sich der geringfügigsten Kleinigkeit ; wie hörte er mit anscheinender Aufmerksamkeit zu , und wußte immer dem , was trübe klang , eine freundliche Wendung zu geben . Wie schlug er auf ihre Hand und tröstete , wo es des Trostes bedurfte , nicht wie ein Liebhaber , wie ein alter Freund , der es bleiben wird , trotz der Jahre und Widerwärtigkeiten . Aber wieder ein anderer ward er , als die Töchter eintraten und mit verschämter Anmuth den vornehmen Gast und Verwandten bewillkommten . Eva Bredow wurde fast roth , daß sie ihm so bäuerisch grob die Hand geboten . Er hatte nicht eingeschlagen , sondern die Finger zart fassend sie an seine Lippen gebracht , und auf ihr : » Gott grüß Euch , Vetter von Lindenberg ! « hatte er eine Weile wie verwundert sie angeschaut . » Ei das schöne Fräulein soll meine Muhme sein ! « » Gewiß , Herr , es ist die Eva « , sprach die Mutter erfreut , » so Ihr damals bei der Huldigung auf den Knien schaukeltet . Ihr sagtet noch , sie würde der Mutter gleichen . « Der Gast schien sich noch von seinem Staunen zu erholen : » Wahrhaftig , ich glaube doch am Ende , ich bin hier in einem verzauberten Schloß . Fürchte , wenn ich ihre zarte Hand nicht festhalte , sie wird mir wie eine Nix verschwinden . « » Macht sie doch nicht verschämt . Das dumme Ding ist schon puterroth und wagt nicht die Augen aufzuschlagen . « Eva hatte wohl die Augen aufgeschlagen ; sie schämte sich ihrer Hände ; die waren noch roth vom Waschen . Und als er weiter sprach von einer Rose , die er in der Haide gefunden , die aber eines Fürsten Garten zieren würde , ward sie ganz ängstlich und hätte fortlaufen mögen , wäre die Mutter nicht gewesen , die ihm auch ihre zweite Tochter vorstellte . » Welch ein Reichthum von Blumen im Walde ! Rosen und Lilien , wie kommen die unter die Kiefern . « » Wir denken so , die Agnes zu Unseren lieben Frauen nach Spandau zu bringen . « » Ein frommes Gemüth sehnt sich nach dem Himmel . Doch nicht zu früh , Frau Muhme . Mit der Frömmigkeit muß man nicht gar zu sehr eilen , die Zeit ist lang . « » Wie ' s der Herr schickt ! Sind schlimme Zeiten , Herr von Lindenberg . Aussteuer können wir doch nur einer geben . Und weil sie so still ist , und so vor sich hinschafft , da meint mein Gottfried , und der Herr Dechant hats auch gemeint , sie schickt sich nicht für die böse Welt , und wie das wirsche Volk hier ist . Unser Herrgott nimmt die Stillen am liebsten . Der sieht nicht darauf , wie das Mannsvolk , ob die Backen roth oder blaß sind . « » Aber « , flüsterte schelmisch der Herr von Lindenberg , » er sieht auf die Grübchen neben den Lippen , ob sich ein Schelm da versteckt hat . Der Schelm ist ein böser Schelm und neckt alle Evas . Keine ist davor sicher und mögen sie so still und sittsam aussehen , als Eure Tochter . « » Ja die Evas , lieber Herr von Lindenberg « , lachte die Mutter , » aber die heißt Agnes . Dummes Ding , was erschrickst Du Dich ! « » Sie wird nicht erschrecken , liebe Base « , lachte der Gast , » wenn der arglistige Schelm kommt , dem kein Menschenkind widersteht . « Der Schelm kam nicht , aber Knechte und Mägde um den Tisch noch einmal zu füllen mit Allem , was das Haus und der Keller auftreiben konnte . Da sah man den Herrn von Lindenberg abermals ein ganz anderer werden . Hunger ist der beste Koch , heißt es , aber Hunger und Durst sind auch Fechtmeister , die den gesattelsten Ritter und Hofmann aus dem Steigbügel werfen . Der Herr von Lindenberg aß , daß es eine Freude für die Hausfrau war , so oft sie einschenkte , schenkte der freundliche Gast ihr einen freundlichen Blick . » Daß solchem Herrn , der an besseres gewohnt ist , unser schlechter Wein mundet ! « » In solcher Gesellschaft ! « sagte der Gast und reichte auf der einen Seite der Edelfrau , auf der anderen dem Junker Peter Melchior die Hand . Dabei wiegte er sich auf dem Schemel mit einem gar vergnügten Gesicht . » Ihr glaubt vielleicht , daß ich scherze . Denkt Euch Einen , der die ganz Woche im Block lag und am Sonntag wird er frei ! Das Hofleben ist - « Er hielt plötzlich inne . » Wir vergaßen auf die Gesundheit unseres durchlauchtigsten Kurfürsten und Herrn zu trinken , wie es guten brandenburgischen Edelleuten bei jeder Mahlzeit geziemt . « Die Pokale klangen , und der Hofmann hielt es für angemessen , viele Worte zum Lobe seines jungen Fürsten zu sprechen . Da war keine Tugend , die er ihm nicht beimaß . Er sprach so lange , bis er den Pokal sich von Neuem füllen ließ . Diesmal galt sein Spruch dem Wohl der tugendsamen , sittigen Hausfrau , seiner lieben guten Base und Wirthin , dann den zarten Fräulein . » Und daß der Bärenhäuter , der Gottfried , mein alter Freund , nicht zu uns kommt . Ich wollt ' ihm einen Trunk bringen , daß er mir Bescheid thun müßte , als säße er noch an der Landtafel . « Des edlen Gastes Heiterkeit theilte sich den andern mit . Man machte den Vorschlag , zum Langschläfer , wenn er nicht herunterkomme , hinaufzusteigen . » Wir wollen ihn wecken ! « jauchzte Peter Melchior , der auch des süßen Weines schon viel getrunken hatte . » Das überlassen wir seiner lieben Frau , « entgegnete der Ritter , welcher das bedenkliche Gesicht der Edelfrau bemerkt . » Frauen wissen immer am besten , wann es Zeit ist , daß die Männer aufwachen sollen . « Die Frau ging , die Töchter nahmen die Gelegenheit wahr mit ihr zu entschlüpfen . » Eingeschänkt ! « rief der Gast , der selbst einen Becher nach dem andern hinunterstürzte . » Herr Gott im Himmel und Sanct Petrus am Höllenthor , wie ist mir eigentlich wohl unter Euch . « Der Dechant hob lächelnd den Finger : » Sanct Petrus , Herr Ritter , steht am Himmelsthor . « » Wer da Wache hält ist mir gleich . Ich bin raus aus dem Himmelreich oder der Hölle , wie Ihrs nehmen wollt . Sanct Christoffel , der doch gewiß eine große Ehre hatte , als die ganze Welt ihm auf den Schultern saß , war gewiß auch froh , als der Heiland absaß . So ist mir heut in den Gliedern . « » Wie Manche , Herr Ritter , möchten Eure Last mit Freuden auf ihre Schultern laden . « » Freunde , ich sage Euch , ' s ist ein - Doch davon nachher . Mir träumte heute eigentlich nicht , daß mir ' s so wohl werden würde . « Auf der Stirn des Gastes lagerte sich ein Anflug von Ernst ; er strich mit der Hand darüber , wie um die Gedanken fortzustreichen , sie schwebten aber schon als Worte auf seiner Zunge . Es giebt Gedanken , die man aussprechen muß , um sie los zu werden . » In Todesangst wachte ich heute Morgen auf . Die ganze Nacht hatte es vor mir getaumelt wie etwas am Strick . Schwipp , schwapp . Ich stieß es fort und immer kams wieder . Als ich nun endlich aufwachte , da die Hörner schon nach dem Gesinde riefen , packte ichs . Es war die Schellenschnur über meinem Bett , sie war vom Draht losgegangen . « Die Zuhörer lachten . » Lacht nicht zu früh ! Die Hexerei kommt noch . Joachim war noch nie so gnädig , als den Tag zu mir . Ich spreche sonst gern und viel mit ihm . Einen Hecht an der Angel muß man nicht loslassen , auch Fürsten , so viel es geht , nie selbst denken lassen . Wer ' s los hat , muß ihnen die Gedanken , die sie denken sollen , in die Hand geben . Ich kann mich rühmen , daß ichs verstehe , sie so handrecht ihm zu drechseln , daß er damit spielt , als wären es seine eigenen lieben Einfälle . Nur heute gings nicht . Er sprach gelehrt , wie seine Lust ist . Weiß der Geier , was meine Zunge lähmte ; ich hörte schon wieder auf , wenn ich anfing . Mein Auge war wie mit einem Nebelflor umstrickt . Bisweilen kam es mir vor , als ritte neben mir der Scharfrichter . « » Der Kurfürst ! « » Er hat manches Mal ein so strenges Gesicht , daß man daran gemahnt wird . « » So erklärt mein Herr von Lindenberg selbst , was seine bösen Gesichter bedeuten « , sagte der Dechant . » Es war ein neblichter Morgen , und die Stimmungen , welche er von einer schlechten Nacht mit brachte , wurden in seiner Einbildungskraft zu Gespenstern . « » Es bedeutet nichts etwas , es ist alles dummes Zeug « , fiel der Gast rasch ein . » Wir werden gestört durch die Dünste aus unserem dicken Blut . Aber als ich von der Jagd abkam und in die Richte zu jagen glaubte , stutzte am Waldeck mein Thier und steifte die Ohren . Mir surrte und schwirrte es auch ums Ohr , wie in der Nacht . Ich hätte nicht vorwärts mögen , aber Sporen klirrten , wie mich an meine Pflicht zu mahnen . Mein Rappe bäumte sich unter dem Druck , und als ich um den Eck war , stand ich auf einer wüsten , verbrannten Haide , in der Mitte ein Galgen , und dran hing Einer . « Er schwieg einen Augenblick . » Ihr werdet wieder sagen , ich hätte Gespenster gesehen . Ich glaubte es auch , da ich meinem Thier den Willen ließ und die Zügel schießen . Und noch mehr , das Gespenst verfolgte mich . Ich sah es vor mir mit geschlossenen und offenen Augen ; ich war doch schon eine Viertel Meile fort und hinter jeder Kiefer baumelte es ; Sporen an den Stiefeln , einen Federhut auf dem Kopf ; ich sah jede Bewegung , die blassen , gekniffenen Finger , die blauen Lippen , das rothe , aufgeschwollene Gesicht . « Der Junker Peter Melchior kreuzte sich . Alle waren still . » Ich hielt an , ich schlug mich auf die Brust , ich rieb mir die Stirn . Nun betete ich ein Ave Maria und den Rosenkranz ab . Dann kehrte ich um , und ich kann Euch morgen den Weg wieder zeigen , den ich zurückthat , indem ich der Spur meines Pferdes folgte . Jede Fichte , jede Birke , selbst die Hollundersträucher merkte ich mir . Da kam das Waldeck , da die verbrannte Haide , der branstige Geruch , Raben und Krähen am Himmel , der Galgen , der Mann daran , Sporen an den Stiefeln , eine Federkappe auf dem Kopf - und ich war es , mein Gesicht . « Lauter blasse Gesichter schauten sprachlos auf den Redner . » Da verging ' s mir , « fuhr er nach einigem Schweigen fort . » Es ward mir blau und roth um die Augen , alles drehte sich um , und lenkte nicht mehr mein Pferd . Ich weiß nur , daß es durch dick und dünn flog . Die dürren Aeste knackten , es rauschte in den Wolken , Ketten klirrten , Sporen klirrten , die Eulen krächzten . Dazwischen Waldhörner , Hussaruf , ich weiß nicht was . Ich weiß auch nicht , ob ich durch die Jägerhaufen flog , ob ich noch einmal an dem Galgen vorüberkam , mir war ' s so . Zur Besinnung kam ich erst , als es schon dunkelte , und mein Rappen keuchend , athemlos in einem blauen dunstigen Moor nach einer Wegspur suchte . Wie viele Stunden ich da noch in der Irre ritt , weiß ich nicht . Mir war kalt , mir war heiß zu Muth , wenn ich an daß zurück dachte , bis ich endlich Licht sah . Wär ' s ein Irrwisch gewesen , eine Teufelsküche , mich hätt ' s nicht gewundert ; nun war ' s meines Freundes Götze Hohen-Ziatz . Ich bin hier und was denkt Ihr davon ? « » Ihr hattet vielleicht vergessen , den Abendsegen zu beten ? « bemerkte der Dechant . » Pah ! Da müßt ich oft Galgenmännlein sehen . « Peter Melchior hatte während der letzten Erzählung , die Hände unterm Tisch faltend , eine ganze Reihe von Gebeten zwischen den Zähnen gemurmelt . » ' S ist was nicht richtig in der Luft , « sagte er leise , » ich hab ' s von Anfang an gesagt . Die hagern Frauen an der Bleiche , der Krämer und sein verhextes Zeug , der Sturm , es geht was vor . Niemand weiß , wo ' s hinausläuft . Zwischen Gallus und Allerheiligen thut ' s nimmer gut , was vornehmen , aber Frau Brigitte hat keine Gottesfurcht , keinen rechten Glauben . Was mußte sie jetzt gerade die große Wäsche halten . Die hat ' s aufgerührt . « Der Ritter hatte wieder sein vornehm stolzes Gesicht . Er saß im Stuhl zurückgelehnt , ein verächtliches Lächeln schwebte über seine Lippen : » Auf eine Wäsche läuft ' s hinaus ! Es thut mir leid , so ich Wäsche gestört hätte . « Peter Melchior erzählte . Der Ritter hörte bei einigen Punkten aufmerksam zu , bis der Junker plötzlich mit den Fingern schnellt : » Nun hab ' ich ' s , das Galgenmännlein ! Claus Hedderich erzählte ja davon . Nicht der Ritter war ' s der Schneider Wiedeband . Richtig , der hängt noch am Galgen bei Beelitz in der Haide . « Der Herr von Lindenberg lehnte sich über den Tisch . Es war , als ob ihm mit dem frohen Gesicht des Junkers ein bleierner Bann auf der Brust sprang . Aber der Zweifel meldete sich wieder . » Ein Schneider in Sporen ! « » O das ist eine lustige Geschichte . Hättet Ihr nichts davon gehört ? Die von Beelitz zankten schon seit einem Jahre mit dem Schneider . Er war ein Gewandschneider , ein kleiner Mann nur , aber er hatte es dick sitzen im Kopf . Sagte es laut bei allen Zechen : Kleider machen Leute , also da der Schneider die Kleider macht , macht der Schneider auch die Stände . Schneiderte sich selbst Kappen und Mäntel und Hosen , wie Rathleute und Junker ; so oft ihn auch der Rath darum strafte , er stolzirte darin um , und sie brauchten ihn , denn Keiner verstand besser mit der Scheere umzugehen . Sonst hätten sie ihn längst in ' s Elend geschickt , aber er sagte , seine Amme hätt ' s ihm an der Wiege prophezeit , daß er als Ritter sterben würde . Nun hatte er den Rathsherrn ihre Mäntel zugeschnitten ; aber ehe ein halb Jahr um war , wurde das Tuch mürbe und riß . Die von Beelitz machten ein furchtbar Geschrei , aber er schrie wieder . Die sagten , er hätte das Zeug mit dem Bügel verbrannt , er sagte , sie hätten ihm verbranntes Tuch geliefert . Getagefahrtet ward von einem Schöppenstuhl zum andern bis die Köpfe lichterloh brannten . Die Zeugen schlugen sich schon , die von Treuenbrietzen , von Jüterbock , selbst die von Wittenberg mischten sich drein . Endlich waren sie einig , die Justiz könne das nicht abthun , und Wiedeband sagte den Beelitzern ab . Das kam vielen damals curios vor , daß ein Schneiderlein einer Stadt dürfte einen Fehdebrief schicken . In Leipzig und Wittenberg haben sie darüber vor der Facultät gestritten , ob es ging . Aber es ging . Das Schneiderlein hatte seinen Anhang , und mit seinen Gesellen von der Scheere that er ihnen manchen Schnitt , wo sie sich ' s gar nicht versahen . In Jüterbock hatte er ein festes Haus und saß wie ein Ritter , und , was wirklich eine Schande ist , die sächsischen Herren drüben , weil sie den Beelitz ' schen übel wollten , aus purer Scheelsucht , hielten ihn , als wär er zu ihnen . Er dürft ' in Sporen und Federhut aus-und einreiten auf ihren Schlössern , und liehen ihm manches Stück Roß und Zeug zu Schaden der von Beelitz . Hätte er sich nur begnügt , ihnen aufzulauern und ihre Leute zu werfen , so hätte er ' s manches Jahr treiben können , aber der Kamm schwoll ihm , und eines Morgens rückte er mit einem hellen Haufen vor ihr Thor . Da rief er ' nein , der Schneiderritter : als sie ihm hätten gebrannt Tuch geliefert , und dadurch gebranntes Herzeleid gemacht , so wollte er ihnen auch ' nen Brand zu riechen geben , daran Kind und Kindeskind denken sollten . Und gesagt , gethan , vor ihren Augen steckt er ihnen ihre Haide an , und ehe sie nur aus dem Schlaf in Hemde und Haube kriechen konnten , brannten zehn Morgen weg . Es wär ' noch mehr Unglück geschehen , wäre kein Regen gekommen . Nun aber wurden die von Beelitz fuchswild und lauerten ihm auf , wo sie konnten . Sie bestachen eine fahrende Frau , zu der er hielt , in Jüterbock in der Vorstadt , die ließ Nachts die Knechte der Beelitzer in ' s Haus , und am Morgen , als er aufsprang , griffen ihn die Knechte , stellten ihn in ein Betttuch und warfen ihn auf ' nen Heuwagen . Ehe seine Freunde es merkten , waren sie mit gestreckten Zügeln über die Grenze , und Ihr mögt Euch denken , was das für Lust gab , als sie ihn im Sack durch ' s Thor fuhren . Ein Loch hatten sie ' nein geschnitten , da steckte er den Kopf raus , und hatte noch die Frechheit die Zunge rauszustrecken . Solchen Spaß haben sie in Beelitz ihr Lebelang nicht gehabt . Sie wollten ihn schnell judiciren ; aber da gab es neuen Spectakel . Hatte die Frechheit , er wollte sich nicht hängen lassen als ein Dieb und Mordbrenner , da er in offener Fehde mit ihnen gewesen , und von den Sächsischen Herren kamen ihm einige zu Hülfe . Die zeigten eine Urkunde vor , daß sie ihm ein verfallen Burgrecht geschenkt oder verkauft ; also wäre er ein freier Mann von drüben , und hätte Recht gehabt ihnen Fehde zu machen . Die Beelitzer , wie man sich denken kann , bestritten ' s , er sei ein Stadtkind gewesen und geblieben , also in ihrem Bann . Das gab ein neues Geschrei und Geschreibe . Endlich kam man überein , er sollte judicirt werden als ein Stadtkind , aber gehenkt als ein Ritter und da gab er sich drein . So hat das Schneiderlein bis auf die letzt seinen Willen gehabt und hat ' s durchgesetzt , der Kerl , wer sollt ' s glauben , daß sie ihn henken mußten mit Sporen und Federhut . Ja , wär ' s nach ihm gegangen , er hätte noch den Degen an der Seite behalten . Das war denn doch zu viel , auch die Sächsischen Herren wollten ' s nicht . Nun baumelt er so in der Haide , die er angesteckt . Hat ' s aber wohl nimmer gedacht , daß ihm noch im Tode die Ehre würde , daß unser Herr von Lindenberg den Schneider Wiedeband für sich ansähe . « Alle lachten von Herzen über die lustige Geschichte ; der edle Gast , der sich ihrer wohl entsann , war sichtlich aufgeheitert . » Das ist nur dumm Zeug , « sprach er , indem er noch einen vollen Zug aus dem Becher that , » was sie von dem Wafeln1 oder dem doppelten Gesicht reden . Wer in ' s volle Glas sieht , sieht sich auch doppelt , und er schlürft nicht den Tod daraus , sondern helle Lustigkeit . Weil ' s mir heute Abend so wohl gehen sollte , darum schauerte ' s mich so grauslich am Morgen . Das ist die Deutung : Glück , Glück ! Wie wär ' s Ihr Herren die Becher klingen so hell , wenn wir sie noch anders klingen ließen . Hätte Lust ein Stündlein zu doppeln ! « Peter Melchior schielte den Dechanten an . Der zuckte die Achseln und hob drohend den kleinen Finger : » Ei , mein Herr Ritter von Lindenberg , Ihr so vom Glück ohnedies begünstigt , was wollt Ihr ' s noch suchen gehen ? « » Immerzu ! « » Die Kirche verbietet auf Spuk und Deutungen etwas zu geben . So ich aber als Laie dächte ; wäre es , das mein Herr Ritter gut rechnete . Auf böse Träume folgen Hochzeiten und Kindtaufen . Rabensteine und Leichen bedeuten Glück im Spiele . Wollt Ihr uns durchaus die Taschen leer machen ? « Der Ritter von Lindenberg warf einen vollen Beutel , auf den Tisch : » Bis der leer ist nicht von der Stelle . « Peter Melchior faßte leise an den vollen Beutel , er gab einen Klang . Die Tische wurden abgetragen und drei Schemel herangerückt . Der Dechant nahm den Becher in die Hand und schüttelte ihn mit einem stillen Seufzer und niedergeschlagenen Augen : » Nun denn , um kein Spielverderber zu sein ! « » Nehmt Euch vor ihm in Acht ! « flüsterte der Junker Peter Melchior . Fußnoten 1 Wafeln heißt noch auf der Insel Rügen das Schottische zweite Gesicht , welches sich auch dort in Familien und Individuen zeigt . Siebentes Kapitel . Ein böser Rath . » Ein Stündlein noch , Gestrenge , dann wacht er auf , « sprach der Knecht Casper , der an seines Herrn Thür Wache hielt und wenig Umstände machte vor der Edelfrau , welche , schien es , ohne den Wächter wohl Lust gehabt hätte , ein wenig aufzuklinken und hineinzuschauen . Er aber saß auf einer Bank , die er vor die Thür geschoben , den Rücken gegen diese gelehnt , eine Stellung , in der er auch dann und wann die Augen zugedrückt haben mochte . Ein treuer Knecht dient seinem Herrn auch wenn er für ihn schläft . Jetzt aber schnitt er Scheiben umschichtig von einer großen Rübe , einem Käse und einem Haferbrod zum Abendimbiß . » Casper , ich höre ihn schnarchen . « » Thut nichts . Vorhin grunzte er , drei Mal stöhnte er und dann hat er geflucht . Das geht immer voraus . « » Aber er hat sich gewiß auf die andere Seite gelegt . Dann schläft er nur immer fester ein . « » Wenn er erst zum lauten Fluchen kam , dann flucht ' s in ihm fort , und dann wacht er auf . « » Das ist ein Mal - « » Allemal , Gestrenge , wie die alte Wanduhr . Erst knickt sie , brummt , schnarrt , dann nach einer Weile schlägt sie . « » Es ist ein vornehmer Herr , Casper ! « » Weck meinen darum nicht auf . « » Des Markgrafen Freund ! « » Und wenn alle Markgrafen in eigener Person kämen . « » Casper , Du bist ein guter und treuer Knecht , aber Du weißt nicht , was es gilt . Ich muß dabei sein , wenn er aufwacht . « » Kann mir wohl denken warum . Ich habe nichts mit der Wäsche zu thun . « » Casper , ich bin Deine Frau , wollte sagen Deines Herrn Frau . Du wirst doch nicht - « » Plaudern werd ' ich nicht , was mich nichts angeht , und wenn er ' s merkt , nun da mag jeder sorgen , den ' s trifft , aber - « » Meinst Du , ob er poltern wird , oder - « » I nu , Gestrenge , das kommt darauf an . Trank er zuletzt süßen , dann geht ' s ; aber Landwein , dann ist ' s schlimmer , besonders von dem dicken aus Stettin . Wenn das Gewürz im Blut zurückschlägt ! Recken und strecken muß er sich allemal ein Bischen , und da muß ihm Keiner in den Wurf kommen , der es nicht versteht . Ich fühl ' s immer gleich am ersten Schlag , ob er nur verdrießlich ist oder ein Gewitter losgeht . Das ist nun meine Sache allein , gestrenge Frau und dabei thun Weiber niemals gut . « Unten schien es zu gewittern , ein Schlag oder Klang war ' s , der die Aufmerksamkeit der Hausfrau in Anspruch nahm . Während Casper wieder unbekümmert an seinen Käse und Rettig ging , hatte sie sich über das Treppengeländer gelehnt . Der Dechant kam herauf , etwas geröthet im Gesichte , schneller als seine Art war . Das Zusammentreffen mit der Edelfrau schien ihm nicht ganz angenehm ; die eine Hand fuhr schnell unter sein Habit . » Ihr habt wieder gespielt ! « Der Geistliche zuckte die Achseln . » Und gewonnen ? « » Kann ich dafür ! « » Die toben nun . « » Laßt die Heiden toben , ich that ' s ja nur aus Gefälligkeit . « » Das ist ' ne Aufführung , das ist ' ne Wirtschaft ! Und ein Geistlicher dazu ! Was soll das Gesinde dazu sagen ! Im Freien , nun ja zum Zeitvertreib , im Lager , da hab ' ich ein Auge zugedrückt . Aber Ihr wißt , daß ich im Schlosse ein für alle Mal - « » In Ihrem Schlosse sollen doch meiner gütigen Wirthin edle Gäste nicht über Langeweile klagen . Die Frau war fort , der Herr kam nicht , verwundert sich da meine Frau von Bredow , daß der Gast sich selbst nach einer Unterhaltung umsah . Billigen , was er that , ei behüte , daß mir das in den Sinn käme , aber er ist den Leidenschaften unterworfen , gleich uns allen . Ich für meine Person hätte auf einen Dank gerechnet , nicht auf einen zornigen Blick , noch weniger - « » Ich darauf , daß mein Beichtvater meine Gäste ausziehen sollte . « » Ausziehen ! Ei , was ein harter Ausdruck aus so freundlichem Munde ! Ist der ein Räuber , der wider Willen annimmt , was man ihm aufdringt ? Ich sehe auch darin - « » Nur nicht wieder einen Fingerzeig . Den lieben Gott laßt mir beim Spiele aus dem Spiel . Das sage ich Euch . Gebt dem Teufel , was des Teufels ; Ihr werdet Euch schon mit ihm vertragen . Aber macht ' nen Knoten in Eure glatte Zunge , wenn Ihr krumm gerade reden wollt . Denen ist ' s schon recht , i ja , auch dem Herrn von Lindenberg , Satan steckt auch in ihm , wenn er sein glatt Kleid verrückt ; wär ' s nur nicht bei uns geschehen . Aber - « Dem Dechanten war es gelungen , seine Hand frei zu machen ; vermutlich war der Beutel , der dem Herrn von Lindenberg vorhin gehört , in seine Tasche sacht geglitten . Er hob seinen Arm . » Frau von Bredow spricht nur meine Gedanken aus . Es nimmt ' s , ich sage nicht der Herr , aber das launische Glück denen oft , was sie nicht zu nutzen verstehen , um es denen zu geben , die einen besseren Gebrauch davon zu machen wissen . Als ich so wider meinen Willen an das böse Brett gerissen ward , dacht ich im Stillen , wie das Altartuch in unserem Chor wohl eine neue Verbrämung verdient . Wenn nun von dem sündigen Golde durch den Zufall , sei es mir erlaubt , so zu sprechen , in dDeine Hände fiele , ei Du könntest schöne Goldfranzen dafür in Magdeburg einlösen , das dachte ich . Ich sage nicht , daß das eine Eingebung war , behüte mich vor jeder Lästerung , aber es ist doch sonderbar , daß immer , wenn ich an die Franzen dachte , der Wurf mir gelang . « » Glückliche Reise , ehrwürdiger Herr . Seht Euch nur in Magdeburg vor , das die Franzen echt sind . Kaufleute und Goldsticker betrügen gern . « » Ich habe seitdem anders gedacht . Das Jungfrauenkloster unserer lieben Frauen bei Spandow ist schlecht ausgestattet . Wenn wir unser liebes Fräulein Agnes dahin brächten , und zu Ehren der heiligen Agnes einen Altar stifteten , würde das ein gefälliger Dienst sein , sowohl für die Heilige , da wir eine gnädige Fürsprecherin im Himmel gewönnen , als auch für die Familie . Die Arnims , die Bardeleben , die Jagows , auch die Kerkows haben da großen Einfluß , die Bredows zur Zeit nur geringen . Und Eure Vettern in Friesack rühren sich für uns , wie Ihr am besten wißt , nicht viel . Ein kleiner , mäßiger Altar nur ; ich habe es so überschlagen , Silberstickerei , ein Crucifix von Messing , die heilige Agnes kann ein Maler conterfein , der bei uns im Schuldthurm sitzt ; der arme Schlucker ist mit wenigem zufrieden