zurufen . Wir dürfen ein so großes Werk nicht so stürmisch anpacken , sonst geht uns zu schnell unsre Kraft aus . Peka kann doch die Fundamente für die Grundtürme in großen Kristallformen fest verankern . Labu kann die Knotenpunkte im Gerüst ganz nach seinem Geschmack gliedern und umschalen . Und Manesi kann überall , wo leere Flächen entstehen , seine Rankenpflanzen anbringen . Dadurch wird doch der Gerüstcharakter des Ganzen aufgelöst . « » Das sind zunächst Versprechungen ! « sagte der Manesi , » ich fürchte , daß uns die große weiße Wolke oben manchen Strich durch die Rechnung machen wird . « Daran wollten nun die Meisten nicht glauben . Lesabéndio , Dex und Biba versicherten immer wieder , daß die künstlerische Ausgestaltung des großen , zehn Meilen hohen Turms , der Kopf- und Rumpfsystem des Pallas miteinander verbinden sollte , nicht vernachlässigt werden würde . Peka bekam gleich den Auftrag , die Fundamentformen in Zeichnungen herzustellen . Und so gingen denn alle Pallasianer an die große Arbeit - manche mit sehr gemischten Gefühlen - besonders die Anhänger von Peka , Labu und Manesi . Und nun entstanden zunächst die drei graden Türme , die dem ersten des Nuse entsprachen . Peka stattete bei dem einen das Fundament mit mächtigen Kristallblöcken aus , die sehr hell funkelten . Aber drei Türme blieben ohne die Kristallfundamente . Als die graden Türme so weit fertig waren , daß sie fest zusammenhielten und die nötige Tragkraft versprachen , wurden alle Arbeiter wieder von so nervöser Hast und Unruhe gepackt , daß man sofort die Herstellung der vierzig schiefen Türme in Angriff nehmen mußte . Man wollte baldigst Resultate sehen . An den vier graden Türmen hatte man zwanzig Tage und zwanzig Nächte fast ohne Unterbrechung gearbeitet . Biba mahnte wieder zur Ruhe , er erklärte , daß der Pallasianer auch schlafen müsse , sonst könne sein Körper nicht die nötige Nahrung aufnehmen . Widerwillig bequemte man sich zu längerer Nachtruhe . Aber dann gings wieder los , als säßen unruhige Hetzgeister den Pallasianern im Nacken . Und man dachte garnicht mehr an künstlerische Ausgestaltung . Man wollte nur alles so fest wie möglich machen , befestigte verankerte Stangen noch weiter dem äußeren Trichterrande zu in den Stein und brachte da auch starke Drahtseile an , mit denen die schiefen Türme festgehalten wurden . Jetzt waren bald nur noch Stangen und Seile zu sehen . Und nach hundert Tagen und hundert Nächten reckten sich vierzig schiefe Stöcke in die Luft - jeder war eine Meile hoch , und er hatte neben sich viele Stangen und Seile , mit denen er von hinten festgehalten wurde . Das sah keineswegs entzückend aus . » Wie ichs befürchtet habe « , sagte Peka , » so ist es gekommen . Das hab ich alles vorausgesehen . Jetzt haben wir eine herrliche Krone für unsern Stern zurecht gezimmert . Und uns tun alle unsre Glieder weh , und viele Pallasianer haben Verletzungen erlitten , sodaß von Labus vielen Salben nicht viel übrig geblieben ist . « Biba , dessen Bein wieder ganz geheilt war , sprach in der Volksversammlung und bat alle flehentlich , doch ja Geduld zu haben . Und dann sprach er mit Peka allein . Doch Peka sagte heftig : » Die Versprechungen sind mir noch nicht gehalten . Ich habe erst ein einziges Fundament mit riesigen Kristallen umgeben - dreiundvierzig sind noch ohne Kristall . « Nun wollte der Biba dafür sorgen , daß zuerst die Fundamente hergestellt würden . Da jedoch stieß er überall auf Widerstand . Dex sagte : » Wenn das geschieht , so werden wir niemals mit dem großen Turm fertig . Die Fundamente würden mindestens zweihundert Tage und zweihundert Nächte beanspruchen . Jetzt müssen zunächst alle Türme oben miteinander verbunden werden , damit das ganze Gerüst feststeht und nicht mehr fallen kann . « Und man tat in weiteren fünfzig Tagen und fünfzig Nächten , wie der Dex verlangt hatte . Das war aber eine ungeheuerliche Arbeit , nach der alle ganz erschöpft dalagen und kaum die Glieder bewegen konnten . Eine mehrtägige Pause mußte eintreten . Und da besuchte Lesabéndio den Labu in dessen großem Atelier , das neben dem des Peka lag . Labu lag ganz traurig auf einer großen hellblauen Türkisschale und sagte : » Lieber Lesabéndio ! Wir sind hier ganz dicht neben Pekas Atelier , und ich habe den Peka schon zweimal sehr laut zu sich selber sprechen hören . Ich weiß nicht , was ihm fehlt . Verletzt beim Turmbau hat er sich nicht . Ich war bei ihm . Aber das ist es nicht , was mich so traurig macht . Etwas Andres macht mich traurig . Ich habs noch keinem bisher gesagt . Ich wollte zuerst mit Dir darüber sprechen . « Lesabéndios Augen glühten wie zwei kleine Scheinwerfer , und er sagte ruhig : » Ich bin auf das Schlimmste gefaßt . Sage nur , was Du mir zu sagen hast . Wir werden schon einen Ausweg finden . « » Ich fürchte « , erwiderte Labu , » das wird nicht so schnell gehen . Du weißt : die Kaddimohnstangen sind sehr lang . Die meisten sind über dreitausend Meter lang , viele sind eine ganze Meile lang . Mit solchen Stangen da oben in der Luft zu hantieren , war sehr schwierig . « » Das weiß ich doch « , rief heftig der Lesabéndio dazwischen , » halte Dich doch nicht so lange mit der Einleitung auf . Ich bin doch auch allmählich sehr ungeduldig geworden . « » Du solltest « , versetzte Labu , » aber nicht so ungeduldig sein - Du am allerwenigsten . Aber ich will mich kurz fassen : sehr viele Verletzungen haben die Pallasianer beim Turmbau davongetragen - namentlich an den Saugfüßen . - Und - und - meine Salbe ist dabei aufgebraucht worden . Und ich weiß nicht , wie ich neue herstellen soll . Es ist mir ganz unmöglich , Flüssigkeiten zu bereiten . « » Oh ! « rief Lesabéndio , » das ist schlimm ! « » Ja « , fuhr Labu fort , » Tropfen würde ich mit Jubel begrüßen . Der Stern Pallas ist zu trocken . Zwanzig Quetschungen habe ich bei zwanzig Pallasianern bereits mit einer Masse eingerieben , die garnicht feucht ist und deshalb garnicht wirken kann . Die Ärmsten dauern mich . Ich weiß mir nicht mehr zu helfen . Wenn wir auf dem Stern Quikko Flüssigkeit entdecken könnten ... « » Das nimmt ja « , sagte Lesabéndio , » zu viel Zeit in Anspruch . Das geht ja garnicht . Dann müßten wir ja mindestens zwanzig Tage und zwanzig Nächte pausieren . « Nach diesen Worten hörten die Beiden in Pekas Atelier plötzlich einen furchtbaren Schrei , der in ganz unartikulierte Laute überging . Die Beiden sprangen auf und flogen zum Peka und sahen , wie er sich auf dem Fußboden wand wie eine Schlange - sein Körper zuckte . Und dann schrie der Peka noch lauter und rief plötzlich : » Du hast mich zerstört ! Du hast mir Alles genommen . Du hast mich vernichtet . Dein verfluchter Turm hat meinen Künstlerträumen ein erbärmliches Ende bereitet . Das kann ich nicht überleben . Du hast mich zerstört . « » Still ! still ! « sagte Lesabéndio , » Du brauchst ja oben nicht mehr mitzuarbeiten . Du kannst ja hier in Deinem Atelier bleiben . Sei doch nicht so aufgeregt . Ich konnte doch nicht anders . Ich mußte doch auf meinem Wege bleiben . Zürne mir nicht ! Vergib mir ! « Aber Peka schrie wieder wie ein Rasender , und große Tropfen stürzten aus seinen Augen . Und er sagte mit heiserer Stimme : » Dein Trost nützt mir nichts . Ich habe die Hoffnung verloren . Jetzt habe ich nicht mehr die Hoffnung , daß meine Ideen jemals ausgeführt werden . Daran ist nicht mehr zu denken . Alles hat Dein Turm verschlungen . Du hast mir Alles zerschlagen - alle meine Brillanten - alle meine harten Granitblöcke . Du hast mich selbst zerschlagen . Für die Wunden gibt es keine Salben . Ich gehöre nicht mehr auf den Pallas . Was soll ich hier ? Ich bin überflüssig . Und ich kann es nicht ertragen , überflüssig zu sein . Alle meine Träume von der glatt polierten Zukunft des Pallas sind zerflattert . Und ich kann das nicht ertragen . Ich möchte Deinen Turm zerreißen . Ja , das möchte ich , Lesabéndio ! « Und abermals traten dicke Tropfen aus Pekas Augen und rieselten über seine Wangen . Labu aber sprang hoch auf und schrie plötzlich auch . Sein Schrei klang aber wie der Schrei der höchsten Seligkeit . Wie ein Toller sprang Labu in Pekas hohem Atelier herum . Und dann riß er eine kleine Flasche von seinem Halsbande los , bückte sich zu Peka und rief : » Ich habs ! Ich habs ! Peka , gib mir mehr Tropfen aus Deinen Augen ! Dann kann ich wieder Salbe machen ! « Und er fing alle Tropfen , die aus Pekas Augen kamen , in seinem Fläschchen auf und lachte wie ein Toller . Peka sah den Labu ganz verwundert an und sagte leise : » Was ist denn das ? Ich verstehe Dich nicht . « » Oh ! « rief da der Lesabéndio , » ich verstehe , was es ist . Das sind sogenannte Tränen - kostbare Flüssigkeiten . Vor langer Zeit sind schon bei einem alten Pallasianer , der verschwunden ist , solche Tränen entdeckt worden . Man sagte damals , er habe geweint . Weine mehr , lieber Peka ! Den Labu wirst Du glücklich machen . Und die verwundeten Pallasianer wirst Du auch glücklich machen . Dein Schmerzensausbruch ist für uns ein großes Glück . « Da sah der Peka die Beiden groß an . Und als ihm Labu von seiner Verlegenheit erzählt hatte , traten dem Peka noch mehr Tränen in die Augen . Und da mußten plötzlich alle Drei furchtbar lachen - auch der Peka . Zwölftes Kapitel Die kleinen Quikkoïaner zeigen , was sie können . Der Nax tut sich ganz besonders hervor . Die weiche Natur der Quikkoïaner steht zur harten der Pallasianer in schroffem Gegensatz . Das zweite und das dritte Stockwerk des Turms werden gebaut . Peka ist sehr unglücklich , daß er bei einer Arbeit bleiben muß , die für seine Ideen wertlos ist . Nax will ihn trösten - das gelingt ihm aber nicht . Nax hat Mitleid mit dem Peka und will den Sofanti verhindern , seine Häute auszuspannen , die gegen die Spinngewebewolke , von der die Arbeit oben behindert wird , einen Schutz bilden sollen . Es gelingt aber dem Nax , den Sofanti vom großen Plan abzubringen , ebenfalls nicht . Dagegen gelingt dem Sofanti , die Häute so stark zu machen , daß sie von der Spinngewebewolke nicht mehr zerrissen werden können . Und alles lachte über Labus Tränenspaß , und der Peka mußte immer mitlachen , was ihm schließlich etwas schwerfiel . Aber den kleinen faustgroßen Quikkoïanern machte es den allergrößten Spaß , daß die Tränen der größten Wut und des größten Schmerzes zur Heilung kranker Gliedmaßen benutzt werden konnten . Peka und Labu hatten daher immer einen der Quikkoïaner am Halsbande . Deren lustige ziel- und sorgenlose Gemütsart erheiterte die Pallasianer . Der kleine Nax war ganz besonders ausgelassen ; er arrangierte immer wieder etwas Neues . » Wir sind an Eure große Schwerfälligkeit « , sagte er zwitschernd , » noch nicht gewöhnt . Auf dem Quikko haben wir uns niemals Mühe gegeben , etwas zu verbessern oder auszubauen . Daran dachten wir nie . Der Pallas ist ein ganz besondrer Stern . Der verändert sich nicht so leicht ; er ist sehr hart und trocken und undurchsichtig . Der Quikko dagegen ist sehr weich , gallertartig und durchsichtig . Letzteres allerdings nur , wenn er will . Aber wir sind ebenso wie unser Stern - auch so leicht veränderlich wie er . « Und dann gab er seinem kleinen Körper die Tonnengestalt des Sterns Pallas und wurde undurchsichtig und bekam blaue Flecke und ein Loch in der Mitte und oben und unten zwei kleine Trichter . Von dem Kopf des Quikkoïaners war dabei nichts zu sehen . Die Pallasianer starrten das Wunder mit Mikroskopaugen an . Der Nax drehte sich und schwebte frei in der Luft . Das machte natürlich auf dem ganzen Pallas großes Aufsehen . Und der Peka interessierte sich so sehr dafür , daß man zwei Tage und zwei Nächte den großen Turmbau auf dem Nordtrichter gänzlich vergaß . Es hätte nun nicht viel gefehlt - und die Gedankenrichtung der Pallasbewohner wäre durch die kleinen Gäste bald in eine ganz andre Richtung gekommen . Lesabéndio erkannte die Gefahr und sprach darüber mit dem Biba , und der sagte : » In diesem Nax steckt zweifellos ein kleiner Spötter . Aber er kann nicht alles , was er will . Er hatte mir schon längst von dieser Umwandlung seines Körpers erzählt . Er wollte auch über sich ein kleines Kometensystem erzeugen , um ganz dem Pallas ähnlich zu sehen . Aber das ist ihm glücklicherweise nicht gelungen . Die Kleinen kriegen es immer fertig , sich lustig zu machen - über alles Mögliche . Aber es hat seine Grenzen . Eine Gefahr für unsern Turm besteht aber in diesen Verwandlungskünstlern , die uns eigentlich sehr scharf verspotten . « Darin hatte nun der gute Biba Recht , denn die Quikkoïaner gaben immer wieder andre Umwandlungen ihres Körpers zum Besten . Sie übten sich darin , wenn sie unter sich waren - hauptsächlich dann , wenn die Pallasianer schliefen ; die Kleinen vom Quikko brauchten sehr wenig Schlaf - konnten außerdem immer schlafen , wenn sie wollten - sie wurden dabei zur runden undurchsichtigen Kugel . » Wir « , sagte Lesabéndio , » quälen uns , um eine Umwandlung unsres Sterns hervorzubringen , ganze Jahrhunderte hindurch . Und diese Kleinen wandeln sich alle Tage um - bald sehen sie aus wie ein kleiner Pallasianer - dann ähneln sie wieder unsern Glühwürmern - dann werden sie zu Ballonpflanzen - dann zu Kreisringen , die sich um unsre Stirn und um unsern Leib schnallen können wie ein Gurt . Man könnte die Kleinen beneiden . Was wir mit schmerzlichstem Selbstüberwinden kaum erreichen - das machen die zum Spaß - aus Laune . Wir müßten die Kleinen beschäftigen , damit sie die Unsrigen nicht ablenken . « Biba sagte dazu : » Nax müßte dem Peka am Halse bleiben , um ihn zu erheitern , Manesi und Labu müssen auch ihre Leib-Quikkoïaner bekommen . Ich werde versuchen , die Kleinen zu überreden . Peka wird uns ganz bestimmt bald sehr gefährlich werden . Auf uns hören ja die Kleinen . Ich bin übrigens sehr sehr ungeduldig und möchte , daß wir den Bau des nächsten Stockwerks noch heute in Angriff nehmen . Bist Du nicht auch der Meinung ? « » Sofort müßten wir « , versetzte Lesabéndio lebhaft , » mit dem Weiterbau beginnen . Ich kanns kaum noch erwarten . Aber Du mußt erst die Kleinen für unsre Arbeit wieder mehr zu interessieren suchen . Sie haben uns ja schon so viel dabei geholfen . Das wollen wir nicht vergessen . Die einmütige Abstimmung auf dem Modellturm wäre ohne die Kleinen nicht möglich gewesen . « Nun tat Biba , wie Lesabéndio wollte . Und dann begann man am nächsten Tage mit dem zweiten Stockwerk . Dex war der Meinung , daß man das zweite Stockwerk so schräg wie möglich ansetzen müsse , um an Kaddimohnstahl in den höheren Stockwerken zu sparen . Der Turmbauer Nuse führte eine Verbesserung der Maschinen ein , mit denen der Stahl aus dem Innern des Sterns herausgezogen werden mußte . Und auch die Maschinen , die den Stahl zu den Höhen emporbrachten , wurden verbessert . Und so ging dieses Mal die Arbeit viel schneller , und Verletzungen beim Halten und Befestigen der Stahlschienen kamen garnicht mehr vor . Nach dreiundfünfzig Tagen und Nächten war auch das zweite Stockwerk fertig - wie ein schräges Dachgestell ragte es über dem Nordtrichter zur Mitte zu . Die Pallasianer waren wieder alle sehr ermüdet und wollten eine größere Pause haben . Aber Lesabéndio und Biba waren unruhiger und ungeduldiger als bisher . Auch Dex und Nuse waren sehr ungeduldig und wollten nichts von einer Pause wissen . Sofanti war der ungeduldigste von allen , er sagte : » Jetzt müssen wir aber endlich wissen , ob uns die große Spinngewebewolke gefährlich werden kann . Wenn das wäre , müßte ich für riesige Hautmassen sorgen , damit wir so dem Spinngewebe gegenüber geschützt sind . Ob das mit den Häuten , die ich herstellen kann , möglich ist , das weiß ich natürlich noch nicht . Aber wir werden es wissen , wenn wir nochmals ganz schräge das dritte Stockwerk ansetzen . Darüber müssen wir endlich ins Klare kommen . Wir haben keine Zeit zu verlieren . « Und es gelang dem Sofanti und seinen Freunden , die Andern zu überreden . Und man setzte das dritte Stockwerk auf die beiden andern - so schräge wie möglich . Und als die ersten vier Türme fest saßen , kletterten einige Pallasianer beim Nachtanbruch hinauf - und da mußten sie der großen Spinngewebewolke weichen - ganz oben konnten sie nicht bleiben . Nun kam wieder eine neue Bewegung in die Bauleute . Sofanti hatte Recht gehabt . Jetzt handelte es sich zunächst darum , auszuprüfen , ob die Sofanti-Häute vor der Wolke schützten . Um das auszuprüfen , mußte man noch mehr Türme bauen . Und man baute schließlich mit der größten Heftigkeit alle vierundvierzig . An den oberen Teilen konnte nur am Tage gebaut werden . Nun waren die Spitzen der obersten Türme miteinander zu verbinden . Und das beanspruchte sehr lange Zeit , da beim Herannahen der Wolke alle Bauleute wieder runterkommen mußten . Nach hundert Tagen und Nächten wußte man immer noch nicht , ob die Sofanti-Häute genügenden Schutz zum Weiterbauen gewähren würden . Und der Peka wurde immer ungeduldiger . Aber seine Ungeduld war von andrer Art als die von Lesabéndio , Biba , Dex , Nuse und Sofanti . Diese konnten beim Turmbau ihre künstlerischen Ideen einigermaßen zur Geltung bringen , Peka aber sah , daß er ganz kaltgestellt war . Und Labu und Manesi sahen , daß es ihnen ebenso ging wie dem Peka . Der kleine Nax gab sich die größte Mühe , den Peka zu trösten . Aber Naxens Verwandlungsscherze erzielten bald nicht mehr die Wirkung wie bisher . Peka wurde immer trauriger . Die Quikkoïaner hatten mittlerweile gelernt , ihrem Körper kleine Flügel zu geben , mit denen sie sich ganz frei in der Luft halten und somit vor dem Gesicht des Pallasianers sprechen konnten , wenn dieser oben mit dem Lenken und Befestigen der Kaddimohnstahlstangen beschäftigt war . In einer solchen Situation sagte der Nax zum Peka hoch oben drei Meilen über dem Nordtrichter , als hell die Spinngewebewolke herunterglänzte , während die Sterne ringsum smaragdgrün im dunkelvioletten Himmel funkelten : » Lieber Peka ! Ich verstehe den Eigensinn nicht . Wenn man sich auch Hunderte von Jahren damit befreundet hat , die Zukunft seiner Umgebung nur in einer harten , kantigen Brillantenarchitektur zu erblicken , so kann man doch , wenn man einsieht , daß die Ausführung dieser Idee nicht gut möglich ist , ganz gemütlich darauf verfallen , sich die Sache in der Phantasie auszumalen und die Wirklichkeit zu lassen , wie sie grade ist . Ich verstehe nicht , warum man eigensinnig grade die Ausführung im großen Maßstabe will , wenn man sie im kleinen Maßstabe haben kann . Der ist doch auch etwas . Unsre Phantasie ist doch auch was Reales . Wie kann man nur so eigensinnig sein wie Du und wie Labu und Manesi , die auch immer jammern . Auf dem Quikko jammerte man nie . Da wollte keine Seele das , was sie nicht konnte . Man wollte nur das , was man konnte . « » Jawohl « , versetzte Peka , » aber das hat Euch auch grade so weit gebracht , daß Ihr gar keine höheren Ziele kennen lerntet . Ihr habt auch niemals gewußt , was es heißt , nach unsäglichen Mühseligkeiten endlich sein Ziel zu erreichen . Ihr seid immer sehr zufrieden . Aber dafür habt Ihr auch niemals stärkere gewaltigere körpervernichtende Seligkeiten kennen gelernt . Ihr lebt hier immer nur als Zuschauer und als Spaßmacher und seid dabei ganz zufrieden . Was wir aber bei dieser nervenzerstörenden Arbeit empfinden , davon habt Ihr gar keine Ahnung . Du weißt nicht , was ich leide . Und Du wirst meinen Schmerz niemals verstehen . « Der kleine Nax wußte nicht recht , was er sagen sollte . Schließlich meinte er ganz treuherzig : » Du , ich werde dem Lesabéndio und dem Biba auseinandersetzen , daß sie doch die ganze Turmgeschichte aufgeben müßten . Wenn höher hinaufgebaut werden sollte , so würde doch alles durch die Spinngewebewolke zerstört werden . Die Sofanti-Häute würden nichts nützen . Das werde ich sagen . Und dann kannst Du unten Brillantenarchitektur machen . Du hast dem Lesabéndio und Biba geholfen , solange es ging . Sie müssen Dir dafür auch helfen , solange es geht . Und dann wirst Du Deinen Schmerz los und wirst wieder so lustig wie ich . Ich kanns garnicht ansehen , wenn Einer so traurig ist wie Du . Ich gebe ja gerne zu , daß ich nicht die stärksten Seligkeiten kenne - aber wenn ich die mit so viel Qualen erkaufen soll wie Du - dann will ich sie lieber niemals kennen lernen . Das kannst Du mir glauben . « » Du bist eben « , erwiderte Peka , » ein kleiner Flachkopp und hast keine Knochen im Leibe wie die harten Pallasianer . Ich möchte wieder nicht so leicht veränderlich und so wenig fest wie Du sein - das kannst Du mir auch glauben . « Sie sprachen noch lange so weiter , und der kleine Nax flog zum Sofanti und setzte ihm auseinander , daß seine Häute wohl nicht genügenden Schutz den Wolken gegenüber gewähren würden . Da kam aber der Kleine schön an . » Dann machen wir « , sagte Sofanti lachend , » die Häute immer dicker , bis sie gut sind . Die Häute werden ja trotzdem durchsichtig bleiben . Du willst wohl die Pallasianer verleiten , von ihrem Plan abzukommen ; der Peka scheint Dir mit seinen Tränen ein wenig imponiert zu haben . Aber glaube nur : wir schätzen jeden Pallasianer , aber deswegen schätzen wir doch unsre Ideen noch viel mehr als alles andre . Da gibt es keine Rücksichten . Wenn wir was wollen , setzen wir das auch durch - mag kommen , was da will . Auch vor den Tränen der Andern haben wir keine Angst . Das , was von uns einmal als richtig erkannt worden ist , das muß zum Durchbruch kommen . Wir verändern unsre Ideen nicht . Wir haben keinen veränderlichen Leib wie Ihr . Und wir haben auch keinen veränderlichen Kopf wie Ihr . Wir können nicht heute dieses und morgen jenes wollen . Wir bleiben immer in derselben Richtung , wenn auch die ganze Welt untergeht . « » Seid Ihr aber hart ! « rief da der kleine Nax aus , und er flog zum Lesabéndio und wollte ihn überreden , die Turmgeschichte aufzugeben - doch er fand die richtigen Worte nicht und wagte es schließlich garnicht , den Mund aufzutun . Und beim Biba ging es ihm ebenso . Und dann wurden die Sofanti-Häute oben drei Meilen über dem Nordtrichter ausgespannt . Und - sie rissen entzwei . Aber Sofanti ließ stärkere Häute hinaufbringen - und die rissen abermals entzwei . Der kleine Nax lachte und rief , während er sich in ein zwanzig Quadratmeter großes Hautstück umwandelte - ein ganz neuer Scherz , auf den er sehr stolz war : » Lieber Sofanti , vielleicht verwendest Du die Quikkoïaner als Schutzhüllen . Wir opfern uns gerne , wenn wir auch die größten Seligkeiten der Tatkreaturen nicht kennen . « Sofanti lachte und ließ sich nicht stören . Und nach zehn Tagen und zehn Nächten hatte er neue Häute oben , die dem Drucke der Spinngewebewolke - Stand hielten . Da gabs aber keinen großen Jubel auf dem Pallas ; die Bewohner dieses Sterns waren durch die lange Arbeit so erschöpft , daß Keiner mehr was von Neuigkeiten hören wollte . Auch die Quikkoïaner fanden keine Zuhörer , und sie blätterten daher am Halsbande der Pallasianer in den kleinen Büchern und lasen darin . Dreizehntes Kapitel Lesabéndio , Peka und Biba werden in ihren Schlafsäcken kurz vor dem Einschlafen mit ihren Monologen vorgeführt . Peka bekommt , um Haut zu schaffen , den Auftrag , die Fundamente der vierundvierzig Randtürme architektonisch auszubauen . Er tut das bei drei Türmen und erklärt , daß er aus dem ganzen Pallas einen Kristallstern machen möchte . Dem widersprechen sogar seine Freunde Labu und Manesi . Sofanti aber merkt , daß Peka in einem Jahrhundert nicht das notwendige Hautmaterial für die oberen Stockwerke des Lesabéndio-Turms herstellen kann . Alles verzweifelt . Nax aber hat eine erlösende Idee . Als es auf dem Pallas dann wieder mal Nacht wurde durch die Spinngewebewolke , da lag Lesabéndio oben im Nordtrichter auf einer Pilzwiese in einer tiefen Talschlucht und fühlte , wie sich seine Nachthaut vom Rücken aus aufspannte und sich dann anderthalb Meter über ihm oben zusammenschloß . Lesa steckte sich einen Zweig seines Blasenkrautes in den Mund , ließ seinen linken Arm elektrisch leuchten und rauchte , daß große schimmernde Blasen zur Decke seines Schlafsackes aufstiegen - die Blasen veränderten , wenn sie aus dem Munde mit den kleinen weißen Kautschukzähnen herauskamen , immer wieder ihre Farben und sahen oft wie Perlmutter und wie Seifenblasen aus , wenn sie langsam sich drehend emporstiegen ; und oben an der Decke des Schlafsackes bewegten sich die Farbenspiele noch lange Zeit in den Blasen , ohne daß diese zerplatzten . » Nun sind wir « , sprach Lesa unhörbar zu sich selbst , » wieder eine ganze Strecke höher gekommen , schon drei Meilen hoch . Und ich habe beinahe vergessen , warum wir diese schwere Arbeit übernahmen - und die Andern vergaßen wohl auch , wozu das alles sein soll . Wir handeln eben garnicht in erster Linie nach unserm Willen . Der große Geist unsres Sterns herrscht in uns , und wir sind nur scheinbar selbständige Wesen . Was unbewußt in uns tätig ist , das ist das Mächtigste in uns . Und ich glaube , daß das Führende hoch über uns im Kopfsystem des Pallas lebt , - in der großen Wolke , die uns Tag und Nacht gibt - und über der großen Wolke - in den gefesselten Kometen - zu denen wir hinstreben . Ihretwegen bauen wir immerzu an dem großen Turm . Das ist gar keine künstlerische Geschichte mehr - das ist ein Andres - ein Unbegreifliches . Wir fühlen uns auch nur wohl , wenn wir uns mit dem Gewaltigen ganz eins wissen . Ich möchte mal ganz und gar mit ihm zusammen ein Wesen sein . Vielleicht sterbe ich mal anders als die andern Pallasianer - vielleicht nimmt Er da oben - der Gewaltige - - mich auf , wenn ich schwach und durchscheinend werde . Wir werden transparent , wenn wir dem Tode nahe sind . Aber ich glaube ... « Lesabéndio schlief ein , und er träumte von einem großen Sonnensystem - und das wirkte auf ihn wie ein System von Millionen Gummistrippen , die sich immer wieder auseinanderzogen und sich dann wieder näherten - und er wußte nicht , ob sie sich lieber zusammenziehen oder auseinanderziehen wollten - aber die Millionen arbeiteten immerzu-bald so und bald so-und es entstand dabei eine feine schwingende Saitenmusik - und dann rissen ein paar Saiten entzwei , und es dröhnte ganz dumpf durch den großen Raum . Und an den Enden der Strippen saßen plötzlich grüne spinnenartige Wesen mit ganz langen Beinen , die auch zu Gummistrippen wurden und bald länger und dann wieder kürzer wurden . Und während Lesa so träumte , lag der Peka nicht weitab von ihm - auch rauchend - in seinem Schlafsack und sprach laut zu sich selbst - ungefähr so : » Jetzt braucht man Haut . Und da die Haut nur auf den polierten Steinen bei uns wächst , so wird man mir Gelegenheit geben , mit meinen polierten Steinen große Fundamentalbauten herzustellen . Etwas werde ich machen können in meiner Art. Aber viel wirds nicht werden - das weiß ich schon . Einiges kann ich machen , weil man mich braucht . Aber dadurch kommt das kristallinische Prinzip - die Kunst der Raum- und Flächenrhythmik - das Architektonische - nicht zur vollen Entfaltung auf dem Pallas . Der ganze Turm ist doch keine Kunstangelegenheit - der Turm da oben ist ein simples Nutzwerk - wie eine Brücke oder eine Bandbahn . Architektur sah niemals so gerippartig aus - die will stets das Kompakte . Die Ingenieure , die unsre Bandbahnen bauten , waren keine Künstler - keine Architekten - und die Ingenieure wie Dex und Nuse , die heute den großen Nordtrichterturm bauen , sind auch keine Künstler - keine Architekten . Hier sind zwei einander widerstrebende Richtungen , und ich vermag nicht einzusehen , wie da jemals eine Einigung möglich wäre . Das eine wird vom andern erstickt . Was ich wollte , wird auch durch diese Ingenieure erstickt . Und da muß man ganz ruhig sein . Und ich kanns nicht sein . Meine Welt wird mir zerschlagen