Er könne einen Mann nicht brauchen , der seinen Herrn verraten habe . « Durch ein preußisches Kriegsgericht wurde der Unwürdige später » zum Arkebusieren « verurteilt , entzog sich aber der Urteilsvollstreckung durch Flucht und lebte noch jahrelang in einem Winkel Deutschlands . Arm und ehrlos , meidend und gemieden , – das Los aller , die damals » versagt « hatten . Ob durch Schuld oder Schicksal , war gleich . Küstrin blieb länger als sieben Jahre in den Händen der Franzosen ; erst am 7. März 1814 wurde es an ein preußisches Blockadekorps übergeben . Manches hat es seitdem erfahren , auch als Festung . Der Warthe die vordem rechtwinkelig einmündete , hat man einen zweckentsprechenderen Lauf gegeben , und ein Zirkel von Schanzen und Forts umspannt jetzt das alte Festungsviereck . Was sich aber dem Auge des Laien auch heute noch als » Festung Küstrin « darstellt das sind nach wie vor die sechs alten Bastionen aus Markgraf Hansens Tagen her , mit deren einer ( » Bastion Brandenburg « ) und ihrer nächsten Umgebung wir uns in dem zweiten Abschnitt dieses Kapitels zu beschäftigen haben werden . Die Katte-Tragödie Die Katte-Tragödie Stadt und Festung Küstrin haben eine fünfhundertjährige Geschichte , die zu skizzieren ich in vorstehendem bemüht gewesen bin . Nur über einen Tag innerhalb dieses langen Zeitabschnittes : über den 6. November 1730 , an dem das Haupt Kattes auf Bastion Brandenburg fiel , bin ich hinweggegangen . Und doch wiegt dieser Tag schwerer als die Gesamtsumme dessen , was vorher und nachher an dieser Stelle geschah , und mag als das Gegenstück zu dem 18. Juni 1675 gelten , zu dem » Tage von Fehrbellin « . Mit diesen beiden Tagen , dem heiteren 18. Juni und dem finsteren 6. November , beginnt unsere Großgeschichte . Aber der 6. November ist der größere Tag , denn er veranschaulicht in erschütternder Weise jene moralische Kraft , aus der dieses Land , dieses gleich sehr zu hassende und zu liebende Preußen , erwuchs . Es gibt kaum einen Abschnitt in unserer Historie , der öfter behandelt worden wäre als die Katte-Tragödie . Aber so viele Schilderungen mir vorschweben , das Ereignis selbst ist bisher immer nur auf den Kronprinzen Friedrich hin angesehen worden . Oder wenigstens vorzugsweise . Und doch ist der eigentliche Mittelpunkt dieser Tragödie nicht Friedrich , sondern Katte . Er ist der Held , und er bezahlt die Schuld . Es ist meine Absicht , in nachstehendem dem die Ehre zu geben , dem sie gebührt . Und hierin wird sich meine Darstellung von der anderer nicht unwesentlich unterscheiden , indem sie sich eigens vorsetzt , von allem , was auf den Kronprinzen Fritz Bezug nimmt , nur das Unerläßliche zu geben , nur so viel , wie zum Verständnis des Ganzen überhaupt erforderlich ist . Das ist zunächst , als Grundlage der ganzen Tragödie : Der Fluchtversuch des Kronprinzen Schon im November 1729 hatte der Kronprinz vorgehabt , » weil Dero Herr Vater immer ungnädiger auf ihn geworden « , außer Landes zu gehen , und seitens des ins Vertrauen gezogenen Leutnants von Keith , der damals Pagendienste beim Könige tat , waren einleitende Schritte geschehen , um die Flucht ins Werk zu setzen . Aber man stand schließlich von der Ausführung ab und nahm den Plan erst , nachdem auch ein Entweichen aus dem sächsischen Lager bei Mühlberg im Mai 1730 gescheitert war , im Juli letztgenannten Jahres wieder auf . Um diese Zeit hatte der König eine Reise nach dem Ansbachschen hin angetreten , die bis an den Ober-und Unterrhein ausgedehnt werden sollte . In seiner Begleitung befand sich wie gewöhnlich der Kronprinz , dem noch im Momente der Abreise , seitens des inzwischen als Günstling an die Stelle des von Keith getretenen Leutnants von Katte , aufs dringendste angeraten worden war : seine Flucht nicht von Süddeutschland , sondern lieber erst von Wesel aus zu bewerkstelligen , von welcher Grenzfestung aus er am leichtesten und schnellsten über Holland nach England gelangen könne . Diese Mahnung wurde später schriftlich wiederholt , und zwar in einem Briefe , den der in Berlin zurückgebliebene von Katte nach Ansbach hin richtete . Aber dem Kronprinzen brannte bereits der Boden unter den Füßen und er antwortete : » daß er so lange nicht zu warten , vielmehr von Sinsheim aus ( bei Mannheim ) fortzugehen gedenke . Katte solle nachkommen und ihn , den Kronprinzen , im Haag unter dem Namen Comte d ' Alberville erfragen . Mißlänge die Flucht , so wolle er in einem Kloster Zuflucht suchen , wo man unter Skapulier und Kutte den argen Ketzer nicht entdecken werde . « Dieser der Post anvertraute Brief wurde verhängnisvoll . Auf seiner Adresse , die » An den Leutnant von Katte , über Erlangen , Berlin « , hätte lauten sollen , vergaß der in begreiflicher Hast und Erregung schreibende Kronprinz , die Hinzufügung des Wortes » Berlin « , und so gelangte das Schreiben nur bis Erlangen , wo der Postmeister in Verlegenheit geriet , was damit anzufangen sei . Da sich zufällig ein Rittmeister von Katte , ein Vetter des Leutnants , als Werbeoffizier am Orte befand , so hielt er es für das Geratenste , diesem den Brief einzuhändigen . Der Rittmeister von Katte aber , als er von dem Inhalte Kenntnis genommen , konnte sich seinerseits nicht der Pflicht entziehen , den Brief durch einen Kurier an den König zu schicken . 44 Dieser war mittlerweile ( am 31. ) von Ansbach aufgebrochen und ging über Öttingen , Ludwigsburg und Heilbronn auf Sinsheim zu . Da letzterer Ort , sehr gegen den Wunsch und Willen des Königs , am 4. August nicht mehr erreicht werden konnte , so bequemte man sich , in dem zwei Stunden vorher gelegenen Dorfe Steinsfurth die Nacht in einer Scheune zuzubringen . Für die Pläne des Kronprinzen indes machte Steinsfurth oder Sinsheim keinen Unterschied , und so beschloß er , in selbiger Nacht noch seine Flucht von diesem Dorf aus ins Werk zu setzen . Um 2 Uhr erhob er sich , kleidete sich in einen roten Roquelaure , der zu diesem Behufe eigens angefertigt war , und ging auf die Dorfstraße hinaus , wohin er den Pagen Keith ( einen jüngeren Bruder des früher genannten ) mit Pferden bestellt hatte . Alles dieses war aber von dem Kammerdiener Gummersbach bemerkt worden , der nicht säumte , den mit der Beobachtung des Kronprinzen speziell betrauten Oberstleutnant von Rochow zu wecken . Dieser sowie Generalmajor von Buddenbrock und die Obersten von Waldow und von Derschau folgten dem Kronprinzen auf die Dorfgasse und fanden ihn hier an eine Wagendeichsel gelehnt , immer noch auf Keith 45 und die Pferde wartend . Die Obersten , über seine Kleidung erstaunt , baten ihn , die Uniform wieder anzulegen , ehe ihn der König in diesem Aufzuge sähe . Aber eben jetzt brachte Keith die Pferde , und Friedrich schickte sich ohne weiteres an , sich in den Sattel zu werfen und davonzureiten . Nur mit Mühe gelang es den Obersten , ihn in die Scheune zurückzunötigen . Derschau hinterbrachte das Vorgefallene dem Könige , der sich zunächst – weil es noch an eigentlichen Schuldbeweisen fehlte – gegen den Kronprinzen wie gewöhnlich zeigte . Auch in den folgenden Tagen noch , während welcher die Reise sich über Mannheim und Darmstadt fortsetzte . Nur in Darmstadt , am 6. August , konnte der König mit einer spöttischen Bemerkung gegen den Prinzen nicht zurückhalten . » Er wundere sich , ihn noch hier zu sehen ; er habe ihn bereits in Paris vermutet . « Und so blieb es bis zum 8. früh . Am Abend vorher hatte man Frankfurt am Main erreicht , allwo der vom Rittmeister von Katte nachgesandte Kurier dem Könige den vorerwähnten kompromittierenden Brief einhändigte . Durch diesen Brief war der Schuldbeweis gegeben , und der lange zurückgehaltene Zorn brach jetzt hervor . Das erste Zusammentreffen zwischen Vater und Sohn fand am Morgen des 8. auf einem Rheinboot statt , das für die Stromfahrt nach Wesel bestimmt war . Als der Kronprinz das Schiff betrat , stürzte sich der König auf ihn und schlug ihn , bis ihn der Oberst von Waldow durch sein Zwischentreten befreite und auf ein anderes bereitliegendes Schiff brachte . Die Reise ging nun rheinabwärts . Am 10. war man in Bonn , am 11. in Wesel . Der » Arrestant « ward am Ufer von dem Oberstleutnant von Borcke mit einem starken Kommando in Empfang genommen und in die Festung gebracht . Am anderen Morgen , den 12. , erfolgte seine Vorführung vor den König . » Warum habt Ihr entweichen wollen ? « » Weil Sie mich nicht wie Ihren Sohn , sondern wie einen gemeinen Sklaven behandelt haben . « » Ihr seid nichts als ein feiger Deserteur , der keine Ehre hat . « » Ich habe so viel Ehre wie Sie , und ich habe nichts getan , was Sie an meiner Stelle nicht auch getan hätten . « Bei diesen Worten zog der König den Degen und wollte den Prinzen erstechen . Aber der tapfere Kommandant , Generalmajor von der Mosel , warf sich dazwischen und sagte : » Sire , durchbohren Sie mich , aber schonen Sie Ihres Sohnes . « Einige Tage nachher empfingen die mehrgenannten Obersten den Befehl , den Kronprinzen unter sicherer Bedeckung von Wesel nach Treuenbrietzen zu schaffen . Schon vorher ( ebenfalls am 12. ) hatte der König folgende Zeilen an die Oberhofmeisterin der Königin gerichtet : » Meine liebe Frau von Kameke . Fritz hat desertiren wollen . Ich habe mich genöthigt gesehen , ihn arretiren zu lassen ; ich bitte Sie , auf eine gute Art meine Frau davon zu unterrichten , damit solche Neuigkeit dieselbe nicht erschrecke . Übrigens beklagen Sie einen unglücklichen Vater . F. W. « Die Überführung des Kronprinzen erfolgte der Order des Königs gemäß . Wann er in Treuenbrietzen eintraf , ist nicht genau ersichtlich . Am 29. August wurde Generalmajor von Buddenbrock angewiesen , ihn von Treuenbrietzen nach Mittenwalde zu schaffen . Aber auch Mittenwalde war nur Etappe , von der aus sein Weitertransport nach Küstrin am 4. September erfolgte . Tags darauf ( am 5. ) bezog er ein Arrestzimmer im zweiten Stocke des alten Küstriner Schlosses . Katte vor dem König Am 15. August wußte der in Berlin zurückgebliebene Grumbkow von dem Fluchtversuche des Kronprinzen , und am folgenden Tage war es in der Stadt herum . Gleichzeitig mit der Nachricht an Grumbkow war auch bei dem Feldmarschall von Natzmer der Befehl eingetroffen : » den Leutnant von Katte vom Regiment Gensdarmes verhaften und auf die Wache seines Regiments abführen zu lassen « . Kein Zweifel , daß Katte , wenn er nur für seine Person besorgt gewesen wäre , vollauf Zeit gehabt hätte , sich zu retten ; das ergibt sich aus den verschiedensten Angaben . Alles befleißigte sich , ihn zu warnen , und ein von Asseburg , der ihm begegnete , rief ihm zu : » Was , Katte , Sie noch hier ! « Ja , man ging weiter und schob seine Verhaftung um mehrere Stunden hinaus . So wenigstens stellt es die Prinzessin Wilhelmine , die spätere Markgräfin von Bayreuth , in ihren Memoiren dar . » Der uns zugethane dänische Gesandte von Löwenör « , so schreibt sie , » hatte gehört , was sich gegen Katte vorbereitete . Sofort schrieb er an ihn und rieth ihm , aufs schnellste abzureisen , weil er unstreitig arretirt werden würde . Katte bat sich in Folge dieser Benachrichtigung einen › kurzen Urlaub ‹ aus , der ihm – da sein Regiments-Commandeur , Oberst von Pannewitz , von den umlaufenden Gerüchten zu jener Stunde noch nichts gehört haben mochte – auch ohne Weiteres bewilligt wurde . Und so war denn eine vorzügliche Gelegenheit zur Flucht gegeben . Aber Katte sah sich verhindert , unmittelbaren Gebrauch davon zu machen , weil ein Sattel , in dem er Geld und Werthsachen zu verbergen vorhatte , leider noch nicht fertig war . So verging Zeit . Diese wandte er an , um alle Papiere zu verbrennen . Das war gut . Und nun endlich kam das Pferd , der Sattel war da , und er wollte es eben besteigen , als der Feldmarschall von Natzmer ( in Wahrheit war es der vorgenannte Oberst von Pannewitz ) erschien , um ihn im Namen des Königs zu verhaften . Katte übergab ihm , ohne die Farbe zu wechseln , den Degen und wurde sogleich auf die Wache des Regiments abgeführt . Man legte all ' seine Sachen in Gegenwart des Feldmarschalls – der betretener als sein Gefangener schien – unter Siegel . Der alte Herr hatte länger als drei Stunden mit Ausführung des königlichen Befehls gezögert und war sehr böse , Katten noch , vorzufinden . « So die Markgräfin in einer durch die ganzen Memoiren sich hinziehenden Mischung von Falschem und Richtigem . Übrigens wird , von Namensverwechslungen und ähnlichen kleinen Irrtümern ganz abgesehen , auch das , was Katte den rechten Augenblick zur Flucht versäumen ließ , von verschiedenen Personen sehr verschieden angegeben . Friedrich II. selbst soll später zu dem englischen Gesandten Sir Andrew Mitchell von einem » Liebesverhältnis « gesprochen und dieses als Grund der Versäumnis bezeichnet haben . Mir , offen gestanden , noch unwahrscheinlicher als der » verspätete Sattel « . Nach dem Bilde , das ich aus der Lektüre der zeitgenössischen Aufzeichnungen gewonnen habe , liegen die Dinge viel natürlicher und namentlich viel ehrenvoller für Katte . Er war einfach mit Aufträgen und Verpflichtungen überbürdet , indem er , wie schon angedeutet , nicht bloß an sich , sondern vor allem auch an den Kronprinzen , an die Königin und die Prinzessin Wilhelmine zu denken hatte . Und so glaube ich ihm nur gerecht zu werden , wenn ich ihn als ein Opfer seiner ritterlichen Gesinnung hinstelle , der er denn auch – was im übrigen immer seine Fehler gewesen sein mögen – bis zum letzten Atemzuge treu geblieben ist . Aber kehren wir zu den Ereignissen selbst zurück . Am 27. war der König von Wesel her in Berlin eingetroffen und hatte schon zwei Stunden später den Arrestanten von Katte vorfordern lassen . Es war ein schwerer Gang . Die Prinzessin Wilhelmine stand an einem der hohen Fenster und sah den Unglücklichen über den Schloßplatz führen . » Er war bleich und entstellt « , so schreibt sie , » nahm aber doch den Hut ab , um mich zu grüßen . Hinter ihm trug man die Koffer meines Bruders und die seinen , welche man weggenommen und versiegelt hatte . Gleich darauf erfuhr der König , dessen Empörung bis dahin sich gegen uns gerichtet hatte , daß Katte da sei . Und er verließ uns nun , um den Ausbrüchen seines Zornes ein neues Ziel zu geben . « Als Katte den Gefürchteten vor sich sah , warf er sich vor ihm nieder . Der König aber riß ihm das Johanniterkreuz vom Halse , mißhandelte ihn mit dem Stock und trat ihn mit Füßen . Alsdann befahl er dem schon vorher herbeigerufenen Generalauditeur Mylius , unverzüglich mit dem Verhör zu beginnen . Katte bewies eine Standhaftigkeit , die den König in Verwunderung setzte , und gestand nur ein , von der Flucht des Kronprinzen gewußt und die Absicht , ihm zu folgen , gehabt zu haben . Auf die Frage jedoch , » an welchen Hof der Prinz sich habe begeben wollen « , antwortete er , » das wisse er nicht « . Und danach wurde er in die Gensdarmenwache zurückgebracht . Während der Septemberwochen – auch noch bis in den Oktober hinein – folgte nunmehr Verhör auf Verhör , und als endlich mit Hilfe derselben ein ausgiebiges Material zur Anstrengung eines prozessualischen Verfahrens gesammelt war , wurde die Voruntersuchung geschlossen und ein Kriegsgericht , das über fünf Angeklagte , in erster Reihe aber über den Kronprinzen Fritz und den Leutnant von Katte zu befinden hatte , zusammenberufen . Das Kriegsgericht zu Köpenick Über dies Kriegsgericht und das durch dasselbe gefällte Urteil finden sich infolge regelmäßiger und oft ausschließlicher Benutzung der als Quelle dienenden Memoiren des Freiherrn von Pöllnitz und der Markgräfin von Bayreuth 46 immer noch Irrtümer verbreitet , die den Ergebnissen einer strengeren historischen Forschung bis diesen Tag getrotzt haben . Es wird nötig sein , die betreffenden irrtümlichen Stellen aus den Memoiren der beiden Vorgenannten zunächst zu zitieren . So schreibt die Markgräfin : » Dönhoff und Linger stimmten für Pardon , aber die Anderen , um dem Könige zu Willen zu sein , verurtheilten den Kronprinzen und Katte zur Enthauptung . « Und in Übereinstimmung damit heißt es bei Pöllnitz : » Weder der Kronprinz noch Katte waren persönlich zugegen . Nichtsdestoweniger wurden sie von dem Kriegsgerichte gerichtet und verurtheilt , den Kopf zu verlieren . « Diese beiden Stellen sind in unzählige volkstümliche Geschichts- und Nachschlagebücher übergegangen , während umgekehrt das Wort » Tod « von seiten des Kriegsgerichts nicht gesprochen worden ist . Die dasselbe bildenden oder richtiger die innerhalb desselben den Ausschlag gebenden Männer fällten vielmehr über den Kronprinzen , » weil er jenseits ihrer Kompetenz läge « , gar kein Urteil und verurteilten Katte zu lebenslänglicher Festungsstrafe . Dies ist kurz das Tatsächliche . Förster und Preuß , unter Benutzung reicher und zuverlässigerer Quellen , haben in ihren epochemachenden Werken die Dinge so gegeben , wie sie realiter liegen ; aber auch ihnen scheint ein voller Einblick in die Details des Verfahrens gefehlt zu haben , und erst eine verhältnismäßig sehr neue Veröffentlichung ( 1861 ) ermöglicht einen solchen Einblick . Diese Veröffentlichung führt den Titel : » Vollständige Protokolle des Köpenicker Kriegsgerichts « , und wurde durch Professor Danneil , den Vorstand des in der Propstei zu Salzwedel befindlichen Schulenburgschen Familienarchivs , veranstaltet . In einem kurzen Vorworte gibt der Herausgeber ( Danneil ) zunächst Auskunft darüber , wie dieser Protokollenschatz in das ihm unterstellte Familienarchiv gelangte . Einfach dadurch , daß ein Schulenburg , und zwar der Generalleutnant Achaz von der Schulenburg , der Vorsitzende des Köpenicker Kriegsgerichts war . » Alle diese Protokolle « , heißt es dann weiter , » finden sich in Abschrift vor . Die Originale wurden dem König überreicht . Sämtliche Abschriften sind sehr sorgfältig und sicherlich auf Veranlassung des Generalleutnants von der Schulenburg selbst angefertigt worden . Ihre Orthographie , weil man sich an die Originale hielt , weicht hier und dort untereinander ab . Die von diesen Verhandlungen bisher allein bekannt gewordene Kabinettsorder vom 1. November 1730 ( in der der König das nicht auf Tod lautende Urteil des Kriegsgerichts umstößt , um es seinerseits zu verschärfen ) stimmt mit dem Abdruck derselben bei Preuß bis auf wenige unwesentliche Punkte überein . « Soweit Professor Danneil . Seiner wichtigen Veröffentlichung entnehme ich nunmehr das unmittelbar Folgende . Zunächst einige Daten , die , namentlich auch was die abweichenden Zahlenangaben betrifft , auf Zuverlässigkeit Anspruch haben . Unterm 22. Oktober wurde das Kriegsgericht von seiten des Königs ernannt . Es bestand aus fünfzehn Offizieren , die sich in fünf Ranggruppen sonderten . Und zwar : Generalmajor von Schwerin Generalmajor von Dönhoff Generalmajor von Linger Oberst von Derschau Oberst von Stedingk Oberst von Wacholz Oberstleutnant von Weyher Oberstleutnant von Schenck Oberstleutnant von Milagsheim Major von Einsiedel Major von Lestwitz Major von Lüderitz Kapitän von Itzenplitz Kapitän von Pudewels 47 Kapitän von Jeetze Am 27. Oktober traten die fünfzehn Offiziere , aber zunächst noch in Gruppen gesondert , zu einer Vorberatung zusammen , um fünf schriftliche Separatvota abzugeben . Daran schloß sich als sechstes Separatvotum das des Vorsitzenden Achaz von der Schulenburg . Der 28. war der Tag des eigentlichen Kriegsgerichts , an dem das Endurteil gefällt werden sollte und auch wirklich gefällt wurde . Dies Urteil in seiner ganzen weit gedehnten Motivierung hier zu bringen , verbietet der Raum , weshalb ich mich auf Wiedergabe des vorerwähnten Achaz von der Schulenburgschen Separatvotums beschränke . Dieses Separatvotum deckt sich inhaltlich mit dem kriegsgerichtlichen Spruch und mag deshalb in Vertretung desselben hier seine Stelle finden . Es lautete : » Nach fleißiger und genauer Erwägung sämmtlicher dem General-Kriegs-Gericht vorgelegenen Akten finde ich , Praeses dieses Gerichtes , nach meinem Gewissen und abgestatteten Eyde mich verbunden : 1. Was den Cron-Printzen betrifft , denen sämmtlichen dahin gehenden Votis beyzufallen , daß deßelben jetzige Sache nach ihren Umständen von einem Krieges-Recht nicht gesprochen werden könne , sondern Sr. K. M. zu überlassen sey , welchergestalt Sie deßen wiederholte wehmüthige Reu-Bezeugung , submission und Bitte als König und Vater in Gnaden anzusehen geruhen mögten . 2. So viel den Hans Hermann Katten anlanget , muß ich denjenigen Votis beystimmen , welche ewigen Vestungs-Arrest erkannt haben , Allermaßen desselben sonst böser Raht und Anschläge , auch seine dem Cron-Printzen zur Flucht so offt versprochene und abgeredete Hülffe dennoch zu keinem Effect und Würcklichkeit gelanget . Aus meiner gesunden Vernunft aber und vor mich ich nicht anders begreiffen kann , als daß auch in den größten Verbrechen ein sonderbahrer Unterschied zwischen würklicher Vollziehung der vorgenommenen bösen That und zwischen denen dazu allererst genommenen Mesures seyn müsse , und eine Lebens Straffe zwar bey jener , nicht aber bey diesen stattfinden könne . Und da es in diesem Falle noch zu keiner würklichen Desertion ge kommen , so kann ich nach meinem besten Wißen und Gewißen , auch dem theuer geleisteten Richter-Eyde gemäß , den Katten mit keiner Lebens-Straffe , sondern mit ewigem Gefängniß zu belegen mich entschließen . « Am selbigen , spätestens an dem darauf folgenden Tage wurde das Urteil – wahrscheinlich unter Beischluß der Separatvota – dem zu Schloß Wusterhausen in finsterer Ungeduld wartenden König eingehändigt . Er war nicht befriedigt und sandte folgende Bemerkung zurück : » Sie sollen recht sprechen und nicht mit dem Flederwisch darüber gehen . Das Kriegsgericht soll wieder zusammenkommen und anders sprechen . « Auf der Rückseite des Blattes stand von der Hand des Königs : 5. Buch Mose , Kap . 17 Vers 8 bis 12. Zweites Buch Samuelis , Kap . 18 Vers 10 bis 12. Zweites Buch Chronika , Kap . 19 Vers 5 bis 7. Im 5. Buch Moses heißt es an der Hauptstelle : » Und Du sollst Dich halten nach dem Gesetz , das sie Dich lehren , und nach dem Recht , das sie Dir sagen , daß Du von demselben nicht abweichest , weder zur Rechten , noch zur Linken . « Aber alle diese Mahnungen zu größerer Strenge waren vergeblich . Das Kriegsgericht blieb bei seinem Spruch , und Achaz von der Schulenburg , in seiner Eigenschaft als Vorsitzender , antwortete unterm 31. Oktober : » Nachdem er nochmals reiflich erwogen und wohl überleget , finde er sich in seinem Gewissen überzeuget , daß es dabei bleiben müsse , und solches zu ändern ohne Verletzung seines Gewissens nicht geschehen könne , noch in seinem Vermögen stehe . « Worauf nun , de dato Wusterhausen am 1. November 1730 , jener königliche Machtspruch erfolgte , der den durch Kriegsgericht lediglich zu lebenslänglicher Festungshaft verurteilten Katte mit dem Tode bestrafte . Unter Fortlassung einiger weniger , die drei mitangeklagten Leutnants von Keith , von Spaen und von Ingersleben 48 betreffenden Sätze , lautete diese berühmt gewordene » Cabinetsordre « wie folgt : » Se . Königliche Majestät in Preußen , Unser allergnädigster König und Herr , haben das Denenselben eingesandte Kriegs-Recht durchlesen , und sind mit demselben in allen Stücken sehr wohl zufrieden . « ( Folgt die Zustimmung zu dem über die Leutnants von Keith , von Spaen und von Ingersleben gefällten Urteile . ) » Was aber den Lieutenant von Katt und dessen Verbrechen , auch die vom Kriegs-Recht deshalb gefällte Sentence anlanget , so sind S. K. M. zwar nicht gewohnt , die Kriegs-Rechte zu schärfen , sondern vielmehr , wo es möglich , zu mindern , dieser Katt aber ist nicht nur in meinen Diensten Offizier bey der Armee , sondern auch bey der Garde Gens D ' Armes , und da bey der ganzen Armee meine Offiziers mir getreu und hold sein müssen , so muß solches um so mehr geschehen von den Offiziers von solchen Regimentern , indem bey solchen ein großer Unterschied ist , denn Sie immediatement Sr. Königl . Majestät und Dero Königlichem Hause attachirt seyn , um Schaden und Nachtheil zu verhüten , vermöge eines Eides . Da aber dieser Katt mit der künftigen Sonne tramiret , zur Desertion mit fremden Ministern und Gesandten allemal durch einander gestecket , und er nicht davor gesetzet worden , mit dem Kronprinzen zu complottiren , au contraire es Sr. Königlichen Majestät und dem Herrn General-Feldmarschall von Natzmer hätte angeben sollen , so wüßten S. K. M. nicht , was vor kahle Raisons das Kriegs-Recht genommen , und ihm das Leben nicht abgesprochen hätten . S. K. M. werden auf die Art sich auf keinen Offizier noch Diener , die in Eid und Pflicht stehen , verlassen können . Denn solche Sachen , die einmal in der Welt geschehen , können öfters geschehen . Es würden aber dann alle Thäter den Prätext nehmen , wie es Katten wäre ergangen , und weil der so leicht und gut durchgekommen wäre , ihnen desgleichen geschehen müßte . S. K. M. seynd in Dero Jugend auch durch die Schule geloffen , und haben das lateinische Sprüchwort gelernet : Fiat Justitia et pereat mundus ! Also wollen Sie hiermit , und zwar von Rechtswegen , daß der Katte , ob er schon nach denen Rechten verdient gehabt , wegen des begangenen Crimen Laesae Majestatis mit glühenden Zangen gerissen und aufgehenket zu werden , Er dennoch nur , in Consideration seiner Familie , mit dem Schwert vom Leben zum Tode gebracht werden solle . Wenn das Kriegs-Recht dem Katten die Sentence publicirt , soll ihm gesagt werden , daß es Sr. K. M. leid thäte , es wäre aber besser , daß er stürbe , als daß die Justiz aus der Welt käme . F. Wilhelm . « Kattes letzter Tag in Berlin Katte war all die Zeit über in seinem Arrestlokal auf der Wache des Regiments Gensdarmes verblieben . Endlich , am 2. November , ward er nach dem » Neuen Markt « auf die daselbst befindliche Auditoriatsstube gebracht , wo jene fünfzehn Offiziere , die das Kriegsgericht gebildet hatten , bereits versammelt waren , um ihm durch den Vorsitzenden , Achaz von der Schulenburg , erst das ihrerseits gefällte Urteil , danach aber die verschärfte , auf Tod lautende Sentenz des Königs mitzuteilen . Katte bewahrte gute Haltung . » Ich bin « , sagte er , » völlig in die Fügungen der Vorsehung und den Willen des Königs ergeben . Ich habe keine schlechte Handlung verübt und wenn ich sterbe , so ist es um einer guten Sache willen . « Gleich darnach ward er vom Neuen Markt aus in sein Arrestzimmer zurückgeführt , das noch durch viele Jahre hin , bis zu seinem Abbruch , in einer seiner Fensterscheiben eine Reminiszenz an diesen seinen so berühmt gewordenen Gefangenen aufbewahrte . Es war dies ein Vers , den er während der langen Untersuchungshaft mit dem Stein seines Ringes in Glas gekritzelt hatte . Der Vers lautete : Mit der Zeit ( geduldbeflissen ) Wird uns auch ein gut Gewissen . Wenn du fragst , wer dies geschrieben hier , Wird der Name Katt es sagen dir . Hoffnung läßt Zufriedenheit nicht missen . Darunter standen die Worte : » Derjenige , den die Neugier treiben wird , diese Schrift zu lesen , wird erfahren , daß der Schreiber auf Befehl Seiner Majestät den 16. August des Jahres 1730 in Arrest gekommen ist , nicht ohne Hoffnung , die Freiheit wieder zu erhalten , obgleich die Art , wie er bewacht wird , ihn etwas Unglückseliges ahnen läßt . « Bald nach seiner Rückkehr bat er um Tinte und Feder . Als ihm beides gebracht war , schrieb er an den König : ein Bekenntnis seiner Schuld und zugleich ein Gnadengesuch . Der Brief lautete : » Nicht mich zu rechtfertigen , nicht meine bisherige Aufführung zu entschuldigen , noch durch viele Rechtsgründe meine Unschuld zu bezeugen , nein , sondern die wahre Reue und Leid Ew . Königl . Maj. beleidigt zu haben , verpflichten mich in aller Unterthänigkeit , mich Denenselben zu Füßen zu legen . Meiner Jugend Irrthum , Schwachheit , Unbedachtsamkeit , mein nichts Böses meynender Sinn , mein durch Liebe und Mitleid eingenommenes Herz , ein eitler Wahn der Jugend , der keine verborgene Tücke im Schilde geführt , sind es , mein König ! die dehmüthigst um Gnade Erbarmen , Mitleiden , Barmherzigkeit und Erhörung bitten und flehen ! Gott als der König und Herr aller Herren , läßt Gnade vor Recht ergehen , und bringet durch Erbarmen und Gnade den auf irrigem Wege gehenden Sünder und Missethäter wiederum zu seiner Pflicht : Also , mein König ! Sie , als ein Gott auf Erden , lassen mir doch dieselbe Gnade , als einem gegen Ew . Königl . Maj. mißhandelnden Sünder und Missethäter zufließen . Die Hoffnung der Wiedererholung schonet noch des verdorreten Baums , und erhält ihn vor der Gluth des Feuers . Warum soll denn mein Baum , der schon wiederum neue Sprossen neuer Treue und Unterthänigkeit zeiget , nicht Gnade vor Ew . Königl . Maj. finden ? Warum soll er sich schon in seiner Blüthe neigen , und nicht noch vorher Ew . Königl . Maj. Gnade und Barmherzigkeit für unverfälschte Treue und Gehorsam erwirken ? Ich habe gefehlet , mein König ! ich erkenne es mit treuem Herzen , also verzeihen Sie es dem redlichen Gesteher , und gewähren mir , was auch Gott dem größten Sünder nicht versaget . Manasse vermehrte ja , so gottlos er war , die Zahl seiner Fürsten ;