von der Zauberei , und argumentire daß alle Hexen melancholische Personen wären , die sich selbsten nur einbildeten , daß sie einen pactum mit dem Teufel hätten und ihm mehr erbarmens - denn strafwürdig furkämen ? Hierauf gabe ich zur Antwort , daß ich solchen zwar nit gelesen , ( denn sage , wer kann Allens lesen , was die Narren schreiben ? ) aber der Augenschein zeige ja hier und aller Orten , daß es ein ungeheurer Irrthumb sei , die Zauberei zu leugnen , inmassen man alsdann auch leugnen könnte , daß es Mord , Ehebruch und Diebstahl gäb . Aber dieses Argumentum nannte er ein Dilemma4 und nachdeme er viel von dem Teufel gedisputiret , so ich vergessen , da es arg nach Ketzereien roche , sagete er : er wölle mir von einem Zauber in Wittenberg erzählen , so er selbsten gesehen . Als dorten nämblich ein kaiserlicher Haubtmann vor dem Elsterthore eines Morgens sein gutes Roß bestiegen , um sein Fähnlein zu inspiciren , hebet solches alsobald an , so grimmig zu toben bäumet , schüttelt mit dem Kopfe , prustet , rennet und brüllet , nit wie Pferde sonst thun , daß sie wiehern , sondern es ist anzuhören gewest als wenn die Stimm aus einem Menschenhalse käme , so daß männiglich sich verwundert , und Allens das Rößlein für bezaubert gehalten . Es hätte auch alsobald den Haubtmann abgeworfen , ihm mit seinem Huf den Schädel eingeschlagen , daß er da gelegen und gezappelt , und hätte nunmehro ins Weite wöllen . Da hätte ein Reutersmann sein Handröhr auf das verzauberte Roß abgedrucket , daß es gleich auf den Weg zusammengeschossen und verrecket sei . So wäre er auch mit vielen hinzugetreten dieweil der Obrist alsofort Befehlig an den Feldscheerer gegeben , das Roß aufzuschneiden , umb zu sehen , wie es innerlich mit ihm stünde . Wäre aber alles gut gewest , und beide der Feldscherer und Feldmedicus hätten testificiret daß es ein kern gesund Roß sei , wannenhero denn Allens noch weit heftiger über Zauberei geschrieen . Hierzwischen aber hätte er selbsten ( verstehe den jungen Nobilis ) gesehen daß dem Rößlein ein feiner Rauch aus der Nasen gezogen , und als er sich niedergebucket , hätte er alsobald einen Lunten herfürgezogen , fast bei eines Fingers Länge , so noch geschwelet , und ihme ein Bube mit einer Nadel heimlich zur Nasen hineingestoßen . Da wäre denn die Zauberei auf einmal vergeschwunden , und man hätte den Thäter nachgespüret , so auch alsobald gefunden wär , nämblich der Reutknecht von dem Haubtmann selbsten . Denn da sein Herr ihm das Wammes ausgeklopfet , hätte er einen Eid gethan , es ihm zu gedenken , so aber der Profost selbsten gehöret , der von ungefährlich am Stall gestanden und geharnet . Item hätte ein anderer Kriegsknecht bezeuget , daß er gesehn wie der Kerl ein Stück von der Lunten geschnitten , kurz zuvor ehe denn er seinem Herren das Roß vorgeführet . - Also meinte nun der junge Edelmann wär es mit jeglicher Zauberei , so man damit auf den Grund ginge , wie ich ja auch selbsten in Gützkow gesehen , wo der Teufelsspök ein Schuster gewest , und würd es auch hier im Dorf wohl auf gleiche Weiß zugestehn . Vor solche Rede wurde ich aber dem Junker von Stund an , als einem Atheisten abhold , wiewohlen ich in Zukunft leider Gottes gesehen hab , daß er fast recht gehabt , denn wäre der Junker nit gewest , wo wäre dann mein Kind ? Doch will ich Nichtes übereilen ! - Summa : ich ging fast verdrüßlich über diese Wort in der Stuben umbher , und fing der Junker nunmehro an mit meinem Töchterlein über die Zauberei zu disputiren , bald deutsch und bald lateinisch , wie es ihm ins Maul kam , und sollte sie auch ihre Meinung sagen . Aber sie gab ihm zur Antwort , daß sie ein dumm Ding sei und keine Meinung haben könnte , daß sie aber dennoch gläube , der Spök hier im Dorfe ginge nit mit rechten Dingen zu . Hierüber rief mich die Magd abseiten ( weiß nit mehr was sie wollte ) doch als ich wieder in die Stuben kam , war mein Töchterlein so roth , wie ein Schaarlachen und der Junker stunde dicht vor ihr . Fragete sie dannenhero gleich als er abgeritten , ob etwas fürgefallen , so sie aber leugnete und erst nachgehends bekannte : daß er in meinem Abwesen gesaget , daß er nur einen Menschen kenne , so zu zaubern verstünde , und als sie ihn gefraget , wer derselbige Mensch denn wäre , hätte er sie bei der Hand gegriffen und gesaget : » Sie ist es selbsten liebe Jungfer , denn sie hat meinem Herzen etwas angethan , wie ich verspüre ! « Weiteres aber hätte er nichtes gesaget , als daß er sie dabei mit brennenden Augen ins Angesicht geschauet und darüber wäre sie so roth worden . Aber so seind die Mädchens , sie haben immer ihre Heimblichkeiten , wenn man den Rücken drehet , und ist das Sprüchwort wahr : Mätens to höden Un Kücken to möten Sall den Düwel sülfst vertreten ! 5 wie man leider nachgehends noch weiter finden wird . Fußnoten 1 Jesaias 54 , 7. 2 Die Werke des heiligen Augustin . 3 Ein niederländischer Arzt , der lange vor Spee und Thomasius das Unwesen des Zauberglaubens seiner Zeit in der Schrift confutatio opinionum de magorum Daemonomia Frankfurth 1590 angriff , dafür aber von Bodinus und andern , selbst für den ärgsten Hexenmeister verschrieen wurde . Und allerdings ist es auffallend daß derselbe freidenkende Mann früher in einer andern Schrift de praestigiis Daemonum , die Beschwörung der Geister gelehrt , und darin die ganze Hölle mit dem Namen und Zunamen ihrer 572 Teufelsfürsten beschrieben hatte . 4 verfänglicher Schluß . 5 d.i. etwa Mädchen und Küchlein zu hüthen ; soll ( wohl ) den Teufel selbst verdrießen wobei jedoch zu bemerken , daß die hochdeutsche Sprache das malerische Wort » möten « nicht ausdrücken kann , welches eigentlich bedeutet , mit vorgestreckten Armen das Korn oder irgend einen andern lockenden Gegenstand vor dem Andrange der Thiere zu schützen . Capitel 14. Wie der alte Seden plötzlich verschwindet , item der große Gustavus Adolphus nachher Pommern kömmt , und die Schanze zu Peenemünde einnimmt . Mit der Zauberei war es nunmehro eine Zeitlang geruhlig1 so man die Raupen nicht in Anrechnung zeucht , welche mir meinen Obstgarten gar jämmerlich geruiniret , und welches sicherlich ein seltsam Ding war . Denn die Bäumleins blüheten alle so lieblich und holdseelig , daß mein Töchterlein eines Tages sagte , als wir darunter umbher gingen , und die Allmacht des barmherzigen Gottes preiseten , » so uns der Herr weiter gesegnet , ist es diesen Winter bei uns alle Abend heiliger Christ ! « Aber es sollte bald anders kommen . Denn es befanden sich im Umbsehen so viele Raupen ( große und kleine , auch von allerhand Farb und Colör ) auf den Bäumen , daß man sie fast mit Scheffeln messen mochte , und währete nit lange , als meine arme Bäumekens , allesammt wie die Besenreiser aussahen , und das liebe Obst , so angesetzet , abfiel , und kaumb vor meinem Schwein zu gebrauchen war . Will hierbei auf Niemand rathen , doch hatte gleich dabei meine eigenen Gedanken , und habe sie noch . Sonsten stand mein Gerstenkorn , so ich bei 3 Scheffeln in die Worth gestreuet sehr lieblich . Auf dem Felde aber hatte ich nichtes ausgeworfen , angesehen ich die Bosheit des leidigen Satans scheuete . Auch hatte die Gemeine heuer nit viel Seegen an Korn , inmassen sie zumb Theil aus großer Noth keine Wintersaat gestreuet , und die Sommersaat auch nit fort wollte . Sonsten an Fischen fungen sie in allen Dörfern durch die Gnade Gottes viel , insonderheit an Häring , welcher aber schlecht im Preise steht . Auch schlugen sie manchen Saalhund2 und habe ich selbsten um Pfingsten aus einen geschlagen , als ich mit meinem Töchterlein an der Sehe ging . Selbiger lag auf eim Stein dicht am Wasser und schnarchete wie ein Mensch . Zog mir also die Schuhe aus und ging heimblich hinzu , daß er nichts merkete , worauf ich ihme mit einem Stecken so über die Nasen schlug ( denn an der Nasen kann er wenig vertragen ) daß er gleich ins Wasser purzelte . Doch war ihm die Besinnung schon wegk , und mochte ich ihn nunmehro leichtlich ganz zu Tode schlagen . Es war ein feistes Beest , obwohl nit gar groß , und brieten wir doch aus seinem Spek an die 40 Pott Thran , so wir beschlossen zur Winternothdurft aufzuheben . Hierzwischen aber begab es sich , daß dem alten Seden flugs etwas ankam , also daß er das heilige Sacrament begehrete . Ursache konnte er nit angeben , als ich zu ihm kam , hat es aber vielmehr wohl nit thun wöllen , aus Furcht für seiner alten Lisen , so mit ihren Gluderaugen sein immer hüthete , und nicht aus der Stuben ging . Sonsten wollte Zutern sein klein Mädchen , ein Kind bei 12 Jahren am Gartenzaum auf der Straßen , wo sie Kraut vor das Vieh gepflücket , gehört haben , daß Mann und Frau sich etzliche Tage zuvorab , wieder heftig gescholten , und der Kerl ihr fürgeschmissen , daß er nunmehro gewißlich in Erfahrung gebracht , daß sie einen Geist habe , und wölle er alsobald hingehen und es dem Priester verzählen . - Wiewohlen das nur Kinderreden seind , will es doch wohl wahr sein , anerwogen Kinder und Narren , wie man saget , die Wahrheit sprechen . Doch laß ich das in seinen Würden . Summa : es wurde immer schlimmer mit meinem alten Fürsteher , und wenn ich ihne , wie ich den Brauch bei Kranken hab , alle Morgen und Abend heimbsuchte , umb mit ihm zu beten , und oftmalen wohl merkete , daß er etwas annoch auf seim Herzen hatte , kunnte er doch nichtes herfürbringen , angesehen die alte Lise immer auf ihrem Posten stunde . So verblieb es eine Zeitlang , als er eines Tags umb Mittag aus zur mir schickete : ich wölle ihme doch ein klein wenig Silbers von dem neuen Abendmahlkelch abschrapen3 , weilen er den Rath gekriegt daß es besser mit ihm werden würd , wenn er es mit Hühnermist einnähm . Wollte lange Zeit nit daran gehen , maßen ich gleich vermuthete , daß darbei wieder Teufelsspök verborgen , aber er tribulirete so lange , bis ich ihme den Willen that . Und siehe , es half fast von Stund an , so daß er am Abend , als ich kommen war mit ihme zu beten , schon wieder auf der Bank saß , ein Topf zwischen den Beinen , aus welchem er seine Suppen kellete . Wollte aber nit beten ( ein seltsam Ding , da er doch sonsten so gerne gebetet , und oftmals kaum die Zeit ausharren kunnte , ehe ich kam , so daß er wohl an die zween oder dreien Malen geschicket , wenn ich nit gleich zur Hand ware , oder sonst wo mein Wesen hatte ) , sondern sagete , er hätte schon gebetet , und wölle er mir vor meine Mühe den Hahnen zu einer Sonntagssuppen geben , wovon er den Mist eingenommen , maßen es ein großer schöner Hahnen sei , und er nichts Besseres hätte . Und , weilen das Hühnerwerk schon aufgeflogen , trat er auch zu dem Wiem4 so er in der Stuben hinter dem Ofen hatte , und langete den Hahnen herab , so er meiner Magd unter den Arm thät , so gekommen war mich wegkzurufen . Hätte aber den Hahnen umb alles in der Welt nit essen wollen , besondern ließ ihn zur Zucht laufen . Wie ich nun ginge , fragte ihn noch , ob ich am Sonntage dem Herrn vor seine Besserung danken solle , worauf er aber zur Antwort gab , daß ich solches halten könne , wie mir geliebte . Verließ also kopfschüttelnd sein Haus und nahm mir für , ihn alsogleich rufen zu lassen , wenn ich in Erfahrung gezogen , daß seine alte Lise nit heimisch sei ( denn sie hohlete sich oft von dem Amtshaubtmann Flachs , umb solchen aufzuspinnen ) . Aber siehe , was geschah schon nach etzlichen Tagen ? Es kam das Geschreie , der alte Seden wäre wegkgekommen , und Niemand wüßte nit , wo er geblieben . Sein Weib vermeinete , er wäre in den Streckelberg gangen , und kam dahero diese vermaledeyete Hexe auch mit großem Geheul bei mir vorgelaufen , und forschete von meinem Töchterlein , ob sie ihren Kerl nit wo hätte daselbsten laufen gesehen , dieweil sie ja alle Tage in den Berg ginge . Mein Töchterlein sagte nein ; sollte aber , seis Gott geklagt , bald genugsamb von ihme erfahren . Denn als sie eines Morgens , ehe denn die Sonne aufgegangen gewest , von ihrer verbotenen Gräberei zurückkömmt , und in den Wald niedersteiget , höret sie flugs sich zur Seiten einen Grünspecht ( so sicherlich die alte Lise selbsten gewest ) so erbärmlich schreien , daß sie in das Gebüsche tritt , zu sehen , was er hätte . So sitzt nun dieser Specht auf der Erden vor einem Flusch Haaren , so roth und ganz so gewest seind , wie den alten Seden seine , burret aber mit einem Schnabel voll auf , wie er ihrer gewahr wird und verkreucht sich damit in ein Astloch . Wie mein Töchterlein noch stehet und diesen Teufelsspök betrachtet , kömmt der alte Paassch , so das Geschrei auch gehöret , und mit seinem Jungen sich Daukelschächte5 in den Berg gehauen , auch herbei und entsetzet sich gleicher Weiß , wie er die Haare an der Erden sieht . Und vermeinen sie erstlich , daß ihn ein Wulf gefressen , sehen dannenhero sich auch überall umb , aber finden kein einig Knöchelken . Wie sie aber in die Höhe schauen , kommt es ihnen für , als ob oben im Wipfel auch was Rothes glitzerte , und muß der Junge in den Baum steigen , wo er denn alsogleich ein groß Geschrei anhebt , daß es hier auch auf eim Paar Blätter einen guten Flusch rother Haare hätte , so mit den Blättern zusammengeklebet wären , wie mit Pech . Aber es wäre kein Pech nit , sondern sähe roth und weißsprenglich aus , wie Fischküt6 . Item wären die Blätter ringsumbher , wo auch keine Haare säßen , bunt und fleckicht , und voll unsauberen Stankes . Wirft also der Junge auf Geheiß seines Herren den Kletten herab , und judiciren sie beide gleich unten , daß dies den alten Seden sein Haar und Hirn sei , und ihn der Teufel bei lebendigen Leibe gehohlet , weil er nit hat beten wöllen und dem Herrn danken vor seine Besserung . Solches gläubete ich auch selbsten , und stellte es auch am Sonntag so der Gemeine für . Aber man wird weiters unten sehen , daß der Herr noch andere Ursachen gehabt ihn in die Hand des leidigen Satans zu geben , angesehen er sich auf Zureden seines bösen Weibes von seinem Schöpfer losgesagt , umb nur wieder besser zu werden . Vor jetzo aber thät auch diese Teufelshure , als wäre ihr das größete Herzeleid zugefüget , inmassen sie sich die rothen Haare bei ganzen Fluschen ausriße , wie sie von dem Grünspecht durch mein Töchterlein und den alten Paassch hörete und lamentirte , daß sie nunmehro auch eine arme Wittib sei , und wer sie in Zukunft verpflegen würd etc. Hierzwischen feierten wir auch an dieser öden Küsten , so gut wir kunnten und mochten mit der ganzen protestantischen Kirchen den 25sten Tag mensis Junii , wo für nunmehro 100 Jahren die Stände des heil . Römischen Reichs dem großmächtigsten Kaiser Carolo V ihre Confession zu Augsburg fürgeleget , und hielte ich die Predigt über Matth . 10 , 32. von der rechten Bekenntnüß unsers Herrn und Heilandes Jesu Christi , worauf die ganze Gemeine zum Nachtmahl ging . Doch gegen den Abend desselbigen Tages , als ich mit meinem Töchterlein zur Sehe gespatziret war , sahen wir umb den Ruden viele hundert Masten von großen und kleinen Schiffen , höreten auch ein merklich Schießen und judicirten alsbald daß es der großmächtigste König Gustavus Adolphus sein möchte , so nunmehro , wie er versprochen , der armen bedrängeten Christenheit zur Hülf käme . Im währenden Judiciren aber segelte ein Boot von der Oie7 heran , worinnen Käthe Berowsche ihr Sohn saß , so dorten ein Bauer ist und seine alte Mutter heimbsuchen wollte . Selbiger verzählete , daß es würklich der König wär , so diesen Morgen von Rügen mit seiner Flotten den Ruden angelaufen , allwo ein Paar Oier Leut gefischet und gesehen , daß er alsofort mit seinen Officirers an das Land gestiegen , und alldort mit geblössetem Haupt auf seine Knie gefallen sei.8 Ach du gerechter Gott , da hatte ich unwürdiger Knecht am lieben Abend noch eine größere Jubelfreude , denn am lieben Morgen , und kann man leichtlich bei sich selbsten abnehmen daß ich nicht angestanden , mit meim Töchterlein alsofort auch auf meine Kniee zu fallen , und es dem König nachzuthun . Und weiß Gott , ich hab in meinem Leben nicht so brünstig gebetet denn diesen Abend wo der Herr uns ein sollich Wunderzeichen fürstellete , daß der Retter seiner armen Christenheit gerade anlagen mußte an dem Tag , wo sie ihn aller Orten umb seine Gnad und Hülfe für des Pabstes und Teufels Mord und List auf ihren Knien angeschrieen hatte . Konnte auch die Nacht darauf für Freuden nicht schlafen , besondern ging schon zur frühen Morgenzeit nach der Damerow , wo Vithen seinem Jungen etwas angekommen war . Gläubete schon es würd auch Zauberei sein , aber es war dieses Mal keine Zauberei , angesehen der Junge in der Heiden etwas Schlimmes gefressen hatte . Was es für Beeren gewest , kunnte er nit mehr sagen , doch zog das Malum so ihm das Fell ganz roth wie Scharlach gemachet , alsbald fürüber . Als ich darumb bald hernacher den Heimweg antrate , begegnete ich einem Boten von Peenemünde so Ihro Majestät der großmächtigste König Gustavus Adolphus an den Amtshaubtmann gesendet , daß er ihme am 29 Juny um 10 Uhren Morgens sölle drei Wegweiser bei Coserow gestellen , um Sr. Majestät durch die Wälder nach der Swine zu geleiten , allwo die Kaiserlichen sich verschanzet hatten . Item verzählete er , daß Ihro Majestät schon gestern die Schanze zu Peenemünde eingenommen ( was wohl das Schießen bedeutet , so wir den Abend zuvor gehöret ) und hätten die Kaiserlichen gleich Allens verlaufen , und die rechten Buschreuter gespielet . Denn nachdeme sie ihr Lager in Brand gestecket , wären sie zu Busch gesprungen umb zum Theil nacher Wolgast , zum Theil nach der Swine zu entkommen . Alsobald beschloß nun in meiner Freud Sr. Majestät so ich mit des Allmächtigen Gotts Hülf sehen sollte ein Carmen gratulatorium9 zu fabriciren , welches mein Töchterlein ihme überreichen könnte . Thät ihr alsogleich nach meiner Heimbkunft den Fürschlag , und fiele sie für Freuden mir davor umb den Hals , und fing alsdann an in der Stuben umbherzutanzen . Doch als sie sich ein wenig besunnen , meinete sie , daß ihr Kleid nicht gut genug wäre , umb Sr. Majestät darinnen aufzuwarten und möchte ich ihr noch ein blau seidin Kleid mit gelbem Schurzfleck kaufen , da dieses die schwedische Colör sei , und Sr. Majestät ohne Zweifel baß gefallen würd . Wollte aber lange nicht daran , anerwogen ich solch hoffärtig Wesen haßete , aber sie tribulirete so lange mit ihren guten Worten und Küßleins , daß ich alter Narre ja sagete und meinem Ackersknecht befahl , noch heute mit ihr nach Wolgast zu fahren umb sich den Zeug zu kauffen . Achte darumb , daß der gerechte Gott , so den Hoffärtigen widerstehet , und den Demüthigen Gnade giebt , mich von wegen solcher Hoffart mit Recht gestrafet . Denn ich hatte selbsten eine sündliche Freude , als sie mit zwo Weibern , so ihr sollten nähen helfen , zurücke kam , und mir den Zeug fürlegete . Des andern Tages hub auch alsogleich das Nähen mit der Sonnen an , in Währendem ich mein Carmen fabricirete . War aber noch nit weit gelanget , als der junge Edelmann Rüdiger von Nienkerken vorgeritten kam , umb sich zu erkundigen , wie er sagte , ob Se . Majestät in Wahrheit über Coserow marschiren würd . Und als ich ihm hievon gesaget , was ich wußte , item unser Fürhaben mitgetheilet , lobete er solches gar sehr , und instruirete mein Töchterlein ( die ihn heute freundlicher ansah , als mir recht war . ) wie die Schweden das lateinisch sprächen als ratscho pro ratio , üt pro ut , schis , pro scis , etc. damit sie Sr. Majestät nit die Antwort schuldig blieb . Und hätte er sowohl in Wittenberge als in Griepswalde viel mit Schweden conversiret , wöllten dahero , so es ihr geliebte ein klein colloquium anstellen , und wölle er den König machen . Hierauf setzte er sich vor sie auf die Bank , und hatten sie beide alsogleich ihr Geschwätze , was mich fast heftig verdroß , insonderheit als ich sahe , daß sie die Nadel wenig rührete , aber sage , Lieber , was kunnte ich dabei thun ? - Ging also meiner Straßen und ließ sie schwätzen bis gegen den Mittag , wo der Junker endlich sich wieder aufmachete . Doch versprach eram Dienstag , wenn der König käm , sich auch einzustellen , gläube auch , daß die ganze Insel alsdann wohl bei Coserow zusammen laufen würde . Als er fort war , und mir die vena poetica10 wie leicht zu erachten , noch verstopfet war , ließ ich meinen Wagen anspannen und fuhre im ganzen Kapsel umbher , in allen Dörfern das Volk vermahnende , daß sie am Dienstag umb 9 Uhren an dem Hühnenstein vor Coserow wären , und sollten sie alle niederfallen auf ihre Kniee , wenn sie sähen , daß der König käm , und ich auf meine Knie fallen würd , item gleich einstimmen , wenn die Glocken anhüben zu läuten und ich den ambrosianischen Lobgesang intonirete . Solches versprachen sie auch alle zu thun , und nachdeme ich am Sonntag in der Kirchen sie noch einmahl hiezu vermahnt und vor Se . Majestät von ganzem Herzen , zu dem Herrn gebetet , kunten wir kaum den lieben Dienstag vor großen Freuden erharren . Fußnoten 1 ruhig . 2 Seehund . 3 plattdeutsch : für abschaben . 4 plattdeutsch : Gerüst , auf welchem die Hühner sitzen . 5 Dachschächte . 6 Eingeweide der Fische . 7 Rüden und Oie , zwei kleine Inseln zwischen Usedom und Rügen . 8 Man sehe auch das Theatrum Europaeum J. 226 fl . 9 Glückwünschungs-Gedicht . 10 poetische Ader . Capitel 15. Von der Ankunft des großmächtigsten Königs Gustavi Adolphi , und was sonsten dabei fürgefallen . Hierzwischen wurde nun auch mein carmen in metro elegiaco1 fertig , so mein Töchterlein abschriebe , ( inmassen ihre Handschrift trefflicher ist , denn die meine ) und wacker memorirete , umb solches Sr. Majestät aufzusagen . Item wurden die Kleider fertig , so ihr fast lieblich stunden , und ginge sie den Montag zuvor in den Streckelberg unangesehen es eine so große Hitze war , daß die Krähe auf den Zaum jappte2 . Denn sie wollte sich Blumen suchen zu einem Kranz , welchen sie aufzusetzen gedachte , und so auch blau und gelb sein söllten . Kam auch gegen Abend wieder mit einem Schurzfleck voll Blumen aller Art , doch waren ihre Haare ganz naß , und hingen ihr kladdrig3 um die Schultern . ( Ach Gott , ach Gott , so mußte mir armen Mann Alles zu meinen Verderben gereichen ! ) Fragete also wo sie gewest , daß ihre Haare so kladdrig aus sähen , worauf sie zur Antwort gab , daß sie von dem Kölpin4 umb den sie sich Blumen gepflücket zum Strande gangen und sich dorten in der Sehe gebadet , dieweil es eine große Hitze gewest und sie Niemand nit gesehen . Könnte doch Sr. Majestät nun morgen , wie sie kurzweilig fortfuhre , duppelt als eine reine Jungfer unter die Augen treten . Mir gefiel solches gleich nit , und sahe ich ehrbar aus , doch sagete ich Nichtes . Am andern Morgen ware das Volk schon umb 6 Uhren umb den Hühnenstein , Männer , Weiber , Kinder , Summa : was nur gehen kunnte , das hatte sich eingefunden . Auch war mein Töchterlein schon umb 8 Uhren ganz in ihrem Schmuck , nämblich eim blau seidin Kleid , gelbem Schurzfleck , gelbem Tüchlein und einer gelben Haarhauben , so genetzet ware , und worauf sie das Kränzlein von blau und gelben Blümeken setzte . Währete nit lange so war mein Junker auch wieder da , gleichfalls sauber und ausstaffiret , wie eim Edelmann zustehet . Hätte doch Kundschaft einziehen wöllen , wannenher ich mit meinem Töchterlein nach dem Stein ginge , angesehen sein Herr Vater , Hans von Nienkerken item Wittich Appelmann wie die Lepels vom Gnitze auch noch kämen , auch viel Volks überall auf der Landstraßen lief , als wenn es heute allhie Jahrmarkt hätte . Aber ich sahe sogleich , daß es ihme nur umb die Jungfer zu thun war , anerwogen er gleich wieder sein Wesen mit ihr hatte , und alsofort auch das lateinische Geschwätze , anhub . Sie mußte ihm ihr Carmen an Se . Majestät aufsagen , worauf erden König fürstellend , ihr antwortete : dulcissima et venustissima puella , quae mihi in coloribus coeli , ut angelus domini appares , utinam semper mecum esses , nunquam mihi male cederet5 , worauf sie roth wurd , und mir es nicht viel anders erging , doch aus Aerger , wie man leichtlich gießen mag . Bate dahero , Se . Gestrengen , wölle nur zum Stein sich aufmachen , angesehen mein Töchterlein mir noch meinen Chorrock umbhelfen müßte , worauf er aber zur Antwort gab : daß er so lange in der Stuben warten wölle und könnten wir ja zusammen gehen . Summa : ich gesegnete mich abermals für diesem Junker , aber was half es ? da er nit weichen wollte , mußte ich schon ein Auge zuthun und wir gingen bald hernacher zusammen nach dem Stein , wo ich mir allerersten 3 tüchtige Kerls aus dem Haufen griff , daß sie auf den Thum gehen söllten , und anheben mit den Glocken zu läuten , wenn sie sähen , daß ich auf den Stein stiege und mein Schweißtüchlein schwenkete . Solliches versprachen sie auch zu thun , und gingen gleich abe , worauf ich mich mit mein Töchterlein auf den Stein setzte , und sicherlich gläubete , der Junker würd ein Ansehn gebrauchen , aber er thät es nicht , sondern satzte sich mit auf den Stein . Und saßen wir drei ganz allein daselbsten , und alles Volk sahe uns an , doch kam Niemand nit näher , umb meines Töchterleins Putz zu betrachten , auch die jungen Dirnens nicht , wie sie doch sonsten pflegeten , was mir nur nachhero beigefallen ist , als ich erfuhre , wie es schon darzumalen umb uns stund . Gegen 9 Uhren kam auch Hans von Nienkerken und Wittich Appelmann angegaloppiret und rief der alte Nienkerken sogleich seinen Sohn mit fast heftigem Ton ab , und da er nit gleich hörete , sprengete er zu uns an den Stein und schrie , daß alle Welt es hörete : » Kanstu Bub nit hören , wenn dein Vatter dir rufet ! « worauf er ihm verdrüßlich folgete , und sahen wir aus der Fernen , daß er seinen Sohn bedreuete , und vor ihm ausspiee . Wußten noch nit , was solches bedeutete ; sollten es aber leider Gotts bald erfahren . Bald daraufkamen auch von der Damerow her die beiden Lepele vom Gnitze6 und salutirten sich die Edelleut auf einem grünen Brink dicht bei uns , doch ohne uns anzusehen . Und hörte ich , daß die Lepele sagten , so dieser Straßen gezogen waren , daß von Sr. Majestät noch nichtes zu sehen wär , aber die Scheerenflotte umb den Ruden würde schon unruhig und käme bei vielen hundert Schiffen angesegelt . Da solches nun Mehrere gehöret , lief alles Volk sogleich zur Sehe ( so nur ein klein Endiken von dem Stein ist ) und die Edelleute ritten selbsten hinan , ausgenommen Wittich , so von dem Pferde gestiegen war , und da er sahe , daß ich den alten Paassch seinen Jungen in eine hohe Eiche schicketeumb nach dem König überzuschauen , sich alsofort wieder an mein Töchterlein gemacht hatte , die nunmehro ganz allein auf dem Stein saß . » Warumb sie seinen Jägersmann nicht genommen und ob sie sich nit besinnen wölle , und ihn noch nehmen , oder sonsten bei ihme ( dem Amtshaubtmann ) selbsten in Dienst treten , denn thäte sie dieses nicht , so achte er , daß es ihr leid werden müge . « Worauf sie ihm , wie sie sagete , zur Antwort gegeben : daß ihr nur eines leid thät , nämblich daß Se . Gestrengen sich so viel vergebliche Mühe umb sie gäbe . Somit wär sie eiligst aufgestanden , und zu mir an den Baum getreten , wo ich dem Jungen nachsahe , wie er droben kletterte . Unsere alte Ilse aber sagete