hohe Herzog hat verfertigen lassen , besaget alles . « Nach diesen Worten zog er an einem kleinen Bändchen ein Fach unter dem weißen Kissen heraus , und nahm aus dem Fache ein Pergament . Er reichte dasselbe dem Priester Benno , und sagte : » Lese es uns , frommer Vater . « Benno las die Schrift laut vor . Dann wurde sie wieder in das Fach gelegt , und das Fach unter das Kissen geschoben . Hierauf nahm Benno das kleine Stücklein Holz , und reichte es Witiko zum Kusse . Dann reichte er es Bertha , dann Wentila , dann Hiltrut , dann allen Frauen und allen Männern , und zuletzt küßte er es selber . Dann legte er es wieder auf das Kissen . Witiko schloß das Kästchen , reichte den Schlüssel dem Priester Benno , und sprach : » Hochehrwürdiger Vater Benno , der du jetzt den Gottesdienst in unserer Burgkirche feierst , ich gebe dir den Schlüssel zu dem heiligen Kleinode in deine Verwahrung , und gebe das Kleinod in die Verwahrung der Kirche . Es möge heute hier bewacht und morgen feierlich in die Kirche gebracht werden . « » Es geschehe , wie du sagst , Herr « , antwortete Benno . Nach diesen Worten barg er das Schlüsselchen an seiner Brust . Dann sagte Bores : » Ist es dir genehm , hoher Herr , die andern Kästchen zu öffnen ? « » Es ist mir genehm , hoher Kastellan « , antwortete Witiko . Bores reichte nun einen zweiten Schlüssel an Witiko , und sagte : » Er schließt das dunkelbraune Kästchen auf . « Witiko öffnete mit dem Schlüssel ein Kästchen von dunkelbraunem Holze , welches sehr schön gebohnt war . In dem Kästchen waren zwei silberne Kannen und zwölf silberne Becher . Auf einer Kanne war das Bild des Heilandes , auf der andern das Bild Marias , und auf den Bechern die Bilder der zwölf Apostel . Sonst waren Stäbe und Laubranken kunstreich in die Gefäße gegraben . Bores reichte wieder einen Schlüssel an Witiko , und sagte : » Er schließt das schwarze Kästchen auf . « In dem schwarzen Kästchen waren zwölf silberne Teller , und sie waren kunstvoll gearbeitet wie die Trinkgeschirre . Bores reichte wieder einen Schlüssel an Witiko , und sagte . » Er schließt das rote Kästchen auf . « In dem roten Kästchen war roter Sammet , kostbares Pelzwerk aus der Fremde und Juwelen . Witiko schaute alle diese Dinge an , und Bertha und Wentila und Hiltrut und Benno wurden von ihm zu dem Tische gerufen , und sie betrachteten diese Geschenke . Als sie dieselben betrachtet hatten , rief Witiko seine Männer herzu , die Geschenke des Herzoges zu sehen . Die Männer gingen einer hinter dem andern an den Tisch , und sahen die Geschenke an . Darauf sagte Witiko : » Gott lohne es dem hohen Herzoge , daß er an einen seiner geringen Männer und an sein Weib denkt , und Gott lohne es der hohen Herzogin , daß sie des Sinnes ihres Gatten ist . Ich nehme in Ehrerbietung die Hausgaben an , trage dir , Bores , Kastellan von Hostas Burg , in Lieb und Treuen den Dank auf , bis ich selber mit meiner Gemahlin nach Prag komme . Ich rufe : Heil Wladislaw , dem hocherlauchten Herzoge von Böhmen und Mähren , und Heil Gertrud , der hocherlauchten Herzogin . « Die Männer Witikos riefen : » Heil Wladislaw , dem hocherlauchten Herzoge von Böhmen und Mähren , und Heil Gertrud , der hocherlauchten Herzogin . « Darauf erhob sich Bertha von ihrem Sitze , und sprach : » Weil der hohe Herzog und die hohe Herzogin meinen Gatten geehret und mich genannt haben , wie bei uns in den deutschen Landen die Fürsten ihre Männer und die Frauen derselben ehren , so bitte ich dich , Bores , Kastellan von Hostas Burg , bringe meinen Dank an den hocherlauchten Herzog und an die hocherlauchte Herzogin , bis ich mit meinen Gatten nach Prag komme . Und ich rufe wie mein Gatte : Heil Wladislaw , dem hohen Herzoge von Böhmen und Mähren , und Heil Gertrud , der hohen Herzogin . « Und Wentila und Hiltrut und Benno und die Männer Witikos riefen : » Heil Wladislaw , dem hohen Herzoge von Böhmen und Mähren , und Heil Gertrud , der hohen Herzogin . « Dann sagte Bertha : » Und weil du , Bores , mit deinen Männern unser Dach nicht verschmäht hast , so werde ich trachten , euch eine Hauswirtin zu sein , wie sie meine Mutter , Wiulfhilt von Dornberg , ist , und wie sie meine Großmutter , Benedicta von Aschach , ist . « Dann setzte sie sich wieder nieder . Witiko aber sprach : » Lasset nun die Kästchen schließen , und bis auf das heilige in die Kleinodienstube bringen . Dich , Bores , und deine Männer werde ich in eure Stuben geleiten , daß ihr ruhet , und daß ihr dann das Brod an unserem Tische teilet . « Zwei Männer gingen nach diesen Worten Witikos fort . Sie kamen mit andern Männern wieder . Zwei bewaffnete Knechte stellten sich auf die Weisung zu dem heiligen Kästchen . Die andern empfingen von Witiko die geschlossenen Kästchen , und trugen dieselben fort . Dann erhoben sich die Frauen und ihre Geleite von ihren Sitzen . Bertha und Wentila grüßten mit freundlichen Worten Bores und seine Männer , und dann gingen die Frauen und ihre Geleite aus dem Saale . Dann führte Witiko Bores und seine Männer in ihre Gemächer , und alle außer den zwei bewaffneten Knechten verließen den Saal . Am andern Tage wurde das Kästchen mit dem Holze des Kreuzes des Heilandes feierlich von dem Saale in die Kirche gebracht , und alle Menschen der Burg waren bei dem heiligen Gottesdienste , welchen der fromme Vater Benno verrichtete . Bores blieb acht Tage als Gast in dem Witikohause , und wurde dort geehrt . Es kamen Nachbarn Witikos , ihm Ehre zu bringen , und die Geschenke des Herzoges zu sehen . Auch Leute aus dem Walde kamen , um die Gaben des Herzoges und der Herzogin zu beschauen . Witiko ließ sie ihnen durch Huldrik zeigen . Huldrik sagte den Leuten : » Die Geschirre sind jetzt von Silber ; aber sie werden einmal von Gold sein . « Am neunten Tage verabschiedete sich Bord , und Witiko geleitete ihn mit einem Gefolge bis in die krumme Au . An dem nämlichen Tage kam auch die Botschaft an Benno , daß er zu dem Kardinale Guido nach Prag kommen möge . Witiko gab ihm ein gutes Pferd , und rüstete fünf Reiter und zwei Männer mit Saumtieren aus , und Benno zog des andern Tages mit diesem Gefolge aus dem Witikohause gegen Prag fort . Es wurde von dem Tage an auch alles gerüstet , was notwendig war , daß Witiko mit Bertha nach Prag reisen konnte . Und als zehn Tage vergangen waren , ritt er mit zwanzig Reitern aus dem Tore der Burg . In der Mitte der Reiter waren sechs Sänften , in denen Bertha und ihre Frauen saßen , und hinter den Reitern gingen fünf Saumrosse . So gelangten sie endlich nach Prag . In Prag ging Witiko zuerst allein zu dem Herzoge . Er dankte ihm für die Gaben , und fragte , ob er seine Gemahlin , Bertha von Schauenberg , zu ihm und zu der hohen Herzogin führen dürfe . Wladislaw antwortete : » Danke mir nicht , Witiko . Du bist ein treuer Mann des Herzoges Sobeslaw gewesen , und bist ein treuer Mann von mir . Ich habe dir darum durch Bores das Holz von dem Kreuze des Heilandes aus Hostas Burg geschickt , daß du sähest , daß ich dir auch ein treuer Mann sein will . Das andere sind Gaben , die ein Freund dem andern in das Haus sendet . Sei mein Freund , wie ich dein Freund bin , seit ich dich bei Chynow gesehen habe . Was deine Gattin angeht , so bringe die hohe Frau zu mir und zu der Herzogin , wir werden sie als Gast ehren . « Witiko antwortete : » Ich danke dir , hoher Herr , für deine Güte . Und weil ich dem Herzoge Sobeslaw aus Pflicht treu gewesen bin , so bin ich auch dir aus Pflicht treu . Und dir bin ich auch treu aus Freundschaft , wie du schon früher einmal gesagt hast , und wie du es jetzt wieder sagtest , daß du mein Freund bist , und wie ich aus dem ganzen Gemüte dein Freund bin . Ich werde die Treue und die Freundschaft nie verletzen . Und haben mich deine andern Gaben geehrt , so hat mich deine Gabe aus Hostas Burg und der Überbringer derselben erfreut . « An dem folgenden Tage wurde Witiko und seine Gattin Bertha zu dem Herzoge und der Herzogin gerufen . Sie gingen im Schmucke zu Hofe . Sie wurden in einen kleinen Saal der Hofburg zu dem Herzoge und der Herzogin geführt . Wladislaw und Gertrud saßen geschmückt und allein auf Stühlen , und wiesen Witiko und Bertha Stühle an . Beide setzten sich . Gleich aber erhob sich Witiko wieder , nahm Bertha bei der Hand , führte sie vor den Herzog und die Herzogin , und sprach : » Hocherlauchter Herzog , hocherlauchte Herzogin , die Frau , welche vor euch steht , ist die Tochter Heinrichs von Schauenberg , der vorher Heinrich von Jugelbach gewesen ist , und Wiulfhilts von Dornberg . Sie heißt Bertha . Heinrich ist ein Herr und edler Mann , Wiulfhilt ist eine edle Frau , und Bertha durch beide edel . Sie hat es nicht verschmäht , als meine Gattin in Lieb und Treue mir anzugehören , wie ich ihr als Gatte in Lieb und Treue angehöre . Wir erkennen und achten die Ehre hoch , daß wir heute vor euch haben kommen dürfen . « » Witiko , Bertha « , sagte der Herzog , » nehmet eure Sitze wieder ein . « Witiko und Bertha setzten sich auf ihre Stühle . Dann sprach der Herzog : » Witiko , wie du mir sonst als Mann und Freund gegrüßt warest , so sei mir heute als Ehegatte gegrüßt . Bertha , seid mir heute als Ehegattin Witikos gegrüßt , und gebt mir die Hoffnung , daß ich Euch künftig auch als Freundin werde begrüßen können . « Die Herzogin sprach : » Ich grüße Witiko als Freund , ich grüße ihn als treuen Mann des Herzoges und der Länder , und ich grüße ihn als Ehegatten . Ich grüße Bertha von Schauenberg als Ehegattin Witikos , und ich grüße sie als Freundin . Die aus solchem Geschlechte entsprossen ist , wird jeder Freundschaft würdig sein , und wird , wo man es nicht unwert ist , auch Freundschaft gewähren . « Witiko antwortete : » Hocherlauchter Herzog , hocherlauchte Herzogin , ich danke inniglich des Grußes . « Bertha sprach : » Hocherlauchter Herzog , ich danke des Grußes , und wer , wenn ich ihn auch nicht kenne , der Freund meines Gatten ist , dessen Freundin bin ich . Hocherlauchte Herzogin , ich danke des Grußes , und wer so hehr getan hat , wie Ihr , der genießt die Bewunderung und Verehrung , man gibt ihm Freundschaft , und achtet es als höchste Ehre , seiner Freundschaft würdig zu werden . « » Du sprichst entschieden wie dein Vater , Bertha « , sagte die Herzogin . » Mein Vater , hohe Frau , hat Euch noch an dem Hofe in Wien gesehen , und er hat Euch in Prag gesehen « , sprach Bertha . » Wir kennen Heinrich von Jugelbach und Schauenberg sehr gut , und ich kenne ihn schon lange « , sagte der Herzog , » wir sind öfter bei einander gewesen , als ich noch nicht auf diesem Fürstenstuhle war , und später auch noch . Er ist in Prag gewesen , da du fern von mir , Witiko , in deinem Walde geweilt hattest . Ich kenne Gebhart von Jugelbach , der jetzt Gebhart von Stauf ist , den Bruder Heinrichs . Heinrich ist ein edler Herr und stark und verständig und vorsichtig und unternehmend , ein Spiegel eines Ritters . Das Geschlecht Dornberg ist sehr edel und mächtig und gut , und war vielfach mit denen von Jugelbach verbunden . Gebhart ist ein treuer ehrenwerter Ritter , und die von Aschach sind edel und gut gewesen , und Eure Großmutter , Bertha , Benedicta von Aschach , ist eine sehr edle Frau , und sie ist gut und treumütig und fromm . Sie hat dem alten Kloster Kremsmünster triftige Gaben zugewendet , und ist ihm noch wohlgesinnt . « » Wir bitten , daß sie Gott dafür segne « , sagte Bertha . » Er wird es tun « , sprach der Herzog . » Wir haben beide , ich und Gertrud , die Herzogin , große Freude gehabt , als uns durch den hochehrwürdigen Bischof Zdik aus Passau die Kunde ward , Witiko denke auf Bertha von Jugelbach , und wir haben den Bestrebungen Witikos das beste Gedeihen gewünscht , und hätten diese Bestrebungen gerne gefördert . « » Du hast sie gefördert , hoher Herr « , sagte Witiko . » Berthas Vater hat zu mir gesprochen , wenn ich ein Haus habe , in dem meine Rose emporblühen kann , dürfe ich um Bertha kommen , und du hast das Haus gegründet . Aber wie konnte der hochehrwürdige Bischof Zdik meine Gedanken wissen ? « » Er hat wohl deine Gedanken aus deinen Mienen gesehen « , sagte der Herzog . » Es ist nun ein so größeres Glück « , sagte Witiko , » daß du , hoher Herr , den Bund billigest , den ich mit Bertha geschlossen habe , und daß ihn die hocherlauchte Herzogin billigt . Und es ist nun eine größere Freude und eine größere Ehre , daß ihr , du und die hohe Herzogin , Hausgaben zu unserem Bunde gesendet habt . Hocherlauchter Herzog , hocherlauchte Herzogin , ich bringe den besten und treu ergebenen Dank für die Gaben dar . « Bertha sprach : » Ich ehre meine Eltern und ihre Vorfahrer , und erkenne sie als vortrefflich , und ich danke dir , hoher Herzog , für die Worte , die du über meine Angehörigen gesprochen hast . Hocherlauchter Herzog , hocherlauchte Herzogin , ich bringe auch wie mein Gemahl den besten und treu ergebenen Dank für die Hausgaben dar . « Der Herzog antwortete : » Ich habe Witiko schon gesagt , daß ich ihm die Gabe aus Hostas Burg als treuem Manne des Herzoges Sobeslaw und als treuem Manne von mir gesendet habe . Und ich habe ihm gesagt , daß die andern Dinge so sind , wie sie die Freunde den Freunden geben . Und das sage ich auch Euch , edle Frau . « » Gebrauchet die Geräte und die Stoffe « , sagte die Herzogin , » erfreut Euch derselben ein wenig , und denkt dabei unser . « » Ich habe den Glauben « , sagte der Herzog , » wenn Gertrud und ich nicht schon vermählt wären , und erst vermählt würden : du , mein Witiko , würdest uns Hausgaben aus deinem Walde senden , was er Besonderes und Köstliches hervorbringt . « » Ich würde mich freuen , wenn du die Gaben nähmest , hoher Herr « , sagte Witiko . » Möge der Bund des hohen Herzoges und der hohen Herzogin bis in das letzte Alter dauern , und mögen ich und Bertha es erleben , daß ihre Kinder Friedrich , Swatopluk , Adalbert und Agnes sich vermählen , und unsere Hausgaben aus dem Walde dann nicht verschmähen . « » Sie werden sich derselben freuen « , sagte der Herzog . » Und nun , Witiko , sage ich : Lebe lange und glücklich mit Bertha , freut euch eures Bundes , und er werde gesegnet , daß die Freude in die künftigen Geschlechter fortwächst . « » Ich wünsche euch auch jedes Glück und jeden Segen « , sagte die Herzogin , » es daure euer Bund so lange , wie Witiko es dem unsrigen gewünscht hat , und euer Stamm sei ein Teil der schönen Geschlechter , die in diesen Ländern sind , und der Stamm blühe empor , und werde immer bedeutender . « » Gott gebe mir das Glück , etwas Gutes und Rechtes auf der Welt wirken zu können « , sagte Witiko , » er lasse uns das Glück , das wir in unserem Bunde finden , dauern , und alles andere sei seiner Weisheit anheimgestellt . « » So sei es , und so möge es werden « , sagte der Herzog . » Und nun , Witiko , gestatte , daß auch andere an unserer Zusammenkunft Teil nehmen . « Als er diese Worte gesprochen hatte , gab er mit einem Schlage auf eine Glocke ein Zeichen , und es öffneten sich die zwei Flügel einer Tür in dem Saale . Und durch die Tür kamen mehrere Herren und Lechen und Frauen in den Saal . Es war Diwis , Preda , Wsebor , Chotimir , Bartholomäus , Welislaw , und mehrere andere . Der Herzog sprach zu ihnen : » Hier ist Witiko , den ihr kennt , und neben ihm ist Bertha von Schauenberg , seine Gemahlin . Wir freuen uns dieser Verbindung , und wer das Geschlecht Berthas kennt , wird sich auch freuen . « » Ich kenne es , und erachte es als ein Glück für Witiko , daß er Bertha heimgeführt hat « , sagte Wsebor . » Es ist ein sehr edles Geschlecht « , sagte Diwis , » und Bertha wird nicht minder sein als die Frauen dieses Geschlechts . « » Ich kenne Heinrich von Jugelbach schon lange « , sagte Bartholomäus , » und freue mich , daß Witiko seine Tochter zur Ehegemahlin erhalten hat . « » Möge Witiko , der gut ist , so empor blühen , wie der Stamm der Jugelbach , den ich lange kenne , blüht « , sagte Preda , » und mögen beide Stämme in die Zeiten hinein mächtig und stark sein . « Und alle sagten nun Witiko und Bertha Glück , und sprachen Segen aus . Witiko und Bertha dankten . Die Frauen sprachen mancherlei mit Bertha , und Bertha antwortete ihnen . » Ich komme sehr bald zu euch « , sagte Welislaw . » So komme « , entgegnete Witiko . Als die Gespräche zu Ende waren , sagte der Herzog : » Und so bitte ich alle , die hier sind , am vierten Tage von heute mit mir mein Brod an meinem Tische zu essen . « Alle verabschiedeten sich hierauf , und verließen den Saal . Witiko suchte an diesem Tage noch Benno , und da er ihn gefunden hatte , führte er ihn zu Bertha . Sie sprachen von vielerlei Dingen , und beschlossen recht oft zusammen zu kommen . Witiko ging mit Bertha zu Herren und Freunden , welche Gattinnen hatten , und diese kamen wieder zu Witiko und Bertha . Die unvermählt waren , kamen , und brachten Grüße dar . Bei dem Mahle des Herzoges hatte Bertha ein Gewand aus dem roten Sammet , der in einem Kästchen der Hausgaben des Herzogs und der Herzogin gewesen war . Witiko und Bertha sahen und betrachteten in der Stadt Prag alles , was würdig war , gesehen und betrachtet zu werden . In der Kirche des Wysehrad beteten sie an den Gräbern Sobeslaws und Adelheids und an den Gräbern der Eltern Sobeslaws , des Königs Wratislaw und der Königin Swatawa . Welislaw zeigte ihnen die alte Burg , und bewirtete sie in derselben . Als die Zeit heran nahete , in der sie Prag verlassen wollten , ging Witiko noch einmal zu dem Herzoge . Der Herzog sprach zu ihm : » Gehabe dich wohl , Witiko . Der hocherhabene Kardinal Guido hat sehr vieles gewirkt . Es ist nun in den kirchlichen Dingen eine Ordnung und Festigkeit , in die Männer der Kirche kömmt eine Anständigkeit und eine Sitte , und die Frömmigkeit und Reinigkeit wird folgen . Der Bund ist also größer geworden , wie du einmal gesagt hast . Aber er muß erst reifen . Was auch geschieht , wenn der Kardinal die Länder verlassen hat , so müssen wir alle durch Umsicht trachten , daß der Bund gedeihe . Und du , Witiko , wirst gewiß nicht der letzte sein . Achte der Zeichen . Und wenn der Bund endlich gefestigt ist , dann kann erst das Größere kommen . « » Ich werde zu tun streben , was recht und nach deinem Sinne ist « , sagte Witiko . » Ich weiß es « , antwortete der Herzog , » und ziehe mit Glück in die Burg deines Waldes . « Witiko verabschiedete sich , und am anderen Tage ging sein Zug von Prag weg dem Mittage des Landes zu . Fünf Tage nach ihm kam auch Benno in das Witikohaus zurück . Witiko versammelte nun einmal in seinem Hause alle die Gäste , welche bei dem ersten Erdausheben zum Baue der Burg gewesen waren , wie bereits Lubomir gesagt hatte . Die Gäste betrachteten nun das Haus , da es fertig war , sehr genau , und wurden in alle Räume geführt . Und wie damals ein Mahl unter dem freien Himmel gewesen ist , so war jetzt eines in dem großen Saale , und es war so geordnet , wie Wentila es sonst bei ihrem Gatten in Pric geordnet hatte , und wie Bertha es in den Burgen des Stammes Jugelbach geordnet gesehen hatte . Dann zog Witiko mit Bertha an verschiedene Stellen des Waldes . Sie gingen nach Friedberg , in den Wangetschlag , zu den Häusern der unteren Moldau , in den oberen Plan , in die Glöckelberge und in die reiche Au . Überall wurde Bertha mit Feierlichkeiten empfangen , die Menschen riefen ihr Glück zu , und priesen ihre Schönheit . In der reichen Au sprach der alte Florian zu ihr : » Da ich Witiko vor langer Zeit als Wegkundiger durch den Wald hinein geführt hatte , und da wir auf der Stelle des heiligen Apostels Thomas gestanden waren , hatte Witiko gesagt : Hier sollte eine Königsburg stehen , und ich hatte geantwortet : Da könnte ein hoher Herr hausen . Und nun steht seine Burg auf der Stelle . Wer hätte das gedacht , und wer hätte gedacht , daß er die hochedle Bertha aus dem Hause , das in dem Walde steht , wo Mathias und Margaretha gewesen sind , als seine Ehegemahlin in seine Burg führen würde . Viel Glück , viel Segen in alle Zeit fort und fort . « » Ich danke dir , Florian « , sagte Bertha . » Komme zu uns in die Burg , und sieh , ob dort eigentlich eine Königsburg stehen sollte . Und wenn auch Margaretha und Mathias nicht mehr in dem Walde an der Mihel sind , so werden wir doch öfter in dem Waldhause meines Vaters sein , und es wird mich freuen , wenn ich dich wieder in jenem Walde sehe , wie ich dich früher gesehen habe . « » Weil ihr so gute Worte redet , hohe Frau « , entgegnete Florian , » so werde ich wohl in Eure Burg kommen . Ich bin ja sehr oft auf dem Platze des heiligen Thomas gestanden , und wenn auch Margaretha und Mathias nicht mehr in dem Walde an der Mihel sind , so haben sie es jetzt viel besser , und ich gelange doch noch hie und da in den Sesselwald hinauf , und da werde ich auch zu Eurem hohen Vater und zu Eurer hohen Mutter und zu Euch und zu Witiko gehen , wenn er dort ist . « » Das wird sehr gut sein « , sagte Bertha . Witiko und Bertha besuchten auch Herren und Frauen , die im Walde oder in der Nähe des Waldes wohnten , und die Herren und Frauen besuchten sie wieder in dem Witikohause . Der alte Lubomir war mit seiner Gattin Boleslawa und mit einem kleinen Gefolge drei Tage in der Burg , und Witiko suchte ihm die Aufnahme , die er in dem Zupenhofe in Daudleb gefunden hatte , zu vergelten . Und die Männer sprachen viel von den Dingen des Landes und der Zupanei , und die Frauen erzählten , wie es in ihrem Hause sei , und redeten von den Angelegenheiten der neuen Burg . Da dieses geschehen war , wendete sich Witiko wieder den Dingen zu , die er in seinem Gebiete für notwendig hielt . Ehe der Herbst in das Land rückte , war in Rowna die Vermählung Welislaws mit Dimut . Viele Herren und Lechen und Freunde Welislaws und ihre Frauen und Töchter und Söhne waren in den Wald gekommen , und Herren im Walde und an dem Walde und Freunde und Nachbarn Rownos waren mit ihren Angehörigen gekommen , und Witiko und Bertha und Wentila und Hiltrut und Benno und ein Gefolge waren nach Rowno gezogen . Welislaw war bei der Vermählung in einem hellblauen Sammetgewande mit Gold und edlen Steinen , Dimut hatte ein weißes Sammetgewand mit Gold und edlen Steinen , und einen weißen Schleier . Rowno und seine Gattin und seine Sippen waren in dem höchsten Prunke des Waldes , und die Gäste trugen ein Gepränge , wie es in dem Landstriche eines jeden Sitte war . Daniel , der Propst von Prag , vollzog mit Beihilfe zweier Erzpriester von Prag , dann dem Pfarrer von Friedberg , von Horec , vom Kirchenschlage , von Plan und Bennos in der kleinen Kirche des Rownaturmes die heilige Verbindung . Und wie es nach dem Einzuge Witikos und Berthas in dem Thomaswalde gewesen war , so war es nun in dem Rownawalde . Geschmückte Gezelte waren überall und Hütten und Umzäunungen und Gerüste , und die Gäste und das Volk erlustigten sich . Die Feste dauerten sechs Tage . Am siebenten Tage verabschiedeten sich die Gäste , und bald darauf rüstete Welislaw seinen Zug nach Prag . Manche Herren und Frauen aus der Mitternacht des Landes schlossen sich dem Zuge an . Rowno geleitete ihn mit seinen Sippen bis Prag . Dann kam der Herbst in die großen Wälder an der jungen Moldau , und dann kam der Winter . Als die Tage des heiligen Christfestes und des neuen Jahres gefeiert worden waren , gelangten Nachrichten in den Wald , daß in Mähren schlechte Taten geschehen seien , und daß sich die Fürsten gegen den Herzog erhoben haben . Witiko rüstete sich , und zog schnell mit einem Geleite nach Prag . Vor dem Abschiede sagte Benno zu Witiko : » Der hocherhabene Kardinal Guido hat einmal zu mir gesagt : Die Wälder wachsen langsam aber sicher , wenn sie Sonne und Feuchtigkeit haben ; noch langsamer aber beugt sich der Sinn eines ganzen Volkes , er beuget sich dennoch auch sicher , wenn der rechte Sonnenschein über ihm ist . Der hohe Kardinal ist mild und stark , und wäre wohl ein Sonnenschein , wie er gesagt hat . « Witiko traf manche , die nach Prag zogen , und hörte viel über geschehene Dinge reden . In Prag meldete er sich sogleich bei dem Herzoge . Es waren viele Männer gekommen , und auf einen Tag war eine Versammlung in den Saal der Hofburg berufen . Die Männer der Kirche und des Landes versammelten sich an dem Tage in dem Saale . Der Herzog Wladislaw kam mit seinem Bruder Heinrich herein . Als sich alle geordnet hatten , stand der Herzog von seinem Sitze auf , und sprach : » Liebe getreue Herren der Kirche und des Landes , und ihr , Söhne Premysls , die ihr zugegen seid . Habet Dank , daß ihr in dem harten Winter zu mir gekommen seid , und höret aufmerksam an , was euch berichtet werden wird . Otto , Herzog von Olmütz , Zweig des Stammes Premysl , wenn es dir genehm ist , so rede . « Otto , der Herzog von Olmütz , stand auf , und sprach : » Erlauchter Herzog , es ist meine Pflicht , daß ich rede , und ich rede , wie ich es gesehen und erfahren habe . Von dem Heiligen Vater kam ein Sendschreiben an den hochehrwürdigen Bischof Zdik , daß er zu ihm ziehen möge . Zdik bereitete sich sogleich , und rüstete sein Geleite . Ich rüstete zwanzig Männer , um den hochehrwürdigen Bischof zu begleiten , soweit es nötig wäre . An einem der Tage abends langten wir in dem Hofe zu Moren an , um dort Nachtruhe zu halten . Da wir bei dem Mahle waren , kam einer der Männer , welche wir herum streifen ließen , und sagte , es ziehe eine Schar Reisige heran . Es kam ein zweiter Mann alsogleich , und sagte , es ziehen auf mehreren Wegen Reisige herzu . Zdik und ich ließen unsere Männer in Bereitschaft treten , und Nikolaus , der Besitzer des Hofes , sammelte die Seinigen . Wir riefen , die draußen waren , herein , und die Türen und Tore wurden noch mehr verrammelt . Ich stieg unter das Dach empor , um durch Lücken herum zu schauen . Der ganze Hof war von bewaffneten Männern umringt , und sie machten Anstalt , ihn zu erstürmen . Der Hofwart rief durch ein Fenster , was die Leute