die Menschen dahin . Er sah Rowno in dem Festgewande eines Waldwladyken , mit dem Waldschmucke und dem goldenen Gürtel . Er sah auch Wolf von Tusch und Wernhard von Ottau in sehr schönen Gewändern . Der alte Bolemil saß auf einem kostbaren Gesiedel . Er hatte ein wallendes Kleid von braunem Sammet an seinem Leibe , und das Kleid wurde von einem goldenen Gürtel mit grünen Steinen umspannt , und der weiße Bart floß auf den braunen Sammet nieder . Um ihn saßen mehrere alte Männer , und es standen mehrere junge neben ihm , und hörten auf seine Worte , und sprachen zu ihm . Witiko kam zu Welislaw und Dimut , welche mit einander aus einem Gemache gegen andere Gemächer gingen . Welislaw hatte ein blaues Sammetgewand mit einem silbernen Gürtel , auf dem rote Steine zu Rosen gefaßt waren . Auf dem blonden Haupte hatte er eine weiße Sammethaube mit einer kurzen geraden weißen Feder , die auch aus einer roten Steinrose emporstand . Dimut hatte ein dunkelblaues Sammetgewand mit einem Gürtel , gewebt aus Gold und Silber , hellblauen Steinen , und ihr Haarnetz hatte das Gewebe und die Steine des Gürtels . Welislaw sagte zu Dimut : » Und wie du heute , sehr schöner Krieger , keine Waffen an dir hast , sondern in dem prächtigen Frauenkleide mit den großen Edelsteinen einhergehst , die nur nicht so glänzen wie die zwei Edelsteine deiner Augen , so bedarfst du auch jenes Pfeiles nicht mehr , den du von unsern Feinden gefangen hast , die jetzt unsere Freunde sind . « » Sehr schöner Zupan vom Wysehrad « , entgegnete Dimut , » der du nur dieses Spielzeug an deiner Seite trägst , und in dem prächtigen Männerkleide mit den roten Rosen einhergehst , die du von unserm Freunde Witiko genommen hast , und der du auch zwei blaue Edelsteine als Augen in deinem Angesichte trägst , du bedarfst der Pfeile nicht . « » Ich bedarf ihrer , um dort zu verwunden , wodurch nichts anderes verwundet werden kann « , sagte Welislaw . » Du bist der zweite Zupan des Landes , und kannst dir Pfeile genug schneiden lassen « , antwortete Dimut . » Diese gehen nur in die Herzen der bärtigen Krieger « , entgegnete Welislaw , » wenn ich deinen Pfeil hätte , wäre die Wunde schon da . « » Er ist in dem Turme zu Rowna bei dem roten Banner , welches der Herzog meinem Bruder gegeben hat « , sagte Dimut . » Und wenn du von deinem Bruder fort ziehst , wird der Pfeil bei dem roten Banner zu Rowna bleiben ? « fragte Welislaw . » Und wenn ich von meinem Bruder fortziehen so weiß ich nicht , was mit dem Pfeile geschieht « , antwortete Dimut . Witiko grüßte die beiden , sprach einige Worte mit ihnen , und ging dann seines Weges weiter . Er sah an einem Fenster Odolen und Sezima stehen . Odolen hatte ein grünes Sammetgewand mit einem silbernen Gürtel , und auf seinen schwarzen Haaren hatte er eine weiße Haube mit einer schwarzen Feder . Sezima war in Blau und Gold gekleidet . Witiko ging zu ihnen , und fragte , ob sie nicht wüßten , wo er den Bischof Silvester finden könne . Odolen antwortete : » Der ist bei denen , die jetzt in unserem Lande die römische Sprache reden . « Witiko verabschiedete sich , und ging gegen das Gemach , in welchem der Kardinal Guido war . Er sah den Kardinal auf einem Stuhle sitzen , und an seiner rechten Seite saß der ehemalige Bischof Silvester und an der linken der Propst Daniel . Er sprach mit beiden . Weiter entfernt saßen die Bischöfe Otto und Zdik , und dann saßen oder standen noch andere Herren der Kirche und Priester und verschiedene Menschen . Witiko entfernte sich wieder von der Tür des Gemaches , und ging eines anderen Weges zurück , als den er gekommen war . Er sah jetzt auch die Herzogin unter Frauen und Jungfrauen sitzen , und sah manche Herren und Frauen neben einander wandeln , und mit einander sprechen . Er kam auch zu Lubomir . Derselbe saß auf einem Stuhle . Er hatte ein schwarzsammetenes Gewand , und auf dem Gürtel waren viele edle Steine in schimmernden Farben . Die schwarze Haube mit der weißen Feder hielt er in der Hand , und seine weißen Haare und sein weißer Bart leuchteten aus dem schwarzen Gewande . Es saßen mehrere alte Männer bei ihm , und junge standen daneben . » Witiko « , sagte er , » du gehest allein in diesen Gemächern , und sinnest nach andern Dingen . « » Ich habe mit einigen Herren gesprochen « , sagte Witiko , » und suchte nun den hochehrwürdigen Bischof Silvester . « » Mit dem hat der hocherlauchte Kardinal zu reden « , antwortete Lubomir , » er hat ihn und den Propst Daniel zu sich rufen lassen . « » Ich habe gesehen , wie er mit ihnen sprach « , sagte Witiko . » Meine Hauswirtin freuet sich schon « , sprach Lubomir , » wenn du einmal in deinem festen Stande bist , und auf eine längere Zeit zu uns kommen kannst , wie du es versprochen hast . Jetzt werden friedliche Zeiten kommen , und wir können von dem reden , was wir in unserem Lande , in unserer Gegend und unter unseren Leuten , und was wir in unserem Hause tun wollen . Boleslawa kann dir auch noch manches sagen , was dir zu gute kommen könnte . « » Wenn der Frühling in das Land zieht , und unser Wald neu grünt « , antwortete Witiko , » werde ich in dem festen Stande sein , wie Ihr sagt . Und dann werde ich zu einer Zeit um freundliche Gastlichkeit in Daudleb bitten , und ich werde Euch auch bitten , daß Ihr mit den Eurigen nicht verschmähet , eine ehrerbietig gebotene Gastlichkeit in meinem Hause anzunehmen . « » Ich bin bei dem Beginne deines Hauses gewesen « , sagte Lubomir , » und es geziemt sich , daß ich es auch betrachte , wenn es fertig ist . « » Ihr dürft nicht allein kommen « , sprach Witiko . » Wir werden in dein Haus kommen « , sagte Lubomir , » und werden öfter kommen , und werden kommen , wenn die junge Burgfrau in demselben schaltet . « Witiko antwortete nicht . Lubomir sprach : » Wenn wir gemach in die andere Welt gehen , die wir weiße Haare haben , so müssen die , deren Scheitel noch dunkel ist , in dem Lande sein , und nach ihnen wieder dunkle Scheitel . Du bist ein guter Mann , Witiko , und die nach dir kommen , werden wieder gute Männer sein . « » Das sind Dinge der Zukunft « , sprach Witiko . » Und die Zukunft wird sich erfüllen « , antwortete Lubomir . » Eines ist nicht mehr weit zukünftig , ich wünsche dir recht viel Glück und Heil . « » Das liegt in Gottes Hand « , sagte Witiko , » und mögen die Friedensjahre , die wir erwarten , voll Segen sein . « » Und mögen wir den Segen bringen helfen « , sprach Lubomir . » Witiko , komme doch , so lange wir in Prag sind , noch zu mir . « » Ich werde Euch noch in dem Hause Eures Stammes aufsuchen , wie ich Euch aufgesucht habe « , antwortete Witiko . » Tue das « , sagte Lubomir . Nach diesen Worten verabschiedete sich Witiko , und wandelte wieder weiter . Er traf noch mehrere seiner Freunde , und sprach mit ihnen . Endlich wurde das Zeichen gegeben , daß das Fest zu Ende sei , und Witiko ritt mit einigen seiner Männer , die ihn draußen erwartet hatten , in seine Herberge . Die Feier der Kirche des heiligen Veit dauerte noch acht Tage . Der Herzog und die Herzogin , der Kardinal Guido und alle Herren der Kirche und die Herren des Landes waren täglich bei dem Gottesdienste . Die mährischen Fürsten beteten vor der Kirche . Viele Menschen kamen noch von allen Gegenden , und die zuerst keinen Platz in der Kirche gefunden hatten , suchten ihn später zu gewinnen . Nach dem Gottesdienste segnete der Kardinal die Gläubigen , und er segnete sie auf seinem Heimwege . Von dem mittäglichen Walde kamen auch Züge nach Prag , um des Heiles dieser Tage teilhaftig zu werden , und jeder Zug hatte ein kirchliches Banner . Sie lagerten sich zwischen dem Wysehrad und dem rechten Burgflecken . Manche gingen zu Witiko , und Witiko ging zu ihnen , und er erteilte ihnen Rat und , wo es nötig war , Gaben . Und als sie ihre Gebete verrichtet hatten , und als sie alles , was ihnen zu sehen würdig schien , in Prag betrachtet hatten , traten sie wieder den Heimweg an . Der Kardinal Guido besuchte alle Kirchen und heiligen Orte , und er hielt in dieser Zeit auch Versammlungen , wie er sie vor ihr gehalten hatte . Als die Feier der Kirche des heiligen Veit zu Ende gegangen war , verabschiedeten sich Konrad , Wratislaw und Otto in einer Versammlung von dem Herzoge , und gingen mit ihren Geleiten in ihre Länder nach Mähren . Viele Herren der Länder Böhmen und Mähren begleiteten sie . Leopold , Spitihnew und Wladislaw blieben in Prag . Fünf Tage darnach traten Guido und Zdik ihren Zug nach Mähren an . Ein großes Geleite von Priestern und Herren war bei ihnen . Witiko blieb in Prag . Es waren noch Versammlungen bei dem Herzoge , und Witiko war bei den Versammlungen . Und er besuchte Bolemil und Lubomir und Diwis und Preda und Chotimir und Wsebor , und er besuchte seine jungen Freunde , und seine jungen Freunde besuchten ihn . In dieser Zeit strebte er auch , zu Männern zu kommen , welche nach Dingen des Waldes begehrten , damit er ein Einkommen in den Wald leite . Er nannte ihnen das Holz zu Kunstwerken , zu Geräten , zum Bauen und zum Brennen , er nannte ihnen die Kohlen , er nannte ihnen , was die Höfe liefern , deren Tiere die Waldkräuter genießen , er nannte die Felle der wilden Tiere , er nannte die Jagdtiere , die Früchte und Pflanzen des Waldes , die in entfernte Gegenden gesendet werden können , den Honig der Waldbienen , das Pech , den Teer , die Rinden , die Steine und anderes , er nannte ihnen , was die Menschen aus den Dingen des Waldes verfertigen , und machte Verabredungen . Er brachte auch vieles in Ordnung , was er für sein neues Haus bedurfte . Und als es schon gegen den Winter ging , verabschiedete er sich bei dem Herzoge , und ritt mit den Seinigen nach Friedberg zurück . Nach einer Zeit sagte ihm der Bauherr Eppo , daß das Witikohaus fertig sei . Die Gerüste waren weggenommen , und die Burg stand sichtbar gegen den grünen Wald . Auf der Spitze des höchsten Daches war der Wipfel eines Tannenbäumchens mit Bändern . Witiko ging in den Hof . Der Brunnen war mit schönen Steinen umfaßt , hatte ein schönes Dach , und um die zierliche Spindel war die Kette geschlungen , an der die Eimer hingen . Witiko ging in das Innere . Alle Räume waren bereit , ihre Ausrüstung zu empfangen . Nun wurden Wägen und Säumer tätig , alles , was nötig war , in die Burg zu bringen , und Eppo arbeitete mit Männern und Werkleuten eifrig , sie wohnlich zu machen . Witiko besuchte im Winter verschiedene Stellen des Waldes . Er war öfter in dem oberen Plane , er war in dem Häuschen im Wangetschlage , er war bei den Köhlern , in den Meierhöfen und an anderen Orten . Eines Tages ritt er nach Pric , und von dort zu Silvester , und von Silvester wieder nach Friedberg . Als der Frühling in das Land zog , und der Wald grünte , wie Witiko zu Lubomir gesagt hatte , war das Witikohaus in festem Stande . Witiko sammelte ein Geleite , und zog mit demselben nach Pric . Von Pric kam er mit diesem Geleite und mit einem neuen und mit seiner Mutter und mit seiner Base und mit Benno nach Friedberg zurück . In Friedberg ordnete er sich und die Seinigen , um eines Tages in die neue Burg zu ziehen . Als der Tag gekommen war , legte er das Gewand an , welches er in der Schlacht auf dem Berge Wysoka getragen hatte , und nahm den weißen Schild mit der roten Waldrose . Dann sammelte er seine Dienstmannen aus Plan , Friedberg und Pric und alle seine anderen Männer . Seine Mutter und seine Base und ihre Frauen saßen in Sänften . Benno bestieg ein Pferd . Witiko setzte sich auf das alte eisengraue Pferd , auf dem er von Passau nach Böhmen geritten war , und so begann er mit den Seinigen den Zug . Es waren viele Menschen gekommen , daß in Friedberg ein Gedränge war , daß der Zug nur langsam gegen den Steg der Moldau kommen konnte . Und auch im Freien waren Menschen . Der Zug gelangte nach einer und einer halben Stunde durch den breiten Wald hinan vor die Burg . Auf dem grünen Anger vor derselben war ein Altar , und an dem Altare stand der greise Pfarrer von Plan und der Pfarrer von Friedberg , und neben ihnen stand Huldrik in einem Festgewande , wie ein Burgdiener , es standen alle Männer von Plan da , welche mit Witiko in dem Kriege gewesen waren , und auch andere Männer von Plan standen abgesondert da , es standen aus verschiedenen Teilen des Waldes , die im Kriege gewesen waren , und andere da , es standen in schönen Kleidern Jungfrauen von Plan und von Friedberg und vom Wangetschlag und von der untern Moldau und vom schwarzen Bache und von anderen Gegenden da , und hielten Festgewinde in den Händen , und weiter zurück standen Männer und Weiber und Kinder aus dem Walde , aus Fluren , die an den Wald grenzten , aus dem Lande der Mihel , das schon in Baiern ist , und aus entfernteren Strichen von Baiern . Die Menschen blickten auf Witiko , als er heran ritt . Er ritt mit den Seinigen vor den Altar . Der Pfarrer von Plan machte ihnen das Zeichen des Segens entgegen . Darauf stiegen sie von den Pferden , und die Frauen wurden aus den Sänften gehoben . Sie knieten nun alle vor dem Altare nieder , und das ganze Volk kniete in das grüne Gras . Der Pfarrer von Plan hielt nun mit Hilfe des Pfarrers von Friedberg den Gottesdienst vor dem Altare . Als der Gottesdienst geendigt war , segnete der Pfarrer Witiko und die Seinigen wieder , und segnete das ganze Volk . Dann stieg Witiko auf sein Pferd , die Frauen wurden in die Sänften gehoben , und die Männer Witikos bestiegen ihre Pferde . Der Pfarrer von Plan aber schritt von dem Altare gegen die Burg . Ihm folgte Witiko , dann folgten die Sänften , dann folgten Witikos Männer . Die Jungfrauen säumten jetzt mit ihren Festgewinden den Weg . Vor dem Tore der Burg stand der Pfarrer stille , und der Zug stand stille . Der Pfarrer segnete nun mit dem heiligen Wasser gegen das hohe Dach empor , er segnete gegen die Mauern , und er segnete gegen das Tor . Dann trat er seitwärts . Das Tor wurde geöffnet . Witiko hielt noch einen Augenblick stille . Dann machte er mit seiner rechten Hand das Zeichen des Kreuzes auf seine Stirne , auf seinen Mund , und auf seine Brust . Dann ritt er langsam unter das Tor . In dieser Zeit trat Huldrik zu ihm , und hielt ihm den Steg des Sattels . Als er unter dem Tore war , tat das Volk einen Glücksruf , der wie ein Gebrause gegen den Himmel ging . Von dem Torbogen ritt Witiko in den Hof . Seine Mutter , die Base , und alle Frauen folgten ihm , und Benno und die Pfarrer von Plan und Friedberg folgten ihm , es folgten seine Männer , und es folgten die Jungfrauen und die Krieger , und es folgten so viele Menschen , als Platz finden konnten . Im Hofe stiegen die Frauen aus den Sänften und die Männer von den Pferden . Witiko führte seine Mutter die Treppe hinan in die kleine Burgkirche . Die andern gingen hinter ihnen . In der Burgkirche wurde Benno mit dem kirchlichen Gewande bekleidet , und gab den Segen . Dann sprachen alle ein stilles Gebet . Dann ging Witiko mit seiner Mutter und seinem Gefolge in den Saal . Dort blieb er stehen , neigte sich auf die Hand der Mutter , und küßte dieselbe , die Mutter aber schlang beide Arme um seinen Nacken , und küßte ihn auf die Stirne . Dann geleitete er sie zu einem kostbaren Sitze . Sie ließ sich auf denselben nieder . Er setzte sich auch auf einen Sitz , und die Pfarrer , und Benno und andere setzten sich auf Sitze . Nun brachte Huldrik Brod und Salz , und reichte es jedem , der in dem Saale war , und jeder kostete davon . Als dieses geschehen war , stand Witiko auf , und sprach : » Männer , die ihr zu mir gehört , und Freunde , die ihr gekommen seid , ich danke euch . Eppo und Mathias und Urban , und die ihnen dienen , werden euch weisen , wie alles eingerichtet werden soll . « Dann führte er seine Mutter mit ihren Frauen in ihre Wohnung . Sie hatte Tränen in ihren Augen . Hierauf führte er die Base Hiltrut in ihre Wohnung . Sie konnte vor Weinen nicht sprechen . Dann geleitete er Benno in seine Wohnung . Dann ging er in sein Gemach . In demselben befestigte er den Schild mit der roten Rose unter dem Bilde des Heilandes . Dann ging er in den Saal , und von demselben auf den Söller hinaus . Unten waren zwanzig Männer beschäftigt , den Leuten Brod und Salz zu reichen . Sie nahmen alle davon . Und als sie Witiko sahen , riefen sie ihm zu . Er dankte ihnen mit Winken seiner Hand . Viele Werkleute waren beschäftigt , aus rohen Brettern Tische und Bänke zu errichten . Aus den Schatten des Waldes wurden Fässer herbei gerollt , in denen Getränke waren , und es wurden viele Feuer angezündet , und an ihnen Speisen bereitet . Und als die Zeit des Mahles gekommen war , hielt Witiko mit allen , die auf den Bänken an den Tischen saßen , die auf den Steinen oder im Grase saßen , oder die standen , das Mahl , und was da war , wurde unter alle verteilt . Als das Mahl beendiget war , und die Menschen durcheinander gingen , war Huldrik unter ihnen , und sagte : » Die Weissagungen gehen in Erfüllung . Jetzt hat Witiko den Anfang gemacht , und dann wird er die goldene Burg bauen , die einmal auf der Erde gestanden ist , und die jetzt nirgends auf der Erde steht , und meine Nachkommen werden es sehen . « » Du hast ja kein Weib « , rief Tom Johannes , der Fiedler . » Wenn es die Weissagungen sprechen , so werde ich ein Weib und Nachkommen haben « , sagte Huldrik . » Und wenn es die Weissagungen sprechen , so werde ich noch mit dem Winkelhaken meiner Hand auf der Geige des Herzoges die lieblichsten Töne spielen « , rief Tom Johannes , der Fiedler . » Wenn es die Weissagungen sprechen , so wirst du sie spielen « , sagte Huldrik . » Witiko hat es geweissagt « , entgegnete Tom Johannes . » Wenn Witiko weissagen kann , so wirst du spielen « , sagte Huldrik . » So werden wir erleben , wie das wird « , sprach Tom Johannes . » Wir werden es erleben « , antwortete Huldrik . Zu Witiko aber kamen , da er noch an dem Tische saß , mehrere Jungfrauen . Sie gaben ihm einen Kranz aus Blumen und Blättern des Waldes , und gaben ihm einen Strauß aus solchen Blumen . Eine reichte ihm die fünfblättrige dunkelrote Waldrose . » Die Rosen blühen ja noch nicht « , sagte Witiko . » Sie blühen noch nicht « , antwortete die Jungfrau , » wir haben sie aus Sammet und Seide gemacht . « » Sie ist sehr schön gemacht « , sagte Witiko . » Wenn das Einzugsfest zur Rosenzeit gewesen wäre , so hätten wir dir eine wirkliche Rose als dein Zeichen gegeben « , sprach das Mädchen , » wir haben nun diese gemacht , weil die Rose sehr lange blühen , und Glück bringen soll . « » Diese Rose wird lange dauern « , sagte Witiko , » wenn auch ihre Farben schwinden . Ich werde mir sie aufbewahren , und werde deiner gedenk sein , Margareth , wenn du auch einmal ein Fest feierst . « Das Mädchen antwortete nichts . Witiko betrachtete die Waldrose , und er betrachtete die Blumen der Kränze und Sträuße . Dann gab er alles seiner Mutter zum Beschauen . Diese sah den Kranz , die Sträuße und die Waldrose an , lobte die zierliche Arbeit , und lobte , daß die Waldblumen gewählt und so an einander gereiht worden waren . Dann gab sie die Geschenke wieder an Witiko zurück . Witiko dankte den Jungfrauen , und reichte die Gaben an Jakob , daß er sie in die Burg trage . Die Jungfrauen brachten ihren Abschiedsgruß , und entfernten sich von dem Tische Witikos . Der Schmied von Plan , und David , der Zimmerer , und Paul Joachim , der Maurer , und Elias , der Steinhauer , traten nun herzu , und brachten die Sprüche aus , welche bei dem Einzuge in ein neues Haus im Brauche waren , und Witiko und die anderen Männer gaben die Antworten , welche auf die Sprüche gehörten . Dann standen alle von den Tischen auf . Witiko ging unter die Leute , und sprach mit vielen Männern , mit Frauen , mit Jünglingen , mit Jungfrauen und selbst mit Kindern . Die Mutter Witikos ging auch unter die Menge der Menschen , und sprach mit ihnen . Viele , besonders Frauen und Jungfrauen , drängten sich zu der Frau . Die Base Hiltrut sprach mit jedem , zu dem sie kam , und erzählte von Witikos Kindheit . Die drei Priester , der Pfarrer von Plan , der Pfarrer von Friedberg und Benno , wandelten auf dem grünen Anger in Gesprächen herum , und redeten mit den Leuten , die auf sie zugingen , und gingen selber auf Leute zu . Als der Nachmittag vorrückte , begannen die Menschen , sich zu zerstreuen . Am Abende verabschiedete sich Witiko , und ging mit seiner Mutter und mit der Base und mit Benno und mit den Frauen und mit denjenigen , die zu seinem Dienste gehörten , in die Burg . Als die Sonne untergegangen war , ertönte ein schöner Gesang aus dem Walde . Er war ein Gesang von Jungfrauen , dann kam ein Gesang von Jünglingen , dann kam ein Wechselgesang von beiden , und dann ein Zusammengesang von ihnen . Und so verschränkten sich und löseten sich die Gesänge immer anders . Witiko und die Frauen und Benno gingen auf den Söller hinaus , der gegen den Wald gekehrt war . Unten standen die Menschen dicht gedrängt gegen den Wald , um den Gesängen zu lauschen . Die Sänger und die Sängerinnen konnte man nicht sehen . Als es finster geworden war , erglühete an dem fernen Gipfel des Hochfichtes ein Feuer wie ein Waldbrand . Witiko wendete seine Augen dahin , und Wentila auch . Aber dann glühte auf dem Gipfel des Bufferberges im Morgen von Friedberg ein gleiches Feuer empor . Es glühte eines auf dem Markwalde , eines auf dem Kienberge , eines auf dem Schwarzwalde , drei glühten auf den Wäldern , die hinter dem Kreuzberge bei Plan emporstanden , und man konnte eines auf dem Kreuzberge erkennen . In den Auen und auf den Weiden und Angern und Feldern und in den tiefen Waldstrichen , die an der Moldau dahin gingen , brannten viele kleinere Feuer . Witiko ging nun mit den Seinigen von dem Söller in die Burg , und sah aus derselben gegen die Morgenseite . Da brannten in dem Walde rechts von der Moldau Feuer bis gegen die Wasserfälle der Kienberge hinab . Im Mittage brannten auf den kleineren Büheln , die sich absenkten , Feuer , und im Abende waren Feuer in dem Walde bis zum Hochfichte , und eines war weit zurück auf der Senkung des Seewaldes zu erblicken . Die Feuer brannten fort , und die Gesänge dauerten fort . Witiko ließ nun in allen Gemächern der Burg Lichter anzünden , daß sie in diesem Scheine weithin gesehen werden konnte . Nach einer Zeit schwieg der Gesang , und als ein Weile Stille gewesen war , ertönten plötzlich die Pfeifen und die Hörner , die Witiko in dem Kriege gehabt hatte , und es erschollen die Weisen , die auf den Zügen und in der Schlacht auf dem Wysoka und in der Schlacht vor Znaim erschollen waren . Witiko hieß zwei Knechte Fackeln anzünden , und ging mit ihnen auf den Waldsöller . Dort nahm er seine Haube von dem Haupte , und schwenkte sie in dem Fackellichte dreimal zum Gruße . Es ertönte von den Pfeifen und Hörnern ein freudiger Gegengruß . Dann rief das Volk einen lange dauernden Ruf des Grußes empor . Dann tönten die Pfeifen und Hörner wieder Kriegsweisen . Dann erschollen die Gesänge der Jungfrauen . Witiko ging wieder in die Burg . Und die Gesänge der Jungfrauen und der Jünglinge und ihr Zusammengesang und das Tönen der Pfeifen und Hörner wechselte mit einander ab , und machte endlich eine Verschlingung . Die Feuer brannten ringsumher fort . Und als mit Zwischenräumen der Gesang der Jungfrauen und der Jünglinge und der Klang der Pfeifen und Hörner eine Zeit gedauert hatte , erhob plötzlich eine Männerstimme unter den Menschen die Töne eines Waldgesanges , den alle Menschen in dem Walde kannten , und der das Lob des Waldes enthielt , und eine zweite Stimme gesellte sich hinzu , und ein dritte , und alsbald sangen alle Menschen , die versammelt waren , den Waldgesang . Und als er geendiget war , erhob eine Pfeife seine Töne wieder . Und die Menschen begannen den Gesang wieder , und stärker , als das erste Mal , und die Pfeifen und Hörner mischten sich darunter , und gingen in der Verbindung der Töne mit . Und als der Gesang zum zweiten Male aus war , tönte von den Pfeifen und Hörnern die Weise der Schlacht vor Znaim . Und dann tönten jene Rufe , die getönt hatten , als man den Feinden auf dem Berge vor Znaim in den Rücken gebrochen war . Und auf diese Rufe folgte ein großer Ruf der Freude von den versammelten Menschen . Dann war eine Weile eine Stille . Dann sangen die Jungfrauen einen sehr sanften Nachtgesang . Hierauf war kein Gesang mehr und kein Tönen von Pfeifen und Hörnern . Von den Feuern umher waren einige erloschen , andere brannten schwächer . Wentila erhob sich von ihrem Sitze in der Stube , in welcher alle versammelt waren , reichte Witiko die Hand , und sagte : » Ich suche meine Schlummerstätte . Ruhe in der ersten Nacht hier so sanft , mein Sohn , wie der Schlummergesang der Jungfrauen angedeutet hat . « Witiko antwortete : » Geliebte Mutter , das Dach unseres Hauses sei zum ersten Male lieb und hold über deinem Haupte . « Dann verabschiedeten sie sich , und Wentila ließ sich von Marhild und zwei anderen Frauen in ihr Gemach geleiten . Die Base sagte : » Witiko , wie mußt du gut sein , weil sie dich so lieben , und wie muß es damals in dein Herz gegangen sein , als die schrecklichen Töne der wilden Hörner , die heute hier erschallten , dort erschollen sind , wo die Menschen einander gemordet haben . « » Das ist dort anders als hier « , sagte Witiko . » Lasse es dir hier wohl sein in der ersten Nacht , und möge es dir sehr lange , und wenn du willst , für immer hier wohl sein . « » Fast so wohl wie in dem kleinen Häuschen in Landshut , weil wir alle beisammen sind « , sagte die Base . Dann ließ sie sich in ihr Gemach geleiten . » Witiko , mein Kind « , sagte Benno , » das ist ein wichtiger Tag gewesen ; es beginnt nun eine neue Wirksamkeit . Du hast den Tag ohne Prunk begehen wollen , und die Menschen haben den Prunk ihres Herzens gebracht . Das ist gut . Es wird noch ein zweiter schöner Tag zur Freude deines Gemütes kommen . Beschließe den heutigen Tag mit einem Gebete , und beginne den Schlummer mit der Hoffnung auf jenen zweiten Tag . « » Gott hat mir so viel Gutes für meine Mutter und für meine Freunde gegeben « , sagte Witiko , » daß ich es nur durch einen dankbaren Wandel gegen Gott werde abtragen können . «