sprach ich nicht einen Laut . Wie gerne mocht ich riechen Gebratne Federviehchen ! Einst konnt ich wie ein Löwe fressen - Doch die Zeit hab ich längst vergessen . Täglich aß ich ein Rind und zehn Tauben - Heute will mir das Keiner mehr glauben . Ich könnt so Manches noch sagen Von meinem Magenbehagen . Bei Allah ! Wie wetzt ich die stahlharten Zähne ! So wie in der Wüste die böse Hyäne - Ich leckte , kaute , kratzte , fraß - Ganz unbezahlbar war der Spaß ! Nun leider wollen die Glieder nicht mehr - Sie sind zu trocken , sie sind auch zu schwer . Doch was fletscht Ihr mit Eurem Nilpferdgebiß ? Die Geduld mir bei Eurem Anstande riß ! Was ? Faul , alt und gebrechlich tut Ihr ? Was ? Mit knurrendem Magen ruht Ihr ? Auf ! In die Welt ! Den Würsten entgegen ! Kinder ! Hier habt Ihr gleich meinen Segen ! « Und Buchtury steht hoch oben auf der Leiter unter der persischen Eiche mit hoch erhobenen Armen wie ein Schornsteinfeger da . Indessen - der junge Safur wird jetzt sehr ärgerlich . Er ist ja der größte Feind der Vielesserei . Buchtury wollte den Safur nur höhnen . Dieser ruft daher sämtliche Tofailys zusammen und setzt ihnen auseinander , daß das Sattsein durchaus nicht anständig sei . Diese Rede wurde mit sehr drolligem Beifall aufgenommen , das ja die Tofailys gewöhnlich garnicht zum Sattessen hatten . Daran hatte der kluge Safur garnicht gedacht . Die Tofailys aber verlangten nun von Safur einige Leckereien , sie hielten es nach der Rede über die Unanständigkeit des satten Magens für notwendig , sich in der Enthaltsamkeit zu üben . Und dem armen Safur half nichts - er mußte ein Frühstück besorgen . Da er kein Geld besaß , mußte er mit schwerem Herzen seinen Dolch versetzen . Suleiman und Kodama hatten sich fortgestohlen . Abu Hischam besaß nie was . Die Tofailys ließen sich demnach auf Safurs Kosten ein herrliches Frühstück geben - frische Fische aus dem Tigris . Safur sprach mit sehr saurer Miene über die Vorzüge dieser frischen Fische und bestellte noch , da er ja den Dolch doch nicht mehr retten konnte , einen dicken Schlauch mit Wein . Demzufolge war die Gesellschaft sehr bald wieder betrunken - - - Der Tigris plätscherte unten am Ufer spöttisch lächelnd vorbei , umspülte die Rosengebüsche , die Granatbäume , ein paar stille Palmen und die persischen Eichen - floß dann nach Bassora und dann ins große Meer . Safur , Abu Hischam und die Tofailys tranken unheimlich . Und ein toller ausgelassener Geist kam in die Gesellschaft . Der jüdische Weinwirt schüttelte bedenklich das lockige Haupt . Buchtury fiel über die Lilien den Abhang hinunter - in den Tigris . Der jüdische Weinwirt rettete den Betrunkenen , was nicht ganz gefahrlos erschien . Nach diesem Unfall brachen die Zecher auf und wohnten in der Nähe der Terrasse in der Sattelgasse einem Hahnenkampfe bei . Safurn kam , als er die wütenden Hähne mit ihren scharfen Sporen aufeinander loshacken sah - eine gräßliche Erinnerung . Er dachte plötzlich an seine Tarub - - - beim Barte des Propheten ! - die Erinnerung war peinlich ! Tarub pflegte , wenn Safur betrunken ohne Dolch nach Hause kam , ebenfalls wie ein Hahn auf den betrunkenen Dichter loszuhacken . Safur ward daher ingrimmig und rannte davon . Aber er ging noch nicht zur Tarub zurück . Er trank sich erst in einigen Weinkellern - Mut . Und dann ging er in die Moschee und zankte sich mit einigen Koranstudenten . Und dann ging er zu den Sängerinnen der alten Dschellabany und klagte den Mädchen sein Leid . Er ließ sich ruhig auslachen , lachte sich selber aus - wurde jedoch immer betrunkner und immer gereizter . Er fluchte auf die Tarub , als wenn sie an seinem Rausch die Schuld trüge . Wies Nacht geworden und die Sterne funkelten , stand der Dichter vor Saids Gartenmauer und wußte nicht , wie er da hingekommen . Er knirschte fürchterlich mit den Zähnen . Der sonst so kluge Dichter konnte sich nicht gerade halten - schwankte wie ein Rohr im Winde . Schlotternd hing dem Wüstlinge das braun und blau gestreifte Beduinengewand um die Glieder rum . Und die Welt war so schrecklich heiß . Und Safurs Kopf war so schwer wie Blei . Und des Dichters Herz klopfte wie ein Schmiedehammer . Und des Dichters Hände zitterten wie die Blätter der Pappeln , wenn der Wind hindurchfährt . Ach - schließlich kletterte Safur über die Gartenmauer , fiel in eine Dornenhecke , zertrampelte ein Tulpenbeet , stieß sich den Kopf an einem Birnenbaum und stieg darauf etwas blutend und voll Schmutz durch das Küchenfenster in Tarubs Küche . Tarub sieht ihn , erschrickt , wird aber gleich furchtbar wütend und wirft ihrem Geliebten einen braunen Milchtopf mit Milch an den Kopf , daß dem armen Dichter die weiße Milch übers braune Gesicht rinnt . Dann schreit die Tarub wie eine Verrückte und haut ihrem Geliebten mit einem Schrubber auf den Kopf . Safurn wird die Sache zu toll . Er packt seine berühmte Köchin an die Gurgel . Aber ach ! - in dieser wüsten Nacht ist er schwächer als seine berühmte Köchin . Sie verprügelt ihren Geliebten und wirft ihn durchs Fenster in den Garten . Töpfe , Flaschen , Kruken , Holzstücke , Gläser , Eimer voll Wasser - und alte Fleischstücke - greulich ! - alles dieses fliegt dem fein gebildeten Feinschmecker , dem großen Dichter - an den Schädel . Und der betrunkene Dichter flieht . Und die Tarub , Bagdads berühmte Köchin , wütet in ihrer Küche wie eine toll gewordne Dschinne auf dem Demawand . Niemand wagt es mehr , in Tarubs Küche zu steigen - in dieser Nacht ist es ganz unheimlich in Saids Hause . Die Tarub wütet und schlägt manchen schönen Topf kurz und klein . Der Dichter flieht - aus dem Garten raus - weit fort - er flucht jetzt auf die Tarub - wie ein Kameltreiber . Häßliche Schimpfworte schreit er in die Nacht hinaus und knirscht dazu mit den Zähnen . In der Ferne blitzt es - greulich grell . Unheimlich ist diese Nacht ! Neuntes Kapitel Wie nun wiederum der Morgen graute , stand der Dichter Safur am Tigris und starrte nach Osten . Berauscht sah der Dichter Safur nicht aus - aber - ein wenig verwüstet und ein wenig verkommen ; das dünne Gewand war seltsamerweise nicht zerrissen - ganz wars geblieben - indessen - schrecklich schmutzig wars geworden - Blut , Wein , Milch , Staub , Blumensaft und Straßenpfützen hatten die braun und blau gestreifte Baumwolle höchst unregelmäßig gemustert . Und Safur starrt - halb blöde , halb verträumt - nach Osten . Da wirds über den breiten spiegelhellen Wassern des Tigris immer bunter . Die Sonne geht auf . Langsam hebt sich die brennendrote Scheibe aus den Fluten des Tigris raus . Und der Tigris glänzt jetzt auch brennendrot . Safur starrt in die heiße Farbenpracht und sieht plötzlich über der roten Sonne in den glühenden Wolken ein schwarzes Gesicht - das schwarze Dschinnengesicht , das er bei der Sareppa sah , als ihm dort die Beduinen von den Schrecken der Wüste berichteten ... Purpurne und goldene Wolken umrahmen wunderlich das schwarze Gesicht , das nun die großen blauen Augen weit aufreißt . Der Blick der Dschinne ist furchtbar . Safur taumelt zurück . Dabei bemerkt er aber , daß rechts von der Sonne noch zwei Dschinnengesichter vorkommen und links von der Sonne gleichfalls . Die neuen Gesichter sind etwas zur Seite gelehnt , daß alle fünf Gesichter wie ein Kranz die Sonne einschließen . Und die Gesichter sehen ganz gleich aus . Ihre blaßbläulichen schmalen Lippen öffnen sich ein wenig und zeigen weiße , fest zusammengepreßte , kleine Zähne . Safur traut kaum seinen Augen , blickt in den höher gelegenen Himmel hinauf - Doch da beginnt er zu zittern , dort höher oben zeigt sich ein zweiter Gesichterkranz ; die Gesichter sind nur viel größer und viel schrecklicher . Und über dem zweiten zeigt sich ein dritter Gesichterkranz - der ist noch größer - fast noch einmal so groß . Der ganze Himmel füllt sich mit schwarzen Dschinnengesichtern , die langsam aus dem dunklen Himmelsblau herauskommen und auf den Safur zuzustreben scheinen . Ganz oben am Himmel sind die Gesichter riesengroß - die schwarzen Haare flattern wild um die schwarzen Ohren und um die schwarzen Stirnen - - - doch so wie die Haare an dem einen Gesichte flattern - genauso flattern sie auch an dem andern . Und den Dichter packt die Angst . Ihm schlottern die Kniee . Er sieht plötzlich nichts mehr . Ihm wird schwindlig . und er bricht bewußtlos zusammen . Nach einer Weile hört er dann ein gellendes Pfeifen , als wenn ein schneller Wind vorübersause . Gleichzeitig wird vor seinen Augen alles rot ... Der Dichter will die Augen öffnen , kanns aber nicht - er glaubt , er sei blind geworden . Er ringt die Hände und schreit . Dadurch kommt er wieder zu sich , seine Augen öffnen sich , und - Bagdad mit dem Tigris liegt vor ihm . Drüben am Ufer erhebt sich der Garten des reichen Battany . Safur befindet sich auf einer Anhöhe und kann weit herumblicken . Der Himmel ist tiefblau . Die schwarzen Gesichter sind fort . Safur aber hat die Gesichter nicht vergessen , er springt auf , blickt sich scheu um und rennt wie ein Rasender nach Battanys Landhaus . Er klopft dort heftig an die kleine Gartentür - und die wird auch gleich geöffnet - der Hausmeister öffnet selbst - kriegt jedoch beim Anblick des Dichters ein so erschrockenes Gesicht , daß das seine dem der großen Dschinne nicht unähnlich sieht . Der Hausmeister hört garnicht mehr , was der Dichter sagt , läßt ihn hinein und geht mit großen Schritten davon - zu seinem Herrn . Battany steht in seinem - Harem - und - grübelt . Seine Frauen liegen in prächtigen bunten Seidengewändern auf den Teppichen und langweilen sich . Eine Perserin spielt eintönig auf einem langen Saiteninstrument , das mit blitzenden Diamanten verziert ist . Eine kleine Ägypterin schlägt dazu ein paar glockenförmige Cymbeln von Zeit zu Zeit leise aneinander . Grün schillernde Fliegen summen durch das große Gemach . Die Frauen wehren mit ihren Fächern die Fliegen von sich ab . In großen kupfernen Eiskübeln taut laut tropfend das Eis . Oben an den bunt bemalten Holzwänden bewegen sich leise kleine Sonnenlichter , die durch die großen zierlich geschnitzten Windlöcher sich hineinstehlen in den großen stillen Harem des reichen Al Battany , dessen Frauen sich immer langweilen . Der Harem ist ganz mit großen Granatbäumen umgeben , damits nicht zu heiß wird in den üppigen Gemächern . Und der Hausmeister kommt an . Er stürzt seinem Herrn zu Füßen . Die Frauen richten sich auf . Der Hausmeister sagt ängstlich : » O Herr , der Dichter Safur ist da . Aber ich glaube , er ist wahnsinnig geworden . « Die Frauen schreien . Battany läßt sich in seiner Sänfte in den Garten tragen . Zwei schwarze Sklaven halten von hinten hoch über Battanys indischer Goldmütze einen großen roten Sonnenschirm . Sehr langsam wird Battany getragen . In seinem Landhause geht alles langsam zu ; laufen darf dort Niemand - auch die Sklaven dürfen nicht laufen . In seinem kleinen , leicht gebauten Bücherkioske will der Astronom den Dichter empfangen . Safur kommt rasch durch die Olivenallee näher . Der Bücherkiosk liegt da so ruhig wie eine Krone auf einer kostbaren Stickerei . Die kostbare Stickerei besteht hier aus ganz kurz geschornen grünen Rasen , die von bunten Schnörkeln zierlich durchzogen sind . Die Schnörkel - teilweise indische Buchstaben - werden von kleinen Tulpen gebildet . Es wurden aber nur drei verschieden gefärbte Tulpenarten verwandt . Die einen sind rotlila , die andern weißgelb und die dritten graublau . Diese drei Farben heben sich wunderbar vom dunklen Rasengrün ab . Und da , wo auf dem Grünen keine Tulpen wachsen - da sitzen rote , blau und grün , gelb und schwarz , weiß und grau gefleckte Papageien fürchterlich steif auf glatt geschnittenen dünnen Holzästen , die alle mit weißem Silber beschlagen sind . Die bunten Papageien machen einen - so gelehrten Eindruck - scheinen alle sehr belesen - sehr belesen - denn sie sind ja vor dem Bücherkioske angekettet . Sehr saubre orange farbige , nicht gemusterte Fliesenwege durchziehen in weichen Linien die kurz geschorenen Rasen , auf denen die Tulpen blühen und die Papageien angekettet sind . Riesige Bananen umschließen im genau abgezirkelten Kreise das glatte , peinlich saubre Gartenkunststück . Und hierhin stürmt mit raschen Schritten der wilde Dichter Safur . Oh ! Oh ! Wie Battany zusammenschrickt ! Der riecht gleich , was los ist . Säuferwahnsinn hat den Dichter gepackt - Säuferwahnsinn ! Die Sklaven müssen sich entfernen . Battany und Safur wandeln zusammen über die orange farbigen , nicht gemusterten Fliesenwege - doch nur dort , wo das weit ausladende Dach des Bücherkioskes noch Schatten spendet . Safur erzählt wütend von der Tarub und von der Dschinne - wild durcheinander . Battany hört nur , daß Safur Tag und Nacht und wieder Tag und Nacht und wieder Tag und Nacht getrunken und sich schließlich mit seiner Tarub erzürnte . Der reiche Astronom ist daher auch sehr erzürnt , wirft dem leichtsinnigen Dichter seinen höchst liederlichen Lebenswandel vor und sagt ihm am Ende : » Mein lieber Safur ! Mit Dir ist wirklich nichts mehr anzufangen . Du kannst das Trinken nicht mehr lassen . Du wirst noch ganz und gar verkommen . Ich verstehe Dich nicht . Du kannst nie aufhören . Du bist eben ein Gewohnheitssäufer geworden . Kannst Du Dich denn nicht daran gewöhnen , mit den Andern nach Hause zu gehen ? Mußt Du immer so lange trinken , bis Du im Rinnstein liegst ? Du hast das doch garnicht nötig ! « Dem Safur brummt der Kopf , ihm zittern die Glieder , Battanys laute Stimme ist ihm schrecklich ... Kleinlaut versetzt der Dichter : » Sieh mal , Battany , Du hast nicht das durchzumachen , was ich durchzumachen habe . Glaubst Du , es sei so leicht , mit einem Weibe auszukommen , von dem man abhängt . Du weißt - wenn ich die Tarub nicht hätte - könnt ich nicht mehr leben . Zum Betteln bin ich zu stolz . Aber wenn ichs recht bedenke , müßt ich auch zu stolz sein , bei dieser Tarub zu leben . Ich kann mit der Tarub nur dann weiter leben , wenn ich ihr Herr bin und sie meine Sklavin ist . Kannst Du nicht , Battany , diesem Said die Tarub abkaufen - - - und - und mir schenken ? Tus doch ! Sei mein Freund ! « Battany lächelt verächtlich . Er setzt dem Safur dann , ohne auf seinen Vorschlag einzugehen , auseinander , daß er des Abends eine große Tigrisfahrt unternehmen möchte . Der Said , die Abla und die Sailóndula und auch die Tarub sollen mitkommen . Battany will zwischen Safur und Tarub vermitteln . Dem Safur schmerzt der Kopf . Ihm ist alles recht . Innerlich ist ihm ganz klar , warum er trank . Daß er von der Tarub so ganz und gar abhängt - das hat ihn nach seiner Meinung zum Säufer gemacht . Also denkt der Dichter gewöhnlich , wenn er seinen Dolch versetzt und viel zuviel getrunken hat . Er pflegt dann auch seinen Freunden vorzuwerfen , daß sie sein Verhältnis zur Tarub nur deshalb für ganz gut hielten , damit er nicht seinen lieben Freunden zur Last zu fallen brauche . Diese Vorwürfe spricht der Dichter , der immer sehr vorsichtig ist , natürlich nicht laut aus . - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - Und Safur soll baden . Er tuts - in Battanys wunderbarem Teiche , der in einem kleinen Talkessel liegt . In dem Teiche blühen blaue Lotosblumen . Die großen Lotosblätter schwimmen auf dem Teiche wie riesige Topfdeckel . Die Sklaven reinigen des Dichters Kleid . Und nach dem Bade wird der Dichter von den Sklaven mit wohlriechenden Ölen gesalbt . Die Baumwolle reinigen die Sklaven mit wohlriechender Seife . Safurn wird ein bißchen besser . Er bekommt auch was zu essen . Und dann steigt er in eine Sänfte und wird sanft mit Battany aus dem Garten raus - zum Said und zu seiner Tarub getragen . Unter den beiden roten Sonnenschirmen , die groß , rund und steif sind , wird die Haut der beiden Männer auf den Sänften auch ganz rot . - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - In Battanys Harem wirds wieder lebhafter : der Hausmeister muß erzählen - von Safur und von der alten Dschellabany . Die Frauen sind schrecklich neugierig . Und dann baden die Frauen in demselben Teiche , in dem Safur badete - wo die blauen Lotosblumen blühen und die großen Lotosblätter herumschwimmen . Die Frauen baden unter hellgelben und hellblauen seidenen Sonnenschirmen - die Schirme sind riesig groß . Und die nasse Haut der gelben Inderinnen spiegelt das Grün der Lotosblätter und auch die blauen und gelben Töne der Sonnenschirme , daß die Haut so bunt schillert - wie entzückende Perlmutterschalen . Wunderbarer noch spielen die verschiedenen Lichtfarben auf den Leibern der weißen Armenierinnen . Und die Leiber der schwarzen Frauen werden ebenfalls ganz bunt . Doch - Battanys üppige Haremsfrauen langweilen sich auch im Bade - sie sehen die Farbenpracht der Lichtspiele nicht auf ihrer schön gepflegten Haut . Und wie die nassen Glieder der Frauen müde unter den blauen und gelben Sonnenschirmen am Ufer liegen - im Grase - da spielen die Lichtfarben noch viel großartiger auf den prächtigen üppigen Leibern , die sich räkeln mit Arm und Bein - - - dadurch werden die Glieder noch immer reizvoller - unbeschreiblich ! Zehntes Kapitel Der Wind bläst in die Segel , und die Barken schießen stromauf . Die Wellen schaukeln . Es ist angenehm kühl auf dem Tigris . Es ist Nacht . Der Mond steht fast voll hoch am Himmel . Suleiman hat ein Märchen erzählt . Nun soll Safur eine wahre Geschichte erzählen . Sie sitzen in Saids großer Barke - hinten - hinter dem großen Segel . Battany und seine sieben Freunde sinds , die in Saids großer Barke sitzen . Said mit seinen drei Köchinnen ist auch in der Barke . Die Tarub zerschneidet vorne eine große Nußtorte und kümmert sich nicht um die Gesellschaft . Und Safur , der sehr ernst dreinschaut , erzählt : » Ein junger Beduine saß bei der alten Dschellabany und trank mit ihren hübschen Sängerinnen - Wein . Das Trinken war sehr gemütlich , denn die Sonne stand noch sehr hoch . - - - Die Mädchen sind ein bißchen faul , und der Beduine spaßt nicht mehr mit ihnen , sondern erzählt ihnen was von seiner Geliebten , die ihm alle Tage zu essen und zu trinken gibt . Die Mädchen lachen und schauen sich den Beduinen sehr genau an . Der aber erzählt weiter , daß er seinen schönen Dolch versetzt und nun große Furcht vor seiner Geliebten habe . Da müssen die Mädchen noch mehr lachen - und sie trinken , als wenns garnichts kostet . Mit leeren Taschen geht daher später im Sternenschein der junge Beduine von dannen - nicht grade - das kann er nicht - aber schwankend und mit schlotternden Gliedern . Er klettert über einen Zaun in einen Garten . Die Blumen duften da paradiesisch - und goldene Äpfel fallen dem Beduinen auf die Nase . Der Himmel wird ganz dunkelblau . Ein paar Sterne fallen aus dem dunkelblauen Himmel - auch herunter in den Garten , in dem die Blumen leuchten und duften wie im Paradies . Der Beduine schwankt weiter und will sich in ein Fenster schwingen , hinter dem seine Geliebte wohnt . Ein Duft von gebratenen - Hasen weht ihm aus dem Fenster entgegen . Doch plötzlich fühlt er was Nasses auf seinem Kopf und sieht nichts mehr . Ein großer Eimer ist ihm übern Kopf gestülpt , und frische Kuhmilch rieselt ihm über seinen ganzen Leibfrische Kuhmilch ! « Safur lacht , und die Andern lachen auch . Dann fährt er fort : » Kaum hat der Beduine den Eimer vom Kopf gerissen , so klatscht ihm eine dicke Rindskeule an die rechte Wange . Der Beduine wird wütend , springt ins Fenster hinein und packt - packt seine Geliebte . Die reißt sich aber los und schlägt ihm mit einem Stück Holz übern Kopf . Der Beduine wird immer wütender . Doch seine Geliebte schlägt ihm mit einem Wasserkrug um die Ohren , daß der Krug in tausend Stücke zerbricht . Dann wirft sie nach ihm mit Eisstücken und gläsernen Flaschen , mit Schutt und Müll , mit Fischköpfen und faulem Obst , mit Bratpfannen und schmutzigen Lappen - daß der arme Beduine zurücktaumelt zum Fenster . Wie er aber am Fenster ist , hat sie ihn rasch an den Beinen gepackt und ihn kopfüber in den Garten geworfen - « Jetzt kommt Safur nicht weiter , denn Alles lacht , daß die Barke bedenklich ins Schaukeln gerät . Safur lacht jetzt aber nicht . Die Tarub bringt die Nußtorte und wird mit einem Höllenlärm empfangen . Der Scherbettbecher geht wieder von Hand zu Hand . Es wird fast wüst . Die Mädchen werden gekniffen und geküßt . Safur kümmert sich aber nicht um den Lärm . Er blickt hinaus in den Urwald am Ufer und beachtet nicht , daß man seine gute Laune preist und ihn einen echten Dichter nennt , der das Leben von der lustigen Seite zu fassen vermag . Safur blickt in die Waldespracht , die sich am Ufer hinzieht im vollen Mondenschein . Die blauen großen Lotosblumen leuchten am Ufer - wie Dschinnenaugen . Und der Dichter muß wieder an seine Dschinne denken und an die Wüstengeister . Und er leidet - leidet , wie ein Beduine leidet , der in der Wüste verdursten muß . Aus dem Waldesdickicht am Ufer tönt zuweilen das Geheul wilder Tiere heraus . Die fliehen aber , denn neben und hinter der großen Barke segeln drei kleinere , die dem Battany gehören . In diesen kleineren Barken sitzen Battanys Bogenschützen , die die wilden Tiere mit giftigen Pfeilen verscheuchen . Safur sieht wieder vor sich das Dschinnengesicht - das er bei der Sareppa sah . Diesmal sieht er das Gesicht im Wasser neben weißen Wasserrosen - das Gesicht scheint im Wasser unterzugehen , sieht so qualvoll aus . Und Safur liebt dieses Gesicht . Und er seufzt , daß es kein lebendes Wesen ist , daß es kein Weib ist . Der Leidende sehnt sich nach der Leidenden . Und er liebt seine Dschinne und vergißt alles - was um ihn vorgeht . Da stößt ihm die Tarub derb in die Seite . Und er schrickt zusammen . Die blauen Blumen am Ufer leuchten unter den großen Bananen - unter den dicken Stämmen der hohen Sagopalmen - wie die blauen Dschinnenaugen der Wüste . - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - Battany flüstert mit Abu Hischam . Und wie der Mond in voller Pracht erglänzt , landet man am Ufer . Man will das Grab des Abu Nuwâs besuchen - jenes großen Dichters , der noch zu Haruns Zeiten lebte und blutarm starb wie ein Lump - und der dann sehr berühmt wurde , sodaß seine Verse bald in Jedermanns Munde waren . Das Grab des Abu Nuwâs ist ganz mit gelben Rosen bedeckt - ganz mit gelben Rosen . Gelb ist die Farbe des Königs - in Persien und in andern Ländern , die von Bagdad nicht weitab liegen . » Abu Nuwâs ! « murmeln jetzt die Männer , die des großen Dichters Grab besuchen . » Abu Nuwâs ! « murmeln auch die drei Frauen . Die Pechfackeln der schwarzen Sklaven knistern und flammen hoch auf . Die Gesellschaft ist plötzlich ganz ernst und ganz still geworden . Suleiman liest mit leiser Stimme die Grabschrift , die auf einem kleinen Alabasterblock mitten unter den gelben Rosen in zierlichen Schriftzügen zu lesen ist . Abu Nuwâs hat sich die Grabschrift , die Suleiman leise liest , selbst gedichtet . » Leb doch , wies Dir grade paßt ! Machst Dich nur dadurch verhaßt ! Hast Du alles mal verpraßt , Kannst Du wirklich nichts mehr erben - Darfst Du doch noch friedlich sterben : Stirb nur ! Selbst die Dichter sterben ! « Kodama räuspert sich und will was sagen , Battany kommt ihm aber zuvor . Battany sagt zum Safur , der wieder sehr ernst dreinschaut : » Lieber Freund , kannst Du uns nicht auch ein paar Verse zu hören geben ? Du bist heute so ernst - laß Dich nicht lange bitten . « Safur nickt und spricht nach einer Weile , in der nur die Fackeln knisterten : » Du ruhst nun unter Rosen aus - Oh , der Tod hat Dich befreit ! Und milder wird mein Schmerz um Dich , Da ich weiß , Du fühlst kein Leid . « Und Safur empfindet eine so gequälte Stimmung . Ihm ist , als täten ihm die Fingerspitzen weh . Sein ganzer Körper empfindet so fein , daß er jeden Luftzug zu spüren glaubt . Er hört den Tigris leise rauschen . Und er hört in der Ferne wilde Tiere heulen . Und er sehnt sich nach einem Wesen , dem er mitteilen kann , wie er eigentlich immer leidet - etwas Unerklärliches leidet , das die andern Menschen nicht kennen . Ihm ist oft so , als sehne er sich nach einem Weibe , das er lieben kann . Aber er weiß , daß es solches Weib nicht gibt . Bei diesen Gedanken sieht er drüben neben Said seine Tarub stehen - drollig ernst ... Und Safur muß lächeln . Doch Battany spricht jetzt - auch sehr ernst : » Freunde ! Ihr wißt , der große Philosoph Abu Hischam , der unter uns weilt , wollte einen Gelehrtenbund gründen . Ich glaube , dieser Augenblick am Grabe des größten arabischen Dichters ist so schön und feierlich , daß wir dem Abu Hischam , der ein kluger , tatkräftiger Mann ist , wohl eine Freude bereiten , wenn wir uns hier am Grabe die Hand reichen und die Gesellschaft , die wir bilden , die Gesellschaft der lauteren Brüder nennen . Ich hoffe , unser Kreis wird bald größer werden . « Und Alle reichten sich die Hände , sodaß sie einen Ring um das Grab bildeten . Sehr drollig sahs zwar aus , daß auch die drei Frauen und der dumme Said im Ringe waren . Doch die Gesellschaft machte trotzdem einen sehr feierlichen Eindruck . Den Mond umkränzten rötliche Wolken - In der Ferne am andern Ufer zuckte ein bläuliches Licht auf - es blitzte - Die Fackeln knisterten und flackerten hell . Als sich die Hände der lauteren Brüder voneinander lösten , warf Abu Hischam seine armenische Pelzmütze hoch in die Luft , worüber Alle lachten . Elftes Kapitel Am nächsten Morgen segelten die Barken des Battany und des Said weiter stromauf - zu den Eremiten . Man wollte auf Abu Hischams Wunsch zunächst den Eremiten die große Kunde vom Bunde der lauteren Brüder überbringen . Abu Hischam schwamm in Seligkeit . Sein Herzenswunsch war erfüllt . Das Frühstück mundete den lauteren Brüdern sehr - sehr gut . Es gab Fleischpasteten und kalten Bratfisch , Pfirsiche , Oliven und Weintrauben , afrikanische Schotentorte und Marzipan . Und man trank roten Kufa-Wein . Beim Wein erhitzten sich die Gemüter . Die lauteren Brüder waren nahe daran , sich zu zanken - zankten sich wirklich . Sie zankten sich über ein paar Verse des Abu Nuwâs , was in der guten Gesellschaft Bagdads zu jenen Zeiten durchaus nicht selten vorzukommen pflegte . Die Verse des Abu Nuwâs , die den Zankapfel bildeten , lauteten : » Ich sagte einst zu einer kleinen Süßen , In deren Hand ein Bündel von Narzissen : Von Dir zu scheiden ist das Schändlichste der Welt ! Und sie : Viel schändlicher zu lieben ohne Geld ! « Die Stimmung ward sehr übermütig - derbsinnlich - zotig - nicht grade sehr zart - im Gegenteil . Es hagelten die bösen Witze so dicht wie die Pfeile in einer Schlacht gegen die Christenhunde und die anderen Ungläubigen . Die drei Weiber taten zuweilen so , als hielten sie sich die Ohren zu . Die Tarub bekam am meisten zu hören . Safur mußte seinen ganzen Witz zusammennehmen , um sie zu schützen . Die beiden Dicken - Kodama und Osman - lachten , daß ihnen die dicken Schweißtropfen über die dicken braunen Pustbacken rollten , die immer glänzender zu werden schienen . Der alte Jakuby unter seinem helllila Turban kicherte wie ein verschämtes Mädchen . Battanys Unterlippe wurde sehr dick . Said tat immer so , als verstände er alles - was einen sehr drolligen Eindruck machte , wenn die Witze sich gegen ihn selber richteten . Ich will dieses Morgengespräch nicht näher beleuchten . Die Sonne stand sehr hoch . Der Prophet Abu Maschar achtete nicht auf das Gelächter der Andern , er hörte sich mit dem alten Suleiman - mehr vorn in der Barke - die begeisterten Erörterungen des Abu