Der Herzog antwortete : » Wratislaw , bringe nicht einzelne Dinge in deine Worte ; über die einzelnen Dinge richten die Höfe , zu denen sie gehören . Du hast deinen Hof zu Chynow in dem Streite um ihn durch den Spruch des Gerichtshofes verloren . « » Du bist der Gerichtshof gewesen « , rief Wratislaw . » Das beantworte ich nicht « , sagte der Herzog , » oder ich müßte über dich ein Gericht halten lassen , was dem sicheren Geleite zuwider wäre , das ich euch versprochen habe . « » Und wenn du nicht Macht und Gut in die Hände der Fürsten der Länder und in die Hände der hohen Diener der Länder legen wolltest « , rief Wratislaw , » so hast du sie in die Hände geringerer Leute gelegt . Den niederen Mann Odolen , dessen Vater nichts ist , und den Knaben Witiko , dessen Herkunft man nicht kennt , welche beide aber bei Pilsen die hohen Sprossen des Stammes Premysl gedemütigt haben , hast du zu Macht und Gut und Ehren erhöht , daß sie den alten treuen Lechen des Landes ein Widerstreit sind . Odolen wird übermütig werden , und den edeln Söhnen des Landes Ärgernis geben , und Witiko wird ein Leche werden , das Waldland , das unter der sanften Hand der Herzoge war , als seinen Hof betrachten , der ihm Nahrung gibt , und wird es drücken und berauben . « » Odolen , rede « , sagte der Herzog . » Ich rede nicht « , antwortete Odolen . » Witiko , rede « , sagte der Herzog . Witiko sprach : » Ich rede , weil ich allein bei Pilsen eigenmächtig gehandelt habe , und ich rede aus Achtung vor der Abstammung von dem hochehrwürdigen Premysl . Wratislaw , ich habe euch bei Pilsen durch einen Fehler gegen die Oberhoheit des erlauchten Herzoges die Freiheit , die ihr vor der Überzahl unserer Männer schon verloren hattet , gegeben , um Blutvergießen im Kriege und anderes Unheil zu vermeiden . Der hohe Herzog hat mir den Fehler in Gnade verziehen . Welchen Sinn die Fürsten , die ich befreit habe , fortan gegen mich tragen werden , das habe ich damals nicht bedacht . Ob ich das Waldland bedrücken werde oder nicht , wird in der Zeit bekannt werden . Die Männer des Waldes sind durch keine andere Macht mit mir in den Krieg gegangen als durch mein Wort und ihren guten Willen gegen mich . So wird es bleiben , und sie werden eine Sache nicht verlassen , wenn ein Unglück kömmt , wie sie von dem Berge Wysoka , auf dem wir euch nicht besiegen konnten , nach Prag zur Verteidigung des Herzogstuhles gegangen sind . Wer durch Zwang folgt , verläßt im Unglücke den Zwinger , wie Tausende von Männern nach der Schlacht bei Znaim von den Mährern abgefallen sind . « » Wladislaw , du hast dem Manne zu reden erlaubt , nicht ich « , sagte Wratislaw , » ich spreche daher nur weiter zu dir . Du hast den Jüngling Welislaw als Zupan auf den heiligen Wysehrad gesetzt , wohin ein edler gereifter Sohn des Landes gehörte . « » Welislaw , rede « , sagte der Herzog . Welislaw antwortete : » Wie Odolen nicht geredet hat , so rede ich auch nicht . « » Ich aber spreche zu dir , Wratislaw « , sagte der Herzog . » Wie in allen früheren Zeiten die Herzoge die , welche im Kriege , im Rate und in anderen Angelegenheiten und Fährlichkeiten des Landes Dienste getan haben , belohnt haben , so habe ich die , welche in den schweren Jahren , die jetzt vergangen sind , ihre Taten in Blut und Gut dargebracht haben , belohnt . Es sind die Hohen und die Niederen belohnt worden . Es ist gesetzt worden , daß Beschwerden in der Sache der Belohnungen in die Kammer des Herzoges kommen dürfen , und daß den Beschwerden abgeholfen werden würde , so es möglich ist . Es sind nur wenige Einwendungen gekommen , und diese sind gehoben worden , weil auch die Belohnungen früher in dem Rate beschlossen worden sind . Du hast wieder von einzelnen Dingen gesprochen , Wratislaw . Alle einzelnen Dinge sind den Männern , die in diesem Saale sitzen , bekannt . Die Forderungen , welche die Fürsten gestellt haben , sind den Männern bekannt , und es ist vor dieser Versammlung alles , was in euern Sachen aufgeschrieben worden ist , kund gemacht worden . Du hast Beschwerden gegen den Herzog , weil er der Herzog ist , nicht gemacht . So frage darum ich : Habe ich unschuldiges Blut vergossen ? Habe ich einen Pfennig aus dem Lande gepreßt ? Habe ich meinem Gerichtshofe die Urteile befohlen ? Habe ich das Landesgut verschleudert ? Habe ich der Trägheit gepflogen ? Habe ich die Diener der Kirche und des Landes geschmälert , und gekränkt ? « Alle schwiegen auf diese Worte des Herzoges . Dann sprach der Herzog Wladislaw wieder : » Weil wir die Söhne des Stammes Premysl , welche in den Waffen gegen uns gestanden sind , eingeladen haben , zu kommen , und ihre Klage zu sprechen , und weil sie gekommen sind , und gesprochen haben : so sagen nun die hohen und die niederen Herren der Länder Böhmen und Mähren , welche in diesem Saale versammelt sind , ihre Meinung über das , was gesprochen worden ist . Otto , hochehrwürdiger Bischof von Prag , rede . « Otto , der Bischof von Prag , erhob sich von seinem Sitze , und sprach : » Wladislaw , erlauchter Herzog der Länder Böhmen und Mähren , du hast einen andern Weg nach den Herzogskämpfen der Landeskinder gegen die Landeskinder zu wandeln beschlossen , als manche Herzoge vor dir getan haben . Die Herzoge haben ihre Sippen , welche gegen sie die Waffen erhoben hatten , um die Nachfolge zu stören , nach der Besiegung gestraft . Sie mußten oft an der Freiheit und oft an ihrem Leibe büßen . Du wolltest deinen Sippen , wenn sie eine hinreichende Beschwerde haben , Recht widerfahren lassen , und hast deine Herren der Kirche und des Landes berufen , sie zu hören . Du hast deine Sippen berufen , und hast ihnen zugesichert , daß sie unbeschädigt kommen und wieder gehen dürfen . Sie sind gekommen , und haben gesprochen . Und weil ihre Beschwerden nicht hinreichend sind , so erkenne ich , daß sie gefehlt haben , und daß sie dich in der gebührenden Art um Verzeihung bitten sollen . Du , hoher Herr , wirst ihnen gnädig sein . « Nach diesen Worten setzte sich der Bischof wieder nieder . Der Herzog Wladislaw sprach : » Diepold , rede . « Diepold stand auf , und sprach : » Du bist der Herzog der beiden Länder und der Wladyk unseres Stammes . Einige deiner Sippen haben die Waffen gegen dich gekehrt , weil sie ihren Willen gegen den deinigen setzen wollten . Und hätten sie sonst was immer für Beschwerden , denen man gerecht werden müßte , so ist es doch an dem , daß sie ihres Aufruhres willen dich um Verzeihung bitten müssen . Du wirst mild sein und nicht Rache üben . « Er setzte sich wieder nieder . Der Herzog sprach : » Heinrich , rede . « Heinrich sprach : » Sie haben gegen dich , den Herzog und Wladyk , Krieg geführt , und müssen dieser Tat wegen um Verzeihung bitten . Du wirst sie ihnen aber auch gewiß gewähren . « Dann sprach der Herzog : » Silvester , ich habe dich bitten lassen , zu kommen , sage uns jetzt deine Meinung . « Silvester stand auf . Sein weißer Bart floß auf das Kleid seines Klosters hernieder , und seine blauen Augen blickten auf die mährischen Fürsten , die auf ihren Stühlen saßen . Einen Augenblick sagte er nichts . Dann aber sprach er : » Hocherlauchter Herr , als dich die Versammlung der hohen und niederen Herren der Länder Böhmen und Mähren auf dem Wysehrad zum Herzoge gewählt hatten , bin ich der Meinung gewesen , daß die Wahl nicht giltig ist , und daß du der Herzog nicht bist , weil in unseren Ländern überall kein Recht vorhanden ist , den Herzog zu wählen , und weil die hohen und niederen Herren der Länder Böhmen und Mähren für den Tod des Herzoges Sobeslaw schon seinen Sohn Wladislaw als seinen Nachfolger mit ihrem Eide anerkannt hatten . Als aber Wladislaw , der Sohn Sobeslaws , sein Recht aufgegeben und sich unter Konrad von Znaim gestellt hatte , bist du in der Art der Herzog geworden , wie es alle vor dir seit der Aufhebung des Altererblichkeitsgesetzes geworden sind , durch die Tatsache und die Macht . Und es mußte so sein , weil sonst so lange kein Herzog möglich wäre , als bis ein Nachfolgegesetz gemacht wird . Alle Guten sind zu dir gegangen , und mein Sinn ist auch bei dir gewesen . Darum meine ich , daß der Krieg deiner Sippen gegen dich , als ihren Herzog , Aufruhr gewesen ist , und daß er Auflehnung gegen dich , als ihren Wladyk , gewesen ist . Sie müssen daher in der Demut , die in dem Lande gebräuchlich ist , um Verzeihung bitten . Wer deine Handlungen beobachtet hat , weiß , was du tun wirst . Ich danke dir , hocherlauchter Herr , daß du mich gerufen hast , meine Meinung in dieser großen Sache vor dieser hohen Versammlung zu sagen . « Nach diesen Worten setzte sich Silvester wieder auf seinen Sitz nieder . Hierauf sagte der Herzog : » Daniel , Propst von Prag , rede . « Daniel sprach : » Meine Rede ist kurz . Der Aufruhr deiner Sippen gegen dich , den Herzog und Wladyk , ist da gewesen , und die Sippen sollen in gebräuchlicher Art die Verzeihung erflehen . « Dann sagte der Herzog : » Gezo , Abt von Strahow , rede . « Gezo , der Abt von Strahow , aber sprach : » Ich rede , wie Daniel , der Propst von Prag , geredet hat . « Und wie Gezo sprachen auch die andern Äbte und Priester . » Und was sprichst du , Bolemil ? « fragte der Herzog . » Ich spreche « , antwortete Bolemil , » machet ein Herzogs-Nachfolgegesetz , und macht Einrichtungen , daß es gehalten werden muß . Jetzt aber ist es das Recht und der Gang der Dinge wie immer , daß deine Sippen deine Verzeihung erflehen . « » Und was spricht Diwis ? « fragte der Herzog . Diwis antwortete : » Ich spreche wie Bolemil . « » Und was spricht Lubomir ? « fragte der Herzog . Lubomir antwortete : » Ich spreche , daß deine Sippen , welche hier vor uns sitzen , freventlich gegen dich im Aufruhre gewesen sind , weil in den Schriften und in ihren Worten kein Anlaß enthalten ist , der sie dazu gezwungen hat . Sie müssen dich daher um Verzeihung anflehen . Du aber , hoher Herr , sei mild , und gewähre sie ihnen . « Und so wie die Männer , welche von dem Herzoge gerufen worden waren , gesprochen hatten , so sprachen alle hohen und niederen Herren der Länder Böhmen und Mähren , welche in dem Saale versammelt waren . Sie sagten , die Fürsten müssen um Verzeihung bitten . So sagte jeder , und kein einziger sagte das Gegenteil . Als alle Männer ihr Urteil deutlich ausgesprochen hatten , sagte der Herzog : » Ihr habt gehört , Abkömmlinge des Stammes Premysl , die ihr im Kriege gegen mich gewesen seid , was die Herren hier gesagt haben . Ich füge nichts bei . Mit dir aber , Wladislaw , spreche ich noch . Du hast den schwersten Vorwurf gegen mich erhoben , des Raubes des Herzogstuhles . Dein Vater hat den Vorgang , durch den ich Herzog wurde , begonnen . Er hat auf dem Tage in Sadska die Herren der Länder Böhmen und Mähren veranlasset , daß sie schwuren , dich als Herzog zu erkennen , wenn er gestorben sein würde . Er hat so fast das Recht , den Herzog zu ernennen , in die Hände der Herren gelegt . Und die Herren haben dieses Recht gebraucht , und haben mich zum Herzoge gewählt . Sie haben vor der Wahl gesagt , sie hätten dich mit ihrem Eide als Nachfolger anerkannt im offenbaren Sinne , daß dein Vater noch so lange lebe , bis du gereift , und zur Herrschaft unterrichtet bist . Als aber dein Vater todkrank wurde , ehe sich der Sinn des Eides erfüllen konnte , war der Eid erloschen . Die Herren wählten statt eines Jünglinges , der noch nicht herrschen konnte , einen Mann , von dem sie vermuteten , er werde es können . Ich zauderte vor der Wahl ; aber sie sagten , es sei die Pflicht meines Herzens , daß ich die Herrschaft nehme , und ich nahm sie . Die mich wählten , um in dem Lande schalten zu können , sind im Irrtume gewesen . Und wenn ich damals selbst unrechtmäßig Herzog gewesen wäre , so ist dein Recht erloschen , Wladislaw , als du dich Konrad unterworfen hattest , den die , welche an meiner Stelle nicht herrschen konnten , zum Herzoge gewählt haben . Und ist dein Recht erloschen , so ist das meinige auferstanden . So sind die Dinge , Wladislaw , und so hat dein Vater ahnend vor dem Sterben gesagt : Unterwirf dich Wladislaw , Nacerat wird gegen ihn nicht siegen . « » Du hast die Macht , und deine Anhänger sagen , du hast das Recht « , antwortete Wladislaw . » Ich habe zu dir gesprochen « , sagte der Herzog . Dann rief Wratislaw : » Du hast von Schriften geredet , in denen von Beschwerden zu lesen ist , und welche du den Herren , die hier versammelt sind , vorgelegt hast . Wer weiß es , welche Papiere du gezeigt hast . « Der Herzog Wladislaw antwortete : » Wenn ich hätte ungebührlich handeln wollen , Wratislaw , hätte ich euch nicht hieher berufen , sondern euch bloß verfolgt . « » Und wenn ich zu Grunde gehen und in die Erde versinken sollte « , rief jetzt Wratislaw mit lauter Stimme , » so werde ich nicht um Verzeihung bitten . « » Du hast gesprochen « , sagte der Herzog , » was reden die andern ? « » Ich werde nicht um Verzeihung bitten « , sagte Konrad . » Ich werde auch nie deine Verzeihung anflehen « , sagte Otto . » Mir kömmt eine Bitte um Verzeihung nicht zu « , sagte Leopold . » Mir auch nicht « , sprach Spitihnew . » Und da ich zu meinem Vater nicht gesagt habe : Ich unterwerfe mich Wladislaw , so unterwerfe ich mich auch jetzt nicht « , sagte Wladislaw , der Sohn des vorigen Herzoges Sobeslaw . » Ihr habt gesprochen « , sagte der Herzog Wladislaw , » und was ihr tun werdet , ist eure Sache . Die nicht um Verzeihung bitten , haben noch einen Monat Frist , und dann können sie ungeschädigt dorthin gehen , woher sie gekommen sind . « Nach diesen Worten schwieg der Herzog eine kleine Zeit , dann wendete er sich gegen Guido , den Abgesandten des Heiligen Vaters , und sprach : » Guido , hocherhabener Kardinal , hochehrwürdiger Abgesandter des Heiligen Vaters Innozenz , die Söhne dieses Landes haben jetzt eine Sache dieses Landes abgehandelt . Weil Ihr in das Land gekommen seid , zu schlichten , und zu richten , ist es Euch genehm , einige Worte zu reden ? « Guido antwortete : » Hocherlauchter Herzog , ich werde im Berufe meiner Sendung meine schwachen Worte verkündigen . Konrad , Wratislaw , Otto , die ihr Macht in dem Lande Mähren gehabt habet , ihr habt diese Macht gegen die hocherhabene Kirche und gegen den rechtmäßigen Herzog gewendet . Es sind Ärgernisse in die Seelen und Blutvergießen in die Leiber gekommen . Zur Milderung dient es euch , daß ihr vielleicht nicht wußtet , wie groß die Sünde ist , die ihr begangen habt ; aber so groß ist sie , daß der hochehrwürdige Bischof von Mähren , Zdik , den Bann über das ganze Land Mähren in Kraft seiner Apostelswürde aussprechen mußte . Ihr habt aber die Größe eurer Sünde nicht erkannt , oder seid halsstarrig geblieben . So groß ist die Sünde , daß der Heilige Vater den Bann nicht nur bestätigte , sondern ihn verschärfte . Und ihr seid dennoch in der Sünde geblieben . In das dritte Jahr liegt die Traurigkeit des Bannes auf dem unglücklichen Lande . Alle Seelen , die nach den Labnissen des Glaubens schmachteten , alle Seelen , die in Wirrsale gestürzt wurden , alle Seelen , die irrten , und alle Seelen , die durch den Bann verloren gingen , schreien zu Gott dem Allmächtigen um Sühnung gegen die , welche den Bann verschuldet haben . So groß ist die Sünde , daß der Heilige Vater in seiner Erbarmnis eine Sendung in das Land zur Ermahnung , zur Ordnung , zur Schlichtung , zur Sühnung beschlossen , und daß er mich geringes Werkzeug dazu auserkoren hat , der ich aus geistlichem Gehorsame gekommen bin . Ehe ich kam , hat Gottes Langmut euch schon einen Teil eurer Schuld büßen lassen . Ihr seid in dem Kriege gegen euern rechtmäßigen Herzog besiegt worden , habt eure Macht und eure Bezüge verloren , und seid in dem fremden Lande in der Verbannung , oder wie Flüchtlinge auf der heimatlichen Erde . Und doch habt ihr nicht erkannt , was durch euch geschehen ist . Viele Mühsal und viele Worte sind dann um eurer Erbitterung willen , um eurer Rachsucht willen , um eurer Herrschgierde willen angewendet worden , und sind vergeblich gewesen . Jahre sind darüber hingegangen . Endlich hat sich Gottes Güte eurer erbarmt , und hat euer Herz erweicht . Ihr und das Volk habt geschworen , daß ihr der Kirche und euerm Bischofe die völlige Genugtuung geben wollet . Ich bin darauf mit meinem Geleite zu Regimbert , dem hochehrwürdigen Bischofe von Passau , gegangen , bei welchem euer Bischof Zdik gewesen ist . Euer Bischof ist mit mir und mit meinem Geleite nach Prag gezogen . Ihr wisset , er ist hier . Er wollte nicht unter euern Richtern sein , darum ist er nicht in diesem Saale . Aber vor dieser hohen und ehrwürdigen Versammlung der mächtigsten und besten Söhne der Länder Böhmen und Mähren , der höchsten Priester und der höchsten Herren müsset ihr euern Schwur verkündigen , und vor dem Angesichte des hochehrwürdigen Bischofes Zdik müßt ihr ihn verkündigen , wenn er der tiefe , der ernste , der heilige Schwur ist . « » Ich habe nie einen Schwur gebrochen « , rief Wratislaw . » Ich auch nicht « , rief Konrad . Und so riefen auch die andern . » Weil es so ist « , sagte der Kardinal Guido , » so werdet ihr es der Versammlung und dem Bischofe sagen , daß ihr auf das Kreuz des Heilandes geschworen habt , der Kirche und dem Bischofe von Mähren die völlige Genugtuung zu leisten . Und ich bitte dich , Konrad , rede . « Konrad stand auf , und sprach : » Weil Ihr bittet , hocherhabener Kardinal , so sage ich : Ich habe auf das Kreuz des Heilandes geschworen , der Kirche und dem Bischofe von Mähren die völlige Genugtuung zu leisten . « Dann sprach Guido : » Ich bitte dich , Wratislaw , rede . « Wratislaw stand auf , und sprach : » Wenn Ihr nicht eine Bitte getan hättet , hocherhabener Kardinal , hätte ich nicht geredet , so aber sage ich : Ich habe auf das Kreuz des Heilandes geschworen , der Kirche und dem Bischofe von Mähren die völlige Genugtuung zu leisten . « Dann sprach Guido : » Ich bitte dich , Otto , rede nun auch du . « Otto stand auf , und sprach : » Aus dem Grunde Eurer Bitte , hocherhabener Kardinal , sage ich : Ich habe auf das Kreuz des Heilandes geschworen , der Kirche und dem Bischofe von Mähren die völlige Genugtuung zu leisten . « » Ihr habt nun vor dieser hohen Versammlung gesprochen « , sagte der Kardinal Guido , » es ist nun übrig , daß ihr auch in der Versammlung vor dem hochehrwürdigen Bischofe sprecht , und ich bitte euch darum . « » Weil ich schon geschworen habe , so bin ich der Mann , daß ich es sage « , sprach Wratislaw . » Ich rede auch so « , sprach Konrad . » Und meine Worte sind die nämlichen « , sprach Otto . Nachdem die Fürsten von Mähren diese Worte gesprochen hatten , wurden die Flügel einer Tür geöffnet , und im Geleite mehrerer Priester ging Zdik , der Bischof von Olmütz , in seinem bischöflichen Gewande und mit dem goldenen Kreuze in den Saal . Er setzte sich auf einen Stuhl , der neben Otto , dem Bischofe von Prag , für ihn in Bereitschaft stand . Als dieses geschehen war , sprach Guido , der Kardinal : » Zdik , hochehrwürdiger Bischof von Olmütz , Bischof des Landes Mähren , die Sprossen des hohen Stammes Premysl , welche gegen die Kirche in Mähren und gegen dich gefehlt haben , sind des Fehls geständig und reuig , und haben auf das Kreuz des Heilandes geschworen , der Kirche und dir die völlige Genugtuung zu leisten . Ist es nicht so ? Ich bitte dich , Konrad , rede . « » Es ist so « , sagte Konrad . » Ich bitte dich , Wratislaw , sprich « , sagte Guido . » Es ist so « , sprach Wratislaw . » Ich bitte dich , Otto , rede « , sagte Guido . » Es ist so « , sagte Otto . Dann sprach Guido , der Kardinal : » Leopold , Spitihnew , Wladislaw , ihr seid nicht mit einem großen Länderbesitze in Mähren seßhaft gewesen , und habt der Kirche und dem hochehrwürdigen Bischofe nicht Einkünfte , Pfründen und Güter entzogen ; aber ihr habt sonst gegen die Kirche und gegen den hochehrwürdigen Bischof gefehlt , und habt auf das Kreuz des Heilandes den Schwur abgelegt , jede christliche Genugtuung , die nötig ist , der Kirche und dem Bischofe zu leisten . Ich bitte euch , saget dem hochehrwürdigen Bischofe vor dieser hohen Versammlung , daß ihr so geschworen habt . « » Ich habe so geschworen « , sagte Leopold . » Ich habe so geschworen « , sagte Spitihnew . » Ich habe so geschworen « , sagte Wladislaw . Darauf sprach Guido : » Und was ihr alle geschworen habt , wird geschehen . Der hochehrwürdige Bischof wird in das Land Mähren zurückkehren , ich werde in seinem Geleite sein , und die Genugtuung wird vollzogen werden . « Nach diesen Worten stand Zdik , der Bischof von Olmütz , auf , und sprach : » Ich werde in Ehrerbietung , hocherhabener Kardinal , wenn Ihr wieder mein Kirchenland besuchen wollet , ein Diener in Euerm Gefolge sein . Und wenn die Genugtuung geschehen ist , Söhne des Stammes Premysls , so soll das Vergangene vergessen sein , ich werde mit denen , die im Lande sind , in christlicher Demut leben , und die nicht in dem Lande sind , werde ich segnen , und werde für sie beten . « Er setzte sich dann wieder auf seinen Stuhl nieder . Darauf sprach Guido , der Kardinal : » Und nun höret mich weiter , Sprossen des Geschlechtes Premysl . Ich rede jetzt als Christ , ich rede als Priester , ich rede als Abgesandter des Stuhles der Menschheit , und ich rede mit der Zunge der Barmherzigkeit des Heiligen Vaters . Und was ich sage , gilt , welchem Lande ich immer angehöre , und welchem Lande ihr angehöret . Wenn ihr durch Reue , Buße und Genugtuung euch mit der Kirche und dem Bischofe von Mähren ausgesöhnt habt , so ist eure Sünde noch nicht getilgt . Ihr habt auch gegen euren rechtmäßigen Herrn , den Herzog von Böhmen und Mähren , gefehlt , da ihr mit den Waffen gegen ihn gestanden seid , da ihr das Blut der Seinen vergossen habt , und da ihr ihn gezwungen habt , das Blut der Eurigen zu vergießen . Ihr habt eine schwere Sünde gegen den heiligen Glauben begangen , der sagt , daß ihr der Obrigkeit gehorchen sollet , und der sagt , daß ihr nicht töten sollet . Ihr habet die Sünde der hoffärtigen Engel begangen , ihr habet die Sünde Kains begangen . Und wie heilig und wie groß der Glaube ist , gegen den ihr gesündiget habt , soll ich euch das sagen ? Haben es nicht die weisesten Männer aller Länder , haben es nicht die Männer , die wie eine Sonne unter den Völkern leuchteten , haben es nicht die Männer , welche von der ganzen Menschheit verehrt wurden , gezeigt ? Haben sie nicht mit ihrem Leben nach dem Glauben gerungen , durch den der Mensch zu Gott gelangt , und ohne den er nichts ist ? Ich rede nicht von den Apostelmännern Cyrillus und Methodius und ihren unsäglichen und unablässigen Bemühungen , mit denen sie bestrebt waren , dem Lande Mähren den Glauben zu geben , ich rede nicht von den tausend Martyrern , die in allen Teilen der Welt zu allen Zeiten für den Glauben gestorben sind , ich rede von den Heiligen des Landes Böhmen und von Männern des Landes Böhmen . Der heilige Wenzel , Herzog von Böhmen , baute die Kirche des heiligen Veit , und legte in sie einen Arm des heiligen Veit nieder , er gründete andere Kirchen , er tat demütig Dienste bei den gottesdienstlichen Handlungen , er betete in härenem Gewande , er fastete , und gab Almosen , und starb den Tod des Martyrers für den Glauben . Der heilige Adalbert ging in geringen Gewändern , und aß und trank nur zur Notdurft , und verwendete seinen Reichtum für den Glauben , er lebte nach den Vorschriften des Glaubens , und gab den Armen einen Teil seiner Einkünfte . An jedem Feiertage gab er den Bettlern große Almosen , an jedem Tage hatte er zwölf Arme bei sich , denen er in Erinnerung an die zwölf Apostel Speise und Trank reichte . Er ging in Mühsal in fremde Länder , den Glauben zu predigen , und litt dort den Tod für den Glauben . Und wie hoch haben die Menschen den heiligen Adalbert geehrt . Da der Fürst Bretislaw vor mehr als hundert Jahren von dem Kriege gegen Polen mit seinem Heere zurückkehrte , und die Nachricht sich erhob , daß er den Leichnam des heiligen Adalbert aus der Stadt Gnesen , dem Sitze der polnischen Fürsten , bringe , zog die ganze Priesterschaft von Prag und alles Volk dem Heere entgegen , daß das breite Feld am Bache Rokytnice die Menge der Menschen nicht faßte . Dann trugen der Herzog Bretislaw und der Bischof von Prag auf ihren Schultern den Schrein , in welchem der Leichnam des heiligen Adalbert war . Nach ihnen kamen die Äbte , und trugen die irdischen Überreste der fünf heiligen Einsiedler , die zur Zeit des polnischen Boleslaw den Martyrertod erlitten hatten . Dann trugen Erzpriester der Kirche von Prag den Leichnam Radims , des Bruders des heiligen Adalbert , welcher der erste Erzbischof von Gnesen gewesen war . Dann kamen die Kleinode , die zu Adalberts Grab gehört hatten , das hinter dem Altare der Kirche zu Gnesen gewesen war . Zwölf Priester trugen das goldene Kreuz , das der polnische Boleslaw hatte machen lassen , dreimal so schwer als er selber . Dann wurden drei goldene Tafeln getragen , die den Altar in Gnesen umgeben hatten , davon die größte dreihundert Pfund wog , und mit edlen Steinen besetzt war . Dann kam das Heer , und es kamen alle Menschen . Zuletzt gingen hundert Wägen , welche die Beute führten , und es gingen die Gefangenen . Sie gingen zuletzt , weil sie nicht zu der Verherrlichung Adalberts gehörten . Prag hat nie einen solchen Tag gesehen . Ich spreche weiter von andern Männern . Der Bischof Izzo besuchte eifrig die Gefangenen und Kranken , und speisete täglich vierzig Arme , denen er den Tisch segnete , und denen er die Speisen und Getränke austeilte . Der Herzog Spitihnew wohnte in der Fastenzeit in dem Priesterhause zu Prag , in ein Priestergewand gekleidet . Er schwieg von der ersten Abendstunde bis zu der ersten Morgenstunde , er brachte den Vormittag in geistlichen Dingen , beim Gottesdienste , in Almosengeben , in Wachen und Beten zu , und erst nach dem Mittagmahle übte er die weltlichen Geschäfte . Der Bischof Jaromir ging in der Fastenzeit in jeder Nacht in grobe Leinwand gekleidet in die Kirche , und betete dort auf dem Pflaster . Und in jeder Nacht teilte er vor den Psalmen und nach den Psalmen , und nach der Frühmesse , die noch in der Nacht war , vierzig Laibe Brod und vierzig Heringe aus , und bei der Morgendämmerung wusch er zwölf Pilgern die Füße , und gab jedem einen Denar , und am Mittage aß er mit vierzig Armen . Und zu jeder andern Zeit des ganzen Jahres