zurück . » ' s kann dir wohl gnügen , wenn ich sag , daß ich ' s mit keinm andrerweis halt wie mit dir ! « » No , nit zürn dich ! ' s machet mich völlig unglücklich , wann ich dich bös af mich wüßt . Werd mir nur bald wieder ganz gut , daß ich dir abfragen mag , was ich gern höret . « » Vor allm laß nur du dich nit wieder aufhetzen , und wär ' s auch von einm Ehrnweib , wie dein Mutter is ! Wann der Sau ' s Ohr fehlt , so faßt ' s kein Hund dran , und wann a Gred kein Grund hat , so sucht mer ihm vergebens ein Anhalt . « Muckerl begann nun seine Mutter zu entschuldigen . Sie hätte , nur aus Sorg um ihn , verlogenen Bescheid für wahr genommen ; es also im Grunde niemandem übel gemeint , auch nicht der Helen , der sie ja bislang , eh sie durch das unbschaffene Gered irrgemacht wurde , alles Gute gegönnt habe und wieder gönnen werde , nachdem sich jetzt all das Nachgesagte als falsch herausgestellt . Doch , über das hartnäckige Schweigen und die trotzigen Gesichter der Dirne sich mehr und mehr ereifernd , gelangte er mählich dahin , seiner Mutter immer weniger Dank für ihre Sorge zu wissen , schließlich es ganz ungerechtfertigt zu finden , daß sie sich überhaupt da eingemengt habe , und als er sich von der Dirne bei deren Hütte verabschiedete , war er der alten Frau ernstlich böse geworden . Die Kleebinderin hatte alle Mühe , dem verdrossenen Burschen das Vorgefallene abzufragen , dann schlug sie darüber im Geiste die Hände über dem Kopfe zusammen . Sie beschloß , Helene nun öfter ins Haus zu laden und jedmal , solange es anginge , daselbst zu verhalten ; für die rauhe Jahrzeit sollte Muckerl an Kleidern nicht mehr schenken , als notwendig , sich aus der Türe zu wagen , damit die Dirne , auch ungeladen , den warmen Ofen aufsuchen käme und sich gewöhne , in der Stube zu sitzen , und schon mit dem nächsten Fasching sollte dann alles zu gutem Ende gebracht und Hochzeit sein . Ein verheiratet Weib hat weniger Anfechtung und mehr Furcht vor üblen Ruf ; welchs sich nit dazu verstund , Ungebühr dem Haus fernzhalten und derselbn außerhalb auszuweichen , das müßt schon gar ein schlechts Geschöpf sein - und für ein solches mochte die Kleebinderin ihre künftige , wenn auch unwillkommene Schwiegertochter doch nicht halten . VIII Der himmlische Patron der Kirche zu Zwischenbühel , Sankt Koloman , ist ein » später Heiliger « , sein Tag fällt auf den dreizehnten Oktober . Da sich aber das Wetter in der ersten Hälfte dieses Monates meist leidlich anließ , so daß die Tanzlustigen sich im Freien , auf der Wiese hinter dem Gasthausgarten , herumtreiben konnten , wo eine große Scheuer zum Tanzboden umgestaltet war , so fand der Zwischenbüheler Wirt für die Gäste , die unter Dach bleiben wollten , sein Auslangen mit zwei Stuben , der gewöhnlichen Gaststube und seiner Wohnstube , die er für diesen Tag ausräumte ; letztere nahm der Sternsteinhofbauer in Beschlag , der sich jede Kirchweih vor den » Unteren « sehen lassen wollte als einer , dem nichts zu gut und nichts zu teuer ; ihm gesellte sich eine Schar » großer Bauern « von fern und nah , die ihn alle in seinem Hochmute unterstützten , wenn auch keiner unternahm , es ihm gleichzutun . Einige unter ihnen hielten aber nicht nur dieses Unterfangen für zu ungeheuerlich , sondern verzichteten überhaupt darauf , auch nur in bescheidener Weise neben dem Sternsteinhofbauer glänzen zu wollen , fanden es ungleich angenehmer und nutzbringender , sich von ihm zechfrei halten zu lassen und nur , wie es Gästen eines solchen Wirtes zukam , dafür zu sorgen , daß » gehörig was draufginge « . Darunter war einer , dessen Bescheidenheit fast der Tugend der Selbstverleugnung gleichkam , wenn man bedachte , daß gerade er es vermocht hätte , so tief in den Sack zu langen wie der Sternsteinhofer , und so wenig wie der befürchten mußte , die Finger leer herauszuziehen . Es war das ein langer , dürrer Mensch mit eingesunkener Brust , hohlen Wangen und tiefliegenden , unter buschigen Brauen hervorblitzenden , dunklen Augen , zwischen denen scharf eine Hakennase vorragte , die Lippen hielt er zusammengekniffen ; wenn er sie öffnete und sprach , so sah es aus , als ob er seine Rede vorab auf ihren Geschmack prüfe . Das Feiertagsgewand , das er trug , sah unsauber aus . Er hieß der Käsbiermartel , Martin war nämlich sein Taufname , und die andere Bezeichnung verdankte er der gewiß löblichen ökonomischen Eigenheit , mit einem Glase Bier und einem Stück Käse vor sich bei stundenlangen Zechgelagen auszuharren ; für diesmal aber , wo es galt , dem , was der Sternsteinhofer » auftragen und vorfahren « ließ , alle Ehre anzutun , kam er seiner Gastpflicht in solchem Maße nach , daß öftere Male am Tische die zarte Äußerung laut wurde : » Ja , Käsbiermartel , wo frißt und saufst denn du nur alls das hin ? « Daraufhin blickte er von seinem Teller auf , mit arbeitenden Backen und dem überlegenen Lächeln eines Mannes , dem es gelungen , plötzlich einen schönen , bisher unbeachtet gebliebenen Zug seines Charakters zu enthüllen . Der Käsbiermartel war nicht ohne Begleitung von Schwenkdorf , wo er hauste , auf den Zwischenbüheler Kirchtag herübergefahren , er hatte sein einziges Kind , die etwa zwanzigjährige Sali mitgebracht , welche nun mit dem Toni vom Sternsteinhofe draußen im Wirtshausgarten saß . Die Dirne war hoch aufgeschossen , so daß sie trotz einer gewissen Fülle etwas derbknochig aussah . Die schwarzbraunen , dickhaarigen Scheitel , die starken , geschwungenen Brauen und die gebogene Nase - glücklicherweise nur ein schwaches Abbild der väterlichen - verliehen ihrem länglichen Gesichte den Ausdruck der Willensstärke , der aber durch die fast schüchternen Blicke ihrer dunkeln , in einem unbestimmten bläulichen Glanze schwimmenden Augen wieder wettgemacht wurde . Rosalie schien nicht gewohnt , sich unter fröhlichen Menschen zu bewegen , sie sah deren lärmend lustigem Treiben zugleich verschüchtert und neugierig zu ; sie schien nicht zu wissen , was sie , als reiche Bauerstochter , für Respekt von Seite ihres Tänzers beanspruchen konnte , auch nicht , was die ärmste Dirne in solchem Falle für Aufmerksamkeiten fordern würde ; schweigend saß sie an der Seite des wortkargen Burschen , und wenn er sie an der Hand aufzog und sagte : » Springen wir auch mal herum « , oder ihr Glas füllte und ihren Teller mit Backwerk häufte , so dankte sie ihm mehr mit Blicken als mit Worten . Sie dachte wohl , es sei echt männisch , sich wenig mit einem Weibe abzugeben . Den Toni vom Sternsteinhof nahm es zwar wunder , daß Käsbiermartels Sali es nicht rügte , wie mürrisch und verdrossen er neben ihr sitze , aber er war es in die Haut hinein zufrieden ; er sorgte nur , seiner Verstimmung so weit Herr zu bleiben , daß niemand dem Grund derselben auf die Spur zu kommen vermöge . Er bemühte sich , die gleichgültigste Miene von der Welt beizubehalten , während er Helene nicht aus den Augen ließ , wenn sie plaudernd mit dem Holzschnitzer über den Rasen dahinschritt oder beim Tanze in den Armen des unbeholfenen Knirpses sich » gering « machte , damit der sie herumschwenken oder in die Höh lüpfen konnte ; verlor sie sich aber ganz in dem Gewühle , so daß sie nicht mehr zu sehen war , dann befiel den Toni eine Unruhe , er machte einen langen Hals , rückte auf dem Sitze hin und her , erhob sich wohl auch ein und ein anderes Mal . Eben begann wieder der Baß zu schnurren , die Trompete zu schmettern und die Klarinette zu gellen , die Paare traten zum Tanze an ; der Kleebinder Muckerl hatte diesmal die Matzner Sepherl aufgezogen . Helene kam langsam über die Wiese dahergeschritten bis an den Zaun , der diese von dem Garten schied , sie warf einen Blick herüber , dann kehrte sie sich ab , lehnte sich mit dem Rücken gegen das Gatter und stützte den vollen Arm auf einen Pfahl . Sie hielt das Gesicht dem Tanzboden zugewendet . Toni erhob sich , er winkte der Dirne an seiner Seite mit der Hand zu und sagte : » Bleib nur , ich will bloß ein kleins wengerl schaun . « Er ging auf den Zaun zu und blieb zwei Schritte hinter Helenens Rücken stehen . » Leni « , rief er halblaut . Durch eine kaum merkliche Bewegung des Kopfes zeigte die Dirne , daß sie nach ihm hinhorche . » Ich bitt dich « , fuhr er fort , » schau dir nur die schmerzhafte Muttergottes an , die s ' mir da an d ' Seiten gsetzt haben . « Die Dirne griff spielend die Schürze auf und führte sie gegen das Gesicht , darunter die hohle Hand zu bergen , die sie vor den Mund legte . » Das is gut fürn Unterschied « , flüsterte sie . » Wenn man ihr dein Halbmandel quer übern Schoß leget , wär ' s Karfreitagbild fertig ; zun bußfertigen Gedanken-Erwecken taugen die zwei . « Helene kicherte unter der Schürze . » Noch eins , Leni . Komm morgen ! « » Werd nit können . « » Es is um nix Grings . « » Werd halt schaun . « » Bhüt dich Gott . « Die Dirne neigte den Kopf , während der Bursche sich entfernte , und ging dann so bedächtig , wie sie gekommen , nach dem Tanzboden zurück . Als der Toni an den Tisch trat , sah er zwei Gestalten , eine dicke und eine dünne , seinen Vater und den Käsbiermartel , in dem Hausflur erscheinen und sich nach dem Garten wenden , rasch bot er der Sali die Hand . » Springen wir wieder mal mit herum « , rief er und zog das Mädchen hastig mit sich fort ; als die Alten am unteren Ende des Gartens eintraten , eilten die Jungen just zu seinem oberen hinaus . Der Käsbiermartel zeigte mit seinem knöchernen Arm nach dem Paare . » Schau , wie schön sauber sie mit ihm Schritt halt « , schmunzelte er . » Ich sag dir , sie mag ihn leiden . « » Wundert mich nit , is auch ein sauberer Bub « , sagte der Sternsteinhofbauer . » No , so uneben is die Dirn just auch nit , daß s ' ihm zwider sein müßt ! « » Bewahr . « » Also gebn wir s ' einmal zsamm , wie wir ' s schon seit langem übereins worden sein ! « » ' s hat ja noch Zeit . « » ' s hat Zeit ! ' s hat Zeit ! Bei dir hat ' s Zeit ! Die Dirn is mannbar , sag ich dir , warum sollt s ' d ' schönst Zeit verpassen und überständig werdn , wie wann s ' ein arms Waiserl wär , das nix nit mit ins Haus brächt wie ' n gflickten Kittel , den s ' am Leib tragt ? ! « » Ich weiß ja , was s ' mitkriegt , ' s is wohl schon a Weil her , daß d ' mir ' s gsagt hast , aber ich hab ' s noch nit vergessen . « » Is ja recht , wann dir ' s gmerkt hast . Was ich biet , das biet ich , und dadrauf kannst mich an der Stell beim Wort nehmen ; halt aber du nur mit dem deinm nit ewig lang zruck . Bei gar zviel Zeit zum Umschaun fänd sich am End doch was anders ! « » Das fürcht ich nit . Ich kenn dich z ' gut . Du bist af dein Vorteil . Du neidst ' m Gulden seine hundert Kreuzer . Von alln , die d ' mir gleichstelln kannst , habn die ein ' n nur Dirndeln , die andern zwei oder mehr Bubn , unter die ' s Ganze einmal aufteilt wird . Stimmt mein Rechnung ? « » Freilich stimmt s ' ! Freilich stimmt s ' ! Aber schau , könnt sich leicht a bessere Glegenheit schicken wie ' s nächst Frühjahr , wo s ' dein Sohn zur Abstellung einberufen werdn , daß mer ' n gleichzeit von Soldaten frei und zun Bauern macheten ? ! Daß ich ' n von Militari losbring , das laß mir über , ich weiß mehr als ein Weg dazu , du brauchst nur d ' Kosten af dich z ' nehmen . « » Das weiß ich , daß du s ' nit tragen wirst , und du weißt , daß ich einer bin , wo ' s kein Haus kost , dem ' s af kein Hütten ankommt ! Aber dös is unbillig , daß ich mein Hof meinm schweren Geld nachwerfen sollt , um mir ein Herrn z ' setzen . « » No ja , du bist halt unbegnügsam , du hast dir noch allweil nit gnug herrisch gtan af der Welt ! Wann ich ein Bubn hätt , ich säß schon lang in der Ruh . « » Du hast aber kein , und wenn du dein Dirn ausm Haus gibst , bist du nur noch freierer Herr drauf ! Dös is ein ungleicher Handel zwischen uns , und der verlangt sein Besinnen , und Besinnen , daß ' s ein nit reut , braucht sein Zeit ; darum laß ich mich nit drängen . Nun is gnug dadavon gredt , schaun wir lieber ein bissel tanzen zu . « » Gut , gut , schaun wir zu . - - Aber ' s Drängens wegen is ' s mir nit gwest , daß d ' glaubst . Ich wollt dich nit drängen . « » Das würd dir auch viel helfen , ausghungerter Zsammscharrer « , murrte der Sternsteinhofbauer , indem er vorauf aus dem Garten schritt . » Dich spann ich doch noch in Karren , angfressener Geldvertuer « , brummte der Käsbiermartel , hinten nachtrabend . Als am nächsten Nachmittage Helene dem toten Walde zuschritt , trieben schwere , graue Wolken vor einem kalten Winde einher . Es begann zu » gräupeln « . In einem Augenblicke schien aller Raum zwischen Himmel und Erde allein von den durcheinanderfegenden und -wirbelnden weißen Kügelchen erfüllt ; das währte einige Minuten , dann wurde ebenso plötzlich die Luft wieder hell , eine mürbe , flaumige Schichte über dem Wege dämpfte selbst den Hall der Tritte , und die Stille , die rings geherrscht hatte , dünkte dem Gehör nun lautloser wie zuvor . Das Mädchen zog erschauernd das Tuch an sich . Auf der kurzen Strecke , die es noch bis ans Ziel zurückzulegen hatte , kam ihm der Bursche entgegen . Er bot zum Gruße die Hand . » Im Wald hat ' s mich nit länger gelitten « , sagte er , » ich mußt doch schauen , ob du bei dem argen Wetter kämst . Ich dank dir , daß d ' dich nit hast abhalten lassen . Es is zu unfreundlich , als daß ich dich lang da verhalten möcht ; ich werd ' s kurz machen . D ' schlimme Jahrzeit is vor der Tür , und bald werden mer heraußen im Freien uns nimmer zusammfinden können ; daß wir aber ' n ganzen langen Winter über uns nur von fern und wie fremd begegnen sollten , ohne ein vertraulich Beinandsein , dazu kann ich mich nit verstehen , und das kannst auch du nit verlangen . « Helene sah vor sich hin auf den Boden , sie hob die Schultern . » Was is da zu machen ? « sagte sie leise . » Das werd ich dir sagen . Dein Mutter soll ein gscheit Weib sein , das ein Einsehen hat ; nit wie andere , die sich , alt , nimmer erinnern mögen , daß sie selber auch einmal jung gwest wären , und nun ' n Verliebten kein frohe Stund gönnen und denselben alles für Sünd und Schand aufrechnen ! Mein Vader , der halt wieder ' s Ganz für a Dummheit , und vor ihm muß ich wohl unser Sach gheimhalten , bis ich ihm einmal a nachgiebige Stund ablauer , denn käm er früher dahinter , so möcht uns das leicht ' s ganze Spiel verderben , aber vor deiner Mutter hab ich mich bei meinm ehrlichen Absehen nit z ' scheuen ; der könntst wohl alls Unsere anvertrauen , und was kann s ' nachher viel dagegen haben , wann ich von Zeit zu Zeit bei euch einsprech ? Da sein wir weit sicherer wie unter freiem Himmel . In euerer Hütten sucht mich gewiß neamand . « » Geh , was du einm zumutst « , schmollte die Dirne . » Da müßt ich mich ja frei z ' Tod schämen , wann ich ihr das beichten sollt ! Was würd sie sich denn denken von mir , wo ich s ' bisher hab glauben gmacht , mir vermöcht ' s keiner anzutun und ich ließ ' n Kleebinder Muckerl nur aus Gnaden neben mir herlaufen ? « » Was sie sich denken würd ? Daß du hinter einm Unlieben seinm Rücken einm Liebern nachtrachtst , wie sie vielleicht selber einmal getan hat , das würd sie sich denken . Dann müßt ja auch dein Mutter kein Kopf für ihrn Vorteil und kein Herz für dich haben , wann s ' dich nit lieber wie da herunten als Herrgottlmachersweib obn afm Sternsteinhof als Bäurin sitzen sähet ! « » Mein lieber Toni , da hat ' s wohl noch ein Weil hin ! « » Wir dürfen uns d ' Weil nit lang werden lassen , eben drum müssen wir uns öfter sehen und reden können , dadrüber vergeht Zeit und schickt sich Glegenheit und fördert mit einmal , eh wir ' s denken und ohne Zutun , ' n rechten Ausgang . « » Ohne Zutun ? Das mein ich wohl nit . « » Und ich auch nit so , daß ich alls ' m leidigen Zufall überließ . Gäb doch der Herrgott sein Segn ' n Feldern umsonst , wann der Bauer kein Saat streuen möcht . Jeds von uns muß sein Teil dazutun , das versteht sich , wie d ' Reih an mich kommt , bin ich gleich dabei ; jetzt ist ' s an dir , red mit deiner Mutter , sonst bleibt uns kein Rat . « » Ich werd reden . Wann kommst ? « » Übermorgen , wann ' s schon schön finster sein wird . « » Is recht . « Sie reichte ihm die Hand zum Abschiede . Er hielt sie an derselben zurück . » Gelt , aber dein Mutter wird da wohl schon übers erste Verwundern hnaus sein , daß s ' kein Aufhebens und kein Getue macht , wann ich komm ? « » Mein Mutter wundert sich überhaupt nit bald über was . « » Weil s ' halt a gscheit Weib is . « » O ja , in Sachen , wozu d ' kein Verstand brauchst . « » Ei , du mein « , seufzte besorgt der Bursche , » mir scheint gar , ihr habt euch zertragen . « » ' s kommt öfter vor ; aber sorg nit , tu ich auch selten , wie sie will , so tut sie doch meist , wie ich will . Komm nur . Husch ! Wie ' s aber kalt is , ich mach , daß ich heimfind . Bhüt dich , Toni . « Sie lief von dem Burschen weg , und der blickte ihr , sich in den Hüften wiegend , nach , solange er noch einen Zipfel ihres Gewandes im Winde flattern sah . In der letzten Hütte war das Licht erloschen . Die alte Zinshofer lag des Schlafes gewärtig , da trippelte Helene an deren Bett heran und setzte sich an den Rand desselben zu Füßen der Mutter . » Ich hätt dir was zu sagen . « » Muß das heut noch sein ? « murrte die Alte . » Weil ich just d ' Kurasch dazu hab , möcht ich ' s nit aufschiebn . « » Muß was Saubers sein , was d ' z ' sagen a Kurasch brauchst ! « » Wirst ' s ja hörn . « » No , so mach schnell ; brich mir nit vom Schlaf ab mit deine Dummheiten . « » Übermorgen , wenn ' s finstert , werdn wir ein Besuch kriegn . « » Was für ' n ? « » ' n Toni vom Sternsteinhof . « » ' n Toni vom Sternsteinhof ? Was will uns der ? « Die Dirne kicherte verlegen und spielte an der Bettdecke . » Wie d ' fragen magst ! « flüsterte sie . » Gern hat er mich halt . « » So , das is freilich ' s Neuste ! Wann d ' aber glaubst , ich würd da ruhig zuschaun und mich etwa gar nit getraun , dem Bubn d ' Tür z ' weisen , weil er der Sohn vom Sternsteinhofbauer is , und mich da sowenig einmengen , wie ich mich wegen ' m Kleebinder-Muckerl eingmengt hab , da dürftst dich doch irren ! Zu was denn eigentlich , du dumms Ding , gstehst mir dös ein ? Um mein Rat is dir doch nit , dem hast nie nachgfragt , hast allweil gtan , wie d ' wolln hast , und könntst ' s hitzt auch , wann dir just an so einer Liebschaft fürs gache Glück glegn is , nur verlauten darf nix davon ; aber unter mein Augen laß ich dich nit die Henn mit zwei Hahnen spieln , daß d ' nachher , wann d ' allein afm Mist bleibst , leicht mir vor ' n Leuten d ' Schuld gäbst ? Ah , nein ! « » Ich denk , ich war da doch gscheiter , als mich d ' Mutter halt . Du dankst Gott , wann ich dich af dem Mist , worauf ich z ' sitzen komm , auch dein Körndel scharren laß ! Will er mich , so kann er mich nur als Bäurin afm Sternsteinhof habn , und das will er . « » Du Narr du , af so Reden gibst du was ? « » Da is nit von Reden d ' Red , das hab ich schriftlich . « » Schriftlich ? ! « Die Alte erhob sich mit einem Ruck und setzte sich im Bette auf . » Schriftlich , sagst ? Jesus , nein ! Das mußt mir vorweisen , wann ich dir glauben soll ? Mach nur gleich Licht ! « Der Docht flammte auf . Beide Weiber saßen aneinandergeschmiegt an dem Tische , der knöcherne Arm der Alten ruhte auf der Schulter der Jungen , so buchstabierten sie zusammen das Schriftstück . Dann mußte die Dirne erzählen , wie sie mit dem Burschen bekannt geworden . Die Zinshofer schlug öfter vor Erstaunen in die Hände . » Nein , nein , bist du aber eine Gfinkelte « , rief sie , » das hätt ich gar niemal in dir vermut ! « Nun unterrichtete Helene ihre Mutter von den Verabredungen , die getroffen waren , um vor Tonis Vater die Sache bis zur » schicksamen Glegenheit « geheimzuhalten , und forderte zur Vorsicht auf . » Eh beiß ich mir lieber die Zung ab , eh ich ein unbedacht Wort sag ; dadrauf könnt ihr euch verlassen « , beteuerte die Alte . » Kannst dich überhaupt in allm und jedn af mich verlassen ; bist ja mein bravs , gscheits Kind ! « Sie tätschelte zärtlich den vollen Nacken der Dirne , dann fuhr sie fort : » Ich muß nur lachen , wann ich mir vorstell , was seinzeit wohl die Kleebinderischen für Gsichter dazu machen werden ! Wir warn uns nie freund , und ich vergönn ' s ihnen , daß s ' nachher voll Gift und Neid ' m auskommenen Vogel da hinauf nachschaun können , wo er z ' Nest sitzt , afm Sternsteinhof . « Und nun begannen beide eifrig zu schwätzen , zählten die Annehmlichkeiten des » Nestes « auf , planten , wie sie sich ' s in selbem wollten behagen lassen , und wurden es nicht müde bis gegen Morgengrauen ; da sank das Kerzenstümpfchen verlöschend in den Leuchter , und sie saßen im fahlen Zwielichte . Der Winter kam mit aller Strenge ins Land . Wenn die gefrorene Erde unter der Sohle klingt , so braucht , wer auf verstohlenen Wegen geht , nur sachter aufzutreten , um nicht gehört zu werden ; ein Übel ist in dem Falle freilich der Schnee , denn der behält die Tritte auf mit allen Schuhnägelspuren und verrät , woher sie kamen und wohin sie gingen . Die alte Kleebinderin schüttelte öfter den Kopf , wenn sie an manchem frühen Morgen den Schnee , der über Nacht gefallen war , vor der Zinshoferischen Hütte rein , gegen den Bach zu , weggefegt sah , während er andere Male dort Tage über gut liegen hatte , aber sie dachte nichts Arges ; derlei Wunderlichkeiten bestätigten nur , was ihr seit langem für ausgemacht galt , daß es in den Köpfen der Nachbarsleute nicht ganz richtig sei . Auch die alte Kathel auf dem Sternsteinhofe schüttelte den Kopf , aber sie dachte dabei Arges , und eines Tages nahm sie sich das Herz und zog den Bauer zur Seite und fragte : » Wirst mir ' s nit für übel nehmen , wann ich dir was sag ? « » Kommt darauf an , was ' s sein wird « , entgegnete er . » Red ! Fürs Übelnehmen kann mer doch nit zun voraus einstehn . « » Dein Sohn soll ' s mit einer von da unten halten . « » So ? Könnt ja sein . Laß ihm die Freud . « » Aber bedenkst denn auch ? ' s is doch sündhaft . « » Laß dir was sagen . Da heroben af mein Hof schau ich af Zucht und Ehrbarkeit , wie mir zukommt , und unter mein Augen leid ich kein Lotterei und kein schandbarn Verkehr ; aber für das , was sich etwa eins auswärts hinter mein Rücken beigehen laßt , hab ich nit aufzkommen ! Mag ' s Knecht oder Dirn oder mein leiblicher Sohn sein , ' s is dann jedm sein eigene Sach , und derwegen mag er sich auch abfinden , mit ihm selber , mitm andern , was mithalt , und mitm Beichtvatern . « » No nimmst mir ' s halt doch übel , daß ich gredt hab . « » Gar nit . ' s war recht , daß d ' redst , was d ' weißt ; aber ich weiß von nix , und da stünd mir ' s Reden übel an . « » Aber schau , könntst nit daraufhin den Bubn doch ins Gebet nehmen ? « » Daß ich vor ihm dasteh wie ein Narr , wann er mir ' s ableugnet ? Nein , da wart ich lieber ruhig ab ; is was an der Sach , dann kommt er mir schon von selber . Gschehne Sünden beicht mer ' m Pfarrer und gmachte Dummheiten ' m Vadern . « » Dann könnt ' s etwa z ' spät sein . « » Z ' spät ? Möcht wissen , in welcher Weis ? Wie tief er sich auch einglassen haben mag , dafür können wir aufkommen . « Der Bauer schlug mit der Rechten an die Stelle , wo er an Markttagen den Geldgurt trug . » Und auf das , was er sich etwa sonst in Kopf setzt , da gib doch ich nix ? ! Nit so viel ! « Er schnippte mit den Fingern und schritt spreitbeinig über den Hof . IX Je näher der Fasching kam , desto nachdenklicher zeigte sich der Zwischenbüheler Wirt , endlich mußte sein besorgliches Wesen auch der Wirtin auffallen . » Vater « , sagte sie , » ich merk dir schon lang an , dir will was nit recht zusammengehn . Was hast denn ? « Seine Stirne bewölkte sich noch mehr ... » Mutter « , seufzte er , » meine Ahnungen hab ich . « » Jesus ! Es geht dir doch nit vor , daß eins von uns versterben sollt ? « » Das verhüt Gott ! Nein , darauf hab ich kein Gedanken . Schaden fürcht ich . Du weißt , af der letzt Kirchweih is kein Glas zerschlagen worden außer wie in Unachtsamkeit , was mer nachher bei der Zech mit angekreidt hat , kein Zaun haben s ' umgebrochen , kein Sesselhaxen ausgdreht ; alles is glatt und schön sauber verlaufen . « » Gott sei Dank , ja ! ' s wird dir doch nit leid sein , daß dösmal nit grauft wordn is ? « Der Wirt schüttelte bedenklich den Kopf . » Hast du ' s d ' Jahr her , die wir da af der Wirtschaft sitzen , nur einmal erlebt , daß ' s ohne Rauferei abgangen wär ? « » Dös nit , ' s is jedmal grauft wordn . « » No eben , so haben sie ' s letzt Mal a Glegenheit zum