und willst , was recht ist , und hast du mal was ergriffen , so lässest du es nicht los . Du erbarmtest mich , als ich dich über Kleinem so trostlos sah , du armes Tröpfli , dir werden wohl noch ganz andere Punkte warten . Da dachte ich , es möchte ein Gotteslohn dabei zu verdienen sein , wenn ich dich an den wahren Tröster weisen würde . Aber hörst : was ich dir sagte , behalt für dich . « » Base , « sagte Vreneli , » ganz habe ich nicht vergessen , was Ihr mir sagtet , als ich zum erstenmal zum Nachtmahl ging . Der liebe Gott wolle es Euch vergelten , daß Ihr mich daran mahnet zu rechter Zeit , ich will es nicht mehr vergessen . Aber die Welt will immer obenauf , und je weniger man von der Welt hat , desto mehr will sie einem den Kopffüllen und stellt sich vor die Augen , daß man gar nicht darüber weg mehr sehen kann . Was man sinnen sollte , sinnet man nicht , und was man nicht sinnen sollte , das liegt einem Tag und Nacht im Sinn , läßt nicht einmal den Schlaf kommen , damit man es nicht etwa vergesse oder seiner los werde . Man kanns nicht erwehren , und dann kömmt die Natur , versündigt sich an Gott und Menschen und will Meister sein und bleiben . Wäret Ihr abermal nicht wie ein guter Engel gekommen , so wäre ich wohl unwirsch geworden und finster in meinem Gemüte . Aber Base , ists nicht seltsam , daß der liebe Gott mir und Uli so gleichsam zwei Engel zum Geleit gegeben , einen guten und einen bösen , mir den guten und ihm den bösen ? Und warum hat er Euch Beide zusammengetan und Euch eine solche Qual geordnet , daß Ihr mit so einem zusammengebunden gehen müßt durchs Leben ? Ich habe einmal gehört , daß man auf den Galeeren immer Zwei und Zwei zusammenschmiedet , daß sie Tag und Nacht nicht von einander können ; da geschehe es oft , daß man unschuldig Verurteilte mit den größten Bösewichtern zusammenschmiede , und das sei das Schrecklichste für die Besten oder gar Unschuldigen , denn die Andern quälten sie teuflisch und hätten noch große Freude dran . Gerade daran mahnt Ihr mich , und was der liebe Gott damit gewollt , begreife ich nicht . « » Kind , schweige , versündige dich nicht an Joggeli und am lieben Gott ; du bist noch gar zu rasch mit dem Urteilen und Verdammen und weißt doch , daß ein Einziger ist , der das kann und will . Begreifst du nicht , daß wenn ich schon schrecklich ungeduldig werde und bitterlich mich auslasse , wenn er seine Art an Andern ausläßt , ich ihn doch eigentlich als einen guten Engel betrachten und Gott für seine Sendung danken muß ? Er hat mich zum wahren Tröster geführt , denn wenn ich ein so gutes Mannetoggeli gehabt hätte oder einen währschaften Bauer , so wäre es mir kaum je in Sinn gekommen . Hätte ja gemeint , keinen Trost nötig zu haben . Darum wird es gewesen sein , daß ich den Joggeli vorzog und haben wollte . Der liebe Gott schickt keine bösen Engel , lauter gute , denn wer ihn liebt , dem ist jeder Mensch ein guter Engel , der ihn zum Guten führt , es kommt eben nur auf das Herz an . Der arme Joggeli ist nicht halb so bös ; er kann mich oft von Herzen dauern , daß er es nicht anders nehmen kann , daß er so mißtrauisch ist , er lebt selbst am übelsten dabei . Wenn er mich am bösten gemacht hat , daß es mich dünkt , es sei mir nicht mehr zu helfen , so muß ich doch sagen , sobald ich wieder bei mir selbst bin , ich hätte den bessern Teil und gegen ihn eine ganz leichte Bürde . Von wegen er hat ein gar großes Leiden , nie zufrieden zu sein und immer mißtreun ; warum ihm das Gott auferlegt habe , sinnete ich schon oft und mag es doch nicht ergründen . Helfen kann ich ihm nicht , und das plaget mich . Wollte ihm schon drauf deuten , wo es fehle , aber er spottet mich aus , und mit Johannes und Elisi ists noch ärger , und das ist das große Leiden , welches ich habe . Ich habe die Hoffnung , daß Gott gnädig ist , ihm tue ich sie anbefehlen , und ansehen wird er mich wohl . « » Ja , Base , ich stünde es bei Joggeli nicht aus , ich wunderte mich oft , wie Ihr es könnet . Aber Ulis böser Engel ist er doch , er gibt ihm das Gift ein , welches alles verderben wird . « » Das weißt du nicht , « sagte die Base , » so darfst nicht urteilen , den Ausgang kennst nicht ; Joggeli kann auch Ulis guter Engel sein , das kömmt auf Uli an , und wenn er sein böser Engel bleibt , ist Uli selbst schuld ; wehr du auch , was du magst , daß ers nicht bleibt . « » Ach Mutter , « sagte Vreneli , » es ist mir so bange . Es ist mir , es stehe ein schwer , groß Unglück vor , und bald ists mir , wenn ich nur sterben könnte , und bald muß ich weinen , wenn ich denke , ich müßte sterben , denn gerne stürbe ich doch nicht . « » Du hast es wie die Andern auch , das bessert von selbst ; wollte Gott , jeder Plage würde man ein so bestimmtes Ende sehen . Doch potz , wie habe ich mich verschwatzt , schon läutet es zu Kuhwyl Mittag . Es gibt noch nicht ander Wetter , wenn man es dort läuten hört . « Vreneli sah der rasch dahin sich schiebenden Base nach und sagte für sich : O Base , du hast recht , das böse Wetter hat erst angefangen , es wird seine Zeit haben wollen wie alles in der Welt . Du hast geredet wie ein Engel und deine Worte waren Samen vom rechten . Aber Base , der Same ist noch nicht Frucht , erst muß er verwesen , dann keimen , dann grünen , dann blühen , dann reifen . Ach Base , wie lange wird es gehen , bis er Früchte trägt bei mir , von wegen meine Natur ist hitzig und wild , und wenn die Sonne höher steigt , wird das Beste verwelken . Vreneli bangte nicht umsonst , seine Natur war eine echt aristokratische , sie hatte große Anlagen zum Regieren . Solchen Naturen wird die christliche Ergebung und das Unterordnen unter einen Willen , der eng ist , kleinlicht , vielleicht auch verderblich , gar zu schwer , gar zu schwer , sich selbst Gott zu fügen in allen Dingen und zu sagen : Vater , nicht mein , sondern dein Wille geschehe . Schmutzige Naturen haben heiße Reinigungsfeuer nötig , bis sie christliche Naturen geworden sind , aber edle , großartige Naturen haben nicht weniger schwere Prüfungen zu bestehen , bis sie zu Kindern Gottes sich aufgeschwungen haben . Satan war nicht der niedrigste der Engel . Doch wohl verstanden , wir reden von aristokratischen Naturen , welche auch im Zwilchkittel zu finden sind , nicht von aristokratischen Angewöhnungen und einem gemachten aristokratischen Äußern . Es gibt solche gemachte Figuren , welche zu den aristokratischen Gebärden noch die christlichen annehmen . Dann ist es aber ein wunderlich Zusehen , wie bald eine Sorte von Gebärden und Redensarten sichtbar wird , bald die andere , wie im Umgang mit der einen Klasse von Menschen die christlichen Gebärden vorstehen , bei einer andern die aristokratischen . Als Regel kann man annehmen , daß das Christliche vorherrscht , solange weder Befürchtung äußerer Beeinträchtigung der Ansprüche oder Widerspruch stattfinden . Über beide erhebt das Christliche sich nicht , sondern gegen sie werden die aristokratischen Manieren und Gebärden Meister . Überhaupt werden in solchen gemachten Figuren Aristokratisches und Christliches nie sich verschmelzen , sie treiben sich abgesondert im Leibe herum wie Kraut und Rüben in einer Bettlersuppe . Es gibt aber auch eine gewisse Sorte Christentum , welches sich für das aristokratische hält , welcher die Plätze zur Rechten und zur Linken im Himmelreich gehören . Die Christen , welche zu dieser Sorte gehören , mühen sich auch ab mit Gebärden , welche fast wie aristokratische aussehen , diese ihre Meinung von sich selbst auszudrücken . Sie sollten es nicht tun , es steht so übel . Fünftes Kapitel Kraut und Rüben durcheinander , wie es sich gibt in einer Haushaltung Uli wurde von so freundlichem Winde nicht angeweht , sondern blieb sich selbsten überlassen . Ihn dünkte , er hätte nicht bloß recht in der Sache , sondern er müsse einmal zeigen , daß er auch jemand sei und zwar eigentlich der Mann , der die Hosen anhabe . Wenn er das immer so gehen ließe , so könnte seine Frau zuletzt ein Recht daraus machen wollen und meinen , er solle zu keiner Sache was sagen . Zu solchen Ansprüchen berechtige sie doch endlich ihr Vermögen nicht ; was sie eingebracht , habe an einem kleinen Orte Platz . Er nahm da , her das Gespräch über das Gesinde nicht wieder auf , nahm Vrenelis Freundlichkeit mit dem Mißtrauen , als ob es auf diesem Wege probieren wolle , was es auf dem andern nicht zuwege gebracht . Da er sich auf dieser Seite schwach fühlte , so verpalisadierte er sich mit desto düstererer Miene . Noch ungerner als mit Vreneli sprach Uli mit dem Gesinde selbst darüber , nur daran zu denken war ihm zuwider . Es waren eine gewisse Schüchternheit und eine gewisse Unbehülflichkeit bei einander , von wegen nicht bloß Meister zu sein , sondern sich auch als Meister darzustellen auf die rechte Weise und in allen Dingen , ist eine Kunst , zu welcher viele alte Bauern nie gelangen ; wie sollte man sie von einem jungen Pächter fordern können , der erst noch selbst Knecht gewesen ? Darüber wurden die Knechte ungeduldig . » Hat er mit dir gesprochen ? « frug einer den andern , » dich gefragt , ob du bleiben oder gehen wollest ? « Der eine der Knechte sagte : » Ich halte ihm nicht an , mein Brauch war es nie , daß ich um den Dienst fragte ; der Meister mußte mich fragen , und frägt er mich bis Sonntags nicht , so sage ich dem Kabismüller zu . Es ist ein schwerer Dienst , aber der Lohn auch darnach , und verdienen muß man , während man jung ist . « Ein anderer sagte : » Wollte nicht pressieren , er wird das Maul schon noch auftun ; mir wäre es zuwider fort , wechsle nicht gerne . « » Wartet , am Samstag soll ich mit dem Meister Spreu holen , da gibt vielleicht ein Wort das andere . « » Meinethalb , « sagte der andere , » aber daß es mir viel machen würde , weiterzudingen , kann ich nicht sagen . Er ist nicht mehr der Gleiche . Man kann nicht genug schaffen , und doch ist er nie recht zufrieden . Es dünket mich , er habe schon vergessen , was ein Knecht gerne oder ungerne hat , und meint , er müsse aus Äckern und Wiesen , Vieh und Menschen das Äußerste , das letzte Tröpflein Saft herauspressen , damit er ein reicher Mann werde . Bloß wegem Zins hätte er das nicht nötig . Wie ich habe merken mögen , ist der so , daß er deswegen keinen Kummer zu haben braucht . Warum nun alle bös haben sollen , um einen zu mästen , weiß ich eben auch nicht , es wäre ein Anderes , wenn Not am Mann wäre . « » Oh , « sagte der Erste , » so viel wirst doch nicht zu klagen gehabt haben , einmal wegen der Speise nicht , die ist , wie man sie nicht an allen Orten antrifft . « » Einstweilen wohl « sagte der Erste , » aber ob es so bleibt , frägt sich . Was ich merken mochte , nimmt man aus der Metzg alle Samstag ein Pfund bis zwei weniger Fleisch , und in letzter Woche hatten wir zweimal keine Milch auf dem Tisch , und bin ich recht berichtet , so mußten sie vorgestern dem Brot erst den Bart abmachen , ehe sie es auf den Tisch stellen konnten . Wenn es so käme , so wäre dies mir nicht anständig , von wegen ein Jahr ist lang und aus dem Jahr zu laufen , ist nicht meine Sitte . « » Man muß nicht immer das Bösere glauben , und mit dem grauen Brot kann das allenthalben geschehen ; am Geschmack merkte man nichts , und der Müller kann vielleicht auch noch daran schuld sein . Die Haglen netzen manchmal das Mehl , daß man Schneeballen daraus machen kann oder es als Mehlsuppe brauchen , ehe es noch in der Pfanne ist , « entgegnete der Erste . Am Samstag also fuhren sie nach Spreuer aus und luden in Bern an der Matte ein gewaltig Fuder . Spreuer war sehr wohlfeil und die Müller froh , wenn er ihnen aus dem Wege kam . Manchmal wird er rar , ist schwer und teuer zu bekommen , wenn man ihn am nötigsten hätte . Mit dem Spreuer unter den Menschen ists umgekehrt , da wird er am teuersten , wenn er am zahlreichsten ist , da schätzt er sich dann selbst und zwar wie ein Jude seinen lumpichten Trödel . Obgleich Uli wohlfeilen Spreuer kaufte , so war er doch sehr übler Laune . Der Müller hatte ihn aufgezogen , wie wohlfeil der Bauer das diesjährige Korn werde geben müssen ; da sollten sie nicht Kummer haben , daß sie die Zeit versäumen müßten , Müller in ihre Spycher zu führen , um das Korn zu zeigen . Da versetze wahrlich kein Müller einen Fuß . » Die Bauern können zu uns kommen , es vor das Haus bringen , das beste wollen wir auslesen , uns noch sehr bedenken , ob wir für das Malter drei Taler geben wollen . « Uli wollte das in Abrede stellen , behaupten , die Preise würden eher steigen als fallen . » Pah , pah , Junge , belehre einen Alten nicht , stehe zuerst ein paar Jahre an der Sonne und lasse dich trocknen hinter den Ohren , « sagte der Müller . » Die Spycher sind ganz voll altes Korn , neues wird es geben , es weiß kein Mensch wie viel , und auf der Straße nach Deutschland hanget ein Schwab am andern , jeder hat einen vierspännigen Wagen voll Korn und man sagt , sie würden bald den Leuten anhalten , um Gottes willen umsonst es ihnen abzunehmen , nur damit sie Platz kriegten für das neue draußen im Schwabenland . Jetzt wollen wir den Bauern die Preise machen , sie haben uns lange genug das Blut unter den Nägeln hervorgepreßt . « Wer mit Metzgern , Müllern und Schweinhändlern Umgang zu haben das Glück gehabt , kennt diese Sprache wohl und weiß sie zu erwidern in ähnlicher Tonart . Indessen macht sie doch Eindruck . Ein alter Pfiffikus weiß alsbald , was an der Sache ist , bleibt kaltblütig und richtet sich darnach . Jüngere , zartere Gemüter , wie zum Beispiel Uli noch eins hatte , die empfinden den Eindruck solcher Reden nicht bloß , sondern sie können ihn auch nicht verbergen . Je weniger sie das können , desto größere Freude hat so ein alter Müller oder Metzger , ihnen recht heiß , sie so ganz klein zu machen , daß er sie füglich in einen Darm stoßen und als Bratwurst präsentieren könnte . So machte es auch der Müller Uli , daß der ganz mürbe und klein von ihm wegging und dachte , wie er doch der Unglücklichste sei und das doch so schrecklich sich treffen müsse , daß er eine Pacht übernommen , jetzt wo das Korn nichts gelte , ja Schwaben es ins Land brächten und anhielten um Gottes willen , daß man es ihnen abnehme , nur damit sie daheim Platz kriegten für das neue . Daß es nicht halb so schrecklich sei , zu ernten hundert Malter statt nur fünfzig und die hundert Malter einen Drittel wohlfeiler zu verkaufen , daran dachte Uli nicht . Uli dachte nicht , daß das das Schrecklichste ist , wenn man nichts geerntet , nichts hat als einen Tisch voll hungriger Leute und doppelt so teuer als sonst das Brot ist . Er kalkulierte wie die Meisten und dachte nicht , wie töricht , ja sündlich ein solcher Kalkul ist . Er kalkulierte , daß er am weitesten kommen täte , wenn er recht viel Korn mache und es recht teuer verkaufen könnte . Um die , welche es kaufen müßten , kümmerte er sich nicht , aber daß es nun nicht gehen wollte , wie er dachte , nicht alles Wasser alleine auf seine Mühle laufen wollte , das zürnte er schrecklich an Gott und Menschen . Der arme Knecht , welcher in diesem Augenblick sein Nächster war , mußte es zuerst entgelten . Es ist sonst Sitte , daß man bei solchen Gelegenheiten sich und dem Knechte so einigermaßen gütlich tut , ein ordentlich Mittagessen macht , ohne sich eben aufwarten zu lassen . Der Knecht erwartete auch nichts anders , besonders da man den Spreuer fast umsonst erhalten . Da kann man denken , wie ein lang Gesicht er machte , als Uli , gefragt , was er verlange , hastig sagte : » Eine Flasche Wein und Suppe ! « » Und Fleisch nachher ? « fragte die Wirtin . » Ho , « sagte Uli , » wenn man eine gute Suppe hat , so kann man es schon machen , es wäre Mancher zufrieden , wenn er alle Tage eine hätte ! « Die Wirtin hatte schon mehr mit Bauern zu tun gehabt , sie trat nicht weiter ein , sondern fragte : » Was für Wein soll ich bringen ? « » Sechsbatzigen « , sagte Uli , » der ist gut für den Durst und es macht heiß ! « » Potz , « dachte der Knecht , » das geht mager zu . « stopfte sein Pfeifchen , um nachzubessern , und machte ein tiefsinniges Gesicht . Wein und Suppe kamen ; mit eingestützten Armen wartete die Wirtin , bis die letztere halb gegessen war , dann fragte sie : » Fleisch werde ich doch auch bringen sollen ? Hätte Voressen , bsunderbar schöns Rindfleisch und Speck zum Kraut , wie es üblich und bräuchlich ist , wenn man weit herkommt , weit heim muß . Wenn man läuft , so ist so ein Süpplein gleich runter , und so z ' leerem z ' laufen oder z ' fahren ist nicht gut , man ist gar übel dabei . « » Magst , so sags , « sagte Uli zum Knecht . » Es ist nicht an mir zu befehlen , « sagte der Knecht , » wer zahlt , der befiehlt . « Auf dieses Wort hin machte die Wirtin rechtsum und sagte : » Ich hole , Ihr seid gewiß nicht reuig . Daneben könnt ihr immer noch nehmen oder nicht , wie es Euch beliebt . « Nun machte Uli ein tiefsinnig Gesicht , und als die Wirtin brachte reichlich , gab es ein seltsam Hin- und Herschieben der Herrlichkeiten . Keiner wollte zuerst nehmen . » Kannst nehmen , wenn du magst , « sagte Uli . » Es ist nicht , daß es sein muß , kann es sonst auch machen . Allweg nehme ich nicht zuerst , « sagte der Knecht , und das Ende vom Lied war , daß Beide böse wurden : Uli , weil er mehr gebraucht , als er gedacht , der Knecht , weil er sah , wie ungern es ging . Es ist sehr leicht , bei solchen Gelegenheiten an einem Knechte drei Batzen zu ersparen , aber sehr schwer zu berechnen ist es , wie groß der Schade werden kann , welcher aus drei ersparten Batzen erwächst . Der Knecht muckelte stark im Gemüte und war anfangs willens , dem Meister das Wort nicht zu gönnen , denn wenn es so seinen Fortgang haben solle , so sei am wohlsten , wer am weitesten davon weg sei . Indessen der Abend war so mild und lieblich , daß sein Schimmer unwillkürlich die düstersten Gemüter verklärte , wie ja auch die untergehende Sonne die schwärzesten Berge vergoldet . Uli hatte die Zeche verwunden und sprach mit dem Knechte erst über die Rosse , dann über die Arbeit der nächsten Woche , die vorzunehmende Ansaat usw. Dem Knecht war es auch nicht mehr so säuerlich ums Herz ; der Wüstest sei er doch noch nicht , dachte er . » Und , Uli , « sagte er , die Pfeife ausklopfend , » was bist Vorhabens wegen den Dienstboten ? Solls beim Alten bleiben , oder willst ändern , « Da fuhr eine Wolke über die Sonne , und Uli sprach : » He nun , weil du davon anfängst , so will ich dir sagen , was ich gedacht . Ein Bauer und ein Pächter sind zweierlei , selb weißt . Anständig wäret ihr mir , gegen Keinen habe ich was , aber mit den Löhnen mag ich nicht gfahren , besonders wenn das Korn nichts giltet und ein Schwab am andern hängt vom Bodensee bis nach Zürich , wie mir der Müller gesagt hat . Wenn ich es , weil die Zeitläufe bös sind , mit weniger Lohn machen könnte , so begehrte ich nicht zu ändern . « » An selb denk nicht , « sagte der Knecht , » mehr arbeiten und weniger Lohn reimt sich nicht , und zu uns selbst müssen wir auch sehen , es tuts niemand anders . Eher solltest du noch mit dem Lohn nach ; wenn man jung ist , so muß man sehen , daß man zu etwas kömmt , und für den alten Mann sorgen , selb hast du uns oft gesagt und wie dich dein früherer Meister darüber berichtet . « Er habe nichts dagegen , sagte Uli , aber das Gleiche gelte für ihn auch . Er müsse sehen , wie er den Zins aufbringe , daneben Steuer und Brauch ausrichte , da helfe ihm auch niemand , und was das heiße , stelle sich niemand vor , als wer es erfahren . Wenn das Korn nicht mehr gelten solle als drei Taler das Malter , so wüßte er nicht , wie das gehen solle . » Aber meinst du dann , mit wohlfeilen Knechten gewinnest du was ? « antwortete der Knecht . » Zwischen einem Schuhmacher , der des Tages einen Schuh macht , und dem , der ein Paar macht , ist ein Unterschied , und so auch zwischen einem Weber , welcher zehn Ellen , und dem , welcher sechs Ellen wibt , selb weiß man . Aber bei einem Knechte will man das nicht wissen , man sieht nur den Unterschied im Lohn und meint , der Unverschämtest fordere auch am meisten , und doch ists ebenso wie bei den Handwerkern . Auch in der Arbeit ist ein Unterschied , denn Weben und Weben sind zwei , und zum Beispiel Mähen und Mähen auch . Daneben mach , was du willst , es ist deine Sache ; du wirst bald genug erfahren , wie es gehen kann , wenn du es schon vergessen hast . « » Mit Schein rechnest du den Meister nichts , « sagte Uli gereizt . » Ein guter Meister macht mit wohlfeilen Knechten mehr als ein schlechter Meister mit guten Knechten . Es ist schon aus manchem Klotz ein rechter Bursche geworden , wenn ihn ein guter Meister recht auseinandernahm . « Darwider hätte er nichts , sagte der Knecht , wenn er es probieren wolle , so solle er es machen . Gehört hätte er zwar nie , daß einer aus einem Zwilchsack einen Sammetrock gemacht oder aus einem Kalbe einen Hengsten . Hier wurden sie unterbrochen , und das Gespräch ward nicht wieder angeknüpft . Die Folge davon ward , daß die zwei besten Knechte andere Plätze annahmen , welche ihnen längst angeboten waren . Uli vernahm dieses alsbald , denn es ist eine gar rege Aufmerksamkeit unter dem dienenden Volke um diese Zeit , sie visieren und gucken nach guten Plätzen schärfer noch als auf ihren Sternwarten die Astronomen nach neuen Kometen und derlei Dingen . Da kamen die Bursche daher , und einer gab sich für einen Karrer aus , ein anderer für einen Melker , redeten , als kämen sie vom Himmel her , und gebärdeten sich , als seien alle Fürstentümer und Gewalten über Kühe und Pferde unter ihre Füße getan . Von diesen hörte dann Uli , der sich über das Geläufe für bestimmte Plätze wunderte , sein Karrer hätte zum Kabismüller gedungen und sein Melker in den Krautboden . Das machte ihn böse , daß sie dieses getan , ohne mit ihm zu reden , ihm das Wort zu gönnen . Er dachte nicht daran , daß er es akkurat so gemacht hatte , daß gute Knechte ihr Bewußtsein haben , sich weder am Lohn abbrechen lassen noch um Plätze betteln . Er hielt es ihnen nicht vor , aber gab ihnen kein gut Wort mehr und suchte andere Knechtlein , aber so wohlfeil als möglich . Wer Landmann ist , weiß , welche verhängnisvolle Zeit der Herbst ist , wie man alle Hände voll zu tun hat , eigentlich gar nicht in das Bett sollte oder es machen , wie man von reichen Bauern zu Raxligen erzählt : sie hingen , wenn sie zu Bette gingen , ihre Hosen an die Stange auf , welche um den Ofen läuft , aber sobald die Hosen aufhörten zu blampen , stünden sie wieder auf und machten sich frisch an die Arbeit . Im Herbst ists nun Not , daß alles flink sich rührt und geschickt in die Hände arbeitet , Menschen und Vieh . Schmollen aber Meister und Dienstboten , gönnen sich die Worte nicht , dann hat es gefehlt , dann harzet es überall und es ist , als ob die Glieder der Arbeitenden mit Blei gefüllt wären . Vreneli machte gut , so viel es konnte , mußte aber oft die Augen trocknen , wie Uli unwirscher wurde , damit aber die Arbeit nicht förderte . Es wäre sonst ein so gesegneter Herbst gewesen , aber was ist aller Segen des Landes , wenn die Gemüter nicht gesegnet sind mit Frieden ! Es war viel Obst , und da Uli das Holz zum Dörren nicht zu kaufen brauchte , sondern Holz nach Notdurft zur Pacht hatte , so ward ein reicher Vorrat für Fehljahre gesammelt . Erdäpfel gabs , daß man sie kaum unterzubringen wußte , Rüben und Möhren wie sonst selten . Man hätte ganze Fuder zu Markte führen können , wenn man entbehrliche Leute und Rosse gehabt hätte . Indessen löste Uli doch schön Geld aus der sogenannten Stümpelten , weit mehr , als er sich vorgestellt hatte . Auf jedem Gute sind nämlich Hauptprodukte , auf welche man hauptsächlich und alle Jahre zählt : Heu , oder wo das Heu abgefüttert wird , Käs oder Milch oder Korn oder Vieh . Dann gibt es noch eine Menge Nebensachen , welche zugleich zufällig sind , Obst zum Beispiel und Erd- speisen , das heißt Speisen , die in der Erde wachsen : Erdäpfel , Kohl , Rüben usw. , Hanf , Flachs , in unsren Gegenden auch Ölpflanzen , welche anderwärts zu den Hauptprodukten gehören . Je besser nun ein Gut bewirtschaftet wird und je besser namentlich die Frau ist , desto mehr wird auf diese Weise gleichsam so nebenbei gewonnen . Es wird gar manche Frau hoch gerühmt über ihr Geschick , aus der Stümpelten ein bedeutend Geld zu machen , indem sie alles zu Ehren zu ziehen weiß und es zu Nutzen bringen kann , während andere Weiber nichts zu machen wissen , das Entbehrliche weder bemerken noch an Mann zu bringen wissen , es brauchen , wenn und wie der Gebrauch es mit sich bringt , oder es sich selbst überlassen , wenn sie es nicht selbst brauchen können . Das sind die Weiber , denen das Denken eine Pein ist oder die ihre Gedanken allenthalben haben , nur nicht bei ihrem Hauswesen . Dies macht natürlich einem Mann einen bedeutenden Unterschied , ob seine Frau die Kleinigkeiten alle zu verwerten verstehe oder nicht . Auf größern Gütern kann es in die hundert Gulden gehen . Vreneli nun verstund das Ding vortrefflich und machte es dem Uli doch nicht ganz recht ; es ging nach dem Sprüchwort , daß über dem Essen der Appetit wachse . Uli freute sich des schönen Geldes , aber er hätte lieber noch einmal so viel gehabt . Vreneli war eine von den altväterischen Seelen , welche gerne Vorräte haben im Hause auf mehr als einen Tag , welche gerne die Schränkefüllen mit Leinenzeug . Andenken guter Jahre . Vreneli meinte , sie sollten anfangen zu sorgen , daß sie eigenes Bettzeug hätten in alle Spiel , nicht an Joggelis gebunden seien , oder wenn sie einmal hier wegkämen , dann alles auf einmal anschaffen müßten . Fange man frühe an , so komme man