« » Nimm meinen Mantel , armer Junge , und suche einige Stunden zu schlafen , dann folge mir nach Boleschti , Du wirst der Beutepferde genug und billig finden . Aber höre , versieh Dich womöglich , ehe Du Dich zur Ruhe legst , mit zwei türkischen Anzügen von den Gefallenen , wir werden ihrer bedürfen . Auf Wiedersehen , Mungo . « Der Capitain schritt in tiefen Gedanken davon , sein Pferd zu suchen . Fußnoten 1 Zum Henker ! Der Wudkoklak . In den Thälern der Donau lebt eine grauenvolle Sage und pflanzt sich fort von Vater auf Sohn , von Geschlecht zu Geschlecht . Wenn der Vollmond seinen bleichen Schein über Fels und Wald gießt , dann erhebt sich der Wudkoklak - der Vampyr der Griechen-Slawen und Moldau-Walachen - aus seinem Grabe , in dem er mit offenen Augen und starrem Blick schläft . Seine Klauen und Haare wachsen im Todesschlaf , - warmes Blut rinnt durch die erstorbenen Adern ; denn in den unheimlichen Nächten des Vollmonds frischt er es auf , indem er durch das Land streift , den Lebenden die Rückenader öffnet und ihr rothes Blut saugt . Schaurig ist der Glaube des Volkes ! Steht ein Todter in dem Verdacht , auf diese Weise sein Grab zu verlassen , so wird er feierlich ausgegraben . Hat die Verwesung ihr Werk gethan , so begnügt sich der Pope , ihn mit Weihwasser zu besprengen ; ist er aber roth und blutig , so treibt man ihm den Teufel aus und stößt ihm bei seiner Wiederbeerdigung einen im Feuer gehärteten Eichenpfahl in die Brust , damit er sich nicht wieder erheben könne . Die hungrigsten Raben fliehen den Leichnam des Verfluchten schon von Weitem , ohne zu wagen , ihn auch nur mit der Schnabelspitze zu berühren ! Aber einen andern Wudkoklak giebt es , vor dem nicht der Segen des Priesters , nicht der blutige Pfahl durch die Brust zu schützen vermag : lebendig wandelt er unter den Lebenden und sucht seine Opfer . Oft wird er vom unwiderstehlichen Drang nach Schlachtengemetzel ergriffen und verläßt bei Tag und Nacht seine Wohnung und schweift umher , Menschen und Thiere , die ihm begegnen , mit Bissen zerfleischend . Aber das Blut junger Mädchen und Frauen ist es , worauf er besonders lüstern , - in ihr Herz schleicht er sich ein durch tausend listige Ränke , und wenn er in der Braut- oder Liebesnacht sie in die Arme preßt , schwindet ihr Bewußtsein und das Blut weicht langsam aus ihren Adern , das Antlitz wird bleich und täglich bleicher , die Quellen des Lebens vertrocknen , statt frisch zu erschwellen in befruchtender Kraft ; - denn allnächtlich theilt der Vampyr ihr Lager und saugt der Schlummernden das Mark aus dem Gebein , das frische rothe Blut aus der zitternden Brust , und das junge Leben welkt und welkt , und ehe der Mond zwanzig Mal seinen Kreislauf vollendet , deckt die Erde den frischen Leib und das gebrochene Herz , und der Wudkoklak darf nach neuen Opfern suchen . Zuweilen auch paart er sich mit der Wjeschtitza , dem weiblichen Gnomen , dem Gespenst mit Feuerflügeln , das Nachts sich auf die Brust des schlafenden Kriegers niedersenkt , ihn in seine Arme preßt und ihm seine Wuth einflößt . Alsdann raubt wohl die Wjeschtitza , in Gestalt einer Hyäne , kleine Kinder und schleppt sie fort in den Wald , da die Liebe des Wudkoklak kein Leben zu zeugen vermag . Das sind dann die klagenden Stimmen , die in Fels und Wald nach den Eltern rufen , das sind die wankenden bleichen Lichter , die den Wanderer in den Moder der Sümpfe begraben ! Der Bulgare macht drei blutige Kreuze an seine Thür , um dem Wudkoklak und der Wjeschtitza den Eingang zu sperren . Doch vergeblich , denn die Wjeschtitza senkt sich im Haß und in der blutigen Leidenschaft auf jede Menschenbrust , und über die Schwelle des Palastes und der Hütte , durch die ganze Welt schreitet der Wudkoklak und heftet den gierigen Mund an Unschuld und Tugend , an Alles , was schön , vertrauend und erhaben ist , und mästet sich von dem Lebensmark der Lebendigen , die sich machtlos winden in seinen Schlangenarmen ! - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - In einem Gemache des Selamlik von Sami-Pascha zu Widdin lag auf weichen Polstern die schöne Gräfin Helene Laszlo am zweiten Morgen nach der Schlacht von Czetate . Ihre geistige und körperliche Kraft war erschüttert von dem unerwarteten Schreckniß , das über sie gekommen . Jene unerklärliche geheimnißvolle Laune des Frauenherzens , das sich selbst vermeidet , Rechenschaft zu geben , hatte sie vermocht , den Vorspiegelungen und Aufreizungen des Grafen Pisani Gehör zu geben , der ihr mit der schlauen , ganz den Interessen der revolutionairen Propaganda ergebenen Freundin auf ihre Güter nach Ungarn gefolgt war und hier verstanden hatte , den exaltirten Geist der jungen Frau zu Entschlüssen und Handlungen zu erregen , deren sie sich - hätte eben nicht ein kaum bewußter Wunsch im Grund ihrer Seele sie unterstützt , - sicher enthalten haben würde . So wagte sich denn die Gräfin auf ihre Güter am Schyl und der Deszneizia , mitten in die Gefahren und die Wirrniß eines occupirten Landes und auf einen Schauplatz , der jeden Augenblick selbst die Stätte der Schlacht und des Todes werden konnte , indeß der sardinische Oberst sich in ' s türkische Heerlager begab . Die Gräfin , in steter geheimer Verbindung mit diesem Manne , der ihre politische Exaltation zu fesseln verstand , öffnete in Krajowa und auf ihrem Gute ihr Haus der Gesellschaft der russischen Offiziere und hatte die unwürdige Rolle der Spionin übernommen und seit Wochen durchgeführt , indem sie zugleich mit den zurückgebliebenen Bojaren des Fürstenthums eine enge Verbindung unterhielt , unter denen Fuad-Effendi durch seine Intriguen und Versprechungen eine starke Partei für die Pforte warb . Nur hatte der schlaue Graf ohne das Herz der jungen Frau gerechnet , dessen Geheimniß allein sie zur Uebernahme jener Rolle bewogen . Nach langem und schwerem Kampf mit dem in Wien so tief verletzten weiblichen Stolz waren dem Capitain die kurzen Zeilen geworden : » Gräfin Helene Laszlo hat die Ehre , Baron von Meyendorf ihre Anwesenheit auf Schloß Badowitza anzuzeigen und wird , wenn der Dienst ihn in diese Gegend führt , den Besuch eines Freundes mit Vergnügen empfangen . « - So kalt diese Mittheilung in ihrer conventionellen Form auch war , so genügte sie doch , wie wir gesehen haben , den Capitain nach Krajowa zu führen . Zwei Mal seither war er der schönen Frau begegnet , in Krajowa selbst und bei einem Besuche auf ihrem Gute , doch beide Male hatten der zahlreiche Hof , der die Gräfin umlagerte , und der kalte Ernst , der in dem Benehmen des Capitains lag , jede Verständigung , ja jede vertraulichere Annäherung verhindert . So fern standen sich die Herzen , die einander gehörten und die geschaffen waren , sich zu beglücken - als die Schlacht von Czetate und die Intrigue des Sarden auf ' s Neue sie trennte . Die Gräfin war bei der gewaltsamen Entführung von Schloß Badowitza durch die Dorobandschen1 , die mit einer Plünderung und einem kurzen Kampfe gegen den schwachen russischen Posten verbunden war , zwar von jeder Beleidigung verschont geblieben , aber es war ihr keiner der Schrecken , keine Gefahr ihrer Lage erspart worden . Trotz aller Bitten und Versprechungen auf eine Kerutza geworfen , von Zweien der wilden Söhne des Landes bewacht , führte die wilde Jagd der Flucht sie nach den Ufern der Donau , und vergeblich ersehnte jetzt die ungarische Patriotin Hilfe und Rettung durch die Hand der russischen Unterdrücker , denn die Zahl der zum Feinde flüchtenden Dorobandschen war so bedeutend , daß sie die schwachen begegnenden Pikets leicht in die Flucht schlug . So gelang es - während wenige Meilen davon die blutige Schlacht tobte - Apollony , dem Agenten des Sarden , im Rücken der russischen Stellung seine Beute am Nachmittag glücklich bis an ' s Ufer der Donau und zu den türkischen Posten zu bringen . In einem Boote wurde hier die Gräfin über den Strom geführt und in die Festung gebracht . Sie war so erschöpft , daß sie willenlos Alles mit sich geschehen lassen mußte . In einem abgelegenen Gemache des Selamlik ließ Sami-Pascha seine schöne Gefangene einstweilen einschließen , indem er wegen der Pläne des Obersten seine Gründe hatte , sie in das Haremlik selbst nicht aufzunehmen . Mit Schrecken gewahrte Gräfin Helene , daß alle Hoffnungen auf sofortige Befreiung sie täuschten , die sie gefaßt , als sie sich in die Hände der Türken geliefert sah . Sie blieb eine Gefangene , zwischen den öden Mauern eines türkischen Zimmers eingeschlossen , von schwarzen Sclaven bedient , und erst am Nachmittag erhielt sie eine weiße Dienerin , Marutza , die Tochter des Handja ' s , die der Pascha , als am Tage vorher Vater und Tochter nach dem Befehl Iskender-Bey ' s von den Khawassen vor sein Gericht geführt worden , zum Dienst im Haremlik bestimmt hatte , während Gawra mit einer harten Geldbuße und dem Verbot der Hanewirthschaft belegt ward . Das Mädchen verstand ein Wenig italienisch , und so konnte die Gräfin sich wenigstens verständlich machen und erfuhr , daß sie in den Händen des Pascha ' s von Widdin sei . Durch Marutza , welche frei aus- und einging , ließ die geängstete Frau alsbald eine Unterredung mit dem Pascha verlangen , aber der Erfolg derselben hatte nur dazu gedient , ihre Angst und ihre Verlegenheit zu erhöhen . Der alte Moslem fand sich in der That gegen Abend bei ihr ein , von einem seiner Eunuchen begleitet , und nahm seinen Sitz mit aller Bequemlichkeit eines türkischen Haremsherrn auf dem Divan des Gemachs , indem er mit lüsternen Augen die selbst noch in dem Zustande der Abspannung fesselnden Reize der schönen Ungarin betrachtete . Zu ihrem Schrecken erfuhr diese jetzt , daß sie nicht bloß eine Gefangene , sondern von den Dorobandschen als Beute an Sami- verhandelt worden , und daß dieser sie als eine Erwerbung seines Harems betrachtete . Vergebens berief sie sich auf ihren Stand , auf ihre Bemühungen für die türkischen Interessen , auf Graf Pisani , dessen Herbeiholung sie verlangte , der alte Moslem erwiederte ihr , daß er sie ehrlich gekauft und bezahlt habe , daß er ihren Stand nicht kenne und dieser ihm auch gleichgültig sei , daß er von keinem Anrecht auf türkischen Schutz wisse , und wich mit großer Schlauheit den Fragen und dem Verlangen nach dem Sardinier aus . » Mashallah ! « sagte der dicke Pascha , sich den Bart streichend , » was geht dieser Dschaur mich an ? Ich kenne ihn nicht , und wenn ich ihn kenne , bin ich nicht der Herr in meinem Haremlik , und was hat er dort zu schaffen ? Ich weiß nicht , ob er in Widdin ist , oder in Kalafat , oder in der Schlacht gefallen . Wallah ! was kümmert einen Gläubigen ein Kreuzträger ? « Gräfin Helene vermochte keine entscheidende Antwort zu erzielen . Der Pascha verließ sie , indem er ihr nochmals andeutete , daß sie sich als ein Mitglied seines Harems anzusehen habe . Die einzige Hilfe , die der Verzweifelnden beifiel , war , einen europäischen Arzt zu verlangen . - Doctor Welland hatte den Morgen nach der Schlacht bis zum späten Nachmittag im Lazareth zugebracht , Hunderten der armen Verwundeten , die sich zurück zum türkischen Lager zu schleppen vermocht hatten , Hilfe bringend und die traurigen Leistungen der ihm beigeordneten Unterärzte und Chirurgen beaufsichtigend . Zum Tode erschöpft , langte er in der Locanda Alexo ' s an , wo Nursah , der schwarze Diener , der jeden seiner Wünsche ihm an den Augen abzulauschen schien , ihn mit bereit gehaltenen Erfrischungen erwartete . Nur Einem hatte seltsamer Weise der Sclave sich immer bisher zu entziehen gewußt : seinen Herrn in die türkischen Bäder zu begleiten und ihn dort zu bedienen ! Der Doctor war noch mit seinem Mahle beschäftigt , das von mehreren der türkischen Offiziere getheilt wurde , und lauschte den Einzelnheiten der blutigen Schlacht , als ihm von Alexo , dem Wirth , gemeldet wurde , daß ein höherer Offizier ihn zu sprechen wünsche . Es war Graf Pisani , der ihn im selben Zimmer erwartete , in welchem er mit Apollony , dem walachischen Agenten , die für das Schicksal der Gräfin Laszlo so unheilvolle Unterredung gepflogen . Der Arzt kannte den Grafen seit den wenigen Tagen seines Aufenthalts in Widdin nur von Ansehen . Der innere Instinct seiner ehrlichen Seele warnte ihn vor dem glänzenden Tiger und er erwartete stillschweigend die Anrede . » Verzeihen Sie , Signor Dottore , daß ich Sie nach den vielen Anstrengungen noch in Anspruch nehme . Im Selamlik des Gouverneurs befindet sich eine kranke Dame , die Ihrer Hilfe bedarf . Sie ist durch Schreck und Furcht in große Nervenaufregung versetzt und es wird nöthig sein , ihr ärztlichen Beistand zu leisten . Darf ich Sie um diesen bitten ? Sobald es Ihnen genehm , wird mein Diener Sie dahin geleiten . « Der Arzt verbeugte sich . » Ich werde in einer halben Stunde bereit sein . « » Ich habe bei dem Besuch eine Bitte an Sie , Doctor , « bemerkte der Graf . » Man wird Sie nach mir fragen und Sie wahrscheinlich mit einer Botschaft an mich beauftragen . Ich bitte Sie nun , der Dame gegenüber zu thun , als sei ich Ihnen gänzlich unbekannt . Es versteht sich von selbst , daß ich Ihre ärztliche Mühwaltung honoriren werde . « Die ruhigen ernsten Augen des deutschen Mannes hatten sich finster gefaltet . » Ich biete gern meine Hilfe , Herr Graf , « sagte er gemessen , » wo sie verlangt wird . Zu Intriguen und Lügen bin ich unfähig . « Der Oberst lächelte verächtlich . » Wir mißverstehen uns , Signor Dottore . Ihre Person und Ihre Vergangenheit sind mir nicht unbekannt , und ich habe das Recht . Sie zu dem kleinen Dienst aufzufordern , den ich von Ihnen verlange . Sehen Sie dies ! « Die Hand , die er in die Brustöffnung seiner Uniform gesteckt , zeigte dem Arzt einen kleinen Gegenstand . Der Doctor fuhr unwillkürlich zurück . » Immer dies unselige Zeichen ! « sagte er schmerzlich und unwillig . » Wohin ich mich auch wende , überall verfolgt es mich . Doch , was Sie auch denken mögen , Herr Graf , ich bin es müde , meine Ehre und mein Gewissen unter einem Zwange zu beugen , den mir eine Thorheit der Jugend auferlegt hat . « » Sie verweigern den Gehorsam ? « » Ich weigere mich , eine Lüge zu sagen . Alles , was mir Ehre und Pflicht gestatten , bin ich bereit , zu thun . « Der Graf , der offenbar noch andere Aufträge beabsichtigt hatte , bedachte sich einige Augenblicke . » Ihre Weigerung , die Sie natürlich zu vertreten haben , kann in meinen Absichten nur wenig ändern . Es bleibt dabei , daß Sie sich zu der Kranken begeben , die eine in die türkische Gefangenschaft gerathene Dame von jenseits der Donau ist . Ich will Ihnen nicht weiter wehren , ihr zu sagen , daß Graf Pisani Ihnen bekannt und hier am Orte ist , aber ich habe das Recht , Sie zu ersuchen , daß Sie jedes nähere Eingehen auf meine Verhältnisse und etwaige Aufträge ablehnen . « Der Arzt verbeugte sich schweigend . » Die Dame , « fuhr der Graf fort , » mag ihre Wünsche mir auf andere Weise zugehen lassen ; ich habe selbst nichts dawider , daß Sie ihr meine Adresse geben . In einer halben Stunde wird mein Diener Sie auf dem Tschardak der Locanda erwarten . Adieu , Signor Dottore . « - - - Der Morgen sog die frischen Nebeldüfte von der wallenden wogenden Fläche des Stromes . Zu den Füßen der Gräfin Helene kniete Marutza , die walachische Dienerin . » Deine Befehle sind erfüllt , o Excellenza , meine süße Herrin , « berichtete das Mädchen in schlechtem Italienisch , » aber mein Herz ist schwer geworden bei Bestellung der Botschaft und meine Wange bleich . - Hast Du von dem Wudkoklak gehört , o schöne Herrin ? « flüsterte sie scheu . » Ich verstehe Dich nicht , Kind . Wird Graf Pisani mir Hilfe leisten in dieser eigenthümlichen Noth ? wird er kommen ? Sprich - gieb mir Antwort . « » Er wird nicht säumen , Herrin , « sagte ängstlich das Mädchen ; » wann hätte der Wudkoklak je gezögert , wenn es galt , auf seine Beute zu stürzen ? Weißt Du auch , wem ich Dein Blatt gebracht ? « » Dem Oberst Pisani , jetzt in türkischen Diensten , einem alten Freunde von mir . Er allein kann mich retten . « » Was kümmert mich sein Name in der Welt ! Er ist ein Wudkoklak - ich sah es an dem Faltenmaal auf seiner Stirn , an seiner Leichenfarbe und dem höhnischen Zug um seinen Mund ! « » Ich verstehe Dich nicht - wer ist Dein Wudkoklak ? « Das Mädchen blickte sie scheu an : » Das ist der Vampyr , der als Mensch unter den Lebendigen wandelt und die junge Braut sucht , die er zum ewigen Verderben umstricken und deren Blut er aus den blauen Adern trinken muß . « Die Gräfin schauderte . » Du bist ein thörichtes Kind und hängst an dem Aberglauben Deines Volkes ! « - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - Der Oberst saß an ihrer Seite , seine Stirn bewölkt , während ihr angstvoller Blick an seinem Antlitz hing . » Um Gotteswillen , Sie können mich doch nicht in der Gewalt dieser Menschen lassen ? Nehmen Sie die Hilfe der österreichischen Behörden in Anspruch ! « Der Sarde lächelte verächtlich . » Bei dem langsamen Wege der diplomatischen Reclame würden Sie dann längst verloren sein . Die Sache ist schwieriger , als Sie denken , theure Freundin . Die Stellung der europäischen Offiziere unter diesen halbasiatischen Horden ist eine ganz andere , als wir sie gedacht haben , unser Einfluß durch das Mißtrauen gegen alle Christen äußerst gering . Dazu ist Sami-Pascha unbeschränkter Gebieter in Widdin und von der Armee ganz unabhängig . Der alte Schuft ist ein eingefleischter Türke und hat nach den Sitten der Moslems ein unbestrittenes Anrecht auf Ihre Person . Er hat Sie als Kriegsgefangene gekauft . Es ist ein Unglück , daß es den schurkischen Ueberläufern eingefallen , Sie wahrscheinlich in der Hoffnung eines reichen Lohnes oder Lösegeldes mitzuschleppen , und ein noch größeres , daß ich nicht Kunde davon erhielt , ehe der schändliche Handel geschlossen war . « » Aber so bieten Sie ihm das Zehn- , das Zwanzigfache dieser Summe ! « » Das ist längst geschehen , doch der alte Lüstling weigert sich , die - ich muß es aussprechen , so hart das Wort klingt - die Christensclavin zu verkaufen . Es ist eine besondere Gunst und nur seiner Furcht vor meiner Person oder seinem Trotze auf sein Recht nach dem muselmännischen Gesetz zuzuschreiben , daß er mir den Zutritt zu Ihnen bewilligt hat . Selbst der Arzt , der , wie ich höre , zu Ihnen gerufen wurde , mußte geloben , tobt und raub zu sein für Alles , was er innerhalb der Wände seines Haremlik erfährt . « Die Gräfin rang verzweifelnd die Hände . » In welche Schmach , in welches Entsetzen habe ich mich verstrickt ! Ihr Rath , Oberst , führte mich nach Krajowa und zu der schimpflichen Stellung , die mein Unglück geworden . An Ihnen ist es , mich zu retten . « » Und ich will es , « sagte ernst der Mann an ihrer Seite . » Aber hören Sie mich , Helene , hören Sie meine Betheuerung . Nicht die Selbstsucht eines Mannes , dessen Ergebenheit und Huldigung wohl Anspruch auf Ihre Gerechtigkeit hat , - die bittere Nothwendigkeit allein zwingt mich , Ihnen das einzige Mittel zur raschen Befreiung vorzulegen . Ich muß irgend ein persönliches Recht haben , Ihre sofortige Auslieferung von dem Pascha zu fordern . Ich muß ein Recht haben , sei es auch nur scheinbar , auf das gestützt ich nöthigenfalls die Offiziere und Führer des Heeres zu meinem Beistande gegen die Willkür Sami ' s aufrufen kann ! O , mißverstehen Sie mich nicht , Helene , - Ihre Rettung allein legt mir das Wort in den Mund . « Die Gräfin war noch bleicher geworden , als die Angst sie gemacht , all ' ihr Blut schien zum Herzen zurückgetreten , an das sie die kleine Hand preßte , - der erste giftige Odemzug des Wudkoklaks erstarrte sie . » Wie meinen Sie dies , Graf ? « » Hören Sie mich an , Helene ! Sie wissen , daß ich Sie liebe , auch ohne daß ich wie ein thörichter Knabe zu Ihren Füßen gelegen . Ich bin ein Mann und Soldat und werbe wie ein solcher um das Weib meines Herzens . Daß der Besitz Ihrer Hand das Ziel meiner höchsten Wünsche ist , fühlten Sie längst , wenn ich auch vermieden habe , diese Wünsche Ihnen geradezu auszusprechen , denn ich weiß , daß Sie Nichts für mich empfinden und nur den Freund , den Mann von gleicher politischer Gesinnung , den Vertheidiger Ihres tapfern und unglücklichen Volkes in mir sehen , der gegen die Fesseln der Tyrannei und für den erhabenen Gedanken der Freiheit kämpft , für die Sie in diesem Augenblick unwürdig leiden . Ich bin zu stolz , um von Ihrer Verlegenheit einen Nutzen zu ziehen für das Erreichen meiner Wünsche , - aber es ist nothwendig , unbedingt nothwendig zu Ihrer Befreiung , daß Sie eine kurze Zeit für meine erklärte Braut gelten . Dies allein giebt mir ein Anrecht auf Ihre Person , und kein Offizier wird sich weigern , Sie , wenn es sein muß , mit Gewalt dem Pascha abzuzwingen . « Ihre zarten Hände bedeckten das Gesicht , - sie schluchzte , - nur das Weib war von der kühnen stolzen Patriotin geblieben . » Ich weiß , « fuhr der Graf mit schmerzlichem Tone fort , » wie schwer auch nur dieser Gedanke auf Ihnen lastet , und daß das Bild eines Glücklicheren denn ich - das Bild eines Despotensöldners in dem Herzen wohnt , das doch für die Befreiung seiner Nation schlägt . Aber hören Sie wohl , Gräfin , ich gebe Ihnen hiermit das Ehrenwort eines Edelmannes und eines Offiziers , daß die Erklärung , die Sie zu meiner Braut macht , nie gegen Sie benutzt werden soll , es sei denn , « - er hielt einige Augenblicke inne - » Sie wünschten und verlangten selbst deren Erfüllung . « Die Gräfin sah das spöttische Lächeln des Triumphes nicht , das sein männlich schönes Gesicht verzog . Seine schwarzen Augen ruhten mit jener magnetischen Gewalt der Schlange auf ihr , die das Opfer in ihre Kreise bannt . Ein unerklärliches Gefühl drückender Angst lastete trotz des Versprechens schwer auf ihrem Herzen ; dennoch empfand sie , daß sie den Vorschlag annehmen müsse , daß er der einzige Ausweg sei aus der schrecklichen Lage . » Ich thue Ihnen weh , mein Freund , « sagte sie abgewandt und reichte ihm die Hand , » und dennoch - ich kann jetzt nicht über Ihre Bewerbung entscheiden , ich muß Ihr Wort als Unterpfand meiner freien Entschließung annehmen . « » Sie willigen ein ? « » Wenn ich vor mir selbst frei bleibe - ja ! « Der Graf küßte ihre Hand . Dann entfernte er sich für eine kurze Zeit , während der die junge Frau , mit den bangen Ahnungen ihres Herzens kämpfend , das Antlitz in den Kissen des Divans verbarg . Pisani kehrte mit Schreibgeräth zurück und legte ein Blatt Papier vor die Gräfin . » Es ist nöthig , gnädige Frau , daß Sie einige Worte zur Bestätigung meines Rechtes niederschreiben . Mit ihnen in der Hand werde ich sofort die nöthigen Schritte thun . « Ihre Hand zitterte , als sie die Feder ergriff . » Was muß ich schreiben ? « » Erlauben Sie mir , Ihnen die kurzen Worte zu diktiren , Sie sind zu aufgeregt , um selbst das Zuviel und Zuwenig zu vermeiden . « Er sagte sie ihr in französischer Sprache und ihre Finger schrieben sie langsam nieder , während aus den schönen Augen ein Tropfen auf das Papier fiel . Die Worte lauteten : » Helene Gräfin von Laszlo überträgt dem Obersten Grafen Antonio Pisani , als ihrem Verlobten , den Schutz und das Recht an ihrer Person und an ihrem Eigenthum . « » Die letztere Bestimmung ist nöthig , « sagte der Oberst nachlässig , » um der Habsucht Sami-Pascha ' s Schranken zu setzen . « Die Gräfin hatte der Worte kaum geachtet . Sie unterzeichnete und reichte dem Sarden das Blatt . Als er es berührte , zuckte es wie ein electrischer Strahl kalt und schneidend durch ihre Nerven . » Ich habe Ihr Wort ? « » Wie weh thun Sie mir , Helene , mit diesem Rückhalt ! Morgen spätestens werden Sie frei sein ! « Er beugte das Knie vor ihr und küßte zärtlich ihre Hand , die sie ihm schauernd überließ . Dann erhob er sich und verließ sie . Fest trat sein Fuß auf , trotzig hob sich der Kopf und die dunklen Augen funkelten in der Gewißheit des Sieges , als er die Thür der Gemächer und den Eunuch-Khawaß , der an ihr Wache hielt , hinter sich gelassen . Er bemerkte kaum die Dienerin , die aufgeregt , scheu an ihm vorüber schlüpfte und zu der Herrin eilte . Das Mädchen war in seltsamer Aufregung , seine schönen blauen Augen glänzten diesmal freudig , als es in die Wohnung des türkischen Despoten zurückkehrte , dessen Machtspruch sie den Ihren entrissen . Die Gräfin , zu deren Dienst man sie bestellt , hatte die abergläubische Warnerin am Mittag auf einige Stunden fortgeschickt , als sie Graf Pisani erwartete , und Marutza kehrte jetzt von dem Hause ihres Vaters zurück , wohin sie , diese Zeit benutzend , geeilt war . Die junge Bulgarin warf sich am Ruhebett der Dame nieder , für die , obschon kaum vierundzwanzig Stunden verflossen waren , seit sie sich in ihrer Nähe befand , doch bereits ihr ganzes Herz mit jener zähen Ergebenheit schlug , die eine eigenthümliche Tugend dieses Volkes ist . » Weine nicht , schöne Herrin , « flüsterte sie schmeichelnd , » der Unheimliche ist fort und ich bringe frische Hoffnung . Du sollst frei werden , noch ehe die Sonne wieder die Minarets von Widdin bescheint . « Die Gräfin preßte die Hand der jungen Trösterin . » Ich weiß es , aber Du weißt nicht , welches Opfer es mich kostet . Er hat versprochen und hält sein Wort . « » Er ! - Wen meinst Du , Herrin ? « » Nun , Graf Pisani , der mich eben verließ . « » Den Sohn der Hölle ? - Unglückliche Herrin - er Dich retten ? Er ist der Wudkoklak und Alles , was er thut , wird Dich nur in den Abgrund ziehen . O , sieh her ! - kennst Du dieses Tuch ? « Sie reichte der Gräfin ein feines Kantentuch , das diese forschend und ängstlich prüfte . Es trug ihren Namenszug mit dem Wappen darüber in eleganter Stickerei . » Mädchen , um der Heiligen willen - woher hast Du dies Tuch ? Es ist das meine , und dennoch brachte ich es nicht hierher ? « » Erinnerst Du Dich an die große Sultansstadt an der Donau , von der die Schiffe mit dem Rauch hier vorbeifahren ? « » Wien ? « » Ja , so heißt sie . Es ist ein großer Garten darin . Doch habe ich den Namen in der Eile vergessen . « » Der Prater ? « » Es mag sein . Ich soll Dich fragen , ob Du des Tages gedenkst , an welchem in diesem Garten Deine Pferde mit dem Wagen durchgingen , und des Mannes , der damals mit Dir war und von Dir schied ? « » Marutza ! « - die Hand der Gräfin preßte krampfhaft den Arm der jungen Bulgarin . » Mädchen - weiter - - weiter ! « » Er nahm dies Tuch damals mit sich als Andenken und trug es in den Schlachten seines Volkes . Er ist kein Moslem , obschon er die Kleidung der Mörder trägt . « » Er ist hier ? « » Vor einer Stunde gab mir der Fremde das Tuch . Er ist ein Freund Michael Miloje ' s , meines Bräutigams . Er sagt , er müsse Dich sprechen um jeden Preis , und wenn Dir hier Gefahr drohe , werde er nicht weichen , bis er Dich gerettet . « Die Gräfin rang die Hände . » Der Wahnsinnige , in welche Gefahr hat er sich gestürzt ! Und ich - in demselben Augenblick meine Ehre , mein Leben in die Hand eines Andern gegeben , in die Hand seines Feindes ! « » Ich warnte Dich vor dem