hast ja geglaubt , ich sei ein schlechter Meister und wolle dich ausnutzen ; du hast geglaubt , daß der , der mit der Tat sein Wohlwollen dir zeigte , schlecht sei , hingegen gut diejenigen , die dir flattierten , schmeichelten , aber auch nicht ein Augvoll an dir taten . Du hast es gehabt wie alle : du hast den Glauben an die Schlechten gehabt und Unglauben gegen die , welche gut an dir waren ; dann kommst du wie alle Andern : du hättest nicht geglaubt , daß die Menschen so schlecht seien . Das ist eine unvernünftige Rede . Aber ihr könnt Gut von Schlecht nicht unterscheiden und habt eine natürliche Vorliebe für die , welche euch aufweisen , und eine natürliche Abneigung gegen die , welche euch befehlen , euch in Ordnung halten müssen , und darum glaubt ihr zehnmal einem Halunk und nicht einmal einem Meister . Darum gehts den Meisten auch so gut und kommen so weit . Glaubs mir nur : die , welche Knechte und Mägde haben müssen , sind weit mehr gestraft als die , welche Knechte und Mägde sein müssen . « Der Meister war wider seine Gewohnheit ganz heiß geworden . Uli hielt ihm an : Er solle doch recht nicht böse sein ; wenn es jetzt so gehe , wie er gesagt habe , so wolle er sein Lebtag an ihn glauben und nie mehr an Aufweisungen und Halunken . Am andern Morgen früh kam Uli zum Meister und sagte ihm : Er hätts nicht geglaubt , aber punktum sei es gegangen , wie er gesagt ; er glaube , der Meister könne hexen . Sie hatten ihn fast gefressen vor lauter Liebe und Freundschaft , und zwischenein habe hie und da einer ihn wollen zu fürchten machen , und am Ende hätten sie ihm über alles aus tausend Pfund für ihn versprochen . Da habe er nachgegeben und es gschriftlich gefordert . Lange hätten sie mit ihm gezankt , und endlich habe Resli gesagt : He , was das dann mache , sie könnten es ihm wohl geben , und er solle selbst schreiben , wie er es haben wolle . Da habe er gesagt , er verstand sich nichts aufs Gschriftliche , und Resli habe gesagt , so wolle er es machen , und Zwei müßten es im Namen aller unterschreiben . Nun hätten sie ihm dieses Papier mitgegeben , aber ihm gesagt , er solle es bei Leib und Leben einstweilen niemandes zeigen , sonst könnte das Ganze fehlen ; und wie sie es ihm abgelesen , sei alles so gewesen , wie sie es abgeredet . Aber das hätte ihm nicht gefallen , sie hätten zäpflet untereinander , und jeder habe das Maul verzogen , wenn er dareingesehen . Der Meister sagte : » Soll ich dir jetzt ablesen , was darauf steht ; Hör : Daß vergangenen Sonntag es schlecht gegangen mit dem Hurnußen und daß nachher auch übel geschlagen worden , woran des Bodenbauren Knecht schuld ist und sich auch als schuldig dargegeben und bekannt hat und alle hiemit liberiert sind , das bezeugen mit ihren Unterschriften für sie und die Andern : Heuschrecken , den siebenesiebezigst Jänner 1000,8005 . Johnes Fürfuß . Bendicht Hemmlischilt . « Als Uli das Papier ablesen hörte , wurde er bald rot und bald weiß , und als es aus war , hatte er beide Hände geballt und konnte nichts sagen als : » Die Donnere , die Donnere ! « » Und jetzt , Uli , « sagte der Meister , » wem ist nun zu glauben ? « » Schwyg doch , Meister , « sagte Uli ; » aber wart , dem Donners Resli schlag ich auf der Stelle beide Beine abenandere . « » Das käme gut heraus , « sagte der Meister . » Da kämest du vom Regen unter das Dachtrauf . « » Aber was soll ich machen ? « sagte Uli , » so will ich es nicht annehmen . « » Gehe , mach deine Sache , « sagte der Meister , » und laß mir das Papier da , ich will das Ding in der Stille fertig machen ; es ist am besten , man mache nicht Lärm , es könnte für beide Teile nichts Gutes dabei herauskommen , nichts als Futter für die Lämmergeier , welche vom Streit der Bauren leben . « Als der Meister ruhig zMorgen gegessen hatte , trätschete er so wie von ungefähr gegen Reslis Hofstatt , wo dieser Äpfel auflas , rühmte ihm , wie viele und schöne Bäume darin seien und wie sie bsunderbar gerne trügen . Er ging darauf einige Schritte , kehrte sich dann um und sagte : » Jä , jetzt hätte ich es bald vergessen ! Uli geht heute nicht an die Ausmacheten , das Papier hat ihm nicht recht gefallen . « Resli bückte sich nach Äpfeln und sagte : » He nun , er hat dWehli ; aber sehe er nur , was er macht . « » He , ja ja , « sagte der Meister , » aber ich habe dir nur sagen wollen , daß man mir Uli eh rüeyig läßt ; es ist euch nützlicher , ihr machet aus und zahlet und fordert dem Uli keinen Kreuzer , als daß er das Papier dem Landvogt zeigt . « Darauf gab Resli gar keine Antwort , sondern sagte : » Johannes , es wäre mir lieb , wenn du deinen Hag besser vermachtest ; deine Schafe sind immer in meiner Hofstatt , und wenn eins an einem Öpfel erstickt , so will ich nicht schuld sein . « Noch diesen Nachmittag solle die Lücke vermacht werden , sagte Johannes ; es wäre schon lange geschehen , wenn man Zeit gehabt hätte . Er solle es nicht für ungut halten . Nein , sagte Resli , aber es hätte ihn gedünkt , es wäre afe Zeit . Er hätte nichts dawider , sagte Johannes , » aber Resli , du weißt wohl , wenn ds Hurnuße nicht gewesen wäre , so wäre Manches gemacht , was nicht gemacht ist , und manches wäre unterwegs geblieben , was nichts abtragt . « Dem Resli kam der Tubak in den letzen Hals ; er mußte husten , und Johannes ging fürbas ; aber zu Uli sagte von wegen dem Zahlen niemand etwas mehr . Siebentes Kapitel Wie der Meister für den guten Samen einen Ofen heizt So kam er fast ungeschlagen aus großer Gefahr . Freilich reute ihn das vertane Geld , die verderbte Kleidung , und er konnte den Verlust fast nicht verwinden . Indessen erkannte er auch den großen Gewinn , den er gemacht hatte , daß er nämlich für immer begreifen gelernt , wer es gut und wer es bös mit ihm meine ; daß die vom Teufel seien , welche einen auf den breiten Weg locken , und die von Gott , welche an den schmalen Pfad mahnen , der so mühselig ist in seinem Anfang , aber so herrlich in seinem Ausgang . Um dieses Gewinnes willen verschmerzte er den Verlust und verlor den Mut zum Sparen nicht , wurde aber doch erst dann recht froh , als er den Schaden wieder erarbeitet und da fortfahren konnte , wo er bereits gewesen war . Das war ein groß Glück , denn nichts lähmt den Mut mehr und oft für immer , als wenn man wieder von vornen anfangen soll . Rasch will einer einen Berg hinauf , er kugelt wieder hinab ; er setzt noch einmal an , es geht ihm wie das erstemal ; da schleichen die Meisten lendenlahm weiter und lassen den Berg stehn . Laßt Pferde umsonst einen Wagen anziehen , durch einen ungeschickten Fuhrmann schlecht geleitet , und der Wagen kömmt nicht nach , so werden sie allemal schlechter anziehen und zuletzt es gar nicht mehr versuchen wollen . Gerade so ist es beim Hausen insbesonders , beim Besserwerden , sich Bekehren im allgemeinen : fruchtlose Versuche , Rückfälle sind die gefährlichsten Feinde wirklicher Besserungen . Uli erhielt sich indessen oben , wenn schon das eigene Fleisch und Blut und manche Gelegenheit ihn hinunterziehen wollten . Am schwersten waren ihm die Winterabende , in welchen es nichts zu rüsten gab , und die Sonntage im Winter ; da dünkte es ihn , es ziehe ihn jemand an allen Haaren nach irgend einem Versammlungsort der Jugend , wo man anfänglich scheinbar Unschuldiges treibt , um Nüsse spielt , dann um Branntwein , dann um Geld und endlich noch ausfliegt , um seine Lust weiters zu büßen . Es ist in gar vielen Häusern eine Eigentümlichkeit , welcher man bestimmt viele schlechte Diensten zu verdanken hat . In gar vielen Häusern haben nämlich die männlichen Diensten keine helle oder warme Stube , in welcher sie sich aufhalten können . Sie schlafen in den obern Kammern ; diese sind an den meisten Orten finster , an allen kalt , selten eine enthält Stühle , noch weniger Tische : es sind bloße Schlafstätten , in welchen oft im Winter Biecht an das Dackbett sich ansetzt , und wer einen Pfnüsel hat , soll häufig Eiszäpfen unter die Nase kriegen , ungefähr so , wie sie an Strohdächern zu Hunderten hangen . Hier können sie sich im Winter nicht anders aufhalten als im Bette , und schlafen mag man doch nicht immer ; von irgend etwas anders Machen ist nicht die Rede , nicht einmal von einem Knopf Annähen oder einem Fürfuß Platzen für die Notdurft . In der Stube , wo gegessen wird , duldet man sie meistens nicht . Gewöhnlich ist es die Wohnstube der ganzen Haushaltung . Aber die Knechte sollen nicht darin sein . Bis man zum Essen ruft , sollen sie nicht hineinkommen , und wenn abgegessen ist , so sollen sie wieder hinausgehen , sonst macht die Hausfrau saure Augen , und wenn die nichts nützen , so erhält der Meister den Auftrag , dem Knecht zu sagen , sein Tubak stinke gar , oder aber kurzweg : Wenn er gegessen habe , so hätte er nichts mehr in der Stube zu tun , er könne ins Gaden hinauf , dort sei sein Platz . Etwas besser haben es die Mägde ; die können doch in der Stube sein , auch an den Abenden , wo nichts zu rüsten ist , sie müssen spinnen . An Sonntagnachmittagen sieht man sie aber an vielen Orten auch nicht ungern wandern , und schon manche Bäurin hat zu der Magd gesagt : Ob sie denn nie von Hause weg wolle ; das zu Hause Plättern trage doch hell nichts ab , und es gebe nichts aus einem Meitschi , wenn es nicht von Hause wegkomme . Wo sie jung gewesen sei , da hätte man sie des Sonntags nicht einmal an einem neuen Hälsig daheimgehalten , da hätte es müssen öppe usgrüteret sy . Es gibt hie und da auch Dienstenstuben , aber da bemächtigen sich meist die Mägde derselben und entblöden sich nicht , die Knechte unter irgend einem Vorwand wegzujagen : bald wollen sie die Hühneraugen abhauen , bald sich anders anlegen usw. , und die Knechte müssen weichen . Einige Abweichungen von dieser Regel gibt es : wo die Meisterleute nicht aufpassen und die Diensten unter sich leben können , wie sie wollen , und die Knechte gerade die Liebhaber der Mägde sind , da wird die Toilette ziemlich ungeniert gemacht . Nun stelle man sich vor , was aus einem Knechte werden muß , der jahrelang keinen Platz hat , etwas zu schreiben oder zu lesen , der während einem ganzen Jahre vielleicht nicht ein Halbdutzend Male dazukömmt , etwas im Kalender nachzuschlagen , der hinausverwiesen ist in den Stall zum Vieh oder hinauf ins finstere Gaden , der noch dazu ausgelacht wird , wenn er statt in den Stall einmal in die Kinderlehre wollte . Man denke vernünftig nach , ob natürlicherweise diese Menschen nicht mehr oder weniger zum Vieh herabsinken müssen , denn Menschen , welche zu keiner geistigen Speise mehr kommen , müssen auf feinere oder gröbere Weise dem Tiere ähnlich werden . Die , welche noch einen besseren Trieb in sich fühlen und nicht ein völlig Tier werden wollen , die verlassen Stall und Gaden und suchen andere Menschen auf - Gesellschaft . Diese Gesellschaft besteht aber eben aus Leuten zumeist , welche kein Heim haben , keine Triftig daheim , deren Seele zu etwas Höherem weder gespeiset noch getränket wird . Hie und da wird ein harmlos Kurzweil getrieben , an vielen Orten aber reizen schon die Gespräche die gröbste Sinnlichkeit , Getränke tun es nicht weniger , und man mag kaum die Nacht mit ihren dunkeln Schatten erwarten , um die mühsam gezügelte Begierde ganz loszulassen . Es würde ganz bestimmt selbst die , welche den Sonntag nicht als einen Tag des Herrn betrachten , schaudern an Leib und Seele , wenn man ihnen vor ihrem Angesicht all das Treiben an den Wintersonntagnachmittagen und -abenden könnte aufgehen lassen . Und ein bedeutender Teil dieser Unsitte rührt davon her , daß die dienende Klasse in ihren unbeschäftigten Stunden keinen heitern Platz an einem Tische , keinen warmen Platz an oder auf einem warmen Ofen hat . Es klagen so viele sonst vernünftige Leute über die Schlechtigkeit der Dienstboten und wie sie kein Gefühl , keinen Verstand und ich weiß nicht , was alles , nicht hätten , und diese weisen ihren Diensten oft einen Wohnort an , den man nicht einmal unter die hoffärtigen Hundeställe rechnen könnte . Und wenn man ihnen die Bemerkung macht , daß wer wie das Vieh wohne , doch wohl nicht viel besser als das Vieh sein könne , so sagen sie , sie könnten sich nicht anders einrichten , die Hauszinse seien gar teuer und das Holz auch nicht wohlfeil . Ich habe nichts dawider ; aber dann müssen sie auch mit den Diensten vorlieb nehmen , wie sie in Hundsställen und in Löchern werden . Dieser Übelstand ist aber nicht nur auf dem Lande zu Hause , sondern je länger je mehr auch in den Städten . Man mag kein Stübchen mehr für Mägde mieten , ja man baut große Häuser , wo man nur wirkliche und eigentliche Hundeställe für Dienstboten anbringt und keine Stube für Menschen . Aber wie alles sich vergiltet , so auch dieses , und es gibt Häuser , welche gerade wegen dieser Unsitte nie rechte Dienstboten haben können , sie nie haben werden , solange sie das nicht ändern . Man glaube mir nur : einen großen Segen würde manchem Hause eine Stube bringen , wo der arme Knecht , der eine ganze Woche am Wetter gewesen , wenigstens am Sonntag Licht und Wärme , einen freien Platz am Tisch , ein vernünftig Buch , ganz besonders die Bibel und allfällig auch ein Schreibzeug finden würde . Man bedenke : die Diensten sind keine Hunde ; je vornehmer man sich gegen sie beträgt , um so gemeiner werden sie , und wenn unser Betragen gegen sie nicht mönschelet , so mönschelen sie auch nicht mehr . Dieser Übelstand drückte auch Uli . Er wollte die Sonntagnachmittage daheim zubringen , aber was sollte er machen ? Sie wurden ihm so lang wie des Samihanse Taunern im Buchiberg die Vormittage , wenn er dieselben mit dem Frühstück des Morgens um fünf Uhr angehen läßt , durch keinen Imbiß sie unterbricht und erst nachmittags um zwei Uhr mit dem Mittagessen sie schließt ( Wir wollen wetten , das ist der Einzige an der ganzen Bucheggberg-Sonnseite , bei dem es so halb und halb pariserlet ) . Einst traf der Meister Uli an , wie er unter dem Dachtrauf stund und das eine Bein schon außer demselben hatte und doch nicht ganz darüberauskam . Nachdem er ihm lange zu gesehen , fragte er ihn endlich : » Was Schießigs hast du ? Bist du da angeklebt , daß du nicht fortkömmst ? « » Nein , Meister , « sagte Uli , » aber es reißt mich fast voneinander ; etwas reißt mich hinaus und ein Anderes hinein , und Keines mag das Andere recht , und so bin ich übel daran und fast wie gebannt ; ich wollte , es würde mir jemand entweder hinaus , oder hineinhelfen ; es friert mich bereits , daß ich meine Füße gar nicht mehr fühle . « Der Meister lachte und fragte : Was er da Wunderlichs habe , das ihn so hierher und dorther ziehe , er solle ihm es brichten . » He , Meister , ich habe grausam Langeweile und weiß gar nicht , was machen , und da habe ich gedacht , ich wolle etwas zur Gesellschaft . Aber ich weiß nur an ein Ort hin und weiß , wie es da geht ; wie ich davonkomme , das aber weiß ich nicht ; da dachte ich , es sei besser , daheim zu bleiben . Aber was soll ich daheim machen ? Ins Bett mag ich nicht , im Stall ist es mir auch erleidet , und ums Haus herum geht der Bysluft , daß es einem fast die Knöpfe ab den Kleidern nimmt , so daß es mich wegtreibt und gar nicht daheim dulden will . Meister , was soll ich machen ? « » Du bist ein dummer Bursche , « sagte der Meister . » Kannst du nicht in die Stube ? Dort ist der Ofen warm , geht der Bysluft nicht , und wenn du schon einmal ein Kapitel lesen würdest , so würde es dir gar nichts schaden . « » Jä , ich weiß es neue nit mit der Stube , « sagte Uli , » obs denn allen recht ist , wenn ich da drinnen hocke ; ich habe es neue einist welle probiere , und da hat es mich gedünkt , als wäre ich allen Leuten im Wege . « » He , das wäre mir gspässig , « sagte der Meister ; » wenn es mir recht ist , wenn du da drinnen bist , so wirds den Andern wohl auch recht sein müssen . « » Ich weiß ' s neue nit , « sagte Uli . Indessen kam er doch vom Bysluft weg und dem Meister nach in die Stube . Doch gebärdete er sich , wie wenn er zVisite wäre , und wußte nicht recht , wo er absitzen solle . Er setzte sich endlich an die untere Ecke des Tisches , und der Meister gab ihm die Bibel , welche in der obern Ecke des Tisches stand , und zeigte ihm noch andere Bücher auf dem Buffert und sagte ihm : Wenn er in der nicht mehr möge , so soll er da nehmen , was ihm gefalle . Angeklebt an Tisch und Bank begann Uli zu lesen , aber den beiden Jungfrauen war er da im Wege . Die eine wollte da , wo er die Bibel hatte , gerade das Kacheli mit Wasser stellen , welches sie zum Strählen brauchte , und als er weiterrutschte , so wollte die zweite gerade da , wo er jetzt war , ein Mänteli fieggen , und als er noch weiterging , war er mit den Beinen im Wege , und sie klagten , daß sie nicht sauft zueche und dänne könnten . Da begann er doch auch aufzubegehren : Daß er so gut das Recht hätte , da zu sein , als sie ; der Meister habe ihn ja selbst geheißen hineinkommen , und es dunke ihn , dBible sollte so gut Wyti auf dem Tische haben als so ein ausgegriffener Hemlideckel . Die Mägde sagten aber : Was frügen sie dem Meister nach ! Es sei , so lange sie hier seien , nie der Brauch gewesen , daß ihnen die Knechte hier am Tische den Platz verschlügen . Das wär ihnen afangs lustig , wenn der Meister alle Tag einen neuen Brauch einführen wollte und sie die Kühdreckhosen einen ganzen Tag in der Nase haben sollten ; es sei genug , wenn sie ihnen alle Essen verstänkten . Das gehe den Meister nichts an , da habe er nichts zu befehlen . Uli sagte , er dächte , der Meister hätte so viel zu befehlen hier als so eine halbbatzige Jumpfer , und er wisse , daß seine Hosen nicht so stänken als andere , welche sie ganze Nächte in der Nase gehabt . So zankten sie , bis die Meisterfrau aus dem Stübli kam und sagte : Es sei doch afange eine böse Sache . Am Werchtig kämen ihrer Gattig Leut nie dazu , ein Buch zu nehmen . Und wenn man dann am Sonntag eins nehmen wolle und öppe auch tun , wie es dr Brauch sei , so könne man nicht einmal mehr ruhig ein Kapitel lesen . Öppige sei das nicht so gewesen , und die Diensten hätten auch öppe gwüßt , was dr Bruch syg . » Vrzieht , Meisterfrau , « sagte Uli , der den Trumpf wohl begriff . » Der Meister hat mich hinein geheißen , aus mir selber wäre ich nicht gekommen , aber ich kann wieder gehen . « » Bleib nur , Uli , « sagte die Frau , als sie vom Meister hörte , » ich habe dich ja nicht geheißen , zu gehen ; aber des Zanks mag ich nicht , und ihr könntet einander ruhig lassen . Wenn ich öppis lesen will , so mag ich das Branzen nebenzuche nit . « Das Zanken hörte auf ; aber es war Uli doch nicht recht wohl da , er war froh , als die Fütterungszeit kam und er hinaus konnte . Dort traf ihn der Meister , der von einem Gange heimkam , und fragte ihn : Wie ihm jetzt der Nachmittag fürgegangen ? » Ho so , « sagte Uli , das Lese in der Bibel sei ihm neue no kurzweilig gewesen , er hätte es nicht geglaubt ; aber sonst wisse er neue nicht , es hätte ihm doch geschienen , er sollte nicht drinnen sein . Ob ihn jemand hätte hinausgehen heißen , fragte der Meister . Oh , apartig nicht , sagte Uli , aber er hätte es sonst merken können . Weiter fragte der Meister nicht , aber als er hineinkam , fragte ihn seine Frau : Sie möchte ihn doch fragen , aber er solle nicht höhn werden , was ihm denn eigentlich in Sinn komme , dKnechte heißen in die Stube zu kommen am Sonntagnachmittag ? Das sei bei ihnen nie dr Bruch gewesen . Wo man dann eigentlich sein solle , wenn auf jedem Bank so ein Gstabi eim am Weg sei ; und wenn e Mönsch zu eim chömm , wo man dann mit ihm ein vertrautes Wort reden wolle , wenn die Stube voll Diensten sei ? Im Sommer könne man in die Hinterstube , aber im Winter sei es dort zu kalt und man müsse mit den Leuten in die Vorderstube , wo es auch viel freiner sei von wegen der Sonne , die den ganzen Tag da hineinscheine . Der Meister hatte ernsthaft der Frau zugehört und sagte dann : » Jetzt , Frau , höre mich auch und werde auch nicht höhn ; aber ich will dir sagen , was ich gemacht habe , und während ich da so herumgelaufen bin , habe ich darüber nachgedacht , und die Sache ist mir viel wichtiger vorgekommen , als ich afangs gsinnet . « Nun erzählte er , daß er so ganz zufällig den Uli getroffen und wie und dann habe hineinkommen heißen aus Erbarmen ; denn es sei doch wirklich grüselich , wenn so ein Knechtlein nirgends sein solle und wenn er in schlechte Gesellschaft müsse , um nur irgendwo zu sein . Dem habe er so nachgedacht , und die Sache sei ihm je länger je ernsthafter vorgekommen . So könne ja kein Knecht ein Buch nehmen , keiner o öppige einist einen Buchstaben machen ; alles , was er in der Schule erlernt habe , vergesse er , und wenn er einmal etwas anfangen wolle oder Kinder bekomme , so könne er kaum das Druckte mehr , vrschwyge de das Gschriebne . So komme ja gar nichts mehr Vernünftiges in seinen Kopf und er vergesse ganz und gar , daß er ein Mensch sei . Und noch eins habe er gedacht . Fast allemal , wenn eins fortgehe , so komme es mit einem großen Kopfheim ; sie machen sich die Köpfe gegenseitig so groß wie Ofenhäuser . » Eine jede Frau hat die Freude , auszufrägeln , aufzuweisen , und die boshaftesten können sich dabei so verflümeret gutmeinend stellen , daß es mich schon manchmal gejuckt hat , so einem Giftlöffel eins zum Gring zu geben , daß es dünke , es fahre zring um dWelt . Da habe ich gedacht : wenn man sie ungezwungen und ungeheißen daheim behalten könnte , so wäre man ds Halb bas , und wenn sie bei dem Daheimbleiben vernünftiger würden und öppe o sinne lernte , was ihr eigener Nutze wäre , so wär man nicht nur ds Halb bas , sondern noch einmal so wohl . « » Eh Johannes , « sagte die Frau , » schnup doch , du kömmst ja ganz vom Atem und machst es akkurat wie üse Predikant , der redet auch , es ist am Halbe zviel . Es ist mir zuwider , einen neuen Brauch anzufangen , und wo sollen wir sein ? Sollen wir keinen rühigen Ecken haben , wo wir für uns sein sollen , wo uns nicht immer so ein Gstabi am Weg ist , wenn man auch etwa ein vertraulich Wort miteinander reden möchte , wozu man durch die ganze Woche keine Zeit hat ? « Der Johannes meinte , sie hätten immer das Stübli , oder man könnte am Sonntag die Hinterstube heizen , es trage es eim wohl ab , wenn man die Diensten nicht in der Wohnstube haben möchte . » Was würden die Leute sagen , wenn wir so etwas Neues anfangen wollten ? « sagte die Frau . » Du Tröpfli , « sagte Johannes , » merkst du noch nicht , daß die Leute immer zu reden haben , du magst alte oder neue Sachen machen ? Den Leuten entrinnt man nie , man mag es machen , wie man will ; aber man kömmt am ungebissensten davon , wenn man es mit ihnen gerade macht wie mit den Hunden , ihre Ehre vorbehalten : diese beißen die am meisten , welche sich am meisten vor ihnen fürchten . « » Aber Johannes , denkest du denn nicht an deine Kinder ? Die werden immer bei den Diensten sein wollen , und du weißt ja , was sie da für wüste Sachen lernen . Es ist gerade , verzeih mir Gott meine Sünde , als ob der Tüfel sie stüpfe , ihnen das Wüsteste zu sagen . « » Aber Frau , « sagte Johannes , » du verhütest es nicht , daß die Kinder nicht bei ihnen sind , und finden dieselben die Diensten nicht in der Stube , so laufen sie zu ihnen in den Stall , du kannst nicht immer daran denken . Gerade jetzt habe ich zwei bei Uli gefunden . Nun werden sie ihnen in der Stube unter unsern Ohren gewiß weniger wüste Sachen brichten als draußen im Stall . Und wenn sie etwas Vernünftiges vernehmen in der Stube , so ist es mir weit lieber , daß die Kinder bei ihnen seien , als draußen auf der Gasse , woher sie dir ja gewöhnlich heimkommen , als hätte man sie durch Dornhäge gezogen und in Güllen herumgetröhlt . « Die Frau hatte noch manches einzuwenden , doch gab sie am Ende nach , und Johannes führte den neuen Brauch ein , daß seine Knechte an Sonntagen und nach dem Feierabend Triftig hatten an einem warmen , hellen Orte . Herd warf es freilich allemal auf , wenn an Abenden hie und da zwei Lichter notwendig wurden . Es wollte der Bäurin fast vor den Atem kommen , wenn der Johannes die zweite Lampe anzündete , damit ein Knecht im Kalender lesen könnte . Müssen doch an vielen Orten Knechte ohne Licht ins Bett , und jetzt gab ihnen Johannes eins nur so für die Gwundernase ! Es düechte sie , das hätte afe sy Seel ke Gattig . Indessen sie gewöhnte sich daran , und es ging je länger je besser und zu ihrer eigentlichen Freude . Die Diensten gewöhnten sich daran , daß immer ein Platz für sie da sei und am Sonntag bald in der Wohnstube , bald in der Hinterstube , wie es sich schickte . Dort konnte einer auf dem Ofen liegen oder am Tische sitzen , wie er wollte , aber meistens geschah das Letztere . Eins las , eins machte Buchstaben , zwei Andere versuchten etwas zu rechnen ; die Einen halfen den Andern , und wenn niemand mehr aus und an wußte , so ward man rätig , den Meister zu fragen , und wenn der zum Beispiel ein vorkommend Wort nicht zu erklären wußte , so mußte ein Kind am folgenden Tag den Schulmeister fragen , der aber auch nicht einen Kopf hatte , in dem alles stand , was Andere nicht wußten . An allem diesem nahmen die Kinder teil und hatten eine unbändige Freude , wenn sie die großen Knechte etwas brichten konnten und wenn es hieß : » Dr Johannesli ist afe e Gschickte , dr Schumeister cha ne wäger bald nüt meh lehre . « Aber sie hatten nicht nur Freude . Selbst die Bäurin mußte sagen : Es düech se , sie hätten noch keinen Winter so viel gelernt als in diesem , und man hätte so wenig mit