gejammert hat . Der Kerl geberdete sich wie eine junge Dirne , die mit einem Alten die Brautnacht feiern soll . « » Mein Bruder schaue den Mann , den der Hekim-Baschi uns empfohlen , - ich glaube , auch seine Zeit ist gekommen . « » Per bacco - wahrhaftig ; da hätten wir Einen über die fünfzig ! - He , Freund , lebst Du oder bist Du todt ? « Er stieß den Capitain mit dem Stock an . Der Körper rührte sich nicht , das Auge blickte starr wie das einer Leiche . Und dennoch wohnte Leben und Bewußtsein in dem todten Körper , dessen Glieder wie durch Starrkrampf oder vollständige Lethargie gefesselt waren . » Schleppt das Aas weg , - fort mit ihm in die Todtenkammer . Für was haben wir uns nun abgemüht mit dem Burschen ? « » Allah wollte seinen Tod . Gieb mir die Flasche , mein Bruder . « Die Neger , die bereits die beiden andern Leichen expedirt , rissen den Körper vom Lager und zerrten ihn durch die Reihe der Kranken nach dem Verschlag am Ende des Ganges - der Vorrathskammer der Leichen . Dort ließen sie ihn auf dem kalten Boden liegen . - Dunkle Nacht rings um , - die Augen , die er nicht zu schließen vermochte , schauten nur schwarze Finsterniß ; auf der Brust , die der Athem nicht mehr hob , lastete dennoch wie ein schwerer Alp der Ekle Dunst der Verwesung . So lag er stundenlang - über sein Antlitz und seine Hände huschte die feuchte Kälte der Ratte - um die dünnen Wände des Verschlages heulte draußen der Schakal , vom Leichengeruch getrieben , und dem Lazareth stöhnte und wimmerte der Schmerz . Dann flimmerte ein matter Lampenschein durch das Gemach , - zwei der Neger schlichen herein und begannen die Leichen zu durchsuchen . Es ist eine bekannte Sitte , daß der arme türkische Soldat seinen geringen Sold und seine Beute in jeder Weise zusammenspaart und hungert und dürstet , um seinen kleinen Schatz zu vermehren , den er stets am Leibe verborgen trägt . Der Geiz und die Habsucht sind hervorstechende Eigenschaften der Türken , neben einer prahlerischen Verschwendung und Schaustellung auf der andern Seite . Obgleich die Soldaten der Donauarmee Monate lang keinen Sold empfangen , gab es doch Viele der Nizams und der Irregulairen , die mehrere hundert Piaster an ihrem Körper in Silber und Goldstücken mit sich trugen . Deshalb durchsuchten - obschon es streng verboten war , - nochmals die Wärter des Lazareths die Leichen und die eklen Lagerstätten . - Der Schein ihrer Leuchte fiel auch auf das Antlitz des Capitains und ihre gierigen Hände plünderten seine Taschen . Wir wissen , daß er seine Habe dem Knaben Nursah anvertraut , die Leichenräuber fanden daher Nichts als einen kleinen Ring am Goldfinger seiner linken Hand - der Widerstand , den er unwillkürlich zu leisten suchte , als sie den Reif mit Gewalt abzogen , sprengte endlich die Erstarrung seines Körpers und während sie mit der gewonnenen Beute sich entfernten , fühlte er wieder Leben und die Fähigkeit der Bewegung in seine Glieder treten . Es war wieder dunkel um ihn her , als er sich mühsam auf den Ellenbogen aufrichtete und seine geistigen Kräfte zu sammeln suchte , auf denen es wie ein dumpfer Nebel gelegen , durch den hindurch er alle Vorgänge um sich bemerkt . Er vermochte wenigstens aus der gräßlichen Nachbarschaft der todten Körper sich zu schleppen . Der tapfere Offizier fühlte , wie das furchtbar Schauerliche seiner Lage , die entsetzliche Umgebung , desto mehr auf ihn wirkte , je mehr er zu vollem klarem Bewußtsein zu gelangen suchte , und daß , wenn er noch lange in dieser Situation bliebe , Wahnsinn und Tod sein Loos sein mußte . Mit Gewalt kämpfte er gegen die wüsten Bilder , die wieder seinen Geist zu verwirren drohten , gegen die schaurige Kälte , die durch die Glieder herauf an sein Herz griff . Da wiederum öffnete sich die Thür des Lazareths und nochmals fiel der düstere Schein einer Lampe auf die Stätte des Todes . Der Offizier hatte noch so viel Kraft , sich wieder auf den Boden zurück und in die Lage eines Todten zu werfen , aber diesmal war es nicht mehr nöthig - der Eintretende war Doctor Welland . Ein tiefer schwerer Seufzer löste sich von der Brust des Offiziers , als er den Retter erkannte und führte sogleich diesen an seine Seite . - » Um Gotteswillen , Capitain , wie fühlen Sie sich ? - Die betrunkenen Schurken , meine Gehilfen , haben Sie , meinen strengen Befehlen entgegen , an diesen Ort des Entsetzens eher bringen lassen , als es nöthig war . Ich wurde verhindert , früher wieder hier zu sein . Muth ! Muth ! und raffen Sie Ihre Kräfte zusammen . « Er hatte die Lampe auf den Boden gestellt und hielt ihm ein Flacon mit scharfen ätherischen Salzen unter die Nase , die eine heftige Erschütterung der Nerven hervorriefen . Dann übergoß er ihn mit einer Fluth von Eau de Cologne und wusch ihm Stirn und Schläfe damit . » Können Sie sich erheben , Capitain ? « » Ich hoffe es - eine Stunde länger in diesem scheußlichen Aufenthalt wäre mein Tod gewesen . « Er richtete sich mit Hilfe des Arztes empor , doch mußte er sich schwer auf diesen stützen , seine Beine versagten ihm fast den Dienst , schwer wie Blei lag es in seinen Gliedern und auf seinem Gehirn . » Das ist die Wirkung des Laudanums , die frische Luft wird Ihnen gut thun . Kommen Sie , Herr . « Er schleppte ihn nach einer gegenüberliegenden , in ' s Freie führenden Thür . Dort hob er den Holzriegel , der sie von Innen verschloß , löschte die Lampe und öffnete dann die Pforte ; die frische scharfe Winterluft von der Donau her drang ihnen entgegen . Der Arzt zog den Befreiten um die Ecke des Gebäudes , wo Nursah , in eine wollene Decke gehüllt , kauerte . » Verweilen Sie hier und lassen Sie unbehindert die Nachtluft durch Ihre Kleidung streichen , und riechen Sie von Minute zu Minute an dieser belebenden Essenz . Ich muß die Spuren Ihrer Flucht vertilgen und dieses Lazarethkostüm ablegen , dann hole ich Sie hier ab . « Damit verschwand er in der Thür des Leichenhauses und verschloß dieselbe wieder von Innen . Der Russe lehnte erschöpft an die Wand des Gebäudes , während der Knabe Nursah seine Hand erfaßte und ihm Muth zusprach . Nach einer Viertelstunde , während der die rauhe Nachtluft den Capitain durchkältet , dagegen auch die Betäubung seines Geistes einigermaßen erleichtert hatte , kehrte der Arzt , in seinen Mantel gehüllt , um die äußere Seite des langen Gebäudes zurück . » Nun fort , denn ein unglücklicher Zufall könnte hier unsere ganze Mühe vereiteln . Zuvor noch einen tüchtigen Schluck aus dieser Flasche , Capitain , und dann hüllen Sie sich in die Decke Nursah ' s und stützen Sie sich auf mich . Voran , Nursah , Du weißt den Weg . « Damit faßte er den Capitain unter den Arm und führte ihn mit sich fort , während der schwarze Knabe etwa 200 Schritt vor ihnen her ging , querfeldein von der Donau und der Straße nach Negotin ab . Sie waren an mehrere Posten vorbeigekommen , denen der Arzt die Parole zurief . Dem Offizier einer entgegenkommenden Patrouille sagte er ruhig , daß ein Baschi-Bozuk ihn zu dem Arnauten-Aga gerufen , der im Lager der Irregulairen erkrankt sei , und da die Thätigkeit des fränkischen Hekim-Baschi ' s in ganz Widdin bekannt war , ließ die Patrouille die kleine Gruppe ruhig passiren , die jetzt im Schatten eines Hohlweges sich von der Stadt abwandte . Nach einem halbstündigen Gange , während dessen der russische Offizier stumm alle Kräfte angestrengt hatte , um seinen Rettern zu folgen , erreichten sie eine Gruppe von Bäumen , in deren Schatten dunkle Gestalten sich bewegten . Nursah pfiff leise und das Signal wurde sofort erwiedert . Näher hinzutretend , fanden sie hier zwei Männer mit drei Pferden , Mungo , den Zigeuner , und einen bulgarischen Knecht des Hanewirthes . Der Zigeuner geberdete sich wie unsinnig , als er seinen Herrn wiedersah , er umarmte seine Füße und küßte seine Hände , und Capitain Meyendorf , der jetzt seine volle Gesinnung wieder erlangt hatte und dem nur ein dumpfer Kopfschmerz und eine große Schwäche der Glieder zurückgeblieben war , mußte sich mit Gewalt von ihm losmachen , denn der Arzt drängte zur Eile . » Hier , « sagte er , » ist Ihre Brieftasche und die Börse zurück , die Sie mir in der Lokanda Alexo ' s anvertrauten . Aus der letztern habe ich wiener Banknoten im Betrage von fünfhundert Gulden genommen , denn ich mußte dem Hanewirth den Werth der Pferde sicher stellen , und ich selbst bin nicht so reich , um das aus eigenen Mitteln thun zu können . Im Uebrigen finden Sie Alles unversehrt ; der Knecht Gawra ' s kennt alle Schlupfwege und wird Sie durch die türkischen Linien über den Timok auf serbisches Gebiet bringen , wo Sie gerettet sind . In drei Stunden scharfen Rittes , also mit Tagesanbruch können Sie dort sein , und ich rathe Ihnen , im ersten serbischen Dorf , das Sie erreichen , alsbald ein langes türkisches Bad zu nehmen und Ihre Kleidung mit jeder beliebigen vollständig zu wechseln , die dort zu haben ist . Im Uebrigen stehn Sie - wie wir Alle - in des Allmächtigen Hand , und er wird Ihre Rettung nicht haben gelingen lassen , damit Sie der Ansteckung jener Pesthöhle unterliegen , zu der meine Pflicht mich zurückführt . Leben Sie wohl , Herr ! « Der Capitain erfaßte seinen Arm und führte ihn einige Schritte abseits von der Gruppe , die sich zum Abritt fertig machte . » Wie soll ich Ihnen danken für Das , was Sie für einen Fremden gethan , der Sie wenigstens um die Gunst Ihres Namens bittet , um stets sich an seinen Retter erinnern zu können . « Der Arzt nannte ihn freundlich . » Und nun noch Eines , Doctor Welland , « sagte der Offizier erregt , indem er die Hand des Deutschen in der seinen drückte . » Sie versprachen mir , die Gräfin Laszlo von meinem Schicksal in Kenntniß zu setzen und sie in der widrigen Lage , in der sie sich eben befindet , nicht zu verlassen - - « » Die Gräfin , « sagte der Arzt - und seine Stimme vibrirte in schmerzlicher Erinnerung , » die Gräfin weiß , daß Sie gerettet sind . « » Und sie selbst ? « » Die Gräfin hat bereits Widdin verlassen und wird früher die serbische Grenze in anderer Richtung passiren als Sie - aber - « » Sprechen Sie , Doctor , ich beschwöre Sie ! « Der Arzt reichte ihm ein versiegeltes Blatt . » Ich habe Ihnen hier alles Weitere aufgeschrieben , was Ihnen zu wissen nöthig ist . Ich verlange jedoch Ihr Ehrenwort , daß Sie das Blatt vor zwölf Stunden nicht öffnen und sich bis dahin allen meinen Anordnungen fügen . « » Sie sind mein Retter und ich gebe es , doch warum ... « » So sitzen Sie jetzt auf und machen Sie sich auf den Weg . Leben Sie wohl , Herr , und ehren Sie die Hand des Allmächtigen in Ihrer Rettung und fügen Sie sich in seine Wege . « Der Capitain saß auf dem Pferde . » Wenn nur Helene Laszlo gerettet ist , ich bin ein Mann und habe die Kraft , zu tragen und zu kämpfen . « Nursah ' s Hand reichte ihm die Revolver-Pistole . » Nimm Deine Waffe , Signor ! « » Behalte sie , Knabe , es ist das einzige Andenken , das ich Dir geben kann . « Er fühlte schwere warme Tropfen auf seiner Hand . - » Du weinst , Knabe ? « Nursah schluchzte und der Offizier schaute wild auf Herrn und Diener . » Was ist geschehen , Doctor - Sie verschweigen mir ein Unheil ... « Doch der Arzt hatte Mungo , dem Zigeuner , gewinkt und dieser des Capitains Pferd bereits am Zügel . » Leben Sie wohl , Herr , und nun vorwärts . « Hinweggerissen von seinen beiden Begleitern jagte der Gerettete davon und die Hufschläge verklangen bald in der Ferne . Der Arzt faßte seines jungen Dieners Hand . » Komm ' , Nursah - er ist gerettet und wir wollen uns einer guten That erfreuen , die Der dort Oben uns vergelten wird . « Der Knabe weinte . - » Das Leben ist gerettet , Herr - aber er wird es verachten um den Preis , den es gekostet hat ! O daß ich nicht zu ihr zu dringen vermochte , als es noch Zeit war für sie und ihn ! « Fußnoten 1 Die walachischen Milizsoldaten , eine Art Landgensd ' armerie . 2 Gut Glück . 3 Das gebe Gott . 4 Kalte saure Milch , ein bulgarisches Nationalgericht . 5 Schnaps . 6 Märchenerzählerin . 7 Schuft von einem Scharfrichter . 8 Schaafkopf . 9 Schurke . Das Ende vom Anfang . Drei Monate waren seit dem blutigen Kampf bei Czetate vergangen und andere Kämpfer sollten jetzt auf dem Schauplatz erscheinen . Es war der Abend des 27. März , und unsere Geschichte führt uns nach einer kurzen Uebersicht über den Gang der Ereignisse an die Ausgangsstätte unsere Buches , zurück nach Paris . Am 4. Januar war die vereinigte englisch-französische Flotte , 34 Segel stark , in ' s schwarze Meer eingelaufen . Indem der englische und französische Gesandte dies zur Kenntniß Reschid-Pascha ' s brachten , stellten sie das Verlangen , daß ohne vorgängiges Benehmen mit den Gesandten und Admiralen die türkische Flotte nicht die Offensive ergreife . Die Verlangen und die Zusage müssen als bloßes Blendwerk der öffentlichen Meinung bezeichnet werden , denn die türkische Flotte war nach den Verlusten von Sinope in keiner Weise zu einer Offensive geeignet . Der Wendepunkt des Krieges lag vielmehr bereits in den unterm 27. den Befehlshabern der Flotten gegebenen Instructionen , deren Inhalt am 12. Januar in Petersburg der englische und der französische Gesandte dem Grafen Nesselrode notifizirten . Die englische Instruction für den Gesandten besagte , daß die Flotten auch den Türken nicht gestatten würden , einen Angriff zur See zu machen , - die französische Instruction enthielt jedoch von dieser Garantie für Rußland kein Wort . Die Admirale Dundas und Hamelin hatten beim Auslaufen die Fregatte » Retribution « mit Depeschen an den Fürsten Menschikoff nach Sebastopol vorausgeschickt , welche dem Fürsten-Gouverneur erklären sollten , daß die Flotten nur zum Schutz des türkischen Gebiets sich im Schwarzen Meere befänden , daß dagegen die russische Flotte ihre Häfen nicht verlassen dürfe . Die wahre Absicht der Sendung war aber offenbar eine Recognoscirung von Sebastopol , in dessen Hafen die Fregatte trotz zwei blinder Schüsse der Batterieen einzudringen suchte . Erst eine Kugel durch ihren Bug nöthigte sie zum Beilegen . Sie fand die gesamte russische Flotte im Hafen versammelt . Die vereinigte Flotte hatte , trotz jener Erklärung der Admirale , die Gelegenheit benutzt , um einen Convoi türkischer Dampfer mit Kriegsvorrath nach Batum zu escortiren . Während in Wien die Conferenz sich abmühte , Project auf Project zu häufen , ohne daß es irgend einem Theil , mit Ausnahme Preußens , wirklich Ernst damit war , wurden Erklärungen der Höfe von Paris , London und Petersburg gewechselt . Die russischen Gesandten in Paris und London forderten eine solche über die Instructionen der Admirale . Die ihre lautete , daß Rußland ein Auftreten der Flotten nicht als feindseligen Akt betrachten würde , welches die Gegenseitigkeit gewähre , daß Türken eben so wenig wie Russen angreifen dürften , und daß , wenn den Türken der Verkehr zur See zwischen ihren Küsten gestattet wäre , dies auch für die Russen stattfinden müßte . England und Frankreich jedoch antworteten unterm 31. Januar und 1. Februar ablehnend , daß sie die Instructionen , wie sie seien , aufrecht erhalten würden , vorauf Baron Brunnow und Herr von Kisseleff den beiden Kabinetten anzeigten , daß sie sich in Folge der verweigerten Reciprozität genöthigt sähen , die diplomatischen Beziehungen abzubrechen und London und Paris mit den Gesandtschaftsmitgliedern zu verlassen . Dies geschah am 4. Februar . Die englischen und französischen Gesandten erhielten sofort den gleichen Befehl . Der Erstere wurde - noch ehe dieser eintraf - von Graf Nesselrode unterm 13. aufgefordert , seine Pässe zu nehmen . Der französische Gesandte verlangte selbst die seinen . Damit war der diplomatische Bruch entschieden , und die Bitterkeit , welche im Tone des von Kaiser Napoleon an den russischen Czar unterm 29. Januar gerichteten , durch die Zeitungen veröffentlichten Briefes herrschte , und die Antwort des Czaren vom 9. Februar zeigte die gereizte Stimmung und was von gegenseitigen Concessionen zu erwarten war . In Wien war am 29. Januar Graf Orloff , der Freund und greise Vertraute des Czaren , eingetroffen , um mit Baron von Budberg den Versuch zu machen , Oesterreich und Preußen zu einem unbedingten Neutralitätsbündniß mit Rußland zu bewegen . Während Oesterreich mit eingehenden Versprechungen hinhielt , lehnte Preußen offen ein solches Bündniß als eine wenn auch unausgesprochene Hilfe für Rußland ab , die mit seinen durch die Protokolle übernommenen Verpflichtungen im Widerspruch stände . Die Mission des gewandten Staatsmannes scheiterte hiermit und der Graf verließ am 8. Februar Wien , worauf Oesterreich sich beeilte , in Serbien und dem Banat ein Beobachtungscorps von 25,000 Mann aufzustellen unter dem Vorwande der serbischen Erregung und der in den Gränzdistrikten jetzt offen ausgebrochenen Schilderhibung der Griechen . Unterm 9. Februar erließ Kaiser Nicolaus ein Manifest an sein Volk , worin er erklärte , daß die von England und Frankreich ihren Flotten im Schwarzen Meere gegebenen Befehle eine unter gebildeten Staaten unerhörte Handlungsweise constatirten , die ihn zum Abbruch der diplomatischen Beziehungen mit jenen Staaten genöthigt hätten , die sich zu den Feinden des Christenthums stellten gegen Rußland , das für die orthodoxe Kirche streite . Rußland werde gegen alle Angriffe feststehen - wie 1812 . Die Westmächte antworteten unterm 27. Februar mit einem Ultimatum nach Petersburg das die Räumung der Fürstenthümer bis zum 30. April forderte ; die Verweigerung solle als Kriegserklärung betrachtet werden , und Lord John Russel hielt seine bekannte Philippika im Unterhause gegen die unredliche und eroberungssüchtige Politik Rußlands . Zugleich forderte die österreichische Regierung , der an einer Verbreitung und einem glücklichen Erfolge des griechisch-christlichen Aufstandes sehr wenig gelegen war , die Westmächte auf , demselben zu Wasser und zu Lande entgegen zu treten , und diese bedrohten die griechische Regierung mit einer Blokade und jener Occupation , welche , später wirklich ausgeführt , eine Schmach des christlichen civilisirten Europa ' s und eine Beschimpfung des Königthums werden sollte , wie sie sich sicher einst schwer rächen wird . Der Czar dagegen erklärte , daß er dem griechischen Aufstande seinen Beistand und seine Theilnahme nicht versagen könne , und sollten die Kämpfe einen ähnlichen Charakter wie die Freiheitskämpfe von 1826 annehmen , so werde er unter keiner Bedingung mitwirken , diese Bevölkerung wieder unter das türkische Joch zurückzubringen . Mit dieser Erklärung von Seiten Rußlands am 2. März waren seine Absichten offen dokumentirt , wie die Pläne der Westmächte durchs die Instruction an die Admirale . Zu Ende Februar hatten bereits die Absendungen französischer und englischer Truppen nach dem Orient begonnen . Der Oberbefehl über das französische Heer und über die gesamte Armee der Alliirten wurde an den ehemaligen Kriegsminister , den Marschall Saint Arnaud , übertragen ; das englische Corps befehligte Fitzroy Somerset , Lord Raglan . Ingenieure gingen voran , um bei Gallipoli das Lager für die Hilfstruppen auszustecken , und die Westmächte schlossen unterm 12. mit der Pforte einen Allianz-Tractat über die Sendung von Hilfstruppen ab , wogegen sich die türkische Regierung verpflichtete , keinen Waffenstillstand oder Frieden ohne Bewilligung der beiden Alliirten abzuschließen . Am 11. war die englische Ostseeflotte von Spithead ausgelaufen . Die Kämpfe an der Donau hatten unterdeß mit wechselndem Glück ihren Fortgang genommen , während dagegen die Russen in Asien mehrere bedeutende Siege gewannen . General Schilder hatte am 26. Januar den General Fischbach in Krajowa ersetzt und die oberste Leitung der Operationen gegen Kalafat übernommen , die sich indeß bis Mitte März auf eine Cernirung und unbedeutende Gefechte beschränkten . Vom 13. bis 19. vertrieben die Russen die Türken wieder aus Giurgewo , wo es ihnen gelungen war , sich festzusetzen , der Versuch eines Ueberganges nach Rustschuk wurde dagegen zurückgeschlagen und die Türken gewannen selbst die zwischen Szistowo und Rustschuk gelegene Donauinsel , gingen am 4. März bei Kalarasch auf das linke Ufer des Flusses und zerstörten zum Theil die gegen Silistria dort errichteten russischen Batterieen . Ebenso versuchte Fürst Gortschakoff vergeblich und mit großem Verlust noch ein Mal bei Oltenitza die zwischen den beiden Ufern liegende Insel den Feinden zu entreißen . Die Russen waren in diesem Augenblick auf allen Punkten an der Donau im Nachtheil und ihr Führer offenbar mit einem neuen Operationsplan beschäftigt . Ein ziemlich großes Arbeitskabinet , - schwere dunkle Vorhänge vor den Fenstern , durch welche man auf die glänzende Erleuchtung der Ströme von Gas schaute , welche allabendlich den herrlichen Quai der Tuilerieen mit Tageslicht erhellen ; - das prächtige Bild einer Frau mit aschblonden Haaren und dunklen spanischen Augen aus dem berühmten Pinsel Désandré ' s ; - einige Karten an den mit dunklem Seidenstoff und darein gewirkten goldenen Bienen beschlagenen Wänden ; - in einer Ecke die Uniform- und Waffenstücke der neuen » Hundert Garden « ; - Bücher und Brochüren auf allen Tischen und Schränke mit einer ausgesuchten Handbibliothek an den Seitenwänden , in welche drei Thüren mündeten ; - auf dem großen Tisch in der Mitte das überaus schön von Stahl und Messing gearbeitete Modell eines Geschützes nach neuem noch unbekanntem System ; - das ist der Ort , wohin wir den Leser am Abend des 26. März führen . An dem Tisch in der Mitte saß ein Mann von etwa 46 Jahren mit hoher Stirn und vorspringenden , energischen und kräftigen Zügen , denen wir schon ein Mal zu Anfang unseres Buches begegnet sind . Der aus hundert Abbildungen bekannte Schnitt des Bartes , der feste stolze Ausdruck des Gesichtes , aus welchem das ursprünglich ziemlich matte Auge unter buschigen dunklen Brauen häufig scharf und durchdringend aufflammte , konnten unmöglich die hohe Persönlichkeit verkennen lassen . Seine rechte Hand ruhte auf der Lehne des Fauteuils , während seine linke ab und zu eine Cigarre zum Munde führte . Er schien aufmerksam auf den abwechselnden Vortrag zweier Herren zu hören , die an der andern Seite des Tisches ihm gegenüber standen und von Zeit zu Zeit ihm ein Papier hinüber reichten , das der Sitzende alsdann flüchtig durchsah . Der Eine der Beiden trug die glänzende Uniform eines Marschalls von Frankreich , sein breites Gesicht sah aufgedunsen und ungesund aus ; der Kopf des Andern in Civil mit dem Großkreuz der Ehrenlegion und zahlreichen ausländischen Orden am Cordon seines schwarzen Fracks war geistreich und anmaßend . » Colonel de Méricourt hat die Berichte über die Einschiffung der Truppen bis zum 22. von Marseille gebracht . In Oran und Algier stehen die designirten Zuaven-Regimenter bereit und warten auf die Schiffe des Admirals Dufresne . Ducos sagt mir , daß dieselben heute an der afrikanischen Küste sein werden . Das ganze Contingent wird demnach bis zum 30. auf der See sein und vor Mitte des nächsten Monats in Gallipoli ausgeschifft . Wann , Sire , werde ich abreisen ? « » Es eilt nicht , Marschall , jedenfalls vor den Engländern . Einstweilen genügt Canrobert . Haben Sie Nachrichten von der Donau , Drouin ? « » Sehr wichtige , Euer Majestät , ich erlaubte mir nur , dem Herrn Marschall Oberbefehlshaber den Vortritt zu lassen . « » Geschwind , geschwind ! Depeschen über Wien ? Sie wissen , daß ich sie auf der Stelle erhalten will . « » Beide sind seltsamer Weise wieder zusammen eingetroffen , also offenbar in Oesterreich verspätet worden . Ich habe unsern Gesandten darüber bereits geschrieben , aber er behauptet , daß es außer seiner Macht stehe . « » Der Inhalt ? « » Ein russisches Corps ist unterhalb Hirsova über die Donau gegangen und hat die türkischen Schanzen erobert . Am 23. sollte die Belagerung gegen Hirsova beginnen . Fürst Gortschakoff hat auf die Verschanzungen von Matschin ein starkes Feuer eröffnet und sucht offenbar den Uebergang bei Braila zu erzwingen ; ebenso General Lüders bei Galacz und General Uschakoff von Ismael aus nach Tultscha . « » Ah , da haben wir den vollständigen Operationsplan , den Gortschakoff in der langen Ruhe vorbereitet hat . « Er beugte sich über eine vor ihm liegende Karte . » Matschin , Isaktscha , Tultscha und Hirsova - sie müssen nach unsern Berichten von ihrer Stärke in ein Paar Tagen genommen werden und damit ist Babadagh und die obere Dobrudscha in den russischen Händen . Es handelt sich offenbar um eine Operation ihres linken Flügels gegen Varna , als den Schlüssel zu Rumelien . Aber es wird seine Schwierigkeiten haben ohne die Unterstützung der Flotte . « » Es ist unmöglich , Sire , ohne den Besitz von Silistria . « » Richtig , Marschall - der Muschir kann sonst über ihre Flanke herfallen . Doch der Fürst ist ein Taktiker und wir werden sicher in den nächsten Tagen von einem weitern Uebergang oberhalb Silistria hören , das man alsdann von drei Seiten umschließen kann . « Er verweilte einigem Augenblicke über der Karte . » Jedenfalls ist der Augenblick zum Einschreiten gekommen . Wir müssen auf dem Platz sein und die Macht haben , die Ereignisse nach unserm Willen zu lenken . Die Türken dürfen geschlagen , aber nicht besiegt werden und die Balkanlinie muß unberührt bleiben , sonst haben die Oesterreicher Veranlassung und Gelegenheit , sich einzudrängen . « » Silistria wird sich nicht halten können , Sire . « » Das ist gleichgültig , wenn es nur so lange geschieht , bis unsere Truppen in Varna stehen . Wir müssen einige zuverlässige Offiziere in Silistria haben , Sie werden die nöthigen Befehle geben , Marschall . Vaillant wird mir morgen Vormittag nach dem Conseil über die Etappen berichten . Alle Maaßregeln müssen beschleunigt werden . « » Euer Majestät erlauben mir die Bemerkung , « sagte der Minister des Auswärtigen , » daß bei alle dem doch wohl erst der offizielle Schritt der Erklärung voran geschehen muß . « » Erinnern Sie sich , Herr , wie mein Oheim , der Kaiser , gegen Oesterreich verfahren ist . Das ist hier aber nicht einmal nöthig und wir können vor Europa vollständig alle Formen wahren . Wir haben volle Zeit . Der Beschluß wird morgen im Conseil gefaßt und Fould meine Instructionen erhalten , um sie am Abend im Senat und der Legislative vorzulegen . Es ist mein Wunsch , daß wir den Engländern damit nicht zuvor kommen . Das Nöthige ist hier und in London vorbereitet und der Telegraph kann uns über die Stunde verständigen . « » Die griechische Regierung hat auf das Ultimatum eine ausweichende und ungenügende Erwiderung gegeben . « » Das wird uns Gelegenheit geben zu einer Etappe im Pyräus . Das Weitere mögen die Briten von Corfu aus thun . Auf Wiedersehen , meine Herren . « Die beiden Minister zogen sich durch die große Thür zurück . Der Zurückbleibende ging einige Minuten in dem Kabinet auf und ab , die Hände auf dem Rücken gefalten . Dann trat er zu einem Bilde Napoleon ' s des Ersten , das über der Bergère an der Wand zwischen der zweiten und dritten Thür hing und betrachtete es längere Zeit . Die großen durchdringenden Augen des berühmten Herrschers und Kriegers , des Siegers in so vielen Schlachten und drei Welttheilen , blickten starr und ehern auf ihn nieder . » Seit 1815 zum ersten Male , « sagte der Bewohner des Zimmers langsam vor sich hin . » Die Zeit naht ihrer Erfüllung und die Demüthigung von Moskau wie die Verzögerung meiner Anerkennung werden ihre Sühne finden . Ehe zwei Jahre vergehen , wird der Thron der Napoleoniden wieder der gefürchtetste Europa ' s sein . Das genügt , denn die Erfahrung hat uns das Erreichbare gelehrt . - Vetter Nicolaus , « - ein leiser Hohn spielte um seinen Mund - » nicht Rußland oder Frankreich - ihre Interessen liegen zusammen ! - sondern ich oder Du ! « Er trat rasch zu der zweiten Thür , hob den Vorhang und öffnete sie . In einiger Entfernung in dem Corridor , auf den sie führte , stand ein Kammerdiener in Escapins . » André - führen Sie die beiden Herren zu mir in ' s Kabinet . « Einige Augenblicke darauf traten zwei elegant in Schwarz gekleidete Männer ein , der Eine mit spitzig hervorspringender Stirn , etwas vorstehendem Mund und scharfen grauen Augen , der Zweite von einem gewissen Embonpoint mit ähnlichen den geübten Financier verrathenden Kennzeichen und orientalischem Schnitt - Baron Riepéra , dem wir bereits in Paris und Wien begegnet sind . Drei tiefe und ehrerbietige Verbeugungen erfolgten , dann erwarteten sie schweigend die Anrede . » Meine Herren , « sagte nach einer Pause der Empfangende , » die Finanzoperation , die Sie mir vorgeschlagen , ist zu meiner vollen Zufriedenheit ausgeschlagen . Ich danke Ihnen . « Wiederum Verbeugungen . » Während Herr von Rothschild Umstände machte mit der Anleihe von 250 Millionen , gab Ihr Memoir der