Es giebt einen logischen Syllogismus stahlscharfer Argumentation , mit welchem der gesunde Menschenverstand alle Finten und Paraden jener dialektischen Floretfechter durchhaut . Wenn nämlich z.B. Dankbarkeit auch nur eine selbstsüchtige Absicht verbirgt und man beim Erweisen von Wohlthaten auch nur den Dank berechnet , - warum ist dann Undank der Welt Lohn und warum giebt es dann so wenige Wohlthätige und Hülfsbereite ? Der Undank mag ja vielleicht eine Dummheit sein , aber er entspricht doch offenbar dem Instinkt der Selbstsucht . Und wenn unser Wesen derartig von Selbstsucht durchtränkt wird , welche Selbstüberwindung müßte dazu gehören , gewissermaßen Wechsel auf Undank zu unterschreiben ! Wer Wohlthaten erweist , klügelt aber gar nicht darüber noch lügt er sich zur Deckung fremder Schlechtigkeit die schwindelnd hohe Moral an , daß man auf Dank überhaupt verzichten müsse . Sondern er folgt einfach seiner wohlwollenden Naturanlage . Freilich folgt auch die Schlange ihrer Naturanlage , wenn sie hinterrücks sticht . Den Teufel auch ! Man schlägt sie nieder - da folgt man denn auch seiner Naturanlage . Selbstsüchtig ist Beides , ja das versteht sich . Allein , wenn alles das , was wir als Tugend und Selbstlosigkeit bewundern , auch nur von der gleichen Selbstsucht dictirt wird , so müßte ja die Neigung zur Tugend als zu einem Selbstgenuß bei uns Selbstlingen allgemein verbreitet sein ! All die schönen Sprüchlein einer nörgelnden Skepsis zerstieben vor der derben trockenen Thatsache , daß man doch noch egoistischer ist als jene angeblich egoistischen Motive und daher lieber ohne diese heuchlerischen Tugendmotive wie ein brutaler Selbstling handelt . Mag die sogenannte Tugend nur verfeinerte Selbstsucht sein , mindestens ist sie doch ein höherer Grad und das unvollkommene sprachliche Begriffsvermögen unterscheidet sie von der gang und gäben gemeinen Wald-und Wiesenselbstsucht eben durch den nichtssagenden Titel - » Tugend « ! Wo Mitgefühl und passive Selbstsucht collidiren , siegt allemal das Mitgefühl , sobald die sonstige Geistesstruktur eine normal gesunde . Hingegen siegt die Selbstsucht meist dann , wenn sie nicht passiv , sondern activ bei der Collision mit dem Mitgefühl betheiligt ist , wenn das geforderte Mitgefühl sie direkt schädigt . Daher ist es allemal leichter , Jemanden zu sich heraufzuziehen und neben sich anzuerkennen , als ihn über sich zu stellen . Daß aber dennoch im Allgemeinen das Mitgefühl stärker ist als die Selbstsucht , geht aus der Begeisterung hervor , mit welcher normale Menschen für eine große Idee oder für einen Heros ihr eignes Ich in die Schanze schlagen . Man möchte nun natürlich den Gran selbstsüchtiger Eitelkeit herausdestilliren , welcher in der Begeisterung liegt . Dies wird jedoch durch die Thatsache der Vaterlandsliebe widerlegt , welche in besonderen Fällen eine ganze Nation zu selbstloser Hingebung anfeuert . Denn da dieselbe als bloße allgemeine Pflicht aufgefaßt wird , so vermag sie die Eitelkeit in keiner Weise zu befriedigen und weder Lohn noch besonderer Ruhm sind davon zu erwarten . Natürlich scheint ja der Stolz aufs Vaterland zuguterletzt auch egoistisch , aber mit solcher Haarspalterei kommt man nur der Neigung unsrer krittelnden grämlichen Epoche entgegen , alle Unterschiede von Streberei und strebendem Heldenthum , Größenwahn und Größe zu verwischen . Immer klarer drängte sich bei dieser Analyse der Einzelgefühle dem einsamen Grübler die Gewißheit auf , daß man sich in der wankenden Verwirrung unsrer Umsturzepoche den Stolz auf ein großes Staatswesen wie ein Panzerhemd zurechtschmieden müsse . Jetzt erst verstand er auch » die lächerlichen pangermanistischen Schrullen « seines großen Freundes , die man so oft verspottet hatte - er begriff die Sehergabe dichterischer Intuition . Amerika mußte entdeckt werden , denn man glaubte an eine Existenz . Ein fester Glaube aber ist allemal ein ahnendes Wissen . » Cogito , ergo sum . « So läßt sich die Theorie vom Gedanken nach Descartes weiterführen . Im Anfang war das Wort , der Logos , die Vernunft . Aber der blinde Autoritätsglaube , die träge Gedankenlosigkeit , das Unvernünftig-Chaotische setzt seine schwerfällig unfruchtbare Masse stets der lichten Schöpferkraft entgegen . Das Chaos betrachtet sich als die wahre göttliche Ordnung , die neue Welt als eine frevelhafte Revolution . Columbus hieß ein Tollhäusler , Luther ein Zerstörer . Ja freilich muß man stören und zerstören - stören die stumpfe Indifferenz der ideallosen Gesellschaft , zerstören die Drachen , welche der conservative Urschlamm des Bestehenden ausbrütet . Darum dachten sich auch alle Völker den Gott des Lichtes als den Python , den Drachentödter . Die Prophetengabe ist die natürliche Intuition der Logik , welche die Gegenwart aus der Vergangenheit ableitet und die Zukunft als Konsequenz der Gegenwart voraussieht . Darum sind die großen Dichter alle prophetische Staatsmänner in der Theorie ; darum erschaute z.B. Schiller divinatorisch in Wallenstein , dem bestverleumdeten , den Embryo-Bismarck , wie ihn heutige Forschungen endgültig feststellen . Er gedachte an Leonhart ' s tiefsinnige Combinationen über die deutsche Weltherrschaft des Mittelalters . Die Hohenstaufen gleichen den Napoleoniden . Sie führten dieselbe großartige Welttäuschung durch , in der Entfesselung der eigenen Selbstsucht eine Weltbefreiung vorzuschützen . Der eigentliche Napoleon des Waiblingergeschlechts hinterließ einen neugeschaffenen Marschallsstand , den er ganz in des Corsen Manier nach Eroberungen und Waffenthaten betitelt hatte . ( Diephold Fürst Rocca d ' Arce - von der berühmten Verteidigung jener Felsenburg so genannt . ) So wurden auch gleichmäßige Entwickelungsgesetze der einzelnen Völkergeschichten offenbar . Die schicksalbestimmenden Genien der Weltgeschichte sind nichts als instinktive Herolde ihrer Zeitströmung . So folgte auch die Reformation einem unwiderstehlichen mechanischen Gesetz , das sich vollziehen mußte . Aber ihre verschiedenen Formationen , gemäß den chemisch-geologischen Lebensbedingungen in den verschiedenen Ländern , predigen nur wiederum die große physiologische Lehre von der Unzerstörbarkeit und Erhaltung der Kraft . Aus der verfrühten und daher paralysierten Reformation in Italien ging die sinnliche Religion der Renaissance , die Kunst , hervor . Ebenso mußte grade dem Inquisitionsspanien die Entdeckung Amerikas zufallen , ebenso wie später Nordamerika grade von den harten Puritanern colonisirt werden mußte . Denn nur dieser bornirte Fanatismus konnte die uralten Kulturen Amerikas mit so barbarischer Respektlosigkeit vernichten , und dies war eben unbedingt nöthig , um Amerika zu einem jungen Lande zu machen . Nichts gedeihlicher ferner für den Fortschritt Europas , als der hartnäckige Kampf Philipp ' s II. gegen die Reformation . Denn durch die Reaction gegen dies absolutistische Spinnensystem , das die Welt nur erobern wollte , um sie katholisch zu machen , verschärfte sich die persönliche Initiative , welche in den Oraniern und Cromwell ihre glänzendste Verkörperung fand . Die ungesunde Großmannssucht Schwedens setzt die Wikingzüge der alten Normannen , aus denen wiederum die Kreuzzüge der französischen Normannen hervorgingen , fort . » Eine Reformation an Haupt und Gliedern « , nicht eine theoretische Professoren- und Pfaffenästhetik - das war ' s , was man in Deutschland bezweckte . Aber statt den Wahlspruch Huttens » Durch Freiheit zur Wahrheit , durch Wahrheit zur Wahrheit « zu verwirklichen , richtete die Reformation Deutschland zu Grunde . Jedes Volk straft seine eigenen Erbfehler durch die seiner Helden . Luther war ein Autoritätler . - Als abgezehrtes Gerippe ging das Reich aus dem westphälischen Frieden hervor . Nur die Reformation der Fürsten hatte ihren Zweck erreicht - sie zersplitterten Deutschland in eine Reihe souverainer Duodeztyrannenthümer . Und doch trotz alledem und alledem erkennt man auch hier die tiefe Weisheit des Weltgesetzes . Denn das Beispiel Frankreichs beweist , daß es auf die Dauer wohlthätiger wirkt , der Idee auf Kosten der weltlichen Macht zum Siege zu verhelfen , als die Staatsgewalt auf Kosten der inneren geistigen Entwickelung zu stärken . Hätten die republikanischen Hugenotten gesiegt , so konnte die zentralistische Einheitsmonarchie nicht durch den Bund mit der Kirche ihre » Gloire « gründen ; wohl wahr . Aber diese Niederlage der Idee wurde die Grundursache aller Korruptionen und Revolutionen , an denen Frankreich krankte . Heut wuchs Deutschland , das siegreiche Land der Ideen , zur politischen Reife empor . Doch schon die Bauern-Constitution Wendelin Hipplers proklamirte gegen die kapitalistische Bourgeoisie den demokratischen Cäsarismus , die auf demokratische Grundlagen gestützte absolute Monarchie . Das protestantische Kaiserreich , von dem Hutten und Sikkingen geträumt , ging in Erfüllung , wie alle vernünftigen Ideen . Sonst würden sie gar nicht in der inneren Offenbarung der Denker auftauchen . Schon einmal ballte sich das Germanenthum zur Weltmonarchie zusammen , unter Karl dem Großen . Dort spielten die sogenannten Romanen , mit Germanen gemischt , dieselbe Rolle , wie früher die Griechen im römischen Reich . Schon damals gab es in Wahrheit nur zwei Racenmächte : Pangermanismus und Panhunnismus . Der arabische Islam , die Angriffe des assyrisch-ägyptisch-carthagischen Semitismus auf das indogermanische Staatensystem wiederholend , verschwindet wie seine Vorläufer , die Parther , um den mongolischen Osmanen Bahn zu brechen . Die Sarmaten , Wenden und Magyaren Attilas stürzen sich gen Westen , wie später die Mongolen Dschingiskhans , welchen der russische mongolisch-slavische Koloß nachdrängte . So bildet heut der Panslavismus den rechten Flügel und das Centrum , das Magyaren- und Türkenthum den linken Flügel jenes Panhunnismus , der von der Schlacht auf den Catalaunischen Feldern bis auf die Schlacht auf dem Lechfeld , von Lepanto bis Zorndorf , von Borodino bis Navarino unablässig mit der westlichen Kultur um die Hegemonie rang . Der österreichische Dualismus , die scheinbare Vermittelung dieser Gegensätze , bildet eine Brücke zwischen der inneren Unversöhnlichkeit der Racen . Dem Oströmischen Reich , obwohl in allen Fugen gelockert , wurde ein langes Bestehen gefristet und Byzanz hielt sich durch Leute wie Belisar und Narses , wie die Habsburger Monarchie durch die Metternich , Prinz Eugen und Radetzky . Diese äußeren Eindrücke wären jedoch ohne Erfolg geblieben , wenn nicht diese Ostreiche ein Bedürfniß der politischen Oekonomie befriedigt hätten . Sie dienten dazu , das Eingreifen des Panhunnismus in die europäischen Wirren abzuhalten . Wie früher das Reich Burgund die Scheidewand zwischen Deutschland und Frankreich bildete , um später als neutraler Mittelstaat Holland-Belgien wieder aufzuleben , und in der österreichisch-spanischen Weltmacht das Bindeglied bildete , so dient heut als Bindeglied Deutschlands und Österreichs und als Scheidewand zwischen Pangermanismus und Panhunnismus - das Ungarreich . Kann dieses sich halten in der umbrandenden slawischen Sintflut ? Kann es seinen Traum eines großen Ungarreiches bis zum Schwarzen Meer ausführen , das einst schon durch die päpstliche Bulle , welche den Johannitern die Wallachei und dem Deutschen Orden Siebenbürgen vergabte , einen Vorläufer erhalten sollte ? Krastinik legte sich mit Ernst diese Frage vor , die ihn als magyarischen Magnaten wie keine andere beschäftigen mußte . Dem nationalen Staate gehört überall die Zukunft . Drum muß man für die Berechtigung der Magyarisierung eintreten , da dies den slavischen Völkerschaften gegenüber einen culturellen Fortschritt und selbst nur eine Etappe der Germanisirung bedeutet . Dem Deutschen aber gebührt ein leitender Antheil an der Führung Ungarns , das er früher allein civilisirte . Ob das Deutsche Reich je an die Leitha rückt oder nicht , ein befreundeter Deutsch-magyarischer Staat wird an ihm seinen sichersten Halt finden . Deutschland muß ans adriatische Meer vordringen , muß durch Holland und die Ostseeprovinzen sich die Beherrschung der Nord- und Ostsee endgültig sichern , auf daß dies angestammte Herrschgebiet der Hansa eine neue Seeherrschaft fördere . Die Kämpfe , welche die Beschlagnahme dieser Länder begleiten , sind Ergebnisse der geologischen Weltlage und der chemischen Mischung der Rasse-Grenzen , und demnach unvermeidlich . Nach völliger Arrondirung der Nationalitäten drängt die neuere Geschichte hin . Nicht eher kann Deutschland ruhen , als bis die Centralisation der germanischen Rasse in ihm vollendet , bis der deutsche Rhein deutsch vom Quell bis zur Mündung , bis alles von der Donau und Weichsel bespülte Gebiet sich zur Klientel des Reiches rechnet . Keinen Zollbreit fremder Erde soll das Reich sich einverleiben , sondern nur einheimsen , was sein . Aber die Farce des europäischen Gleichgewichts hat ausgespielt . Nicht mehr durch das Mikroskop intriguirender Cabinette schauen wir die großen Weltinteressen . Aus gemischten Rassen zusammengemengselte Staatsgebilde - ungesunde Ueberreste der verflossenen Cabinetspolitik - hören ihre Stunde schlagen . Die Existenzberechtigung der kleinen Staaten hat aufgehört . Die civilisatorische Mission der deutschen Völkerwanderung , welche die lateinische Welt regenirte und den ihr folgenden slavischen Nachschub wieder in seine Steppen zurückwarf , wird ein Nachspiel finden . Der Zug der alten Nibelungen ins Ostland zu den Hunnen kann auch heut symbolisch worden . » Kolonien « heißt das Feldgeschrei . Hofft man auf die Fiebertropen , die schon jetzt für England und Holland mehr verschlingen als einbringen ? Wir brauchen keine Strafkolonien . Die Bedeutung Amerikas für die deutsche Uebervölkerung hat hoffentlich bald ihr Ende erreicht . Nicht in Paraguay haben die Antisemiten ihr lächerliches Neu-Germanien zu suchen , sondern im Hunnenland . Frankreich aber wird stets ein bestimmender Faktor Europas bleiben , und erlitte es noch zermalmendere Niederlagen . Denn die Logik der Naturverhältnisse läßt sich nicht umstoßen . Die beiden Theile des alten Frankenreiches , das deutsche Mutterland und Francien , die Mittelländer Europas werden immer beide die Weltlage bestimmen . Das » Reich « , gesättigt in Kraftbewußtsein , sollte ein starkes Frankreich mit Wohlwollen betrachten . Gebe man Frankreich , was Frankreichs ist ! Deutschland ist Hellas und Rom in eins . Es hat die reichste Bildung und straffste Verwaltung . Und es wird herrschen wie Hellas und nicht wie Rom . Die heimkehrenden Bauern blickten scheu ihrem seltsamen neuen Gutsherrn nach , der so spät nach Sonnenuntergang in die Berglandschaft hinausritt . Der schäumende Burzen wirbelte , vom Piatra Mare fegte ein leichter Windstoß herüber . - Xaver trabte weiter und weiter . Rothgelockte Hyazinten schwankten noch wildblühend am Wege hin . An einer Waldspitze sproßte aus Hecken ein Haideröslein . Aber immer öder starb die Pflanzenwelt ab . Sabbathglocken und das Schellen-Läuten der Heerden weckten noch , sich mischend , ein schwermuthsüßes Echo . Dann verhallte auch dies . Gelassen schlenderte der Hengst durchs feuchte Farrenkraut , Im Klee raschelte es einmal auf , als ein Eichhörnchen , das dort Eichelnüsse auflas , beim Nahen des Reiters wieder den Baum hinanturnte . Wie ein Kobold lugte das rothe Hänschen durch die Zweige dem Reiter nach . Gleich einer Welle , bog sich die Straße auf und nieder . Und auf und nieder ging seines Herzens Wellenschlag . In der dämmerblauen Ferne hob sich Berg an Berg , wie immer höher sich Gedanken herausgipfeln aus dem Dunstflor der Zukunft . Hellgrün , gelbbesprenkelt wallten die Felder hin . Vom Tannicht schlichen spukhaft bleiche Schatten thalab . Alles totenstarr und lautlos in dunkler Einsamkeit , nur die Schneekette der rumänischen Grenze flimmerte traumhaft herüber . Grenzenlose Stille lastete über der Gebirgshalde . Ja , das waren die alten Berge , die er als Knabe durchschweift . Und ein Gruß von Geisterhänden schien leise seine Wangen zu streifen . Traulich raunte diese schweigende Natur geheimen Zauber und es rauschte der Strom : Willkommen ! Kennst Du die alten Spuren wieder ? Diese Bilder bunte Fülle floh einst an Dir vorüber , da Dein Sinn noch jugendfrisch wie die schlanke Edeltanne wuchs . Doch Blitze verkohlten Dir das saftiggrüne Holz , und der Gottgedanke , welcher die Welt verknüpft und nach welchem Dein Pilgerstab gesucht , Du hast ihn erst heute gefunden in der einstigen Heimath . Ja , er hatte sie endgültig überwunden , diese chronische Krankheit des Jahrhunderts , den selbstbefangenen kindlichen Größenwahn , wo Keiner gehorchen und Jeder commandiren möchte . Auf der erklommenen Zinne einer höheren naturwissenschaftlichen Anschauung konnte er auch den Schicksalsglauben eines Welt-Messias wie Napoleon an seinen Stern nur als lächerliche Selbsttäuschung bedauern . Wohl lag eine dumpfe Ahnung höherer Gesetze in dem Fatalismus eines solchen Menschen : » Ich fühle mich zu einem Ziele hingetrieben , das ich nicht kenne ; habe ich ' s erreicht und nütze ich nicht mehr dazu , genügt ein Atom mich zu vernichten . « Aber wenn der Welterschütterer fortfuhr : » Bis dahin vermögen alle menschlichen Kräfte nichts wider mich « , so mußte ihn diese Ueberzeugung nothwendig zu jenem Delirium des Größenwahns führen , das sich in Worten austobt wie : » Es beweist die Schwäche des menschlichen Geistes , daß man zu glauben wagt , man könne gegen Mich ankämpfen . « Nein , sondern es beweist grade » die Schwäche des menschlichen Geistes , wenn man glaubt , ankämpfen zu können « gegen das ewige Weltgesetz . Zwei mal Zwei macht Vier und nicht Fünf . Wer das vergißt und den Sinn für die Realität verlor , den stürzt allerdings » ein Atom « , aber dies Atom suche er in sich selber ! Wohl ruhen im menschlichen Geist dicht nebeneinander Größe und Größenwahn . Schwer ist ' s , jene innere Ruhe zu bewahren , welche die wahre Größe verbürgt , und das eigene Können stets nach richtigem Maß zu schätzen . Vornehmlich schwer , wenn die thörichte Blindheit der Welt mit ihren falschen Maßen mißt und daher verkannte Größe naturgemäß zu übertriebenem Selbstgefühle treibt . Wohl würde die selbstbeschauliche Vorwegnahme seiner künftigen Größe in den prahlenden Aeußerungen des obscuren Kapitäns Bonaparte lächerlich wirken , wenn er auch nur um die Hälfte weniger groß gewesen und später durch unberechenbares Erfolgsübermaß sein Größenwahn nicht gleichsam gerechtfertigt worden wäre . Aber eine solche Gemüthsanlage mußte endlich doch zum Verderben umschlagen . Größenwahn im gewöhnlichen Sinne konnte ihn zwar nicht bezwingen , weil er ja wirklich so groß , aber dafür reifte denn in ihm der Cäsarenwahnsinn . So wird selbst die Größe denselben Gesetzen unterthan , wie die eitle Selbstsucht der Durchschnittsmenge , und auch sie richtet sich zu Grunde durch Uebermaß des Wollens . Und da sollen die Menschen dann Schuld sein ! » Wenn der Empereur die Menschen verachtete , so wird man jetzt wohl zugestehn , daß er seine Gründe dazu hatte ! « So endet der krasse Egoismus überspannter Größe mit einer Anklage gegen den Egoismus der Kleineren ! Das Alles ist Thorheit . Die Menschen klagt nur Derjenige an , der sie nöthig hat . Der inneren Größe aber können die Cothurne der Pöbelwelt nicht einen Zoll hinzufügen noch hinwegnehmen . Wozu das Jammern und Schimpfen über eine Welt , die sich nach unabänderlichen Gesetzen dreht ! Sie wird schon ihre Vorwärtsdränger selber finden . Du bist solch ein Held ? Glaube es nicht ! Denn wenn du es bist , so wird sich die Stunde schon finden , wo das Welt-Naturgesetz dich zu seinen Zwecken verbraucht . Jeder , der » eine Kraft « ( une force ) ist , wie der naturwissenschaftliche Zola dies nennt , wird auf den Punkt magnetisch hingezogen , wo er seine elektrischen Schläge austheilen kann . Und wem eine solche fruchtbare geologische Lage für seine chemische Kraftmischung sich nicht von selber unterschiebt , Der ist auch keine Kraft . Scheitert jeder Versuch , den Strom der latenten Kraft frei zu machen , so bescheide man sich in stiller Gelassenheit , statt in nutzlosem Größenwahn den Rest seiner Kraft zu vergeuden . Für die Welt ist ja der Schade gering . Für jeden Untergehenden tauchen zehn Neue auf . Aber wohl bleibt es von unberechenbarsten Folgen und verzögert die Entwickelung der Menschheit , daß die geologischen Lagen absichtlich verschoben und die chemischen Zusammensetzungen hierdurch verwirrt werden , indem sie so ihre wahren logischen Lebensbedingungen verlieren . Diesen Einklang der geologischen Materie , der naturgemäßen Außenverhältnisse , zu der lebendigen wirkenden Kraft herzustellen , erscheint als die Triebfeder aller Revolutionen . Eine gewaltige » Kraft « wie Leonhart konnte zwar durch keine niederwuchtende Dumpfheit der Materie gehindert werden , sich ununterbrochen in elektrischen Schlägen zu entladen und sich rastlos durch Thaten kundzuthun . Daß aber den Sinn und die Bedeutung dieser Geistesemanationen nur so Wenige begriffen , lag theils in der zu schwächlichen Struktur seiner Materie-Hülle , welche die innere chemische Mischung oft dem rauhen Einfluß der Außenwelt preis gab , theils aber auch in der unnatürlichen Lage seiner geologischen Lebensbedingungen . Nicht in ihm steckte Unnatur , sondern grade er war ein logischer einfacher Naturbegriff , eine schlichte geschlossene Naturkraft . Unnatur beherrschte nur die Weltmaterie , in einen unorganischen Brei durcheinandergequirlt . Größenwahn eines mönchisch Cäsarenwahnsinnigen in seinem Alpenschloß ; Größenwahn eines Zitterers an der Newa ; Größenwahn des Gottesgnadendünkels allerorts , der taub und blind wähnt , das monarchische Prinzip auf den alten vermorschten Grundlagen retten zu können ; unglaubliches Phosphoresziren verfaulten Adelsgerümpels überall - und dagegen der scheußliche Größenwahn der Anarchie , des Nihilismus , der Socialdemokratie , welche in ihren Dynamitbomben und Knüppeln die alleinseligmachende Panazee für den kranken Staatshaushalt gefunden glauben . Tobt euch nur aus , ihr Ich-Sucher , und macht aus Nichts ein Etwas ! Das Ende trägt die Last . Ob sich der Geist des Bösen auf Erden nun als Fürst oder als Pfaffe vermummt , oder ob er als schnödes Pöbelregiment im Namen der Freiheit Verbrechen begeht , stets muß er gebändigt werden . Was Republik , was Monarchie ! Das Schlechte muß zu Grunde gehen . Nie währt das Reich der Dummheit und nur das Vernünftige bleibt bestehen . Wenn der Einzelne seiner Kraft und Ueberzeugung gemäß gegen Dummheit und Unrecht eintritt , so erfüllt er eben löblich sein Menschenthum . Aber sobald er ungeberdig jammert , weil dieser Kampf erfolglos , schädigt er nur sich selber . Das Weltgesetz , der Logos , hilft sich schon selber durch und schleudert alle Metternichtigkeiten mit einem Fußtritt bei Seite . Dazu bedarf es keiner Menschen . Am weisesten also , wer sich gelassen von der Woge treiben läßt . - Krastinik mußte unwillkührlich lächeln , als grade zu diesen Gedanken sich eine seltsame Illustration bot . Sein Rößlein nämlich , ein schmucker Walachischer Bergklepper fand bei einem Engpaß , den man soeben passiren mußte , den von Regengüssen aufgeweichten Boden in der Paß-Mitte zu undelikat für seine vornehmen Beine und kletterte daher plötzlich ohne weiteres seitwärts über die Felsen weg . Sein überraschter Reiter ließ ihm den Willen , auf die Gefahr hin den Hals zu brechen . Doch überwand der rüstige Klepper alle Hindernisse ; nur nahm er keine Rücksicht darauf , daß ein Dornstrauch seinen Reiter quer durchs Gesicht schrammte . Als sie unten angelangt , ließ der störrige Missethäter ein triumphirendes Wiehern vernehmen . Krastinik lachte laut auf . Jaja , so muß Jeder seinen Willen haben , jeder rücksichtslos halsbrechende Felsparthieen hinanstürmen , um nur seinen Eigendünkel zu befriedigen . Zugleich aber erkannte er jetzt , daß auch der Größenwahn nur ein naturnothwendiges Requisit unsrer ganzen Zeitrichtung , indem er das allgemeine Streben verräth , sich hervorzuthun . Vor einigen Tagen war ihm aus Berlin ein Brief nachgesandt , dessen Schreiber ihn noch dort im Zenith litterarischen Ansehens vermuthete und daher seine Vermittelung in Anspruch nahm . Ein Dreiviertelsnarr , den man frei herumlaufen ließ , ein entfernter Cousin Krastiniks in Russisch-Polen versetzte ihm Folgendes : » Ich , Fürst Lubartschinsky , wohne jetzt in Kowno , Festung gegen Preußen gebaute . Cher Cousin ! Anbei mein Photographie mit all meine Orden . Mitglied bin ich von alle gelehrte Körperschaften der Welt , Correspondent mit alle gelehrte Gesellschaften . « ( Dies war richtig : er correspondirte , aber einseitig . Die Photographie bot einen ungeheuerlichen Anblick : Förscht Lubartschinsky mit sämmtlichen Sternen , Kreuzen , Mitgliedszeichen , Schützenfestbändchen , Cotillonorden seines Erdenwallens und mit dem dazu gehörigen Ruhm bedeckt ! Man staunte baß , wo er all diesen Flitterkram auftreiben konnte . Half nichts andres mehr , so hatte der Ruhmesdurstige die Litzen und Borten seines Dolmans vom Schneider so zuschneiden lassen , daß sie Sternen und Kreuzen ähnlich sahen . So stand er nun da wie ein Götze unter der Last seiner Ehren und grinste vertrauensselig ) . » Cher Cousin ! Vous voyez auf mein Photogramm , daß ich bin wie Wenige gestempelt . « ( » Stempeln « nannte Lubartschinsky alles Menschenmögliche . Wo ihm irgend Begriffe fehlten , da stellte dies Wort zur rechten Zeit sich ein . ) » Eh bien , enfin , mon ami , das Akademie der Wissenschaften in Berlin hat noch nicht gestempelt mein distinguirtes Person . Mag ich detestiren auch Preußenvolk , von Gott verfluchtes , muß es doch stempeln mich . Nun habe gehört , daß Sie , bien-aimé , sind geworden ein großer Mann in Berlin . Pour l ' amour du Jesus-Christ , lassen Sie mich flehen auf Knieen , zu bemühen sich für Ihr armes Vetter Lubartschinsky , wohnhaft in Kowno , Festung gegen Preußen gebaute . Sind Sie geworden gestempelt , so kann man auch stempeln le prince de Lubartschinsky . Adieu , mon ami , je vous adore . Schicke nächstens 100 Rubel für Auslagen . Stempeln , stempeln , stempeln Sie ! P.S. Dieser Brief sein genügend gestempelt , n ' est- pas ? « .. Krastinik lachte laut auf bei der Erinnerung an diesen Ukas des unschädlich Verrückten . So wollen sie heut alle » gestempelt « sein - verrückt , aber nicht unschädlich . Wenn ihnen kein anderer Orden blüht , so wollen sie mindestens mit einem Tugendpreis » gestempelt « werden . .. Welche Stille ringsum auf der Haide ! Es war , als läge die ganze Welt erstorben hinter ihm . Die Briefe » guter Freunde « , die jetzt auf den neugebackenen Majoratsherrn herabzuschauern begannen , tönten wie ein fernes mattes Echo bewegter Vergangenheit . Kann der Mensch sie wirklich ertragen , eine so tiefe Einsamkeit ? Ruhe und Bewegung müssen wechseln , soll der Geist sein Gleichgewicht bewahren . Fern vom Contakt mit der Menge , sieht man die Dinge zu schwarz oder zu rosig , sieht Teufel und Engel , wo doch nur armselige schwache Menschenkinder ihren kindlichen Unfug treiben . Jaja , Abwechselung muß sein . Hier allein von seiner Erhabenheit zehren und verbauern ging nicht an . Das fühlte er jetzt deutlich genug . Erst an Menschenauffassung kann sich eine feste Weltanschauung erproben . Sich absondern von der Menge , verräth wenig Muth . Man soll die Welt nicht bessern wollen , man soll sie verstehen . Und immer klarer und ruhiger durchschaute er das Problem des Heerden-Mechanismus der Gesellschaft . Alle Regeln sind falsch , weil sie lauter Ausnahmen zulassen . Dieses bekannte Paradoxon enthält eine Tiefe der Lebenserfahrung , welche nur Wenige ahnen . Alles gilt nur von Fall zu Fall . Das Wesen der Genialität besteht daher in der Sicherheit , für jeden einzelnen Fall die entsprechende Regel zu finden . Lebensregeln , Moralregeln , Kunstregeln ? Es giebt keine . Jede Kraft ist sich selbst Gesetz , nur die conventionellen Schein-Puppen schwatzen von unumstößlichen Gesetzen . Darum sollte auch andrerseits das Genie seine apodiktischen Lehren unterlassen , da es das psychologische Moment nie berücksichtigt und stets von sich selbst aus schließt . So stellt z.B. Napoleon Grundsätze der Kriegskunst auf , als wären dies unerschütterliche Normen , obschon dieselben jede mittlere Feldherrnbegabung sicher ruiniren würden . Gewiß siegt meist der Angreifer , obschon der gesunde Menschenverstand das Gegentheil annimmt , weil die eigene Initiative den Gegner fesselt . Allein , wer falsch angreift , wird grade so gut geschlagen . Auch das Umgehen des Feindes mit der ganzen Masse , statt mit einzelnen Corps , losmarschirend auf des Feindes Rückzugslinie und die eigene preisgebend , mag als eine strategische Idee gelten , die in ihrer Einfachheit die seltenste Großartigkeit entfaltet , aber einen minder entschlossenen Feldherrn in unabwendbares Verderben verstricken würde . - In Masse vorbrechen , statt sich zu zersplittern , ist ein herrlicher Grundsatz . Aber wenn die geologische Lage dies nicht zuläßt , so soll man es auch nicht versuchen . Leonhart fröhnte diesem Prinzip des Masse-Bildens : weil aber die geologischen und atmosphärischen Verhältnisse des deutschen Geisteslebens in Gestalt der gedruckten Litteratur dem zuwider lagen , so kam er so nur ins Gedränge und deployirte nicht sachgemäß . Daher seine äußeren Niederlagen , trotz der genialen Anlage seiner Pläne . - Er wechselte oft seine Operationsbasis , an sich ein geniales Verfahren , verlor sie aber mehrmals dadurch . Und während er den Feind abschnitt , wurde er selbst abgeschnitten von der ungeheuren Uebermacht . So handeln die Männer der Zukunft , deren Schlachten auch nach ihrem Tode gewonnen werden . Anders aber erscheinen die Männer der Gegenwart , die den Erfolg der Realität erzielen . Dies sind die wahren Realisten , weswegen sie auch stets den Idealismus unnützlich im Munde führen . Denn Solches entzückt ja die geschmeichelte Lüge , » Welt « genannt . Genie macht anrüchig , » vornehmes « Weihepriestern macht ehrwürdig , ein Wohlgefallen vor Gott und den Menschen . Der rechte Weltmann und Sinnenmensch zeigt sich zwar äußerst schwach bei sclavischer Befriedigung seiner kleinen Leidenschaften , aber äußerst stark , wenn es ein imponirendes Auftreten gilt . Und dazu gesellt sich das sittliche Pathos , diese logische Folge gänzlicher Verlogenheit . Was man so Sonntagskinder nennt , das sind gewöhnliche Burschen mit lebhafter geistiger Beweglichkeit . Dann pflege man vor allem den stattlichen Corpus , auf daß man den lieben Frauen gefalle . Wer einen eleganten Bückling zu produciren versteht , besitzt den Schlüssel der wahren Lebenskunst . Nun ja , das alles ist wahr . Aber wozu die Dinge so schwer nehmen ! Was einmal nicht zu ändern , das liegt also in der Natur bedingt und also ist es vernunftgemäß . Man soll nur verlangen , was die Natur gewährt . Maulesel , Ziehochsen , springende Ziegenböcke kommen spät oder früh zu ihrem Weideplatz und schleppen ihre Fracht . Lahme Klepper und zierliche Damenzelter thun halt , was sie können . Und wenn der trainirte Vollblutrenner sie um zwanzig Pferdelängen schlägt , so soll man nicht murren , weil er kein Flügelroß ist . Pegasusflügel wachsen nicht oft , auf welchem Gebiet auch immer , und der Phönix steigt in jeder Generation nur einmal aus Flammen empor . Wenn die kneiferblinde Menge das Flügelroß nicht erkennen kann , was schadet das ! Jedes nach seiner Art. Die Erfahrung lehrt ,