von länglichem geflochtenem Korbdeckel in der Hand und streuete aus demselben Futter unter die Vögel . Er schien sich daran zu ergötzen , wie sie pickten , sich überkletterten , überstürzten und kollerten , wie die gesättigten davon flogen und wieder neue herbei schwirrten . Ich erkannte es nun deutlich , daß außer den gewöhnlichen Gartenvögeln auch solche da waren , die mir sonst nur von tiefen und weit abgelegenen Wäldern bekannt waren . Sie erschienen gar nicht so scheu , als ich mit allem Rechte vermuten mußte . Sie trauten ihm vollkommen . Er stand wieder barhäuptig da , so daß es mir schien , daß er diese Sitte liebe , da er auch gestern auf dem Spaziergange seine so leichte Kopfbedeckung eingesteckt hatte . Seine Gestalt war vorgebeugt , und die schlichten , aber vollen weißen Haare hingen an seinen Schläfen herab . Sein Anzug war auch heute wieder sonderbar . Er hatte wie gestern eine Art Jacke an , die fast bis auf die Knie hinab reichte . Sie war weißlich , hatte jedoch über die Brust und den Rücken hinab einen rötlichbraunen Streifen , der fast einen halben Fuß breit war , als wäre die Jacke aus zwei Stoffen verfertigt worden , einem weißen und einem roten . Beide Stoffe aber zeigten ein hohes Alter ; denn das Weiß war gelblich braun und das Rot zu Purpurbraun geworden . Unter der Jacke sah eine unscheinbare Fußbekleidung hervor , die mit Schnallenschuhen endete . Ich blieb hinter seinem Rücken in ziemlicher Entfernung stehen , um ihn nicht zu stören und die Vögel nicht zu verscheuchen . Als er aber seinen Korb geleert hatte und seine Gäste fortgeflogen waren , trat ich näher . Er hatte sich eben umgewendet , um zurückzugehen , und da er mich erblickte , sagte er : » Seid Ihr schon ausgegangen ? Ich hoffe , daß Ihr gut geschlafen habt . « » Ja , ich habe sehr gut geschlafen , « erwiderte ich , » ich habe noch den Wind gehört , der sich gestern abends erhoben hat , was weiter geschehen ist , weiß ich nicht ; aber das weiß ich , daß heute die Erde trocken ist , und daß Ihr recht gehabt habet . « » Ich glaube , daß nicht ein Tropfen auf diese Gegend vom Himmel gefallen ist « , antwortete er . » Wie das Aussehen der Erde zeigt , glaube ich es auch « , erwiderte ich ; » aber nun müßt Ihr mir auch wenigstens zum Teile sagen : woher Ihr dies so gewiß wissen konntet , und wie Ihr Euch diese Kenntnis erworben habt ; denn das müßt Ihr zu gestehen , daß sehr viele Zeichen gegen Euch waren . « » Ich will Euch etwas sagen , « antwortete er , » die Darlegung der Sache , die Ihr da verlangt , dürfte etwas lang werden , da ich sie Euch , der sich mit Wissenschaften beschäftigt , doch nicht oberflächlich geben kann ; versprecht mir , den heutigen Tag und die Nacht noch bei uns zuzubringen , da kann ich Euch nicht nur dieses sagen , sondern noch vieles andere , Ihr könnt Verschiedenes anschauen , und Ihr könnt mir von Eurer Wissenschaft erzählen . « Dieses offen und freundlich gemachte Anerbieten konnte ich nicht ausschlagen , auch erlaubte mir meine Zeit recht gut , nicht nur einen , sondern mehrere Tage zu einer Nebenbeschäftigung zu verwenden . Ich gebrauchte daher die gewöhnliche Redeweise von Nichtlästigfallenwollen , und sagte unter dieser Bedingung zu . » Nun so geht mit mir zuerst zu einem Frühmahle , das ich mit Euch teilen will , « sagte er , » der Herr Pfarrer von Rohrberg hat uns schon vor Tagesanbruch verlassen , um zu rechter Zeit in seiner Kirche zu sein , und Gustav ist bereits zu seiner Arbeit gegangen . « Mit diesen Worten wendeten wir uns auf den Rückweg zu dem Hause . Als wir dort angekommen waren , gab er das , was ich anfangs für einen Korbdeckel gehalten hatte , was aber ein eigens geflochtenes , sehr flaches und längliches Fütterungskörbchen war , einer Magd , daß sie es auf seinen Platz lege , und wir gingen in das Speisezimmer . Während des Frühmahles sagte ich : » Ihr habt selbst da von gesprochen , daß ich hier Verschiedenes anschauen könne , wäre es denn zu unbescheiden , wenn ich bäte , von dem Hause und dessen Umgebung manches näher be sehen zu dürfen ? Es ist eine der lieblichsten Lagen , in der dieses Anwesen liegt , und ich habe bereits so vieles davon gesehen , was meine Aufmerksamkeit aufregte , daß der Wunsch natürlich ist , noch mehreres besehen zu dürfen . « » Wenn es Euch Vergnügen macht , unser Haus und einiges Zubehör zu besehen , « antwortete er , » so kann das gleich nach dem Frühmahle geschehen , es wird nicht viele Zeit in Anspruch nehmen , da das Gebäude nicht so groß ist . Es wird sich dann auch das , was wir noch zu reden haben , natürlicher und verständlicher ergeben . « » Ja freilich « , sagte ich , » macht es mir Vergnügen . « Wir schritten also nach dem Frühmahle zu diesem Geschäfte . Er führte mich über die Treppe , auf welcher die weiße Marmorgestalt stand , hinauf . Heute fiel statt des roten zerstreuten Lichtes der Kerzen und der Blitze von der vergangenen Nacht das stille weiße Tageslicht auf sie herab , und machte die Schultern und das Haupt in sanftem Glanze sich erhellen . Nicht nur die Treppe war in diesem Stiegenhause von Marmor , sondern auch die Bekleidung der Seitenwände . Oben schloß gewölbtes Glas , das mit feinem Drahte überspannt war , die Räume . Als wir die Treppe erstiegen hatten , öffnete mein Gastfreund eine Tür , die der gegenüber war , die zu dem Gange der Gastzimmer führte . Die Tür ging in einen großen Saal . Auf der Schwelle , an der der Tuchstreifen , welcher über die Treppe empor lag , endete , standen wieder Filzschuhe . Da wir jeder ein Paar derselben angezogen hatten , gingen wir in den Saal . Er war eine Sammlung von Marmor . Der Fußboden war aus dem farbigsten Marmor zusammengestellt , der in unseren Gebirgen zu finden ist . Die Tafeln griffen so ineinander , daß eine Fuge kaum zu erblicken war , der Marmor war sehr fein geschliffen und geglättet , und die Farben waren so zusammengestellt , daß der Fußboden wie ein liebliches Bild zu betrachten war . Überdies glänzte und schimmerte er noch in dem Lichte , das bei den Fenstern hereinströmte . Die Seitenwände waren von einfachen , sanften Farben . Ihr Sockel war mattgrün , die Haupttafeln hatten den lichtesten , fast weißen Marmor , den unsere Gebirge liefern , die Flachsäulen waren schwach rot , und die Simse , womit die Wände an die Decke stießen , waren wieder aus schwach Grünlich und Weiß zusammengestellt , durch welche ein Gelb wie schöne Goldleisten lief . Die Decke war blaßgrau , und nicht von Marmor , nur in der Mitte derselben zeigte sich eine Zusammenstellung von roten Ammoniten , und aus derselben ging die Metallstange nieder , welche in vier Armen die vier dunkeln , fast schwarzen Marmorlampen trug , die bestimmt waren , in der Nacht diesen Raum beleuchten zu können . In dem Saale war kein Bild , kein Stuhl , kein Geräte , nur in den drei Wänden war jedesmal eine Tür aus schönem dunklem Holze eingelegt , und in der vierten Wand befanden sich die drei Fenster , durch welche der Saal bei Tag beleuchtet wurde . Zwei davon standen offen , und zu dem Glanze des Marmors war der Saal auch mit Rosenduft erfüllt . Ich drückte mein Wohlgefallen über die Hinrichtung eines solchen Zimmers aus , den alten Mann , der mich begleitete , schien dieses Vergnügen zu erfreuen , er sprach aber nicht weiter darüber . Aus diesem Saale führte er mich durch eine der Türen in eine Stube , deren Fenster in den Garten gingen . » Das ist gewissermaßen mein Arbeitszimmer , « sagte er , » es hat außer am frühen Morgen nicht viel Sonne , ist daher im Sommer angenehm , ich lese gerne hier , oder schreibe , oder beschäftige mich sonst mit Dingen , die mir Anteil einflößen . « Ich dachte mit Lebhaftigkeit , ich könnte sagen , mit einer Art Sehnsucht auf meinen Vater , da ich diese Stube betreten hatte . In ihr war nichts mehr von Marmor , sie war wie unsere gewöhnlichen Stuben ; aber sie war mit altertümlichen Geräten eingerichtet , wie sie mein Vater hatte und liebte . Allein die Geräte erschienen mir so schön , daß ich glaubte , nie etwas ihnen Ähnliches gesehen zu haben . Ich unterrichtete meinen Gastfreund von der Eigenschaft meines Vaters , und erzählte ihm in kurzem von den Dingen , welche derselbe besaß . Auch bat ich , die Sachen näher betrachten zu dürfen , um meinem Vater nach meiner Zurückkunft von ihnen erzählen und sie ihm , wenn auch nur notdürftig , beschreiben zu können . Mein Begleiter willigte sehr gerne in mein Begehren . Es war vor allem ein Schreibschrein , welcher meine Aufmerksamkeit erregte , weil er nicht nur das größte , sondern wahrscheinlich auch das schönste Stück des Zimmers war . Vier Delphine , welche sich mit dem Unterteil ihrer Häupter auf die Erde stützten und die Leiber in gewundener Stellung emporstreckten , trugen den Körper des Schreines auf diesen gewundenen Leibern . Ich glaubte anfangs , die Delphine seien aus Metall gearbeitet , mein Begleiter sagte mir aber , daß sie aus Lindenholz geschnitten und nach mittelalterlicher Art zu dem gelblich grünlichen Metalle hergerichtet waren , dessen Verfertigung man jetzt nicht mehr zuwege bringt . Der Körper des Schreines hatte eine allseitig gerundete Arbeit mit sechs Fächern . Über ihm befand sich das Mittelstück , das in einer guten Schwingung flach zurückging und die Klappe enthielt , die geöffnet zum Schreiben diente . Von dem Mittelstücke erhob sich der Aufsatz mit zwölf geschwungenen Fächern und einer Mitteltür . An den Kanten des Aufsatzes und zu beiden Seiten der Mitteltür befanden sich als Säulen vergoldete Gestalten . Die beiden größten zu den Seiten der Tür waren starke Männer , die die Hauptsimse trugen . Ein Schildchen , das sich auf ihrer Brust öffnete , legte die Schlüsselöffnungen dar . Die zwei Gestalten an den vorderen Seitenkanten waren Meerfräulein , die in Übereinstimmung mit den Tragfischen jedes in zwei Fischenden ausliefen . Die zwei letzten Gestalten an den hintern Seitenkanten waren Mädchen in faltigen Gewändern . Alle Leiber der Fische sowohl als der Säulen erschienen mir sehr natürlich gemacht . Die Fächer hatten vergoldete Knöpfe , an denen sie herausgezogen werden konnten . Auf der achteckigen Fläche dieser Knöpfe waren Brustbilder geharnischter Männer oder geputzter Frauenzimmer eingegraben . Die Holzbelegung auf dem ganzen Schrein war durchaus eingelegte Arbeit . Ahornlaubwerk in dunkeln Nußholzfeldern , umgeben von geschlungenen Bändern und geflammtem Erlenholze . Die Bänder waren wie geknitterte Seide , was daher kam , daß sie aus kleinem , fein gestreiftem , vielfarbigem Rosenholze senkrecht auf die Axe eingelegt waren . Die eingelegte Arbeit befand sich nicht bloß , wie es häufig bei derlei Geräten der Fall ist , auf der Daransicht , sondern auch auf den Seitenteilen und den Friesen der Säulen . Mein Begleiter stand neben mir , als ich diesem Geräte meine Aufmerksamkeit widmete , und zeigte mir manches , und erklärte mir auf meine Bitte Dinge , die ich nicht verstand . Auch eine andere Beobachtung machte ich , da ich mich in diesem Zimmer befand , die meine Geistestätigkeit in Anspruch nahm . Es kam mir nämlich vor , daß der Anzug meines Begleiters nicht mehr so seltsam sei , als er mir gestern und als er mir heute erschienen war , da ich ihn auf dem Fütterungsplatze gesehen hatte . Bei diesen Geräten erschien er mir eher als zustimmend und hieher gehörig , und ich begann die Vermutung zu hegen , Daß ich vielleicht noch diesen Anzug billigen werde , und Daß der alte Mann in dieser Hinsicht verständiger sein dürfte als ich . Außer dem Schreibschreine erregten noch zwei Tische meine Aufmerksamkeit , die an Größe gleich waren und auch sonst gleiche Gestalt hatten , sich aber nur darin unterschieden , daß jeder auf seiner Platte eine andere Gestaltung trug . Sie hatten nämlich jeder ein Schild auf der Platte , wie es Ritter und adeliche Geschlechter führten , nur waren die Schilde nicht gleich . Aber auf beiden Tischen waren sie umgeben und verschlungen mit Laubwerk , Blumen- und Pflanzenwerk , und nie habe ich die feinen Fäden der Halme , der Pflanzenbärte und der Getreideähren zarter gesehen als hier , und doch waren sie von Holz in Holz eingelegt . Die übrige Gerätschaft waren hochlehnige Sessel mit Schnitzwerk , Flechtwerk und eingelegter Arbeit , zwei geschnitzte Sitzbänke , die man im Mittelalter Gesiedel geheißen hatte , geschnitzte Fahnen mit Bildern und endlich zwei Schirme von gespanntem und gepreßtem Leder , auf welchem Blumen , Früchte , Tiere , Knaben und Engel aus gemaltem Silber angebracht waren , das wie farbiges Gold aussah . Der Fußboden des Zimmers war gleich den Geräten aus Flächen alter eingelegter Arbeit zusammengestellt . Wir hatten wahrscheinlich wegen der Schönheit dieses Bodens bei dem Eintritte in diese Stube die Filzschuhe an unsern Füßen behalten . Obwohl der alte Mann gesagt hatte , daß dieses Zimmer sein Arbeitszimmer sei , so waren doch keine unmittelbaren Spuren von Arbeit sichtbar . Alles schien in den Laden verschlossen oder auf seinen Platz gestellt zu sein . Auch hier war mein Begleiter , als ich meine Freude über dieses Zimmer aussprach , nicht sehr wortreich , genau so wie in dem Marmorsaale ; aber gleichwohl glaubte ich das Vergnügen ihm von seinem Angesichte herablesen zu können . Das nächste Zimmer war wieder ein altertümliches . Es ging gleichfalls auf den Garten . Sein Fußboden war wie in dem vorigen eingelegte Arbeit , aber auf ihm standen drei Kleiderschreine , und das Zimmer war ein Kleiderzimmer . Die Schreine waren groß , altertümlich eingelegt , und jeder hatte zwei Flügeltüren . Sie erschienen mir zwar minder schön als das Schreibgerüste im vorigen Zimmer , aber doch auch von großer Schönheit , besonders der mittlere , größte , der eine vergoldete Bekrönung trug und auf seinen Hohltüren ein sehr schönes Schild- , Laub- und Bänderwerk zeigte . Außer den Schreinen waren nur noch Stühle da und ein Gestelle , welches dazu bestimmt schien , gelegentlich Kleider darauf zu hängen . Die inneren Seiten der Zimmertüren waren ebenfalls zu den Geräten stimmend , und bestanden aus Simswerk und eingelegter Arbeit . Als wir dieses Zimmer verließen , legten wir die Filzschuhe ab . Das nächste Zimmer , gleichfalls auf den Garten gehend , war das Schlafgemach . Es enthielt Geräte neuer Art , aber doch nicht ganz in der Gestaltung , wie ich sie in der Stadt zu sehen gewohnt war . Man schien hier vor allem auf Zweckmäßigkeit gesehen zu haben . Das Bett stand mitten im Zimmer und war mit dichten Vorhängen umgeben . Es war sehr nieder , und hatte nur ein Tischchen neben sich , auf dem Bücher lagen , ein Leuchter und eine Glocke standen , und sich Geräte befanden , Licht zu machen . Sonst waren die Geräte eines Schlafzimmers da , besonders solche , die zum Aus- und Ankleiden und zum Waschen behilflich waren . Die Innenseiten der Türen waren hier wieder zu den Geräten stimmend . An das Schlafgemach stieß ein Zimmer mit wissenschaftlichen Vorrichtungen , namentlich zu Naturwissenschaften . Ich sah Werkzeuge der Naturlehre aus der neuesten Zeit , deren Verfertiger ich entweder persönlich aus der Stadt kannte , oder deren Namen , wenn die Geräte aus andern Ländern stammten , mir dennoch bekannt waren . Es befanden sich Werkzeuge zu den vorzüglichsten Teilen der Naturlehre hier . Auch waren Sammlungen Von Naturkörpern vorhanden , vorzüglich aus dem Mineralreiche . Zwischen den Geräten und an den Wänden war Raum , mit den vorhandenen Vorrichtungen Versuche anstellen zu können . Das Zimmer war gleichfalls noch immer ein Gartenzimmer . Endlich gelangten wir in das Eckzimmer des Hauses , dessen Fenster teils auf den Hauptkörper des Gartens gingen , teils nach Nordwesten sahen . Ich konnte aber die Bestimmung dieses Zimmers nicht erraten , so seltsam kam es mir vor . An den Wänden standen Schreine aus geglättetem Eichenholze mit sehr vielen kleinen Fächern . An diesen Fächern waren Aufschriften , wie man sie in Spezereiverkaufsbuden oder Apotheken findet . Einige dieser Aufschriften verstand ich , sie waren Namen von Sämereien oder Pflanzennamen . Die meisten aber verstand ich nicht . Sonst war weder ein Stuhl noch ein anderes Geräte in dem Zimmer . Vor den Fenstern waren wagrechte Brettchen befestigt , wie man sie hat , um Blumentöpfe darauf zu stellen ; aber ich sah keine Blumentöpfe auf ihnen , und bei näherer Betrachtung zeigte sich auch , daß sie zu schwach seien , um Blumentöpfe tragen zu können . Auch wären gewiß solche auf ihnen gestanden , wenn sie dazu bestimmt gewesen wären , da ich in allen Zimmern mit Ausnahme des Marmorsaales an jedem nur einiger Maßen geeigneten Platze Blumen aufgestellt gesehen hatte . Ich fragte meinen Begleiter nicht um den Zweck des Zimmers , und er äußerte sich auch nicht darüber . Wir gelangten nun wieder in die Gemächer , die an der Mittagseite des Hauses lagen und über den Sandplatz auf die Felder hinaus sahen . Das erste nach dem Eckzimmer war ein Bücherzimmer . Es war groß und geräumig , und stand voll von Büchern . Die Schreine derselben waren nicht so hoch , wie man sie gewöhnlich in Bücherzimmern sieht , sondern nur so , daß man noch mit Leichtigkeit um die höchsten Bücher langen konnte . Sie waren auch so flach , daß nur eine Reihe Bücher stehen konnte , keine die andere deckte , und alle vorhandenen Bücher ihre Rücken zeigten . Von Geräten befand sich in dem Zimmer gar nichts als in der Mitte desselben ein langer Tisch , um Bücher darauflegenzukönnen . In seiner Lade waren die Verzeichnisse der Sammlung . Wir gingen bei dieser allgemeinen Beschauung des Hauses nicht näher auf den Inhalt der vorhandenen Bücher ein . Neben dem Bücherzimmer war ein Lesegemach . Es war klein und hatte nur ein Fenster , das zum Unterschiede aller anderen Fenster des Hauses mit grünseidenen Vorhängen versehen war , während die anderen grauseidne Rollzüge besaßen . An den Wänden standen mehrere Arten von Sitzen , Tischen und Pulten , so daß für die größte Bequemlichkeit der Leser gesorgt war . In der Mitte stand wie im Bücherzimmer ein großer Tisch oder Schrein - denn er hatte mehrere Laden - , der dazu diente , daß man Tafeln , Mappen , Landkarten und dergleichen auf ihm ausbreiten konnte . In den Laden lagen Kupferstiche . Was mir in diesem Zimmer auffiel , war , daß man nirgends Bücher oder etwas , das an den Zweck des Lesens erinnerte , herumliegen sah . Nach dem Lesegemache kam wieder ein größeres Zimmer , dessen Wände mit Bildern bedeckt waren . Die Bilder hatten lauter Goldrahmen , waren ausschließlich Ölgemälde , und reichten nicht höher , als daß man sie noch mit Bequemlichkeit betrachten konnte . Sonst hingen sie aber so dicht , daß man zwischen ihnen kein Stückchen Wand zu erblicken vermochte . Von Geräten waren nur mehrere Stühle und eine Staffelei da , um Bilder nach Gelegenheit aufstellen und besser betrachten zu können . Diese Einrichtung erinnerte mich an das Bilderzimmer meines Vaters . Das Bilderzimmer führte durch die dritte Tür des Marmorsaales wieder in denselben zurück , und so hatten wir die Runde in diesen Gemächern vollendet . » Das ist nun meine Wohnung , « sagte mein Begleiter , » sie ist nicht groß und von außerordentlicher Bedeutung , aber sie ist sehr angenehm . In dem anderen Flügel des Hauses sind die Gastzimmer , welche beinahe alle dem gleichen , in welchem Ihr heute nacht geschlafen habt . Auch ist Gustavs Wohnung dort , die wir aber nicht besuchen können , weil wir ihn sonst in seinem Lernen stören würden . Durch den Saal und über die Treppe können wir nun wieder in das Freie gelangen . « Als wir den Saal durchschritten hatten , als wir über die Treppe hinabgegangen und zu dem Ausgange des Hauses gekommen waren , legten wir die Filzschuhe ab , und mein Begleiter sagte : » Ihr werdet Euch wundern , daß in meinem Hause Teile sind , in welchen man sich die Unbequemlichkeit auflegen muß , solche Schuhe anzuziehen ; aber es kann mit Fug nicht anders sein , denn die Fußböden sind zu empfindlich , als daß man mit gewöhnlichen Schuhen auf ihnen gehen könnte , und die Abteilungen , welche solche Fußböden haben , sind ja auch eigentlich nicht zum Bewohnen , sondern nur zum Besehen bestimmt , und endlich gewinnt sogar das Besehen an Wert , wenn man es mit Beschwerlichkeiten erkaufen muß . Ich habe in diesen Zimmern gewöhnlich weiche Schuhe mit Wollsohlen an . In mein Arbeitszimmer kann ich auch ohne allen Umweg gelangen , da ich in dasselbe nicht durch den Saal gehen muß , wie wir jetzt getan haben , sondern da von dem Erdgeschosse ein Gang in das Zimmer hinaufführt , den Ihr nicht gesehen haben werdet , weil seine beiden Enden mit guten Tapetentüren geschlossen sind . Der Pfarrer von Rohrberg leidet an der Gicht und verträgt heiße Füße nicht , daher belege ich für ihn , wenn er anwesend ist , die Treppe oder die Zimmer mit einem Streifen von Wollstoff , wie Ihr es gestern gesehen habt . « Ich antwortete , daß die Vorrichtung sehr zweckmäßig sei , und daß sie überall angewendet werden muß , wo kunstreiche oder sonst wertvolle Fußböden zu schonen sind . Da wir nun im Garten waren , sagte ich , indem ich mich umwendete und das Haus betrachtete : » Eure Wohnung ist nicht , wie Ihr sagt , von geringer Bedeutung . Sie wird , so viel ich aus der kurzen Besichtigung entnehmen konnte , wenige ihres Gleichen haben . Auch hatte ich nicht gedacht , daß das Haus , wenn ich es so von der Straße aus sah , eine so große Räumlichkeit in sich hätte . « » So muß ich Euch nun auch noch etwas anderes zeigen , « erwiderte er , » folgt mir ein wenig durch jenes Gebüsch . « Er ging nach diesen Worten voran , ich folgte ihm . Er schlug einen Weg gegen dichtes Gebüsch ein . Als wir dort angekommen waren , ging er auf einem schmalen Pfade durch dessen Verschlingung fort . Endlich kamen sogar hohe Bäume , unter denen der Weg dahin lief . Nach einer Weile tat sich ein anmutiger Rasenplatz vor uns auf , der wieder ein langes , aus einem Erdgeschosse bestehendes Gebäude trug . Es hatte viele Fenster , die gegen uns hersahen . Ich hatte es früher weder von der Straße aus erblickt , noch von den Stellen des Gartens , auf denen ich gewesen war . Vermutlich waren die Bäume daran schuld , die es umstanden . Da wir uns näherten , ging ein feiner Rauch aus seinem Schornsteine empor , obwohl , da es Sommer war , keine Einheizzeit , und da es noch so früh am Vormittage war , keine Kochzeit die Ursache davon sein konnte . Als wir näher kamen , hörte ich in dem Hause ein Schnarren und Schleifen , als ob in ihm gesägt und gehobelt würde . Da wir eingetreten waren , sah ich in der Tat eine Schreinerwerkstätte vor mir , in welcher tätig gearbeitet wurde . An den Fenstern , durch welche reichliches Licht hereinfiel , standen die Schreinertische , und an den übrigen Wänden , welche fensterlos waren , lehnten Teile der in Arbeit begriffenen Gegenstände . Hier fand ich wieder eine Ähnlichkeit mit meinem Vater So wie er sich einen jungen Mann abgerichtet hatte , der ihm seine altertümlichen Geräte nach seiner Angabe wieder herstellte , so sah ich hier gleich eine ganze Werkstätte dieser Art ; denn ich erkannte aus den Teilen , die herumstanden , daß hier vorzüglich an der Wiederherstellung altertümlicher Gerätschaften gearbeitet werde . Ob auch Neues in dem Hause verfertigt werde , konnte ich bei dem ersten Anblicke nicht erkennen . Von den Arbeitern hatte jeder einen Raum an den Fenstern für sich , der von dem Raume seines Nachbars durch gezogene Schranken abgesondert war . Er hatte seine Geräte und seine eben notwendigen Arbeitsstücke in diesem Raume bei sich , das andere , was er gerade nicht brauchte , hatte er an der Hinterwand des Hauses hinter sich , so daß eine übersichtliche Ordnung und Einheit bestand . Es waren vier Arbeiter . In einem großen Schreine , der einen Teil der einen Seitenwand einnahm , befanden sich vorrätige Werkzeuge , welche für den Fall dienten , daß irgend eines unversehens untauglich würde und zu seiner Herstellung zu viele Zeit in Anspruch nähme . In einem andern Schreine an der entgegengesetzten Seitenwand waren Fläschchen und Büchschen , in denen sich die Flüssigkeiten und andere Gegenstände befanden , die zur Erzeugung von Firnissen , Polituren oder dazu dienten , dem Holze eine bestimmte Farbe oder das Ansehen von Alter zu geben . Abgesondert von der Werkstube war ein Herd , auf welchem das zu Schreinerarbeiten unentbehrliche Feuer brannte . Seine Stätte war feuerfest , um die Werkstube und ihren Inhalt nicht zu gefährden . » Hier werden Dinge , « sagte mein Begleiter , » welche lange vor uns , ja oft mehrere Jahrhunderte vor unserer Zeit verfertigt worden und in Verfall geraten sind , wieder hergestellt , wenigstens so weit es die Zeit und die Umstände nur immer erlauben . Es wohnt in den alten Geräten beinahe wie in den alten Bildern ein Reiz des Vergangenen und Abgeblühten , der bei dem Menschen , wenn er in die höheren Jahre kömmt , immer stärker wird . Darum sucht er das zu erhalten , was der Vergangenheit angehört , wie er ja auch eine Vergangenheit hat , die nicht mehr recht zu der frischen Gegenwart der rings um ihn Aufwachsenden paßt . Darum haben wir hier eine Anstalt für Geräte des Altertums gegründet , die wir dem Untergange entreißen , zusammenstellen , reinigen , glätten und wieder in die Wohnlichkeit einzuführen suchen . « Es wurde , da ich mich in dem Schreinerhause befand , eben an der Platte eines Tisches gearbeitet , die , wie mein Begleiter sagte , aus dem sechzehnten Jahrhunderte stammte . Sie war in Hölzern von verschiedener , aber natürlicher Farbe eingelegt . Bloß wo grünes Laub vor kam , war es von grüngebeiztem Holze . Von außen war eine Verbrämung von in einander geschlungenen und schneckenartig gewundenen Rollen Laubzweigen und Obst . Die innere Fläche , welche von der Verbrämung durch ein Bänderwerk von rotem Rosenholze abgeschnitten war , trug auf einem Grunde von braunlich weißem Ahorne eine Sammlung von Musikgeräten . Sie waren freilich nicht in dem Verhältnisse ihrer Größen eingelegt . Die Geige war viel kleiner als die Mandoline , die Trommel und der Dudelsack waren gleich groß , und unter bei den zog sich die Flöte wie ein Weberbaum dahin . Aber im einzelnen erschienen mir die Sachen als sehr schön , und die Mandoline war so rein und lieblich , wie ich solche Dinge nicht schöner auf den alten Gemälden meines Vaters gesehen hatte . Einer der Arbeiter schnitt Stocke aus Ahorn , Bux , Sandelholz , Ebenholz , türkisch Hasel- und Rosenholz zurecht , damit sie in ihrer kleineren Gestalt gehörig austrocknen konnten . Ein anderer löste schadhafte Teile aus der Platte , und ebnete die Grundstellen , um die neuen Bestandteile zweckmäßig einsetzen zu können . Der dritte schnitt und hobelte die Füße aus einem Ahornbalken , und der vierte war beschäftigt , nach einer in Farben ausgeführten Abbildung der Tischplatte , die er vor sich hatte , und aus einer Menge von Hölzern , die neben ihm lagen , diejenigen zu bestimmen , die den auf der Zeichnung befindlichen Farben am meisten entsprächen . Mein Begleiter sagte mir , daß das Gerüste und die Füße des Tisches verloren gegangen seien und neu gemacht werden müßten . Ich fragte , wie man das einrichte , daß das Neue zu dem Vorhandenen passe . Er antwortete : » Wir haben eine Zeichnung gemacht , die ungefähr darstellte , wie die Füße und das Gerüste ausgesehen haben mögen . « Auf meine neue Frage , wie man denn das wissen könne , antwortete er : » Diese Dinge haben so gut wie bedeutendere Gegenstände ihre Geschichte , und aus dieser Geschichte kann man das Aussehen und den Bau derselben zusammen setzen . Im Verlaufe der Jahre haben sich die Gestaltungen der Geräte immer neu abgelöset , und wenn man auf diese Abfolge sein Augenmerk richtet , so kann man aus einem vorhandenen Ganzen auf verloren gegangene Teile schließen , und aus aufgefundenen Teilen auf das Ganze gelangen . Wir haben mehrere Zeichnungen entworfen , in deren jede immer die Tischplatte einbezogen war , und haben uns auf diese Weise immer mehr der mutmaßlichen Beschaffenheit der Sache genähert . Endlich sind wir bei einer Zeichnung geblieben , die uns nicht zu widersprechend schien . « Auf meine Frage , ob er denn immer Arbeit für seine Anstalt habe , antwortete er : » Sie ist nicht gleich so entstanden , wie Ihr sie hier sehet . Anfangs zeigte sich die Lust an alten und vorelterlichen