. Eine große , weiße , prachtvolle , fremdartige Blume . Alles war einstimmig im Lobe derselben . » So viele Menschen den Peruvianus haben , « sagte Simon , » denn gar selten ist er eben nicht , so mächtig groß sie auch seinen Stamm ziehen , so selten bringen sie ihn zur Blüte . Wenige Menschen in Europa haben diese weiße Blume gesehen . Jetzt öffnet sie sich , morgen mit Tagesanbruch ist sie hin . Sie ist kostbar mit ihrer Gegenwart . Mir ist es geglückt , sie blühen zu machen - und gerade heute . - Es ist ein Glück , das die wahrste Freude hervorbringen muß . « Wir blieben ziemlich lange , und erwarteten das völlige Entfalten . » Es kommen auch nicht viele Blumen wie bei gemeinen Gewächsen hervor , « sagte Simon wieder , » sondern stets nur eine , später etwa wieder eine . « Mein Gastfreund schien wirklich Freude an der Blume zu haben , ebenso auch Mathilde . Natalie und ich dankten Simon besonders für seine große Aufmerksamkeit und sagten , daß wir ihm diese Überraschung nie vergessen werden . Dem alten Manne standen die Tränen in den Augen . Er hatte Lampen um die Blume angebracht , die bei hereinbrechender Dämmerung angezündet werden sollten , wenn etwa jemand die Blume in der Nacht betrachten wolle . Bei längerem Anschauen gefiel uns die Blume immer mehr . Es dürften in unsern Gärten wenige sein , die an Seltsamkeit , Vornehmheit und Schönheit ihr gleichen . Von den Anwesenden hatte sie nie einer gesehen . Wir gingen endlich fort , und der eine und der andere versprach , im Laufe des Abends noch einmal zu kommen . Da wir auf dem Rückwege waren und an dem Gebüsche , das sich in der Nähe des Lindenganges befindet , vorbeigingen , ertönte dicht am Wege in den Büschen ein Zitherklang . Risach , welcher meine Mutter führte , blieb stehen , ebenso mein Vater und Mathilde , und dann auch die andern , die sich eben in unserer Nähe befanden . Ich war mit Natalien mehr gegen den Busch getreten ; denn ich erkannte augenblicklich den Klang meines Zitherspiellehrers . Er trug eine ihm eigentümliche Weise vor , dann hielt er inne , dann spielte er wieder , dann hielt er wieder inne , und so fort . Es waren lauter Weisen , die er selber ersonnen hatte , oder die ihm vielleicht eben in dem Augenblicke in den Sinn gekommen waren . Er spielte mit aller Kraft und Kunst , die ich an ihm so oft bewundert hatte , ja er schien heute noch besser als je zu spielen . Es war , als wenn er nichts auf Erden liebte als seine Zither . Alles , was sich in der Nähe befand , lauschte unbeweglich , und nicht einmal ein Zeichen eines Beifalles wurde laut . Nur Mathilde sah einmal auf Natalien hin , und zwar so bedeutsam , als wollte sie sagen : das haben wir nicht gehört , und das vermögen wir nicht hervorzubringen . Die Zither war ein lebendiges Wesen , das in einer Sprache sprach , die allen fremd war , und die alle verstanden . Als die Töne endlich nicht mehr wieder beginnen zu wollen schienen , trat ich mit Natalien ins Gebüsch , und da saß mein Zitherspiellehrer an einem Tischchen und hatte seine Zither vor sich . Sein Anzug war graues Tuch und sehr abgetragen , sein grüner Hut lag neben der Zither auf dem Tische . » Joseph , bist du wieder in der Gegend ? « fragte ich ihn . » So recht nicht , « antwortete er , » ich bin gekommen , Euch auf der Hochzeit einmal gut aufzuspielen . « » Das hast du getan , und das kann keiner so , « sagte ich , » du sollst dafür eine Freude haben , und ich weiß dir eine zu verschaffen , welche dir die größte ist . Bessere Hände können das , was ich dir geben will , nicht fassen , als die deinen . Das Rechte muß zusammenkommen . Ich bin dir ohnehin auch noch einen Dank schuldig für dein eifriges Lehren und für deine Begleitung im Gebirge . « » Dafür habt Ihr mich bezahlt , und das Heutige tat ich freiwillig « , sagte er . » Warte nur einige Tage hier , dann wirst du empfangen , was ich meine « , sprach ich . » Ich warte gerne « , erwiderte er . » Du sollst gut gehalten sein « , sagte ich . Indessen waren alle andern auch herbeigekommen und überschütteten den Mann mit Lob . Risach lud ihn ein , eine Weile in seinem Hause zu bleiben . Er spielte noch einige Weisen , er vergaß beinahe , daß ihm jemand zuhöre , spielte sich hinein , und hörte endlich auf , ohne auf die Umstehenden Rücksicht zu nehmen , genau so , wie er es immer tat . Wir entfernten uns dann . Ich rief sogleich den Hausverwalter herbei , sagte ihm , er möge mir einen Boten besorgen , welcher auf der Stelle in das Echertal abzugehen bereit sei . Der Hausverwalter versprach es . Ich schrieb einige Zeilen an den Zithermacher , legte das nötige Geld bei , versprach noch mehr zu senden , wenn es nötig sein sollte , und verlangte , daß er die dritte Zither , welche die gleiche von der meinigen und der meiner Schwester sei , in eine Kiste wohlverpackt dem Boten mitgebe , der den Brief bringt . Der Bote erschien , ich gab ihm das Schreiben und die nötigen Weisungen , und er versprach , die heutige Nacht zu Hilfe zu nehmen und in kürzester Frist zurück zu sein . Ich hielt mich nun für sicher , daß nicht etwa im letzten Augenblicke die Zither wegkomme , wenn sie überhaupt noch da sei . Indessen war es tief Abend geworden . Ich ging mit Natalien und Klotilden noch einmal zu dem Cereus peruvianus , der im Lampenlichte fast noch schöner war . Simon schien bei ihm wachen zu wollen . Immer gingen Leute ab und zu . Joseph hörten wir auch noch einmal spielen . Er spielte in der großen unteren Stube , wir traten ein , er hatte guten Wein vor sich , den ihm Risach gesendet hatte . Das ganze Hausvolk war um ihn versammelt . Wir hörten lange zu , und Klotilde begriff jetzt , warum ich im Gebirge so gestrebt habe , daß sie diesen Mann höre . Ein Teil der Gäste hatte noch heute das Haus verlassen , ein anderer wollte es bei Anbruch des nächsten Tages tun , und einige wollten noch bleiben . Im Laufe des folgenden Vormittages , da sich die Zahl der Anwesenden schon sehr gelichtet hatte , kamen noch einige Geschenke zum Vorscheine . Risach führte uns in das Vorratshaus , welches neben dem Schreinerhause war . Dort hatte man einen Platz geschafft , auf welchem mehrere mit Tüchern verhüllte Gegenstände standen . Risach ließ den ersten enthüllen , es war ein kunstreich geschnittener Tisch , und hatte den Marmor als Platte , welchen ich einst meinem Gastfreunde gebracht hatte , und über dessen Schicksal ich später in Ungewißheit war . » Die Platte ist schöner als tausende , « sagte Risach , » darum gebe ich das Geschenk meines einstigen Freundes in dieser Gestalt meinem jetzigen Sohne . Keinen Dank , bis alles vorüber ist . « Nun wurde ein großer , hoher Schrein enthüllt . » Ein Scherz von Eustach an dich , mein Sohn « , sagte Risach . Der Schrein war von allen Hölzern , welche unser Land aufzuweisen hat , in eingelegter Arbeit verfertigt . Eustach hatte die Zusammenstellung entworfen . Die Sache sah außerordentlich reizend aus . Ich hatte bei meinem Winterbesuche im Asperhofe an diesem Schreine arbeiten gesehen . Ich hatte damals die Ansammlung von Hölzern seltsam gefunden , auch hatte ich den Zweck des Schreines nicht erkannt . Er war in mein Arbeitszimmer für meine Mappen bestimmt . Zuletzt wurden mehrere Gegenstände enthüllt . Es waren die Ergänzungen zu meines Vaters Vertäflungen . Das war gleich auf den ersten Blick zu erkennen und erregte Freude ; aber o6 sie die rechten oder nachgebildete seien , war nicht zu entscheiden . Risach klärte alles auf . Es waren nachgebildete . Zu diesem Behufe hatte man von mir die Abbildungen der Vertäflungen des Vaters verlangt . Roland hatte vergeblich nach den echten geforscht . Er hatte Messungen nach den vorhandenen Resten vorgenommen und nach Orten gesucht , auf welche die Messungen paßten . In einem abgelegenen Teile der Holzbauten des steinernen Hauses hatte er endlich Bohlen gefunden , welche den Messungen genau entsprachen . Die Bohlen waren teils vermorscht , teils zerrissen , und trugen die Verletzungen , wie man die Schnitzereien von ihnen herab gerissen hatte . Es war nun fast gewiß , daß die Ergänzungen verloren gegangen seien . Man machte daher die Nachbildungen . In demselben Winterbesuche hatte ich auch das Bohlenwerk zu diesen Schnitzereien gesehen . Mein Vater erklärte die Arbeit für außerordentlich schön . » Sie hat auch lange gedauert , mein lieber Freund , « sagte Risach , » aber wir haben sie für dich zu Stande gebracht , und sie wird genau in dein Glashäuschen passen oder leicht einzupassen sein ; außer du zögest vor , die Schnitzereien in den Drenhof bringen zu lassen . « » So wird es auch geschehen , mein Freund « , sagte mein Vater . Nun ging es erst an ein Danksagen und an ein Ausdrücken der Freude . Die Geber lehnten jeden Dank von sich ab . Man beschloß , die Gegenstande in kurzer Zeit auf ihren Bestimmungsort zu bringen . An diesem Tage und in den folgenden verließen uns nach und nach alle Fremden , und erst jetzt begann ein liebes Leben unter lauter Angehörigen . Risach hatte für mich und Natalien eine sehr schöne Wohnung herrichten lassen . Sie konnte nicht groß sein , war aber sehr zierlich . In den zwei Jahren meiner Abwesenheit waren ihre Wände bekleidet und waren neue , ausgezeichnete Geräte für sie angeschafft worden . Wir beschlossen aber , unsere regelmäßige Wohnung so lange in dem Sternenhofe aufzuschlagen , bis ihn Gustav würde übernehmen können , damit Mathilde in der Zwischenzeit nicht zu vereinsamt wäre . Dabei würde ich oft in den Asperhof kommen , um mit Risach zu beratschlagen oder zu arbeiten , oft würden auch die andern kommen , und oft würden wir uns da oder im Gusterhofe oder im Sternenhofe oder in der Stadt besuchen und zeitweilig dort wohnen . Mit Natalien hatte ich eine größere Reise vor . Für den Fall , daß ich in was immer für Angelegenheiten abwesend sein sollte , nahm jedes Haus das Recht in Anspruch , Natalien beherbergen zu dürfen . Der Zitherspieler spielte täglich und oft ziemlich lange vor uns . Am fünften Tage kam die Zither . Ich überreichte sie ihm , und er , da er sie erkannte , wurde fast blaß vor Freude . Dieses Geschenk durfte das beste für ihn genannt werden ; von diesem Geschenke wird er sich nicht trennen , während es von jedem andern zweifelhaft wäre , ob er es nicht verschleudere . Als er die Zither gestimmt und auf ihr gespielt hatte , sahen wir erst , wie trefflich sie sei . Er wollte fast gar nicht aufhören zu spielen . Risach ließ ihm noch über ihr Fach ein wasserdichtes Lederbehältnis machen . Nach mehreren Tagen nahm er Abschied und verließ uns . Wir machten alle eine kleine Reise in das Ahornwirtshaus , und ich stellte Kaspar und alle andern , die mit mir in Verbindung gewesen waren , Risach , Mathilden , meinen Eltern und Natalien vor . Wir blieben sechs Tage in dem Ahornhause . Von da gingen wir in den Sternenhof . Die Tünche war nun überall von ihm weggenommen worden , und er stand in seiner reinen , ursprünglichen Gestalt da . Auch hier wurden wir in die Wohnung eingeführt , die während meiner Abwesenheit für uns hergestellt worden war . Sie konnte in dem weitläufigen Gebäude viel größer sein als die im Asperhofe . Sie war zu einer vollständigen Haushaltung hergerichtet . Von dem Sternenhofe gingen wir in die Stadt . Dort machten wir alle Besuche , welche in den Kreisen meiner Eltern und in denen Mathildens notwendig waren . Risach stellte manchem Freunde seine angenommene und neuvermählte Tochter nebst ihrem Gatten und ihrer Mutter vor . Ich erfuhr , daß meine Vermählung mit Natalie Tarona Aufsehen errege ; ich erfuhr , daß insbesonders einige meiner Freunde - sie hatten sich wenigstens immer so genannt - geäußert haben , das sei unbegreiflich . Nataliens Neigung zu mir war mir stets ein Geschenk und daher unbegreiflich ; da aber nun diese es aussprachen , begriff ich , daß es nicht unbegreiflich sei . Ich besuchte meinen Juwelenfreund , der wirklich ein Freund geblieben war . Er hatte die innigste Freude über mein Glück . Ich führte ihn in unsere Familien ein . Bekannt war er mit allen Teilen schon lange gewesen . Ich dankte ihm sehr für die prachtvolle Fassung der Diamanten und Rubinen und des Smaragdschmuckes . Er fühlte sich über Risachs und meines Vaters Urteil sehr beglückt . » Wenn wir solche Kunden in großer Zahl hätten , wie diese zwei Männer sind , teurer Freund , « sagte er , » dann würde unsere Beschäftigung bald an die Grenzen der Kunst gelangen , ja sich mit ihr vereinigen . Wir würden freudig arbeiten , und die Käufer würden erkennen , daß die geistige Arbeit auch einen Preis habe wie die Steine und das Gold . « Ich nahm bei ihm eine sehr wertvolle und mit Kunst verzierte Uhr als Gegenscherz für Eustachs Mappenschrein . Klotilde hatte sie ausgewählt . Für Roland ließ ich einen Rubin in einen Ring fassen , daß er ihn zur Erinnerung an mich trage und meine Dankbarkeit für seine Bemühungen zur Auffindung der Ergänzungen der Pfeilerverkleidungen anerkenne . » Er ist ohnehin ein Nebenbuhler von mir , « sagte ich , » er hat Natalien oft lange und bedeutend angesehen . « » Das hat einen sehr unschuldigen Grund , « entgegnete mein Gastfreund , » Roland erwarb sich ein Liebchen mit gleichen Augen und Haaren , wie sie Natalie besitzt . Er hat uns das öfter gesagt . Das Mädchen ist die Tochter eines Forstmeisters im Gebirge und ihm äußerst zugetan . Da nun der Arme ihren Anblick oft lange entbehren muß ? so sah er zur Erquickung Natalien an . Es hat Schwierigkeiten mit diesem jungen Manne , ich wünsche sein Wohl . Er kann ein bedeutender Künstler werden , oder auch ein unglücklicher Mensch , wenn sich nämlich sein Feuer , das der Kunst entgegen wallt , von seinem Gegenstande abwendet und sich gegen das Innere des jungen Mannes richtet . Ich hoffe aber , daß ich alles werde ins Gleiche bringen können . « Da alle notwendigen Dinge in der Stadt abgetan waren , wurde die Rückreise angetreten , und zwar in den Asperhof . Die Zeit der Rosenblüte war herangerückt , und heuer sollte sie von den vereinigten Familien als ein Denkzeichen der Vergangenheit und aber auch als eins der Zukunft zum ersten Male in dieser Vereinigung und mit besonderer Festlichkeit begangen werden . Mein Vater sollte sehen , welche Gewalt die Menge und die Mannigfaltigkeit auszuüben im Stande ist , wenn diese Menge und Mannigfaltigkeit auch nur lauter Rosen sind . Nach Verlauf der Rosenblüte sollte alles und jedes , das durch diese Vermählung unterbrochen worden war , in das alte Geleise zurückkehren . Da wir in dem Asperhofe angekommen waren , gelangte ich erst zu einiger Ruhe . Da sah ich auch gelegentlich die Papiere an , die uns Risach und der Vater gegeben hatten , und erstaunte sehr . Beide enthielten für uns viel mehr , als wir nur entfernt vermutet hatten . Risach wollte bis zu seinem Tode das Haus in der Art wie bisher fort bewirtschaften , damit , wie er sagte , er seinen Nachsommer bis zum Ende ausgenießen könne . Unser Rat und unsere Hilfe in der Bewirtschaftung wird ihm Freude machen . Einen namhaften Teil seiner Barschaft hatte er uns übergeben . Und weil öfter zwei Familien in dem Asperhofe sein können , so lagen den Papieren Plane bei , daß auf einem schönen Platze zwischen dem Rosenhause und dem Meierhofe hart am Getreide ein neues Haus aufgeführt und sogleich zum Baue geschritten werden möge . Aber auch das von dem Vater uns Übergebene war der gesamten Habe Risachs ebenbürtig , und übertraf weit meine Erwartungen . Als wir unsern Dank abstatteten und ich mein Befremden ausdrückte , sagte der Vater : » Du kannst darüber ganz ruhig sein ; ich tue mir und Klotilden keinen Abbruch . Ich habe auch meine heimlichen Freuden und meine Leidenschaften gehabt . Das geben verachtete bürgerliche Gewerbe eben , bürgerlich und schlicht betrieben . Was unscheinbar ist , hat auch seinen Stolz und seine Größe . Jetzt aber will ich der Schreibstubenleidenschaft , die sich nach und nach eingefunden , Lebewohl sagen und nur meinen kleineren Spielereien leben , daß ich auch einen Nachsommer habe wie dein Risach . « Als wir einige Zeit in dem Rosenhause verweilt hatten , traten eines Tages Natalie und ich zu unserem neuen Vater und baten ihn , er möge ein Versprechen von uns annehmen , dessen Annahme uns sehr freuen würde . » Und was ist das ? « fragte er . » Daß wir , wenn du uns dereinst in dieser Welt früher verlassen solltest als wir dich , keine Veränderung in allem , wie es sich in dem Hause und in der Besitzung vorfindet , machen wollen , damit dein teures Andenken bestehe und forterbe « , sagten wir . » Da tut ihr zu viel , « antwortete er , » ihr versprecht etwas , dessen Größe ihr nicht kennt . Diese Bande darf ich nicht um euren Willen und eure Verhältnisse legen , sie könnten von den übelsten Folgen sein . Wollt ihr mein Gedächtnis in mannigfachem Bestehenlassen ehren , tut es , und pflanzt auch euren Nachkommen diesen Sinn ein sonst ändert , wie ihr wünscht , und wie es not tut . Wir wollen , so lange ich lebe , selber noch mit einander ändern , verschönern , bauen ; ich will noch eine Freude haben , und mit euch zu ändern und zu wirken ist mir lieber , als wenn ich es allein tue . « » Aber der Erlenbach muß als Denkmal der schönen Geräte bestehen bleiben . « » Setzt eine Urkunde auf , daß ihm nichts angetan werde von Geschlecht zu Geschlecht , bis seine Reste vermodern , oder ein Wolkenguß ihn von seiner Stelle feget . « Er küßte Natalien , wie er gerne tat , auf die Stirne , mir reichte er die Hand . Als die Rosenzeit wirklich recht innig und zum Staunen meiner Angehörigen , welche so etwas nie gesehen hatten , vorüber gegangen war , nahmen wir Abschied , die Vereinigung , welche nun so lange bestanden hatte , löste sich , und die Tage kehrten in ihren gewöhnlichen Abfluß zurück . Meine Eltern gingen mit Klotilden in den Gusterhof , wo sie bis zum Winter bleiben wollten , und ich siedelte mit Natalien in unsere ständige Wohnung , in den Sternenhof über . Wir sollten nun die eigentliche Familie desselben sein , Mathilde werde bei uns wohnen und mit an unserem Tische speisen . Die Bewirtschaftung des Gutes sollte ebenfalls ich leiten . Ich übernahm die Pflicht und bat um Mathildens Beihilfe , so ausgedehnt sie dieselbe leisten wolle . Sie sagte es zu . So rückte nun die Zeit in ihr altes Recht , und ein einfaches , gleichmäßiges Leben ging Woche nach Woche dahin . Nur im Herbste fand eine Abwechslung statt . Die Vettern aus dem Geburtshause des Vaters besuchten meine Eltern in dem Gusterhofe . Wir fuhren zu ihnen hinüber . Der Vater ließ sie reichlich beschenkt in einem Wagen in ihre Heimat zurückführen . Mit Beginn des Winters war Rolands Bild fertig . Es war seiner Größe willen zu rollen , hatte einen großen Goldrahmen , der zu zerlegen war , und wurde in dem Marmorsaale auf einer Staffelei aufgestellt . Wir reisten alle in den Asperhof . Das Bild wurde vielfach betrachtet und besprochen . Roland war in einer gehobenen , schwebenden Stimmung ; denn was auch die Meinung seiner Umgebung war , wie sehr sie auch das Hervorgebrachte lobte und wohl auch Hindeutungen gab , was noch zu verbessern wäre : so mochte ihm sein Inneres versprechen , daß er einmal vielleicht noch weit Höheres , ja ein ganz Großes zu Stande zu bringen vermögen werde . Risach sagte ihm die Mittel zu , reisen zu können , und ordnete die Zubereitung zu einer baldigen Abreise nach Rom an . Gustav mußte noch den Winter im Asperhofe zubringen . Im Frühlinge sollte er endlich in die Welt gehen . So waren nun mannigfaltige Beziehungen geordnet und geknüpft . Mathilde hatte einmal , da ich sie im Sternenhofe besuchte , zu mir gesagt , das Leben der Frauen sei ein beschränktes und abhängiges , sie und Natalie hätten den Halt von Verwandten verloren , sie müßten manches aus sich schöpfen , wie ein Mann , und in dem Widerscheine ihrer Freunde leben . Das sei ihre Lage , sie daure ihrer Natur nach fort und gehe ihrer Entwicklung entgegen . Ich hatte mir die Worte gemerkt und hatte sie tief ins Herz genommen . Ein Teil dieser Entwicklung , glaubte ich nun , war gekommen , der zweite wird mit Gustavs Ansiedlung eintreten . An mir hatten die Frauen wieder einen Halt gewonnen , daß sich ein fester Kern ihres Daseins wieder darstelle ; ein neues Band war durch mich von ihnen zu den Meinigen geschlungen , und selbst das Verhältnis zu Risach hatte an Rundung und Festigkeit gewonnen . Den Abschluß der Familienzusammengehörigkeit wird dann Gustav bringen . Was mich selber anbelangt , so hatte ich nach der gemeinschaftlichen Reise in die höheren Lande die Frage an mich gestellt , ob ein Umgang mit lieben Freunden , ob die Kunst , die Dichtung ! die Wissenschaft das Leben umschreibe und vollende , oder ob es noch ein Ferneres gäbe , das es umschließe und es mit weit größerem Glück erfülle . Dieses größere Glück , ein Glück , das unerschöpflich scheint , ist mir nun von einer ganz anderen Seite gekommen , als ich damals ahnte . Ob ich es nun in der Wissenschaft , der ich nie abtrünnig werden wollte , weit werde bringen können , ob mir Gott die Gnade geben wird , unter den Großen derselben zu sein , das weiß ich nicht ; aber eines ist gewiß , das reine Familienleben , wie es Risach verlangt , ist gegründet , es wird , wie unsre Neigung und unsre Herzen verbürgen , in ungeminderter Fülle dauern , ich werde meine Habe verwalten , werde sonst noch nützen , und jedes , selbst das wissenschaftliche Bestreben hat nun Einfachheit , Halt und Bedeutung .