. Durchlaucht gefaßte anderweite gnädigste Resolution ( die mir in meinem hohen Alter niemand vermuthet ) vernehmen müssen . « Und so klagt er weiter und schließt damit , daß er persönlich » vorstellig « werden wolle . Der Kurfürst gab auch diesmal wieder , soweit er konnte , der Empfindlichkeit seines Dieners nach und ernannte den Duc nicht zum Feldmarschall , sondern beließ ihm nur seinen Titel als » Maréchal « , den er bereits in französischen Diensten geführt hatte . Aber neben dieser Empfindlichkeit her ging ein sehr feines Pflicht- und Ehrgefühl , so daß Pöllnitz mit allem Rechte von ihm schreiben durfte : » Das elende Handwerk eines Hofmannes war ihm fremd ; Eigennutz und Prachtliebe haßte er gleich stark « , Äußerungen , die lebhaft an die Worte erinnern , die Prinz Heinrich dem alten Zieten widmete : » Was ihn mehr auszeichnete als sein rascher Blick und sein hoher Mut , das waren seine Rechtschaffenheit und Uninteressiertheit und seine Verachtung gegen alle diejenigen , die sich auf Kosten unterdrückter Völker bereicherten . « Überhaupt zeigen diese beiden , neben Blücher und Seydlitz populärsten preußischen Reiterführer eine große Übereinstimmung : Frömmigkeit , Ehrlichkeit , Derbheit . Daneben eine bevorzugte Stellung zu den zwei größten Hohenzollern und das Aussterben ihrer Familie in der nächsten Generation . Auch darin sind sie sich ähnlich , daß beide gute Landwirte , überhaupt gute Wirte waren und etwas vor sich brachten . Dies führt uns auf Derfflingers Besitzverhältnisse . Diese waren die glänzendsten und Graf Lippe in seiner trefflichen , an mehr als einer Stelle von mir benutzten Biographie des Helden , durfte von ihm sagen , » daß er zu den märkischen Granden erster Klasse « gehört habe . Seine bloßen jährlichen Gehälter beliefen sich auf etwa 18000 Taler , die er aus seinen hohen Stellungen als Generalfeldmarschall , Geheimer Kriegsrat , Statthalter von Hinterpommern , Obergouverneur aller Festungen und Oberster dreier Regimenter 32 zog . Zu diesen Gehältern kam ein bedeutendes Barvermögen und die Revenue von sechs märkischen und vierzehn ostpreußischen Gütern , den sogenannten » Quittainenschen « . Die sechs märkischen Güter waren : Gusow , Platkow , Wulkow , Hermersdorf , Klessin und Schildberg , letzteres 1684 käuflich erstanden . Die ostpreußischen oder » Quittainenschen « waren : Quittainen selbst , Grünhagen , Mäcken , Skollmen , Matzweissen , Pergusen , Weinings , Gr.-Thierbach , Kl.-Thierbach , Krönau , Köllming , Greissings , Lägs , Trauten . Dazu kamen zwei Häuser : eins in Königsberg , eins in Berlin , an welch letzterem Ort er auch einen Garten : » Derfflings Weinberg « vor dem Landsberger Tore besaß . Auf diesem Weinberge steht jetzt die Bartholomäuskirche . Das Königsberger Haus kam mit anderem Derfflinger-Besitz an den Feldmarschall Hans Albrecht von Barfus . Das vorerwähnte Berliner Haus steht noch und zwar am Köllnischen Fischmarkt Nummer 4. Es ist das sogenannte d ' Heureusesche Haus am Abschluß der Breiten Straße . Derfflinger erhielt es 1683 als Entschädigung für die während des Schwedenkrieges in Holstein rückständig gebliebene Besoldung . Er ließ das alte Gebäude , das er vorfand , niederreißen und das jetzige , seinem hohen Range entsprechend , durch Nehring , den Erbauer des Zeughauses , aufführen . 33 Derfflinger war zweimal verheiratet und zwar in erster Ehe , wie bereits eingangs erwähnt , mit Margaretha Tugendreich von Schapelow , Erbanwärterin auf das Lehn Gusow , in zweiter Ehe mit Barbara Rosina von Beeren , auf Klein-Beeren und Wilmersdorf . Aus seiner ersten Ehe mit der Schapelow , die nur von kurzer Dauer gewesen sein kann , ward ihm eine Tochter , aus seiner zweiten Ehe mit der Beeren eine Reihe von Kindern geboren : zwei Söhne und vier Töchter . Die Namen aller sieben Kinder waren , nach Pauli , die folgenden : 1. Beate Luise ( Tochter erster Ehe ) , geboren 1647 . Sie vermählte sich 1674 » der Kriegstroublen halber « civiliter und erst 1677 kirchlich als dritte Gemahlin an Kurt Hildebrand von der Marwitz , der 1700 als Generalleutnant zu Küstrin verstarb . 2. Friedrich Freiherr von Derfflinger , geboren 1662 , vermählt mit Ursula Johanna von Osterhausen , erbte den reichen väterlichen Besitz und starb kinderlos 1794 als Generalleutnant . 3. Karl Freiherr von Derfflinger , machte als Volontär den Feldzug gegen die Türken mit und fiel am 25. Juni 1686 vor Ofen . 4. Luise Freiin von Derfflinger . Vermählt mit Joachim Balthasar von Dewitz , brandenburgischem Generalleutnant , Gouverneur der Festung Kolberg , Obersten zu Roß und Fuß . 5. Aemilia Freiin von Derfflinger . Vermählt mit Hans Otto von der Marwitz , brandenburgischem Obersten zu Pferde , Johanniterritter und designiertem Komtur zu Wietersheim . 6. Charlotte Freiin von Derfflinger . Vermählt mit Johann von Zieten , brandenburgischem Generalmajor , Gouverneur der Festung Minden . 7. Dorothea Freiin von Derfflinger . Blieb unvermählt . Da von den zwei Söhnen Derfflingers der eine vor Ofen blieb , der andere kinderlos starb , so ging Gusow samt Platkow in den Besitz von Seitenverwandten über . General von der Marwitz , Sohn von Kurt Hildebrand von der Marwitz und Enkel des Feldmarschalls Derfflinger , erkaufte dasselbe 1724 aus der Erbschaftsmasse für 130000 Taler und vererbte es auf eine seiner Nichten , die Frau des Ministers Grafen von Podewils . Durch weitere Vererbung kam Gusow 1804 an die Grafen von Schönburg . Graf Clemens von Schönburg ist der gegenwärtige Besitzer . Gusow jetzt Gusow jetzt Alles in Gusow , oder doch alles Beste was es hat , erinnert an den alten Derfflinger : Schloß , Park , Kirche . Das Schloß , architektonisch weder schön noch eigentümlich , besteht aus einem Corps de Logis und zwei langen , rechtwinkelig vorspringenden Flügeln , die nun einen Schloßhof bilden . Ein breiter Graben umgibt den Bau nach allen vier Seiten hin , der , mit Hilfe dieser Wassereinfassung , wie auf einer künstlichen Insel liegt . Zwei Brücken führen hinüber . Die Hinterfront gewährt einen Blick in die weiten Anlagen des Parks . Das Innere , soviel ich in Erfahrung bringen konnte , bietet nichts , was in die Derfflingerzeit zurückreichte , vielleicht mit Ausnahme zweier in der Vorhalle postierten Falkonets . Ein Porträt des Feldmarschalls ist neueren Datums und aus der kunstgeübten Hand eines Mitgliedes der Schönburgischen Familie hervorgegangen . Es ist ein Derfflinger zu Pferde , als Pendant zu einem Friedrich von Derfflingerschen Reiterbilde , das sich noch aus alter Zeit her im Schlosse vorfand . 34 Der Park ist ungewöhnlich groß und neben den schönsten Baumpartien auch reich an jenen gepflegten Rasenplätzen , die die Engländer » Lawn « nennen . Der alte Derfflinger , dem Gusow , wie so vieles andere , auch diesen Park verdankt , war besonders darauf aus , südliche Bäume , Zedern und Zypressen , großzuziehen . Die Zedern , wohl zwanzig an der Zahl , bilden eine Parkpartie für sich , die den Namen » Libanon « führt . Die Hauptzierde aber ist eine mehr denn sechzig Fuß hohe Zypresse , von der es heißt , daß sie der schönste derartige Baum in den Marken sei , ein Prachtstück , das König Friedrich Wilhelm IV. vergeblich bemüht war , für Sanssouci zu erwerben . Nach meiner botanischen Kenntnis ist es übrigens keine Zypresse , sondern ein Taxodium . Die Kirche geht in ihren Anfängen weit zurück . Derfflinger aber erweiterte und renovierte sie und zwar von 1666 bis 1670 nach dem Tode seiner zweiten Frau , » seiner seligen , hochadligen herzliebsten Barbara Rosine von Behren « , wie wir einer hinter dem Altar befindlichen Inschrift entnehmen können . Diese Inschrift lautet : » Der Fürstlichen Durchlaucht von Brandenburg Geheimer Kriegsrath , Statthalter von Pommern , Generalfeldmarschall , Ober-Gouverneur über alle Dero Festungen und Oberster zu Roß und Fuß , Ich George Freiherr von Derfflinger , Herr auf Gusow , Platkow u.s.w. als Patronus dieser Kirche habe dem lieben Gott zu Ehren Anno 1666 angefangen nach dem Tode meiner seligen hochadligen Ehehälfte Barbara Rosina von Behren diese Kirche , welche vor diesem sehr klein , unsauber und unordentlich war , aus meinen eigenen Mitteln zwanzig Schuh ' ins Best 35 zu verlängern und ein Begräbnisgewölbe , neuen Altar , Kanzel , Chöre , Fenster , Thüren , Leichenhalle und Stühle alles neu verfertigen lassen und ist solcher Kirchenbau mit der Malerei vollends Anno 1670 geendigt worden . Pfarrer ist zu dieser Zeit Salomon Sanovius aus Münchberg bürtig . Gott erhalte diese Kirche und behüte sie vor Krieg und Feuersbrunst , und gebe , daß sein heiliges Wort darin lauter und unverfälscht geprediget und die heiligen Sacramente nach Christi Einsetzung administriret werden bis zum lieben jüngsten Tag . « Rechts und links vom Altar befinden sich Kirchenstühle mit den Wappen folgender Familien : von Schapelow , von Berfelde , von Rilicher , von Promnitzer , von Stosch , von Haubitz , von Löben , von Hacke , von Redern , von Schulenburg , von Röbel , von Wenkstern . An andrer Stelle die Kriegs- und Gedenktafeln . Von eigentlichen Sehenswürdigkeiten innerhalb der Kirche verbleiben noch das Grabmonument und das Grabgewölbe . Das Grabmonument – ein trophäenartig aufgebautes Epitaphium – wurde durch Friedrich von Derfflinger dem Andenken seines Vaters errichtet . Es hebt sich von einer gemalten Wappendecke ab und muß ehedem sehr prächtig gewesen sein . Den Mittelpunkt bildet ein Steinsarkophag , in dessen flacher Vertiefung der Derfflingersche Feldmarschallsstab liegt . Er ist , wurmstichig , in zwei Teile zerfallen ; an beiden Teilen der Samt abgerissen und nur die vergoldeten Nägel noch sichtbar , die früher den Samt hielten . Über dem Sarkophag erhebt sich die schon erwähnte Derfflingerbüste : ausdrucksvolles Gesicht ; ziemlich mager ; die einzelnen Teile , mit Ausnahme der prononcierten Nase , eher klein als groß . Dazu langes , lockiges Haar und kleiner Schnurr- und Kinnbart . Einiges , das hierin von Paulis auf S. 182 gegebener Schilderung abweicht , ist auf den Unterschied der Jahre zurückzuführen . Über der Büste ein schwebender Engel , dessen rechte Hand leider abgebrochen ist . Unter dem Sarkophage die Grabinschrift , die neben Namen , Titel , Würden und Besitzungen zugleich auch Zeit und Ort seiner Geburt und seines Todes gibt . – Dies ist das eigentliche Epitaphium . Zu seiner weiteren Dekoration dienen zwei Standarten , die , divergierend gestellt , nach rechts und links hin über den Sarkophag hinausragen . Beide sind von gleicher Beschaffenheit : die blauseidenen Fahnentücher mit Fransen und Quasten geschmückt . Ihr Emblem besteht in einem nach außen gerichteten Arm , der ein Schwert führe , und darunter eine Flamme . Am oberen und rechtsseitigen Rande liest man in großen lateinischen Buchstaben : Agere aut pati fortiora . Nach allem ist anzunehmen , daß es Dragonerstandarten waren , vielleicht von Derfflingers eigenem Regiment . Über ihre brandenburgische Zugehörigkeit lassen die metallenen Fahnenspitzen keinen Zweifel . Die eine zeigt in zierlich durchbrochener Arbeit einen einköpfigen Adler mit der kurfürstlichen Krone , die andere die Chiffre F. III. ( Friedrich III. ) und darüber die gleiche Krone . Das Grabgewölbe Derfflingers befindet sich unter dem Altar . Eine Falltür führt hinab , aber sie pflegt sich keinem Besucher mehr zu öffnen . Diese Maßregel wurde nötig infolge von Unbilden , denen die irdischen Überreste des alten Helden durch viele Jahre hin ausgesetzt waren . Er lag , so hört ' ich , ein volles Jahrhundert lang in seiner Gruft , ohne daß sich Freund oder Feind um ihn gekümmert hätte . Erst als vor vierzig oder fünfzig Jahren der Sinn für das Heimische lebendig zu werden begann , kamen Reisende von nah und fern , die den alten Derfflinger sehen wollten . Ja , mit der Zeit wurde es Mode , neben dem schönen Gusower Park auch die Gruft des alten Feldmarschalls zu besuchen . Eine Mischung von Frivolität und Kuriositätenkrämerei find an ihr Spiel zu treiben und eh ' ein Dutzend Jahre um war , lag der alte Feldmarschall , wie von Kroaten geplündert , in seinem halb erbrochenen Sarge , nur noch mit zwei großen Reiterstiefeln angetan , die man ihm wohl oder übel gelassen hatte . Dagegen mußte schließlich Remedur geschafft und der Sarg vor profaner Neugier oder Schlimmerem geborgen werden . So wurde denn der Tote samt der zerbrochenen Sargkiste , darin er lag , in einen schweren Eichensarg gesetzt und der Deckel ein für allemal geschlossen . ( Nach Aussagen solcher übrigens , die bei dieser Umbettung ihn sahen , wäre seine frühere Kleidung : einfaches Wams und schwarze Hosen noch sehr wohl erkennbar gewesen . ) Mit Worten Paulis aber , des ersten Derfflingerschen Biographen , nehmen wir Abschied von unserem Helden : » Er erreichte das höchste Alter in höchsten Ehren . Das Alter allein hat keinen Anspruch auf unsere Ehrerbietung , aber wo wir Weisheit und den Sieg der Vernunft über Leidenschaft und Vorurteil mit ihm gepaart finden , da wird es uns ehrwürdig und liebenswert . Alles dies verband Derfflinger mit einer ungeheuchelten Gottesfurcht . Er unterhielt dieselbe durch Johann Arnds › Wahres Christentum ‹ , das er sich fleißig vorlesen ließ . Unschuld und fromme Sitte bereiteten ihn sein lebelang auf jenen Augenblick des Todes vor , der ein Schrecken der Gottlosen , aber die Zuversicht und der Frieden der Frommen ist . « Schloß Friedersdorf Joachim Ernst von Görtzke Joachim Ernst von Görtzke ein Sohn Joachims von Görtzke und der Elisabeth von Wichmannsdorf , wurde den 11. April 1611 zu Bollersdorf in der Mittelmark geboren . Er war Page bei der Prinzessin Marie Eleonore , Schwester des Kurfürsten Georg Wilhelm , und folgte dieser , bei Gelegenheit ihrer Vermählung mit Gustav Adolf , in gleicher Eigenschaft nach Schweden hinüber . Das war 1620 . Drei Jahre später ward er Page beim Könige selbst und machte von 1626 bis 1628 den Feldzug in Preußen mit , zu welchem Behuf er als Soldat in die Königliche Leibwache trat . In dieser stand er noch , als Gustav Adolf im Sommer 1630 an der Pommerschen Küste landete . Bald nach der Leipziger Schlacht ( 1631 ) anvancierte Görtzke zum Offizier , focht im folgenden Jahre mit bei Lützen und empfing jene schwere Verwundung , deren ich , bei Besprechung seines Porträts über dem Kamin der Friedersdorfer Halle , bereits erwähnt habe . Kaum wieder hergestellt , ward ihm , in dem Reiterregimente des schwedischen Generalmajors Adam von Pfuel , eine Rittmeisterstellung angeboten . Görtzke nahm an , machte den » Pfuelschen Zug « mit , und stieg bald danach zum Oberstwachtmeister , zum Oberstleutnant auf , nachdem er sich 1636 bei Wittstock gegen General Hatzfeld , und 1642 in der zweiten Schlacht bei Leipzig gegen Piccolomini ausgezeichnet hatte . Bis hierher fehlt es an Einzelheiten . Aber von 1644 an wird seiner im besonderen und gelegentlich mit einer gewissen Ausführlichkeit erwähnt . Torstensson , als er nach Jütland aufbrach , hatte den erst Dreiunddreißigjährigen zur Verteidigung Schlesiens und Mährens zurückgelassen und ihn mit dem Oberbefehl über elf feste Plätze betraut . In dieser Stellung bewies er sich als ein würdiger Schüler Gustav Adolfs und zeigte neben dem Mute des Soldaten zugleich auch die Klugheit und Gesinnung eines protestantischen Feldherrn . Er rief die von ihren Kanzeln vertriebenen Geistlichen wieder zurück , besetzte die vakant gewordenen Stellen und stellte , soweit seine Macht reichte , den lutherischen Gottesdienst wieder her . In allem fand er so sehr die Zustimmung des Stockholmer Hofes , daß ihm – auch wohl um sich seiner ferneren Dienste zu versichern – der Befehl über eins der schwedischen Reiterregimenter übertragen wurde . Diesem Regimente stand er während der letzten Kriegsjahre vor . Aber unmittelbar nach der Friedensunterzeichnung nahm er den Abschied und zog sich auf seine märkischen Güter zurück . Erst 1656 , zwei Jahre nach seiner Vermählung mit Lucia von Schlieben , trat er wieder in Dienst , diesmal in kurbrandenburgischen , und beteiligte sich im selbigen Jahre noch an dem Kriege gegen Polen ( dreitägige Schlacht bei Warschau ) dann aber , in hervorragender Weise , an den durch fast drei Jahrzehnte sich hinziehenden Kämpfen mit Schweden und Frankreich . 1672 , mittlerweile zum General aufgerückt , stand er als Chef und Inhaber an der Spitze dreier Regimenter des brandenburgischen Heeres . Dieses selbst aber hatte zu genannter Zeit , nach Paulis Angaben , folgende Zusammensetzung : Fußvolk Feldzeugmeister von der Goltz 1600 Mann Generalleutnant der Infanterie Graf Dohna 1400 Mann Generalleutnant der Kavallerie von Kannenberg 800 Mann Generalleutnant der Infanterie Prinz von Holstein 1500 Mann Generalleutnant der Infanterie von Götz 1000 Mann Generalmajor der Leibgarde von Pöllnitz 3000 Mann Generalmajor von Görtzke 500 Mann Generalmajor von Spaan 1000 Mann Generalmajor von Eller 300 Mann Generalmajor von Pfuel 500 Mann Generalmajor von Schwerin 1000 Mann Generalmajor La Sare 1000 Mann Oberst von Schöning 1400 Mann Oberst Förgel 1400 Mann Oberst von Pöllnitz 500 Mann 16900 Mann Reiterei Feldmarschall Fürst von Anhalt 600 Mann Feldmarschall von Derfflinger 600 Mann General der Reiterei Prinz von Homburg 600 Mann General der Kavallerie von Kannenberg 600 Mann Generalmajor von Görtzke 600 Mann Generalmajor von Spaan 600 Mann Generalmajor von Eller 600 Mann Generalmajor von Pfuel 600 Mann Generalmajor d ' Espence 800 Mann Oberst von Mörner 600 Mann 6200 Mann Dragoner Feldmarschall von Derfflinger 400 Mann Generalmajor von Görtzke 200 Mann Oberst von Kanitz 500 Mann Oberst von Schlieben 500 Mann 1600 Mann Total : über 24000 Mann . 1674 war Görtzke mit am Oberrhein , ward am folgenden Neujahrstage zum Generalleutnant erhoben und focht in allen Bataillen der nun folgenden Jahre . Nirgends glänzender als in Ostpreußen während des Winterfeldzuges von 1679 . Er war , während der Kurfürst seine Streitkräfte sammelte , mit 3000 Mann vorausgeschickt worden , um das durch 16000 Schweden unter General Horn bedrohte Königsberg zu decken . Dieser schwierigen Aufgabe scheint er sich mit besonderem Geschick unterzogen zu haben . Als er in Königsberg eintraf , waren die Schweden schon diesseits des Njemen . Ihnen eine Schlacht zu bieten , dazu war er numerisch zu schwach . Er vereinigte sich deshalb mit der etwa 4000 Mann starken ostpreußischen Landmiliz und nahm eine gute Stellung bei Wehlau , von der aus er durch einen unausgesetzten Scharmützelkrieg den Feind zu beschäftigen und an einem ernsten Vorgehen zu hindern trachtete . Er erreichte jedoch seinen Zweck nur halb . Die Wehlauer Stellung , weil alle Wässer mit Eis bedeckt waren , war auf die Dauer nicht zu halten und Görtzke mußte sich auf Königsberg zurückziehen , zu dessen Entsatz der Kurfürst jeden Tag erscheinen konnte . Als dies geschah , ergriff Görtzke ungesäumt die Offensive wieder und leitete durch den Übergang über das zugefrorene Frische Haff jene berühmt gewordene Verfolgung ein , die mit der Vernichtung des schwedischen Heeres endigte . Über diese Verfolgung selbst habe ich in dem Kapitel Tamsel ausführlicher berichtet . Der Friede von St. Germain machte diesen Kriegswirren ein Ende , und Görtzke zog sich nunmehr ruhebedürftig in seine Statthalterschaft Küstrin zurück . In nächster Nähe lagen seine Güter und gestatteten ihm Besuch und Aufenthalt . Um diese Zeit war es auch , daß er , lange vor seinem Hinscheiden , sich einen Sarg anfertigen ließ , den er mit der Standhaftigkeit eines hoffenden Christen zu betrachten liebte . Den 27. März 1682 starb er , seines Alters im 72. , und ward einen Monat später am 27. April , von Küstrin aus nach Friedersdorf in seine Gruft übergeführt . Hans Otto von der Marwitz hat ihm die Standrede , Garnisonprediger Johann Heinrich Grunelius die Leichenrede gehalten . Aus seiner Ehe mit der Lucie von Schlieben waren ihm drei Töchter : Maria Elisabeth , Barbara , und Lucie Hedwig geboren worden . Die mittlere ( Barbara ) starb jung , während sich die älteste mit dem Anhalt-Zerbstischen Hofmarschall Johann Georg von der Marwitz , die jüngste mit dem brandenburgischen Obersten und Kommandanten von Küstrin Ulrich von Lüderitz vermählte . Der » alte Paladin « selbst aber muß im Rat und Herzen seines Kurfürsten in hohem und besonderem Ansehen gestanden haben . Dennoch gebricht es an Erinnerungsstücken an ihn , auch die Tradition schweigt , und alles , was die Stätte seines Heimganges von ihm aufweist , ist das Schloß , das er sich schuf , und die beiden Bildnisse , die seine Züge der Nachwelt überliefert haben . * So viel über den » Paladin « . Aber zurücktretend von seinem Bilde , werden wir bei weiterer Umschau gewahr , daß andere jetzt an dieser Stelle zu Hause sind . Den Marwitzen gehört das Feld . Und vor allem auch diese Kirche . Von rechts her Gestalten und Inschriften , die der Epoche vor dem Siebenjährigen Kriege zugehören , von links her die Namen und Bildnisse derer , die seitdem gekommen und gegangen sind . Da sind zunächst ( zur Rechten ) die Bildnisse Hans Georgs und seiner zwei Frauen , Medaillonporträts , deren eines träumerisch und wehmutsvoll aus dem weißen Kopftuche hervorblickt . Da sind , an derselben Seite , die Monumente seiner beiden Söhne , von denen der eine , voll Eifer für die Wissenschaften , jung und unvermählt verstarb , während der andere ( August Gebhard ) in die Armee trat und , als Gardekapitän den Dienst quittierend , seine Tage auf Friedersdorf beschloß . Von diesem August Gebhard von der Marwitz , dem Urgroßvater des gegenwärtigen Besitzers , existieren noch ein paar Überlieferungen , die hier Platz finden mögen , weil sie ein anschauliches Bild von dem Leben geben , das ein märkischer Edelmann vor den Tagen des Siebenjährigen Krieges zu führen pflegte . August Gebhard lebte noch völlig als Patriarch . Die Bauern fürchteten sein grimmiges Ansehen und vermieden ihn lieber , als daß sie ihn suchten . Er war etwa der » Soldatenkönig im Kleinen « und das bekannte » lieben sollt ihr mich « ward auch hier mit dem spanischen Rohr auf die Rücken geschrieben . Von besonderer Wichtigkeit war der sonntägliche Kirchgang . In vollem Staat , gefolgt von Frau und Kindern , erschien dann der alte Gardekapitän auf seinem Chor und teilte seine Aufmerksamkeit zwischen dem Prediger und der Gemeine . Sein kontrollierender Blick war über dem Ganzen . Ein eigens bestallter Kirchenvogt mußte aufmerken , wer von den Bauern ausgeblieben war , von denen jeder , der ohne triftige Ursache fehlte , an seinem Beutel oder seinem Leibe bestraft wurde . Dabei war August Gebhard ein Lebemann . Sein Haus stand gastlich offen und in heiterer Gesellschaft vergingen die Tage . Man aß von silbernem Geschirr und eine zahlreiche Dienerschaft wartete auf . Der Sommer gehörte dem Leben auf dem Lande , aber der Winter rief alles nach Berlin . In einem mit sechs Hengsten bespannten Wagen brach man auf und ein Läufer in voller Livree lief vor dem Zuge her . Auch in Berlin machte August Gebhard ein Haus ; vornehme Gesellschaft ging aus und ein , angezogen durch den feinen und geistreichen Ton seiner zweiten Gemahlin , einer geborenen von der Goltz . Das Weihnachtsfest führte die Familie auf kurze Zeit nach Friedersdorf zurück , bis mit dem herannahenden Karneval der Läufer und die sechs Hengste wieder aus dem Stall mußten . Das waren die Zeiten August Gebhards . Die kommenden Jahre trugen von allen Seiten her Verwüstung in das Land und zerstörten die Wohlhabenheit , die die gesunde Basis dieses patriarchalischen Lebens war . August Gebhard starb 1753 . Er hinterließ drei Söhne , von denen wir jedem einzelnen , statt der Verwirrung stiftenden Vornamen , lieber ein bezeichnendes Beiwort geben wollen . So nennen wir denn den ältesten den Hubertusburg-Marwitz , den zweiten den Hochkirch-Marwitz , den dritten aber , der nicht Gelegenheit fand , im Kriege sich auszuzeichnen , einfach nach seinem Titel , den Kammerherrn Marwitz . Von jedem mögen hier ein paar Worte stehen . Der Hubertusburg-Marwitz ( Johann Friedrich Adolf ) war 1723 geboren . Er trat in das Regiment Gensdarmes und avancierte von Stufe zu Stufe . Er war ein sehr braver und in großer Achtung stehender Soldat , ein feiner und gebildeter Weltmann , ein Freund der Literatur und der Kunst . Der große König schätzte ihn hoch , besonders auch , weil er das Regiment Gensdarmes fast den ganzen Siebenjährigen Krieg hindurch , statt des eigentlichen Kommandeurs , Grafen von Schwerin , mit dem größten Sukzeß geführt hatte . Bei Zorndorf war er mit unter den besten gewesen . So kam das Jahr 1760 . Der König hatte nicht vergessen , daß es sächsische Truppen gewesen , die das Jahr vorher Schloß Charlottenburg geplündert hatten , und voll Begier nach Revanche gab er beim Einrücken in Sachsen sofort Befehl , Schloß Hubertusburg – dasselbe , das später durch den Friedensschluß berühmt wurde – zu zerstören . Das Mobiliar des Schlosses sollte dem plündernden Offiziere zufallen . Der Befehl zur Ausführung traf unsern Marwitz , der damals Oberst war . Dieser schüttelte den Kopf . Nach einigen Tagen fragte ihn der König bei Tisch , ob Schloß Hubertusburg ausgeplündert sei ? » Nein « , erwiderte der Oberst . Eine andere halbe Woche verging und der König wiederholte seine Frage , worauf dieselbe lakonische Antwort erfolgte . » Warum nicht ? « fuhr der König auf . » Weil sich dies allenfalls für Offiziere eines Freibataillons schicken würde , nicht aber für den Kommandeur von Seiner Majestät Gensdarmes . « Der entrüstete König stand von der Tafel auf und schenkte das Mobiliar des Schlosses dem Obersten Quintus Icilius 37 , der bald darauf alles rein ausplünderte . Bei allen Revuen nach dem Frieden war nun der König immer höchst unzufrieden , andere Offiziere wurden dem tapferen Gensdarmenobersten vorgezogen und Marwitz forderte seinen Abschied . Der König verweigerte ihn . Neue Kränkungen blieben indes nicht aus und Marwitz kam abermals um seine Entlassung ein . Keine Antwort . Da tat Johann Friedrich Adolf keinen Dienst mehr und blieb ein ganzes Jahr lang zu Hause . Nun lenkte der König ein und versprach ihm das nächste vakante Regiment . Aber vergeblich . Er ließ antworten : er habe so gedient , daß er sich kein passe droit brauche gefallen zu lassen ; was geschehen sei , sei geschehen , und könne kein König mehr ungeschehen machen . Zugleich forderte er zum drittenmal seinen Abschied und erhielt ihn nun ( 1769 ) . Er war damals erst sechsundvierzig Jahre alt . Das Ende seines Lebens entsprach nicht dem ruhmreichen Anfang . Aller regelnden Tätigkeit und jener wohltätigen Disziplin , die der » Dienst « auf die Kräfte und Leidenschaften starker Naturen ausübt , überhoben , verfiel er einem glänzenden Müßiggange , den er nunmehr mit derselben Konsequenz und Energie wie früher seine soldatischen Tugenden durchführte . Den größten Teil des Tages verbrachte er beim Spiel . Kam er nach Friedersdorf , so war er sicher von seiner » Partie « begleitet . Unter der großen Linde welche hinter dem Hause im Garten steht , hatte er sich eine Laube einrichten lassen . Dort saß er schon am Morgen und spielte . Dann wurde mit großem Aufwande getafelt , viel und gut und lange getrunken , bis der Abend die Beschäftigung des Morgens wieder aufnahm . Er besaß ein höchst wertvolle Bibliothek , die sich jetzt noch im Friedersdorfer Schloß befindet . Alle diese Bücher hatte er , partienweise , dem Quintus Icilius im Spiel abgewonnen und sich dadurch nachträglich und auf dem Wege rechtens in Besitz derselben Bibliothek gesetzt , deren Fortführung aus Schloß Hubertusburg er , als unwürdig eines Marwitz und Obersten der Gensdarmes , verweigert hatte . Dieser Johann Friedrich Adolf , oder der Hubertusburg-Marwitz , wie wir ihn genannt haben , starb 1781 . Die Friedersdorfer Kirche bewahrt sein Andenken durch einen Grabstein , auf dem wir die Worte lesen : » Johann Friedrich Adolf . Er sah Friedrichs Heldenzeit und kämpfte mit ihm in allen seinen Kriegen . Wählte Ungnade , wo Gehorsam nicht Ehre brachte . « Sein jüngerer Bruder war der Hochkirch-Marwitz ( Gustav Ludwig ) . Er diente ebenfalls im Regiment Gensdarmes und focht bei Hochkirch mit solcher Auszeichnung , daß er , unmittelbar nach der Schlacht , vom Rittmeister zum Major anvancierte und den Pour le mérite erhielt . Er ist nicht zu verwechseln mit dem Quartiermeister von der Marwitz , dessen Name in noch glänzenderer Weise mit der verhängnisvollen Nacht von Hochkirch verwoben ist . Dieser letztere von der Marwitz , mit der Friedersdorfer Linie nur weitläufig verwandt , weigerte sich bekanntlich , das Lager , das einen Überfall gleichsam herauszufordern schien , an der angewiesenen Stelle abzustecken , und erhielt dafür nicht nur keinen Pour le mérite , sondern fiel in Ungnade . Er starb bereits im folgenden Jahre 1759 . » Son mérite et ses services seraient oubliés sie ce monument n ' en conservait le mémoire « , so schrieb Prinz Heinrich unter den Namen dieses Marwitz ( des Quartiermeisters ) und reihte denselben unter die Namen ein , die den Sockel des großen Rheinsberger Obelisken in goldner Schrift umziehen . Unser Hochkirch-Marwitz aber stieg von Stufe zu Stufe , kommandierte das altmärkische Kürassierregiment , das zu Salzwedel lag , und starb erst 1797 als Generalleutnant . Die Friedersdorfer Kirche erwähnt seiner nicht . Der dritte und jüngste Bruder war der Kammerherr Marwitz ( Bernd Friedrich August ) . Sein Leben verlief ohne historische Momente , ohne Taten nach außen . Kurz vor seinem Tode ward er als interimistischer Intendant an die Spitze der königlichen Schauspiele berufen . Die Memoiren seines Sohnes äußern sich bei dieser Gelegenheit : » Der Ärger über das scheußliche Komödiantenvolk , mit dem er verkehren mußte , vorzüglich aber die unvermeidlichen Erkältungen während der Vorstellungen gaben ihm den letzten Stoß . « Er starb 1793 . Seine Gedenktafel in der Friedersdorfer Kirche fügt seinem Namen einfach die Worte hinzu : » Grad , bieder , rechtschaffen . « So war er . Es war ihm nicht gegeben , zum Ruhme seiner Familie