigens der Debauchen . Der Kronprinz hatte sich vorgenommen , » daß sein Regiment kein Sallat-Regiment ( wie der König bei schlechten Regimentern sich auszudrücken beliebte ) werden sollte « , und machte sich daher , um ihn selber sprechen zu lassen , den Grundsatz zu eigen : » Ich exerziere , ich habe exerziert und ich werde exerzieren ! « Aber das Exerzieren allein tat es nicht . Ebenso wichtig oder noch wichtiger war die Beschaffung von Rekruten , besonders von Riesenrekruten . Und auch nach dieser Seite hin wünschte sich der Sohn dem Vater angenehm zu machen . Von Ruppin aus ( 15. September 1732 ) war es denn auch , daß er folgenden berühmt gewordenen Brief nach Potsdam hin richtete : » Allergnädigster König und Vater ! Ich habe die Gnade gehabt , jetzunt meines allergnädigsten Vaters Ordre mit dem neuen Werbe-Reglement in aller Unterthänigkeit zu erhalten , und werde auch beim Regiment in allen Stücken suchen zu conformiren . Bei die meisten Compagnien aber seind noch 8-zöllige Leute , incl . erstes Glied , und werden wir Mühe haben , solche dieses Jahr herauszukriegen . Auch habe aus dem Werbe-Reglement gesehen , daß wenn Offiziere große Kerls wissen so über 6 Fuß haben , sie solche angeben sollen , wenn sie nicht mit Gutem zu persuadiren wären . Hier unweit von Perleberg ins Mecklenburgische hält sich ein Schäferknecht auf , welcher 6 Fuß 4 Zoll gewiß haben soll . Mit Gutem ist nichts mit ihm auszurichten . Aber wenn er die Schafe hütet , so ist er alleine auf dem Felde , und könnte man ihn mit ein paar Offiziers und ein paar tüchtige Unteroffiziers schon kriegen . Es ist derselbe , da schon mal die Husaren nach seind geschickt gewesen . Ich habe Offiziers allhier , die sehr wohl dort bekannt seindt ; also wollte fragen , ob mein allergnädigster Vater befehlet , daß man ihn aufheben solle oder nicht , und wofern es mein allergnädigster Vater vor gut findet , so will ich schon praecautiones nehmen , daß die Sache gut gehen soll , und ohne daß sonderlich Lärm daraus wird . Denn ich kenne den Amtmann , unter welchem der Kerl steht , und kann man dem schon das Maul stopfen . « Aller Anstrengungen unerachtet , wie sie sich aus diesem Schriftstück ergeben , wurde der Kronprinz nichtsdestoweniger durch andere Regimentschefs übertroffen , was ihn , ebenfalls von Ruppin aus , zu folgendem Entschuldigungs- und Klagebrief an den Obersten und Hofjägermeister von Hacke , Günstling des Königs , veranlaßte . » Das ist keine Kunst , daß des Fürsten ( Leopold v. Dessau ) und die magdeburgischen Regimenter schön sind , wenn sie Geld vollauf haben und kriegen darnach auch noch 30 Mann umsonst ! Ich armer Teufel aber habe nichts und werd ' auch mein Tage nichts kriegen . Bitte , lieber Hacke , bedenk ' Er doch das . Und wo ich kein Geld habe , so führe ich künftiges Jahr Asmus allein als Rekrut vor , und wird mein Regiment gewiß Kroopzeug sein . Sonsten habe ich ein deutsches Sprichwort gelernt , das heißt : › Versprechen und Halten , Ziemt wohl Jungen und Alten ‹ ... Ich verlasse mich allein auf Ihn , mein lieber Hacke . Wo Er nicht hilft , so wird es schlecht aussehn . Heute habe wieder angeklopft ( an den König um Geld geschrieben ) und wo das nicht hilft , so ist es gethan . Wenn ich noch könnte Geld geliehen kriegen , so wäre es gut . Aber daran ist nicht zu denken . So helft mir doch , lieber Hacke ! Ich versichere , daß ich allzeit danken werde . Der ich jederzeit meines lieben Herrn Hauptmanns ganz ergebener Diener und Freund bin , Friedrich . « In der Tat , er wußte nicht aus noch ein , und der hervorstechendste Zug dieser » Ruppiner Tage « war vielleicht die Geldmisere . Schon als er nach Ruppin kam , war er , der Kronprinz , wie aus den Berichten des österreichischen Gesandten Seckendorff an den Prinzen Eugen hervorgeht , aller Orten Geld schuldig . Und der kaiserliche Hof ließ sich denn auch eine so schöne Gelegenheit nicht entgehen , sich durch kleine Dienstleistungen künftiger Gegendienste zu versichern . Anfang 1732 schon instruierte Prinz Eugen den Gesandten Seckendorff wie folgt : » Ew . Excellenz Obsorge muß vornehmlich darauf gerichtet sein , dem Kronprinzen nach und nach in Ansehung Kaiserlicher Majestät diejenigen Principien beizubringen , die zu unzertrennlicher Befestigung der zwischen den beiden Höfen dermalen unterlaufenden engen Freundschaft nöthig ; zu welchem Ende man auch von hier aus sowohl mit dem Gelde , als mit anderem so zu des Prinzen Vergnügen gereichen mag , an die Hand gehen wird . Nur daß Ew . Exc . die nöthige Obsorge tragen , daß weder der König noch sonst jemand anders wegen des dem Kronprinzen zu gebenden Geldes einigen Argwohn schöpfe . « Danach wurde denn auch verfahren , und Seckendorff machte den Anfang mit Übersendung von 500 Dukaten , welche er , zwischen Bücher verpackt , nach Ruppin hinschickte . Der richtige Empfang sollte durch die zerrissenen Stücke des Briefes bescheinigt werden . Der Kronprinz antwortete umgehend von Ruppin aus : » Das Buch , welches Sie mir geschickt haben , finde ich ganz charmant und schicke Ihnen in einem Couvert das › Lied ‹ ( die zerrissenen Stücke des Briefes ) welches Sie von mir zu haben wünschen . « – Wenn Friedrich anfangs noch glauben konnte , daß er das Geld , welches ihm später beinah regelmäßig in heimlicher Weise gezahlt wurde , von Seckendorff persönlich erhalte , so wurde er durch diesen selbst bereits unterm 13. April 1733 über die wirkliche Sachlage aufgeklärt : » Sie können versichert sein , daß der Kaiser Seinerseits nichts versäumen wird , Ew . Königlichen Hoheit diejenige Achtung zu bezeigen , welche Se . Majestät vor den persönlichen Verdiensten Ew . K. H. gefaßt hat . Die Summe , welche Ew . K. H. mir schulden , ist schon bezahlt ; Ew . K. H. werden , glaub ich , leicht errathen , durch wen . Da Ew . K. H. mir die gegenwärtige Noth schildern ( sie betraf die Hochzeitsreise nach Braunschweig , zu welcher der König nichts extraordinär bewilligen wollte ) werde ich Ihnen den Rest der Unterstützung auszahlen . « Unzweifelhaft war es dem Kronprinzen ein peinliches Gefühl , durch den Gesandten eines fremden Hofes Gelder zu erhalten . » Weil dies jedoch « , wie er sich selber ausdrückte , » immerhin noch besser war als Hungers zu sterben « , so nahm er auch noch 1735 unbedenklich eine kaiserliche Unterstützung von 3 000 Dukaten an . Erst von 1737 ab wurden diese Verlegenheiten in etwas geringer . Um diese Zeit erhielt er , außer dem Gute Zernikow , auch noch eine königliche Zulage von 12000 Talern und etwas später das etwa bis zu gleicher Höhe ( 12 000 Taler ) sich erhebende Einkommen von dem Trakehner Gestüt . All dies half , gewiß , aber es half nicht viel , und erst nach seiner Thronbesteigung sah er sich in der Lage , sich seiner zahlreichen , aus den Ruppiner und Rheinsberger Tagen herstammenden Verpflichtungen entledigen zu können . Ob auch gegen den österreichischen Hof ? Er hätte wenigstens die dazu nötigen Summen aus Schlesien leicht bestreiten können . 6. General von Günther 6. General von Günther Und Ihm , Von dem ich Ehre und irdisches Gut Zu Lehen trage und Leib und Blut , Ihm hab ' ich mich ganz ergeben . Johann Heinrich Günther , ein ausgezeichneter Führer leichter Truppen , der glorreich fortsetzte , was unter Zieten und Belling begonnen worden war , ward im Sommer 1736 , also in demselben Jahre , wo Kronprinz Friedrich nach Rheinsberg hin übersiedelte , zu Neu-Ruppin geboren . Er war aus bürgerlichem Stande . Sein Vater stand als Feldprediger beim Regiment Kronprinz und zeichnete sich durch Kanzelberedsamkeit aus . Der Sohn , unser General Günther , gehört