» Du wirst es « , sagte Benno , » gehabe dich wohl . « » Gehabe dich wohl « , sagte Witiko . Die Männer reichten sich die Hände . Dann ging Benno mit Jakob , der ihm eine Lampe trug , in sein Gemach . Witiko befahl nun , daß die Knechte die Lichter in der Burg auslöschen . Da dieses geschehen , und ihm die Nachricht davon gebracht worden war , sagte er : » Dienstmannen , Kuto und Beda , weil es der Gebrauch so will , so geleitet mich in meine Stube . Es ist nur dieses Mal , ich werde es dann nie fordern . « » Wir tun unsers Dienstes jedes Mal « , sagte Beda . » Wie es die Gepflogenheit fordert « , sprach Kuto . Die zwei Männer geleiteten Witiko in sein Gemach . Raimund trug eine silberne Lampe . Vier Männer des Gefolges gingen hinter ihnen . In dem Gemache wurden die Abschiedssprüche gesprochen . Die Männer entfernten sich , und Witiko und Raimund blieben allein . Witiko ließ sich durch die Hilfe Raimunds zum Teile entkleiden , dann sendete er ihn in seine Kammer , die vor dem Schlafgemache war . Als Witiko nun allein in dem Zimmer weilte , kniete er vor dem Bilde des Heilandes nieder , und verrichtete ein Gebet . Dann entkleidete er sich vollends , und legte sich zum ersten Male auf das Schlummerbette seiner Burg . Als der Morgen des anderen Tages angebrochen war , sah Witiko , daß auf dem Anger vor der Burg Menschen über die Nacht geblieben waren . Teils hatten sie Feuer angezündet , um sich zu erwärmen , teils hatten sie , in ihre Gewänder gehüllt , den Frühlingsrasen als Schlummerstätte benützt . In manchen Teilen der näheren und entfernteren Wälder sah er noch Rauch von den Feuern aufsteigen , welche in der Nacht gebrannt hatten . Er befahl Raimund , daß er Huldrik , wenn er noch schlafe , wecke , und ihm sage , er möge Sorge tragen , daß die Leute vor der Burg etwas zu essen und zu trinken bekämen . Raimund ging fort , und kam wieder , und sagte , Huldrik sei schon unter den Leuten , und habe für sie gesorgt . Als die Sonne aus dem Walde emporgestiegen war , ging Witiko in die Burgstube , und die Seinigen und Leute des Gefolges kamen auch dahin . Dann wohnten alle , welche in der Nacht in der Burg gewesen waren , dem Morgengottesdienste bei , welchen Benno zum ersten Male feierte . Hierauf wurde das Frühmahl gemeinschaftlich in dem Saale verzehrt . Witiko ordnete nun an , daß jene Dienstmannen und Leute des Gefolges , welche nicht in die Burg gehörten , sondern irgend wo anders ihre Wohnung und ihre Beschäftigung hatten , acht Tage als Gäste in der Burg bleiben sollten . Dann ließ er alle vor sich kommen , denen er einen zeitlichen Dienst in der Burg aufgetragen hatte , und erklärte ihnen den Dienst , und sagte , diese Dinge werden alle später mit Giltigkeit geordnet werden . Und ehe die Sonne noch hoch gestiegen war , kamen Menschen , und brachten nach dem Brauche , wenn einer in ein neues Haus zieht , Gaben . Die Gaben sollten zum Bedarfe und zur Zierde des Hauses sein , oder in Werkzeugen zu allerlei Dingen , zur Fischerei , zum Vogelfange , zur Jagd , und selbst zum Kriege bestehen . Der alte Florian brachte ein Salzfaß , welches er aus einem Stücke weißen Ahorns geschnitten hatte , Wenhart aus der Friedau brachte zwei zierliche Fässer für Wein , der Richter aus der Stift brachte Holzteller , von dem kleinsten bis zu dem größten , wie sie in dem Walde gemacht wurden , und seine Gattin brachte eine Sammlung Holzdeckel , um sie auf Milchtöpfe oder andere Gefäße zu legen , Johannes aus dem Wangetschlage brachte Eimer und Zuber , der Richter von Friedberg brachte einen Betschemel , aus dicken Stämmen des Wacholders geschnitzt , und ein himmelblaues Tuch , auf welches die Jungfrauen von Friedberg rote Waldrosen gestickt hatten , Liebhart aus der Steinleithe brachte alle Gattungen Kien aus allen Harzhölzern des Waldes , die Männer aus dem Kirchenschlage brachten sechs kunstreich aus Eschen geschnittene Speere , Gregor vom Rathschlage brachte vier Fischnetze , Thomas von der Waldmoldau brachte zwölf Besen , deren Stiele die zwölf feinsten Hölzer des Waldes waren , deren Bund er mit schimmernden Farbreisern geflochten hatte , und deren Zweige alle Farben zeigten , welche die Ruten im Walde haben , die alte Susanna aus der unteren Moldau brachte zwanzig Eier , und sagte , sie habe nicht mehr . Die , welche weiter entfernt wohnten , kamen später . Gegen Abend kamen die von dem oberen Plane , und brachten ein kreisrundes Gitter , das fein aus Eisen geschmiedet war , und einen Boden aus Buchenholz hatte , daß man Töpfe mit Blumen hinein stellen konnte . Und dann brachten sie noch vier junge ganz weiße Milchkühe . Tom Johannes brachte sechs Bogensehnen , die er selber aus Darmsaiten von Geigen gedreht hatte , Stephan , der Wagenbauer , brachte die sechs Bogen aus rotem Eibenholze dazu , und Peter Laurenz , der Schmied , sechs Bündel Pfeile , deren Spitzen er selber geschmiedet hatte . Sebastian brachte Marderverbrämungen und Marderfelle und anderes Pelzwerk des Waldes . Christ Severin brachte ein Stück feinen Tuches . Den ganzen Tag kamen Leute , und in mehreren folgenden Tagen auch . Sie brachten noch Linnen und Wollstoffe und Felle und Leder und Nahrungsmittel und Tiere . Witiko sprach mit allen , und dankte ihnen . Wentila sprach auch mit den Leuten , und besonders mit den Frauen . Die Männer Witikos waren beschäftiget , die Gaben an ihre Orte zu bringen , besonders die lebenden Tiere . In der folgenden Zeit kamen die Gaben von Lubomir , von Diet , von Rowno , von Osel und anderen Nachbarn des Waldes , sie bestanden in Schmuck , in Waffen , in Gewändern , in Tieren . Darauf begann Witiko seine Gegengaben zu versenden . Dann ritt er zu den Nachbarn , um sie zu besuchen , und nahm sie in seiner Burg auf , wenn sie zu dem Gegenbesuche kamen , und bewirtete sie . Da dieses geschehen war , ordnete er den Dienst der Burg . Huldrik wurde der Schaffner , um für Fremde und alles , dessen sie bedurften , zu sorgen . Martin hatte die Aufsicht über die Nutztiere . Und so wurde über die Gemächer , über die Gewänder , über die Waffen , über die Küche , über den Keller , und über alles andere jemand gesetzt . Der Bauherr Eppo blieb eine Zeit als Gast , weil man seines Rates noch vielfach bedurfte . Dann trat er seinen Weg nach Prag an . Die Base blieb bei Wentila in dem Walde , weil sie Witiko bat , und Benno blieb bei Witiko , und feierte den Gottesdienst in der Burgkirche . Da die Dinge in der Burg geordnet waren , ritt Witiko auf seinem alten grauen Pferde , welches den Wald zu überwinden verstand , an alle Stellen , an denen er Arbeiten hatte , und untersuchte den Fortgang der Dinge . In dem Walde an der untern Moldau legte er eine Köhlerei an , und Mathias , der Köhler vom breiten Berge , war der Schaffner derselben , und von den Meilern gingen wie sonst an dem breiten Berge im Lichte die goldigen oder im Schatten die blauen Säulen des Rauches in die Lüfte . Für Mathias war ein hölzernes Wohnhaus , und ein steinernes für ihn und die Arbeiter ward begonnen . Am Abende kamen zuweilen , wie einst in dem steinernen Häuschen in Plan oder in dem Häuschen im Wangetschlage , Männer zu Witiko in die Burg , und er gab ihnen Brod und Salz , und sie nahmen es , sprachen mit ihm über verschiedene Dinge , und er reichte ihnen dann Speise und Trank , und sie gingen in der Nachtdämmerung durch den Wald nach Friedberg . , oder in die Friedau , oder in die Steinleithe , oder in die Heurafelhäuser , oder an der Mittagseite gegen die Häuser der reichen Au . Wenn die Männer von einer größeren Entfernung gekommen waren , so beherbergte er sie in der Burg . Es kamen nun auch Leute um Rat , es kamen Leute um Hilfe , und Witiko gewährte beides , wenn er es konnte . Indessen waren Wentila und die Base und die Frauen beschäftigt , Stoffe , Gewänder , Kleinodien und dergleichen Dinge zu dem Brautwerbungszuge Witikos zu rüsten . Als zwei Monden vergangen waren , seit Witiko in seine Burg eingezogen war , sandte er Beda , seinen Dienstmann , mit einem Geleite in die Burg Schauenberg zu Heinrich von Schauenberg , um Anfrage zu halten , ob es Heinrich von Schauenberg und Wiulfhilt von Dornberg , seiner Gemahlin , genehm sei , Witikos Werbungszug zu empfangen , und welchen Tag sie dafür bestimmten . Beda kam zurück und sagte , es sei Heinrich von Schauenberg , und Wiulfhilt von Dornberg , seiner Gemahlin , genehm , Witikos Werbungszug zu empfangen , und sie bestimmen den zwanzigsten Tag nach dem Tage der Anfrage dazu . Witiko bildete nun sein Geleite zu dem Werbungszuge , und gab ihm Gewänder , Schmuck und Waffen . Am Morgen des dritten Tages vor dem Werbungstage feierte Benno in der kleinen Burgkirche des Witikohauses einen Gottesdienst , dann sprach Wentila einen Segen über Witiko , die Base kniete in der Kirche vor dem Heilande , und betete für Witiko , und Witiko und Benno setzten sich auf Pferde , und dreißig Männer setzten sich auf Pferde , und sieben andere Männer setzten sich auch auf Pferde , die mit Saumpferden verbunden waren , welche Belastungen trugen . Und der Zug dieser Männer ging durch das Tor des Witikohauses hinaus . Sie waren alle in Waffenröcken . Der Zug ging durch den Wald in das Aigen und von dem Aigen an diesem Tage noch in das Gericht Velden . Des andern Tages ging er über die Höhen an die Donau hinab , wurde mit Fähren über das Wasser gebracht , und ging noch in die Stadt Eferdingen . In Eferdingen ging er in Herbergen , und blieb über die Nacht . Als am nächsten Morgen das Geleite Witikos sich vor seiner Herberge aufstellte , versammelten sich sehr viele Menschen bei demselben , standen da , und betrachteten die fremden Männer . Die fremden Männer waren in sehr kostbaren Gewändern , an denen Silber und Gold und edle Steine glänzten . Sie hatten runde Hauben , an jeder Haube war ein Stein , und von dem Steine ragte eine gerade weiße Feder empor . Die Pferde hatten rote mit Silber gezierte Zäume und rote Decken . Zwei Edelknechte hielten zwei Pferde , die noch keine Reiter hatten . Das eine war ein feines Pferd von goldbrauner Farbe , es hatte blaßgrüne Zäume von Sammet und Gold und roten Steinen , und eine gleiche blaßgrüne Decke . Die Stege des Sattels waren von Silber . Das andere Pferd war dunkelgrau , hatte weiße Zäume mit Gold und eine gleiche Decke , und silberne Sattelstege . Hinter allen den Männern und Pferden standen noch Saumpferde , die mit allerlei Gepäcke beladen waren , und neben ihnen standen Reiter , die sie zu leiten hatten . Als die Menschen eine Zeit gewartet hatten , kamen die zwei Reiter , die zu den zwei schön geschmückten Pferden gehörten . Witiko hatte ein blaßgrünes Ritterkleid von Sammet , Gold und edlen Steinen . Auf dem Haupte hatte er eine gleiche Haube , und an ihr war aus roten Steinen eine dunkle Waldrose , und aus der Rose ragte eine kurze weiße Feder empor . Er hatte blonde Locken , blaue Augen , sanfte Wangen und einen goldschimmernden Bart. Benno trug ein dunkles Priestergewand , und darauf ein kleines goldenes Kreuz . Er hatte weiße Haare , blaue Augen und einen weißen Bart. Die zwei Reiter bestiegen ihre Pferde , die Edelknechte auch die ihrigen , und es begann der Zug . Er ging durch eine Straße der Stadt , durch das Tor der Stadtmauer und in das freie Land hinaus in der Richtung gegen die Burg Schauenberg . Viele Leute standen an dem Wege , und die auf den Feldern arbeiteten , kamen herzu , und betrachteten den Zug . Die schimmernden Männer ritten durch schöne Wiesen und Felder und unter vielen Obstbäumen dahin . Als sie an die Stelle gekommen waren , an welcher der Seitenweg gegen die Burg Schauenberg ging , ritten sie den Seitenweg hinan . Der Türmer gab ein Zeichen mit seinem Horne , und einer von Witikos Leuten erwiderte das Zeichen . Als sie an die erste Zugbrücke gekommen waren , legte sich die Zugbrücke nieder , und die Männer ritten über sie . Sie ritten auf einem Wege zwischen Bäumen und Bauwerken dahin . Dann tönte das zweite Zeichen , und wurde erwidert , und die zweite Zugbrücke legte sich nieder , und die Männer ritten über sie . Und es tönte das dritte Zeichen , wurde erwidert , und die dritte Zugbrücke senkte sich , und die Männer ritten in den Burghof . An der rechten Seite des Hofes stand ein sehr hoher , starker , viereckiger Turm empor . Der Turm hatte ein großes Tor mit einem eisernen Fallgitter . Hinter dem Gitter ging eine Treppe hinan . Vor dem Gitter standen drei Männer in ritterlichen Kleidern . Einer näherte sich dem Zuge , und sprach : » Ich bin Liutolt , ein edler Dienstmann und Truchseß des Herren von Schauenberg , der Mann neben mir ist Berthold von Stal , ein edler Dienstmann des Herren von Schauenberg , und der Mann neben uns ist Hartnit , ein edler Dienstmann des Herren von Schauenberg . Wir Männer fragen euch , wer ihr seid , daß wir euch begrüßen . « Auf diese Worte ritt Beda vor , und rief : » Ich bin Beda , der Dienstmann des Herren Witiko vom Witikohause , und der neben mir ist Kuto , der Dienstmann des Herren Witiko vom Witikohause , und der neben uns ist Peter , der Dienstmann des Herren Witiko vom Witikohause , und wir Männer sagen euch : Witiko vom Witikohause ist gekommen , mit dem Herren Heinrich von Schauenberg in wichtigen Dingen zu sprechen . « » Wir grüßen für den Herren Heinrich von Schauenberg den Herrn Witiko vom Witikohause , und bitten euch , steiget von den Pferden « , rief Liutolt . Witiko und seine Männer stiegen von den Pferden , und Knechte der Burg kamen herbei , die Pferde weg zu führen . » Gehet ein zu dem Herren Heinrich von Schauenberg « , sagte Liutolt . Das Fallgitter hinter den drei Männern Heinrichs von Schauenberg stieg empor , die Männer wichen seitwärts , und wiesen auf die Treppe als auf den Eingang . Witiko ging mit Benno die Treppe hinan , und Liutolt ging als Führer hinter ihnen . Dann kamen die Männer des Gefolges Witikos mit den zwei Männern Heinrichs von Schauenberg . Liutolt geleitete Witiko und die Seinen am oberen Ende der Treppe aus dem Turme auf einen offenen Säulengang hinaus , und auf dem Gange fort um eine Ecke des Hofes zu zwei großen Türen mit steinernen Spitzbögen . An der Tür rechts standen Reisige und ein Pförtner . Der Pförtner öffnete die Flügel der Tür , und Witiko und seine Leute traten durch dieselbe in einen sehr großen Saal . In dem Saale saß auf einem schönen Stuhle Heinrich von Schauenberg in rotsammetenem Rittergewande ohne Verzierungen . Neben ihm saß Wiulfhilt von Dornberg , seine Gemahlin , in einem dunkelbraunsammetenen Gewande ohne Schmuck . Dann saßen noch Männer und Frauen , und zur linken Hand standen an der Wand dahin Dienstmannen und Leute aus dem Gefolge Heinrichs von Schauenberg . » Wer ist gekommen ? « rief ein Mann in schönen Gewändern . » Witiko vom Witikohause « , antwortete Beda . » So empfange er den Sitz « , rief der Mann . Witiko und Benno setzten sich auf Stühle , welche zur rechten Hand Heinrichs von Schauenberg an der Wand standen . Die Männer Witikos stellten sich längs der Wand auf , den Männern Heinrichs von Schauenberg gegenüber . » Was bringt Witiko vom Witikohause ? « rief der Mann in dem schönen Gewande . » Er bringt eine heilige Werbung « , sagte Beda . Nach diesen Worten stand der Burgpfarrer Heinrichs von Schauenberg auf , und sagte : » Welche heilige Werbung bringt Witiko vom Witikohause ? « Benno stand auf , und sagte : » Witiko vom Witikohause bringt die heilige Werbung der Ehe . « » So sage er die Werbung der Ehe « , rief der Mann . Hierauf stand Witiko von seinem Sitze auf , trat einen Schritt vor , wendete sich gegen Heinrich und Wiulfhilt , und sprach : » Hoher Herr , Heinrich von Schauenberg , erhabene Frau , Wiulfhilt von Dornberg , ich , Witiko vom Witikohause , ein Herr im mittäglichen Böhmen unter dem erlauchten Herzoge von Böhmen und Mähren , Wladislaw , werbe in Gutem und Treuem um eure Tochter , das tugendreiche Fräulein Bertha , daß sie mir in freiem Willen als Ehegemahlin folge , und daß ich sie ehre und liebe und ihr treu bin , so lange ich lebe . Ich bitte euch um eine Antwort auf meine Werbung . « Heinrich von Schauenberg stand auf , und sprach : » Witiko vom Witikohause , Herr im mittäglichen Böhmen unter dem Herzoge Wladislaw , ich , Heinrich von Schauenberg , gebe dir in Gutem und Treuem meine Tochter Bertha , daß sie dir in freiem Willen als Ehegemahlin folge , daß du sie ehrest und liebest , und ihr treu bist , so lange du lebst , und daß sie dich ehret und liebt und dir treu ist , so lange sie lebt . Hier ist Wiulfhilt von Dornberg , meine Gemahlin , hier ist Werinhart von Jugelbach , mein Vater , hier ist Benedicta von Aschach , meine Mutter , hier ist Gebhart von Stauf , mein Bruder . Sie sagen , daß die Ehre der Werbung gepflogen ist , und daß Bertha in deinem Stamme ist , wie in unserem Stamme . « Wiulfhilt stand auf , und sprach : » Die Ehre ist gepflogen , und Bertha ist in Witikos Stamme wie in unserem Stamme . « Werinhart stand auf , und sprach : » Die Ehre ist gepflogen , und Bertha ist in Witikos Stamme wie in unserem Stamme . « Und Benedicta stand auf , und sprach : » Die Ehre ist gepflogen , und Bertha ist in Witikos Stamme wie in unserem Stamme . « Und Gebhart von Stauf stand auf , und sprach : » Die Ehre ist gepflogen , und Bertha ist in Witikos Stamme wie in unserem Stamme . « Nun sprach Heinrich von Schauenberg . » So sage Bertha , daß sie in freiem Willen der Werbung folge , oder daß sie in freiem Willen die Werbung nicht annehme . « Drei Frauen erhoben sich von ihren Sitzen , und gingen aus dem Saale . Alle , die aufgestanden waren , blieben stehen . Die Frauen kamen wieder zurück , und mit ihnen kam Bertha . Sie hatte ein Gewand von braunem Sammet ohne Schmuck . Hinter ihr gingen vier Jungfrauen . Sie ging mit den Frauen und Jungfrauen bis zu ihrem Vater , und stellte sich an seine linke Seite . Heinrich von Schauenberg sprach : » Bertha von Schauenberg , Tochter Heinrichs und Wiulfhilts , hier steht Witiko vom Witikohause , ein Herr im mittäglichen Böhmen unter dem Herzoge Wladislaw , und wirbt in Gutem und Treuem , daß du ihm in freiem Willen als Ehegemahlin folgest , und ihn ehrest und liebst und ihm treu bist , so lange du lebst , und daß er dich ehret und liebt und dir treu ist , so lange er lebt . Gib ihm eine Antwort . « Bertha sprach : » Ich , Bertha von Schauenberg , die Tochter Heinrichs und Wiulfhilts , werde in freiem Willen Witiko vom Witikohause , dem Herrn im mittäglichen Böhmen unter dem Herzoge Wladislaw als Ehegemahlin folgen , daß ich ihn ehre und liebe und ihm treu bin , so lange ich lebe . « » So ist die Werbung geschlossen « , sagte Heinrich von Schauenberg . » Wir reichen uns zur Urkunde zuerst die Hand , und werden das Pergament ausfertigen , und unsere Siegel daran befestigen , und werden die Herren Freunde und Unsrigen bitten , daß sie ihre Siegel zu den unsrigen hängen . « Nach diesen Worten gingen Heinrich und Witiko einander entgegen , und reichten sich die Hände . Dann trat Witiko vor Wiulfhilt , und Wiulfhilt und Witiko reichten sich die Hände . Und es reichten sich Werinhart und Witiko , und Benedicta und Witiko , und Gebhart und Witiko die Hände . Und zuletzt reichten sich Witiko und Bertha die Hände . Dann gingen alle zu ihren Sitzen , und setzten sich auf dieselben . Bertha saß mit ihren Jungfrauen an der linken Seite ihrer Mutter . Als dieses geschehen war , gingen alle Männer Witikos und alle Männer Heinrichs von Schauenberg einander entgegen , sie kamen in der Mitte des Saales zusammen , und reichten sich die Hände . Dann trennten sie sich wieder , und gingen an die Wände zurück . Hierauf rief Heinrich von Schauenberg : » Und so lade ich dich , Witiko vom Witikohause , in diese Burg zu Gaste , und so lade ich alle deine Männer in die Gastlichkeit der Burg . « Witiko antwortete : » Ich nehme auf die Frist von vier Tagen die Gastlichkeit an , und dann ziehe ich mit den Meinigen heim , zu ordnen , was sich geziemet . « » So folget mir , und erquicket euch « , sagte Heinrich von Schauenberg . Es bildete sich nun ein Zug . An der Spitze gingen Heinrich und Witiko . Dann folgten Werinhart und Benedicta , dann Wiulfhilt und Gebhart , dann Bertha und die Frauen , dann gingen die Priester und dann die andern . Sie gingen in einen Saal , in welchem Speisen und Getränke waren . Die Speisen und Getränke wurden zur Erquickung gereicht . Dann wurde Witiko in sein Gemach geleitet , und die Seinigen erhielten Wohnungen . Und am dritten Tage nach diesem Tage kamen Herren mit Gefolge in die Burg . Es kamen Erchambert von Marbach , Odescalch von Meisaha , die Brüder Otto und Walchun von Machland , Eppo von Windberg , Hartwik von Hagenau , Uthalrik von Willeringe , Otto von Rote , Marquard von Wesen , Chunrat von Heichenbach , Heinrich von Tannenbach , und Calhochus von Valchenstein . Es kamen noch die Dienstmänner Herwig von Uberacha , Adelhart von Hutte und Dietmar vom Randshofe . Allen diesen , und Dienstmannen von ihnen und Dienstmannen Heinrichs und Werinharts und Gebharts wurde das Pergament vorgelegt , und sie hingen ihre Siegel zu den Siegeln Heinrichs , Werinharts und Gebharts . Nun wurden an dem Tage Geschenke ausgetauscht . Witiko gab Bertha einen Kranz aus Gold und edlen Steinen mit dunkelroten Waldrosen . Bertha gab Witiko fünf dunkelrote Waldrosen aus edlen Steinen so zusammen gefügt , daß man einen Gürtel damit schließen konnte . Heinrich gab Witiko ein Waffengewand aus kunstvollen Ringen und edlen Steinen , und Witiko gab ihm ein erlesenes Schwert mit kostbaren Steinen . Von Wiulfhilt bekam Witiko einen Goldgürtel mit Kleinodien , und er gab ihr ein Sammetgewand mit Gold . Den Angehörigen Heinrichs und seinen Männern gab Witiko weiße Stoffe aus sehr feiner Schafwolle , wie sie in Prag gemacht wurden , dann die schönsten Pelzwerke , die in dem Walde gefunden werden konnten , dann Waffen , Jagdgeräte und Pferdeverzierungen . Er empfing von ihnen auch Stoffe , Waffen , Kleinodien , Gewänder , und Geräte . Die Geleite Heinrichs und Witikos tauschten Geschenke , und die fremden Gäste empfingen und erteilten Gaben . Dann war ein großes Festmahl in dem Saale , und nach dem Festmahle waren Spiele und ritterliche Übungen . Abends wurden bunte Zelte an dem Berghange hin errichtet , darin Männer aus den Gefolgen übernachten konnten . Am nächsten Tage wurde vereinbart , daß nach dreißig Tagen die Vermählung sein solle , und die Gäste begannen sich zu zerstreuen . Witiko ordnete in seinem Reisegewande seinen Zug . Heinrich und Werinhart und Gebhart geleiteten ihn mit Gefolgen bis an die Donau , und ein erlesener Zug von Männern Heinrichs und Werinharts und Gebharts ging mit ihm bis in das Witikohaus . Von dem Tage an rüstete Witiko nun alles , was er für die Feste in dem Walde als notwendig erachtete . Er sandte auch Boten in vielen Richtungen aus , die Gäste zu laden . Vier Tage vor dem Vermählungstage wurden Witiko , seine Mutter , seine Base , Benno , die Frauen der Mutter und der Base und die Dienstmannen und die Geleite Witikos durch einen feierlichen Zug von Männern Heinrichs , den Liutolt führte , in das Schloß Schauenberg abgeholt . Der Zug ging am ersten Tage nach Velden , am zweiten in die Burg Schauenberg . In die Burg kamen nun auch die Männer , welche bei der Verlobung Zeugenschaft geleistet hatten , und es kam noch eine große Zahl anderer Männer und Frauen und Jungfrauen . Am festgesetzten Tage wurde die Vermählung in der Schloßkirche gefeiert . Es vollzog sie der Burgpfarrer des Schlosses Schauenberg , und der Pfarrer der Stadt Eferdingen . Der Pfarrer von Aschach und Benno waren an seiner Seite . Witiko hatte ein weißes Sammetgewand mit Gold , und er trug den goldenen Gürtel Wiulfhilts , und daran als Schloß die Waldrosen Berthas . Bertha hatte ein weißes Gewand aus Seide und Gold , und sie trug den Kranz der Waldrosen Witikos . Von ihrem Haupte ging ein Schleier bis zu der Erde nieder . Nach der Vermählung gingen alle in den großen Saal , und von dem Saale gingen Heinrich , Wiulfhilt , Wentila , Witiko und Bertha in ein Gemach . Heinrich reichte Witiko die Hand . Wiulfhilt sprach : » Ich habe einmal gesagt : Gott kann alles fügen , und kann uns Freuden bereiten , die wir gar nicht vermutet haben , und mein Gatte hat geantwortet : So füge er es . Ich glaube , daß er es gefügt hat . Witiko wird in Festigkeit und Treuem an unserem Kinde halten . « » Mutter , wie Ihr saget , wird es sein mein ganzes Leben lang « , sprach Witiko . Bertha ging zu ihrer Mutter , und schlang beide Arme um ihren Nacken . Und die Mutter küßte ihre Tochter . Dann schloß Wentila die neue Tochter an ihr Herz . In dieser Zeit kam ein Bote , und sagte , es sei ein Ritter in einem weiten Gewande mit goldenem Gürtel , und es seien mit ihm Männer in weiten Gewändern und silbernen Gürteln gekommen , und verlangen sogleich Gehör . » Lasset sie in den Saal führen « , sprach Heinrich . Und da die Männer im Saale Heinrichs standen , sagte der Ritter : » Ich bin Kriwosud , der Marschalk des hochehrwürdigen Bischofes von Olmütz , Zdik . Der hochehrwürdige Bischof sendet mich an Euch , Herr Heinrich von Schauenberg , und an Eure hohe Frau Gemahlin und an den Bräutigam und an die Braut mit Briefen und mit Kästchen . « » Ehe Ihr Eure Botschaft vollendet « , sprach Heinrich , » sagt , ob Euch eine Frist zur Heimkehr gesetzt ist . « » Uns ist eine solche Frist nicht gesetzt « , antwortete der Marschalk . » So bleibt mit den Eurigen bei uns als Gast des Festes , und dann , so lange es Euch beliebt « , sagte Heinrich . » Ich bleibe mit den Meinigen als Gast des Festes « , sagte der Marschalk . » Und lasset mich nun meine Gemahlin und Witiko und Bertha rufen « , sprach Heinrich , » weil Ihr auch an sie Botschaft bringt . « Und Heinrich sendete um Wiulfhilt , Witiko und Bertha , und diese kamen . Dann übergab Kriwosud die Briefe . Sie waren von dem Bischofe selber geschrieben . In dem Briefe an Heinrich standen Worte des Dankes , daß er ihn einmal nicht erkannt hatte , da er ihn doch erkannt hatte , und die Bitte , daß er eine Erinnerungsgabe des Beschützten nicht verschmähe . An Wiulfhilt und Bertha war die Bitte gerichtet , daß sie eine freundliche Gabe freundlich annehmen mögen . In dem Briefe an Witiko waren die Worte : Ich habe zu dir in Passau gesagt , Witiko : Du hast treue Christenpflicht an mir geübt ; möge sie dir im Walde gelohnt werden , von dem Hause Heinrichs von Jugelbach bis an die Waldstelle , in der du wohnen wirst . Möge Wladislaw die Stelle zieren , und möge ich etwas hinzu tun können . Gott hat dich belohnt von dem Hause Heinrichs von Jugelbach aus , wie ich es geahnet habe , bis an die Waldstelle , in der du nun wohnest . Wladislaw hat deine Waldstelle geziert , ich habe nichts dazu zu tun vermocht , weil Wladislaw alles getan hat . Vielleicht kann ich einmal eine Zierde bringen , die dich freut . Nimm von meinem Boten an , was er dir überreicht , und halte es für ein Denkmal deiner Vermählungszeit . Nachdem die Briefe gelesen waren , brachten vier Männer die vier Kästchen herbei ,