Mutter des jungen Mannes , welcher zu verschiedenen Malen unter dem Dache dieses Hauses gewohnt hat , seid dem Hause willkommen . Es hat Euren Namen oft gehört und die Namen Eurer Tugenden , und wenn der Schall der Rede oft auch ganz anderes zu verkünden schien , so gingen unbewußt Eure Eigenschaften daraus hervor , sammelten sich hier , und erzeugten Ehrerbietung und , erlaubt einem alten Manne das Wort , Liebe . Ihr , mein edler Freund - gönnt mir den Namen auch , den ich Euch so gerne gebe - , ein graues Haupt wie ich , aber ehrwürdiger in der Verehrung seiner Kinder , und darum auch in der anderer Leute , Ihr habt mit Eurer Gattin unsichtbar dieses Haus bewohnt , und ehrt es , da es Eure Gestalt nun selber in seinen Räumen sieht . Ihr , Klotilde , wandeltet mit Euren Eltern hier , und seid gleichfalls in Eurem Eigentume . Zu dir , Mathilde , spreche ich erst jetzt , nachdem ich zu den andern gesprochen habe , die nicht so oft die Schwelle dieses Hauses betreten haben wie du . Du bringst uns heute etwas , das allen lieb sein wird . Sei deshalb nicht mehr gegrüßt und willkommen , als du hier immer gegrüßt und willkommen gewesen bist . Sei willkommen , Natalie , und seid gegrüßet , Heinrich . Eustach , Roland , Gustav sind als Zeugen hier von dem , was da geschieht . « Meine Mutter antwortete hierauf : » Ich habe immer gedacht , daß wir in diesem Hause werden herzlich empfangen werden , es ist so , ich danke sehr dafür . « » Ich danke auch , und möge die gute Meinung von uns sich bewähren « , sagte der Vater . Klotilde verneigte sich nur . Mathilde sprach : » Sei bedankt für deinen Gruß , Gustav ; und wenn du sagst , daß ich etwas bringe , das allen lieb sein wird , so berichte ich , daß Heinrich Drendorf und Natalie vor neun Tagen im Sternenhofe verlobt worden sind . Wir haben den Weg zu dir gemacht , um deine Billigung zu dieser Vornahme zu erwirken . Du hast immer wie ein Vater an Natalien gehandelt . Was sie ist , ist sie größtenteils durch dich . Daher könnte ein Band sie nie beglücken , das deinen vollen Segen nicht hätte . « » Natalie ist ein gutes , treffliches Mädchen , « erwiderte mein Gastfreund , » sie ist durch ihr innerstes Wesen und durch ihre Erziehung das geworden , was sie ist . Ich mag ein weniges beigetragen haben , wie alle nicht bösen Menschen , mit denen wir umgehen , zu unserem Wesen etwas Gutes beitragen . Du weißt , daß der geschlossene Bund meine Billigung hat , und daß ich ihm alles Glück wünsche . Weil du mich aber Vater Nataliens nennst , so mußt du erlauben , daß ich auch als Vater handle . Natalie erhält als meine Erbin den Asperhof mit allem Zubehör und allem , was darin ist , sie erhält auch , da ich gar keine Verwandten besitze , meine ganze übrige Habe . Die Ausfolgung geschieht in der Art , daß sie einen Teil des gesamten Vermögens an ihrem Vermählungstage empfängt , nebst den Papieren , welche ihr das Anrecht auf den Rest zusprechen , der ihr an meinem Todestage anheim fällt . Einige Geschenke an Freunde und Diener werden in den Papieren enthalten sein , die sie gerne verabfolgen wird . Weil ich Vater bin , so werde ich auch meine liebe Tochter ausstatten , von ihrer Mutter kann sie nur Geschenke annehmen . Und einen Eigensinn müßt ihr mir gestatten , dessen Bekämpfung von eurer Seite mich sehr schmerzen würde . Die Vermählung soll auf dem Asperhofe gefeiert werden . Hieher ist der Bräutigam vor mehreren Jahren zuerst gekommen , hier habt ihr ihn kennen gelernt , hier ist vielleicht die Neigung gekeimt , und hier endlich wohnt ja der Vater , wie er eben genannt worden ist . Vom Vermählungstage an wird im Asperhofe für die jungen Eheleute eine Wohnung in Bereitschaft stehen , es wird aber an sie nicht die Forderung gestellt werden , daß sie dieselbe benützen . Sie sollen nach ihrer Wahl ihre Wohnung aufschlagen : entweder im Asperhofe oder im Sternenhofe oder in der Stadt , oder auch abwechslungsweise , wie es ihnen gefällt . « Mathilde war während dieser ganzen Rede mit Würde und Anstand in ihrem Sitze gesessen , wie überhaupt in der ganzen Versammlung ein tiefer Ernst herrschte . Mathilde suchte ihre Haltung zu bewahren ; allein aus ihren Augen stürzten Tränen , und ihr Mund zitterte vor starker Bewegung . Sie stand auf und wollte reden ; aber sie konnte nicht , und reichte nur ihre Hand an Risach . Dieser ging um den Tisch - denn eine Ecke desselben trennte sie - , drückte Mathilden sanft in ihren Sitz nieder , küßte sie sachte auf die Stirne , und strich einmal mit seiner Hand über ihre Haare , die sie glatt gescheitelt über der feinen Stirne hatte . Mein Vater nahm hierauf , da Risach wieder an seinem Platze war , das Wort und sprach : » Es ist noch ein Vater da , welcher auch einige Worte reden und einige Bedingungen stellen möchte . Vor allem , Freiherr von Risach , empfanget den innigsten Dank von mir im Namen meiner Familie , daß Ihr ein Mitglied derselben zu einem Mitgliede der Eurigen aufzunehmen für würdig erachtet habt . Unserer Familie ist dadurch eine Ehre erzeigt worden , und mein Sohn Heinrich wird sich sicherlich bestreben , sich alle jene Eigenschaften zu erwerben , welche ihm zur Erfüllung seiner neuen Pflichten und zur Darstellung jener Menschenwürde überhaupt nötig sind , ohne welche man ein Teil der besseren menschlichen Gesellschaft nicht sein kann . Ich hoffe , daß ich hierin für meinen Sohn bürgen kann , und Ihr selber hofft es , da Ihr ihn in die Stellung aufgenommen habt , in der er ist . Mein Sohn wird in die neue Haushaltung bringen , was nicht für unbillig erachtet werden soll . In meinem Hause in der Stadt wird eine anständige Wohnung für die Neuvermählten immer in Bereitschaft stehen , und wenn ich das Landleben einmal vorziehen sollte , so werden sie auch in meiner neuen Wohnung einen Platz finden . Ihr eigenes ständiges Haus mögen sie nach Belieben aufschlagen . Daß die Vermählung in dem Asperhofe sei , ist nach meiner Meinung gerecht , und ich glaube , es wird niemand die Maßregel bestreiten . Und nun habe ich noch eine Bitte an Euch , Freiherr von Risach , nehmt mich alten Mann und meine alte Gattin nebst unsrer Tochter nicht ungerne in Euren Familienkreis auf . Wir sind bürgerliche Leute , und haben als solche einfach gelebt ; aber in jedem Verhältnisse unsere Ehre und unsern guten Namen aufrecht zu erhalten gesucht . « » Ich kenne Euch schon lange , « antwortete Risach , » obwohl nicht persönlich , und habe Euch schon lange hoch geachtet . Noch höher achtete und liebte ich Euch , als ich Euren Sohn kennen gelernt hatte . Wie sehr es mich freut , in eine nähere Umgangsverbindung mit Euch zu kommen , kann Euch Euer Sohn sagen , und wird Euch die Zukunft zeigen . Was die Bürgerlichkeit anlangt , so gehörte ich zu diesem Stande . Vergängliche Handlungen , die man Verdienste nannte , haben mich auf eine Zeit aus ihm gerückt , ich kehre durch meine angenommene Tochter wieder zu ihm zurück , der mir allein gebührt . Ehrenvoller , würdiger Mann einer stettigen Tätigkeit und eines wohlgegründeten Familienlebens , wenn Ihr mich , der ich beides nicht habe , für wert erachtet , so kommt an mein Herz , und laßt uns die letzten Lebenstage freundlich mit einander gehen . « Beide Männer verließen ihre Plätze , begegneten sich auf halbem Wege zu einander , schlossen sich in die Arme , und hielten sich einen Augenblick fest . Wie erschütternd das auf alle wirkte , zeigte die Tatsache , daß es totenstill im Zimmer war , und daß manche Augen feucht wurden . Meine Mutter war , da Risach Mathilden verlassen hatte , zu ihr gegangen , hatte sich neben sie gesetzt und hatte ihre beiden Hände gefaßt . Die Frauen küßten sich und hielten sich noch immer beinahe umfangen . Ich und Natalie traten jetzt vor Risach und sagten , daß wir ihm für alles Liebe und Gute gegen uns aufs tiefste danken , und daß unser einziges Bestreben sein werde , seiner guten Meinung über uns immer würdiger zu werden . » Ihr seid lieb und freundlich und ehrlich , « sagte er , » und alles wird gut werden . « Wir gingen wieder an unsere Plätze , und Eustach , Klotilde , Roland , Gustav und selbst die Eltern wünschten uns nun alles Glück und allen Segen . Hierauf nahm das Gespräch eine Wendung auf einfachere und gewöhnlichere Dinge . Man stand auch öfter auf und mischte sich durcheinander . Meine Mutter hatte heute einige der schönsten geschnittenen Steine meines Vaters als Schmuck an ihrem Körper . Mein Gastfreund hatte öfter darauf hingeblickt ; allein jetzt konnten er und Eustach dem Reize nicht mehr widerstehen , sie traten zu meiner Mutter , betrachteten verwundert die Steine , und sprachen über dieselben . Später kam auch Roland hinzu . Meinem Vater glänzten die Augen vor Freude . Als das Gespräch noch eine Weile gedauert hatte , trennte man sich , und bestellte sich auf einen Spaziergang , der noch vor dem Mittagessen statt finden sollte . Auf dem Sandplatze vor dem Rosengitter an dem Hause wollte man sich versammeln . Wir kleideten uns in andere Kleider , und kamen vor dem Hause zusammen . Mein Vater , der wahrscheinlich sehr neugierig war , alles in diesem Hause zu sehen , hatte sich zu Risach gesellt , sie standen vor den Rosengewächsen , und mein Gastfreund erklärte dem Vater alles . Mathilde war an der Seite meiner Mutter , Klotilde und Natalie hielten sich an den Armen , und ich und Gustav so wie zu Zeiten auch Eustach und Roland hielten uns in der Nähe der alten Männer auf . Wir gingen von dem Sandplatze in den Garten , damit die Meinigen zuerst diesen sähen . Mein Gastfreund machte für meinen Vater den Führer , und zeigte und erklärte ihm alles . Wo meine Mutter und Klotilde an dem Gesehenen Anteil nahmen , wurde es ihnen von ihren Begleiterinnen erläutert . » Da sehe ich ja aber doch Faltern « , sagte mein Vater , als wir eine geraume Strecke in dem Garten vorwärts gekommen waren . » Es wäre wohl kaum denkbar und möglich , daß meine Vögel alle Keime ausrotteten , « antwortete mein Gastfreund , » sie hindern nur die unmäßige Verbreitung . Einiges bleibt aber immer übrig , was für das nächste Jahr Nahrung liefert . Zudem kommen auch von der Ferne Faltern hergeflogen . Sie wären wohl auch die schönste Zierde eines Gartens , wenn ihre Raupen nicht so oft für unsere menschlichen Bedürfnisse so schädlich wären . « » Bringen denn nicht aber auch die Vögel manchen Baumfrüchten Schaden ? « fragte mein Vater . » Ja , sie bringen Schaden , « entgegnete mein Gastfreund , » er trifft hauptsächlich die Kirschenarten und andere weichere Obstgattungen ; aber im Verhältnisse zu dem Nutzen , den mir die Vögel bringen , ist der Schaden sehr geringe , sie sollen von dem Überflusse , den sie mir verschaffen , auch einen Teil genießen , und endlich , da sie neben ihrer natürlichen Nahrung von mir noch außerordentliche und mitunter Leckerbissen bekommen , so ist dadurch der Anlaß zu Angriffen auf mein Obst geringer . « Wir gingen durch den ganzen Garten . Jedes Blumenbeet , jede einzelne merkwürdigere Blume , jeder Baum , jedes Gemüsebeet , der Lindengang , die Bienenhütte , die Gewächshäuser , alles wurde genau betrachtet . Der Tag hatte sich beinahe ganz ausgeheitert , und eine Fülle von Blüten lastete und duftete überall . Wir gingen bis zu dem großen Kirschbaume empor , und sahen von ihm über den Garten zurück . Der Vater fühlte sich ganz glücklich , alles das sehen und betrachten zu können . Die Mutter mochte wohl ihren Umgebungen nicht so viel Aufmerksamkeit geschenkt haben wie der Vater , und sie mochte mit Mathilden mehr über das Wohl und Wehe und über die Zukunft ihrer Kinder gesprochen haben . Auch dürfte der Inhalt der Gespräche zwischen Klotilden und Natalien nicht vorherrschend der Garten gewesen sein . Sie konnten manche Fäden über andere Dinge anzuknüpfen gehabt haben . Von dem großen Kirschbaume mußte wieder in das Haus zurückgegangen werden , weil die Zeit , welche noch bis zu dem Mittagessen gegeben gewesen war , ihren Ablauf genommen hatte . Man verfügte sich einen Augenblick in seine Zimmer , und versammelte sich dann im Speisesaale . Der Nachmittag war zur Besichtigung des Meierhofes , der Wiesen und Felder bestimmt . Wir gingen von dem großen Kirschbaume auf den Getreidehügel hinaus und auf ihm fort bis zu der Felderrast . Wir gingen genau den Weg , welchen ich an jenem Abende mit meinem Gastfreunde gegangen war , als ich mich zum ersten Male in dem Asperhofe befunden hatte . Wir sahen von der Felderrast ein wenig herum . Die Esche hatte eben ihre ersten kleinen Blätter angesetzt und suchte sie auszubreiten . Wir konnten uns nicht niedersetzen , weil das Bänkchen dazu viel zu klein war . Von der Felderrast gingen wir in den Meierhof . Wir schlugen den Weg ein , welchen ich einmal mit Natalien allein gewandelt war . Nach der Besichtigung des Meierhofes , in welchem mein Gastfreund meinem Vater das Kleinste und Größte zeigte , und in welchem er ihm erklärte , wie alles früher ausgesehen hatte , was daraus geworden war , und was noch werden sollte , gingen wir durch die Meierhofwiesen , durch die Felder am Abhange des Hügels des Rosenhauses , dann den Hügel herum , endlich in das Gehölze des Teiches hinauf , und von ihm an dem Erlenbache zurück , so daß wir wieder zu dem großen Kirschbaume kamen und von ihm in das Haus zurückkehrten . Es war mittlerweile Abend geworden . Alles hatte die Bewunderung meines Vaters erregt . Der nächste Tag war dazu bestimmt , das Innere des Hauses , seine Kunstschätze und alles , was es sonst enthielt , zu besehen . Mein Gastfreund führte meinen Vater zuerst in alle Zimmer des Erdgeschosses , dann über den Marmorgang die Treppe hinan zur Marmorgestalt . Wir waren alle mit , außer Eustach und Roland . Bei der Marmorgestalt hielten wir uns sehr lange auf . Von ihr gingen wir in den Marmorsaal , in welchem mein Gastfreund meinem Vater alle Marmorarten nannte und ihm die Orte ihres Vorkommens bezeichnete . Dann besuchten wir nach und nach die Wohnzimmer meines Gastfreundes , die Zimmer mit den Bildern , Büchern , Kupferstichen , das Lesezimmer , das Eckzimmer mit den Vogelbrettchen , und endlich die Gastzimmer und die Wohnung Mathildens . Auch Rolands Gemach wurde besehen , in welchem auf einer Staffelei sein beinahe fertiges Bild stand . Den Beschluß machte der Besuch des Schreinerhauses und die Besichtigung seiner Einrichtung und alles dessen , was da eben gefördert wurde . War mein Vater schon gestern voll Bewunderung gewesen , so war er heute beinahe außer sich . Die Marmorgestalt hatte seinen Beifall so sehr , daß er sagte , er könne sich von seinen Reisen her nicht auf vieles erinnern , was von altertümlichen Werken besser wäre als diese Gestalt . Sie wurde von allen Seiten besehen und wieder besehen , dieser Teil und jener Teil und das Ganze wurde besprochen . So etwas , sagte mein Vater , könne er nicht entfernt aufweisen , nur einige seiner alten geschnittenen Steine könnten neben dieser Gestalt noch besehen werden . Der Marmorsaal gefiel ihm sehr , und der Gedanke , ein solches Gemach zu bauen , erschien ihm als ein äußerst glücklicher . Er pries die Geduld meines Gastfreundes im Suchen des Marmors , und lobte die , welche die Zusammenstellung entworfen hatten , daß etwas so Reines und Großartiges zu Stande gekommen sei . Die alten Geräte , die Bilder , die Bücher , die Kupferstiche beschäftigten meinen Vater auf das lebhafteste , er sah alles genau an , und sprach als Liebhaber und auch als Kenner über vieles . Mein Gastfreund verständigte sich leicht mit ihm , ihre Ansichten trafen häufig zusammen und ergänzten sich häufig , in so ferne man überhaupt Ansichten in einer Gesellschaft , in welcher man sich kurz fassen mußte , aussprechen konnte . Meine Mutter freute sich innig über die Freude des Vaters . So war es denn also doch in Erfüllung gegangen , was sie so oft gewünscht hatte , daß mein Vater das Haus meines Gastfreundes besuchte , und es war auf eine liebe Art in Erfüllung gegangen , die sie sich gewiß einstens nicht gedacht hatte . Rolands Bild betrachtete der Vater sehr aufmerksam , er hielt es für höchst bedeutend , er sprach mit Risach über Verschiedenes in demselben , und äußerte sich , daß , nach diesem Werke zu urteilen , Roland eine hoffnungsvolle Zukunft vor sich haben dürfte . Daß es meinen Gastfreund mit Vergnügen erfüllte , daß seine Schöpfungen mit solcher Anerkennung von einem Manne , aus dessen Worten die Berechtigung zu einem Urteile hervorging , betrachtet werden , ist begreiflich . Die zwei Männer schlossen sich immer mehr an einander , und vergaßen zuweilen ein wenig die übrige Gesellschaft . In dem Schreinerhause , in welchem Eustach den Führer machte , wurden nicht nur alle Zeichnungen und Pläne durchgesehen , sondern die ganze Einrichtung und die Art , wie hier verfahren werde , samt allen Werkzeugen wurde einer genauen Beobachtung unterzogen . Der Vater war voll der Billigung darüber . Mit Besichtigung dieser Dinge war der ganze Tag verbraucht worden . Am nächsten Tage fuhr man in den Alizwald , damit mein Gastfreund meinen Eltern den Forst zeigen konnte , welcher zu dem Asperhofe gehörte . Die folgenden Tage waren für die Gesellschaft schon weniger vereinigend . Man zerstreute sich und ging dem nach , was eben die meiste Anziehungskraft ausübte . Zu mir und Natalien kamen nach und nach alle Bewohner des Rosenhauses und des Meierhofes , um uns Glück und Segen zu unserer bevorstehenden Vereinigung zu wünschen . Sie hatten jetzt erst nach geschehener Verlobung die Gewißheit davon erhalten , hatten es aber in früherer Zeit aus den Vorgängen , die sie sahen , gemutmaßt und geschlossen . Mein Vater holte vieles wieder im einzelnen nach , was er im allgemeinen gesehen hatte , er war bald hier , bald dort , und war viel mit dem Besitzer des Hauses beschäftigt . Die Frauen ließen sich das angelegen sein , was Sache des Hauswesens ist , und verkehrten manche Weile mit Katharinen . Wir jüngeren Leute gingen viel in dem Garten herum , besuchten manche Stelle , und machten Spaziergänge . Wir waren mehrere Male bei den Gärtnerleuten , saßen einmal lange bei ihrem Tische , und besahen einmal ausführlich für uns die Gewächshäuser und ließen uns das Vorhandene von dem Gärtner erklären . Eines Tages waren wir auch alle im Inghofe , und die Bewohner des Inghofes waren eines andern Tages im Asperhofe . Der Pfarrer von Rohrberg und mehrere der angeseheneren Bewohner der Gegend waren von nahe oder von ferne herzugekommen , um zu dem Ihnen bekannt gewordenen Ereignisse ihren Glückwunsch darzubringen . Selbst Bauersleute der Nachbarschaft und andere , die mich und Natalien kannten , kamen zu demselben Zwecke . Wir mußten zwölf Tage in dem Asperhofe zubringen , dann aber wurde unser Reisewagen bepackt , und wir traten die Rückreise in unsere Vaterstadt an . Da wir zu Hause angekommen waren , wurde sogleich daran gegangen , Zimmer in Bereitschaft zu setzen , daß wir den Gegenbesuch , wenn er eintreffen würde , anstandsvoll empfangen könnten . Ich rüstete mich indessen auch noch zu etwas anderem , was noch vor der Verbindung mit Natalien statthaben mußte , zu meiner großen Reise . Ich suchte die Anstalten so zu treffen , daß ich glaubte , nichts Wesentliches außer Acht gelassen zu haben . Die Notwendigkeit , mir durch diese Reise noch manches , was mir fehlte , anzueignen und in dieser Hinsicht nicht zu weit hinter Natalien zurückstehen zu müssen , war mir einleuchtend , und eben so einleuchtend war es mir , daß ich eine größere Reise allein machen müsse , ehe ich in künftiger Zeit mit Natalien eine Reise antreten könnte . Ich hatte auch vor , mich gleich nach der Zeit , in der uns der Gegenbesuch abgestattet sein würde , auf die Reise zu begeben . Der Gegenbesuch kam drei Wochen nach dem Tage , an welchem wir in der Stadt angelangt waren . Ein Brief hatte ihn vorher angekündigt . Mathilde , Risach , Natalie und Gustav trafen in einem schönen Reisewagen ein . Sie wurden in die für sie in Bereitschaft gehaltenen Zimmer geführt . Nachdem sie sich umgekleidet hatten , kamen wir zum Gruße in unserem Besuchzimmer zusammen . Der Empfang in unserem Hause war so herzlich und innig , wie er nur immer in dem Sternenhofe und in dem Hause meines Gastfreundes gewesen war . In allen Mienen war Freude , und alle Worte setzten die begonnene Bekanntschaft und die sich entwickelnde Freundschaft fort . Selbst bis auf die Dienerschaft pflanzte sich das angenehme Gefühl über . Aus einzelnen Worten und aus den heitern Angesichtern entnahm man , wie sehr ihnen die wunderschöne Braut gefalle . Was unser Haus und die Stadt für die Gäste Angenehmes bieten konnte , wurde ihnen zur Verfügung gestellt . Wie auf den beiden Landsitzen wurde auch hier alles gezeigt , was das Haus enthält . Die Gäste wurden in die Zimmer geführt , besahen Bilder , Bücher , alte Schreine und geschnittene Steine . Sie kamen in das gläserne Eckhäuschen und in alle Teile des Gartens . In Hinsicht der Bilder meines Vaters sprach sich mein Gastfreund dahin aus , daß sie als Ganzes durchaus wertvoller seien als seine Sammlung , obwohl er auch einzelne Stücke besitze , welche dem Besten aus meines Vaters Sammlung an die Seite gestellt werden könnten . Meinen Vater freute dieses Urteil , und er sagte , er hätte ungefähr dasselbe gefällt . Die geschnittenen Steine , sagte mein Gastfreund , seien auserlesen , und denen hätte er nichts Gleiches entgegen zu stellen , es müßte nur das Marmorstandbild sein . » Das ist es auch , und das ist das Höchste , was in beiden Kunstsammlungen besteht « , erwiderte mein Vater . Die Schnitzarbeiten im Glashäuschen waren meinem Gastfreunde aus meinen Abbildungen bekannt . Er beschäftigte sich aber doch mit ihrer genauen Besichtigung und erteilte ihnen mit Rücksicht auf die Zeit ihrer Entstehung viel Lob . Mein Einbeerblatt aus Marmor im Garten wurde einer Anerkennung nicht für unwürdig erachtet . Meinen Vater erquickte die Würdigung seiner Schätze von einem Manne , wie Risach war , sehr , und ich glaube , er hatte keine angenehmeren Stunden gehabt , seit er all diese Dinge zusammen gebracht , als die Zeit , die Risach bei ihm gewesen war . Selbst jenen Augenblick dürfte er kaum vorgezogen haben , da sich zum ersten Male meine Augen für den Wert dessen geöffnet hatten , was er besaß . Bei mir war es damals nur Gefühl gewesen , bei Risach war jetzt es Urteil . Zum Vergnügen außer dem Hause geschahen zwei Theaterbesuche , drei gemeinschaftliche Besuche in Kunstsammlungen und einige Fahrten in die Umgebung . Bei dieser Zusammenkunft wurde auch die Vermählungszeit besprochen . Ich sollte meine angekündigte Reise unternehmen , und nach der Zurückkunft sollte kein Aufschub mehr stattfinden . Der Tag werde dann festgestellt werden . Nach dieser Verabredung wurde Abschied genommen . Der Abschied war dieses Mal sehr schwer , weil er auf länger genommen wurde , und weil unglückliche Zufälle in der Abwesenheit nicht unmöglich sein konnten . Aber wir waren standhaft , wir scheuten uns , vor Zeugen , selbst vor so lieben , einen Schmerz zu äußern , sondern trennten uns , und versprachen , uns zu schreiben . Als uns unsere Gäste verlassen hatten , zeigten wir in Briefen an einige uns sehr befreundete Familien meine Verlobung an . Zur Fürstin ging ich selbst , um ihr dieses Verhältnis zu eröffnen . Sie lächelte herzlich und sagte , daß sie sehr wohl bemerkt habe , daß ich einmal , da sie des Namens Tarona Erwähnung getan hatte , äußerst heftig errötet sei . Ich erwiderte , daß ich damals nur errötet sei , weil sie mich auf einer inneren Neigung betroffen habe , den Namen Tarona habe ich in jener Zeit an Natalien noch gar nicht gekannt . Ich sprach auch von meiner Reise , sie lobte diesen Entschluß sehr , und erzählte mir von den Verhältnissen verschiedener Hauptstädte , in denen sie in früheren Jahren zeitweilig gewohnt hatte . Sie erwähnte kurz auch manches über das äußere Ansehen der Länder , da sie eine große Freundin landschaftlicher Schönheiten war . Sie hatte eben in dem Augenblicke vor , wieder an den Gardasee zu gehen , den sie schon öfter besucht hatte . Das war auch die Ursache , daß sie noch so spät im Frühlinge in der Stadt war . Sie ersuchte mich , nach meiner Zurückkunft wieder bei ihr auf ein Weilchen zu erscheinen . Ich versprach es . Meine Reise wurde nun keinen Augenblick mehr verzögert . Ich nahm von den Meinigen Abschied , und fuhr eines Tages zu dem Tore unserer Stadt hinaus . Ich ging zuerst über die Schweiz nach Italien ; nach Venedig , Florenz , Rom , Neapel , Syrakus , Palermo , Malta . Von Malta schiffte ich mich nach Spanien ein , das ich von Süden nach Norden mit vielfachen Abweichungen durchzog . Ich war in Gibraltar , Granada , Sevilla , Cordoba , Toledo , Madrid und vielen anderen , minderen Städten . Von Spanien ging ich nach Frankreich , von dort nach England , Irland und Schottland , und von dort über die Niederlande und Deutschland in meine Heimat zurück . Ich war um einen und einen halben Monat weniger als zwei Jahre abwesend gewesen . Wieder war es Frühling , als ich zurückkehrte , die mächtige Welt der Alpen , der Feuerberge Neapels und Siciliens , der Schneeberge des südlichen Spaniens , der Pyrenäen und der Nebelberge Schottlands hatten auf mich gewirkt . Das Meer , vielleicht das Großartigste , was die Erde besitzt , nahm ich in meine Seele auf . Unendlich viel Anmutiges und Merkwürdiges umringte mich . Ich sah Völker , und lernte sie in ihrer Heimat begreifen und oft lieben . Ich sah verschiedene Gattungen von Menschen mit ihren Hoffnungen , Wünschen und Bedürfnissen , ich sah manches von dem Getriebe des Verkehres , und in bedeutenden Städten blieb ich lange , und beschäftigte mich mit ihren Kunstanstalten , Bücherschätzen , ihrem Verkehre , gesellschaftlichem und wissenschaftlichem Leben und mit lieben Briefen , die aus der Heimat kamen , und mit solchen , die dorthin abgingen . Ich kam auf meiner Rückreise früher in die Gegend des Asperhofes und des Sternenhofes als in meine Heimat . Ich sprach daher in beiden ein . Alles war sehr wohl und gesund , und fand mich sehr gebräunt . Hier erfuhr ich auch eine Veränderung , die mit meinem Vater vorgegangen war , und die sie mir in den Briefen verschwiegen hatten , damit ich überrascht würde . Alle seine Anspielungen , daß er plötzlich einmal in den Ruhestand treten werde , daß er sich , ehe man sichs versehe , auf dem Lande befinden werde , daß sich vieles ereignen werde , woran man jetzt nicht denke , daß man nicht wisse , ob man nicht den Reisewagen öfter brauchen könne , waren in Erfüllung gegangen . Er hatte sein Handelsgeschäft abgetreten , und hatte den auf einer sehr lieblichen Stelle zwischen dem Asperhofe und Sternenhofe gelegenen , verkäuflich gewordenen Gusterhof gekauft , den er eben für sich einrichten lasse . Man freute sich schon darauf , wie er sich in diesem neuen Besitztume häuslich und wohnlich niederlassen werde . Ich nahm mir nicht Zeit , diesen Hof , den ich von außen kannte , zu besuchen , weil ich Natalien , die mir wie ein Gut wieder gegeben worden war , nicht noch unnötig länger von meiner Seite entfernt wissen wollte . Nach innigem Empfange und Abschiede reiste ich zu meinen Eltern , und reiste Tag und Nacht , um bald einzutreffen . Sie wußten von meiner Ankunft , und empfingen mich freudig . Ich richtete mich sogleich in meiner Wohnung ein . Es war mir seltsam und wohltuend , den Vater jetzt immer zu Hause und ihn stets mit Plänen , Entwürfen , Zeichnungen umringt zu sehen . Er war während meiner Abwesenheit fünf Male in dem Gusterhofe und bei diesen Gelegenheiten öfter bei Mathilde oder Risach als Gast gewesen . Die Mutter und Klotilde hatten ihn zweimal begleitet . Er war in diesen zwei Jahren um ein gut Teil jünger geworden . Auch die Bewohner des Sternen- und Asperhofes hatten sich einmal im Winter bei meinen Eltern als Gäste eingefunden . Die Bande waren sehr schön und lieb geflochten . Gleich am ersten Tage meiner Anwesenheit im elterlichen Hause führte mich meine Mutter in die Zimmer , die für mich und Natalien als Wohnung hergerichtet worden waren , wenn wir uns in der Stadt aufhalten wollten . Ich hatte gar nicht gedacht , daß in dem Hause so viel Platz sei , so geräumig war