wurden täglich vierzig Arme in dem bischöflichen Hause gespeiset , und zweimal im Jahre gekleidet . Der Herzog Sobeslaw und seine Gattin Adelheid stifteten und hielten noch bei der Zeit ihres Lebens ihr Totenjahresgedächtnis . Es wurde eine Woche von Allerheiligen an mit Gottesdienst , Beten , Fasten , Almosen von dem Herzoge und der Herzogin und den Priestern und Nonnen Prags gefeiert , und am letzten Tage hielt der Herzog mit den Priestern ein festliches Mahl in dem Priesterhause des Wysehrad . Soll ich euch noch sagen , was die erlauchten Herzoge von Böhmen und Mähren für den Glauben und die Kirche gestiftet und getan haben ? Ihr wisset dieses alles ohnehin . So hoch haben solche Männer den Glauben geachtet . Du , Wratislaw , wirst in dieser Welt nicht zu Grunde gehen , und wirst nicht in die Erde versinken , wenn du für die Sünde gegen den Herzog nicht Buße tust ; aber du wirst in jener Welt ewig verdammt sein . Und wie die Freude kein Auge gesehen , und kein Ohr gehöret , und wie sie in keines Menschen Herz gekommen ist , die Gott denen bereitet hat , die ihn lieben : so hat die Strafe kein Auge gesehen , kein Ohr gehöret , und sie ist in keines Menschen Herz gekommen , welche die trifft , die seine Gebote verachten . Und von allem Fehler muß man sich reinigen , zur Zerknirschung , zur Reue , zur Buße , zur Genugtuung muß man kommen , wenn man zu dem Vater in dem Himmel eingehen will . Der Heiland hat gesagt : Ich bin sanftmütig und von Herzen demütig . Der Heiland hat gesagt : Wer in das Himmelreich eingehen will , nehme sein Kreuz auf sich , und folge mir nach . Der Heiland hat gesagt : Wenn ihr nicht unschuldig werdet wie diese Kleinen , werdet ihr nicht in das Himmelreich eingehen . Nicht nur um Verzeihung mußt du wegen der Sünde gegen den Herzog bitten , Wratislaw , du mußt Reue fühlen , du mußt Buße üben , du mußt Genugtuung leisten , und mußt alles das Gott opfern in der Liebe zu Gott . So habe ich zu dir gesprochen , so habe ich zu denen gesprochen , die gegen den Herzog gesündiget haben . Bedenket es , und denkt an den Glauben . « Nach diesen Worten schwiegen alle in der Versammlung , und es schwiegen die Abkömmlinge Premysls , an welche die Worte gerichtet gewesen waren . Nach einer Zeit sprach der Herzog : » Hocherhabener Kardinal , Ihr habt geredet in den Sachen des heilgen Glaubens , und für den heiligen Glauben . Wir haben gehöret . Und wie wir Euch danken für alles , was Ihr schon in unseren Ländern geredet und getan habt , und wie wir auch danken werden für das , was Ihr noch reden und tun werdet : so danken wir Euch für diese Worte . « Otto , der Bischof von Prag , stand auf , und sprach : » Wir danken demütig und ehrerbietig dem hocherhabenen Kardinale , dem Abgesandten des Heiligen Vaters . « Und alle Männer in der Versammlung erhoben sich , und sagten : » Wir danken demütig und ehrerbietig dem hocherhabenen Kardinale , dem Abgesandten des Heiligen Vaters . « Der Herzog sprach hierauf : » Und nun rede ich zu euch , ihr hohen Herren der Kirche , Priester der Kirche , Sprossen Premysls , hohe und niedere Herren der Länder Böhmen und Mähren . Weil wir zu Ende geführt haben , weshalb wir in diesem Saale versammelt waren , so danke ich euch , und verabschiede euch . Und wenn kleinere Rattage sind , so werden wir in dieser Zahl , und noch um Tausende vermehrt zusammen kommen , wenn die Kirche des heiligen Veit eingeweiht wird , die hergestellt ist , und in der der Gottesdienst beginnt . Und so gehabt euch wohl . « Die Versammelten blieben noch sitzen . Dann stand Guido , der Kardinal , auf , und sagte zu dem Herzoge Wladislaw : » Sei gesegnet , Sohn der Kirche . « Wladislaw stand auf , und entblößte sein Haupt . Dann sprach Guido , der Kardinal , zu den Versammelten : » Seid gesegnet , Söhne unseres Glaubens . « Die Versammelten standen alle auf , und entblößten ihre Häupter . Dann sagten der Herzog und der Kardinal einander die Abschiedsgrüße , und jeder von ihnen ging mit seinem Gefolge bei einer andern Tür hinaus . Die Männer , welche versammelt gewesen waren , zerstreuten sich jetzt auch von ihren Sitzen , und verließen den Saal . Die mährischen Fürsten gingen auch bei einer Tür hinaus . Von dem Tage an waren nun viele Versammlungen der hohen Herren der Kirche , zu denen auch Räte und Hofherren des Herzoges und Lechen und Herren des Landes geladen wurden . Es war an dem , daß kein Priester fortan mehr in der Ehe leben sollte , und der eine Gattin hatte , sollte sich von ihr trennen , oder seine Würde verlassen . Dann sollten die beiden Bischoftümer Böhmen und Mähren in einzelne ständige Pfarreien eingeteilt werden , und jeder Priester sollte die Weihe nur für eine voraus besagte Pfarre erhalten . Die heidnischen heiligen Haine und Bäume , Feste auf den Gräbern , Wahrsagerei und Zauberei sollten aufhören , und es sollten die christlichen Sonntäge und Feiertäge und Festtäge gehalten werden . Guido beriet mit den Kirchenherren die Mittel dazu . Es kamen nun aus vielen Gegenden Pfarrer und Priester , und selbst solche , die nur unvollkommene Weihen erhalten hatten , und der Kardinal Guido sprach mit einem jeden von ihnen . Er ließ auch manche berufen . Zu dem Rate über das mittägliche Waldland wurde auch Witiko , und es wurden die anderen Herren und Männer des Waldes geladen . Als Witiko gefragt wurde , wie es in dem Walde sei , sprach er : » Hocherhabner Herr Kardinal , erlauchter Herzog , hohe Herren der Kirche , und Herren des Landes . Was ich sage , habe ich selber erfahren , und es hat mir ein frommer Priester , Benno von Pric , der mein gütiger Lehrer und Erzieher war , davon erzählt . In dem Walde an der jungen Moldau ist das Christentum viel früher gewesen als in den andern Teilen des Landes . Gotterfüllte Einsiedler haben hin und hin in dem Walde gelebt , und haben die Andacht des Glaubens geübt . Ihr Glöcklein und die Sage von ihnen rief Menschen herbei , und diese beteten mit , und wurden in dem Glauben belehrt , und breiteten ihn aus . Und aus mancher Siedelei ist eine Kirche geworden . Bei jeder Kirche und bei jedem Kirchlein , wenn es auch nur von Holz ist , besteht ein ständiger Pfarrer . Und da die ersten Priester die Siedler gewesen sind , so hat nach ihrem Brauche keiner , der auf sie gefolgt ist , ein Weib genommen . In der sehr alten Zeit aber , da noch das Heidentum in all den Ländern um uns gewaltet hat , da ist der Wald an der jungen Moldau so groß und so unwirtlich gewesen , daß keine Menschen in ihm gewohnt haben . Es sind also dort wenige Heiden gewesen , und wenige Gewohnheiten aus dem Heidentume übrig geblieben . Die Pfarrer streben , sie auszurotten , da sie dieselben verbieten , und mit kirchlichen Strafen belegen , und da sie die Kinder belehren , daß mit den alten Leuten die Gewohnheiten aussterben . Und wir alle sollten , wie wir es verstehen , mit den Pfarrern dazu wirken . Und die Herren im Walde tun es auch , und ich werde es tun . Die Kirchen sind noch sehr weit von einander entfernt ; es werden aber neue , wo Menschen an einer Stelle sich mehren , und ich werde im Walde bei meinem Hause eine Kirche errichten , sobald ich es tun kann . « Was Witiko gesagt hatte , sagten auch Rowno und Diet und Hermann und die andern . Und der Zupan Lubomir sprach auch so , der einen Teil des Waldes beherrschte . Und nach den Sachen des Glaubens sollten auch noch Dinge über die Besitztümer der Kirche oder Streitigkeiten darüber geschlichtet werden , insonderheit der alte Streit zwischen den Bischöfen von Prag und Olmütz über Podiwin . Guido hatte manche Zusammenkünfte mit den mährischen Fürsten . Öfter war auch Rat bei dem Herzoge . Als vierzehn Tage seit der großen Versammlung vergangen waren , geschah die Einweihung der Kirche des heiligen Veit . Der Herzog Wladislaw kam an dem Festtage mit dem Gefolge aller seiner Hofherren und der Lechen und Führer und Herren der Länder Böhmen und Mähren vor die Kirche . Die Herzogin kam mit ihren Frauen . Guido kam mit seinem Geleite . Es kamen Otto , der Bischof von Prag , Zdik , der Bischof von Olmütz , und Daniel , der Propst , und die Erzpriester und Priester von Prag und die Äbte der Klöster , und die Nonnen , und die Pröpste und Priester und Pfarrer aus vielen Teilen der Länder , und selbst aus der Fremde . Es kam ein Teil der Krieger Wladislaws , und es kam unzähliges Volk . Mehr als tausend Scharen von Menschen sind von allen Seiten der Länder Böhmen und Mähren zu dem Feste der heiligen Kirche Böhmens gekommen . Die Herbergen hatten sie nicht gefaßt , und sie lagerten unter dem freien Himmel . Auf einem Platze abseits der Kirche , der mit unbehauenen Schranken umgeben war , knieeten mit entblößtem Haupte , mit bloßen Armen , mit nackten Füßen und in Gewänder von grober Leinwand gekleidet , Konrad , Wratislaw , Otto , Leopold , Spitihnew und Wladislaw , die Sprossen aus dem Stamme Premysls . Die Weihe der äußeren Teile der Kirche wurde begonnen . Alle , die vor ihr waren , knieeten in Andacht auf die Erde nieder . Es knieete der Herzog mit den Seinigen , die Herzogin mit den Frauen , alle Priester , die nicht bei der heiligen Handlung mitwirkten , und alle anderen . Es war der ganze Berg mit knienden Menschen voll . Unter den Frauen der Herzogin knieete Dimut , und betete . Sie war in ein schwarzes Gewand gekleidet , und ihre Augen waren gegen die Erde gewendet . Da die Heiligung vor der Kirche vollendet war , wurden ihre Tore geöffnet , und die Priester und der Herzog und die Herzogin und die Hofherren und die Herren der Länder und Krieger und Volk gingen in dieselbe . Die mährischen Fürsten blieben auf ihrem Platze knien , da sie nicht in die Kirche gehen durften , weil sie in dem Banne waren . In der Kirche wurde die Weihe ihrer inneren Teile begonnen , und dann war ein feierlicher Gottesdienst . Nie waren so viele und so hohe Kirchenherren bei einem Feste zugegen . Die Kirche war mit Menschen erfüllt . Und die Menschen vor der Kirche knieeten dicht an einander , und weit über den Berg knieten sie , und manche warfen sich auf die Erde , und beteten und weinten . Als die Feier in der Kirche vollendet war , ging der Zug des Herzogs , der Herzogin , des Hofes , der kirchlichen Herren und der Herren der Länder wieder aus der Kirche . Da der Zug an den mährischen Fürsten vorüber ging , lagen diese mit ihren Angesichtern auf der Erde . Manche Menschen , die vorüber gingen , weinten . Die Herzogin Gertrud sagte zu ihren Frauen : » Das sind Sprossen des ersten Geschlechtes des Landes . « Dimut antwortete darauf : » Gott ist allmächtig und herrlich . Er hat mir die Worte eingegeben , die ich im Kampfe gesagt habe : Unsere Heiligtümer sind nicht verloren , wir werden sie wieder aufbauen , und sie werden schöner sein als früher , und hilfreich und gnadenreich . Und die an ihnen gefrevelt haben , werden mit zerrauften Haaren und mit entblößtem Armen auf der Erde liegen , und den Himmel um Barmherzigkeit anflehen . Und so ist es in Erfüllung gegangen . « Der Herzog , die Männer der Kirche und des Landes , die Krieger und andere gingen an den Fürsten vorüber . Dann verfloß eine Stunde . Nach derselben saß der Herzog Wladislaw in dem Schmucke des herzoglichen Gewandes mit Kleinodien und Gold und Edelsteinen geziert auf dem Herzogstuhle vor der Hofburg . Der Kardinal Guido saß auf einem Throne , der für ihn errichtet worden war . Die Bischöfe , Äbte , Erzpriester , Pröpste und Priester und die Hofherren und die Lechen der Länder und die Führer des Heeres und Wladyken und Herren der Zupen standen um den Herzogstuhl und um den Thron , und hinter ihnen rings um sie war Volk , daß ein Mensch an den andern festgedrückt war . Die Herzogin saß in ihrem Schmucke mit ihren Frauen auf dem Söller , und auf anderen Söllern waren andere hohe Frauen mit ihren Gefolgen . Es wurde nun mit Mühe in der Menge der Menschen eine Gasse gemacht , und durch diese Gasse gingen die mährischen Fürsten vor den Herzogstuhl . An den Seiten jedes Fürsten gingen zwei Männer , und hielten zwei Schwerter über dem bloßen Haupte des Fürsten gekreuzt . Als die Fürsten auf den freien Raum vor dem Herzogstuhle gekommen waren , knieeten sie in den Sand nieder , und hoben die Hände der nackten Arme aus der groben Leinwand empor . Die gekreuzten Schwerter wurden über ihren Häuptern gehalten . Die Menschen waren alle still . Da rief Konrad die Worte : » Ich , Konrad , der Sohn Liutolds , aus dem Stamme Premysl , bereue die Sünde , welche ich durch den Kampf gegen den rechtmäßigen Herzog von Böhmen und Mähren , Wladislaw , begangen habe , ich tue Buße , will Genugtuung leisten , und bitte den hocherlauchten Herzog und Herren des Stammes , daß er mir verzeihe , wie mir Gott verzeihen möge . « Dann rief Wratislaw : » Ich , Wratislaw , der Sohn Ulrichs , aus dem Stamme Premysl , bereue die Sünde , welche ich durch den Kampf gegen den rechtmäßigen Herzog von Böhmen und Mähren , Wladislaw , begangen habe , ich tue Buße , will Genugtuung leisten , und bitte den hocherlauchten Herzog und Herren des Stammes , daß er mir verzeihe , wie mir Gott verzeihen möge . « Und Otto , und Leopold , und Spitihnew und Wladislaw riefen nach einander die nämlichen Worte . Als sie geendigt hatten , schwieg der Herzog eine kleine Zeit , und das Volk sah auf ihn . Da öffnete er den Mund , und rief : » Entfernet die Schwerter . « Die Schwerter wurden entfernt . Dann rief der Herzog : » Stehet auf . « Die Fürsten erhoben sich , und standen aus dem Sande auf . Dann rief der Herzog : » Empfindet die Reue , tut Buße , und leistet Genugtuung vor Gott dem Richter , und er wird euch durch den Mund der Kirche verzeihen . Ich verzeihe euch , und verlange keine andere Genugtuung als künftig Treue gegen mich . Konrad , ich setze dich in dein Besitztum Znaim mit allen Gebühren und Bezügen wieder ein , wie es vor dem Kriege gewesen ist . Wratislaw , ich setze dich in dein Besitztum Brünn mit allen Gebühren und Bezügen wieder ein , wie es vor dem Kriege gewesen ist . Otto , ich setze dich in dein Besitztum Olmütz mit allen Gebühren und Bezügen wieder ein , wie es vor dem Kriege gewesen ist . Leopold , Spitihnew und Wladislaw , ich setze euch in alle eure Bezüge und Gebühren wieder ein , wie sie vor dem Kriege gewesen sind , und will sie vermehren . Jetzt gehet in eure Herbergen , kommt dann wieder , und teilet heute mein Brod mit mir an meinem Tische . « Und wie es stille gewesen war , daß man die Worte aus dem Munde des Herzoges wie eine Glocke in klarer Luft vernommen hatte , so wurde jetzt ein Schrei , der durch die Wolken des Himmels drang . Nach dem Schrei kamen die Worte : » Heil , Segen , Glück , Freude Wladislaw , dem guten Herzoge . « » Wladislaw , dem guten Herzoge « , tönte es immer fort , und » Glück « , » Segen « , » Heil « tönte es fort . Frauen und Mädchen aus dem Volke lösten Schleifen oder Blumen aus ihren Gewändern , ließen sie durch Männer vorwärts geben , und vor den Herzogstuhl zu den Füßen des Herzoges werfen . Männer nahmen nun Federn oder Bänder oder anderen Schmuck von ihren Hauben und ließen sie auch vor die Füße des Herzoges legen . Der Herzog winkte mit der Hand , und dankte mit der Hand . Dann erst konnten die Fürsten reden . Konrad sprach : » Ich hoffe , daß mir Gott verzeihen wird , ich danke dir , hocherlauchter Herzog , für deine Verzeihung , und ich werde dir treu sein , so lange ich lebe . « Wratislaw rief : » Gott wird mir vergeben , wie mir der hohe Herzog vergeben hat , dem ich treu sein werde durch mein ganzes Leben . « Und solche Worte riefen die übrigen Fürsten einer nach dem andern . Dann tönte wieder ein Rufen des Volkes . Dann sagte Wladislaw : » Seid treu , und wir gedenken alle in der Zukunft des heutigen Tages . « Die Fürsten wendeten sich zum Gehen . Das Volk machte ihnen eine Gasse . Sie gingen in dieselbe , die Gasse schloß sich hinter ihnen wieder , und sie waren nicht mehr zu sehen . Der Herzog stieg von dem Herzogstuhle , so stieg auch Guido von dem Throne , und beide und alle hohen und niederen Herren der Kirche und der Länder gingen der Hofburg zu . Da der Zug sich gegen die Burg bewegte , stimmte das Volk das Landeslied an , und der Gesang dauerte noch fort , da der Zug schon in die Burg eingegangen war . Die Menschen zerstreuten sich . Viele gingen in die Kirche des heiligen Veit , die Kirche leerte sich nicht ; wenn einige gingen , kamen wieder andere . Aus der Hofburg kam ein Mann , die Schleifen , die Bänder , die Sträuße , die Zierden , die man vor den Herzogstuhl geworfen hatte , zu sammeln , und in die Burg zu tragen . Als der Mittag gekommen war , wurde ein Mahl in dem Herzoghofe gehalten . Die Zahl der Gäste war so groß , daß in dem Saale und in vielen Gemächern die Tische standen . Die Herren der Kirche waren in ihrer höchsten Zierde bei dem Mahle . Der Herzog und die hohen und niederen Herren der Länder hatten ihren größten Schmuck , und die Frauen und Jungfrauen prangten in den auserlesensten Gewändern und Kleinodien . Die Fürsten von Mähren saßen in Sammet und Seide , in Gold und Edelsteinen in der Nähe des Herzoges auf Ehrenplätzen . Posaunen und Flöten und Pfeifen erschallten zuweilen von den inneren Söllern , und zuweilen tönten von außen herein Gesänge . Als das Mahl geendiget war , versammelten sich die Gäste in verschiedenen Abteilungen und sprachen mit einander , oder sie wandelten redend in verschiedenen Richtungen in den Gemächern . Wratislaw kam mit dem Herzoge gegen Witiko , reichte ihm die Hand , und sagte : » Witiko , daß du uns verächtlich entrinnen ließest , hat mich mehr gekränkt als die tollen Worte des wilden Odolen . Rede nicht , du hast klug und rechtlich gehandelt . Wir haben Konrad geraten , die Belagerung aufzugeben . Wenn du ein Leche wirst , wie ich sagte , so wünsche ich dir alles Glück , du wirst ein hochgesinnter . « » Witiko « , sprach der Herzog , » der Bund ist größer geworden , wie du in dem Lager in meinem Zelte damals zu mir geredet hast . Und dir , Wratislaw , sage ich , daß er mir an jenem Abende gestanden hat , daß er auch die Söhne Premysls vor Rache und Unbill habe sichern wollen . « » Ich wußte es « , sagte Wratislaw , » und wenn uns Demütigung wurde , so haben wir die Demütigung gesucht . Wir konnten auf Feinde treffen , die anders gewesen wären . Wenn du nach Brünn kommst , so stehen dir die Tore der Burg offen , und es wird sie ehren , wenn du eingehst . « » Und wenn wir alle , die jetzt vereint sind , in deine Nadelwälder jagen kommen , wie wir bei Chynow versprochen haben « , sagte der Herzog , » so wirst du uns Herberge und Bewirtung geben . « » Ich kann auch ein Stücklein Brod und ein Plätzchen in dem Hause geben , das ich durch deine Gnade habe , hocherlauchter Herzog Wladislaw « , antwortete Witiko . » Und was ich getan habe , erlauchter Herzog Wratislaw , das habe ich getan , weil es so in meinen Sinn geflogen ist . Wenn ich nach Brünn komme , werde ich nicht versäumen , dir meinen Ehrfurchtsgruß zu bringen . « » Alle Menschen handeln , wie es in ihren Sinn fliegt « , sagte der Herzog , » aber die Sinne sind verschieden . Wir werden einmal mit Absicht nach Brünn gehen , und dann gehst du mit , Witiko ; aber nimm ein anderes Tier , als das nur im Schritt geht . « » Einmal ist es schneller gewesen « , sagte Witiko . » Von dem reden wir jetzt nicht mehr « , sagte der Herzog . Da sie noch sprachen , kamen auch Otto und Wladislaw herzu , und sprachen mit . Sie wendeten sich dann gegen Witiko , und dankten ihm , wie er bei Pilsen gegen sie gewesen ist , und Wladislaw dankte ihm , daß er ihn gegen Odolen geschützt habe . Der Herzog und die Fürsten trennten sich nach diesem Gespräche von Witiko . Nach einer Zeit kam Zdik , der Bischof von Olmütz , zu Witiko und sagte : » Edler Waldherr , du suchest ja deine Freunde nicht , sie suchen dich . Erinnerst du dich noch , wie Regimbert , der Bischof von Passau , gesagt hat : Die Wilden werden Lämmer werden ? Seine Worte sind in Erfüllung gegangen . Aber es ist ein starker Hirte gewesen , vor dem sie Lämmer geworden sind . Guido hat mehrere Jahre mit Mühsal gearbeitet . Die Söhne Premysls haben heute einen Sieg errungen , der der größte ist , den sie erringen können , und den ein Mensch erringen kann . Das Volk und alles Land hat gesehen , daß ein Herr in dem Himmel ist , und die Erde Staub , in den er den Sünder wirft . Und das Volk und alles Land hat gesehen , daß ein Herr in dem Himmel ist , der den Sünder , wenn er Buße getan hat , erhebt ; er hat ihm durch die Kirche verkündigt , daß ihm verziehen ist , und er hat das Herz des Herzogs Wladislaw erweicht , daß er das Unrecht vergessen mußte . « » Die Fürsten werden jetzt wohl treu sein « , sagte Witiko . » Sie werden treu sein « , antwortete Zdik . » Sie haben bereut , und haben den Brauch der Kirche und des Landes auf sich genommen . Und wenn sie ihre Reue vergessen sollten , so ist die Macht des Herzoges Wladislaw jetzt schon zu groß , und sie wird noch größer werden , als daß sie etwas gegen sie ersinnen könnten . « » Der Herzog Wladislaw hat jetzt den freien Weg vor sich « , sagte Witiko . » Das Unglück , welches der hochehrwürdige Bischof Silvester geahnt hat « , erwiderte Zdik , » und von welchem der edle Leche Bolemil gesprochen hat , ist eingetroffen , und ist überwunden worden . Jetzt wird das Gute kommen , welches die voraus gesehen haben , die deshalb die Wahl Wladislaws gefördert haben . « » Er übt Gerechtigkeit , und ist gut « , sagte Witiko . » Wir wissen alle noch nicht , was werden wird « , sagte Zdik ; » aber es wird etwas werden . Er wird den Glauben schützen , er wird die Bösen niederhalten , wird sorgen , daß alle ihren Bedarf stillen können , und wird unser Ansehen mit dem Ansehen anderer Länder verknüpfen . « » Er wird unser Ansehen in ferne Reiche tragen « , sprach Witiko . » Auch das kann geschehen « , antwortete Zdik , » und möge ihm dann Treue und Freudigkeit der Seinen zur Seite stehen . « » Er ruft die Treue und Freudigkeit hervor « , sagte Witiko , » und sie werden ihm in der Zeit nicht fehlen . « » So ist es « , entgegnete Zdik . » Witiko , der hocherhabene und milde Kardinal Guido ist in Passau gewesen , und der hochehrwürdige Bischof Regimbert und ich haben ihm von dir erzählt . Er hat gesagt , daß ich dich heute zu ihm führen soll . Folge mir . « » Ich folge Euch « , sagte Witiko . Zdik führte Witiko an vielen Menschen vorüber in ein Gemach . In demselben saß der Kardinal auf einem Stuhle , und viele Menschen waren um ihn : die Herren der Kirche , Priester und andere . Witiko mußte warten , weil mehrere da waren , mit denen der Kardinal reden sollte . Als diese Reden geendiget waren , führte Zdik Witiko an der Hand dem Kardinale näher . Der Kardinal sah es , und winkte sie mit der Hand hinzu . Da sie vor ihm standen , sagte Zdik : » Hocherhabener Kardinal , dieser Mann ist Witiko , erlaubet , daß er Euch die Ehrfurcht bezeugt . « Der Kardinal reichte Witiko das Kreuz . Witiko küßte es . Dann sagte der Kardinal : » Mein junger Sohn , du hast der Kirche in der Bedrängnis gedienet , und du hast im Streite die Friedfertigkeit angestrebt . « » Hocherhabener kirchlicher Fürst « , sagte Witiko , » ich suchte zu tun , wie es die Dinge fordern , und wie die Gewohnheit will , die mir in der Kindheit eingepflanzt worden ist . « » Und der Glaube , mein Sohn , den der gute Priester Benno in dein Herz gesenkt hat « , sagte der Kardinal . » Du hast an dem Sonntage im Walde , da nirgends eine Kirche war , den Tag gefeiert , dein Tier hat geruht , und du hast in der Einsamkeit der Bäume gebetet . Und wenn du zu tun strebst , was die Dinge fordern , so wäre gut , wenn alle wüßten , was die Dinge fordern , und wenn alle täten , was die Dinge fordern ; denn dann täten sie den Willen Gottes . « » Oft weiß ich nicht , was die Dinge fordern « , sprach Witiko . » Dann folge dem Gewissen , und du folgst den Dingen « , sagte der Kardinal . » Der Herzog hat dich für deine Dienste belohnt , Witiko , und ich hege den Wunsch , daß dir der Segen immer gewärtig sei , der zu dem Guten kömmt . Ich habe zu den Namen der jungen Leute dieser Länder , die ich mir merken will , auch deinen Namen geschrieben . Ich werde die jungen Namen dem Heiligen Vater als das Gute bringen , das nachwächst . Und wenn du das Heil hast , nach Rom zu kommen , so will ich dich vor das Angesicht des Heiligen Vaters führen . « » Wenn mir zu Teil wird , daß ich die Stadt der ewigen Dauer sehen soll « , sagte Witiko , » und wenn ich es erlebe , vor den Heiligen Vater gestellt zu werden , möge ich dann dessen auch würdig sein . « » Du wirst es , wenn du dich nicht änderst « , sagte der Kardinal , und reichte Witiko das Kreuz zum Kusse . Witiko küßte das Kreuz , und entfernte sich mit Zdik . Mehrere Menschen gingen zu dem Kardinale . Zdik sagte zu Witiko : » Der hocherhabene Kardinal geht jetzt nach Mähren , den Bann aufzuheben . Dann geht er wieder nach Böhmen , weil vieles werden muß . Er will dann den Priester Benno zu sich rufen lassen . « » Das wird Benno sehr freuen « , sagte Witiko , » er ist aus Demut nicht zu dem Kardinale gegangen . « » Der hocherhabene Kardinal weiß es « , sprach Zdik . » Benno ist jetzt in unserem Hofe Pric « , sagte Witiko . » Es ist uns bekannt « , antwortete Zdik . » Wenn du dein Haus gebaut hast , und wenn eine Zeit ist , nach Mähren zu kommen , so komme nach Olmütz , daß ich dir die Gastfreundschaft vergelte , die du an mir geübt hast , und in die du mich bei andern eingeführt hast . « » Ich werde Euch meine Ehrerbietung und meinen Dank für Eure Freundlichkeit darbringen , sobald ich es werde tun können « , sagte Witiko . » Und so gehabe dich wohl , mein edler Waldherr « , sprach Zdik , » und gedenke meiner . « » Ich danke Euch für das Gute , das Ihr mir heute getan habt , ich denke stets Eurer , und gehabt Euch wohl « , antwortete Witiko . Sie trennten sich . Witiko wollte nun Silvester aufsuchen . Er ging durch