Gatten ließ eine heftige Gegenrede erwarten ; doch das Heranrollen der prinzlichen Equipage verhinderte den Ausbruch des drohenden Sturms . Noch einmal musterte der Fabrikherr seine Figur in dem hohen Trümeaux , postirte sich dann , mit seinem Comptoir-Personal , an dem Portal des Hauses , um hier den Prinzen zu empfangen , der nur von seinem Adjutanten und Leibarzt begleitet war . Oburn hatte , zu der feierlichen Anrede , das ganze Wörterbuch der stammelnden Unterthänigkeit auswendig gelernt ; und war , in Mienen , Bewegung und Sprache , ein leuchtendes Vorbild der treuesten Loyalität . » In seines Nichts durchbohrendem Gefühle « stand er da mit gesenktem Haupt , und stotterte einige Redensarten von unendlicher Ehre und Gnade heraus , in denen sich sein zusammengepreßtes Innere Luft machte . Der Prinz übersah mit vornehm nachläßiger Miene die Befangenheit oder Unbeholfenheit des Herrn Oburn ; und verlangte gleich die Fabriken zu besichtigen . Persönlich umhergeführt von dem Besitzer , dem das Bewußtsein seines Besitzes einigermaßen eine behäbige Fassung wiedergab , fand er alles vortrefflich eingerichtet , lobte die Intelligenz des Gründers , sprach leutselig mit den Arbeitern , und ließ ihnen von seinem Adjutanten ein reiches Douceur überreichen . Als die Umschau vorüber war , nahte für Herrn Oburn ein schwerer Augenblick , dessen Erwartung ihm schon seit Ankunft des Prinzen den Angstschweiß auf die Stirn getrieben ; nämlich die Bitte , der Prinz möchten die Gnade haben , höchsteigen ein Frühstück bei ihm einzunehmen . Doch wie es ein harmloser Witz des Schicksals ist , daß gerade das , was man im Leben am meisten fürchtet , am glücklichsten vorübergeht , so hatte auch Oburn für seine ausgestandene Angst , die große Genugthuung , daß der Prinz sichtbar erfreut die Einladung annahm und mit raschen Schritten in die geöffneten Gastzimmer eintrat . Die Einrichtung derselben war elegant und geschmackvoll ; das servirte Frühstück hätte die verwöhnteste Zunge eines Epikuräers befriedigen können . Madame Oburn war nicht sichtbar . Der Prinz in irgend einer lieben Hoffnung getäuscht , wurde verstimmt und schweigsam . Herrn Oburn überfiel bei dieser sichtlichen Veränderung ein panischer Schrecken ; auf allerlei geistlose Fragen , die er an den Prinzen richtete , erhielt er kurze , einsilbige Antworten ; seine Verzweiflung steigerte sich immer mehr , je mehr die Aussicht schwand , daß seine Frau ihn durch ihre Ankunft von dieser Marter erlösen werde . Der Gedanke an seine Frau brachte ihn übrigens auf den glücklichsten Einfall . Ihr lebensgroßes , sehr ähnliches Portrait , von einem der ersten , jetzt lebenden Künstler gemalt , hing in reichem , goldenen Rahmen in seinem Geschäftszimmer . Schnell öffnete er die Thüre , die dahin führte , und zog den Prinzen hinein mit den Worten : » Wie gefällt Ihnen dies Bild ? « Wie die Sonne plötzlich durch finsteres Gewölk bricht : so erhellte sich das verdüsterte Gesicht des Prinzen zu einem Freudenschein , der im Nachglanz noch die Züge des Herrn Oburn verklärte . » O mein Gott ! wie schön ist sie doch ! « sprach der Prinz nach langem Anschauen fast bewußtlos vor sich hin ; » und wie wunderbar ist dies Bild getroffen ! « Den Schritten des Prinzen war sein Leibarzt unmittelbar gefolgt . Auch er stand vor diesem Portrait wie festgebannt ; Erinnerungen an eine theure Vergangenheit überkamen ihn mächtig bei dem Anblick dieser Züge . Sein Auge blitzte auf wie vor Freude und Seligkeit ; die strengen , edeln Züge wurden weicher , ein Hauch des Friedens wehte darüber hin ; doch diese stille Seligkeit wich plötzlich einem höhnischen bittern Ausdruck . Wie von heftigen innerm Leiden erfaßt , ballte er beide Hände , preßte die Lippen fest zusammen , und wandte sich dem Fenster zu . Herr Oburn hatte beide aufmerksam beobachtet ; eine Ahnung durchzuckte sein mißtrauisches Gemüth , als ob nicht das schöne Bild , sondern das Original der Gegenstand sei , der Beiden ein so lebhaftes Interesse einflöße ; doch wußte er sich zu beherrschen , und frug unbefangen : » Kennen Sie , mein Prinz vielleicht meine Frau ? « » Ich war vergangenen Sommer so glücklich , in Carlsbad eine Dame flüchtig zu sehen , der das Bild sprechend gleicht . Wo die Schönheit so überraschend ist , prägen sich alle Züge tief ein . Deßhalb mag es Sie nicht befremden , wenn ich dies Portrait mit Bewunderung betrachte . Ist diese Dame wirklich ihre Gattinn , so sind Sie der beneidenswertheste Mann , den ich kenne . « Wie eine herbe Pille , schluckte der Ehemann diese Schmeichelei herunter : » Ja wohl , bin ich das und ich bedaure nur , daß meine Frau durch Krankheit verhindert ist , die Wirthinn meines hohen Gastes zu sein ! « Alle drei Personen waren in eine Stimmung versetzt , welche den materiellen Genuß eines feinen Frühstücks verschmähen mußte . Die auserlesensten Leckereien verließen unberührt den Tisch ; nur dem Wein , dessen Güte und Alter solchen Vorzug verdiente , ließen sie sein volles Recht widerfahren . Als der Rebentrank eben anfing , das Gespräch frischer und lebendiger zu machen , wurde die Thüre rasch und heftig aufgerissen ; der Buchhalter Ehrig trat leichenblaß in das Zimmer , und schrie fast konvulsivisch , ohne auf den hohen Gast die geringste Rücksicht zu nehmen : » Banquier Neumann hat fallirt ! « Die Wirkung dieser wenigen Worte auf Oburn war unbeschreiblich . Vollkommen erstarrt , ohne die geringste Spur des Lebens stand er , einige Minuten an die Wand gelehnt . Dann arbeitete seine breite Brust gewaltig ; und die Worte : » dann bin auch ich ruinirt , « entrangen sich mühsam seinen Lippen . Im Innern des Prinzen mußte während dieser Scene irgend ein Entschluß reifen . Fast freudig sah er auf die vom Schreck zerschmetterte Gestalt des Fabrikherrn , reichte ihm herablassend die Hand , und sprach : » Adieu für Heute , lieber Oburn ! Sollten Sie in irgend einer Beziehung Hülfe brauchen , so wenden Sie sich nur an mich . Meine Kasse und meine Connexionen stehen Ihnen gern zu Gebote . « Durch das Fallissement des Banquierhauses verlor Herr Oburn eine baare Summe von 50,000 Thalern . Dieser Schlag hatte ihn so unerwartet getroffen , daß er in den ersten Tagen nach diesem Ereigniß wie betäubt umherging . Dann raffte er sich auf , nahm mit dem Buchhalter seine Credit- und Debetbücher genau durch , und erhielt als Resultat die traurige Gewißheit , daß sein Ruin unabwendbar sei , wenn er nicht irgendwo eine Anleihe von 50,000 Thaler machen könnte . Oburn war übrigens eine thatkräftige Natur . Sobald ihm seine verzweifelte Lage ganz klar geworden , sah er diesem Schreckbild fest ins Auge , und versuchte Alles , um diesem Unglück vorzubeugen . Alles , was an ihn zahlbar war , wurde eingezogen ; und wo er selbst Verpflichtungen hatte , bat er auf einige Monate um Stundung . Doch selbst die befreundetsten Kaufleute schlugen ihm dies ab ; und drangen , vielleicht selbst durch Neumanns Bankerott gezwungen , auf augenblickliche Zahlung . Eben so vergebens war Oburns Bitte um ein Darlehn , obgleich er selbst in ähnlicher Lage oft seinen Freunden thätige Hülfe geleistet . Doch jetzt fand sich keiner dazu bereit ; alle lehnten es , unter diesem oder jenem Vorwande ab . Seine Lage wurde wirklich verzweifelt , als auch noch ein englisches Haus , das für ihn Geschäfte in Baumwollgarn machte , ihm einen bereits acceptirten Wechsel von 10,000 Rthlr . zu augenblicklicher Zahlung präsentirt und über Oburn , im Fall einer Zögerung , als säumigen Wechselschuldner Personal-Arrest verhängte . Dieser Schlag vernichtete Oburns letzte Hoffnung . Er verschloß sich 24 Stunden lang in sein Zimmer ; man hörte ihn darin laut ächzen und stöhnen , Tag und Nacht mit heftigen Schritten auf und ab gehen . Nachdem der wildeste Sturm ausgetobt , trat er in das Zimmer seiner Frau . Er mußte fürchterlich gelitten haben , denn seine Züge waren tief eingefallen ; und der hochrothe Bart an dem einen Tage grau geworden . Madame Oburn hatte alle diese Schreckensnachrichten mit bewundrungswürdiger Ergebenheit aufgenommen . Der Gedanke , daß sie von jetzt ab in Armuth und Dürftigkeit leben müsse , hatte für sie nichts vernichtendes : denn sie kannte den Werth des Geldes noch nicht , und war durch den Besitz desselben zu wenig glücklich geworden . Liebevoll eilte sie ihrem Gatten entgegen und brach bei dem Anblick seiner verfallenen Gestalt in heftiges Weinen aus . Dieser Beweis ihres Mitgefühls erschütterte ihn , und als ob er sich jeder weichen Regung schämte , unterdrückte er schnell eine hervorquellende Thräne , und sprach : » Prinz C * * wird heute zu uns kommen ; ich muß bei ihm eine bedeutende Anleihe machen . Ich erwarte von Dir , Johanna , daß Du Dich vernünftig beträgst , und Deine ganze Beredungskunst und Liebenswürdigkeit aufbietest , um den Prinzen willfährig zu stimmen ; denn von der Herbeischaffung dieser Summe hängt nicht allein unser eigenes Glück und das Wohl unserer Arbeiter ab ; sondern meine Ehre , - merke Dir , Johanna , meine Ehre ! Bis Morgen früh muß ich im Besitz dieser Summe sein , oder mein Name ist gebrandmarkt für immer , und meiner wartet gefängliche Haft . Alles steht auf dem Spiel ; alles muß gewagt werden und daran gesetzt an die Rettung . « Wie ein schwerer Unheil drohender Traum , aus dessen Banden sich die Seele vergebens loszureißen sucht : so wirkten diese Worte auf Madame Oburn , und es währte lange , ehe sie ihren ganzen Sinn gefaßt . Außer sich warf sie sich vor ihrem Gatten auf die Kniee nieder , und rief leidenschaftlich : » Oburn , verlange das nicht von mir ! Ich will für Dich arbeiten , für Dich betteln ; doch nimmer den Prinzen um Hülfe flehen ! Wenn Du wüßtest - ja wenn Du wüßtest - « ein eisiger Frost schüttelte bei dieser Erinnerung die zarten Glieder - » welch ' unseliger Stern mich schon mit ihm zusammengeführt ; Du würdest das nimmer von mir verlangen ! « » Närrinn ! Ich mag , ich will nichts wissen - es ist mein fester Entschluß , daß Du , gerade Du , den Prinzen bewegen sollst , uns zu retten . Auf ein paar Weiberthränen kann ich nicht Rücksicht nehmen , wo es darauf ankommt , Hunderte von Menschen vor gänzlichem Verderben zu retten . Das solltest Du selbst überlegen , wenn es Dir überhaupt mit Deinen schönklingenden Redensarten Ernst ist . Hier ist nichts mehr zu wählen und zu besinnen ! « Herr Oburn hatte das Zimmer schon längst verlassen , als seine Gattinn noch immer starr dasaß , bewußtlos und gefühllos . Es giebt solche Augenblicke , in denen die Seele alle Farben und Formen des Lebens , alle festen Gedanken und festen Gefühle verliert , und sich ganz in die einförmig schwarze Nacht der Existenz versenkt . Nur das dumpfe Brüten bleibt , und der Alpdruck eines namenlosen Schmerzes ! Madame Oburn rang sich plötzlich aus dieser Apathie los , sprang hastig auf , lief in das Comtoir , und ersuchte athemlos den Buchhalter um das Contobuch ihres Gatten : » Ich beschwöre Sie , Ehrig , sagen Sie mir aufrichtig , wie steht es mit meinem Mann ? « Ehrig schaute sie mit kummervollen Blicken an , und erwiederte ganz leise : » Gnädige Frau ! Werden Sie auch stark genug sein , die Wahrheit zu ertragen ? Wohlan denn , ich schwöre es bei meiner Ehre ! Wenn Ihr Gatte nicht bis Morgen die Wechselschuld von 10,000 Rthlr . decken kann , so ist das Geschäft ruinirt und die Fabriken werden von den Creditoren um einen Spottpreis verkauft . « » Haben Sie alles versucht , alles ? « frug die junge schöne Frau mit einem flehenden Blick , der dem Buchhalter bis in ' s Innerste drang . » Oburn hat viele Freunde ; will ihm Niemand helfen ? « » Niemand , gnädige Frau ! « » Unser Mobiliar und Silberzeug ist von bedeutendem Werth ! Verkaufen Sie alles - und retten Sie die Ehre meines Mannes ! « » Die Summe ist zu groß , und kann dadurch nicht getilgt werden . Auch ist es zu spät . In zwölf Stunden muß die Zahlung geschehen sein - oder - « Madame Oburn bedeckte die Augen mit den Händen , und rief leidenschaftlich : » Genug , Ehrig , genug ! « Eine Stunde später hatte Herr Oburn eine lange , geheime Unterredung mit dem Prinzen C * * . Sie mußte für beide befriedigend ausgefallen sein ; denn das Gesicht des Prinzen sah bei ' m Abschied triumphirend aus , und auch Herr Oburn trat sichtlich erheitert und ruhig in das Comtoir , und verkündete dem Buchhalter , daß der Prinz bereit sei , Morgen früh die Summe von 10,000 Rthlr . vorzuschießen . Bei dieser Nachricht erbleichte Ehrig , und sah Oburn mit einem vorwurfsvollen Blicke an , den dieser nicht ertragen konnte . Rasch wandte er sich ab , und ging in das Gemach seiner Frau . Stumm trat er ein ; es war eine unheimliche Pause ! Sie lag auf dem schwarzen Sammet-Sopha , betäubt und lautlos , er ging hastig im Zimmer auf und ab . Dann sprach er plötzlich in bittendem Ton : » Johanna , Johanna ! Bei meiner Ehre ! Es giebt nur dies eine Mittel , uns zu retten ! Glaube nicht , daß ich leichten Sinnes mich dazu entschlossen ! Es hat mich schweren Kampf gekostet ; denn ich liebe Dich ! - Du mußt - - - - - - - ! « » Oburn , « schrie die Frau ihm entgegen , « Du willst mich verkaufen , wie eine Sache , wie Dein Eigenthum verhandeln ! Fühlst Du nicht die namenlose Beschimpfung und Entwürdigung , die Dich trifft , wie mich ! « » Die Welt erfährt nichts davon ; diese Beschimpfung bleibt im Stillen , und wir können uns , wenn es uns auch schwer fällt , über Vorurtheile hinwegsetzen . Hier gilt es die Ehre vor der Welt , unsere ganze bürgerliche Stellung ! davon hängt der Werth unseres Lebens ab ; und sie müssen wir gegen jedes Opfer erretten ! « » Oburn - es ist nicht möglich - noch glaub ' ich nicht , daß es Dir Ernst ist mit so schimpflicher Barbarei - « » Es ist mein Ernst ; ich bin entschlossen . Gerade an diesem Opfer will ich Deine Liebe erkennen ! Es bleibt dabei ! « » Du hast kein Recht , über meine Liebe und meine Ehre zu bestimmen . Ich werde die heiligsten Rechte meines Herzens und Lebens wahren - dies ist die Stelle , die uns auf ewig trennen muß . « Oburn nahm einen bittenden Ton an , ein Ton , der seinem Wesen fremd war , zu dem ihm nur die schmerzlichste Zerknirschung seines Innern treiben konnte . Das höchste Gut seines Lebens stand auf dem Spiel - und in die Gewalt seiner Frau war es gegeben , den drohenden Sturm zu beschwören . Gerade der nahe Verlust zeigte ihm den ganzen Werth des klingenden Mammons ; seine fiebernde Angst ließ ihn ängstlich nach Rettung umhersuchen ; das Gold stand wie ein Phantom vor seiner Seele , unentfliehbar , ihn fesselnd mit eherner Macht ; und wuchs in den phantastischen Bildern , die durch seine Seele jagten , zu riesenhafter Gestalt . Wie klein schien ihm dagegen das Opfer , das seine Frau bringen sollte , ein kurzes Liebesglück an einen Fremden verschwendet , eine selige Nacht , untreu den Laren des Hauses , unter einem fremden Gestirn geträumt ! Dennoch ängstigte ihn die fieberhafte Spannung seiner Frau . Er stand vor ihr wie ein Delinquent , der um Gnade fleht ; doch sie wies ihn mit Entschiedenheit zurück . Er wollte ihre Erklärung nicht als fest , ihren Entschluß nicht als wandellos hinnehmen , und verließ das Zimmer , mit dem Versprechen , nach zwei Stunden zurückzukehren , indem er die Hoffnung aussprach , sie dann bekehrt zu sehn , und geheilt von ihren thörichten Vorurtheilen . - Madame Oburn war in jene Spannung versetzt , die , wenn sie nicht die Seele aufzehren sollte , sich in äußerer Handlung rasch und entschieden bethätigen mußte . Der Bruch in ihrem Leben war vollendet : sie fühlte sich durch die Zumuthung ihres Gatten entehrt , in dem innersten Kern ihres Wesens verletzt . Die vollständige Entfremdung ließ sie nicht einen Augenblick länger mit ihm unter demselben Dache verweilen . Er hatte sich des Rechts auf ihre Liebe unwerth gemacht , eine Liebe , die gerade jetzt im Unglück ihm treu zur Seite stehen sollte . Dieser Gedanke verzögerte auf kurze Zeit ihren Entschluß ; doch sie wurde sich darüber klar , daß von Pflichten zwischen ihr und ihrem Gatten nicht mehr die Rede sein könne . Rasch und geheim ließ sie ihre Sachen einpacken , den Reisewagen fertig machen , und fuhr , ohne von Oburn Abschied zu nehmen , aus dem Hause , die Schande fliehend , die ihr drohte . Frei athmete sie draußen auf ; es ging der Hauptstadt zu , einer stürmischen Welt voller Klippen und Untiefen , deren Wogen manch leuchtendes Segel zur Tiefe hinabziehen , aber auch manch lichte Perle aus ihrem Schoße zu Tage fördern . Das war der erste Abschnitt ihrer Ehe , reich an allen Conflikten , welche das Leben der Gegenwart bewegen . Gewaltsam hatte sie sich losgerissen von qualvollen Verhältnissen , die in innerer Auflösung sie zu zertrümmern drohten . Ihren Gatten ließ sie allein , anheimgegeben dem modernen Fatum , das Menschen und Götter beherrscht , dem Golde , das wie Saturn seine eigenen Kinder verschlingt ! Sie rettete ihr besseres Selbst vor der brutalen Gewalt , die sich in hundert Gestalten gegen sie verschwor ! Sie rettete die Heiligkeit der Ehe , indem sie dieselbe zerriß ! Doch noch hatte sie eine Gewalt nicht besiegt , die mächtiger war , als Rang und Geld und Freiheit ; die im Hintergrund zurückgedrängt , bald siegsgewiß auftrat , ein Gestirn , das ihr Leben beherrschte von jetzt ab , eine Kraft , welche in ureigener , angestammter Heiligkeit die Formen zerbrach , die das Gesetz und die Sitte der Menschen geheiligt - die Liebe .