der Viel-Liebhaberei und Vielgötterei lief wieder heiß in allen Adern seines Herzens um - : er machte wilden Aufwand , Spiele , Schulden , so weit es nur ging - setzte Glück und Leben auf die Waage - warf seinen eisernen Körper dem Tode zu , der ihn nicht sogleich zerschlagen konnte und berauschte sich in der Wilden-Trauer um sein gemordetes Leben und Hoffen im Leichentrunk der Schwelgerei ; ein Bund , den Wollust und Verzweiflung schon oft auf der Erde miteinander auf Kriegsschauplätzen und in großen Städten geschlossen haben . Nur etwas hielt den Hauptmann noch aufrecht , die Erwartung , daß Albano in seiner Ferne von Linda beharre , und die , daß diese wiederkomme . Jetzt kam die Fürstin zurück , noch mit allem frischen Hasse gegen den kalten Albano , für dessen » dupe « sie sich hielt . Roquairol bewog leicht seinen Vater , ihn ihr näher zu bringen , da er bei ihr über Albano und alles Nachrichten zu finden hoffte . Er wurd ' ihr bald durch die ähnliche Stimme und die vorige Freundschaft gegen ihren Feind bedeutend , und noch mehr durch seine seltene Gewandtheit , einer Frau immer das zu sein , was sie gerade begehrte . Da sie alle seine frühern Verhältnisse und Wünsche schon längst gekannt : so warf sie , sobald ihre Fernschreiber von Albano ihr die Nachricht von seiner neuen Liebe gegeben , ihm leicht die Erwähnung davon hin . Trotz der warmen Rolle , die Roquairol gegen sie zu spielen hatte , wurd ' er doch vor ihr wütend-blaß , atemlos , bebend und starrend im Abwechsel ; » ists so ? « fragt ' er leise - sie zeigt ' ihm einen Brief - » Fürstin , « ( sagte er wütend , ihre Hand an seine Lippen fortpressend ) » du hattest recht , vergib mir nun alles . « Wie groß er von Albano gedacht , sah er erst jetzt aus seiner Verwunderung über das Natürlichste von der Welt . Nie hasset das Herz bitterer , als wenn es den Gegenstand , den es vorher unter dem Hassen achten mußte , nun ohne Achten hassen muß ; so wie aus demselben Grunde den schlimmen Menschen die Heuchelei des andern weit tiefer und eigennütziger entrüstet als den frommen . Roquairol glaubte jetzt , den stolzen Freund recht anfeinden zu dürfen ; er wurde aus einer deutschen Ruine eine welsche voll Skorpionen . Die Fürstin wurde das heiße Klima , das die Skorpionen erst recht vergiftet . Sie erzählte ihm , wie Albano sie so lange zu gewinnen und auf seine tiefen Minen zu locken gesucht , bloß um bei deren Aufspringen den Genuß der Kälte und des Hohns zu haben , und wie er so gleichgültig vom Hauptmann gesprochen , ohne ihn nur des Hasses zu würdigen . Die Fürstin erlaubte dem Hauptmann , eine Stufe nach der andern an ihrem Throne hinaufzugehen , bis er keine mehr hatte als ihre eigne Person . Sie gab ihm auch die letzte Stufe unter der Bedingung preis , sie zu rächen . Er sagte , er räche sie und sich , denn Albano habe feierlich in dem Tartarus der Gräfin für ihn entsagt . So schienen beide ihre wahre Liebe unter die Larve der Rache zu stecken , die Fürstin ihre für den Hauptmann , er seine für Linda . Sie brachte ihm einen Plan immer dichter vor das Auge , den er nicht erblickte , so sehr sie ihn reizte durch die Bemerkung , daß Albano ein größerer Weiber-Liebling sei und sein werde , als man bisher noch dachte , daß sogar ihre fromme besonnene Schwester Idoine nach ihren stillen Fragen in Briefen und nach andern Zeichen fast beides durch ihn verloren , was sie ihm am Krankenbette wiedergegeben , Gesundheit und Friede , und daß er nie hoffen solle , die Gräfin je abtrünnig zu sehen oder auch zu machen . Endlich sagte sie langsam das fürchterliche Wort : » Roquairol , Sie haben Seine Stimme , und Sie hat abends kein Auge . « - » Himmel und Hölle ! « rief er aus , wechselnd rot und blaß und zugleich in Himmel und Hölle sehend , deren Türen vor ihm aufsprangen . » Va ! « setzt ' er schnell dazu , ohne die schwarze Tiefe dieses weißschäumenden Meers noch durchdrungen zu haben . Die Fürstin umarmt ' ihn feurig , er sie noch feuriger . » In einer poetischen Dichtung « ( sagt ' er ) » wäre mir dein Gedanke leicht gekommen , aber in der Wirklichkeit hab ' ich keine List ! « - » O Schalk ! « sagte sie . So früh und so lang ' er nur durfte , sagte er Du , weil er das Herz kannte , besonders das weibliche . - Bald darauf , als sie noch offenherziger gegeneinander gewesen waren , sagte sie : » Bleibt Sie unschuldig bei Ihnen , so haben Sie niemand beleidigt , und niemand hat verloren ; bleibt Sie es nicht , so war Sie es entweder nicht , oder Sie verdiente die Probe und Strafe , getäuscht zu werden . « - » Ja , das ist göttlich - das gehört in den herrlichen Trauerspieler kurz vor dem Ende « , sagt ' er , wollte sich aber nicht darüber erklären . Jetzt kam Ziel und Mittelpunkt in die wilden Kreise seines Treibens . Er zerlegte kalt Albanos Briefe der Liebe in große und kleine Buchstaben , bloß um sie pünktlich nachzumachen ; daher fand einmal Albano bei Rabetten seine Handschrift ohne seine Gedanken . Er fragte Rabetten alle kleine Verhältnisse Albanos ab , um seine Rolle bis ins kleinste auszuarbeiten ; und ebenso las er alle italienische Reisebeschreibungen , um mit Linda über jede schöne Stelle frei zu sprechen , wo er als Schein-Albano mit ihr das hesperische Leben genossen . Es kitzelte ihn , so mit der Flamme in der Brust und mit dem kalten Eislicht im Kopfe einmal alle theatralischen Zurüstungen und Verwickelungen , so wie sonst für die Bühne , jetzt für das Leben anzulegen und besonnen zu regieren . Er sah Albano von der Reise kommen , der ihn stolz behandelte - er sah die blühende Göttin in Lilar gehen - er hörte durch die Spionen der Fürstin von ihrer Verbindung : hoch ging sein totes Meer in schweren Wellen und suchte die Opfer aus ihrem Fluge bis vom Himmel herabzuziehen . Unmittelbar nach dem Trauerspiel , das er mit Linda zu spielen vorhatte , sollte sein eigenes im Prinzengarten kommen , das er von Zeit zu Zeit zu geben versprach und verschob ; er mußte lange harren und spähen , bis eine Zeit erschien , in welche so viele Zähne eines doppelten Maschinenwerks zugleich eingreifen konnten . Endlich erschien die Zeit , und er schrieb das oben mitgeteilte Blatt an Linda . Alles war berechnet und abgetan und jede Hülfe des Zufalls in den Plan gewebt . Sein Trauerspiel war von seinen Bekannten längst eingelernt , obwohl niemals einprobiert , weil er , wie er sagte , die Mitspieler selber mit seiner Rolle mitten im Spiele überraschen wollte . Die Freude , die er von jeher hatte , Abschied zu nehmen - weil ihn hier die Rührung zugleich durch Kürze und Stärke erquickte - , macht ' er sich bei so vielen , als ihn liebten . Von Rabette schied er so stürmisch-weich , daß sie erschrocken zu ihm sagte : » Karl , das bedeutet doch nichts Böses ? « - » Jetzt ist alles böse an mir « , sagt ' er . Durch Verwendung der Fürstin waren für sein Trauerspiel auf den nächsten Tag die bedeutendsten Zuschauer geworben , auch Gaspard und Julienne samt dem Hof . Das Geheimnis zog an ; auch der Fürstin war seine Rolle verdeckt . Nur seinen Vater , der dem Hof gern folgen wollte , strich er aus der Zahl durch einen großen Zorn , worein er ihn setzte , weil er ihn mit keiner andern als dieser Dornhecke abzuhalten wußte . Seine Mutter und Rabette hatt ' er beschworen bei ihrem Glück , bei seinem Glück , keine Zuschauerinnen seines Spiels zu werden . Ein neuer Wind des Zufalls war ihm zum Heben seiner Flugmaschine durch den seltsamen Bruder des Ritters gekommen , der mit solcher Freude von der eisernen Maske seiner tragischen Maske hörte , daß er mit dem Antrag zu ihm kam , er wolle ihm einen neuen wunderbaren Spieler zuführen . » Alles ist besetzt « , sagte der Dichter . » Man mache ein Chor zwischen den Akten und geb ' es einem « , sagte der Spanier . Roquairol fragte nach dem Namen des Spielers . Der Spanier führt ' ihn in seinen Gasthof ; innen im Zimmer rief schon eine tierisch-dumpfe Stimme : » Kommst du denn schon wieder , mein Herr ? « Sie fanden darin nur eine schwarze Dohle . » Man stelle den Vogel auf das Theater , er sei das Chor , er sage in halbem Gesang mezza voce bloß zwei , drei Zeilen her , die Wirkung wird kommen « , sagte der Spanier . Roquairol staunte über die langen Sprüche der Dohle . Der Spanier erbat sich einen längern von ihm , um ihn ihr vor seinen Ohren einzulernen . Roquairol gab ihm den : » Im Leben wohnt Täuschung , nicht auf der Bühne . « Der Spanier sagte anfangs bloß in Wort zum Nachsprechen vor , dann wieder eins , wiederholte es dreimal , sagte dann , mit den Fingern den Vogel ermunternd : » Allons , diablesse ! « und das Tier stotterte dumpf die ganze Zeile her . Roquairol fand in dieser komischen Tier-Larve etwas Fürchterliches und nahm den Vorschlag , einige Chorzeilen zu dichten und dem Vogel anzuvertrauen , unter einer eignen Bedingung an , - daß nämlich der Spanier seinen Neffen Albano den Abend vor her von Pestitz entferne unter irgendeinem Vorwand und dann mit ihm im Prinzengarten erscheine . Der Spanier sagte : » Herr Hauptmann , ich brauche keinen Vorwand , ich habe Wahrheit ! Ich werde mit ihm seinem Freund Schoppe entgegenreisen , er will morgen abends kommen ; auch dieser wird mit zusehen . « - Albano konnte in seiner verworrenen Stimmung gegen Linda und in der erwartungsvollen gegen Schoppe nichts so leicht annehmen als einen kleinen Reiseplan , um diesen geliebten Schoppe früher an der Brust zu haben . Julienne wurde in Gegenwart des kranken Fürsten von der Fürstin gebeten , sie zu Idoine zu begleiten , die ihrer auf halbem Wege in einem Grenzschloß wartete , und den andern Tag in den Prinzengarten zurückzugehen . Sie weigerte sich . Der kranke angestiftete Bruder tat die von ihm erbetenen Bitten dazu . Die Schwester erfüllte sie . Nun war alles für den Abend , woran Roquairol Linda sehen wollte , berichtigt - So glimmen nachts in den Scheuern eines schuldlosen Dörfchens die eingelegten Brände - der Sturmwind brauset um die müden schlafenden Einwohner - die Räuber stehen auf den Bergen im Abendnebel und schauen wartend herab , wenn die Feuerschwerter der Flammen auf allen Seiten durch die Nebel glänzen und mit ihnen rauben und morden werden , um zu ihnen herabzukommen . 128 . Zykel Linda las das Blatt unzähligemal , weinte vor süßer Liebe und dachte nicht daran , zu - vergeben . Dieses Wehen der Liebe , das alle Blumen beugt und keine pflückt , hatte sie schon so lange gewünscht : und jetzt auf einmal nach der nebligen Windstille des Herzens ging es lebendig und frisch durch den Garten ihres Lebens . Sie konnte schwer acht Uhr erwarten . Sie half sich über die Zeit hinweg durch Wählen des Putzes , der zuletzt ganz in dem Schleier , Hute , Kleide und allem bestand , was sie getragen , als sie ihren Geliebten zum erstenmal auf Ischia gefunden . Sie steckte die Paradieses- oder Orangenblüten , die Zeiger jener Zeit und Welt , an ihr klopfendes Herz und ging zur bestimmten Stunde , mit dem blinden Mädchen am Arme , in den Garten hinunter . Sowohl aus Haß gegen den Tartarus als aus Willigkeit gegen den Brief nahm sie den Weg ins Flötental . Die Nacht war finster für ihr Auge , und das blinde Mädchen wurde ihre Führerin . Oben auf dem Lilarsberg mit dem Altare stand , wie der böse Geist auf der Zinne des Paradieses , Roquairol und blickte scharf in den Garten herab , um Linda und ihren Weg zu finden . Sein Freudenpferd war unten im tiefen Gebüsch an ausländische Gewächse angebunden . Voll Ergrimmung sah er noch Dian und Chariton mit den Kindern in dem Garten gehen ; und oben im Donnerhäuschen ein kleines Licht . Er verfluchte jede störende Seele , weil er entschlossen war , heute im Notfall jeden Stürmer seines Himmels zu ermorden . Endlich sah er Lindas lange rote Gestalt gegen das Flötental zugehen und das Schwellen-Gebüsch aufziehen und darhinter verschwinden . Er eilte den langen Schneckenberg herab , warm wie eine vergiftete Leiche . Hinter sich hörte er im langen Busch-Gewinde jemand nacheilen - er entbrannte und zog seinen Stockdegen , den er nebst einem Taschenpistol bei sich hatte - endlich sah er eine häßliche Gestalt , einem bösen Geiste ähnlich , die ihm nachrannte - sie packte ihn - es war der Fürstin langarmiger Affe - Er durchstach ihn auf der Stelle , um nicht von ihm verfolgt zu werden . Unten im freien Garten ging er langsam , um keinen Verdacht zu wecken . Er schlich leise wie der Tod , der auf dem Donnerwagen einer Wolke ungehört durch Lüfte über den Blütenbaum zieht , worunter eine Jungfrau lehnt , und versteckte den mörderischen Wetterstrahl in seine Brust . Er öffnete das hohe Pforten-Gesträuch des Flötentals ; alles war darin still und dunkel ; nur hoch im Himmel ging ein seltsamer brausender Sturm und jagte die Wolken-Herde , aber auf der Erde war es leise , und kein Blatt bewegte sich . » Ist jemand da ? « fragte die blinde Türhüterin . » Guten Abend , Mädchen ! « sagte Roquairol , um durch seinen Sprachton für Albano zu gelten . Tief im engern laubigen Tale sang Linda leise ein altes spanisches Lied aus ihrer Kinderzeit . Endlich wurde sie erblickt - die Riesenschlange tat den giftigen Sprung nach der süßen Gestalt , und sie wurde tausendfach umwunden . Er hing an ihr sprachlos - atemlos - die Wolke seines Lebens brach - Tränen der Glut und Pein und Wonne rannen brennend fort - alle Arme , worein der Strom seiner Liebe bisher seicht umhergelaufen war , schossen brausend zusammen und faßten und trugen eine Gestalt - - » Weine nicht , mein guter Mensch , wir lieben uns ja immer wieder « , sagte Linda , und die zarte schöne Lippe gab ihm den ersten innigen Kuß . Da kreisete das Feuerrad der Entzückung mit ihm reißend um , und um den darauf geflochtenen Kopf wehten die Flammen-Kreise hoch auf . Aus Furcht , erblickt zu werden , wenn er erblicke , und aus Lust hatt ' er die Augen geschlossen ; jetzt tat er sie auf- so nahe an sich und in seinen Armen sah er nun die hohe Gestalt , das stolze blühende Antlitz und die feuchten warmen Liebes-Augen . » Du Himmlische , « ( sagt ' er ) » töte mich in dieser Stunde , damit ich sterbe im Himmel . Wie will ich nachher noch leben ? - Könnt ' ich meine Seele in meine Tränen gießen und mein Leben in deines und wäre dann nicht mehr ! « » Albano , « ( sagte sie ) » warum bist du heute so anders , so traurig und weich ? « - » Nenne mich « ( sagt ' er ) » lieber bei deinem Namen , wie die Liebenden auf Otaheiti die Namen tauschen . - Vielleicht hab ' ich auch etwas getrunken - aber ich bereue ja das Gestern - ich liebe dich ja neu . Ach , du , liebst du denn auch mein Innres , Linda ? « » Süßer Jüngling , kann ich es denn jetzt nicht ewig lieben ? - Ich bleibe ja bei dir und du bei mir . « » Ach du kennst mich nicht . Wenn weiß es denn der Mensch , daß gerade er , gerade dieses Ich gemeinet und geliebet werde ? Nur Gestalten werden umfasset , nur Hüllen umarmt , wer drückt denn ein Ich ans Ich ? - Gott etwa . « - » Und ich dich « - sagte Linda . » O Linda , liebst du mich fort in meinem Grabe , wenn die Spreu des Lebens verflogen ist - liebst du mich fort in meiner Hölle , wenn ich dich aus Liebe gegen dich belogen habe ? - Ist denn Liebe die Entschuldigung der Liebe ? « » Ich liebe dich fort , wenn du mich liebst . Bist du die Giftblume , so bin ich die Biene und sterbe in dem süßen Kelch . « Die Braut sank an seinen Hals . Er umklammerte sie heftig und wurde immer ähnlicher dem Gletscher , der durch Wärme weiterrückt und schmelzend verheert . Um ihn zogen die Freuden mit glänzenden , mit himmlischen Gesichtern , zeigten ihm aber in den Händen Furienmasken . » Du willst sterben aus Liebe ; ich bin schon gestorben aus Liebe - O du weiß nicht , wie lange ich dich schon liebte ! « antwortete er . » Glühender , « ( sagte sie ) » denk an diese Nacht , wenn du einst Idoinen siehst ! « - » So seh ' ich nur meine aufgestandne Schwester « , sagt ' er , aber sogleich über die entfahrne Wahrheit erschreckend . » Man sieht « ( setzt ' er eilig dazu ) » das auferstandne Herkulanum , aber man wohnt im blühenden Portici darüber ; ich und du sahen im Baja-Golf unter dem Meer die versunknen Bogen und Tore , und wir schifften nach lebendigen Städten weiter . - Ist mir doch auch Roquairol in so manchem so ähnlich und liebt dich so sehr und so lange und starb auch einmal wie Liane ! « - » Aber diesen hatt ' ich nie geliebt , und nun bin ich deine ewige Braut . « » Der arme Mensch ! Aber ich tat , glaub ich , doch nicht recht , da ich einst in der Tartarushöhle dir Ungesehenen im voraus entsagte aus Liebe gegen den Freund . « » Gewiß nicht ; aber wie kommen wir beide auf dieses unheimliche Wesen ? « sagte sie küssend . » Heimlich möcht ' ichs eher nennen « , versetzt ' er , entbrennend in hassender Liebe , im Zwiespalt der Rache und Lust und entschlossen , nun den Leichenschleier über ihre ganze Zukunft zu weben . Er schlug die schwarzen Adlerschwingen um das Opfer und erstickte und erweckte Küsse , er riß die Orangenblüten von ihrer Brust und warf sie zurück . » Liebe ist Leben und Sterben und Himmel und Hölle , « ( sagt ' er ) » Liebe ist Mord und Glut und Tod und Schmerz und Lust - Kaligula wollte seine Cäsonia foltern lassen , um nur von ihr zu wissen , warum er sie so liebe - ich wäre das auch imstand . « » Göttlicher Albano ! trinke nicht mehr so ! du bist zu ungestüm , deine Augenbraunen stürmen sogar mit - wie bist du denn ? « » Alles auf einmal , wie ein Gewitter , voll Glut - und mein Himmel ist hell durch den Blitz - und ich werfe kalten Hagel - und eine Zerstörung nach der andern , und es regnet warm auf die Blumen - und Himmel und Erde verknüpft ein stiller Bogen des Friedens . « Jetzt sah er am Himmel die Sturmwolken wie Sturmvögel zwischen den Sternen und neben dem zornigen Blutauge des Mars schon heller fliegen ; der Mond , der ihn verjagte und verriet , warf bald das Richter-Auge eines Gottes auf ihn . Im Hohne gegen das Schicksal riß er auf für seine küssende Wut den Nonnenschleier und Heiligenglanz ihrer jungfräulichen Brust . Fern stand der Leuchtturm des Gewissens , von dicken Wolken umzogen . Linda weinte zitternd und glühend an seiner Brust . » Sei mein guter Genius , Albano ! « sagte sie . - » Und dein böser ; aber nenne mich nur ein einzigesmal Karl « , sagt ' er voll Wut . » O heiße denn Karl , aber bleibe mein voriger Albano , mein heiliger Albano ! « sagte sie . - Plötzlich fingen im Tal die Flöten an , die der fromme Vater zu seinen Abendgebeten spielen ließ . Wie Töne auf dem Schlachtfeld riefen sie den Mord heran - da schmolz Lindas goldner Thron des Glücks und Lebens glühend nieder , und sie sank herab , und das weiße Brautkleid ihrer Unschuld wurde zerrissen und zu Asche . » Nun die Deinige bis in meinen Tod ! « sagte sie leise mit Tränenströmen . » Nur bis in meinen « , sagte er und weinte jetzt weich mit den weinenden Flöten . An der goldnen Kugel auf dem Berge glomm schon der Mond , der wie ein bewaffneter Komet , wie ein einäugiger Riese heraufdrang , den Sünder aus seinem Eden zu jagen . » Bleibe , bis der Mond kommt , damit ich in dein Angesicht sehe « , bat sie . » Nein , du Göttliche , mein Freudenpferd wiehert schon , die Todesfackel brennt herab in meine Hand « , sagte er tragisch-leise . Der Sturm war vom Himmel auf die Erde gezogen ; sie fragte : » Der Sturm ist so laut , was sagtest du , Schöner ? « - Er küßte wild ihre Lippe und ihren Busen wieder ; er konnte nicht gehen , er konnte nicht bleiben : » Gehe morgen nicht « ( sagt ' er ) » in den Trauerspieler , ich flehe dich , das Ende , hör ' ich , ist zu erschütternd . « » Ich liebe ohnehin dergleichen nie . O bleibe , bleibe länger , ich seh ' dich ja morgen wieder nicht . « Er preßte sie an sich - deckte ihre Augen mit seinem Angesicht zu - das Gorgonenhaupt des Mondes wurde schon in den Morgen heraufgehoben - er ließ das Leben los , wenn er sie entließ - und doch zehrte jedes gestammelte Wort der Liebe an der kurzen Zeit . Der Sturm arbeitete in den gerissenen Bäumen , und die Flötentöne schlüpften wie Schmetterlinge , wie schuldlose Kinder unter dem großen Flügel weg . Roquairol , wie betäubt von solcher Gegenwart , war nahe daran , zu sagen : sieh mich an , ich bin Roquairol ; aber der Gedanke stellte sich schnell dazwischen : » Das verdient sie nicht um dich ; nein , sie erfahr ' es erst in der Zeit , wo man den Menschen alles vergibt . « - Noch einmal heftig hielt er sie an sich gedrückt , das Mondlicht fiel schon auf beide herein , er wiederholte tausend Worte der Liebe und Scheidung , stieß sie zurück , fuhr schnell um und schritt in Albanos Kleidung durch das Tal hindurch . » Gute Nacht , Mädchen « , sagt ' er vorübergehend zur Blinden . Linda sang nicht wieder wie vorhin . Die Sterne sahen ihn an , die Sturmwinde redeten ihn an - die Freuden gingen neben ihm , hatten aber die Furienmasken nun auf den Gesichtern - aus dem Himmel griff ein Arm herab , aus der Hölle griff ein Arm herauf , und beide wollten ihn fassen , um ihn auseinanderzureißen - » Nu , nu , « ( sagt ' er ) » ich war wohl glücklich , aber ich hätt ' es noch mehr sein können , wär ' ich Ihr verdammter Albano gewesen « - und schwang sich auf sein Freudenpferd und jagte noch in der Nacht nach dem Prinzengarten . 129 . Zykel Albano und sein Oheim zogen dem angekündigten Schoppe von Dorf zu Dorf weiter entgegen ; der Oheim schob die Hoffnung wie einen Horizont immer vor ihnen voraus ; einmal abends glaubte der Graf Schoppes Stimme nahe neben sich zu hören umsonst , der geliebte Mensch kam noch nicht an sein Herz , und schmachtend sah Albano die Wolken im Himmel auf dem Weg herziehen , den sein Teuerer unter ihnen auf der Erde nahm . Der Oheim erzählte ihm lange von einem geheimen Kummer , der den Bibliothekar oft niederdrücke , und von dessen Ansatz zur Tollheit , der ihn auch früher von ihm weggetrieben , weil er unter allen Menschen keine so fürchte als tolle . Von Romeiros Porträt schien er nichts zu wissen . Albano schwieg verdrüßlich , weil der Spanier unter die unleidlichen Menschen gehörte , die mit glattem festen Gesicht und mit zugeschraubter gehelmter Seele den fremden Widerspruch ohne eignen Widerspruch , ohne Echo , ohne Spiegel und Änderung um sich flattern lassen können und für welche die fremde Rede nur ein stiller Tau ist , dessen Fallen keinen Stein aushöhlt . Dazu kam Albanos Erbitterung gegen dessen neue Unwahrhaftigkeit über Schoppens Nähe und gegen sein eignes Unvermögen , eine Stunde lang alles ungläubig anzuhören , was ein Lügner sagt . » Schoppe ist auf mein Wort durch einen andern Weg schon im Prinzengarten « , sagte endlich der Spanier ganz munter und riet umzukehren an , im warmen Genusse seiner frechen kalten Kraft , jeden , der ihm nicht huldigte , zwischen scharfe langsame Eisfelder zu pressen . Sie kamen vor dem Prinzengarten unter lauter Wagen an , aus welchen die Zuschauer des heutigen Spielfestes ausstiegen . Albano fand schon unter jenen seinen Vater , die Fürstin und Julienne ; und unter den Mitspielern Bouverot , seinen alten Exerzitienmeister Falterle und die gelbgekleidete Kaufmannsfrau in rotem Schal , die einmal weniger in als an Roquairols Herzen gewesen , und diesen selber . Der Hauptmann trat vor aller Welt sofort den bekannten Albano an und sagte mit gesuchter Leichtigkeit , das Spiel beginne bald , nur Dian mit seiner Frau werde noch erwartet . Dian , überall leicht beweglich , am meisten durch eine Bitte , konnte einer für die Kunst am wenigsten widerstehen ; durch ihn wurde bald auch Chariton für das Spiel gewonnen , aber nicht ohne den Umstand , daß sie im Stücke eine Geliebte gegen niemand als ihren Gemahl zu spielen hatte . Als Roquairol mit Albano sprach , so wurde seinem Gesicht so wie einem geschwollnen oder gefrornen das leichte Lächeln schwer und das Aufheben des Augenlids ; und innen drückte ein strafender beugender Geist den seinigen vor dem frohen reinen Freunde zur Erde , aus dessen Frühling er die helle Sonne weggerissen und geworfen und dem er eine ewige Pestwolke über das Leben gehangen . Unter dem Getümmel der Gartenreden und im fruchtlosen Wunsche , der Schwester Julienne drei sanfte Worte für die ihm so lange verdeckte Linda mitzugeben , sah Albano den Wagen der Gräfin auf die Höhe an Lianens Garten rollen , da halten und sie und Dian und Chariton aussteigen . Da kannt ' er weiter nichts als den Flug zur entbehrten Geliebten , der sich vor den vielen Augen leicht in die Sehnsucht nach Dian einkleidete ; und jetzt fragt ' er im Durst der Liebe nach gar keinem Auge . » Ach da bin ich doch ! « sagte Linda und ging ihm entgegen , mit den weichen Rebenschlingen zarter Blicke sich in seine verwebend - so scheu und so liebevoll - und das Abendrot der Verschämtheit zog , wie Frühlingsröte in der Nacht , um ihren Himmel , und der weiße Mond der Unschuld stand mitten darin ! - Albano zerging vom Tauwind dieser Verzeihung , warf sich seine süße Freude an ihrer Umkehrung als selbstsüchtigen Stolz über sein Siegen vor und konnte in der schönen Verwirrung des Glücks kaum das süße Staunen regieren und das aufgelöste Herz , das vor ihr zerrinnen wollte wie ein Gewitter in Abendtau . Er legte in sein Auge die Seele und gab sie der Geliebten . Vor Chariton mußt ' er sich verhüllen . Zu Dian und Linda sagt ' er , als sie in die hinuntersteigende Sonne sahen , bloß das Wort : » Ischia ! « » Da liegt nun freilich , lieber Anastasius , « ( sagte Chariton zu Dian ) » meine gute Fräulein Liane begraben , und man weiß nicht eigentlich wo im Garten , denn man sieht ja nichts als Blumen und Blumen ; sie hats aber so bestellt . « - » Das ist sehr betrübt und hübsch , « ( sagte Dian ) » aber laß es , - weg bleibt weg , Chariton ! « und führte sie seitwärts von den Liebenden schonend . An Albano , der nichts überhörte und übersah , war die Erschütterung davon so sichtbar . Auch Linda nahm sie wahr . » Sprich nur aus dein Weh , « ( sagte sie ) » ich liebe sie ja auch . « - » Ich denke an die Lebendigen « ( sagt ' er , sich zusammenfassend , und blickte scheu nicht auf den Blumengarten , sondern auf die sonnentrunkne Abendgegend ) - » kann man denn genug auf der Erde vergeben und erraten ? - Linda , o wie vergibst du mir heut ! « » Freund , « ( sagte sie ) » wenn Ihr sündigt , sollt Ihr Vergebung empfangen ; aber bis dahin seid noch still ! « Er sah sie bedeutend an : » Hast du nicht schon vergeben und ich noch nicht ? - Aber wüßtest du , wie ich in diesen Tagen