deren ich noch weiterhin erwähnen werde , sprechen – mit Ausnahme eines , des freilich wichtigsten – dafür . Er stand ganz in der großen Kontroverse , die den Inhalt seines Jahrhunderts ausmachte , und nahm in Wort und Schrift vielfach daran teil . Mit Bibellesen begann er seinen Tag und mit Disputationen über die schwebenden Fragen beschloß er ihn . Was ihn nebenher beschäftigte , waren Mathematik und Astrologie . Er hielt zwei Hofastrologen , unter ihnen den durch seine reformatorische Tätigkeit später so berühmt gewordenen Martin Chemnitz , und ließ täglich die Veränderungen im Stand der Gestirne beobachten , um daraus die Gesinnungen der fremden Fürsten gegen ihn kennenzulernen . Seine der Erholung gewidmeten Stunden gehörten der Musik , dem Brettspiel und nur ausnahmsweise der Jagd . Dabei war er von einer ausgesprochenen Neigung , kleine Reisen unerkannt ins Land hinein zu machen , um bei dieser Gelegenheit die Lage des Volkes und seine Stimmung kennenzulernen . Auch wohl sich von der Zuverlässigkeit seiner Diener , höherer wie niederer , zu überzeugen . So trat er auf der ihm zugehörigen Quartschener Feldmark an einen seiner eigenen Schäfer heran und drang in ihn , ihm heimlich einen Hammel aus seiner Herde zu verkaufen . Und als der Angeredete dies weigerte , begann er nicht nur mit ihm zu zanken , sondern griff auch nach dem Hammel , bis der Schäfer endlich mit seiner Barte so gut und sicher nach ihm warf , daß der Spieß im Sattel des Markgrafen hängen blieb . Damit ritt dieser heim und ließ den Sattel mitsamt dem Bartenspieß in seinem Marstall aufbewahren . Er kam , wie die meisten unserer früheren Hohenzollern , nicht hoch zu Jahren . Allerlei Krankheit trübte seinen Ausgang , und ein offener Wundschaden am Fuß , den er gegen den Rat seiner Ärzte zuheilen ließ , verschlimmerte seine Leiden . Er suchte Heilung , erst in Hirschberg , dann in Karlsbad , und an letzterem Orte war es , daß noch viele Jahre später ein Stein mit der Inschrift » Markgraf Hans von Küstrin « gezeigt wurde . Aber alle diese Quellen verschafften ihm kaum Linderung , geschweige Besserung , und als er in der ersten Januarwoche 1571 die Nachricht empfing , daß sein Bruder , der Kurfürst , auf seinem Jagdschlosse zu Köpenick plötzlich gestorben sei , mochte er das Herannahen seines eigenen Endes fühlen . Eine Ohnmacht überfiel ihn , und als er aus ihr erwachte , ließ er seinen Hofprediger und Generalsuperintendenten Dr. Cölestinus zu sich rufen . Dieser kam und setzte sich mit an den Tisch , auf dem Speisen aufgetragen waren , und als das Gebet gesprochen , sagte der Markgraf : » Hilf Gott ! Wie arme Leute sind wir ! Wär ' ich doch schier in einer Ohnmacht dahin gegangen . Ach , was ist das Leben . Dolor et labor . Lieber Gott , gib , daß wir seliglich sterben . « Das war am 12. Januar . Die Nacht darauf schied er aus dieser Zeitlichkeit . Schon fünfzehn Jahre vorher hatte er sich unter dem Marmoraltar seiner Küstriner Schloßkirche ein Grabgewölbe herrichten und demselben auch eine Inschrift geben lassen . Und zwar standen an einer in die Wand eingelassenen Messingtafel die folgenden Worte : » Johannes Markgraf zu Brandenburg , ein Sohn Markgraf Joachims I. , Kurfürsten zu Brandenburg , hat durch Gottes Vorsehung im Jahre 1536 angefangen , die reine Lehre des Evangelii und Wortes Gottes , inhalts augsburgischer Confession , nach prophetischer und apostolischer Schrift allhier zu Küstrin öffentlich lehren zu lassen , und ist in solchem Bekenntniß , Er und die Seinigen , aus Gnaden des Allmächtigen beständig geblieben . Solus spes mea Christus . « In dieser Gruft wurde Markgraf Hans in feierlicher Weise beigesetzt und die Chronisten geben eine Beschreibung davon , nicht viel kürzer als die Beschreibung seines Lebens . Er war ohne männliche Deszendenz gestorben , und so fiel die Neumark , nach einer verhältnismäßig kurzen Trennung von der Kurmark , wieder an diese zurück . Es erübrigt uns noch ein Blick auf seinen Charakter , den anzudeuten schon die vorstehende Schilderung seines äußeren Lebensganges Gelegenheit bot , weshalb einige Aussprüche sich an dieser Stelle wiederholen werden . Er war klug und scharfblickend , ein Mann der Ordnung und des Gesetzes , ein glänzender Haushalter und ein unermüdlicher Begründer eigenen und fremden Wohlstandes . Das machte ihn volkstümlich . Aber alle diese Tugenden grenzten an ebenso viele Fehler . Sein Scharfblick , in Argwohn und Mißtrauen ausartend , ließ ihn den Spruch : Unter Tausenden trau einem recht , Bis du erkennst ihn treu oder schlecht , zu seinem Lieblingsspruche wählen , und die Handhabung des Gesetzes trieb er mit einer eisernen Strenge und Unnachsichtigkeit , daß er den Beinamen Severus erhielt und verdiente . Es war zu rühmen , daß er sich beflissen zeigte , das Räuber- und Mordbrennerwesen , das an der Tagesordnung war , mit Stumpf und Stiel auszurotten , aber es war zu streng , zu streng auch aus dem Geiste seiner Zeit heraus , Flucher , die schon wiederholentlich wegen Fluchens bestraft worden waren , schließlich hinrichten zu lassen . Sooft er Todesurteile zu bestätigen hatte , tat er es mit dem Worte : » Auferas malum e medio populi tui « , und wer für Verbrecher zu bitten kam , erhielt einfach die Antwort : » Fiat justitia et pereat mundus . « Sein Kardinalfehler war der Geiz , in den seine weise Sparsamkeit beständig ausartete . Wenn sein Kanzler Barthold von Mandelsloh in seidenen Strümpfen vor ihm erschien und er ihm zurief : » Bartholde , ich habe auch seidene Strümpfe , aber ich trage sie nur Sonn- und Festtags « , so mag das als ein humoristisch anklingender Zug lächelnd und dankbar hingenommen werden , wenn er aber , nach Art mancher modernen Adeligen , das Prinzip verfolgte , Rechnungen auf lange Zeit hin unbezahlt zu lassen , so wird ihm dies schwerlich als Zierde angerechnet werden können . Sein Nürnberger Büchsenmacher kannte diese Sonderlichkeit des hohen Herrn und richtete deshalb folgendes Schreiben an ihn : » Guten Tag , Herr Markgraf . Eure Büchse ist fertig . Schickt Ihr mir Geld , so schick ' ich Euch die Büchse . Schickt Ihr mir das das Geld nicht , so schick ' ich auch die Büchse nicht . Hiermit Gott befohlen . « Er war von Kopf bis Fuß ein Finanz- und Börsenmann und lieh Geld auf Zinsen . Niedere und hohe , je nachdem . Innerhalb seines eigenen Landes wurde er dabei sehr wahrscheinlich von der nicht unlöblichen Absicht geleitet , Bedrängten Hilfe zu leisten , ohne geradezu schenken zu müssen , nach außen hin aber fielen diese Rücksichtnahmen fort und entschied nichts als der eigene Vorteil . Und diesem Vorteile hing er derart energisch nach , daß es ihn unter Umständen nicht kümmerte , mit seinen sonstigen Rechtsanschauungen in den sichtlichsten Widerspruch zu geraten . Auch darin ganz wie Friedrich Wilhelm I. , der kein furchtbareres Verbrechen kannte als Desertion , und dennoch seine Werber beständig anhielt , in fremden Ländern dazu zu verführen . Alles nur um seiner dominierenden Leidenschaft , der Leidenschaft für große Soldaten , ein Genüge zu tun . Markgraf Hans , in sehr ähnlicher Weise , verpflichtete sich , wenn auch unter gewissen Reservationen , gegen ein Jahresgehalt von 5000 Talern in Philipps II. und des katholischen Spaniens Dienste zu treten . Seine dominierende Leidenschaft : der Hang nach dem Gelde , war eben stärker als sein Protestantismus . Am häßlichsten erwies sich diese seine Leidenschaft in seinem Verhältnisse zum Johanniterorden , weil sie sich in diesem speziellen Falle bis zur Rachsucht und Grausamkeit steigerte . Es ist unerläßlich , bei diesen Vorgängen , deren Opfer der Herrenmeister Franz Neumann und sein Anhang war , einen Augenblick zu verweilen . Franz Neumann war Ende des 15. Jahrhunderts zu Sagan in Schlesien geboren . Er kam nach Krossen , wurde Rektor daselbst und wußte , bei Gelegenheit eines festlichen Redeaktes , den Markgrafen durch glänzende Beredsamkeit derartig hinzureißen , daß er ihn nicht nur zu seinem Küstriner Rat und Kanzler ernannte , sondern auch seine Wahl und Ernennung zum Herrenmeister des hochadeligen Johanniterordens durchsetzte . Eine hohe Stellung , die nie vorher von einem Bürgerlichen bekleidet worden war . Und so läßt sich denn mit einer an Gewißheit grenzenden Wahrscheinlichkeit annehmen , daß alles dies nur auf bestimmte Versprechungen hin erfolgte , die zu halten der kaum ernannte Herrenmeister sofort ein Widerstreben zeigte . Die Herausgabe von Ordensländereien , vielleicht auch viel anderes noch , unterblieb und führte schließlich , bei fortgesetzter Weigerung , zu einer allerheftigsten Erzürnung des Markgrafen . Er begann , dem Herrenmeister – in dem er vielleicht eine bloße Kreatur , gewiß einen durch Amts- und Lehnseid an sich geketteten Diener sah – nach Freiheit und Leben zu trachten , und ließ ihn bei sich bald darbietender Gelegenheit durch einige seiner Mannschaften aufheben und auf das Sonnenburger Schloß bringen . Hier gedachte er ihn seine Rache fühlen zu lassen . Als es aber dem kaum gefänglich Eingebrachten glückte , seine Flucht zu bewerkstelligen , richtete sich des Markgrafen Zorn gegen alle diejenigen , die sich zwischen ihn und den angeblich Schuldigen gestellt hatten . Zunächst gegen den Sonnenburger Schloßhauptmann von Winning . Dieser wurde angeklagt , die Flucht begünstigt zu haben , und als von Winning leugnete , ward er auf die Folter gelegt , an deren Folgen er starb . Aber des erzürnten Markgrafen Rachegelüst ging weiter , und als ihm bald darauf die Meldung kam , daß Christoph von Döberitz , ein Schwiegersohn Franz Neumanns , harte Worte gegen ihn gebraucht habe , ließ er demselben den Prozeß machen und ihn hinrichten . Dies das Tatsächliche . Zeitgenössische Geschichtsschreiber haben auch hier die Handlungsweise des Markgrafen erklären , beziehungsweise entschuldigen wollen , einige , weil der Wortbruch seines ehemaligen Kanzlers und Günstlings , andere , weil die landesverräterischen Umtriebe desselben ( Auslieferung von Ordensbesitz an den Kaiser ) ihn aufs äußerste gereizt hätten , aber was immer auch die Schuld Franz Neumanns selbst , eines mutmaßlich zweideutigen Mannes , gewesen sein möge , die Tortur des von Winning und die Hinrichtung des von Döberitz werden schwerlich jemals gerechtfertigt werden können . Der Groll , sich in seinen Plänen gehemmt , in seinen Interessen geschädigt zu sehen , trübte sein Urteil und riß ihn zu jähzornigen Entscheidungen fort . All dieser seiner Fehler unerachtet war der Markgraf ein bedeutender Fürst und ein Mann voll mutiger Überzeugung , wovon er , vor eine letzte Entscheidung gestellt , ein vollgültiges und ihm zu ewigem Ruhme gereichendes Zeugnis ablegte . Das war 1548 in Augsburg , als auf dem Reichstage daselbst die für Katholiken und Protestanten bestimmte Vereinigungsformel : das » Augsburger Interim « , zur Vorlage kam . Keinem gefiel die Vorlage . Aber der Kaiser bestand auf ihrer Annahme , und die besiegten protestantischen Fürsten schwiegen und – unterschrieben . Nicht so Markgraf Hans . Er las das Schriftstück ; dann erhob er sich und erklärte vor Kaiser und Reich , » daß er dies verführerische Gemisch von Wahrheit und Trug nicht annehmen wolle . Lieber Beil als Feder , lieber Blut als Tinte « , und damit schob er das Schriftstück zurück . Der Kaiser sah ihn zornig an und gebot ihm , den Reichstag zu verlassen , – eine Verbannung , der er gern gehorchte . Und heimgekehrt in seine Stadt Küstrin , schrieb er über die Tür seines Arbeitszimmers : Hast du Feind ' und fehlt dir Glück , Hab ' guten Muth , weich ' nicht zurück . In steter Hoffnung leb ' und trag ' , Was dir auf Erden begegnen mag . Um dieser seiner Standhaftigkeit willen ward er damals als ein Hort und Retter jener Glaubensbefreiung angesehen , der er in der Tat sein Leben gewidmet hatte , und dem Urteil eines seiner Biographen wird auch heute noch zuzustimmen sein : » daß sein Einfluß auf das Schicksal des Protestantismus in Deutschland ein sehr bedeutender gewesen sei , viel bedeutender , als selbst unsere märkischen Spezialgeschichten hervorzuheben pflegen « . In dem neumärkischen Lande aber , das er ein Menschenalter lang regiert , lebt sein Andenken fort bis diesen Tag , freilich nicht in seiner Eigenschaft als Führer und Beschützer der protestantischen Sache ! Was er nach dieser Seite hin getan , konnte nicht Wurzel fassen in den Gemütern eines Stammes , von dem in Lob und Tadel gesagt worden ist , » daß er keine Heiligen hervorgebracht , aber auch keine Ketzer verbrannt habe « . Er lebt fort in dem , was diesem tüchtigen , aber durchaus nüchternen Mischvolk zu beiden Seiten der Oder allezeit das Wichtigste war , in Fragen der Ordnung und der Vorsorge , des Häuslichen und des Wirtschaftlichen . Und das spiegelt sich in den Sagen , die bis heute von ihm umgehen . » In den Kasematten von Küstrin « , so heißt es , » steht sein Bett , das hängt in Ketten , und ein altes Mütterchen ist ausdrücklich gehalten , es jeden Tag aufs sorglichste zu machen . Des Morgens aber ist eine Grube darin und eine warme Stelle , als hätte wer darin gelegen . « » Und fremdes Volk « , so plaudert die Sage weiter , » mag er in seiner Stadt nicht leiden , am wenigsten einen Feind . Das hat manche französische Schildwacht erfahren müssen , und ging sie zu nahe am Rande des Wallganges , der zwischen Bastion König und Bastion Brandenburg läuft , so war er bald neben ihr und sprach mit ihr und stieß sie hinunter . « Und mit diesen Sagen gemeinschaftlich werden die Geschichten erzählt von dem Quartschener Schäfer und dem Nürnberger Büchsenschmied , und Markgraf Hans ist noch jetzt der » Regente « des Landes , das er streng , aber segensreich regiert . Die Festung Küstrin und ihre Belagerungen Die Festung Küstrin und ihre Belagerungen Einer Reihe von Schöpfungen des Markgrafen Hans habe ich in vorstehendem gedacht , über die bedeutendste aber bin ich bis hierher hinweggegangen : über die Befestigung Küstrins . Was ihn dazu bestimmte , den offenen Ort in eine Festung zu verwandeln , darüber ist hin und her gestritten worden . Nach den einen geschah es , weil ihn der Schmalkaldische Krieg über den Wert stark befestigter Plätze belehrt habe , nach anderen , weil er es für geboten ansah , » sich gegen das Papsttum zu schützen « . Beide Angaben unterliegen aber gerechten Zweifeln , ja sind mit Hilfe historischer Zahlen zu widerlegen . Als Markgraf Hans , bereits um 1536 , mit den Befestigungen begann , stand der Schmalkaldische Krieg noch weit in Sicht , und von einer Furcht » vor dem Papsttum « konnte für ihn , der damals selber noch im » Papsttume « stand , am allerwenigsten die Rede sein . Und so dürfen wir denn die Gründe zur Befestigung des Orts nicht in einer besonderen politischen Veranlassung , sondern einzig und allein in dem allgemeinen Zuge der Zeit suchen , der allerorten dahin ging , an die Stelle mittelalterlicher , durchaus unausreichend gewordener Stadtbefestigungen , wirkliche Festungen treten zu lassen . Einen Augenblick scheint der Markgraf geschwankt zu haben , welche seiner Städte zu bevorzugen sei ( so kam beispielsweise Königsberg in der Neumark ernstlich in Betracht ) ; aber die Vorteile , die Küstrin bot , konnten auf die Dauer nicht übersehen werden . Gewährte schon der rechtwinklige Zusammenfluß von Oder und Warthe nach zwei Seiten hin einen natürlichen Schutz , so wuchs dieser durch die Beschaffenheit des beiden Flüssen vorgelegenen Terrains . Dieses Terrain war nach Süden und Südosten hin ein anderthalb Meilen breiter , mit Schilf und Gesträuch bewachsener , weder zur Winter- noch Sommerzeit passierbarer Morast , während alles andere Vorland aus Wiesengrund bestand , der bei hohem Wasserstande völlig überschwemmt wurde . Nur zwei Dämme , der lange und der kurze Damm , führten von Westen und Nordosten her durch diese Küstriner Sumpf- und Wasserwildnis , in der nunmehr – etwa nach dem Vorbilde von Mantua – eine » Sumpffestung « anzulegen , der italienische Baumeister Giromella berufen wurde . Dieser , sehr wahrscheinlich durch die Sparsamkeit seines Bauherrn dazu bestimmt , beschränkte sich zunächst auf Herstellung von Erd- und Torfwällen , die , fortifikatorisch gegliedert , die Stadt von vier Seiten hin einzuschließen hatten ; als sich aber herausstellte , daß die großen Frühjahrswasser der Oder und Warthe diese Wälle wieder fortspülten , schritt man dazu , dieselben mit Mauersteinen zu bekleiden . Schon 1543 waren die Befestigungen so weit gediehen , daß sie mit Geschützen armiert werden konnten , aber erst 1557 erfolgte jene vorerwähnte Bekleidung . Bis dahin waren , nach Angabe der Chronisten , etwa 160000 Gulden verausgabt worden . Die Festung hatte damals ( und in ihrem Kernstück auch jetzt noch ) die Form eines länglichen , unregelmäßigen Vierecks . Dieses Oblong war mit vier Eckbastionen versehen , zwischen denen sich , und zwar an den zwei Langseiten des Oblongs , zwei weitere Mittelbastionen erhoben . Im ganzen also sechs . Diese sechs Bastionen hatten anfänglich andere Namen als heute . Gegenwärtig heißen sie : Bastion König , Bastion Königin , Bastion Kronprinzessin , Bastion Philipp , Eckbastionen . Bastion Kronprinz , Bastion Brandenburg , Mittelbastionen . Auf Bastion » Kronprinz « erhob sich und erhebt sich noch der sogenannte » Hohe Kavalier « , ein besonders fester Punkt , der eine vierfache Verteidigung gestattet . Auf Bastion » Brandenburg « oder in seiner unmittelbaren Nähe vollendete sich die Katte-Tragödie . An den Schmalseiten des länglichen Vierecks befanden sich die zwei Festungstore : das Lange-Damm-und das Kurze-Damm-Tor ( jetzt Berliner- und Zorndorfer-Tor ) , die den auf den vorgenannten beiden Dämmen sich bewegenden Verkehr der Landschaft mit der Stadt einzig und allein vermittelten . Auf dem Langen-Damm-Tore stand ein Torhäuschen , in dessen einziger Stube Katte seine letzte Nacht vor der Hinrichtung zubrachte . Auf vorstehender Zeichnung ist das Häuschen mit einem ° bezeichnet . Innerhalb der Festungswerke lag die Stadt mit Marktplatz , Kirche , Schloß , letzteres hart an den Wall gelehnt , und zwar zwischen Bastion König und Bastion Brandenburg . Auf den Wällen selbst befand sich alles , was eine Festung an Magazinen , an Gieß- und Zeughäusern , an Pulver- und Getreidemühlen erforderte . Unter seiner Armatur waren auch einzelne aus der Küstriner Gießerei hervorgegangene berühmte Geschütze , die nach damaliger Sitte besondere Namen hatten . Das eine derselben hieß » Der wilde Mann « , ein anderes » Das Rebhuhn « . Dem » wilden Mann « war folgende Inschrift gegeben : Der Papst , das ist der » wilde Mann « , Er hat all ' Unglück richtet an . Das Gott und Mensch nicht leiden kann . Und bei dem » Rebhuhn « heißt es : Das Rebhuhn mit seinem Schnabel pickt , Daß mancher drob zu Tod erschrickt . So war Festung Küstrin . Sie galt für » unüberwindlich « . Daß sie sich nicht jederzeit als solche bewährte , lag an anderem als an dem Mangel oder der Unzureichendheit ihrer Befestigungen . Dies führt uns , mit Übergehung ihrer nicht bedeutenden Erlebnisse während des Dreißigjährigen Krieges , auf ihre zwei Belagerungen von 1758 und 1806 . Das Bombardement vom 15. August 1758 Die langsam heranziehenden russischen Kolonnen unter General Fermor waren am 14. August in unmittelbarer Nähe von Küstrin eingetroffen . In diesem kommandierte Oberst Schack von Wuthenow , ein braver Mann , aber von geringer militärischer Begabung . Er hatte nur vier Bataillone zu seiner Verfügung . So schwach diese lebendige Verteidigung war , so stark war die tote : zahlreiche Geschütze standen gut plaziert auf den Wällen , und aller Tadel , der nachträglich , und nicht unverdient , den Obersten und Kommandanten getroffen hat , läuft darauf hinaus , daß er es versäumt habe , von dieser starken artilleristischen Ausrüstung einen richtigen und namentlich rechtzeitigen Gebrauch zu machen . Am 15. früh etablierten die Russen – und zwar unbehelligt durch irgendein diesseitiges Feuer , das , im rechten Moment , den Anmarsch mit Leichtigkeit hätte hindern können – ihre Batterien zur Seite der Kurzen-Damm-Vorstadt und begannen die Stadt aus allerhand kleinerem Geschütz , insonderheit aber aus zwei Schuwalowschen Haubitzen und vier » Einhörnern « zu bombardieren . Aus den » Einhörnern « wurden 96 Pfund schwere Kugeln geworfen . Gleich eine der ersten Granaten , die der Feind warf , zündete ; um 9 Uhr standen mehrere Straßen in Flammen , und am Nachmittag war alles bis auf die Garnisonkirche und das mit ° bezeichnete Torhäuschen in einen Aschenhaufen verwandelt . Besonders nachteilig für die Neumark wurde der Umstand , daß die Gefangenen , die sich in der Festung befanden , nicht nur umherliefen und plünderten , sondern auch alle Anordnungen zum Dämpfen des Feuers zu hintertreiben wußten . So ging ein großer Teil neumärkischen Landesvermögens , das man vor den heranrückenden Russen hierher geflüchtet hatte , verloren . Gegen die Festung wurde kein Schuß abgefeuert ; nur auf Zerstörung der Stadt hatte man es abgesehen und fuhr mit dem Werfen von Brandraketen noch fort , als schon längst nichts mehr zu zerstören war . Der 16. verging ruhig . Am 17. erschien ein Parlamentär , um den Obersten von Schack zur Übergabe der Festung aufzufordern , widrigenfalls die ganze Garnison über die Klinge springen müsse . Von Schack , der von dem Heranziehen des Königs Kunde hatte , überhaupt mehr unfähig als mutlos war , wies das Ansinnen zurück . Am 21. erschien der König und begab sich von der linken Oderseite her , von der er anrückte , nach Küstrin hinein , einesteils um die russischen Stellungen zu rekognoszieren , anderenteils um die Festung selbst in Augenschein zu nehmen . Diese war noch im besten Zustande , aber der Anblick der eingeäscherten Stadt erfüllte ihn mit Wehmut . Als sich von Schack wegen seiner bei der Verteidigung begangenen Fehler entschuldigen wollte , sagte der König : » Schweig Er ; ich bin selbst schuld . Warum habe ich Ihn zum Kommandanten gemacht . « Tags darauf führte der König seine Regimenter über die Oder und stand am 24. zwischen Darmitzel und der Neudammschen Mühle dem Feinde gegenüber . » Mit solchem Kroop muß ich mich schlagen « , waren seine berühmt gewordenen Worte , als man ihm die ersten gefangenen Kosaken vorführte . Der 25. war der » Tag von Zorndorf « , und die russische Flut , die wochenlang die Neumark überschwemmt hatte , staute nun wieder zurück . Aber Küstrin lag in Trümmern , und das Land war eine Wüste . Der Marquis Montalembert schrieb nach Paris : » Alles ist eingeäschert , tot , geflohen ; man findet keine Menschen , kein Pferd , kein Herdenvieh mehr « , und dem neumärkischen Landrat von Wobeser , der um Vergütung des erlittenen Brandschadens eingekommen war , antwortete der König selbst in jenem grimmen Humor , zu dem er nur zu sehr berechtigt war : » Am jüngsten Tage kriegt jeder alles wieder . « Bald nach dem Kriege wurde mit dem Wiederaufbau der Stadt begonnen . Er vollzog sich von 1768 bis 1770 , so daß das gegenwärtige Küstrin mit Ausnahme des Schlosses , das während des Bombardements nur partiell zerstört wurde , als eine verhältnismäßig neue Stadt angesehen werden kann . Küstrin am 1. November 1806 Jena war geschlagen ; flüchtig und in Auflösung begriffen ging die preußische Armee über die Elbe , und nur einzelne Trümmer derselben erreichten noch die Oder . In die Flucht hineingerissen ward auch der Hof . Am 19. trafen König und Königin in Küstrin zusammen und bezogen Quartier in einem am Markte gelegenen Gasthof ( Goldener Hirsch ) . Am Tore der Festung waren sie von dem Obersten und Kommandanten von Ingersleben empfangen worden . Unter den unrühmlichen Festungskommandanten jener Epoche der unrühmlichste , weil der zweideutigste . Von dem , was den Soldaten macht und ehrt , besaß er nichts . » Ingersleben « – so schreibt General von der Marwitz , eine Quelle , deren Zuverlässigkeit niemand beargwöhnen wird – » war seit dem Champagne-Feldzug von 1792 Ritter des Pour le mérite . Aber wie hatte er den Orden erhalten ? Der König legte großen Wert darauf , kein Geschütz in dem aufgeweichten Kalkboden stehen zu lassen . Eines Tages quälten sich die Artilleristen mit einer solchen Kanone , als das Regiment , bei welchem Ingersleben stand , vorüberzog . Dieser saß auf einem seiner gewaltigen Gestalt angemessenen riesigen Braunen , der , aller Kriegsstrapazen unerachtet , noch sehr wohl imstande war . Ingersleben hatte den König kaum gesehen , als er vom Pferde sprang und seinen Braunen in eines der Geschirre steckte . Wohlweislich aber ließ er den Sattel mit Pistolenhalfter und der großen goldgestickten Paradeschabracke auf den Rücken des Pferdes . Und nun tat er sehr geschäftig , schrie , legte selbst Hand an und trieb so , daß die Kanone richtig aus dem Schlamm herauskam . Der König fragte sogleich , wem das Pferd gehöre , und gab ihm den Orden . Ingersleben aber , als der König weit genug fort war , spannte seinen Braunen wieder aus , setzte sich auf und ließ die Kanone stehen . Später wurde er wegen üblen Betragens vor dem Feinde vom Regimente entfernt , bis ihn höfische Fürsprache zum Kommandanten von Küstrin machte . « Sein Adlatus war der Oberst von Weyher , ein hochmütiger , die Bürger und Soldaten gleichmäßig malträtierender Bramarbas , dem die gesamte Festungsgarnison unterstellt war . Diese bestand aus den Depotbataillonen dreier berühmter Regimenter : Prinz Heinrich , Prinz von Oranien ( früher Markgraf Karl ) und von Zenge . Dazu 500 Mann von der Festungsartillerie . König Friedrich Wilhelm III. , der sich auf Menschenbeurteilung sehr wohl verstand und nur die bis zur Schwäche gehende Bescheidenheit hatte , sich dem Urteil anderer , öfter als gut war , unterzuordnen , scheint der Tüchtigkeit oder dem guten Willen Ingerslebens von Anfang an mißtraut zu haben . Er ließ sich von ihm auf den Festungswällen umherführen und stellte bei dieser Gelegenheit die Frage : » ob er sich ' s auch wirklich getraue ? « worauf Ingersleben die berühmte Antwort gab : » er werde die Festung halten , bis ihm das Schnupftuch in der Tasche brenne « . Von einzelnen Interpreten ist der bald darauf zutage tretende Verrat Ingerslebens auf dieses Gespräch zwischen ihm und dem Könige zurückgeführt und aus einem durch obige Frage , » ob er sich ' s auch getraue « , beleidigten Ehrgefühl erklärt , die Tat selbst also als ein Racheakt hingestellt worden . Aber dies ist falsch , weil viel zu tief und ernsthaft genommen . Ein Mann , der eine Komödie wie die , die von der Marwitz erzählt , aufführen konnte , entbehrte solchen Ehrgefühls durchaus , und die Triebfedern seiner Handlungsweise sind entweder in Feigheit und Bestechlichkeit oder günstigstenfalls in einer Art von Apathie zu suchen . Denn er gehörte zu den Leuten , die jeden Glauben an die Widerstands- oder auch nur an die Lebensfähigkeit Preußens verloren hatten . Sie spöttelten und freuten sich eigentlich dessen , was geschah . In den » Vertrauten Briefen « heißt es von Ingersleben , » daß er nichts als einen Magen gehabt habe « . Und dessen sollte das Land bald gewahr werden . Am 24. Oktober verließen König und Königin Küstrin , und am 31. erschienen 250 Franzosen an der Torschreiberbrücke , von der aus sie mit einem in der Nähe stehenden preußischen Pikett zu plänkeln begannen . Als der Kommandierende dieses Piketts um Verstärkung bat , erhielt er die Antwort : » er ( Ingersleben ) könne keine Leute aus der Festung lassen , weil sie alle davonlaufen würden . « So ging denn das Pikett zurück und beschränkte sich darauf , die Brückenpfeiler in Brand zu stecken . Von den Wällen aus sah man die Franzosen am andern Ufer promenieren , lachen und scherzen , wobei sie , wie zur Verspottung ihrer Gegner , die Finger in große Honigtöpfe tauchten , deren sie sich in den Kellern einiger vorstädtischer Bienenzüchter bemächtigt hatten . Inzwischen rückte die feindliche Hauptkolonne nach , und schon um 12 Uhr nachts schloß Oberst Ingersleben , ohne daß auch nur ein einziger Schuß gefallen wäre , in einem außerhalb der Stadt gelegenen Hause die Kapitulation ab . Da derselbe kein Amtssiegel mitgebracht hatte , so wurde das Siegel der Färberinnung , das sich am raschesten beschaffen ließ , herbeigeholt und auf diese burleske Weise der Kapitulationsvertrag vollgültig gemacht . Damit war der Verrat geübt . Es handelte sich aber noch darum , diese Felonie den alten berühmten Bataillonen auch annehmbar zu machen . Und das war nicht leicht , denn Ingersleben kannte sehr wohl die Gesinnungen des gemeinen Mannes . In der Tat rebellierte das Bataillon Oranien , als ihm die Kapitulation endlich mitgeteilt wurde , so daß Ingersleben in die Lage kam , zu seinem eigenen persönlichen Schutz den Feind in Kähnen über die Oder herbeiholen zu müssen . Auch jetzt noch stand die Sache mißlich genug , denn ein am Geschütz postierter Artillerist hob , als er die heranschwimmenden Kähne sah , bereits die Lunte ; aber ein Offizier von der Kapitulationspartei hieb ihn mit dem Degen über die Hand und rief : » Kerl , bist du des Teufels . « So landete denn der Feind unangefochten , und Ingersleben selbst ordnete die Waffenstreckung an . Wütend zerschlugen die Soldaten ihre Musketen und wurden dann in die Kriegsgefangenschaft geführt . Viele ranzionierten sich übrigens und waren später mit unter den Verteidigern von Kolberg . Als dem Kaiser Napoleon einige Tage später die Kapitulation zur Gutheißung vorgelegt wurde , strich er eigenhändig den Paragraphen , der dem von Ingersleben den Eintritt in die französische Armee zusagte . »