die von ihrem edeln Stolze jetzt nach Außen getrieben ward . Gräfin Franziska blickte mit Entzücken auf die Tochter Reginalds , die ihr so ganz genug that . Sie hätte ihr auch nicht mit einem Blicke zu Hülfe kommen mögen ; - sie genoß den schönen Eindruck , so junge , zarte Kräfte so hoch und stark aufgerichtet zu sehen . Indessen war Lord Duncan näher zu ihr getreten . » Elmerice , « sagte er - » Dein Vater gab mir Vollmacht , über Deinen künftigen Namen und Rang zu entscheiden . Er selbst bekannte sich kurz vor seinem Tode zum rechtmäßigen Sohne Fennimors und zum Grafen Crecy-Chabanne ! « » Mein Vater ? « sagte das muthige Mädchen mit sinkender Stimme - » wohl , Mylord ; aber « » Und wir , mein Bruder Leonce und ich , « sprach der Marquis - » sind hier , Ihnen Ihr großes Erbe unverkürzt zu Füßen zu legen . « » O , nein ! o , nein ! « rief Elmerice leidenschaftlich - » Sie können von dem Namen , den Sie mir geben wollen , nicht das schreckliche Zeichen des öffentlichen , wenn auch ungerechten Makels löschen . O , wie könnte die Tochter solche Erinnerungen über ihren Vater wecken wollen ! « » Auch dies ist vertilgt , « nahm der Lord noch ein Mal voll Rührung das Wort ; - » Dein Vetter Leonce bewirkte diesen königlichen Brief von Ludwig dem Fünfzehnten . Dein Vater , mein Kind , ist von jedem Makel dadurch frei gesprochen ; die Vermählung seiner Eltern rechtskräftig anerkannt . « Das war zu viel ! Elmerice nahm mit leuchtenden Augen das heilige Dokument ; dann flog sie an Emmy ' s Bett , welche eine ruhig Zuhörende geblieben war : » Emmy , Emmy , hast Du es gehört ? Fennimors Vermählung ist rechtskräftig anerkannt ; - Reginalds - meines Vaters Unschuld ist erklärt ! « - Außer sich drückte sie die alte , steife , ernst und stolz blickende Gestalt in ihre jugendlichen Arme . Dann riß sie sich empor ; ihr Gesicht glühte ; die feurigen , blauen Augen strahlten durch heilige Thränen . Sie hob den Arm - die Hand zu den Versammelten in die Höhe und rief mit klingender , freudiger Stimme : » Jetzt bin ich Gräfin Crecy-Chabanne ; - doch Louisens Söhne theilen mit mir das Erbe ! « In demselben Augenblicke eilte die Gräfin Franziska auf Elmerice zu und drückte sie mit lebhafter Zärtlichkeit an ihre Brust . » Elmerice , mein geliebtes Kind , würdige Tochter Reginalds ! Laß mich Dir zu Nichts Glück wünschen , als zu Deinem edlen Herzen ! « » Ich will Dich segnen , Fennimors Enkelin ! Reginalds Tochter ! « sprach Emmy Gray mit ihrer ernsten Feierlichkeit , und Franziska d ' Aubaine führte Elmerice selbst zu dem Bette zurück , und diese kniete unter den Händen der Alten demüthig nieder . » Jetzt , Herr , « sprach sie , nach ihrem feierlichen Segen - » ist mein Tagewerk beschlossen . Diese Augen haben die Gerechtigkeit des Herrn gesehen ! - Rufe jetzt Deinen müden Knecht und laß ihn eingehen in Deine Herrlichkeit ! Amen . - Jetzt zeige mir den Jüngling , der Reginald bei seinem Könige vertrat , ich will ihm den Segen einer Sterbenden geben ! « Elmerice erhob sich langsam ; aber ihre Augen blieben am Boden . Sie wendete sich zu der theilnehmenden Gruppe hinter ihr und hob schüchtern , ohne zu sprechen , die Hand auf , als wolle sie eine andere damit erfassen . Leonce stürzte vor - er ergriff die zarte , bebende Hand , und ließ sie nicht wieder los , als er vor Emmy niederkniete . So geschah fast unvermeidlich , daß Elmerice noch ein Mal niedergezogen ward , und nun Beide den Segen der Alten vereinigt empfingen . » Scheide Dich jetzt von mir , Tochter , und gehe die Wege des Lebens ! « sagte Emmy ermüdet ; und dann in Ohnmacht verfallend , sank sie hinten über . Leonce und Elmerice fingen sie in ihren Armen auf - der alte Arzt trat hinzu - einen Augenblick betrachtete er sie , dann sagte er : » sie stirbt noch nicht ; aber Ruhe ist ihr nöthig . - Ihr müßt hier fort , liebe , junge Dame , « wendete er sich zu Elmerice . Leonce hielt noch immer ihre Hand , er half ihr sich aufrichten . » Elmerice , « sagte er - » nur einen Blick der Güte ! « Sie ließ ihm die Hand ; - aber die Augenlieder waren schwer wie Blei . - Als sie endlich sie bezwang , jagte der holdeste Engelsblick an ihm vorüber - und sich schnell losreißend , eilte sie in Lord Duncans Arme und rief mit einem Strome von Thränen : » Mein Vater , haben Sie ihm gedankt - meinem Vetter Leonce ? « » Und giebt Reginald ' s Tochter dazu einem Anderen , als sich selbst den Auftrag ? « - » Nein , nein , « sagte Elmerice , sich zu Leonce wendend und ihm abermals die Hand reichend : » Sie - Sie , mein Vetter - mein Bruder von heut ' an - Sie haben mir mehr , als das Leben gegeben ! « - » Ich habe seit der letzten , trostlosen Zeit von der Hoffnung gelebt , dies auszuwirken ; und wenn Sie Nichts für mich übrig haben , als diese kleine Erinnerung meines Eifers , so wird es doch mehr sein , als das ganze übrige Leben mir bieten kann . Doch , wie ich diese Schmach unserer Familie auszulöschen suchte , ahnte ich noch nicht , wie nahe diese Handlung Sie anging ; damals war es nur zwischen mir und Armand beschlossen , an der Vergangenheit gut zu machen , was in unsern Kräften stand . « - » O , Leonce , « sagte der Lord , während er ihn mit trüber Zärtlichkeit anblickte - » wie gern liebte ich Dich mit der alten Liebe ! « » Wenn Sie mich einmal Ihrer Liebe werth hielten , so habe ich noch heute denselben Anspruch daran , « rief Leonce , den feurigsten Blick seiner schwermüthigen Augen auf Elmerice und den Lord richtend - » ich halte die Prüfung aus ! « » Wir wollen sehen , « sagte der alte Lord , sichtlich erweicht . » Doch unsere edle Gräfin harret auf uns - wir müssen Elmerice ihrer übrigen Familie vorstellen . « » So bitte ich um den Arm meiner geliebten Muhme , « rief Armand und eilte mit freudigem Lächeln auf Elmerice zu . Als er sie leichten Schrittes hinwegführte , sagte er : » Wie froh , wie leicht bis in den kleinsten Blutstropfen hinein , ist mir jetzt ! Nun sind wir alle Ihre Gäste . Nun behalten Sie mich bloß als Ihren Seneschall , als Ihren Haushalter . - O Elmerice , Ihnen fließt ein schöner Segen zu - öffnen Sie ihm Ihr Herz , blicken Sie froh , damit Sie Frohe machen können . Denken Sie nicht gering von der hohen Stellung , die Ihnen Gott anvertraut ! Sie ist herrlich , wenn wir ein offenes Herz , einen gesunden Sinn mit uns bringen . Beides haben Sie ; deshalb sehe ich so froh Alles in Ihre Hände übergehen , und - deshalb theilen Louisens Söhne das Erbe nicht . « Die Antwort , welche Elmerice ihm geben wollte , ward durch Leonce unterdrückt , der plötzlich außer sich auf sie zustürzte , indem er ausrief : » Die beiden Grafen d ' Aubaine sind angekommen ! O , Armand - o Elmerice , jetzt - jetzt ! « Mit diesen Worten war ein so leidenschaftlicher Ausdruck verbunden , daß Elmerice schüchtern zurückwich . Doch schon eilte er ohne Entschuldigung davon , - und Armand sagte : » Auch ich danke Gott , daß die Beiden endlich für Leonce die Entscheidung bringen , die Liebe zu Margot wird ihn noch toll machen ! « - » Wie sehr muß ich Ihre Entschuldigung in Anspruch nehmen , « sagte der ältere Graf d ' Aubaine , während er dem Marquis d ' Anville entgegentrat - » daß ich Sie unvorbereitet um Ihre Gastfreundschaft ersuche . « » Mein theurer , verehrter Onkel , « sagte der Marquis heiter - » Ich selbst bin seit diesem Morgen hier nur noch Gast ! Hier steht die rechtmäßige Besitzerin von Ste . Roche ; - doch sage ich gut , daß Sie auch ihr willkommen sind . « Voll Erstaunen blickte Graf d ' Aubaine auf Elmerice , von deren Gesichte so alle Farbe , alle Bewegung verschwunden war , daß sie einem Geiste glich ; doch konnte ihre Schönheit durch nichts beeinträchtigt werden und erregte , wie ihr reiches , fremdes Kostüm , die höchste Bewunderung des Grafen . Der Marquis kürzte die augenblickliche Spannung ab , indem er Elmerice in die Arme seiner jungen Gemahlin führte , die , Alles sogleich errathend , sie mit inniger Liebe empfing . Da er die ganze Gesellschaft in einem Kreise erwartungsvoll um sie gedrängt fand , rief er lebhaft : » Wünschen Sie mir und meinem Bruder Alle Glück ! Es war uns vorbehalten , die alte , schwere Schuld unseres Hauses , die Sie genugsam kennen , zu sühnen . Die rechtmäßige Erbin unseres Oheims , des Grafen Leonin , ist , durch das Hinzutreten des edeln Lord Duncan vollgültig legitimirt , uns wiedergegeben . Miß Eton ist unsere theure Cousine und die Tochter des Grafen Reginald Crecy-Chabanne , dessen rechtmäßige Geburt aus der Ehe des Grafen Leonin und der Miß Fennimor Lester auf das vollständigste von unserm Allergnädigsten König anerkannt worden ist ! - So helfen Sie mir denn , « fuhr er fort , in die alte heitere Laune übergehend - » der jungen Erbin zu huldigen , und bedenken Sie Alle wohl , daß Sie jetzt ihre Gäste sind , und ich mich höchstens noch vermittelnd erweisen kann . « Elmerice bezwang hier alle Gefühle ihres Herzens , um den Anforderungen genügen zu können , die ihr so nahe gerückt wurden . Sie hob ihren Kopf von Lucile ' s Schulter , und hold im Kreise herum grüßend , sagte sie : » Junge Rechte werden nie respektirt , ich übertrage sie daher meinem Vetter Armand aufs neue . Vielleicht lerne ich unter seiner Anweisung , wie man die Ehre verdient , solche Gäste besitzen zu dürfen . « Man war mit ihrer Antwort zufrieden . Alle beglückwünschten nun das schöne Mädchen , deren ungewöhnliches Schicksal die allgemeinste Theilnahme erregte ; - und in kleinen Partien getheilt , wurde der Rest des Morgens mit Fragen , Antworten und Erzählungen hingebracht , die endlich die wichtige Sache für Alle vollständig erklärten , bis man sich zum Umkleiden zurückzog , welches die Damen im Kostüme der Schloßherrin zu besorgen versprachen . Als ein Theil der Gesellschaft sich zur Tafel um die zuerst erschienene , junge Wirthin versammelt hatte , fiel Allen die feierliche Art auf , mit der jetzt der Graf d ' Aubaine eintrat , an seiner Hand die hochrothe Margot , deren Augen noch von Thränen glänzten . Er führte sie zur Gräfin Franziska , und als sich Margot ihrer Tante in die Arme warf , rief er : » Sie , liebe Schwester , werden durch das Geständniß der kleinen Schelmin dort überrascht sein . Das Kind will heirathen ! und ich habe nach alter , schwacher Väter Weise , Ja dazu gesagt . « » Nun , « sagte die Gräfin Franziska lächelnd - » wir sind Ihnen , lieber Bruder , deshalb nicht abgeneigt und haben selbst heimliche Wünsche dafür genährt . « Bei diesen Worten streckte sie liebevoll ihre Hand nach Leonce aus , der dicht neben dem alten Grafen stand ; - doch dieser trat schnell zurück und führte den schönen Grafen Guiche vor , der knieend die Hand der Gräfin zu erbitten schien . » Wie ? « rief Franziska erstaunt - » Graf Guiche ? « - » Graf Guiche ? « riefen Mehrere laut , und manches Herz im Stillen ! » Bin ich Ihnen denn so ganz unwillkommen ? Gönnen Sie mir dies schöne Glück nicht ? « sagte der junge Mann , demüthig zur Gräfin aufblickend . » O nicht doch , nicht doch ! « sagte die Gräfin Franziska gütig und doch verlegen - » ich verstehe es nur nicht ! « » Aber , « sagte der Graf d ' Aubaine lächeln - » wer sollte denn der Bräutigam sein ? « » Vielleicht ich , mein theurer Graf ! « rief Leonce ; - » denn so lange meine kleine Muhme gegen ihren Bräutigam stolz that , war der arme Vetter ihre beste Zuflucht ! « Der Graf d ' Aubaine lachte , und wie man sah , war er glücklich und heiter . Jetzt hatte sich auch Gräfin Franziska gesammelt ; und da auf dem Antlitz ihres lieben Leonce keine getäuschte Hoffnung zu lesen war , begrüßte sie den jungen Guiche mit der gewinnendsten Freundlichkeit . Doch wer malt das Erstaunen von Lucile und Armand ! Leonce schien es voraus zu setzen und eilte zu ihnen . » Ich habe Euren Irrthum oft mit Bedauern gesehen , « rief er . » Vergebt mir , geliebten Freunde ! Ich war der Vertraute aller Parteien ; ich hatte Stillschweigen gelobt . - Die Achtung für Margot ' s Vater legte es uns auf ; denn er hatte die Bewerbung des Grafen Guiche nach jenem Duell ausdrücklich verbeten . Aber ich kannte alle Parteien zu gut , um nicht eine endliche Versöhnung zu hoffen ; - und so blieb ich zwischen Allen der Unterhändler und durfte vor dem Gelingen meiner Bemühungen nicht sprechen . Doch Margot ' s Bruder , selbst von seinem Unrecht überzeugt , ist zu seinem Vater geeilt , und ihm verdanken wir die endliche Ausgleichung dieser Angelegenheit . « » Nein ! nein ! « riefen beide Grafen d ' Aubaine und der junge Guiche zugleich . » Leonce gebührt die Ehre ! Wir hätten es gewiß nicht so klug einzuleiten verstanden , hätte er nicht mit unablässiger Mühe uns endlich Alle zur Vernunft gebracht ! « » Aha , « sagte Mademoiselle de la Beaume - » jetzt erinnere ich mich der kleinen Nachtscene , die ich zu den Spukgeschichten von Ste . Roche zählen sollte ! Das waren der Herr Unterhändler , der Rapport machte . Nun , so oder so , es nahm ein gutes Ende - und ich bin im Vortheile ; denn mein Neffe hat einen Engel zur Braut bekommen . - Und Sie , mein junger Herr , « fuhr sie zu Leonce fort , » Sie müssen erfahren , daß ich eben meine gute Meinung von Ihnen reparire ; denn seitdem ich als Königin Katharina meinen Hofstaat eingerichtet hatte , machte ich Bemerkungen , die mich glauben ließen , es würde mit doppelten Karten gespielt . « Längst wußte Leonce , daß ihn die alte , kluge Frau errathen habe . Tief erröthend küßte er ihre Hand und entschlüpfte ihren ferneren Worten . » Und Sie ? « rief er , sich leise neben Lord Duncan schleichend - » repariren Sie jetzt auch Ihre Meinung von mir ? « » Aber warum bist Du denn unglücklich , wenn Du ein lieber ehrlicher Junge bist ? « rief dieser mit dem alten Tone väterlicher Vertraulichkeit . » Weil sie mich nicht mehr liebt ! « sagte Leonce . Lord Duncan lachte laut auf . » Ach , « sagte er , das alte Lied von zwei eifersüchtigen Verliebten ! Sie soll wohl die Schmachtende spielen , wenn Du wie toll einer Anderen nachläufst . - » Nein - nein , Lord Duncan ! Ich sah sie zuerst in Ardoise wieder , wo ich sie von einem armen Wahnsinnigen errettete . Aber mein schöner Traum - wie ich sie damals mit so großer Freude in meiner Familie aufgenommen sah , wurde nur zu bald durch ihre gänzliche Zurückweisung vernichtet , und bei ihrer schnellen Entfernung von Ardoise erwachte sogar mein Stolz ! Ich machte thörichte , vergebliche Versuche , sie zu vergessen und « - » Warest , wie alle Männer - Gott weiß , ich muß es eingestehen , obwol ich selbst zu ihnen gehöre - immer geneigt , die unvernünftigsten Forderungen zu machen , um an die Liebe eines Mädchens Glauben fassen zu können , deren schüchterne Zurückhaltung , die sie doch nur mit dem bittersten Tadel vermissen würden , ihnen das größte Recht zu geben scheint , sich über Hartherzigkeit und Kälte zu beklagen . Ueberall hatte Elmerice Recht « - fuhr er fort - » aber besonders deshalb , weil sie noch nicht wußte , daß ihr Vater Dir durch mich das Ja-Wort aufgehoben hatte , wenn Du Dich bewährtest . « Er wollte mehr sagen ; aber Leonce verlor den Kopf und drückte den alten Lord mit so unmäßiger Gewalt an sein Herz , daß dieser nicht mehr zu Worte kommen konnte . Als er ihn losließ , sah er zuerst den blaßrothen Seidenstoff von Elmerice ' s Kleide . Er dankte es der starken Hand des Lords , der ihn aufhielt , sonst wäre er augenblicklich ihr zu Füßen gesunken ; - aber er sah sie an mit einem Ausdrucke des Entzückens , von dem sie ihre bewegten Augen abwendete . » Sie sollen mich zu Tische führen , mein theurer Lord , « sagte sie mit einem bebenden und doch klaren Tone der Stimme - » und da man mir das Vorrecht der Hausfrau damit zugesteht , müssen Sie sich mit mir aufstellen , bis unsere Gäste vorüber gezogen sind . « Wie schön sah sie aus ! Ihre Blässe war verschwunden ; seit Margot sie bei der Gratulation so lange geküßt , daß es wie Geschwätz erscheinen konnte , hatte sich die feinste Röthe auf ihre Wangen gelagert , und die braunen Locken , die an den Schläfen mit Agraffen von Perlen aufgenommen waren , zeigten den vollen Ausdruck ihrer himmlischen Augen , in denen ein Schein leuchtete , der wie inneres Glück aussah . Lucile ' s scharfer Blick merkte Alles , und als sie an Leonce ' s Arm vorüberging , sagte sie zu ihm : » Nun , meine Hoffnung , Ihre langweilige Natur durch einen fröhlichen Hausstand mit Margot umzuschaffen , wird , denke ich , in anderer Weise bald seine Erledigung finden ! « » O , sprächen Sie wahr ! « rief Leonce und drückte ihren zarten Arm so heftig , daß sie um Hülfe schreien wollte . - Als Elmerice nach der Tafel in dem stillen Zimmer Emmy ' s an ihrem Bette , dicht vor ihren Augen saß , und Emmy alle ihre Sehkraft sammelte , um noch zuweilen das liebliche Bild ihrer Fennimor aufzufassen , öffnete sich die Thür und Lord Duncan trat an Elmerice ' s Seite . » Das ist unser Landsmann , « sagte Emmy , als sie ihn sah - » ich kann ihn unter all ' den Anderen heraus kennen , die wenig wissen , was einen Mann kleidet . « » Es ist Lord Duncan , Emmy « - sagte Elmerice - » er war der Freund meines Vaters - jetzt ist er der meinige . « » Ich kam her , Dich daran zu erinnern , « erwiederte der Lord - » und Emmy ' s Gegenwart wünsche ich dabei . Sieh ' , « sagte er - » seit heute Morgen trägst Du den alten , berühmten Namen dieses Hauses , und ich ruhte nicht eher , bis Du ihn annahmst . Wie findest Du mich , daß ich jetzt schon an Nichts angelegentlicher denke , als ihn Dir zu nehmen , oder vielmehr Dir daneben noch einen anderen zu geben . « Elmerice wurde glühend roth ; aber wir gestehen - Dank Margot ' s Kuß ! - sie hörte das Erwartete . Nach einer Pause fuhr Lord Duncan fort : » Aber wird Dir der Name auch recht sein ? « Elmerice lächelte jetzt ; denn sie fühlte , wie Lord Duncan schelmisch blickte . » Das kömmt freilich auf den Namen an , « sagte sie endlich . » Gewiß , « sagte der Lord ; - » aber wenn er nun wie - d ' Anville klänge ? « Elmerice fuhr zusammen . Sie fühlte , es knieete Jemand neben ihr nieder . - » Ich habe ihn seit lange lieb , « sagte sie endlich schüchtern . - » O , Elmerice , « rief Leonce , der Knieende - » darf ich diesem Himmelslaute vertrauen ? Soll meine heiße , innige Liebe diesen Lohn erhalten ? « » Ja , Leonce ! « sagte das edle Mädchen . » Er , der uns einst trennte , segnet uns jetzt ; - ich war Ihnen treu und ich weiß , daß Sie es mir geblieben sind . « Sie unterbrach den Sturm seiner Gefühle , indem sie sich zu Emmy wendete : » Emmy , willst Du mir Deine Zustimmung geben zu der Wahl meines Herzens ? « » Ich will es ! « sagte Emmy ; - » er hat ein uneigennütziges Herz ! Das ist das Einzige , warum es sich lohnt , einen Menschen von dem anderen zu unterscheiden . - Herr , rufe jetzt Deinen Knecht - er ist müde ! « Es waren Emmy ' s letzte Worte . Von da an blieb sie schlafend , bis der Tod seine Hand sanft vollendend nach ihr ausstreckte . Doch für den Augenblick verließ Elmerice sie ohne Ahnung ihres damit beschlossenen Lebens . Die Verlobten wurden durch Lord Duncan der versammelten Familie vorgestellt ; und gewiß ward nie eine fehlgeschlagene Hoffnung in Franziska , Lucile und Armand vollständiger vergütet , als jetzt durch die Vereinigung dieser beiden von Allen so zärtlich geliebten Personen . Der Familienkreis , der sich hier nun bildete , war der reichste , segensvollste Mittelpunkt für das Glück aller Betheiligten ; und der rächende Geist , der so lange drohend und züchtigend über dem alten Schlosse Ste . Roche geschwebt , mußte sich versöhnt zurückziehen , und ließ keinen weiteren Nachweis zurück ! - Mit tiefer Rührung ward Emmy ' s Leiche an Fennimors Seite gebettet ; - doch war auch dieser Tod versöhnend und beruhigend . Vier Wochen später segnete der alte Vikar von Ste . Roche in der schönen , kleinen Kirche , in der Elmerice zuerst mit so schwerem Herzen gebetet , seine junge geliebte Herrin mit Leonce d ' Anville und Margot d ' Aubaine mit dem jungen Grafen Guiche ein . Zu dieser Feierlichkeit waren Herr und Madame St. Albans eingeladen und erschienen , da die Letztere bei dem Hinscheiden und Begräbnisse ihrer Mutter nicht gegenwärtig gewesen war . Auch hier gab Madame St. Albans ihre mißlaunige , kritische Weise nicht auf , während die feine Erscheinung ihres Gatten ihm das allgemeine Wohlwollen zuzog . An dem erwähnten Hochzeitstage fand Elmerice Gelegenheit , Madame St. Albans allein zu sprechen . » Jetzt müssen Sie mir erlauben , « sagte sie - » Sie mit dem letzten Willen Ihrer Frau Mutter bekannt zu machen . « » O , ich bitte ! « unterbrach sie Madame St. Albans ; - » dieser letzte Wille , denke ich , ist in der ganzen Gegend bekannt . Euer Gnaden haben nun einmal Glück in Erbschaften ; - aus der Tochter meiner Margarith « - hier trat ihr Schluchzen ein - » der einfachen Miß Eton , die unter meinem Dache schlief , an meinem Tische saß , ist nun eine vornehme , großmächtige Gräfin geworden , die , trotz ihrer Millionen , nicht verschmäht hat , die alte Mistreß Gray zu beerben , die ihr eigen Kind deshalb verstieß ! « Elmerice hörte ruhig lächelnd diesen Ausbruch an ; sie hatte nicht gezweifelt , daß sie ihn erleben würde und deshalb gewünscht , mit ihr allein zu sein . » Ja , Madame St. Albans , « sagte Elmerice nach einer kleinen Pause - » ich habe es nicht verschmäht , diese Erbschaft anzunehmen ; denn meine Weigerung hätte Ihrer Mutter das Herz gebrochen . Aber sie gab mir Vollmacht , Alles nach meinem Gutdünken anzuwenden ; - und eben darüber wünschte ich mit Ihnen zu sprechen . Die Erbschaft bestand aus einem baaren Vermögen in Golde , welches , in Beisein des Pfarrers und des Arztes , in der bezeichneten Kiste gefunden ward . Hier ist der Inhalt aufgeschrieben ; aber nicht so wünschte ich Ihnen den Nachlaß Ihrer Mutter zu übergeben - nehmen Sie hier den vom Prior vollzogenen Kaufkontrakt von Ihrer bisherigen Pachtung Tabor ; sie ist jetzt mit dem dazu gehörenden Walde Ihr und Ihres Mannes unbestrittenes Eigenthum . « » Heiliger Gott , die ganze Pachtung - und den Wald noch überdies ! « rief Madame St. Albans . - » Nun , solch Gut könnte ja einem Baron gehören . Ach , das kann unmöglich sein , dazu langte das Vermögen meiner armen Mutter nicht hin ! « » Machen Sie sich deshalb keinen Kummer , « erwiederte Elmerice , erleichtert durch die Freude der wunderlichen Frau ; - » Margarith Eton , ihre Freundin , besaß Vermögen genug , das Fehlende zu decken . « » Nun , das nenne ich großmüthig ! « rief Madame St. Albans . » Tausend , mein Kind - Sie verstehen die Gräfin zu spielen ! Doch verzeihen Sie , ich vergaß über der Freude , meinen Dank abzustatten . Nein , wirklich viel - viel zu viel Güte - ich weiß gar nicht , ob ich es annehmen darf ! « » O , nehmen Sie es , « sagte Elmerice herzlich - » und lassen Sie uns nicht mehr davon sprechen ! Gewiß , ich bin Ihnen Dank schuldig für die Freude , die Sie mir jetzt gewähren . « - » Ei , ei , meine liebe Frau Gräfin - das ist nun ein wenig zu fein ausgedrückt für so eine einfache , natürliche Frau , als ich bin ! Doch das ist nun einmal Ihre Art , und schickt sich jetzt auch besser für Ihre hohen Zirkel , worin Jemand nicht paßt , der einfach vom Herzen wegspricht . Also noch ein Mal meinen allerunterthänigsten Dank ! « Elmerice eilte , diese peinliche Unterredung zu endigen , und hatte eine schöne Genugthuung durch die edle , ruhige Weise , wie Herr St. Albans ihr reiches Geschenk aufnahm . Beide genossen noch lange ihre schöne Besitzung , die sich in allen Zweigen der Kultur auf das Musterhafteste verbesserte . Zuerst folgten Elmerice und Leonce der Gräfin d ' Aubaine nach Ardoise ; - von da gingen sie nach Ste . Roche zurück und suchten es mit der vollständigsten Pietät für das Andenken , was daran haftete , herzustellen . Emmy ' s Zimmer wurden von Elmerice selbst behütet , wobei ihr Asta zur Hand ging , die , in der nächsten Stadt zur ersten Dienerin vollständig und sorgfältig ausgebildet , ihre junge Gebieterin nicht mehr verließ . So blieb Ste . Roche noch lange ein wohl behütetes Denkmal vieler Jahrhunderte ; denn neben den wieder hergestellten , einfachen Gemächern der Claudia von Bretagne , ihrer Betkapelle und Begräbnißgruft , stiegen die Prachtsäle und Gemächer der Katharina von Medicis , wie der früheren Grafen Crecy-Chabanne , mit ihrem alten Glanze empor . Nur der verhängnißvolle Banketsaal veränderte seine Gestalt ! Schwarze sammetne Vorhänge umzogen seine Wände ; herrliche farbige Scheiben zierten die riesigen Fenster mit symbolischen Bildern und den Wappenschildern der Crecy ' s ; und über der schauerlichen Tafel , die einst Ludwigs Leiche trug , erhob sich in glänzend weißem Marmor ein von Engeln gestütztes Ruhebett , worauf Ludwigs und Reginalds Statuen , nach guten Gemälden gebildet , Hand in Hand ruhten . Wo aber sonst der Thron der Katharina von Medicis stand , hing hinter einem großen Vorhange - Fennimors Engelsbild ! Eben so war der schauerliche Platz am Kamine verschwunden ; vor seinem kunstreich verschlossenen , mit schwarzen Marmorbasreliefs verzierten früheren Heerde , standen zwei Betstühle , und hier wurde bei der Gegenwart der Herrschaften stets ein feierliches Todtenamt gehalten . Durch zweckmäßigen Ausbau war dieser Saal außer aller Berührung gesetzt , während die luftige Gallerie , die daran stieß und zum Eudoxienthurme führte , wieder schon und alterthümlich hergestellt war . Die sich anschließenden Hofdamen-Zimmer waren zu heiteren , luftigen Gemächern aus dem Glanzpunkte dieser Epoche umgeschaffen . Der Eudoxienthurm blieb aber Elmerice ' s Eigenthum - ein mit jugendlich schöner Empfindsamkeit gehegtes kleines Bijou , zu welchem nur Leonce in einzelnen glücklichen Stunden Zutritt hatte - wo sie ihr Glück überlegten und Gott dafür dankten ! Nur selten , und nur auf wenige Monate bezogen sie ihre reichen Palais in Paris und Versailles - und immer nur , wenn Armand und Lucile , Margot und Guiche mit ihnen dort zusammen trafen . Dazwischen unterhielten die gastlichen Züge dieser Familien von einem Schlosse zum anderen , bei welchen selbst die Gräfin Franziska nicht fehlen wollte , das herzlichste und genußreichste Familienleben , das durch nachfolgende Ereignisse nur immer reicher und schöner ward . Waren die Familien aber in Ste . Roche , so erschien nicht selten Lord Duncan mit einigen seiner Kinder , als jubelnd empfangener Gast ; und immer gehörten zu den theuersten Freunden die Greisengestalten des Vikars , des Arztes und der edeln Veronika , wenn ihr hohes Lebensziel ihnen auch nur noch kurze Zeit gewährte . So war ein allseitiger , großer Besitz auf gutem Grunde erbaut - auf dem sittlichen Werthe seiner