fliehendes Leben noch fest . - Doch , sorge nicht , Geliebte , ängstige Dich nicht ! es wird besser werden , oder ich kehre , so bald ich meinen Vater ein einzigmal umarmt habe , unaufhaltsam zu Dir zurück . Ich bin so stolz geworden , und so demüthig , daß ich mich selbst nicht mehr kenne . Stolz - denn ich habe Barton , ihn , der mir sonst alles war , noch nicht gewürdigt , mit ihm von Dir zu sprechen , so sicher er es wol erwartet hatte , und mit Recht erwarten konnte . Ach , er weiß es doch nicht , was Du bist , und kann es nicht fassen - auch konnte ich es ihm nicht beschreiben . Ich möchte eine eigne Sprache haben , um von Dir sprechen zu können . So kränke ich meinen Freund , dem ich so vieles verdanke , vorsätzlich , durch die eigensinnigste Verschlossenheit , und gleichwol ist er mir unentbehrlich . Ich bitte ihn , bei mir zu bleiben , wenn er weggehen will ; er darf mich keinen Augenblick verlassen . Es ist so unaussprechlich schauerlich , sich Allein zu fühlen - ich habe das nie gefühlt , und müßte ich es nur auch jetzt nicht ! - Ich war ein Uebermüthiger , der der ganzen Welt trotzen zu können glaubte - jetzt scheint mir jeder Dank zu verdienen , der mich erträgt . Heute hab ' ich Dein Bild zum erstenmal angesehen , das war ein seliger Augenblick ! - bis jetzt erlaubte ich mir es nicht , weil ich mich selbst fürchtete . Die Thränen stürzen mir aus den Augen , aber es waren wohlthätige , süße Thränen . Es ist so wenig von Dir , und mir doch so unendlich viel . Hier , im Wirthshaus ist ein kleines Mädchen , das Deinen Namen führt . Wie ich erschrack , als ich den Namen nennen hörte , wie rasch ich mich wandte ! - Das Kind darf mich nun nicht mehr verlassen , es ist ein liebliches Geschöpf , und hat einen Zug um den Mund , der ihm viel Aehnlichkeit mit Dir giebt . Ich betrachte es mit süßem Schmerz , und träume mir viel . - Zuweilen wünsche ich - verzeih ' ! - es möchte Dein Kind sein , dessen Dasein vielleicht ein Geheimniß bleiben sollte , und das nun , durch Zufälle hieher gekommen sei . Dann wird mir das Mädchen so heilig , ich drücke sie mit Wollust an mein Herz , und ihre Augen schienen mir verklärter als vorher . Mich dünkt , es würde mir um vieles besser sein , wenn ich das Kind immer um mich haben könnte . Ich habe schon diese Idee gegen die Aeltern geäussert , und ernsthaft mit ihnen darüber gesprochen , aber sie wollen nichts davon hören . Barton treibt schon wieder zum Aufbruch . Er schildert mir meinen harrenden Vater , wie er meiner Ankunft mit unruhiger Sehnsucht entgegen sieht . Amanda , ach ! wie kann ich weiter , da mich alles , alles zurückzieht ? - Diese Qualen kennst Du nicht . - Was macht Wilhelm ? Denkt er noch an mich ? Was gäb ' ich darum , ihn bei mir zu haben ! Er hieng mit so treuer , warmer Liebe an Dir , und ich war oft eifersüchtig , wenn - o Bilder , o Erinnerung ! - Ganz Dein . Zwanzigster Brief Amanda an Eduard Umwehe mich , Abendluft , und hauche mir Frieden in die beklommene Brust ! - Ich tauche mich in dem kühlenden Luftstrom , ich athme die Düfte der Nacht , aber sie mildern die Sehnsucht des Herzens nicht . In der Dämmerung , im Lüftchen , im Blumenduft , überall wohnen Erinnerungen ; überall bist Du und bist Du nicht ! - O ! daß ich Dich verlieren mußte ! - Es ist unbegreiflich , wie Deine Gegenwart in mein ganzes Leben verschlungen war . Alles war durch sie geweiht , und allmächtig hauchte sie Leben und Begeisterung , auch in die gleichgültigsten Dinge . Jetzt tritt mir allenthalben eine unerträgliche Leerheit entgegen . Gefühllos seh ' ich , wie sich die Menschen um mich her bewegen ; gefühllos thue ich , was Andre von mir begehren . Mein Herz ist tod ; mit Dir hat mich mein beßres Selbst verlassen . Und dennoch regt sich in mir ein unendliches Verlangen nach Glück . Ach ! ich hatte es gefunden , und ich ließ es entfliehen , das einzige Glück , welches für mich blühte ! - Eduard ! ich theile Deine jugendlichen Hoffnungen nicht , mir ahnet eine lange , grauenvolle Trennung . Jetzt erst denke ich : ach ! warum reisete ich nicht mit ihm ? O ! kalte , unerträgliche Rücksichten , die mich noch jetzt zurückhalten ! - Der Mensch denkt sich oft in seinem Kreise so wichtig , so unentbehrlich , und kaum hat er ihn verlassen , so sieht er , wie ein andrer ihn leicht , und oft weit besser ausfüllt . Aber da , wo ein höheres Leben für ihn blüht , wo sein heiligstes Dasein , an dem göttlichen Hauch harmonischer Freiheit und Liebe , sich mit den schönsten Blüthen entfaltet , die ganze Welt sich seinem Aug ' verklärt , und er gut sein muß , weil ihm alles andre gut erscheint , da ist er an seiner Stelle , da muß er sich , aller Hindernisse trotzend , ewig zu erhalten suchen . Ich fuhr gestern spazieren , und wählte den Weg , den Du gereist bist . Es war mir , als käme ich Dir näher ; ja , einige Augenblicke lang , dauerte die süße Täuschung , als eilte ich in Deine Arme . Es ward Abend ; die Natur lag in ruhigen Träumen , still und frei vor mir ; das graue Bergschloß , das Deinem Gärtchen gegenüber liegt , lächelte , wehmüthig zärtlich in die Abendglut ; die Fenster , der ländlichen , umher zerstreuten Hütten , glänzten Ruhe und Einfalt . Komm , o ! komm , rief ich laut , die Sehnsucht tödtet Deine Amanda ! - Ach ! da zerrann die Täuschung , und als ich wieder zurück fuhr , lebten alle Qualen der Trennung , tausendfach in mir auf . Und so war es denn ein Traum , das ganze wunderbare Glück unsrer Liebe ? Eine Erscheinung , die flüchtig wie alles andere , und bedeutungslos verschwindet ? - Ist es möglich , frage ich mich oft mit kindischem Zweifel , daß man so glücklich sein kann , wie wir es waren ? so glücklich im Genuß der Gegenwart ? - Vergangenheit umzieht ihre Freuden mit ätherischem Duft , und reizt die Sehnsucht , nach unmöglichen Genüssen ; die Zukunft kleidet ihre Bilder , in das blendende Gewand der Täuschung ; die Phantasie zieht sich aus einer fremden Welt Paradiese herab , die nie sein werden - aber Gegenwart , Wahrheit ; wenn auch diese so beseligen , so begeistern , dann , ja ! dann ist es nur das Werk der Liebe , der Allesvermögenden ! Aber wie selten finden sich so gleichgestimmte Seelen , wie selten vereinigt sie ein so wunderbares Band ! - Ach ! unendlich wie mein Glück , soll auch mein Schmerz es sein ! Wie gern gäb ' ich noch eine solche Zeit , wie diese war , zu leben , mein Dasein , mit allen übrigen Genüssen , dafür hin , und stürbe , mit dem letzten Kuß beglückt , in Deinen Armen ! Ich habe Deinen Brief ! Wie süß hab ' ich geweint , als ich ihn las ! - O ! Allgewalt der Liebe , auch getrennt umwindest du deine Lieblinge , mit ätherischen Blüthen des Entzückens ! - Ich hatte mich sehr auf diesen Tag gefreut , und wohl mir , daß die Hoffnung mich nicht betrog ! Sie täuschet also doch nicht immer , diese Trösterin der Getrennten ? - Wie wächst mein Vertrauen nach dieser Ueberzeugung ! Beruhige Dich , Eduard , wir werden uns wiedersehen . Bekämpfe diese Heftigkeit , die Deine Gesundheit untergräbt ; ach ! sie ängstet mich unaussprechlich ! - Hoffe Alles - die Zeit - unser Wille - ich bin ruhig - Nein , Eduard ! ich kann Dir nicht heucheln , der schöne Bund der Aufrichtigkeit , den wir zusammen schlossen , soll unter keinem Vorwand , auch den gutmüthigsten nicht von mir verletzt werden . Ich bin nicht ruhig . - Hoffnung und Zweifel belebt und tödtet mich ; mein Geist entflammt in Sehnsucht , und das Leben ist Qual ohne Dich . -Wie wird sich das geheimnißvolle Benehmen Deines Vaters lösen ? - Welche Pläne verschließt sein Busen , die Dich vielleicht weit , weit von mir entfernen ? und soll ich Dich vielleicht nie wiedersehn ? Wilhelm , der einst unser kleine Vertraute war , spricht oft von Dir . Er kann die Stunden , die er bei Dir zugebracht hat , nicht genug rühmen , und wird oft ungeduldig , wenn ich ihm auf seine Fragen , mit trübem Blick versichre , daß Du noch immer nicht wiederkömmst . Der Knabe ist jetzt mein einziger Trost . In den ersten Tagen der Trennung , wo ich für Alles tod war , war auch er mir gleichgültig geworden , aber sein süßes Geschwätz , und der Gegenstand desselben , hat mir bald Theilnahme abzulocken gewußt . Seine Bildung beschäftigt mich nun wieder , das heißt , ich pflege die zarten Blumen , die die Natur in das kindliche Herz pflanzte , Wohlwollen , Frohsinn , Wahrheitsliebe . Du weißt , wie bittre Vorwürfe ich mir einst machte , daß ich ihm Verstellung abgedrungen hatte ; ich suche es jetzt durch die einfachsten Erklärungen wieder gut zu machen , und jede Spur einer Handlung zu vertilgen , die nur die Liebe entschuldigen konnte . Täglich , stündlich ruht mein Blick auf den Lauben , den Schattengängen , wo wir beide oft , in lieblicher Einsamkeit , die schönsten Stunden unsers Lebens verträumten . Eduard ! diese leise flüsternde Bäume , die stumm wankenden Schatten , haben eine Sprache , die bis in das Innerste meiner Seele dringt ! Dann fühle ich mich oft so frei , so hoffnungsvoll , wie in den Tagen der Liebe . Aber bald fehlt mir der Einzige , und es stürmt von neuem in der Seele . Und keiner , keiner , der mein Leiden mit empfinden könnte ! - Nur Du leidest in der Ferne mit mir . Einsam trauren wir beide , und der süße Trost der Mittheilung ist uns versagt . Gute Nacht ! ganz Dein . Ein und zwanzigster Brief Eduard an Amanda Nun bin ich hier in dem geräuschvollen * * , und statt meines Vaters , dessen Anblick allein einen Strahl von Freude in mein Herz zu senken vermogt hätte , fand ich bloß einen Brief von ihm . Er ist nach England gereis ' t , weil , wie er schreibt , Geschäfte , auf denen das Wohl von vielen beruht , dort seine Gegenwart verlangen . Nur den dringendsten Beweggründen , fährt er fort , vermöchte er seinen liebsten Wunsch , noch länger aufzuopfern . Er bittet mich um meine Nachsicht , und rechnet ganz gewiß darauf , in wenig Wochen wieder hier zu sein . - Und so muß ich nun ausharren , denn erwartete ich die Ankunft meines Vaters nicht : ich kehrte ohne Verzug zu Dir zurück . Ach , Amanda ! ich bin so fern davon , ruhiger zu sein , daß meine Sehnsucht nach Dir , vielmehr mit jedem Tage zunimmt ! - Täglich bin ich in Gesellschaft ; die Menschen sind gefällig , zuvorkommend gegen mich ; manches weibliche Auge glänzt mir entgegen , aber ich bin für alles kalt und fühllos . Wie anders , ach ! wie ganz anders war es , wenn ich bei Dir war , welche Stunden der Weihe , der Begeisterung , der Liebe ! Du weißt es nicht , was Du bist , Amanda , und dies macht Dich eben so schön ! wie eine Heilige verehre , bet ' ich Dich an ! Du glaubst nicht , wie schwer es mir oft wird , in Gesellschaft die nöthige Fassung zu behalten . Meine Seele ist jetzt in einem so hohen Grad zur Wehmuth gestimmt , daß alles , was nur den leisesten Bezug auf Dich hat - und wo fände ich ihn nicht ? - mich unbeschreiblich erschüttert . Gestern sagte einer bei Tische die Stelle aus Carlos : » Gehört die süße Harmonie , die in Dem Saitenspiele schlummert , seinem Käufer , Der es mit taubem Ohr bewacht ? Er hat Das Recht erkauft , in Trümmern es zu schlagen , Doch nicht die Kunst , den Silberton zu rufen , Und in des Liedes Wonne zu zerschmelzen . Die Wahrheit ist vorhanden für den Weisen , Die Schönheit für ein fühlend Herz . Sie beide gehören für einander . « Dies ergrif mich so gewaltig , daß ich hinaus gehen mußte . So geht es mir sehr oft , und das Schrecklichste dabei ist , daß ich dann noch Vorwände suchen muß , wenn ich nicht für einen Thoren gehalten sein will . Dann bringe ich bald der Wirthin Blumen , oder werfe irgend eine sonderbare Frage auf , und muß so noch an kalte Gesellschaftsregeln denken , indeß meine ganze Seele von Sehnsucht nach Dir glüht ! Endlich Nachricht von Dir - das ist der erste , lichte Moment meines ganzen , fern von Dir verträumten Daseins . Jeder Buchstabe von Dir , ist mir heilig . Was für ein Himmel liegt in Deiner Liebe , einzige , geliebte Amanda ! Ich bin eifersüchtig auf Dich , denn gewiß hat Dir mein Brief nicht das Entzücken gewährt , wie mir der Deinige . In Allem möchtest Du mich übertreffen , nur hierinnen solltest Du mich nicht zurücklassen . Und dennoch möchte ich um Alles in der Welt nicht , daß Dein Brief mir weniger Freude gemacht hätte . So ist kein Zustand im Leben so voll Widersprüche , wie der Zustand der Liebe ; die Zeit der Liebe ist nicht die Zeit der Ruhe . Wie ist es doch möglich , daß wir bei diesen Widersprüchen , bei dieser Unruhe so glücklich sind ? Ich beneide Dich , Amanda , obwol ich Dir es gönne , obwol ich alle Freuden meines Daseins hingeben möchte , um Dich froher zu wissen . Ich beneide Dich , daß Du dort lebst , wo jede Aussicht , jedes Plätzchen neue Schwärmereien weckt , und süße Qualen nährt . Was gäbe ich darum , wenn ich ungestört meinen Träumen nachhängen könnte ! Du weißt , wie wenig ich über die Aeusserungen meiner herrschenden Stimmung zu gebieten vermag , und hier , im Kreise meiner Verwandten und ältern Bekannten , muß ich es fast immer . Mein einziger Trost ist oft , von Dir zu sprechen , so wie sich nur die entfernteste Gelegenheit darbietet . Alle kleine , von Dir gesammelten Züge , alles Freie , Hohe , Interessante , Schöne , wird erzählt , und da ich nicht von einer Einzigen sprechen will , so vertheile ich Deine Vorzüge auf alle die Weiber , die in Deinem Kreise leben , und es ist für alle genug , reicht vollkommen hin , um hier die weibliche Eitelkeit durch eure Unerreichbarkeit zu kränken . Sieh ' , meine Amanda so reich bist Du ; und daß man Dir das erst sagen muß , das macht Dich eben noch reicher . Aufrichtigkeit - wie hat mich das Wort ergriffen , als ich es in Deinem Briefe fand ! Jener Stunde , worinnen Du Dich so schön hierüber erklärtest , gedenke ich noch oft und gern . Ich lag auf den Knieen vor Dir , das Herz voll Qualen der Eifersucht . Es war spät ; ich hatte Dich aus einem glänzenden Zirkel nach Hause begleitet , wo Dein Reiz , Deine Anmuth , alle Weiber überstrahlt , alle Männer geblendet hatte . Ich sah die trunknen Blicke nach Dir hintaumeln , und wie selbst kältere Herzen , Dir unwiderstehlich zuflogen , als Du mit seelenvollem Ausdruck , zu den schmelzenden Tönen einer Laute sangst . Ich stand in einiger Entfernung , und athmete kaum . Meine Blicke irrten auf Deiner Gestalt umher , und liebten alles , bis auf die schimmernden Ketten , die Deine Arme umschlossen . Diese schöngebildete Hand ist mein , sagte ich mir freudig , dieser Arm , dieser Nacken , diese Wange , dieser Mund - und mir schwindelte vor Entzücken . - Aber es wird , es kann nicht mein bleiben , dachte ich weiter . Die Ansprüche , die ein jeder an sie thut , ihr jugendlicher Sinn , ihr vorzüglicher Geist - genug , ich sagte Dir alles , was mich quälte , als wir allein waren , und Deine süßesten Versicherungen konnten mich nicht beruhigen . Da sprachst Du : Vertrauen ist das einzige Band , was die liebenden Seelen in fester , zarter Gemeinschaft erhält . Aller Zauber der Phantasie , vermag nichts über die Herzen , wenn nicht Wahrheit des Gefühls zum Grunde liegt . Sollte ich je anders für Dich fühlen , als jetzt - was mir unmöglich scheint , so sage ich Dir es frei , und auch Dich halte keine vermeinte Zartheit ab , die immer Falschheit bleibt , mir alles , was in Dir vorgeht , zu vertrauen . - Da gelobten wir einander stete Aufrichtigkeit , und es tröstete und labte mich dieser Bund über Alles . Barton hat mir geschrieben , doch was ich so sehnlich von seinem Briefe wünschte und erwartete , fand ich nicht . Er schreibt wenig und nichts Befriedigendes von Dir ; aber wie sollte er anders ? - Habe ich nicht durch meine hartnäckige Verschlossenheit seinen Unwillen verdient ? Ist es nicht an mir , alles wieder gut zu machen ? - Dagegen schreibt er mir von Nanetten , mit einer feurigen Beredsamkeit , die mir an ihm fremd ist , und mir eine sonderbare Art von Freude macht . - » Bei ihr , « schreibt er , » finde ich noch die liebe alte Fröhlichkeit , die , von uns entflohen , einst der Genius besserer Zeiten war , die nicht erst lange fragt , warum ? und ob mit Grund ? und ob alles in der ganzen Welt dazu paßt ? nein , frei aus dem Herzen herausquillt , und gleich einer erwärmenden Frühlingssonne , auch in Andern , manche ferne , erstorbene Freude weckt . Nanette plagt sich nicht mit Vorbereitungen zum Leben - sie lebt . Von andern wenig fodern , auf sich selbst rechnen , übrigens so wenig als möglich , an sich denken , und lustig fortleben , dies ist ihre Weisheit , die einzigen Regeln , die sie befolgt . « Ich danke Dir , Amanda , daß Du mir nichts von Albret schreibst , denn ich verheele Dirs nicht , daß sein Name mir stets , wie ein glühendes Eisen , durchs Herz fährt . Ich verehre Deine Handlungsart , aber das vermindert meine Schmerzen nicht , ich werde kalt und warm , und taumle zwischen Wehmuth und Ungestüm , wenn ich an ihn denke . - O ! warum warst Du so fremd , mit Deinem eignen Herzen ? Und , warum mußten wir uns jetzt erst finden ? - In wenig Tagen reise ich aufs Land , an den Ort , wo ich die ersten , goldnen Tage des Lebens zubrachte . Dort werde ich auch meinen Vater einen Tag früher sehen können , der mit seiner Ankunft mir schon viel zu lang zögert . Aber ich habe nicht den Muth , mich darauf zu freuen , vielmehr fürchte ich , irgend ein Hinderniß könnte mir dort die Nachrichten von Dir , länger vorenthalten , und diese sind jetzt das höchste Ziel meiner Sehnsucht . Schreibe mir Verbannten bald . Gute Nacht , mein Leben , meine Seligkeit , mein Alles - ach ! warum antwortest Du nicht ? - Zwei und zwanzigster Brief Amanda an Eduard Eduard ! ich bin allein - die romantische Stille der Nacht , ruht auf allen Wesen . Vor gerißnen , dunklen Wolken , steht einsam der Stern der Liebe ; Ein geistiger Schein verklärt das ferne Gebirge , indeß tiefe ambrosische Nacht , das vor mir liegende Thal bedeckt . Ach ! aus allen Wesen ist die Bedeutung gewichen ; ein kaltes Licht strömt von dem Stern hernieder , und in den leisen , durch die Nacht verstreuten Tönen , liegt Trauer und Wehmuth . - Eduard , ist dies die Welt , die einst so schön , so heiter war ? - Welch ein allmächtiger Zauber lag in Deiner Nähe ! - Du wußtest es nicht , nein ! Du wußtest nicht , wie Du geliebt wurdest . - Die Luft hauchte mir Deinen Athem , in dem Geflüster der Blätter hörte ich Deine Stimme , der Mond beleuchtete nur Deinen Pfad . Ich wußte es , eine solche Nacht ließ Dich nicht ruhen . Du eiltest hinaus , in die Natur , vor Deinen Augen entfaltete sich eine neue Welt , himmlische Freiheit und Liebe empfing Dich , und die heiligen Stimmen der Nacht , riefen wunderbare Bilder vor Dein Gemüth . Dann , ach ! das wußte ich auch - zog Dich ein allmächtiger Zug zu mir hin . Du wandeltest durch blühende Haine , blühender und lebendiger als sie , und eine stärkere Sehnsucht entflammte Dich . Wenn ich dann hinaus sah , in die nächtliche , liebeathmende Welt , und hinter jedem Gesträuch Dich ahnen durfte , wie ward mir dann die Gegend so lieb , so heilig ! Wie strömte aus Deinen Blicken ein neuer , himmlischer Reiz über sie hin ! - Deine Wünsche waren jugendlich wie die Frühlingsblumen , Deine Phantasie himmlisch , wie das Licht der Sterne , Deine Gefühle lebendig , wie der rauschende Bach . - Jetzt überfällt mich namenlose Wehmuth , wenn ich die blühende Natur um mich erblicke , und mich von Dir getrennt , in dieser blühenden Natur . Vergebens sage ich mir , daß jedes Glück - auch die Liebe , enden muß , besser gewaltsam durch Trennung als langsam durch die Zeit - das Innerste des Herzens widerspricht , und meine Thränen strafen mich Lügen . Seit einigen Tagen ist Julie hier , und wie wohl mir ihre Gegenwart thut , wirst Du fühlen , da Du weißt , wie ich sie liebe ; doch habe ich manches an ihr anders gefunden , als ich mir es dachte . - Sie will um ihre , nicht ganz feste Gesundheit , zu stärken , diesen Sommer das hiesige Bad brauchen , und hat sich gefreut , dies mit meinem Wunsch , sie bei mir zu seh ' n , vereinigen zu können . Die Jahre , während wir uns nicht sahen , haben den Duft der Jugend von ihrem Geist abgestreift , und sie hat manches in ihrem Wesen , was mir weh thut , was ich hart nennen möchte , wenn ich es nicht wegen der Uebereinstimmung des Ganzen gern ertrüge . Sie ist ganz das , was sie sein wollte , eine Frau , die Vergangenheit und Zukunft , stets im Bezug auf die Gegenwart denkt , mit ihren Verhältnissen in Eintracht lebt , den Lebensgenuß weise vertheilt , um damit bis ans Ende auszureichen , und die Befriedigung des , allen Menschen eignen Triebes nach Glück , mehr von dem Verstand als dem Gefühl erwartet . Freilich läßt sich von einem solchen Gemüth schwerlich Billigung und lebhafte Theilnahme an einer Leidenschaft erwarten , die wie die unsrige , alle Verhältnisse des Lebens vergißt , den ganzen Himmel in Momente zusammen faßt , und aus dem geheimnißvollen Quell der Gefühle , unendliche Freuden und unendliche Qualen schöpft . Gleichwol liebe ich sie , weil sie mir giebt , was sie mir geben kann , weil Jugendgefühle , Erinnerungen , mich an sie binden , und ich ehre sie , weil sie unbefangen das ist , was sie sein kann , und sich für nichts anders gehalten wissen will . - Verschieden werden die Menschen geboren , und mag doch immer jeder seine Eigenthümlichkeit , - nur in einer schönen Form - zu erhalten suchen ! Wie thörigt begehren Manche die unendlich reiche Mannigfaltigkeit der Naturen mit der flachen Einförmigkeit einer einzigen Form vertauscht zu sehen ! Eduard ! Deine Klagen dringen mir ans Herz . Verbanne diese wilde Traurigkeit , die mich ängstigt ; ich verlange , ich fodre es . - Auch ich will ruhiger sein ; und bin es schon . Ich habe Augenblicke , Stunden , wo ich mit gefaßtem Gemüth , über unsre Trennung nachzudenken vermag . - Mühsam suche ich dann alle Gründe hervor , um Vortheile für Dich darinnen zu finden . Der vorzügliche Mensch , sage ich mir , soll harmonisch ausgebildet werden ; das Gefühl darf nicht die Oberhand behaupten , nicht das schöne Gleichgewicht verletzen , und dann in allen Verhältnissen des Lebens , sich eine despotische Herrschaft über die andern Geisteskräfte , anmaaßen . Ach ! aber dann fällt es mir schwer aufs Herz , daß wir das , was in der Zukunft vielleicht noch reifen wird , mit den geliebtesten Freuden der Gegenwart erkaufen ; das Schöne dem Nützlichen , das Freie dem Gesetz aufopfern , und wie gefallne Engel den hohen Pfad verlassen mußten , der uns , vereinigt , zu mehr als irdischem Glück und Hoheit führte . - Warum mußten wir so viel besitzen ? - Ach ! dem , der einmal den Himmel besaß , dünkt ein gleichgültiger Zustand schon Verdammung zu sein . - Doch , Eduard ! wo gerathe ich hin ! Ich beneide Dich um die Neuheit , das fremde Leben , welches Dich umgiebt , wie Du mich um meine stillen Träume . Jedes hält den Andern für glücklicher , wünscht sich an seine Stelle , und gönnt ihm doch seine vermeinte , beßre Lage . - Ach ! in dem fremdesten Gewühl , und in der einsamsten Hütte , wird das treue Herz von Sehnsucht gequält ! Es beunruhigt mich oft , daß ich Dir nicht öfterer schreiben kann , und daß meine Briefe Dich erst so spät erreichen . - Ich zittre für jeden Aufschub , und möchte Dir gern jede Unruhe , jede Sorge ersparen . Zuweilen , Freund , durchfliegt mich eine himmlische Zuversicht . Weissagend , verheißt mir eine innre Stimme : wir sind nicht für einander verloren ! - Der stille Gang der Schicksale führt uns wieder zusammen , diese Sehnsucht bleibt nicht ungestillt , aber wenn und wie ? noch weiß ichs nicht ! - O ! ist nur erst der Schleier des Geheimnisses hinweg gerollt , der über Deinen Verhältnissen ruht ! - Daß er dann bald erscheine , jener selige Moment des Wiedersehens ! - bald , wenn noch die Glut der Gefühle ihn unendlich macht , und die himmlischen Geister der Phantasie um die Wahrheit ihre Blüthenkränze flechten ! Oft erfreut es uns , Julien und mich , auf die verschlungnen Pfade der Vergangenheit , wie von einer Höhe herabzusehen . Erst dann , wenn Jahre dazwischen liegen , wird erst bemerkt , was in der Gegenwart sich zu nahe vor die Augen drängte . Schon frühe trennten sich unsre Wege , aber wir bemerkten es nicht . Wenn wir von der Zukunft träumten , und Julie bald ein Ruheplätzchen zu finden wünschte , wenn ihre Phantasie sich kaum einige Meilen weit wagte , und sie das reinliche Landhaus , und ein stilles , regelmäßiges Leben bald festhielt , so reizte mich der Gedanke : mehr von der Erde zu sehen , ganz unaussprechlich ; die unbestimmte Ferne zog mich an , und als das höchste Glück , dachte ich mir stets , an der Seite eines geliebten Mannes , ein schönes , vielseitiges Dasein zu genießen , tausendfach zu leben . - Ihr , der Gnügsamen , ward , was sie wünschte , und sie erfüllte die Lage , die sie so oft sich dachte ; mich trieb das Streben , das hohe , was ich kannte , in Einem vereinigt zu finden , rastlos im Gebiet des Lebens umher , und als es mir ward , als ich kaum das harmonische Dasein fühlte , das alle Wünsche begränzte - ach ! da verschwand der Himmel , und einsam und verlassen fand ich mich auf der Erde wieder ! Du schriebst mir lange nicht , Eduard ! Dein Schweigen ängstet mich . Schon einige Posttage sind vergangen , wo ich Seligkeit erwartete , und alle Bitterkeit getäuschter Sehnsucht fand . Ach ! Dein Bild webt sich in alle meine Träume , und meine süßesten Hoffnungen ruh ' n in Deinem Herzen ! Oft überflieg ' ich , was uns trennt , und lebe dann mit Dir , ein neues , schönes Leben . Und theilst Du sie mit mir , diese Sehnsucht nach Wiedersehn ? - wie soll ich mir Dein Schweigen erklären ? - wie , wenn Du Dich der Freude überließest , während ich voll Trauer jede Freude verschmähe , und Dich stets allenthalben vermisse ? - Ich bat Dich ruhig zu sein , und müßte verzweifeln , wenn Du es wärest . Nur das kann mich beruhigen - wenn Du mir nichts verheelst , Dich durch keine Spizfindigkeit des Verstandes , keinen Trugschluß der Vernunft verleiten läßt , das hohe Gesetz des Vertrauens zu brechen , das , wie durch Zauberei , Eins in des Andern Seele lesen läßt . Drei und