das Gehörte ist noch zu mächtig und neu in mir , als daß ich jetzt die Worte des Dankes finden könnte . Nur eins berührt mich fast wie ein Schmerz , daß Ihr mit Mathilden nach Eurer Wiedervereinigung nicht in einen nähern Bund getreten seid . « Der Greis errötete bei diesen Worten , er errötete so tief und zugleich so schon , wie ich es nie an ihm gesehen hatte . » Die Zeit war vorüber , « antwortete er , » das Verhältnis wäre nicht mehr so schön gewesen , und Mathilde hat es auch wohl nie gewünscht . « Er war schon früher aufgestanden , jetzt reichte er mir die Hand , drückte die meine herzlich , und verließ das Zimmer . Ich blieb eine geraume Weile stehen , und suchte meine Gedanken zur Sammlung zu bringen . Das wäre mir nie zu Sinne gekommen , als ich zum ersten Male zu diesem Hause heraufstieg und des andern Tages seinen Inhalt : sah , daß alles so kommen würde , wie es kam , und daß das alles zu meinem Eigentume bestimmt sei . Auch begriff ich jetzt , weshalb er meistens , wenn er von seinem Besitze sprach , das Wort unser gebrauchte . Er bezog es schon auf Mathilden und ihre Kinder . Nachdem ich noch eine Zeit in meiner Wohnung verweilt hatte , verließ ich sie , um in frischer Luft einen Spaziergang zu machen und noch das Gehörte in mir ausklingen zu lassen . 5. Der Abschluß Am nächsten Tage ging ich im Laufe des Vormittages zu einer Stunde , an welcher ich meinen Gastfreund weniger beschäftigt wußte , in gewähltem Anzuge in seine Stube , und dankte ihm innig für das Vertrauen , welches er mir geschenkt habe , und für die Achtung , welche er mir dadurch erweise , daß er mich würdig erachte , Nataliens Gatte zu werden . » Was das Vertrauen anbelangt , « erwiderte er , » so ist es natürlich , daß man nicht jeden , der uns ferne steht , in unsere innersten Angelegenheiten einweiht ; aber eben so natürlich ist es , daß derjenige , der für die Zukunft einen Teil , ich möchte sagen , unserer Familie ausmachen wird , auch alles wisse , was diese Familie betrifft . Ich habe Euch das Wesentlichste gesagt , einzelne kleine Umstände , die der Vorstellungskraft nicht immer gegenwärtig sind , ändern wohl an der Sachlage nichts . Was die Hochachtung anbelangt , die darin liegt , daß ich Euch zu Nataliens Gatten geeignet erachte , so habt Ihr vor allen Männern dieser Erde den unermeßlichen Vorzug , daß Euch Natalie liebt , und Euch und keinen andern will ; aber auch trotz dieses Vorzuges würden Mathilde und ich , dem man hierin ein Recht eingeräumt hat , nie eingewilligt haben , wenn uns Euer Wesen nicht die Zuversicht eingeflößt hätte , daß da ein dauernd glückliches Familienband geknüpft werden könne . Was die Hochachtung anbelangt , die ich Euch , abgesehen von dieser Angelegenheit , schuldig bin , so habe ich meiner Meinung nach Euch die Beweise derselben gegeben . Wenn ich auch gedacht habe , Ihr dürftet Nataliens künftiger Gatte sein , so war der Eintritt dieses Ereignisses so unbestimmt , da es ja auf die Entstehung einer gegenseitigen Neigung ankam , daß der Gedanke daran auf mein Benehmen gegen Euch keinen Einfluß haben konnte , ja im Verlaufe der Zeiten war der Gedanke erst der Sohn meiner Meinung von Euch . « » Ihr habt mir wirklich so viele Beweise Eures Wohlwollens und Eurer Schonung gegeben , « antwortete ich , » daß ich gar nicht weiß , wie ich sie verdiene ; denn Vorzüge von was immer für einer Art sind gar nicht an mir . « » Das Urteil über den Grund , woraus Achtung und Neigung oder Mißachtung und Abneigung entsteht , muß immer andern überlassen werden ; denn wenn man zuletzt auch annähernd weiß , was man in einem Fache geleistet hat , wenn man sich auch seines guten Willens im Wandel bewußt ist , so kennt man doch alle Abschattungen seines Wesens nicht , in wie ferne sie gegen andere gerichtet sind , man kennt sie nur in der Richtung gegen sich selbst , und beide Richtungen sind sehr verschieden . Übrigens , mein lieber Sohn , wenn es auch ganz in der Ordnung ist , daß man in der Gesellschaft der Menschen einen gewissen Anstand und Abstand in Kleidern und sonstigem Benehmen zeigt , so wäre es in der eigenen Familie eine Last . Komme also in Zukunft in deinen Alltagsgewändern zu mir . Und wenn ich auch kein Verwandter deiner Braut bin , so betrachte mich als einen solchen , wie etwa als ihren Pflegevater . Es wird schon alles recht werden , es wird schon alles gut werden . « Er hatte bei diesen Worten die Hand auf mein Haupt gelegt , sah mich an , und in seinen Augen standen Tränen . Ich hatte nie im Verkehre mit mir die Augen dieses Greises naß werden gesehen ; ich war daher sehr erschüttert , und sagte : » So erlaubt mir , daß ich in dieser ernsten Stunde auch meinen Dank für das ausspreche , was ich in diesem Hause geworden bin ; denn wenn ich irgend etwas bin , so bin ich es hier geworden , und gewährt mir in dieser Stunde auch eine Bitte , die mir sehr am Herzen liegt : erlaubt , daß ich Eure ehrwürdige Hand küsse . « » Nun , nur dieses eine Mal , « erwiderte er , » oder höchstens noch einmal , wenn du mit Natalien , die ein Kleinod meines Herzens ist , von dem Altare gehst . « Ich faßte seine Hand und drückte sie an meine Lippen ; er legte aber die andere um meinen Nacken und drückte mich an sein Herz . Ich konnte vor Rührung nicht sprechen . » Bleibe noch eine Weile in diesem Hause , « sagte er später , » dann gehe zu den Deinigen und leiste ihnen Gesellschaft . Dein Vater bedarf deiner Person auch . « » Darf ich den Meinigen Eure Mitteilung erzählen ? « fragte ich . » Ihr müßt es sogar tun , « antwortete er , » denn Eure Eltern haben ein Recht , zu wissen , in welche Gesellschaft ihr Sohn durch Schließung eines sehr heiligen Bundes tritt , und sie haben auch ein Recht , zu wünschen , daß ihr Sohn nicht Geheimnisse vor ihnen habe . Ich werde übrigens wohl selber mit Eurem Vater über dieses und viele andere Dinge sprechen . « Wir beurlaubten uns hierauf , und ich verließ das Zimmer . Den Rest des Vormittages verbrachte ich mit Abfassung eines Briefes an meine Eltern . Am Nachmittage suchte ich Gustav auf , und er erhielt die Erlaubnis , mit mir einen weiteren Weg in der Gegend zu machen . Wir kamen in der Dämmerung zurück , und er mußte die Zeit , welche er am Tage verloren hatte , bei der Lampe nachholen . Unter Arbeiten in meinen Papieren , in welche ich einige Ordnung zu bringen suchte , im Umgange mit meinem Gastfreunde , der mir leutselig manche Zeit schenkte , unter manchem Besuche im Schreinerhause , wo Eustach sehr beschäftigt war , oder bei seinem Bruder Roland , der jeden lichten Augenblick des Tages zu seinem Bilde benützte , und endlich unter manchem weiten Gange in der Umgebung , da dieser Winter der erste war , den ich so tief im Lande zubrachte , verging noch die Zeit bis gegen die Mitte des Hornung . Ich nahm nun Abschied , sendete meine Sachen auf die Post nach Rohrberg und ging zu Fuße nach , harrte dort der Ankunft des Wagens aus dem Westen , erhielt , da er gekommen war , einen Platz in ihm , und fuhr meiner Heimat zu . Ich wurde , wie immer , sehr freudig von den Meinigen gegrüßt , und mußte ihnen von der Winterreise im Hochgebirge erzählen . Ich tat es , und erzählte ihnen in den ersten Tagen auch , was mir mein Gastfreund mitgeteilt hatte . Es war ihnen bisher unbekannt gewesen . » Ich habe Risach oft nennen gehört , « sagte mein Vater , » und stets war der Ausdruck der Hochachtung mit der Nennung seines Namens verbunden . Von der Familie , welche Heinbach besaß , habe ich nur Alfred flüchtig gekannt . Mit Tarona war ich einmal in einer entfernten Geschäftsverbindung gestanden . « Die Jugendbeziehungen meines Gastfreundes zu Mathilden mußten sehr geheim gehalten worden sein , da weder je der Vater noch irgend jemand aus seiner Bekanntschaft von dieser Sache etwas gehört hatte , obwohl über ähnliche Gegenstände die Sprechlust am regesten zu sein pflegt . Daß meine Mitteilungen auf meine Angehörigen nach dem Bunde mit Natalien den größten Eindruck machten , ist begreiflich . Desohngeachtet hatte ich doch auch dem Vater etwas gebracht , was ihn sehr freute . Ich war in den letzten Tagen meines Aufenthaltes in dem Rosenhause noch bei dem Gärtner gewesen , und hatte ihn ersucht , mir die Vorschrift zur Bereitung des Bindemittels an den Gläsern des Gewächshauses zu verschaffen , wodurch das Hineinziehen des Wassers zwischen die Gläser und das dadurch bewirkte Herabtropfen verhindert wird . Er hatte die Vorschrift wohl nicht selber , ging aber zu meinem Gastfreunde , und durch diesen erhielt ich sie . Ich erzählte meinem Vater von der Sache und übergab ihm die Anleitung zur Bereitung . » Das wird das für die Pflanzen so schädliche Herabtropfen des Winterwassers in unserem hiesigen Gewächshause also für die Zukunft verhindern , « sagte er , » noch mehr freue ich mich aber , es gleich neu in den neuen Gewächshäusern anwenden zu können , welche neben dem Landhause stehen werden , das ich bauen werde . « Die Mutter lächelte . » Bereitet euch einstweilen auf die Reise in den Sternenhof und in das Rosenhaus vor , « sagte der Vater , » alles andere ist geschehen , der Schritt , der nun zu tun ist , liegt uns ob . In den ersten Tagen des Frühlings werden wir hinreisen , und ich werde für meinen Sohn werben . Ihr Weiber bereitet euch gerne auf solche Dinge vor , tut es und beeilt euch , ihr habt nicht lange Zeiten vor euch , zwei Monate und etwas darüber . Was mir bis dahin obliegt , wird nicht auf sich warten lassen . « Daß diese Maßregel Beifall hatte , ging aus der Sachlage hervor ; die Zeit zur Vorbereitung aber wollte man etwas kurz nennen . Der Vater sagte , es dürfe nicht das geringste zugegeben werden , weil man es sonst der Wichtigkeit des Verhältnisses nähme . Das war einleuchtend . Es ging nun an ein Arbeiten und Bestellen , und kein Tag war , dem nicht seine Last zugeteilt wurde . Die Mutter traf auch Vorbereitungen für den Fall , daß die neuen Ehegatten in ihrem Hause wohnen würden . Der Vater sagte ihr zwar , daß meiner Verbindung noch meine große Reise vorangehen werde ; allein sie widerlegte ihn mit der Bemerkung , daß es keinen Schaden bringe , wenn manches früher fertig sei , als man es eben brauche . Er ließ sofort ihrem hausmütterlichen Sinne seinen Lauf . Zu Ende des Märzes brachte der Vater einen sehr schönen Wagen in das Haus . Es war ein Reisewagen für vier Personen . Er hatte den Wagen nach seinen eigenen Angaben machen lassen . » Wir müssen unsere Freunde ehren , « sagte er , » wir müssen uns selber ehren , und wer kann wissen , ob wir den Wagen nicht noch öfter brauchen werden . « Er verlangte , daß man ihn genau besehe und in Hinsicht seiner Bequemlichkeit besonders für Reisegegenstände von Frauen prüfe . Es geschah , und man mußte die Einrichtung des Wagens loben . Es war Festigkeit mit Leichtigkeit verbunden , und bei einer gefälligen Gestalt bot er Räumlichkeit für alle nötigen Dinge . » Ich bin nun fertig , « sagte er , » sorgt , daß Eure Vorbereitungen nicht zu lange dauern . « Aber auch die Frauen waren zu der rechten Zeit in Bereitschaft . Der Vater hatte den Beginn der Baumblüte und des Blätterknospens als Reisezeit bestimmt , und zu dieser Zeit fuhren wir auch fort . Ich fuhr nun einen Weg , den ich so oft allein oder mit Fremden in einem Wagen zurückgelegt hatte , mit allen meinen Angehörigen . Wir fuhren mit Pferden , die wir uns auf jeder Post geben ließen ; allein wir fuhren zur Bequemlichkeit der Mutter und Klotildens , weshalb wir uns oft länger an einem Orte aufhielten und kleine Tagereisen machten . Ein sehr schönes Wetter und eine Fülle von weißen und rotschimmernden Blüten begleitete uns . Am vierten Tage vormittags fuhren wir in dem Sternenhofe ein . Mathilde war von unserer Ankunft unterrichtet worden . Wir hatten das Wagendach zurückgelegt , und alle Blicke meiner Angehörigen hafteten schon von weiter Entfernung her auf dem Blütenhügel , auf dem das Schloß stand , sie richteten sich jetzt auf die Gestalt des Bauwerkes , endlich auf das Sternenschild über dem Tore auf die Wölbung des Torweges , und zuletzt auf Mathilden und Natalien , die da standen , um uns zu empfangen . Wir stiegen aus . Natalie wechselte die Farben zwischen blaß und purpurrot . Man wartete nicht weiter mit dem Gruße . Klotilde und Natalie lagen sich an dem Halse und weinten . Meine ehrwürdige Mutter war von Mathilden umfaßt und an das Herz gedrückt . Dann wurde der Vater von ihr anmutsvoll und herzlich gegrüßt , sie reichte ihm beide Hände und sah ihn mit ihren Augen , die noch immer so schön waren , auf das innigste an . Natalie hatte indessen die Hand meiner Mutter gefaßt und sie geküßt . Diese gab den Kuß auf die Stirne des schönen Mädchens zurück . Der Vater wollte wahrscheinlich etwas Heiteres oder gar Scherzhaftes zu Natalien sagen ; aber als er sie näher anblickte , wurde er sehr ernst und beinahe scheu , er grüßte sie anständig und sehr fein . Wahrscheinlich hatte ihn ihre Schönheit überrascht , oder er erinnerte sich , wie es auch mir ergangen war , an die Pracht seiner geschnittenen Steine . Klotilde wurde von Mathilden auch an das Herz gedrückt . Auf mich dachte beinahe niemand . Ob dieser Empfang der strengen Umgangssitte oder irgend einer Rangordnung gemäß war , darnach fragte niemand . Wir gingen unter einander gemischt die Treppe hinan und wurden in Mathildens Gesellschaftszimmer geführt . Dort lieh man den Grüßen erst lebhaftere Worte und einen geregelten Ausdruck . » So lange haben wir uns gekannt , und erst jetzt sehen wir uns « , sagte Mathilde zu meinen Eltern , als sie dieselben zum Niedersitzen auf ihre Plätze veranlaßt hatte . » Es war ein Wunsch von vielen Jahren , « entgegnete mein Vater , » daß wir die Menschen sähen , die gegen meinen Sohn so wohlwollend waren , und die sein Wesen so sehr gehoben hatten . « » Das ist nun Natalie , meine teure Klotilde , « sagte ich , indem ich beide Mädchen einander vorstellte , » das ist Natalie , die ich so sehr liebe , so sehr wie dich selbst . « » Nein , mehr als mich , und so ist es auch recht « , erwiderte Klotilde . » Sei meine Schwester , « sagte Natalie , » ich werde dich lieben wie eine Schwester , ich werde dich lieben , so sehr es nur mein Herz vermag . « » Ich nenne dich auch du , « erwiderte Klotilde , » ich liebe meinen Bruder wie mein eigenes Herz , und werde dich auch so lieben . « Die beiden Mädchen umarmten sich wieder und küßten sich wieder . Als wir uns um den Tisch gesetzt hatten , sagte ich zu Natalien : » Und mich grüßt Ihr beinahe gar nicht . « » Ihr wißt es ja doch « , erwiderte sie , indem sie mich freundlich ansah . Das Gespräch dauerte nun allgemeiner über denselben Gegenstand fort . Die zwei Frauen konnten sich kaum genug betrachten und nahmen sich immer wieder bei den Händen . Als man endlich auf andere Gegenstände übergegangen war und über die Reise und ihre Annehmlichkeiten und Unannehmlichkeiten gesprochen hatte , sagte mein Vater , daß wir noch sämtlich in Reisekleidern seien , daß wir uns verabschieden müßten , und er fragte , wann er die Ehre haben könnte , sich Mathilden wieder vorstellen zu dürfen . » Nicht Vorstellung , « erwiderte sie , » Besuch , wann Ihr immer wollt . « » Also in zwei Stunden « , entgegnete mein Vater . Wir gingen in unsere Zimmer , und mein Vater wies uns an , uns in Festkleider zu kleiden . Nach zwei Stunden ging er allein mit der Mutter , beide wie an einem hohen Festtage geschmückt , zu Mathilden , welche sie zu sprechen verlangten . Mathilde empfing sie in dem großen Gesellschaftszimmer , und mein Vater warb um die Hand Nataliens für mich . Nach wenigen Augenblicken wurden Natalie , Klotilde und ich hineingerufen , und Mathilde sagte : » Der Herr und die Frau Drendorf haben für ihren Sohn Heinrich um deine Hand geworben , Natalie . « Natalie , welche in einem so festlichen Kleide da stand , wie ich sie nie gesehen hatte , weshalb sie mir beinahe fremd erschien , blickte mich mit Tränen in den Augen an . Ich ging auf sie zu , faßte sie an der Hand , führte sie vor ihre Mutter , und wir sprachen einige Worte des Dankes . Sie entgegnete sehr freundlich . Dann gingen wir zu meinen Eltern und dankten ihnen gleichfalls , die gleichfalls freundlich antworteten , Klotilde war in ihrem Festanzuge sehr befangen , was auch fast bei allen andern der Fall war . Mein Vater löste die Stimmung , indem er zu einem Tische schritt , auf welchen er ein Kästchen niedergestellt hatte . Er nahm das Kästchen , näherte sich Natalien und sagte : » Liebe Braut und künftige Tochter , hier bringe ich ein kleines Geschenk ; aber es ist eine Bedingung daran geknüpft . Ihr seht , daß ein Faden um das Schloß liegt , und daß der Faden ein Siegel trägt . Schneidet den Faden nicht eher ab als nach Eurer Vermählung . Den Grund meiner Bitte werdet Ihr dann auch sehen . Wollt Ihr sie freundlich erfüllen ? « » Ich danke für Eure Güte innig , « antwortete Natalie , » und ich werde die Bedingung erfüllen . « Sie empfing das Kästchen aus der Hand des Vaters . Auch die Mutter und Klotilde gaben ihr Geschenke , so wie Mathilde und Natalie Gegenstände aus den benachbarten Zimmern herbeiholten , um die Mutter , Klotilden und den Vater zu beschenken . Natalie und ich gaben uns nichts . Dann setzten wir uns um einen Tisch nieder , und es begannen herzliche Gespräche . Am Schlusse sagte Mathilde . » So wäre denn der Bund , den die Herzen unserer Kinder geschlossen haben , auch durch die Beistimmung der Eltern bekräftigt . Der Tag der ewigen Verbindung mag nach ihrem Wunsche und unserer Meinung festgesetzt werden . Wir wollen darüber jetzt nicht sprechen , sondern es der Beratung und Vereinbarung anheimgeben . « Nach diesen Worten trennten wir uns und begaben uns in unsere Zimmer . Die festlichen Kleider wurden nun abgelegt , und es begann das Besuchsleben , wie es in ähnlichen Verhältnissen , und namentlich , wenn man in so nahe Beziehungen getreten ist , der Fall zu sein pflegt . Mathilde führte nach und nach den Vater und die Mutter in alle Teile des Schlosses , des Gartens , des Meierhofes , der Felder , der Wiesen und der Wälder . Sie zeigte ihnen alle Zimmer des Hauses : ihre Wohnzimmer , die Zimmer mit den alten Geräten , sie zeigte ihnen die Bilder und was sich nur immer in dem Schlosse befand . Sie ging mit ihnen in den Garten : zu den Linden , zu allen Obstbäumen , zu den Blumenbeeten , in die Grotte mit der Brunnennymphe , auf die Eppichwand und in jede Anlage , die in dem Garten enthalten war . Ebenso wurde alles , was sich auf die Landwirtschaft bezog , auf das genaueste durchgenommen . Gegen den Abend , wenn die Sonnenstrahlen milde auf die blühende Erde leuchteten , wurde ein gemeinschaftlicher Gang durch irgend einen Teil der Gegend gemacht . Wiederholt gingen wir die ganze Länge des Berührweges durch , und die Eltern fanden Gefallen an dieser Bahn , die eine freie und rüstige Bewegung in trüben Tagen so wie im Winter auf eine angenehme Weise gestatte . Der Vater konnte über alles der Freude und des Lobes kein Ende finden . Mathilde und die Mutter sprachen oft lange und immer sehr freundlich mit einander , sie tauschten wahrscheinlich ihre Ansichten über Häuslichkeit und Verwaltung des Zugehörigen aus . Natalie und Klotilde waren fast unzertrennlich , sie schlossen sich an einander an , bezeigten sich jede Innigkeit , und oft , wenn wir alle in das Schloß zurückgekehrt waren , gingen sie noch auf einem einsamen Wege des Gartens oder auf einem Pfade des nächstgelegenen Feldes herum . » Siehst du , Klotilde , « sagte ich , » ich konnte dir kein Bild von Natalien bringen , weil keins da war , jetzt hast du sie selber . « » Um wie viel lieber als jedes Bild , « antwortete sie , » aber ein Bild muß doch ausgeführt werden , damit man später wisse , wie sie in diesen Jahren ausgesehen habe . « Acht Tage entließ uns Mathilde nicht von dem Sternenhofe , und jeder Tag fand seine freundliche Beschäftigung . Am neunten wurden die Anstalten gemacht , daß wir alle in das Rosenhaus abreisen konnten . Mathilde und die Eltern fuhren in unserem Reisewagen . Natalie , Klotilde und ich in dem Wagen Mathildens . Als wir den Hügel hinanfuhren , konnte mein Vater seine Neugierde kaum mehr bemeistern . Ich sah ihn öfter in dem Wagen aufstehen und herumblicken . Es war ein wolkig heiterer Tag , Strichregen gingen auf entferntere Wälder nieder , Sonnenblicke schnitten goldne Bilder auf den Hügeln und Ebenen aus , und das Haus meines Gastfreundes schaute sanft von seiner Anhöhe hernieder . Obwohl , da wir von der Stadt abfuhren , dort bereits alles in Blüte stand , war in der Umgebung des Rosenhauses trotz der Zeit , die wir auf der Reise und in dem Hause Mathildens zugebracht hatten , doch noch die Baumblüte nicht vorüber , sondern sie war erst in ihrer vollen Entfaltung . Denn das Land hier lag um ein Bedeutendes höher als die Stadt . Ein Teil des Wintergetreides stand auf dem Hügel in üppigstem Wuchse , ein Teil schickte sich dazu an , das Sommergetreide keimte hie und da , und hie und da war noch die braune Erde zu sehen . Mein Gastfreund hatte durch Mathilden Nachricht von unserer Ankunft erhalten . Als wir bei dem Gitter anfuhren , stand er mit Gustav , Eustach , Roland , mit der Haushälterin Katharine , mit dem Hausverwalter , mit dem Gärtner und anderen Leuten auf dem Sandplatze vor dem Gitter , um uns zu empfangen . Wir stiegen aus , und da standen sich nun mein Vater und mein Gastfreund gegenüber . Der letztere hatte schneeweiße Haare , mein Vater etwas minder weiße , aber liebe , ehrwürdige Männer waren beide . Sie reichten sich die Hand , sahen sich einen Augenblick an , und schüttelten sich dann ihre Rechte herzlich . » Seid mir gegrüßt , seid mir tausendmal gegrüßt an meiner Schwelle , « sagte mein Gastfreund , » selten ist hier einer eingegangen , der so willkommen gewesen wäre wie Ihr , und selten habe ich mich nach jemanden so gesehnt wie nach Euch . Wir sind nun so lange in Verbindung , und ich habe Euch schon so lange in der Liebe Eures Sohnes geliebt . « » Ich Euch in der Liebe Eures jungen Freundes , « erwiderte mein Vater , » es ist einer meiner liebsten Tage , der mich unter dieses Dach bringt . Ich komme in das Haus des Mannes , den ich durch meinen Sohn kenne , obgleich ich auch den Staatsmann hochachten muß . Ich komme mit der Schuld des Dankes belastet . Ihr habt mich ausgezeichnet , ehe ich es nur im geringsten Maße um Euch verdient hatte . « » Laßt das jetzt , es machte mir ja selber Freude , « entgegnete mein Gastfreund , » aber seht , so begeht man Fehler , wenn man von einer Leidenschaft befangen ist , besonders , wenn zwei alte Altertumsfreunde zusammentreffen . Ich habe versäumt , Eurer verehrten Gattin meinen ersten Gruß darzubringen , wie es Pflicht gewesen wäre . Aber , teure Frau , Ihr werdet es , wenn auch nicht ganz entschuldigen , doch als ein geringeres Vergehen ansehen als eine andere Frau , da Ihr Euren Gatten und seine Beziehung zu seinen Schätzen kennt . Seid mir gegrüßt , und wenn ich sage , daß ich Euch nicht minder als Euren Gatten hieher gewünscht habe , so sage ich die Wahrheit , und Euer eigener Sohn ist gegen Euch Zeuge , wenn Ihr meine Worte bezweifeln wolltet . Es freut mich , Euch in mein Haus führen zu können , erlaubt , daß ich Eure Hand fasse . Mathilde , Natalie , Heinrich , ihr müsset heute etwas Nebensache sein , und dieses Fräulein , das ich wohl schon als Klotilde kenne , wird erlauben , daß ich sie auch ein wenig liebe und um Gegenneigung bitte . Gustav , führe das Fräulein . « » Gönnt mir die Gnade , Euch führen zu dürfen « , sagte Gustav zu Klotilden . Sie sah den Jüngling sanft an und sagte : » Ich bitte um die Gefälligkeit . « » Ehe wir gehen , « sagte mein Gastfreund noch , » sehet noch hier meine zwei ausgezeichneten Künstler Eustach und Roland , die mit mir in unserem Besitze leben , den ich Sorgenfrei nennen würde , wenn er nicht voll von Sorgen steckte . Sie wollen Euch vor dem Hause begrüßen . Seht da auch meine Katharine , die das Haus zusammenhält , und dann meinen Hausverwalter und Gärtner und andere , welche die Lust des Empfanges nicht missen wollten . « Mein Vater reichte jedem die Hand , und die Mutter und Klotilde verbeugten sich auf das artigste . Hierauf nahm mein Gastfreund den Arm meiner Mutter , mein Vater den Mathildens , ich Nataliens , Gustav Klotildens , und so gingen wir bei dem Eisengitter in den Garten und in das Haus . Die Wägen fuhren in den Meierhof . In dem Hause wurden wir gleich in unsere Zimmer geführt . Mathilde und Natalie gingen in ihre gewöhnliche Wohnung . Für meinen Vater und für meine Mutter war ein Aufenthalt von drei Zimmern eigens gerichtet worden . Sie hatten sehr schöne Wandbekleidungen und vorzügliche Geräte . Für alle und jede Bequemlichkeit war gesorgt . Klotilde hatte ein zierliches blaßblaues Zimmerchen daneben . Ich ging von der Wohnung meiner Eltern in meine Zimmer , welche die gewöhnlichen waren . Gustav besuchte mich hier in dem ersten Augen blicke und umschlang mich mit der größten Freude und Liebe . » Nun ist doch alles sicher und gewiß « , sagte er . » Sicher und gewiß , « entgegnete ich , » wenn Gott sein Vollbringen gibt . Jetzt bist du mein teurer , vielgeliebter Bruder in der Tat , wenn du es auch der Fassung nach erst in einiger Zeit wirst . « » Darf ich auch du sagen ? « fragte er . » Von ganzem Herzen « , erwiderte ich . » Also du , mein geliebter , mein teurer Bruder « , sagte er . » Auf immer , so lange wir leben , was auch sonst für Zwischenfälle kommen mögen « , sagte ich . » Auf immer , « antwortete er , » aber jetzt kleide dich schnell um , damit du nicht zu spät kommst . Man wird in dem Besuchsaale zu ebener Erde noch einmal zu einem Gruße zusammenkommen , ehe man zum Mittagessen geht . Ich muß mich selber zurecht richten . « Es war so , wie Gustav gesagt hatte , und es war an alle die Einladung ergangen . Er verließ mich , und ich kleidete mich um . Wir versammelten uns in dem Besuchzimmer zu ebener Erde , in welchem ich , da ich das erste Mal in diesem Hause war , allein gewartet hatte , während mein Gastfreund gegangen war , ein Mittagessen für mich zu bestellen . Ich hatte damals den Gesang der Vögel hereingehört . Der eingelegte Fußboden war heute mit einem sehr schönen Teppiche ganz überspannt . Auch Eustach und Roland waren zu der Versammlung eingeladen worden . Als sich alle eingefunden hatten , stand mein Gastfreund , welcher so festlich angezogen war wie wir , auf und sprach : » Ich richte noch einmal an alle , welche gekommen sind , den Empfangsgruß innerhalb der Wände dieses Hauses . Es ist ein schöner Tag . Wenn gleich mancher liebe Freund und gewissermaßen Schlachtkamerade , den ich noch besitze , nicht hier ist , so kann eben nicht immer alles , was man liebt , versammelt sein . Das Eigentliche ist hier , ist aus einem lieben Anlasse hier , aus welchem ein noch schönerer Tag für manche hervorgehen kann . Ihr , sehr hochgeehrte Frau , die