. Von der Burg Mutinas ging Swatopluk wieder gegen Koloman , der ihm gefolgt war , und da er heftig in einem Walde ritt , stieß er sich einen Ast in das Auge , daß es ausgestochen war . Man trug ihn nach Prag , daß er dort geheilt werde . Koloman ging nach Ungarn zurück . Da Swatopluk genesen war , ritt er im Winter mit seinen Scharen drei Täge und drei Nächte , bis er vor Neitra kam , in das er einreiten wollte ; aber die Wächter hatten ihn gesehen , und verschlossen die Tore . So verwüstete er alles ringsum , und zog nach Mähren zurück . Als der Sommer gekommen war , wollte er Rache an den Polen nehmen , und lag mit dem Könige Heinrich gegen sie im Felde . Aber der Streit dehnte sich bis zu dem Herbste ohne Gewinn , und man mußte auf den Rückzug denken . Am einundzwanzigsten Tage des Herbstmonates , als Swatopluk den ganzen Tag bei dem Könige gewesen war , um den Rückzug zu beraten , und als er in der Abenddämmerung gegen seine Gezelte zurück ritt , kam aus dem Walde ein fremder Ritter zu seinem Gefolge , man sagte damals , daß es der Wrse Johann , der Sohn Tistas , gewesen sei , und warf seinen Speer mit Gewalt zwischen die Schultern des Herzogs , daß er tot von dem Rosse fiel . Der Mörder entfloh durch die Schnelligkeit seines Pferdes . Im nächsten Jahre nach dieser Tat wurde Johann , der Sohn Tistas , als er im Aufruhr gegen den Herzog Wladislaw ergriffen worden war , von Wacek geblendet . Drei Jahre darauf wurde Wacek auf Geheiß des jetzigen Herzogs Sobeslaw , der damals noch ein junger Prinz war , auf dem Felde vor dem Wysehrad erschlagen , weil dem Prinzen seine Freunde berichtet hatten , daß ihn Wacek bei seinem Bruder , dem Herzoge Wladislaw , angeklagt habe , und ihn auf den Wysehrad zur Gefangennehmung und Blendung locken wolle . « » Das sind furchtbare Gerichte « , sagte Witiko , » und ich habe auch von ihnen gewußt . « » Ich sage das nur « , rief der Scharlachreiter , » um zu zeigen , was gewesen ist . « » Und die Herzoge saßen indessen auf ihrem herrschenden Stuhle « , sagte Witiko . » Ja , die Herzoge , die Herzoge « , entgegnete der Scharlachreiter . Er wendete sich um , und rief : » Der Mann da , der neben mir reitet , frägt um die Herzoge des Landes , meine Freunde . « » Ich meine nur die Herzoge , die zu jener Zeit gewesen sind « , sagte Witiko . » Ja , die Herzoge , die Herzoge , nicht wahr , meine Freunde , das ist so ein Ding , die Herzoge « , rief der Scharlachreiter . Einige von den Reitern lachten bei diesen Worten . Der Scharlachmann wendete sich wieder nach vorn , und sagte : » Es waren einmal gar keine Herzoge in diesem Lande , das so gesegnet vor uns liegt , mein Sohn . Wer weiß , was da gewesen ist , als dein Wald noch da herab reichte , wo wir reiten . « » Bären genug , und wenig Jäger « , sagte Odolen . » Marbod wird doch die Bären und die Urstiere mit seinen Leuten erlegt haben « , sagte der Scharlachreiter . » Das waren erst Zeiten « , rief der , den sie den Sohn des Nacerat hießen . » Nun , das wissen unsere Alten kaum , die von den vergangenen Zeiten erzählen « , sagte der Scharlachreiter , » sie loben nur immer , wie es war , da der Vater Cech über sieben Ströme gegangen ist , und unsere Ahnherrn in dem Lande gesessen sind . Da schaltete dieser in dem einen Teile des Landes , und in dem anderen jener , und wieder in einem anderen gar keiner , und alle waren sehr glücklich , wie es immer glücklich ist , wenn man von den Anfängen eines Volkes zu erzählen anhebt . « » Das wäre jetzt kein Glück « , sagte Welislaw , » aber kann eines gewesen sein , da die Menschen noch bei sich zu Hause sehr häuslich waren . « » Und die Häuslichkeit ging zu Ende « , sagte der Scharlachreiter . » Als der alte Krok die Augen zutat , und sein Ansehen auf seine Tochter Libusa überging , da wollte jeder ihr Gatte sein , und sie drängten sie , und sie nahm den edlen Mann des Landes Premysl , und sie lebte mit Premysl , und sie hielten sich das Land unterworfen , da sie lebten , und es kamen zahlreiche Nachkommen von ihnen , welche sich immer das Land unterworfen hielten , und Herzoge waren : Nezamisl , Mnata , Woyen , Unislaw , Kresomysl , Neklan , und andere , wer weiß sie noch , und Hostiwit , und Boriwoy sein Sohn , der erste christliche Herzog , und sein Enkel , der heilige Wenzel , und dessen Bruder der grausame Boleslaw , und andere . Sie teilten immer das Land bei ihrem Tode unter ihre Söhne , daß Streit und greuliche Dinge wurden ; aber kein anderer kam in den Ländern Böhmen und Mähren gegen die Nachkommen Premysls auf . Da erschien vor hundert Jahren ein vorzüglicher Mann unter den Nachkommen Premysls , mit Namen Bretislaw , der Sohn des Herzogs Ulrich , der Enkel des Herzogs Boleslaw des Frommen , und der Urenkel des ersten Boleslaw des Bruders des heiligen Wenzel . Dieser Mann vereinbarte mit allen seinen Vornehmen den Lechen und Zupanen , daß Böhmen fortan ungeteilt bleiben soll , daß der älteste des Stammes Premysl Herzog von Böhmen und Mähren sein soll , und daß alle anderen dieses Stammes Länder in Mähren erhalten sollen , davon sie leben , daß sie Herzoge heißen und dem ältesten Herzoge untertan seien . So sollte der Streit enden , der Herzog sollte immer ein älterer und erfahrener Mann sein , und jeder Zweig Premysls sollte für die Länder sorgen , weil er einmal Herzog sein kann . Aber schon die Enkel Bretislaws zerbrachen das Gesetz . Er hatte zahlreiche Enkel . Durch seinen älteren Sohn Wratislaw hatte er vier Enkel : Bretislaw , Boriwoy , Wladislaw und Sobeslaw , der jetzt Herzog ist . Durch seinen jüngeren Sohn Konrad , der Fürst von Brünn war , und Otto , der Fürst von Olmütz war , hatte er die Enkel Ulrich , Liutold , Swatopluk , Otto , und Bretislaw . Da er gestorben war , folgte ihm auf dem Herzogstuhle sein Sohn Wratislaw , der der älteste Zweig des Stammes Premysls war , und der der erste unter den böhmischen Fürsten den höchsten Glanz erreichte , dessen sie teilhaftig werden können , nämlich die Königskrone . Als er gestorben war , folgte ihm sein Bruder Konrad auf dem Herzogstuhle , der jetzt der älteste unter den Zweigen des Stammes Premysls war . Als auch dieser bald gestorben war , folgte des Königs Wratislaw ältester Sohn Bretislaw , der jetzt der älteste Zweig des Stammes Premysls war . Dieser Bretislaw ist derselbe Mann gewesen , der in dem Walde bei Bürglitz ermordet worden ist . Da er bestattet war , folgte ihm sein Bruder Boriwoy auf dem Herzogstuhle , der nicht mehr der älteste Zweig des Stammes Premysls gewesen ist ; denn Bretislaw hatte mit den Mächtigen der Länder festgesetzt , daß ihm sein Bruder folgen solle . Der älteste Zweig war Ulrich , der sein Recht auch durchsetzen wollte , aber bald abstand . Nicht so tat Swatopluk , welcher Herzog sein wollte . Er brauchte vergeblich Gewalt . Da sendete er dann , wie ich dir schon sagte , einen falschen Mann zu Boriwoy , der berichten mußte , er sei von Swatopluk mißhandelt worden , und gehe zu Boriwoy . Der Mann erzählte Boriwoy Wahres und Falsches , und nannte ihm als Feinde , die seine Freunde . waren . Boriwoy wurde mißtrauisch , und glich einem Manne , der auf eine Leiter steigt , und die Sprossen hinter sich abhaut . Und als selbst sein edler Bruder Wladislaw vor ihm fliehen mußte , ward er leicht gestürzt , und Swatopluk wurde Herzog . Wie ein Feuer , das auf dem Herzogstuhle brennt , war er zwei Jahre auf demselben . Durch Mord , den er gegen sich erregt , mußte er von hinnen . « » Ich weiß von diesen traurigen Begebenheiten « , sagte Witiko , » die Macht der Herzoge war durch sie bedrängt , daß die Übel immer wuchsen . « » Siehst du also , mein Freund , die Herzoge , die Herzoge « , sagte der Scharlachreiter . » Aber es ist ein Mann gekommen , der eine Grenze gesteckt hat , und das Unheil gedämmt hat . Einen edleren herrlicheren großmütigeren höheren Mann hat es nie gegeben . Während seiner ganzen Herrscherzeit hat er keinen Tropfen Blut vergossen , seine Feinde hat er abgewehrt , hat sie bestraft , aber ihnen wieder verziehen , und das Volk hat er fröhlich und wohlgemut gemacht . Es ist Wladislaw gewesen , der Bruder Bretislaws , der im Bürglitzerwalde ermordet worden ist , und der Bruder Boriwoys , der von Swatopluk vertrieben worden war . Weil durch den Bruch der Alterserblichkeit Unsicherheit in die Nachfolge gekommen war , hatten die Mächtigen der Länder Böhmen und Mähren sogleich nach der Ermordung Swatopluks selber einen Herzog gewählt , und Wladislaw erkoren , und am eilften Tage nach dem Tode Swatopluks wurde er schon auf den Fürstenstuhl in Prag gesetzt . Da er zwei Monde herrschte , wollte er die Weihnacht in Gradec feiern , und lud hiezu seinen Vetter den schwarzen Otto den Bruder Swatopluks ein . Es kam aber auch eine Ladung von dem deutschen Könige Heinrich dem Fünften an den Herzog , mit ihm das Neujahrfest in Regensburg zu feiern . Der Herzog sendete also den böhmischen Herrn Wacek an Otto , ihn in Gradec zu begrüßen , und zu bewirten , und er selber begab sich auf den Zug nach Regensburg . Da er in Pilsen war , kam ein Bote , der sagte , daß sein Bruder Boriwoy am Tage vor der Heiligen Nacht mit einem Heere Prag und den Wysehrad eingenommen , und sich zum Herzoge ausgerufen habe . Wladislaw sandte zu Wacek und Otto , und hieß sie nach Prag aufbrechen , zugleich tat er Botschaft an König Heinrich um Dazwischenkunft , und er selber ging mit seinem Geleite gegen Prag zurück . Er schloß mit Wacek und Otto den Wysehrad ein , in welchem Boriwoy war , und es entstand ein Kampf der Väter gegen die Söhne , der Söhne gegen die Väter , der Brüder gegen die Brüder , der Vetter gegen die Vettern , der Landeskinder gegen die Landeskinder , und acht Tage dauerte das Unglück , bis der König Heinrich in Böhmen eingebrochen war , durch Abgeordnete einen Waffenstillstand zu Stande gebracht , und beide Brüder nach Rokycan , wo er stand , geladen hatte . Sie kamen beide , und wurden auf dem Felde von Rokycan empfangen , Wladislaw freundlich , Boriwoy feindlich . Er wurde in Ketten geschlagen , und auf die Veste Hammerstein am Rheine geführt . Wladislaw kehrte nach Prag zurück , und hielt über die Abtrünnigen Gericht . Die schwersten Verräter wurden nur geblendet , andere verloren die Güter , und der Kmete der Altstadt Prag Priwitan mußte dreimal öffentlich auf dem Markte einen Hund tragen , dann wurde ihm von dem Schergen der Bart abgehauen , und dann mußte er in die Verbannung gehen . Nach einer Zeit suchte auch der schwarze Otto seine Rechte über die des Herzogs auszudehnen . Der Herzog setzte ihn gefangen , und die Freunde des Herzogs rieten , daß er ihn blende . Der Herzog aber sagte : Das sei ferne von mir , daß ich den Haß unauslöschlich mache . Und er ließ ihn zuerst auf dem Wysehrad und dann in Bürglitz drei Jahre in Haft . Otto trug die Buße , und wurde dann von dem Herzoge wieder in seine Güter eingesetzt . Dann war noch Sobeslaw , der jüngste Bruder des Herzoges Wladislaw , der ihn am tiefsten kränkte , und am längsten kränkte . Zerwürfnisse waren , Versöhnungen , und wieder Zerwürfnisse , und wieder Versöhnungen . Da Sobeslaw ein Knabe war , hatte ihn sein Bruder Boriwoy , als er vor Swatopluk floh , mit auf die Flucht genommen . Als der polnische König Boleslaw in Böhmen einfiel , um Boriwoy aus der Haft in Hammerstein zu ledigen , und wieder auf den Herzogstuhl zu setzen , war Sobeslaw in dem polnischen Heere . In fürchterlichem Streiten im Riesengebirge floß die Menge des böhmischen Blutes , und Sobeslaw ging mit dem polnischen Heere wieder nach Polen zurück . Als nach der Zeit der König von Polen sich wieder vermählte , und zu seiner Gattin die Schwester der Gattin des böhmischen Herzoges erkor , und da die Schwestern zwischen ihren Gatten Frieden zu stiften strebten , und da auch die Mutter der streitenden Söhne Wladislaw , Boriwoy und Sobeslaw , die polnische Swatawa , die Witwe des Böhmenkönigs Wratislaw , herbei kam , um die Kämpfenden zu versöhnen ; so schlossen die Fürsten von Böhmen und Polen Frieden , Wladislaw verzieh seinem jungen Bruder Sobeslaw , und gab ihm die Lande von Saaz zum Unterhalte . Aber hier suchte er wie Otto seine Macht über die des Herzogs zu setzen , und der Herzog verwarnte ihn . Als aber die Freunde Sobeslaws gesagt hatten , der Herzog wolle ihn nach dem Wysehrad locken , und ihn dort fangen und blenden , und als ihn Wacek nach dem Wysehrad geleitete , ließ er ihn auf dem Felde vor dem Wysehrad erschlagen , und entfloh . Wladislaw zürnte sehr , verzieh aber dem Bruder dennoch wieder , rief ihn , ehe zwanzig Monde vergangen waren , zurück , und gab ihm die Lande von Gradec und darauf Brünn und Znaim zum Genusse . Jetzt hielt Sobeslaw Treue wie Otto . Da auf dem Lukerfelde gegen den ungarischen König Stephan die Schlacht war , ging er mit Otto in den Rücken des Feindes , und bewirkte einen großen Sieg , aus dem die böhmischen Heere mit Ruhm und großer Beute nach Prag zurückkehrten . Nach dieser Zeit ward Boriwoy seiner Haft auf dem Hammersteine ledig , Wladislaw stieg freiwillig von dem Fürstenstuhle , und übergab ihm die Herrschaft der böhmischen und mährischen Länder . Aber Boriwoy konnte die Herrschaft nicht führen , und Wladislaw mußte sie wieder übernehmen . Als Sobeslaw acht Jahre treu gewesen war , geriet er wieder gegen seinen Bruder in Aufstand . Wladislaw zog zürnend mit Waffenmacht nach Mähren , vertrieb ihn mit seiner Gattin , der ungarischen Adelheid , und ließ ihn nie mehr zurück . Sobeslaw war ein ansehnlicher Ritter und schön von Gestalt , und das böhmische Volk trauerte , daß er fern sein mußte . So war das unglückliche Jahr gekommen , da man nach dem Heile schrieb 1125 . In dem Beginne desselben erkrankte Wladislaw . Er hatte das Fest der Heiligen Drei Könige in seinem Hofe in Zbecna zugebracht , es erschien das Siechtum , und er ließ sich in den Wysehrad tragen . Seine Kräfte nahmen immer mehr ab . Da traten verschiedene Menschen zu ihm , und baten um Aussöhnung mit Sobeslaw . Sobeslaw war selber im strengen Winter nach Böhmen gekommen , und ging in dem Walde auf dem weißen Berge herum . Dies war im Anfange des Hornung . Die Mutter der zwei Söhne , Swatawa , setzte sich an das Bett des Kranken , und bat mit ihrem ehrwürdigen Munde und mit ihrer alten ehrwürdigen Gestalt um Versöhnung . Der edle Bischof Otto von Bamberg kam von einer Bekehrungsreise nach Prag . Ihm beichtete der Herzog , und empfing von ihm die Segnungen der Kirche . Der Bischof verlangte auch die Versöhnung . Da erging am fünfundzwanzigsten Tage des Monates März die Weisung , daß Sobeslaw komme . Er kam . Weinend schlangen die Brüder die Arme in einander , und Sobeslaw kniete an dem Bette des Kranken nieder . Alle in dem Lande Böhmen kamen über diese Nachricht in Jubel , und beteten in den Kirchen , daß der Fürst genese . Aber er starb an dem zwölften Tage des Monates April , sein Leichnam wurde in die Abtei zu Kladrau , die er mit Reichtümern begabt hatte , geführt , und sein Bruder Sobeslaw bestieg den Stuhl von Böhmen , den er jetzt im dreizehnten Jahre inne hat . « » Und er ist jetzt anders , als er früher gewesen war « , sagte Witiko . » Du weißt ja viel von unsern Dingen , du Ledermann « , sagte der Scharlachreiter . » Das wissen sie auch in andern Ländern « , entgegnete Witiko . » Er hat die Herrschaft nicht in Ruhe angetreten « , sagte der Scharlachreiter . » Der schwarze Otto ging zu dem deutschen Könige Lothar , und sagte er sei verkürzt worden , ihm gebühre der böhmische Herzogstuhl , und er bitte den König um Hilfe . Der König sandte an den Herzog die Botschaft : wenn er auch von dem ganzen böhmischen und mährischen Volke gewünscht und gewählt worden wäre , so sei die Wahl nichtig ; denn dieselbe könne nur von dem deutschen Könige angeordnet , und ausgeführt werden . Er gebe Sobeslaw Frist , vor seinem Richterstuhle zu erscheinen , und des Spruches zu harren . Tue er es nicht , so habe er den Krieg zu erfahren . Sobeslaw sagte : Ich hoffe zu Gottes Barmherzigkeit und zum Beistande unserer Heiligen Wenzel und Adalbert , daß wir nicht in die Hand der Fremden werden gegeben werden . Dann ging er nach Mähren , und nahm Ottos Gebiete in Besitz . Hierauf durchzog er das Land Böhmen , ermahnte das Volk , und ließ in den Kirchen Gebete halten . Er nahm die Fahne des heiligen Adalbert aus der Kirche der Burg der Slawnike Wrbcan , befestigte sie an dem Speere des heiligen Wenzel , und hieß sie im Kriege voran tragen . Der König Lothar fing im nächsten Jahre , da der Herzog Sobeslaw den Fürstenstuhl bestiegen hatte , mitten im Winter den Krieg an . Es waren fast alle Herren von Sachsen , daher er stammte , mit ihm , auch Albrecht der Bär war mit ihm und Heinrich von Groitsch . Sobeslaw erwartete ihn mit den Seinigen in dem Tale von Chlumec . Als der König an den Marken Böhmens angekommen war , sandte ihm Sobeslaw noch einmal Botschaft durch Nacerat Smil Diwis und Miroslaw , die ein Gefolge mit sich hatten , und ließ ihm sagen : Die Böhmen haben bisher ihre Herzoge auf ihre eigene Weise bestellt , und der römische Kaiser hat sie als Vogt der Christenheit bestätigt , so wollen wir es halten , und ehe wir ein neues Joch auf uns nehmen , wollen wir lieber untergehen . Richte Gott zwischen uns . Der König achtete nicht darauf , und stieg in der Schlucht von Chlumec nieder . Otto kam mit den Seinigen zuerst . Er wurde mit allen erschlagen . Dann kam eine zweite Schar . Sie wurde auch geschlagen . Dann kamen weitere Scharen , sie wurden angegriffen , zerstreut , erschlagen , gefangen . Der König floh auf einen Berg , die Böhmen umringten den Berg , daß nicht er und nicht einer von denen , die um ihn waren , entrinnen konnte . Da sandte er nach Sobeslaw . Sobeslaw stieg auf den Berg , und sagte zu dem Könige : Wir haben diesen Krieg nicht aus Mutwillen begonnen , um das Blut der Deinen zu vergießen , oder dir eine Schmach anzutun , sondern um die Gewalt , die man uns zufügen wollte , abzuwehren . Gott hat gerichtet . Wir nehmen von dir die Bestätigung der Herzogswahl an , nicht weil du deutscher König bist , sondern weil du römischer Kaiser sein wirst , und treten in die alten Rechte zurück . Der König küßte den Herzog , und bestätigte mit der Fahne seine Wahl . Darauf ließ der Herzog den König und die Seinen ungehindert von dannen ziehen . Die Gefangenen gab er ohne Lösegeld frei . Darunter war der Bischof von Merseburg , der Bischof von Halberstadt , Albrecht der Bär , und es waren drei Äbte . Die fünfhundert edlen deutschen Ritter , die tot waren , und das Volk , das mit ihnen gefallen war , und die von den Leuten aus unseren Ländern , die auch mit ihnen gefallen waren , ließ Sobeslaw begraben . « » Das war recht gut gehandelt « , sagte Witiko , » meine Mutter und ein edler Priester haben mir von diesen Dingen erzählt , da ich ein Knabe war , und sie haben mir öfter wieder davon erzählt , da ich ein heranwachsender Jüngling war . « » Als Sobeslaw einmal im fünften Jahre seiner Herrschaft mit einem großen Geleite nach Mähren zog « , fuhr der Scharlachreiter fort , » nannte ihm ein Kämmerling zwei Männer aus seinem Gefolge , die vorhatten , ihn zu ermorden , und einer Gelegenheit dazu erharrten . Der Herzog sagte dieses den Zupanen Zdeslaw und Diwis , die seine treuen Räte waren , und hieß sie , die zwei Männer insgeheim in Haft nehmen . Da dieses geschehen war , erkannte man in ihnen Dienstleute der Brüder Miroslaw und Strezimir . Ihre Waffen waren vergiftet . Sie gestanden , daß ihre Herren sie zum Morde gedungen haben . Miroslaw , welcher bei dem Herzoge war , wurde gefangen , Strezimir suchte zu fliehen , wurde aber ereilt , und beide wurden gebunden auf den Wysehrad geführt . Der Herzog kehrte auf seinem Zuge um , und ging nach Prag . Dort zog er barhäuptig barfüßig und in Bußkleidern ein , und ging sogleich gegen die Kirche des heiligen Veit . Die Glocken läuteten , Kinder mit Zweigen standen in den Straßen , die Priester sangen den Lobgesang des heiligen Ambrosius , und das Volk drängte sich . In der Kirche tat er ein Gebet für seine Rettung . Sieben Tage darnach wurde ein öffentlicher Gerichtstag und ein Landtag abgehalten . Zweitausend Menschen kamen zu dem Tage . Der Herzog hielt eine Anrede , und sagte , daß er es mit den Ländern Böhmen und Mähren immer wohl gemeint habe , daß er ein sündiger Mensch sei , daß aber seine Sünden anders gestraft werden müßten als mit Mord , wie bei seinem Bruder Bretislaw , und von einem andern als einem sündigen Menschen . Das Gericht soll nach genauer Gerechtigkeit seines Amtes walten . Das Gericht ward gehalten , und des folgenden Tages wurden Miroslaw , Strezimir , die zwei Dienstleute , und der Arzt , der das Gift gegeben hatte , hingerichtet . Miroslaw hatte den Bischof Meinhard als obersten Anstifter angeklagt , welcher auf einer Pilgerfahrt nach Jerusalem war . Da der Bischof zurückgekommen war , wurde er nach des Herzogs und der Lechen Willen dem Erzbischofe von Mainz Adalbert und dem Bischofe von Bamberg Otto zum Gerichte übergeben . Am Tage des heiligen Wenzel wurde das Urteil verkündet . Der Bischof von Bamberg war selber nach Prag gekommen . Meinhard wurde vor allem Volke als unschuldig erklärt . Der Bischof Otto , der Bischof von Olmütz Zdik und sieben böhmische Abte legten ihre Stolen nieder , und bezeugten die Unschuld Meinhards . So ward dessen Ehre gerettet . Seit dem Tage stand niemand mehr gegen Sobeslaw auf . Mit dem Könige Lothar lebte er in Freundschaft , und gab ihm zwei Mal böhmische Männer zu seiner Romfahrt . Mit dem polnischen Könige Boleslaw hatte er wegen des ungarischen Bela Krieg . Er siegte , versöhnte sich mit dem Könige , und sie wurden Freunde . Seitdem ist Frieden . « Der Scharlachreiter schwieg nun ein Weilchen , Witiko auch . » Nun du Ledermann « , sagte der Scharlachreiter hierauf , » du hast von den Herzogen gesagt , du hast um die Herzoge gefragt , jetzt habe ich dir Herzoge genug genannt , und habe dir von Herzogen viel erzählt . Und weil ich dir von Herzogen viel erzählt habe , und weil ich dir von Geschlechtern viel erzählt habe , und von ihren wilden Sitten , und von uns und unsern guten Sitten , so könntest du jetzt auch von dir und deinem Wesen etwas offenbaren , das uns freut . « » Ich habe dir ja schon gesagt , daß ich vom Mittage komme , und nach Mitternacht reite « , entgegnete Witiko . » Das hast du gesagt , weiser Mann « , antwortete der Scharlachreiter , » und das ist sehr merkwürdig ; aber da du nicht immer das Ledergewand anhaben wirst , und es vielleicht einmal mit einem andern vertauschen wirst , so kann ich dich ja nicht beschreiben , wenn ich zu jemanden von dir spreche , und ich kann nicht wissen , daß du gemeint bist , wenn jemand von dir zu mir redet . Du wirst doch ein Ding haben , das ein Name ist , und das Ding wird unschuldig sein , daß man es nennen kann . « » Ich heiße Witiko « , antwortete Witiko , » stamme aus dem Mittage des Landes , und habe keine Angehörigen mehr als eine Mutter , die edlen Blutes ist . « » Nun , Witiko « , sagte der Scharlachreiter , » wenn du aus dem Mittage unseres Landes stammst , so bist du vielleicht auch schon in Baiern gewesen , und hast den stolzen Heinrich gesehen , der jetzt das Gerede aller ist . « » Ich habe ihn nicht gesehen « , sagte Witiko . » Im Randshofe , der nahe an dem Flusse Inn steht , und wo schon vor dem großen Kaiser Karl und seinen Söhnen die Herrscher des Frankenlandes öfter gewohnt haben , war einmal in den Klöstern , die an dem Hofe sind , eine große Kirchenfeierlichkeit . Da hieß es , daß der Herzog Heinrich mit seiner Gattin Gertrud und seinem kleinen Söhnlein , das auch Heinrich heißt , kommen werde . Ich ging hin . Der Herzog kam nicht . Otto der Pfalzgraf war da , Konrad der Erzbischof von Salzburg , Regimbert , der Bischof von Passau , die Herren von Rote , von Mosebach , von Poren , Meisaha , Hagenau , und viele andere . « » Nun der gute Herzog mag jetzt auch viele Bitterkeit haben , wie mancher hochfahrende Herr « , rief der Scharlachreiter , » er hat ja nicht anders gemeint , als er wolle dem deutschen Reiche die Gnade tun , wenn es ihn zum Könige gewählt haben wird , die Wahl anzunehmen . Und da sitzt nun das Schwäblein Konrad auf dem deutschen Stuhle , und sagt , der große Herzog möge sich beugen . Und der große Herzog will sich nicht beugen , und da werden sie sich bei den Bärten nehmen . Sachsen ist ihm schon abgesprochen , und Baiern wird das Schwäblein seinem Halbbruder dem jungen Markgrafen Leopold von Österreich geben , der nun ein guter Bundesgenosse würde , wenn jemand um ihn wirbt . « » In Baiern sagen sie , daß der Herzog sich nicht fügen wird , und noch weniger Welf « , entgegnete Witiko . » So wird es Funken geben « , sagte der Scharlachreiter , » und Feuer werden aufsprühen . Unser Herzog baut indessen Burgen an den Marken seiner Länder , und sorgt , daß alle Ämter die Leute zu ihrer Arbeit haben , und harret seiner Zeit . « » Er wird vielleicht das Rechte tun « , sagte Witiko . » Ja , vielleicht errätst du es , du Ledermann « , sagte der Scharlachreiter . » Vor drei Monaten ist er zu dem neuen Könige Konrad nach Bamberg geritten , und hat seinen jungen Sohn Wladislaw , den er im vorigen Jahre zum Herzoge von Olmütz gemacht hatte , mit der böhmischen Fahne belehnen lassen , und vor zwei Monaten hat er die Herren von Böhmen auf einen Landtag nach Sadska berufen , und dort haben alle die hohen und die niederen den jungen Wladislaw anerkannt , und ihm Folge gelobt . Du siehst also , du weissagender Mann , daß bei uns alle Sachen geordnet und befestigt sind , und daß es uns , die wir da reiten , nichts hälfe , wenn wir auch , wie du sagtest , das Gelüste hätten , in diesen Ländern zu schalten . Wir können nur Hirsche erlegen , und können nur die schönen Augen der Jungfrauen loben , wenn wirklich schöne Augen irgend wo vorhanden sind , höchstens , daß man uns verwendet , das ausführen zu helfen , was die hohen und niederen Herren ersonnen haben . « » Und wenn auch alles fest geordnet ist , und wenn auch ein Herzog auf dem Stuhle sitzt , und recht und rechtlich waltet « , sagte Witiko , » so hindert das gar nicht , daß ein anderer sich denke , er möchte Herzog sein , und was er täte , wenn der Stuhl in seiner Macht wäre . « » Dann haben wir eine Million Herzoge « , rief der Scharlachreiter , » die sich alle denken , wie sie es zur Lust und Freude machen würden , wenn sie den Fürstenstuhl inne hätten . Ich habe dir aber gesagt , daß wir alle und jeder , die da reiten , etwas Höheres vor uns haben , das uns beschäftigt , das Reich der Freude ,