und die Mutter noch bei einander sitzen . Sie grüßten die Eltern , die Eltern grüßten sie . » Nun , habt ihr die Stelle besucht ? « fragte Heinrich . » Wir haben sie besucht « , antwortete Witiko . » Wir sind auch auf den Steinen an der Sperwiese gesessen « , sagte Bertha . » Habt ihr an dem Häuschen der heiligen Mutter ein kurzes Gebet gesprochen ? « fragte Wiulfhilt . » Wie wir vor sechs Jahren bei dem Häuschen gebetet haben « , antwortete Bertha , » so haben wir heute auch gebetet . « » Vergiß den Himmel nicht , mein Kind , und der Himmel wird deiner nicht vergessen « , sagte Wiulfhilt , » und bei Witiko wird es auch so sein . « » Witiko hat vor sechs Jahren am Sonntage in dem Walde gebetet « , sagte Bertha . » Und dann habe ich mein Glück gefunden « , sprach Witiko . » Gott hat mir stets mehr gegeben , als ich verdient habe . Hoher Herr und hocherhabene Frau , ist es euch genehm , die Abbildung der Burg zu sehen , die ich baue , so lasse ich sie bringen ? « » Zeigt sie uns « , antwortete Heinrich , » laßt aber das Begabungspergament bei Seite . « » Wie es Euer Wille ist « , sagte Witiko . Heinrich rief durch einen Schlag auf eine Glocke einen Diener herbei . Witiko sagte ihm , er möchte sich von seinem Knechte Raimund die braune Ledertasche geben lassen , und sie bringen . Der Diener brachte die Tasche . Witiko öffnete ihr Schloß , und zog ein Pergament heraus , und legte es vor Heinrich und Wiulfhilt auf den Tisch . Das Pergament war schneeweiß , und auf dem weißen Grunde war das Bild einer Burg und eines Waldes an ihren Seiten in Farben . » Wie schön « , sagte Heinrich . » Das ist ein Bild , der Aufbewahrung wert « , sprach Wiulfhilt . » Es wird auch aufbewahrt « , antwortete Witiko . » Diese Fenster sehen nach Mittag , diese nach Morgen , die auf den Rückseiten , welche auf dem Bilde nicht erscheinen , sehen nach Mitternacht und Abend , und innerhalb aller dieser Fenster sind rings die Gemächer des Burgherrn und der Burgfrau . Über diesen sind andere Gemächer , und unter ihnen ist die Burgkirche , der Saal , und andere Gelasse . Hier sind die Vorbauten mit Wohnungen , und zwischen dem Vorbaue und dem Hauptbaue ist der Burghof . Hier sind Ställe und Vorratsräume , und hier schließt sich die Verteidigungsmauer . In den andern Blättern sehet ihr die innere Ausdehnung und Einteilung . « Witiko zog noch mehrere Blätter aus der Ledertasche , auf welchen Zeichnungen mit Linien waren . Heinrich betrachtete die Blätter sehr genau , dann sagte er : » So wie ich jetzt meine , ist die Burg gut erdacht und überlegt . Hat sie der Baumeister Eppo erfunden ? « » Ich habe ihm den Platz beschrieben , auf dem die Burg stehen soll « , antwortete Witiko , » und habe ihm gesagt , wie ich mir die Burg denke . Dann hat er auf Blättern zu zeichnen angefangen , wir haben daran abgeändert , bis die Sache so wurde , wie sie ist . Dann hat er die Abbildungen verfertigt , und mir die Nachbilder auf Pergament gemacht . « » Und er baut jetzt die Burg « , sagte Heinrich . » Er baut sie « , antwortete Witiko . » So sei der Segen Gottes über ihm « , sprach Heinrich . » Er möge es sein « , sagte Witiko . Dann reichte er das Pergament mit dem Farbenbilde an Bertha . Bertha betrachtete es , gab es dann wieder zurück , und sagte : » Witiko , es ist ein schönes Bild und ein schönes Haus . « » Und die drinnen wohnen werden , sollen glücklich sein « , sprach Witiko . Dann ordnete er die Blätter wieder in die Ledertasche , schloß die Tasche , und schickte sie in sein Gemach . Es waren hierauf noch verschiedene Gespräche zwischen Heinrich , Wiulfhilt , Bertha und Witiko . Dann verabschiedete sich Witiko , und ging in sein Gemach . Das Abendessen war in dem Waldhause wie in früheren Zeiten . Des andern Morgens ging Witiko zu dem Köhler Mathias . Der Köhler und sein Weib erhoben einen Freudenruf , als sie Witiko erblickten . » Witiko , Witiko « , rief die Frau , » jetzt ist alles gut , jetzt hat Gott mein Gebet erhört , wir wissen es , und wissen schon alles , es ist alles gut . « Und sie reinigte mit einem Tuche die Bank , auf welche sich Witiko setzen sollte . » Der Himmel hat Euch gesegnet , seit Ihr an jenem Sonntage von uns fort geritten seid , und wir freuen uns des Segens « , sagte Mathias . » Ich weiß es « , sagte Witiko , » ich habe eurer oft gedacht , und werde eurer noch denken . « » Wollt Ihr eine Milch , sie ist die beste in dem Walde « , sprach die Frau . » Gib mir später eine Milch , Margaretha « , sagte Witiko , » jetzt aber nenne und bringe mir einen Mann , Mathias , der sicher eine Botschaft zu meiner Mutter in unsern Hof Pric trägt . « » Ich weiß schon « , sagte Mathias , » das muß Eure Mutter schnell erfahren , und weil meine Meiler rauchen , muß der alte Peter gehen , er geht in seinem Ledergewande in einem und unausgesetzt fort , bis er dort ist , und dann geht er wieder zurück . « » Und bürgst du für ihn ? « fragte Witiko . » Ich bürge für ihn « , antwortete Mathias . » So hole ihn « , sprach Witiko . Mathias ging fort , und kam nach einer Zeit mit Peter zurück , und sagte : » Er wird nach Pric gehen . « » Bist du des Weges kundig ? « fragte Witiko den Mann . » Wie der Diele meiner Stube « , antwortete der Mann . » So trage den Brief , der in diesem Tuche ist , nach Pric « , sagte Witiko , » gib ihn Wentila , meiner Mutter , und bringe mir die Antwort am achten Tage nach Friedberg . Hier hast du Lohn für den Hinweg , in Friedberg erhältst du ihn für den Rückweg . Rüste dich , daß du bald fort gehen kannst . Spute dich , raste , wo du es bedarfst , und genieße deiner Nahrung . « » Ich raste nicht viel « , sagte der Mann , » und habe meine Nahrung bei mir . « Witiko gab ihm den Brief und etwas an Gelde . Peter nahm beides , und ging fort . Witiko blieb noch eine Weile bei den Köhlerleuten , und trank etwas von der Milch , welche ihm Margaretha nun reichte . Die Kinder kamen von dem Walde , und Witiko beschenkte sie . Die Köhlerleute sprachen von den Dingen , die geschehen waren , und Margaretha sagte , sie habe Witiko geweissagt , da er einmal von ihnen Abschied genommen habe ; denn sie habe die Worte gesagt : Erlebet recht große Dinge . » Sie sind so groß nicht geworden « , sagte Witiko . Nach einer Zeit verabschiedete er sich , und ging wieder in das Waldhaus Heinrichs von Jugelbach zurück . Er lebte nun als Gast in dem Hause mit Heinrich , Wiulfhilt und Bertha . Heinrich zeigte ihm genau alle Zubehör des Hauses , und sie sprachen von der Gebarung mit Feld , Wiese , Wald und Viehstand . Einmal waren alle und drei Dienstmannen Heinrichs , die gekommen waren , auf dem Fels der drei Sessel , und ein anderes Mal waren sie bei dem schwarzen See , und wieder andere Male an verschiedenen Stellen des großen Waldes . An einem Vormittage saßen Witiko und Bertha auch auf den Steinen der Sperwiese , da die Sonne auf dieselben schien . Am sechsten Tage , da Witiko in dem Hause Heinrichs war , ging er des Nachmittages allein im Walde auf dem Wege , der zu den Sesseln führt . Da sprang über grünbemooste Steine zwischen den Stämmen Wolf zu ihm , blieb stehen , sah ihn an , und sprach : » Ihr habt mir schon im Hauzenberge Vergunst zum Reden gegeben , gebt sie mir heute auch . « » Die hast du immer , Wolf « , sagte Witiko , » ich habe mit dir in dem Speisesaale geredet , und du mit mir , und du hast alle Tage mit mir reden können . « » Aber geheim und allein « , sagte Wolf . » So rede geheim und allein « , sprach Witiko . » Es muß so sein « , antwortete Wolf . » Ich bitte Euch , nehmet mich in Eure Dienste . « » Willst du deinen Herrn , Heinrich von Jugelbach , verlassen ? « fragte Witiko . » Ich will ihn nicht verlassen « , antwortete Wolf , » sondern recht bei ihm bleiben , nämlich bei Bertha , seiner Tochter . Ihr werdet sie heiraten , und da werden Frauen mit ihr zu Euch gehen , ihr zu dienen , ich weiß nicht , ob auch Männer mitgehen , die ihre und Eure Diener sind ; aber es soll einer mitgehen , und ich ginge mit . « » Bist du Bertha so zugetan ? « fragte Witiko . » Freilich , und ich muß ihr ja in vielem helfen « , sagte Wolf , » sie ist hochgeistig wie ihr Vater , und hilft sich in manchem nicht , was sie will . Es wäre eine wahre Schandtat gewesen , wenn Ihr sie nicht geheiratet hättet . Und seit Ihr mit den zwei andern da gewesen seid , seid Ihr wieder gar nicht gekommen , was nicht recht ist . « » Bertha sagt , es ist recht gewesen « , sprach Witiko . » Sie sagt es ; aber ich sage , es ist gar nicht recht gewesen « , antwortete Wolf , » da seid Ihr aber doch gekommen , und alles ist gut geworden , ich weiß es schon , alles ist mir gelungen . « » Dir ist es gelungen « , sagte Witiko . » Da Ihr einmal bei uns gewesen seid , und da ich mit Euch auf dem Sesselfels und auf dem Hohenstein und bei dem schwarzen See gewesen bin « , sprach Wolf , » und da Ihr fort geritten waret , und da Ihr so lange in dem oberen Plane wartet , da bin ich manches Mal in den Wacholderbüschen gelegen , wenn Ihr von dem Kreuzberge auf unseren Wald geschaut habt . Ich bin in dem Walde gelegen , wenn Ihr geritten seid , ich bin in den Kornhalmen gewesen , wenn Ihr mit den Männern auf Euren Gassenbänken gesessen seid . Ich bin in manchem Hause gewesen und in mancher Ortschaft , und habe ihnen einen Topf gebunden oder Reifen geschnitten , und da habe ich gehört , was sie von Euch sagen . « » Du bist also mein Späher gewesen « , sagte Witiko . » Ja « , entgegnete Wolf , » Bertha hat kein Wörtlein gesagt ; aber wenn ich ihr von Euch erzählte , daß ich Euch gesehen habe , und was Ihr getan habt , blickte sie sehr freundlich . Es sind nur jetzt keine Rosen ; aber da Ihr damals fort geritten waret , trug sie immer Rosen auf dem Haupte , seit Ihr sie mit den schlechten roten Rosen gesehen habt . Und bei Eurem Feste auf dem Pferdeanger bei dem oberen Plane bin ich auch gewesen . « » Bist du bewirtet worden ? « fragte Witiko . » Ich habe Eures Bieres und Eures Bratens hinlänglich bekommen « , sagte Wolf , » und ich habe auch unserem Herrn erzählt , was Ihr getan habt , wie die Leute davon reden , und was ich selber gesehen habe , und ich bin auf den Grund gekommen , daß Ihr treu sein werdet . « » Und du möchtest in meiner Burg leben ? « fragte Witiko . » Ja « , entgegnete Wolf , » sie wird sehr schön , ich habe sie schon bauen gesehen , und bin neulich hinein gerannt . « » Wenn Heinrich von Jugelbach , und wenn seine Ehegemahlin Wiulfhilt von Dornberg nicht dagegen sind « , sprach Witiko , » und wenn Bertha es will , so magst du in meine Burg kommen . « » Seht , ich habe es gewußt , daß Ihr gut seid « , entgegnete Wolf , » es wird ihnen schon genehm sein , und ich werde Euch Tag und Nacht dienen , und wir werden oft zu Herrn Heinrich und Frau Wiulfhilt kommen . Und Bertha wird mir die Befehle erteilen . Habt Ihr das schöne Pferd noch ? « » Ich habe es noch « , sagte Witiko , » aber es altert schon . « » Gute Pferde halten lange in die Zeit « , sprach Wolf . » Unser Herr nimmt die guten von hier immer mit nach Jugelbach , und läßt die da , welche langhaarig sind . Eure Reiter auf dem Anger haben auch kleine langhaarige Pferde gehabt . « » Diese Pferde waren in dem Kriege sehr brauchbar « , sagte Witiko . » Ich weiß es , weil sie Waldpferde sind , und genügsam und arbeitsam , und weil sie gut klettern können « , sprach Wolf , » das Pferd , auf dem Ihr gekommen seid , ist fein . « » Mir hat es der Herzog Wladislaw gegeben « , antwortete Witiko . » Bei uns ist kein Krieg « , sagte Wolf , » und wenn ich bei Euch bin , werde ich mit Euch in den Krieg gehen , und mir Geschenke und Pferde erwerben . « » Wenn du im Kriege tüchtig bist , wird es dir nicht fehlen « , sagte Witiko . » Ich werde tüchtig sein « , antwortete Wolf . » Und nun , Wolf , hast du noch andere Dinge an mich ? « fragte Witiko ; » denn sonst muß ich mich von dir verabschieden . « » Nein , verabschiedet Euch nur , und ich danke Euch für alles , und alles wird recht werden , und gehabt Euch wohl , hoher Herr « , sagte Wolf . » Gehabe dich wohl « , sagte Witiko . Und Wolf sprang wieder über die Steine zwischen den Stämmen davon , wie er gekommen war . Witiko aber ging seines Weges weiter . Am siebenten Tage verabschiedete er sich von dem Waldhause Heinrichs von Jugelbach , und ritt nach Friedberg zurück . Zwei Tage darauf brachte ihm der alte Peter den Brief seiner Mutter . Witiko lohnte den alten Peter , und dieser begab sich auf den Heimweg . Nun ließ er Zeichen in Bäume seines Waldes schlagen , daß sie gefällt würden , wenn es an der Zeit wäre . Dann begann er an einer Stelle reuten zu lassen , und machte den Anfang , einen hölzernen Hof für Rinder zu bauen , und dann ritt er zu seiner Mutter nach Pric , und blieb eine Woche dort . Hierauf begab er sich wieder nach Friedberg zu dem Baue seiner Burg . Der Bau ging schnell fort , weil immer viele Menschen daran arbeiteten , und immer neue freiwillig herzu kamen . Und ehe die Blätter der Birken gelb wurden und die Blätter der Buchen rot , ragte der Bau mit den Gerüsten wie ein großer viereckiger Turm von dem Saume des Waldes empor , daß er weither gesehen werden konnte . Man vermochte ihn von den Berggipfeln des Landes im Mittage bis von den Höhen an den Donauufern aus zu erblicken , man vermochte ihn von den Gipfeln der Wälder an der Moldau , und von dem Tale der Moldau oberhalb Plan bis Friedberg hinunter zu erblicken , und die Mädchen von Plan stiegen auf den Kreuzberg , um den Bau Witikos recht deutlich erschauen zu können . 3 Es kamen tausend Scharen . Als sich wieder der Herbst annäherte , ritt Witiko mit einem Geleite von Friedberg gegen Prag . Er sah auf seinem Wege manche Herren mit ihrem Gefolge des nämlichen Weges ziehen , und er sah andere Menschen dahin wandern . Da er in Prag angelangt war , zog er mit seinen Männern in eine Herberge des rechten Burgfleckens . Es waren sehr viele Menschen in Prag , insonderheit von den hohen und niederen Herren mit ihren Mannen . Witiko ging an dem Tage nach seiner Ankunft zu dem Herzoge . Bei dem Herzoge waren Herren , die zu dem Gruße des Herzoges gekommen waren . Witiko brachte auch seinen ehrerbietigen Gruß dar , und der Gruß wurde von dem Herzoge freundlich erwidert . Der Herzog und die Herren sprachen von den mannigfaltigen Dingen , die sich in dem Lande vollendeten . Manche Herren gingen fort , andere kamen wieder . Witiko verabschiedete sich auch , und ging zu der Herzogin . Bei ihr waren hervorragende Männer , ihren ehrfurchtvollen Ankunftsgruß darzubringen . Witiko tat es ebenfalls , und er wurde von der Herzogin liebreich empfangen . Dann verabschiedete er sich , und ging wieder in seine Herberge . In der folgenden Zeit besuchte er mehrere Herren , Männer und Freunde , mit denen er in dem ersten und in dem zweiten Kriege gewesen war . Auf den vierten Tag nach seiner Ankunft war eine Versammlung bei dem Herzoge anberaumt . Witiko ging in dieselbe . In dem großen Saale des Herzoghofes saß auf einem erhöheten Stuhle Wladislaw , der Herzog von Böhmen und Mähren . Dann saß auf einem gleichfalls erhöheten Stuhle Guido , der Gesandte des Heiligen Vaters Innozenz . Dann saßen auf Stühlen Otto , der Bischof von Prag , Daniel , der Dompropst von Prag , Silvester , der ehemalige erwählte Bischof von Prag , Gezo , der Abt von Strahow , Peter , der Abt von Brewnow , dann die Äbte von Kladrau und Wilimow , und andere Äbte , Pröpste und Priester . Dann saßen auf Stühlen Diepold und Heinrich , die Brüder des Herzogs , Bolemil , der alte Leche , Wsebor , der alte Leche , Lubomir , Diwis , Preda , Bozebor , und alle , welche in der Schlacht bei Znaim gewesen waren , und noch viele , die Witiko nicht kannte . Da sich alle geordnet hatten , rief Wladislaw , der Herzog von Böhmen und Mähren : » Saget ihnen , die in dieser Versammlung sprechen wollen , daß sie kommen . « Ein Mann öffnete die Flügel einer Tür , und nach kurzer Zeit kamen in reichen Gewändern durch die Tür Konrad , der Herzog von Znaim , Wratislaw , der Herzog von Brünn , Otto , der Herzog von Olmütz , dann Leopold und Spitihnew , die Söhne Boriwoys , und Wladislaw , der Sohn des verstorbenen Herzoges Sobeslaw . » Setzet euch auf eure Stühle « , sagte der Herzog . Die , welche herein gekommen waren , setzten sich auf Stühle , welche da standen , und von der Versammlung durch einen Raum des Saales getrennt waren . Dann sprach Wladislaw , der Herzog von Böhmen und Mähren : » Konrad , welcher du Herzog von Znaim gewesen bist , Wratislaw , welcher du Herzog von Brünn gewesen bist , Otto , welcher du Herzog von Olmütz gewesen bist , Leopold und Spitihnew , Söhne meines Oheims Boriwoy , und Wladislaw , Sohn meines Oheimes Sobeslaw , ihr seid auf meine Kunde nach Prag gekommen , die Beschwerde zu führen , weshalb ihr die Waffen gegen mich ergriffen habet . Weil ihr eure Beschwerden durch die Waffen führen wolltet , mußte euer Aufstand niedergeworfen werden . Führet nun eure Beschwerden mit Worten . Sind die Beschwerden gerecht , so werde ich sie abstellen , und euch Genugtuung geben . Sind sie ungerecht , so kann der , welcher es will , nach Gebühr um Verzeihung bitten , der es aber nicht will , kann in das fremde Land zurückkehren , aus dem er nach Prag gekommen ist . Es wird keiner geschädigt werden , wie ich es versprochen habe . Konrad , wenn es dir genehm ist , rede . « Konrad schwieg eine kurze Frist , dann sprach er : » Wladislaw , Sohn des ruhmreichen Herzoges Wladislaw , Neffe des letzten verstorbenen ruhmreichen Herzoges Sobeslaw , der du jetzt den Stuhl der Herzoge von Böhmen und Mähren in deiner Gewalt hast , höre mich . Du bist von den hohen und niederen Herren der Länder Böhmen und Mähren auf dem Tage in der Burg Wysehrad zum Herzoge von Böhmen und Mähren gewählt worden , und bist nach dem Tode des ruhmreichen Herzoges Sobeslaw auf den Fürstenstuhl gesetzt worden . Die Sprossen aus dem Stamme Premysl sind nicht bei der Wahl gewesen . Dann aber sind auch die reichsten und mächtigsten und vornehmsten Lechen , welche dich wählen geholfen haben , zu mir gekommen , und haben gesagt , du erfüllest die Erwartungen nicht , welche sie zu Recht von dir als Herzog tragen mußten . Sie machten eine neue Wahl , und erkoren mich zum Herzoge von Böhmen und Mähren . Die Sprossen des Stammes Premysl stimmten bei , nur deine zwei Brüder nicht . Ich meinte , daß es meine Pflicht für die Länder fordere , und nahm die Wahl an . Du widerstrebtest , als ich nach Prag gehen , und mich auf den Fürstenstuhl setzen wollte , und es entstand der schwere Krieg , welcher sehr viel Unheil brachte , und du behieltest nach dem Kriege die Macht . Das ist meine Rede . « Der Herzog Wladislaw antwortete : » Konrad , du bringst keine Beschwerde vor ; denn wenn ein Herzog durch die Ladung aller hohen und niederen Herren der Länder zu einer Wahl von denen , die der Ladung gefolgt sind , als Herzog gewählt wird , und wenn dann von einer Zahl von Herren wieder ein Herzog gewählt wird , indes eine andere Zahl widerstrebt , und der frühere Herzog müßte dem späteren weichen , so könnte von verschiedenen Zahlen von Herren eine Reihe von Herzogen gewählt werden , die einander verdrängen , und das Herzogtum wäre kein Herzogtum , sondern ein Wettspiel . Wenn du aber keine Beschwerde gebracht hast , so hast du nur gesagt , daß du im Aufruhr gewesen bist . Wratislaw , wenn es dir genehm ist , rede . « Wratislaw sprach : » Es ist mir genehm . Du bist einst nur der Neffe des Herzoges Sobeslaw gewesen , ein Zweig des Stammes Premysl wie wir . Du warst unser Genosse und warst der Genosse der jungen Söhne der mächtigen Lechen der Länder . Du bist mit uns nach den Vergnügungen gezogen , nach denen wir und sie gezogen sind . Du hast unsern Rat in allem befolgt , und hast gesagt : Wenn ich Herzog wäre , würden wir diese Sache anders machen , jene würden wir wieder anders machen , dieses würden wir tun , dieses würden wir lassen . Du hast uns Mitwirkung eingeräumt . Und hast du sie uns , den Jungen , eingeräumt , so hast du sie um so mehr den Räten des Herzogstuhles und den alten weisen Lechen eingeräumt . In diesem Sinne bist du zum Herzoge gewählt worden . Du aber hast dann als Herzog gehandelt , wie du allein wolltest . Du hast unsere Anliegen , die Anliegen der Söhne Premysls , nicht gehört , du hast die Anliegen der alten Räte und Lechen und der mächtigsten Herren nicht gehört , du hast uns unterdrückt , und du hast die Rede und die Mitwirkung der Herren bei der Verwaltung der Länder , welche alle Herzoge seit den ältesten Zeiten geehrt haben , in die Luft gestreut . Darum wärest du kein Herzog mehr , sondern ein Eroberer , und wir haben uns unseren Herzog gewählt , und haben die Waffen erhoben , um unsere Rechte zu wahren . Du hast im Kriege deine Gewalt behalten und vermehrt . Willst du , wie du sagst , den Beschwerden abhelfen , und Genugtuung leisten , so kannst du wieder ein Herzog werden , und wir werden dir dienen , so sie dich wählen . Diese Worte habe ich geredet . « Darauf sagte Wladislaw : » Ich werde dir später antworten , Wratislaw . Otto , sprich . « Otto sagte : » Ich rede wie Wratislaw geredet hat . « Dann sagte Wladislaw : » Leopold , sprich . « Leopold antwortete : » Ich rede wie Wratislaw . « Dann sagte Wladislaw : » Spitihnew , sprich . « Spitihnew entgegnete : » Ich rede genau so wie Wratislaw . « Dann sagte Wladislaw : » Wladislaw , Sohn Sobeslaws , sprich . « Wladislaw antwortete : » Du sagst mit Recht : Sohn Sobeslaws ; darin liegt meine Klage . Ich rede zuerst , wie Wratislaw geredet hat , und dann rede ich , wie ich rede . In der Rede Wratislaws sage ich : Du hast uns unterdrückt und hintangesetzt . In meiner Rede sage ich : Du hast mir den Herzogstuhl geraubt . Die hohen und niederen Herren der Länder Böhmen und Mähren haben auf dem Tage in Sadska meinem erhabenen Vater Sobeslaw angelobt , daß ich nach seinem Tode Herzog sein soll , und sie haben mich als den Nachfolger Sobeslaws mit ihrem Eide anerkannt . Dann haben sie , als mein Vater erkrankt war , ihren Eid gebrochen , und haben dich auf dem Wysehrad zum Herzoge erkoren . Die Wahl ist nichtig gewesen . Und als mein Vater gestorben war , haben sie dich auf den Herzogstuhl gesetzt , und die heilige Feier ist nichtig gewesen . Ich bin der Herzog gewesen , du aber hast die Macht gehabt , und hast sie noch . Das ist meine Rede . « » Habt ihr gesprochen ? « fragte der Herzog Wladislaw . Es antwortete keiner . » Ist einer unter euch , der zu dem , was geredet worden ist , noch etwas hinzu fügen will ? « fragte der Herzog Wladislaw wieder . Es antwortete keiner von den Männern . » So rede ich , wie folgt « , sprach der Herzog . » Es ist wahr , was du gesagt hast , Wratislaw , daß ich in der Jugend euer Genosse gewesen bin , und ich bin der Genosse der jungen Söhne der hohen und mächtigen Herren gewesen , und es hat sich auch mancher zu uns gefunden , der von keinem hohen oder mächtigen Herren der Länder stammte . Ich wollte ein guter Genosse sein , und weil ich es wollte , ließ ich euch schalten . Es ist wahr , daß ich euern Rat befolgt habe . Ihr rietet Dinge des Vergnügens an , und weil in den Dingen ein Vergnügen lag , so gingen wir nach ihnen . Es ist wahr , daß ich gesagt habe : Wenn ich Herzog wäre , so würden wir dieses oder jenes tun . Aber es ist nicht wahr , daß ich euch die Mitwirkung versagt habe , als ich Herzog geworden war , es ist nicht wahr , daß ich die Anliegen nicht gehört habe , es ist nicht wahr , daß ich euch unterdrückt habe , es ist nicht wahr , daß ich die Rede und die Mitwirkung der Herren bei der Verwaltung der Länder in die Luft gestreut habe . Es sind zu allen wichtigen Dingen der Länder die Versammlungen des Rates berufen worden , und es ist in dem Rate beschlossen worden , und es ist nach dem Beschlusse gehandelt worden . Viele der Männer unserer Länder , die in diesem Saale sitzen , sind in dem Rate gesessen . Viele sind in dem Rate gesessen , die jetzt in der Verbannung irren , mithin zu euch gestanden sind , und manche sind in dem Rate gesessen , die auf dem blutigen Felde der Waffen den Tod gefunden haben . Und wenn ich an dem heutigen Tage einen Rat halte , und euch zu sprechen erlaube , und euch antworte , da alle eure Macht und die Macht eurer Anhänger meine Macht ist , um wie viel mehr werde ich früher des Rates der Meinigen gepflogen haben . Und das habe ich in größerem Maße getan als ehemalige Herzoge , von denen du gesprochen hast , Wratislaw , und unter welchen Swatopluk mit dem Hauche seines Mundes ein ganzes Geschlecht vertilgt hat . Ihr seid aber zu dem Rate nicht gekommen . Ihr habet nicht Vorschläge an mich geschickt , die das Wohl des Landes betrafen . Ihr habet Forderungen gestellt , die eure Macht und euren Reichtum vermehren sollten , und wenn die Forderungen nicht bewilliget werden konnten , so ist auch der Grund dazu gesagt worden . Auch solche , die in dem Rate saßen , haben Forderungen außer dem Rate gemacht , denen keine Statt gegeben werden konnte . Sie wollten nicht Mitwirker des Herzoges sein , sie wollten selber der Herzog sein . Der Herzog aber ist der Vater des Landes , und darf nicht einem Manne , wie hoch er sei , Macht und Gut zu seiner Lust verleihen , und darf nicht seine Herzogsmacht in fremde Hände legen . « » Du hast mir meinen Hof zu Chynow genommen « , rief Wratislaw .