, daß ' s gelbe Augn hat , an rotn Schopf und ' n Kropf ! « Drauf stieß er einen hellen Juchzer aus , schwang seinen Sack , daß die Henne laut schrie und gaggerte , und stampfte mit den Stiefeln und sang : » Aber Dirnei , was knerrst denn und schreist denn a so ! Balst so ohabisch tuast , nachher kriagst ja koan Mo ! Du muaßt ja schö stad sei und ' s Herzerl auftoa , Muaßt a zuckersüaße Drutschl sei , sunst bleibst alloa ! « Der Hochzeitlader war derweil aus der Stuben gekommen und begann nun überall nach der Braut zu suchen : in der Kuchel , in der Speis , im Stall . Dazu sang er : » Jetz sollt i verkündn , daß a Bräutl da is , Und kann s ' nindascht findn , wo s ' hingschloffa is ! Is in der Kuchl net , in der Speis net und in Stall nindascht z ' sehgn , Jatz muaß i ' s Kirzl ozündn und leuchtn a weng ! « Zog also ein Wachs und Zündzeug aus dem Sack und schlug Feuer . Der andere aber gab ihm einen Rat : » Schaug in Heubodn auffe , schaug in d ' Kammer ei , Schaug ins Millikastl und ins Krautfaß nei ! Schaug in d ' Liegerstatt und hinter d ' Kellerstiagn , Balst es gscheid ohebst , werst es scho kriagn ! « Ich lehnte immer noch droben auf der Stiegen , und es war mir , als sei ich in einem Komödienhaus und hörte da ein närrisches Fastnachtsspiel ; aber es war leider ein trauriges Zuschauen und Hören , da mir mein liebes Kathreinl für einen andern geworben und gefreit wurde . Und am End konnt ich nicht mehr Stand halten , kroch an die Tür zum Heuboden und schlüpfte hinein ; stieg an der Leiter hinab zur Tenne und lief durch den Stall hinaus in den Hof , wo die Stalldirn kehrte und fegte , daß der Staub aufwirbelte . Indem fiel mir die Nandl ein , und ich sagte der Dirn , daß sie gleich mitkommen müßt auf die Schwaigen ; sollt auch zwei , drei Flaschen Wein und ein etlichs paar Eier mitnehmen für die Wochnerin . Unwillig erwiderte sie : » Laß mir nix schaffen vom Kühbuben ! « Dann fuhr sie mir mit dem Besen zornig über die Füße und kehrte weiter . Eine Weile noch sah ich ihr gedankenlos zu und blieb auf dem Fleck ; dann aber lief ich kurzerhand hinein ins Haus , wo der Hochzeitlader eben das Kathreinl aus dem Krautfaß zog und der Ziehvater und die Mutter lachend dabeistanden ; fuhr also grimmig dazwischen und schrie die Weidhoferin an : » Machts einmal ein End mit der Narretei ! Ich muß eine Schwaigerin haben ! Eine Hilf brauch ich für die Nandl ! « » Oho ! Net so gach , Büberl ! « erwiderte die Ziehmutter hochfahrend . » Wann die Herrischen handeln , haben die Dienstigen das Maul zu halten ! Wir haben jetzt keine Zeit für dich ! « Und der Meßmer rief spöttisch : » Geh nur und such dir dein Sach ! Bist ja auch sonst so mannig ! « Himmel ! Da kam ' s über mich , und es fuhr mir heraus , was an Gift und Galle in mir steckte , ungeachtet der zu erwartenden Straf ; und ich schrie , daß mir die Stimm überschnappte : » Jawohl , das bin ich auch ! Und so dumm wär ich auch nit , daß ich so eine nähm , die schon bei einem andern Buben glegen ist ! Herrisch oder nit ! Aber lieber eine Gänsdirn , als wie so eine ! « Heißa ! Das traf ! Und ich lief aus dem Haus und dahin auf die Alm ; und in den Ohren gellten mir noch immer meine eigenen Worte . Sie ließen mich nimmer aus , hallten mir aus allen Geräuschen entgegen , aus dem Rauschen des Bergbachs , aus dem Keuchen meines Atems - und dazu mischte sich eine harte Anklag meiner selbst : » Du hast sie ehrlos gemacht aus Bosheit . « Wie ein Feuer brannte es auf mir , daß ich so feig und gemein an dem Mädchen gehandelt hatte , und ich zermarterte mein Hirn , wie ich es wieder gut machen könnte . Planlos lief ich unter diesem dahin ; ein leiser Regen begann zu fallen , und die Nebel sanken weit in die Täler hinab . Bald kam ein Frösteln über mich , und ich begann zu fiebern und zu frieren . Unsinnige Gedanken jagten durch meinen Kopf ; bald wollte ich wieder zurücklaufen und die Geschmähte um Vergebung bitten , bald zum Wasserfall , mich hinabzustürzen ; doch lief ich immerzu den geraden Weg nach der Weidhoferalm und kam endlich ganz durchnäßt an die Hütte . Wollte also hinein ; aber entsetzt fuhr ich zurück - unter der Tür stand grinsend mein Widersacher , der lange Ambros . Sein Gewand war zerfetzt , seine Haare zerwirrt ; er war bleich , und in seinen Augen brannte es wie ein Feuer . » Hab schon eine gute Weil auf dich gewart , Bürscherl ! « sagte er und weidete sich an meinem Schreck . » Hab dich aber doch noch erwarten können , wie ich seh ! « Mich schüttelte ein Grausen ; aber ich zwang mich zur Schneid und sagte gleichgültig : » Auf mich hast g ' wart ! Ich hab denkt , auf d ' Landjager , weil grad zwee daherkommen da vorn ! « Dabei wies ich nach einer nahen Wegbiegung , die durch einen mächtigen Felsblock verdeckt war . Der aber hatte kaum das Wort Jager vernommen , rannte er auch schon davon und verschwand hinter der Hütte , während ich eilends hineinging und die Tür verriegelte . Die Schwaigerin lag schlafend auf ihrer Liegerstatt und hielt das Kind warm an die Brust geschmiegt . Ich durchsuchte die Hütte nach der Mariandl , die mußte aber wohl schon wieder nach der Riedleralm zurück sein ; denn ich konnte sie nirgends finden . Überlegte also , was ich nun beginnen sollt , besonder da ich auch ganz allein war und in dem Schelmen , dem Ambros , einen gefährlichen , ja unheimlichen Patron sah . Mitnichten wollte ich allein in der Hütte bleiben ; stellte also der Nandl einen Weidling voll Milch auf einen Hocker vors Bett , legte einen Löffel , Brot und Butter dazu und schlich mich leise wieder davon und versperrte die Hütte . Nun sprang ich also eilends wieder hinab nach Sonnenreuth und war noch vor dem Abend am Weidhof . Der Meßmer saß gerad mit der Jungfer auf der Hausbank und hatte einen köstlichen Rauchmantel aus der Pfarrkirch vor ihr ausgebreitet , als ich durch den Gadern trat . » Flickst ' n halt a bißl z ' samm , daß mans nimmer gar so stark sieht , das Brandloch « , sagte er und zupfte an einer brüchigen , versengten Stelle des Mantels ; da ging ich auf ihn zu und sagte , ohne lang zu grüßen : » Der Ambros ist in der Schwaigen gwesen , der hat nix Guts im Sinn ; laßts wem Handlichen mitgehn , eh was passiert ! « Erschrocken fuhr er in die Höhe : » Was - der Lump - in der Schwaigen , sagst ? « Auch die Jungfer war aufgesprungen und hatte in dem Augenblick gewiß alles vergessen , was ich ihr zuvor angetan ; die Hände zusammenschlagend , rief sie aus : » Der Ambros ! Weidhofer , das gibt ein Unglück ! « Nun man willig auf mich hörte , berichtete ich alles , auch , daß die Nandl mit einem Bub in der Woch läge und daß wir so schnell wie möglich Hilf bräuchten , worauf der Meßmer den Rauchmantel der Jungfer auf den Schoß warf und sagte : » Leg ' n derweil in dei Stuben , Maidl ; ich muß Leut z ' sammtrommeln . « Dann pfiff er dem Ochsenbuben und der Stalldirn , gab der Weidhoferin Bericht und Befehle , nahm seinen Hut vom Nagel , und wir gingen alle zusammen fort . Der Tag war längst hinter den Bergen verschwunden , und die Nacht brach dunkel und sternlos herein , als wir auf unserm Almfleck anlangten , von da aus man noch ein guts Stück zu steigen hatte bis zur Schwaighütten . Da gewahrten wir durch den dichten , schwarzen Nebel einen seltsamen , hellen Schein . » Aber heunt geht der Mondscha wunderlich auf ! « meinte der Weidhofer , und auch uns mutete das Licht sonderbar an ; da fuhr es mir plötzlich durch den Sinn : Das ist von der Schwaigen . Am End ist die Nandl gar tot oder das Kindl . Ich glaubte nämlich damals fest daran , daß Leute sich , wenn sie von der Welt scheiden , anmelden oder dies durch Lichter anzeigen . Indem ich aber noch darüber nachgrüble und den Lichtschimmer mit starren Augen betrachte , deucht es mir plötzlich , als stiege über dem Schein ein dicker Rauch auf ; ein jäher Schreck durchfährt mich , und ich schreie gellend : » Das brennt ! O Gott ! D ' Nandl - s ' Kind ! « Dann stürz ich hin und weiß nichts mehr . Doch nicht lange dauert diese Ohnmacht ; ich raffe mich auf und finde mich allein , die andern sind wohl nach meinem Schrei sogleich dahingestürmt . Ich wende mich gegen die Richtung , wo ich vorhin das Licht gesehen ; allgütiger Gott ! Die Schwaigen brennt wirklich ! Nun fasse ich alle meine Kräfte zusammen und renne den Berg hinan und komme gerade in dem Augenblick an , wo das Dach über meiner Kammer mit Krachen und Zischen zusammenfällt . Es brennt nur ein Teil der Hütte ; der , in dem die Nandl liegt , ist außen noch unversehrt . Da fällt mir die Kranke und das Kind ein . Herrgott ! Ich habe ja den Schlüssel abgezogen ! Sie kann nicht entweichen , und die Helfer können nicht zu ihr ! Aber da kommt auch schon der Weidhofer und der Ochsenbub von der Seite her , wo die Haustür ist , und sie tragen die Mutter und das Kind samt dem Strohsack ; zwar ohne Besinnung , doch von dem Feuer unversehrt . Ich hocke mich daneben , unvermögend , etwas anderes zu tun , als unter Zähnklappern und Frost für mich hinzusagen : » Gottlob , sie haben s ' « , während die andern verzweifelt arbeiten , um zu retten , was noch zu retten ist ; denn das Feuer an der hölzernen Hütte zu löschen ist doch unmöglich . Dazwischen haben sie Müh und Not , die ängstlich gewordenen Tiere vom Feuer wegzubringen ; und am End schreit der Meßmer : » Treibt mir eins das Vieh hintern Berg und nachher tragts alles weg vom Feuer , Leutln . Was jetz no drin is , lassn mir brennen ! « Nun faßte auch ich mit an ; denn die Nandl hatte zuvor die Augen ein wenig aufgetan , nach ihrem schlafenden Kindl gegriffen und war mit einem Seufzer wieder zurückgesunken auf ihr Kissen . Ich lockte und rief also das Vieh und brachte es ziemlich weit vom Feuer weg ; der Weidhofer aber faßte den Strohsack der Wochnerin und trug diese mit Hilf des Ochsenbuben nach der Riedleralm . Darnach blieben wir die Nacht über beim Vieh und berieten , was nun geschehen sollt . Mit einer großen Ruhe sagte mein Ziehvater : » Heimtreiben muß man halt . D ' Hauptsach is , daß nix verbrunnen ist an Leut und Vieh . Das ander ist gleich , das baut man halt wieder auf ; gibt ja Holz genug . Aber den einen , den Lumpen , laß ich fangen . Der muß mirs büßen , das ! « Immer noch schossen Feuergarben gen Himmel , und ein Stück nach dem andern loderte , krachte und fiel zusammen . Endlich aber wurden die Flammen kleiner , der Rauch bläulicher ; und als der Morgen mit fahlem Schimmer aufstieg , sah man von der Schwaighütte nichts mehr als einen Haufen Asche , verkohlte und verrußte Trümmer und daneben , lustig plätschernd , den Brunnen der Schwaige , der durch einen günstigen Wind unversehrt geblieben war . Da ging der Weidhofer noch einmal hinauf zur Brandstätte und begoß die rauchenden Überreste mit Wasser ; dann eilte er hinab ins Dorf , um seinen Leuten das Unglück zu melden und seine Befehle zu geben , ehe er in die Kirche mußte , den Morgengruß zu läuten und bei der Frühmesse zu dienen . Und da es Tag war , kamen nacheinander : der Oberknecht , der Mitterknecht , die Oberdirn , die Mitterdirn , das Kuchelmensch und der Hausl und besahen die abgebrannte Schwaig , fluchten dem Schelmen und nahmen jedes ein paar Trümmer des Geborgenen und trugen es hinab in den Weidhof . Darnach kam auch die Ziehmutter samt der Jungfer Kathrein , klagten über das Unglück und gingen hierauf nach der Riedleralm , die arme Nandl und ihr Kindlein heimzusuchen . Derweilen richteten wir drei , der Ochsenbub , das Stallmensch und ich , die Kühe zum Abtrieb und schrien und sangen mit rauher Kehl und gebrochener Stimm : » Kuahlein ! Gehn ma hoamazua ! He , Schwoagasbua , der Wendlstoa tragts Hüatl scho voll Schnee ! Dös is a Zoacha , daß ma jetz gent hoamtreibn von der Höh . Es dauert it lang , so legt er gent sein schneern Mantel o Und deckt die ganzen Alma zua , drum roas ' ma frei davo ! Kuahlein ! Gehn ma hoamazua ! Juchu ! Jetz muaß i meine Küah und Kalm mit Kränz und Buschn ziern , Daß s ' ausschaugn grad wia Hochzatleut , wo mir vo der Alm hoamführn . Na pack i Pfann und Kübl z ' samm und spirr mei Schwoagn zua Und treib mit meine Küah und Kalm schö schdad gen Weidhof zua ! Kuahlein ! Gehn ma hoamazua ! Juchu ! « Da wandte erst die Vorderkuh den Kopf nach uns und schüttelte sich , daß die mächtige Glocke , die sie um den Hals trug , durch die Berge hallte , und trabte eilig auf mich zu ; und indem ich ihr einen Kranz von wildem Enzian umhängte , kamen auch die andern und ließen sich willig Hals und Hörner mit Tannen und Enzian schmücken , stellten sich auch in schöner Ordnung hintereinander und drängten sich ganz dicht , bis wir drei unsere Hüt geziert und den letzten Juchzer in die Berg geschrien hatten . Also ging ich , frisch mit meiner Geißel knallend , voran , die Stalldirn hielt zur Seite die Ordnung , und der Ochsenbub trabte hinterdrein . So kamen wir denn gegen Mittag auf den Hof , brachten das Vieh in den Stall und tränkten es und setzten uns darnach an den Tisch , unser Einstandsmahl zu verzehren , während der Weidhofer jedem einen Krug Most an seinen Platz stellte und einen blanken Silbergulden darunterlegte . Kindstauf und Einstand Etwan eine Woch nach diesem kam die Mutter Nandl und trug ihr Kindlein in einem dicken Pack von Kissen und Tüchern auf dem Arm ; hatte ihm auch etliche Rosenkränz , Amuletten und Ablaßpfennig um den Hals und die Fingerlein gewunden und ein geweihts Wachs auf die Zudeck gebunden , auf daß dem armen Heidenbübl nicht vom bösen Feind oder von einer Hex kunnt was Übles angewunschen werden . Nun gab es ein großes Zulaufen ; Knecht und Mägd , Bauer und Bäuerin und auch die Jungfer Kathrein kamen , das Wuzerlein zu betrachten , bei den winzigen Händlein zu fassen und über die seidigen Härlein zu streichen ; worüber ich am End ganz wild wurde ; denn ich hatte sogleich das versprochene Amt der Kindsdirn übernommen , den verstäubten Kinderwagen vom Dachboden geholt , einen Haufen Bettzeug und Polster aus dem ganzen Haus zusammengeschleppt und das elendige Dinglein hineingebettet . Und nachdem ich neue Zwecken in die hölzernen Räder des Wagens gesteckt hatte , bracht ich das Büblein sogleich in demselben vor das Haus des Bürgermeisters und zeigte es ihm an als das Kind der Weidhoferschwaigerin Nandl Wiesmüller und des Paulus Heckmaier , genannt Häuslpauli von Sonnenreuth . Der hatte sichs nun wirklich überlegt , hatte vier Gulden für das Kindl und einen feisten Stallhasen für die Mutter Nandl geschickt und dazu sagen lassen , daß es mit allem seine Richtigkeit hätt , und wenn die Nandl Lust hätt , Häuslerin zu werden , könnten sie ' s noch vor Kathrein richtig machen . Worauf ihm die Nandl voller Freud sagen ließ , es müßt wohl gut Häuslerin sein , und - je ehender , desto lieber . Da sah es nun gerad aus , als sollten in Bäld zwei Hochzeiten statt einer zugericht werden im Weidhof , wie denn auch geschah ; denn die Jungfer Kathrein war schon mit ihrem Hochzeiter , dem Lackenschusteranderl , aufs Gfesten , das ist , zum Pfarrer wegen des Stuhlfests und der Ehestandslehr gegangen , waren auch schon zweimal von der Kanzel herab verkündigt worden und hatten bereits beim Sonnenreuther Klinglwirt das Hochzeitsmahl angedungen . Die Nandl wiederum hatte den Pauli eilig in den Weidhof holen lassen , ihm den Jaschmarren zum Zeichen ihrer Einwilligung vorgesetzt und alles mit ihm richtig gemacht zwegen der Ausricht und dem Heiratsgut . Er war wohl zufrieden mit seinem Bräutl und lief also eilig zum Pfarrer , damit das Büblein ohne Verzug in seine Rechte möcht kommen als ein gut eheliches ; worauf ihm der geistliche Herr den Verspruch tat , noch vor der Kirchweih die dritt Verkündigung zu ordnen . Nun aber mußt noch das kleine Heidlein getauft werden , und ich sollt ihm richtig zum Gevatter stehen ; was mich gar stolz und narret machte . Da wollt ich ihm denn gern ein ansehnliches Godengeschenk geben und beriet mich dessentwegen mit allen vornehmen Leuten , dabei denn die einen meinten : einen silbernen Becher ; die andern : einen schönen , guten Frauentaler ; wieder eine riet mir zu einem Paar feiner Schühlein und eine andere zu einem Rosenkranz mit vielen Ablaßpfennigen dran . So wollt ich mir also vom Weidhofer mein Jahrgeld geben lassen für die Tauf , was zu der Zeit war : sieben Gulden und dreißig Kreuzer als Viehbub nebst einem härenen Hemd und ein Paar Schuh ; dasselb , was auch der Ochsenbub Lohnung hatte , doch zwei Hemden . Der Ziehvater aber gab mir eine gute , silberne Uhr samt Kette , einen funkelnden Tauftaler und einen feinen , beinernen Muslöffel , wobei er sagte : » G ' halt dein Geld und hebs gut z ' samm ! Soviel hat der Weidhofer alleweil , daß er eine Taufgab richten kann ! « Wohl zufrieden mit solcher Rechnung machte ich mich nun geschwind daran , noch allerhand kleine Dinge zu schnitzeln und zu schneiden für mein Godenkind ; denn was ich auf der Alm gemacht hatte , war alles bei dem Feuer verbrunnen ; wie denn die Nandl auch berichtet hatte , daß der Ambros schon oft gesagt , da er noch auf der Alm war : » Dem Hias , dem scheinheiligen Tropfen , heiz ich noch einmal ein , daß er sein Lebtag mehr kein Feuer braucht ! Dem laß ich den roten Gockel noch aus seiner Kammer springen ! « Also schnitt ich vielerlei ; ein zierlichs Tischzeug für mein Godenkindl , aus Messergriff , Löffel und Gäbelein bestehend , die Gabel mit zwei Zinken ; auch ein hübsches Dockenköpflein , woraus mir alsdann die Ziehmutter eine Wickeldocke nähen mußte ; dazu noch mancherlei Tiere und Häuser , mit denen es dereinst gut spielen könnt . So kam der große Tag , an dem ich schon lang vor der Morgensonn auf war , die Angebinde bald hierhin , bald dorthin ordnete , an meinem Festtagshabit umbürstete und stäubte und den Flaum auf meinem Hütl wohl zwanzigmal anders steckte , bis er mir gut genug deuchte . Mit einer andächtigen Zärtlichkeit fuhr ich dann den kleinen Balg , nachdem ihn seine Mutter gebadet hatte , in der Kammer auf und ab und wickelte sein Schnullerläppchen mit einer ernsten Sorgfalt , während meine Ziehmutter , die Meßmerin , den Taufstaat der Kostkinder aus der Kommodlade nahm und samt dem Wickelkissen mit dem blaugeblümelten Überzug aufs Bett des Kindleins legte und dazu meinte : » Da , steckts ' n gleich in das Gwandl ; meinerthalben soll ihm ein ordentlichs Taufzeug nit mangeln ! Es ist das nämliche , in dem du schon gschrien hast . Vielleicht schlagt ' s ihm einmal zum Glück aus ! Ist keins mehr dringsteckt , seitdem daß du ' s anghabt hast selbigsmal zu deiner Tauf ! « Drauf gab sie dem Kind noch einen Weichbrunn und ging wieder ; mir aber wurde eine Stund schier zum Tag , bis es endlich Zeit war , daß wir uns richteten . Da flog ' s ! Auf ja und nein steckt ich in meinem Festgewand und lief darnach aufgeregt in die Stube der Nandl , sie bittend , daß sie mit meinem Godenkind noch ein Augenblicklein in meine Kammer schauen möcht . Und da sie eingetreten , überreicht ich ihr meine Angebinde und wünscht meinem Täufling einen guten Gsund , worauf die Mutter Nandl feuchte Augen bekam , viel Worte des Danks für mich hatte und dem nobel aufgeputzten Kindl unter zärtlichen Liebkosungen sagte , daß ich ein gar werter Gode sei , und er sollt mir ja einmal danken . Was mich herzlich lachen machte : denn der Zwack begann bei der Red seiner Mutter plötzlich zu schreien und zu kreischen , als hätt man ihm , weiß was , übel getan . Nun nahm die Nandl das Weichbrunnkrügl , segnete und weihte mich und den Täufling und wand sich ein rotes , geweihtes Wachs um die linke Hand und den rechten Fuß , auf daß weder ihr noch uns etwas Böses widerfahren könnt ; denn es lagen Beispiele mehr denn genug vor , wo der Teufel , wenn so ein armes Würmlein getauft wurd , darüber , daß ihm wieder eine Seel auskam , also wütig ward , daß er mit der ganzen höllischen Bosheit und Gewalt derweil auf die Wochnerin losfuhr und sie nicht selten um Leib und Leben bracht . Indem trat die Weidhoferin festlich angetan in die Stuben ; denn sie ließ es sich nicht nehmen , das Bürschlein selber aus der Tauf zu heben . » Erstlich « , sagte sie , » bin ich dies Geschäft schon so gewohnt von den Kostkindern ; und dann , so ein Bubl , wie der Mathiasle , könnt das Kind doch leicht unrecht angreifen oder gar fallen lassen ! « Verschmachte mir zwar schon recht , solch eine Geringschätzung meiner Person ; doch ließ ichs gut sein und dachte , die Meßmerin laß sich nicht anschauen , die gäb gewiß reichlich , und die Nandl könnts wohl brauchen . Was auch eine richtige Rechnung gewesen ; da dann die Weidhoferin ein kleines Trüchlein auskramte und allerhand schöne Silbersachen für das Büblein , eine feine Vorstecknadel für die Mutter und einen Lederbeutel voll blanker Silbergroschen auf den Tisch legte . Darnach nahm sie den Täufling , und gings also dahin . Da stieg ich wie der welsch Gockel vom Weidhof neben meiner Ziehmutter her und zur Gottsackertür hinein . Der Meßmer , mein Ziehvater , stand im weißen Chorhemd vor der Sakristei und blies ins Rauchfaß , daß die Funken flogen ; nun wir kamen , lief er geschwind hinein , und wir stellten uns vor die Kirchentür ; denn mit dem ungetauften Heidenbübl einzutreten wär gegen Brauch und Sitten gewesen . Nach einer kleinen Weil tat sich die Pforte auf und trat der Frühmeßpriester mit meinem Ziehvater als Diener heraus , machte das Zeichen des Kreuzes über uns und fragte dreimal : » Willst du getauft werden ? « , worauf die Weidhoferin andächtig sagte : » Ja . « Kam also allerlei Gefrag : ob er widersag dem bösen Feind und seinem Anhang , ob er glaub an Gott den Allmächtigen und Dreieinigen ; und die Kostmutter sagte zu allem ja : daß er widersagt und daß er glaubt , worauf nach vieler Benediktion das Heidlein hineingetragen werden durft . Ging also die Ziehmutter mit dem Päcklein in die Kirch und an den Taufstein , und ich folgte mit einem brennenden Wachs , das mir der Meßmer in die Hand gegeben . Da ward denn das schlafende Kindlein wuzelnackend ausgezogen und über das Taufbecken gehalten , mit Wasser begossen , mit Öl beschmiert und mit Salz gefüttert im Namen des Vaters , des Sohnes und des heiligen Geistes , daß es endlich laut zu schreien anfing und , eh man sich dessen versah , in die glänzende Kupferschale brinzelt ' . Und wurde also benannt : Mathias Paulus Anton ; wurd mit Weihrauch beräuchert , mit Weichbrunn besprengt und darnach wieder in seine Gewändlein und Betten gesteckt und heimgetragen mit großer Freud . Als wir aber in den Hof traten , stand vor der Haustür ein mächtig aufgetürmter Leiterwagen , mit Bändern , Buschen und Kränzen geziert , mit Krügen und Bildern behangen und mit dem Hausrat der künftigen Lackenschusterin beladen . Da thronte in der Mitten das Himmelbett mit seinem wohlgefüllten Flaumkissen und Ziechen ; davor prangte die Wiege und auf ihr der reichgeschnitzte Hausaltar . Hintenauf stand der weitgeöffnete Hausschrein , in dem allerhand Seidenröck und modische Gewänder , schwere Leinenballen und dazwischen mit Bändern durchflochtene Flachszöpfe , seidene Schultertücher , prächtige Gebetbücher und kunstvolle Wachsstöcke prangten . An den Schranktüren hingen Rosenkränze , Skapuliere und eine große Zahl heiliger Bildchen . Im obersten Fach aber standen alle die kleinen Schachteln , Trüchlein und Figuren , die ich der Jungfer einstmals geschnitzelt hatte . Alles war mit Bändern zierlich umwickelt und an Nägel geknüpft , damit beim Fahren nichts verloren ginge . Da stand ich denn und riß die Augen auf und vergaß die Tauf samt dem Kind , starrte auf den Kuchelwagen und konnte weder denken noch entweichen . Eine bemalte Schüsselrahme wurde hinten an den Wagen gehängt , ein zierlich aufgeputztes Spinnrad zuoberst auf das Dach des Himmelbetts gebunden , ein Stuhl dazugestellt - und ich stand noch immer auf demselben Fleck und sah nichts anderes denn diesen Wagen . Peitschenknallen weckte mich endlich ; der Wagen wurde mit sechs Ochsen bespannt , die Nähterin von Sonnenreuth ließ sich zum Spinnrad hinaufheben , die Kuh der seligen Irscherin trabte , mit Kränzen und Buschen geschmückt und geführt vom Zimmermann des Orts , aus dem Stall . Zwölf Böllerschüsse krachten vom nahen Kreuzberg herab , und ein Häuflein Musikanten kamen mit ihren Fiedeln und Flöten in den Hof . Da sprang die Jungfer und Hochzeiterin lachend die Stiegen herab und hielt mit der einen Hand das prächtige Gewand gerafft , mit der andern aber die hohe Pelzhaube aus der Stirn . Ihre Wangen waren purpurn , und ihre Augen leuchteten vor großer Freud , da sie um den Wagen ging und alles besah und betrachtete . Der Weidhofer aber lief geschwind vom Kirchhof herüber , spannte die Kutsche ein , steckte große Buschen daran und hob darnach die Jungfer hinein ; packte mich alsdann mit schnellem Griff und setzte mich rittlings auf eins der Rösser , gab mir eine mit Buchsbaum und Bändern geschmückte Peitsche in die Hand und sagte : » Mach ' n Führer ! Daß d ' mir Achtung hast ! Nit , daß was passiert ! « Reichte dann der Hochzeiterin einen Korb hinauf in den Wagen , darin ein Säcklein voll Kreuzer und Groschen , ein Bund Schlüssel zu den Schränken und Laden war samt dem stehenden Angebind für den Hochzeiter , nämlich einem gar feinen , milchweißen Bierkrug , mit Blümlein bemalt , nebst einem selbstgesponnenen Hemd und selbstgestrickten weißen Strümpfen für ihn . Derweil begannen die Knecht mit ihren Geißeln zu knallen und die Musikanten zu geigen und zu blasen ; dann gings dahin . Die Musik machte den Vortrab ; juchzend und knallend folgten die Knechte mit dem Kuchelwagen , und dahinter ging der Zimmermann und führte die Kuh . Das End aber machten wir mit dem Brautwagen . Der Meßmer hatte sich zu der Hochzeiterin gesetzt und schrie mir zu : » He , Bua , schnalz und juchz , daß alles scheppert ! - Dreimal um den Hof fahrn und darnach dahin ! « Ach , der hatt ein leichtes Reden ! Ich aber saß auf meinem Rößl wie ein angepappter Kripperlmann und sah hilflos bald hierhin , bald dorthin ; doch fand sich keiner , der mit mir hätt tauschen mögen . Da gab ich mir endlich selber einen Ansporn , schnalzte mit der Geißel , daß es nur so hallte , und schrie : » Huia , Heißerln ! Ziehgts ! Huiuh ! « Da liefen alle noch eilig an die Haustür ; die Weidhoferin und die Schwaigernandl mit meinem Godenkindl am Arm , die Knecht und Mägd samt den Kostbuben - alle kamen noch herzu und wünschten viel Glück und einen guten Einstand , bis ich endlich am Zügel riß und anfuhr . Sauste also dreimal um den Weidhof und knallte und plärrte dazu wie ein Schwed und fuhr darnach dahin durch Sonnenreuth . Doch kamen wir nicht weit ; schon vor der Schmiede stand eine Schar Kinder , hielten eine Stange über den Weg und wünschten eine frohe Brautfahrt . Da holte die Hochzeiterin das Säcklein mit den Kreuzern aus dem Korb und warf eine Handvoll unter die Hord . Drauf ging