nicht mit im Netze zu Ravenna waren gefangen worden . Um der Gefahr jener begeisterten Volkserhebung zuvorzukommen , trachtete er so eifrig , dem gefangnen Gotenkönig die Erklärung zu entreißen , er habe sich und die Stadt zuletzt ohne Hoffnung und Bedingung unterworfen , und er fordre die Seinen auf , den aussichtslosen Widerstand aufzugeben . Und auch das Kastell , in welchem der Kriegsschatz Theoderichs geborgen lag , sollte ihm sein Gefangner angeben . In jener Zeit war ein solcher , schon um fremde Fürsten und Söldner zu gewinnen und anzuziehen , von höchster Bedeutung . Verloren ihn die Goten , so verloren sie die letzte Hoffnung , ihre geschwächte Kraft durch fremde Waffen zu ergänzen . Und viel lag dem Präfekten daran , jenen als unermeßlich reich von der Sage gepriesenen Hort nicht in die Hände der Byzantiner fallen zu lassen , deren Geldnot und daher verursachte Tyrannei ein wichtiger Bundesgenosse seiner Pläne war : sondern ihn sich selbst zu sichern , - auch seine Mittel waren ja nicht unerschöpflich . Aber all ' sein Bemühen schien an der Unerschütterlichkeit seines Gefangnen zu scheitern . Siebenundzwanzigstes Kapitel . Die Maßregeln zur Befreiung des Königs waren getroffen . Rauthgundis war mit Wachis hinausgegangen , sich das Walddickicht genau einzuprägen , wo der treue Freigelassene mit dem treuen Roß Dietrichs von Bern ihrer warten sollte . Und mit der Ruhe , welche die Vollendung aller Vorbereitungen starkem Sinn gewährt , war die Gotin nach der Wohnung des Kerkermeisters zurückgekehrt . Aber sie erbleichte , als dieser ihr wie verzweifelt entgegenstürzte und sie über die Schwelle in das Gemach zog . Dort warf er sich vor ihr nieder , schlug die Brust mit den Fäusten und raufte sein graues Haar . Lange fand er keine Worte . » Rede , « gebot Rauthgundis und preßte die Hand auf das wild pochende Herz , » ist er tot ? « » Nein , aber die Flucht ist unmöglich ! Alles dahin ! Alles verloren ! Vor einer Stunde kam der Präfekt und stieg zu dem König hinab . Wie gewöhnlich schloß ich ihm selbst die beiden Türen , die Gangtür und die Kerkerpforte , auf - da - « - » Nun ? « » Da nahm er mir die beiden Schlüssel ab : er werde sie fortan selbst verwahren . « - » Und du gabst sie ihm ? « knirschte Rauthgundis . » Wie konnt ' ich sie weigern ! Ich wagte das Äußerste . Ich hielt sie zurück und fragte : O Herr , vertraust du mir nicht mehr ? Da warf er mir einen seiner Blicke zu , die Leib und Seele wie ein Messer trennen können . Von jetzt an - nicht mehr ! sprach er und riß mir die Schlüssel aus der Hand . « » Und du ließest es geschehen ! Doch freilich ! Was ist dir Witichis ? « » O Herrin , du tust mir weh und unrecht ! Was hättest du an meiner Stelle tun können ? Nichts andres ! « » Erwürgt hätt ' ich ihn mit diesen Händen ! Und nun ? Was soll jetzt geschehn ? « » Geschehn ? Nichts ! Nichts kann geschehen . « » Er muß frei werden . Hörst du , er muß ! « » Aber Herrin ! Ich weiß ja nicht wie . « Rauthgundis ergriff ein Beil , das an dem Herde lehnte . » Erbrechen wir die Türen mit Gewalt . « Dromon wollte ihr die Axt entwinden . » Unmöglich ! Dicke Eisenplatten ! « » So rufe den Unhold . Sage , Witichis verlange ihn zu sprechen . Und vor der Gangtür erschlag ' ich ihn mit diesem Beil . « » Und dann ? Du rasest ! Laß mich hinaus . Ich will Wachis abrufen von seiner nutzlosen Wacht . « » Nein , ich kann ' s nicht denken , daß es heut ' nicht werden soll . Vielleicht kommt dieser Teufel von selbst wieder . Vielleicht « - sprach sie nachsinnend . » Ah , « schrie sie plötzlich , » gewiß , das ist ' s. Er will ihn ermorden ! Er will sich allein zu dem Wehrlosen schleichen . Aber weh ' ihm , wenn er kommt ! Die Schwelle jener Gangtür will ich hüten wie ein Heiligtum , besser als meines Kindes Leben . Und weh ' ihm , wenn er sie beschreitet . « Und sie drückte sich hart an die Halbtür des Gemaches Dromons und wog das schwere Beil . Aber Rauthgundis irrte . Nicht um seinen Gefangenen zu töten , hatte der Präfekt die Schlüssel an sich genommen . Er war mit denselben in den linken , den Südbau des Palastes geschritten . Spät am Nachmittag trat Cethegus - er kam aus dem Kerker des Königs - in das Gemach Mataswinthens . Die Ruhe des Todes und die Erregung des Fiebers wechselten in der seelisch Tieferkrankten so oft , so rasch , daß Aspa nur mit tränenerfüllten Augen noch auf ihre Herrin sah . » Zerstreue , « sprach Cethegus , » schönste Tochter der Germanen , die Wolken , die auf deiner weißen Stirn lagern und höre mich ruhig an . « » Wie steht es mit dem König ? Du lässest mich ohne Nachricht . Du versprachst , ihn freizugeben nach der Entscheidung . Ihn über die Alpen führen zu lassen . Du hältst dein Wort nicht . « » Ich habe das versprochen : - unter zwei Bedingungen . Du kennst sie beide , und hast die deine noch nicht erfüllt . Morgen kommt der kaiserliche Neffe Germanus zurück von Ariminum - dich nach Byzanz zu führen : - du gibst ihm Hoffnung , seine Braut zu werden . Die Ehe mit Witichis war erzwungen und nichtig . « » Ich sagte dir schon : nein , niemals ! « » Das tut mir leid - um meinen Gefangenen . Denn eher nicht sieht er das Licht der Sonne , bis du mit Germanus auf dem Wege nach Byzanz . « » Niemals . « » Reize mich nicht , Mataswintha ! Die Torheit des Mädchens , das so teuren Preis einst um einen Areskopf bezahlt , ist , denk ' ich , überwunden . Dasselbe Geschöpf hat den Ares der Goten ja seinen Feinden verraten . Aber ehrst du noch wirklich den Mädchentraum , so rette den einst Geliebten . « Mataswintha schüttelte das Haupt . » Ich habe dich bisher als eine Freie , als Königin behandelt . Erinnere mich nicht , daß du so gut wie er in meiner Gewalt . Du wirst dieses edlen Prinzen Gemahlin - bald seine Witwe - und Justinian , Byzanz , die Welt liegt dir zu Füßen . Tochter Amalaswinthens - solltest du nicht die Herrschaft lieben ? « » Ich liebe nur ... - ! Niemals ! « » So muß ich dich zwingen ! « Sie lachte : » Du ? mich ? zwingen ? « » Ja , ich dich zwingen . ( Sie liebt ihn noch immer , den sie zugrunde gerichtet ! ) Die zweite Bedingung nämlich ist : daß der Gefangene diesen leergelassenen Namen ausfüllt - er ist der Name des Schatzschlosses der Goten - und diese Erklärung unterschreibt . Er weigert sich mit einem Trotz , der anfängt , mich zu erbittern . Siebenmal war ich bei ihm - ich , der Sieger , - er hatte noch kein Wort für mich . Nur das erstemal , da erhielt ich einen Blick für den er allein den stolzen Kopf verlieren müßte . « » Nie gibt er nach . « » Das fragt sich doch . Auch Felsen zermürbt beharrlicher Tropfenfall . Aber ich kann nicht lange mehr warten . Heute früh kam Nachricht , daß der tolle Hildebad in wütigem Ausfall Bessas so schwer geschlagen , daß er kaum die Einschließung noch aufrecht hält . Überall flackern gotische Erhebungen empor . Ich muß fort und ein Ende machen und diese Funken auslöschen mit dem Wasser der Enttäuschung , besser als mit Blut . Dazu muß ich des gefangenen Königs Erklärung und Schatzgeheimnis haben . Ich sage dir also : wenn du bis morgen mittag nicht des Prinzen Begleiterin nach Byzanz bist und mir nicht vorher die Unterschrift des Gefangenen verschaffst , die Echtheit von dir selbst bezeugt , so werd ' ich den Gefangenen - - ich schwöre es dir beim Styx , - werd ' ich den Gefangenen - « Entsetzt von seinem furchtbar drohenden Ausdruck fuhr Mataswintha von ihrem Sitz empor und legte ihre Hand auf seinen Arm . » Du wirst ihn doch nicht töten ? « » Ja , das werd ' ich . Ich werd ' ihn erst foltern . Dann blenden . Und dann töten . « » Nein , nein ! « schrie Mataswintha auf . » Ja , ich hab ' s beschlossen . Die Henker stehen bereit . Und du wirst ihm das sagen : dir , dieser händeringenden Verzweiflung wird er glauben , daß es ernst . Du vielleicht rührst ihn : mein Anblick härtet seinen Trotz . Er wähnt vielleicht noch , in Belisars , des Weichherzigen , Hand zu sein . Du wirst ihm sagen , in wessen Gewalt er ist . Hier die beiden Pergamente . Hier die Schlüssel - du sollst deine Stunde frei wählen - zu seinem Kerker . « Ein Strahl freudiger Hoffnung blitzte aus Mataswinthas Seele durch ihr Auge . Cethegus bemerkte es wohl . Aber ruhig lächelnd schritt er hinaus . Achtundzwanzigstes Kapitel . Bald , nachdem der Präfekt die Königin verlassen , war es dunkel geworden über Ravenna . Der Himmel war dicht mit zerrissenem Gewölk bedeckt , das heftiger Wind aus dem Neumond vorüberjagte , so daß kurzes , Ungewisses Licht mit desto tieferem Dunkel wechselte . Dromon hatte seinen Abendrundgang in den Zellen der übrigen Gefangenen vollendet und kam müde und traurig in sein Vorgemach zurück . Er fand kein Licht brennend . Mit Mühe nur nahm er Rauthgundis wahr , die noch immer reglos an der Halbtür lehnte , das Beil in der Hand , den Blick auf die Gangtür geheftet . » Laß mich Licht schlagen , Frau , den Kienspan im Herdeisen entzünden : und teile das Nachtmahl mit mir . Komm , du harrest hier umsonst . « - » Nein , kein Licht , kein Feuer in dem Gemach ! Ich sehe so besser , was draußen im Hof , im Mondlicht naht . « - » Nun so komm wenigstens hier herein und ruhe auf dem Dreifuß . Hier ist Brot und Fleisch . « - » Soll ich essen , während er Hunger leidet ? « - » Du wirst erliegen ! Was denkst , was sinnst du den ganzen Abend ? « » Was ich denke ? « wiederholte Rauthgundis , immer hinausblickend : » Ihn ! Und wie wir so oft gesessen in dem Säulengang vor unserm schönen Hause , wann der Brunnen plätscherte in dem Garten und die Zikaden zirpten auf den Olivenbäumen . Und die kühle Nachtluft strich frei um sein liebes Haupt . Und ich schmiegte mich an seine Schulter . Und wir sprachen nicht . Und oben gingen die Sterne . Mit Schweigen . Und wir lauschten den vollen , tiefen Atemzügen des Kindes , das eingeschlafen war auf meinem Schoß , die Händchen , wie weiche Fesseln , um den Arm des Vaters geschlungen . Jetzt trägt sein Arm andre Fesseln . Eisenfesseln trägt er , - die schmerzen ... - - « Und sie drückte die Stirn an das Eisengitter , fest und fester , bis sie selbst Schmerz empfand . » Herrin , was quälst du dich ? Es ist doch nicht zu ändern ! « » Ich will es aber ändern ! Ich muß ihn retten und - Ah , Dromon , hierher ! Was ist das ? « flüsterte sie und wies in den Hof . Der Alte sprang geräuschlos an ihre Seite . In dem Hofe stand eine hohe , weiße Gestalt , die lautlos an der Mauer dahinglitt . Rasch nur , aber scharf , fiel das Mondlicht darauf . » Es ist eine Lemure ! Ein Schatte der vielen hier Ermordeten , « sprach der Alte bebend . » Gott und die Heiligen schützet mich ! « Und er bekreuzte sich und verhüllte das Haupt . » Nein , « sprach Rauthgundis , » die Toten kommen nicht wieder vom Jenseits . Jetzt ist ' s verschwunden - Dunkel ringsum - Sieh , da bricht der Mond durch - da ist es wieder ! Es schwebt voran gegen die Gangtür . Was schimmert da rot im weißen Licht ? Ah , das ist die Königin - ihr rotes Haar ! Sie hält an der Gangtür . Sie schließt auf ! Sie will ihn im Schlaf ermorden ! « » Weiß Gott , es ist die Königin ! Aber ihn ermorden ! Wie könnte sie ! « » Sie könnte es ! Aber sie soll es nicht , so wahr Rauthgundis lebt . Ihr nach ! Ein Wunder tut uns seinen Kerker auf ! Doch aber leise ! Leise ! « Und sie trat aus der Halbtür in den Hof , das Beil in der Rechten , vorsichtig den Schatten der Mauer suchend , langsam , auf den Zehen schleichend . Dromon folgte ihr auf dem Fuße . Inzwischen hatte Mataswintha die Gangtür aufgeschlossen und ihren Weg erst viele Stufen hinab , dann durch den schmalen Gang , mit den Händen tastend , zurückgelegt . Nun erreichte sie die Pforte des Kerkers . Sacht erschloß sie auch diese . Durch einen ausgehobenen Ziegelstein hoch oben im Turm fiel ein schmaler Streif des Mondlichts in das enge Quadrat . Es zeigte ihr den Gefangenen . Er saß , den Rücken gegen die Türe gewandt , das Haupt auf die Hände gestützt , reglos auf einem Steinblock . Zitternd lehnte sich Mataswintha an die Pfosten der Pforte . Eiskalte Luft schlug ihr entgegen . Sie fror . Sie fand keine Worte : vor Grauen . Da spürte Witichis an dem Windzug , daß die Pforte geöffnet worden . Er hob das Haupt . Aber er sah nicht um . » Witichis - König Witichis « - stammelte endlich Mataswintha - » ich bin ' s. Hörst du mich ? « Aber der Gefragte rührte sich nicht . » Ich komme , dich zu retten - fliehe ! Freiheit ! « Aber der Gefangene senkte wieder das Haupt . » O sprich ! - oh sieh nur auf mich ! « - Und sie trat ein . Gern hätte sie seinen Arm berührt , seine Hand gefaßt . Sie wagte es noch nicht . » Er will dich töten - quälen . Er wird es tun , - wenn du nicht fliehst . « Und nun gab ihr Verzweiflung den Mut , näher zu treten . » Du sollst aber fliehn ! Du sollst nicht sterben ! Du sollst gerettet sein - durch mich ! Ich flehe dich an - fliehe ! Du hörst mich nicht ! Die Zeit drängt ! Einst sollst du alles wissen ! Nur jetzt flieh in Freiheit und Leben . Ich habe die Schlüssel der Kerkerpforte und der Gangtür ! flieh ! « Und nun faßte sie seinen Arm , wollte ihn emporreißen . Da klirrten seine Ketten an den Armen , an den Füßen . - Er war an den Steinblock festgeschlossen . » O , was ist das ? « rief sie und fiel in die Kniee . » Stein und Eisen , « sagte er tonlos . » Laß mich . Ich gehöre dem Tode . Und hielten mich auch diese Bande nicht - ich folgte dir doch nicht ! Zurück in die Welt ? Die Welt ist eine große Lüge . Alles ist Lüge . « » Du hast recht ! sterben ist besser . Laß mich sterben mit dir . Und verzeih ' mir . Denn auch ich habe dir gelogen . « » Es mag wohl sein . Es wundert mich nicht . « » Aber du mußt mir noch vergeben , ehe wir sterben . Ich habe dich gehaßt - ich habe gejubelt über deinen Niedergang - ich habe - o , es ist so schwer zu sagen ! Ich habe die Kraft nicht , es zu gestehn . Und doch muß ich deine Verzeihung haben - und müßt ' ich sie mir erstehlen . Vergib mir - reiche mir die Hand zum Zeichen , daß du mir verzeihst . « Aber Witichis war in sein Brüten zurückgesunken . » O , ich flehe dich an - verzeihe mir , was immer ich dir mag getan haben . « » Geh ' - warum soll ich dir nicht verzeihn ? Du bist wie alle ! nicht besser , nicht schlimmer ! « » Nein , ich bin böser als alle . Und doch besser . Wenigstens elender . Wisse denn : ich habe dich gehaßt , ja , aber nur , weil du mich von dir gestoßen ! Du ließest mich nicht dein Leben teilen , - verzeihe mir . - Gott , ich will ja nur mit dir sterben dürfen . Reich ' mir einmal noch die Hand , zum Zeichen , daß du mir verzeihst . « Und sie streckte knieend , flehend , beide Hände zu ihm empor . Der König , erhob das Haupt . Der Grundzug seines Wesens , die tiefe Herzensgüte , regte sich in ihm und übertönte den eignen dumpfen Schmerz . » Mataswintha , « sagte er , und erhob die kettenklirrende Hand , » geh ' , es erbarmt mich dein . Laß mich allein sterben . Was immer du an mir getan - geh hin : - ich habe dir verziehn . « » O Witichis ! « hauchte Mataswintha und wollte seine Hand ergreifen . Neunundzwanzigstes Kapitel . Aber heftig fühlte sie sich hinweggerissen . » Nachtbrennerin , nie soll er dir vergeben ! Komm , Witichis , mein Witichis . Folge mir ! Du bist frei . « Der König sprang auf , von dieser Stimme wie aus Betäubung geweckt . » Rauthgundis ! Mein Weib ! ja du logst nie ! Du bist getreu . Ich hab ' dich wieder . « Und tief aufatmend , jauchzend aus voller Brust , breitete er die Arme aus . Sein Weib flog an seine Brust und sie weinten beide süße Tränen der Liebe und der Freude . Mataswintha aber , die sich erhoben hatte , wankte gegen die Mauer . Sie strich sich langsam die roten , losgegangenen Haare aus der Stirn und blickte auf das Paar , das der Mondstrahl , der durch die Turmluke fiel , hell beleuchtete . » Wie er sie liebt ! Ihr , ja ihr würd ' er folgen in Freiheit und Leben . Aber er muß ja bleiben ! Und sterben - mit mir . « » Säumt nicht länger ! « mahnte von der Kerkertüre her die Stimme Dromons . » Ja , rasch fort , mein Leben ! « rief Rauthgundis . Sie zog einen kleinen Schlüssel aus dem Busen und tastete an den Ketten , des Schlosses kleine Öffnung suchend . » Wie ? soll ich wirklich nochmal hinaus ? « fragte der Gefangene , halb in seine Betäubung zurücksinkend . » Ja , hinaus in die Luft und Freiheit « , rief Rauthgundis und warf die losgeschlossenen Armfesseln zur Erde . » Hier Witichis , eine Waffe ! Ein Beil ! Nimm ! « Begierig ergriff der gotische Mann die Axt und holte kräftig damit aus : » Ah ! die Waffe tut dem Arm , der Seele wohl ! « » Das wußte ich , mein tapfrer Witichis ! « rief Rauthgundis , kniete nieder und schloß die Kette auf , die seinen linken Fuß an den Steinblock gefesselt hielt . » Nun schreite aus ! Denn du bist frei . « Witichis tat , das Beil in der Rechten hebend , hoch sich reckend , einen Schritt gegen die Türe . » Und sie darf seine Ketten lösen ! « flüsterte Mataswintha . » Ja , frei ! « sprach Witichis , hoch aufatmend . » Ich will frei sein und mit dir gehen . « » Mit ihr will er gehen ! « rief Mataswintha und warf sich dem Gatten in den Weg . » Witichis - leb wohl - geh ' ! - Nur sage mir nochmal - daß du mir vergibst . « » Dir vergeben ? « rief Rauthgundis . » Nie ! Niemals ! Sie hat unser Reich zerstört . Sie hat dich verraten . Nicht der Blitz des Himmels - ihre Hand hat deine Speicher verbrannt ! « » O so sei verflucht ! « rief Witichis . » Hinweg von dieser Schlange der Hölle ! « Und sie von der Pforte hinwegschleudernd , schritt er über die Schwelle , gefolgt von Rauthgundis . » Witichis ! « rief Mataswintha sich aufraffend . » Halt ! Halt an ! Höre mich nur noch einmal ! Witichis ! « » Schweig ! « sprach Dromon , ihren Arm ergreifend . » Du wirst ihn verderben . « Aber Mataswintha , ihrer nicht mehr mächtig , riß sich los und folgte die Stufen hinauf in den Gang . » Halt ! « rief sie , » Witichis ! Du darfst nicht so hinweg . Du mußt mir verzeihn . « Da brach sie ohnmächtig zu Boden . Dromon eilte an ihr vorbei , den Fliehenden nach . Aber schon hatte das gellende Rufen den Mann des leisesten Schlafes geweckt . Cethegus trat , das Schwert in der Hand , nur halb gegürtet , aus seinem Schlafgemach auf den Gang , dessen offne Logen in den viereckigen Palasthof blickten . » Wachen , « rief er , » unter die Speere ! « Auch Soldaten waren merksam geworden . Kaum hatten Witichis , Rauthgundis und Dromon den Gang und die Gangtüre durchschritten und , gerade dieser gegenüber , die Gemächer Dromons erreicht , als sechs isaurische Söldner laut lärmend in den Gang hineinstürmten . Rasch sprang Rauthgundis aus der Halbtür , sprang auf die schwere eiserne Gangtüre zu , warf sie klirrend ins Schloß , drehte den Schlüssel um , und zog ihn heraus . » Die sind geborgen und unschädlich ! « flüsterte sie . Schnell eilten nun die beiden Gatten von dem Gemache Dromons dem großen Ausgang zu , der aus dem Schloßhof auf die Straße führte . Mit gefälltem Speer trat hier der letzte Mann der Wache , der hier zurückgeblieben , ihnen entgegen . » Gebt die Losung , « rief er . » Rom und ? - « » Rache ! « sprach Witichis und schlug ihn mit dem Beile nieder . Laut schreiend fiel der Söldner , und warf noch den Speer den Flüchtigen nach : er durchbohrte den letzten der drei - Dromon . Über die Marmorstufen des Palastes auf die Straße hinabspringend , hörten die Gatten die eingesperrten Soldaten donnernd gegen die feste Eisentüre schlagen , auch einen lauten Befehlruf hörten sie noch . » Syphax ! mein Pferd ! « Dann nahm sie Nacht und Dunkel auf . Wenige Minuten darauf schimmerte der Palasthof von Fackeln , und Reiter flogen nach allen Toren der Stadt . » Sechstausend Solidi wer ihn lebend , dreitausend wer ihn erschlagen bringt ! « rief Cethegus - sich in den Sattel seines schwarzen Hengstes schwingend . » Nun auf , ihr Söhne des Windes , Ellak und Mundzuch , Hunnen und Massageten . Jetzt reitet , wenn ihr je geritten ! « » Aber wohin , Herr ? « fragte Syphax , an seines Herrn Seite aus dem Palasttor sprengend . » Das ist schwer raten . Aber alle Tore sind geschlossen und besetzt . Sie können nur etwa zu den Mauerbreschen hinaus . « » Zwei große Mauerbreschen sind ' s. « » Sieh dort den Jupiter , der eben aus der Wolke tritt im Ost . Er winkt mir . Ist nicht dort - ? « » Der Mauersturz am Turme des Aëtius . « » Gut ! dort hinaus ! Ich folge meinem Stern ! « - - - * * * Glücklich hatten inzwischen die Gatten , hindurchgelassen von Paulus , dem Sohn des Dromon , die nur halb ausgefüllte Mauerlücke durcheilt und in dem nahen Pinienhain der Diana Wachis , den Getreuen , und zwei Pferde gefunden . Wallada nahm die Gatten auf den Rücken . - Der Freigelassene ritt rasch voran , dem Ufer des hier sehr breiten Flusses zu . Witichis hielt Rauthgundis vor sich , hinter dem Hals des Rosses . » Mein Weib ! mit dir hatte ich alles verloren ! Leben und Lebensmut . Aber nun will ich ' s noch einmal wagen um das Reich . O wie konnte ich dich von mir lassen , du Seele meiner Seele . « » Dein Arm ist wund vom Druck der Kette ! So ! leg ihn hier auf meinen Nacken , o du mein alles . « » Vorwärts , Wallada ! Rasch ! es gilt das Leben . « Da bogen sie aus dem Dickicht des Hains ins Freie . Das Ufer des Flusses war erreicht . Wachis trieb sein bäumendes Pferd in die dunkle Flut . Das Tier scheute und widerstrebte . Der Freigelassene sprang ab . » Er geht sehr tief , sehr reißend . Es ist Hochwasser seit drei Tagen . Die Furt ist nicht zu brauchen . Die Gäule müssen schwimmen und stark recht abwärts wird ' s uns reißen . Und es sind Felsen im Fluß . Und das Mondlicht wechselt so oft und täuscht . « - Ratlos prüfte er am Ufer hin und her . » Horch , was war das ? « fragte Rauthgundis . » Das war nicht der Wind in den Steineichen . « » Pferde sind ' s , « sagte Witichis . » Sie nahen in Eile . Ja , wir sind verfolgt . Waffen klirren . Da - Fackeln . Jetzt hinein in den Strom auf Leben und Sterben . Aber leise ! « Und er führte sein Pferd am Zügel in die Flut . » Kein Bodengrund mehr . Die Gäule müssen schwimmen , halte dich fest an der Mähne , Rauthgundis . Vorwärts , Wallada ! « Schnaubend , zitternd , blickte das Tier in die schwarze Flut - die Mähne flog wirr kopfüber - die Vorderfüße vorgestreckt , den Hinterbug zurückgehemmt . » Vorwärts , Wallada ! « Und leise rief Witichis dem treuen Roß ins Ohr : » Dietrich von Bern ! « Da setzte das edle Tier in stolzem Sprung willfährig in die Flut . Schon jagten die verfolgenden Reiter aus dem Wald , voran Cethegus , ihm zur Seite Syphax , eine Fackel hebend . » Hier , im Ufersand , verschwindet die Spur , o Herr . « » Sie sind im Wasser ! Vorwärts , ihr Hunnen ! « Aber die Reiter zogen die Zügel an und rührten sich nicht . » Nun , Ellak ? was zögert ihr ? Sofort in die Flut ! « » Herr , das können wir nicht . Ehe wir zur Nachtzeit in fließend Wasser reiten , müssen wir Phug , den Wassergeist , um Verzeihung bitten . Wir müssen erst zu ihm beten . « » Betet nachher , wenn ihr drüben seid , solang ihr wollt , nun aber - « Da fuhr ein stärkerer Windstoß über den Fluß und verlöschte alle Fackeln . Hochauf rauschte die Flut . » Du siehst , o Herr , Phug zürnt . « » Still ! saht ihr nichts ? Da unten , links ? « Der Mond war aus dem jagenden Gewölk getaucht . - Er zeigte Rauthgundis helles Untergewand : - den braunen Mantel hatte sie verloren . » Zielt rasch , dorthin . « » Nein , Herr ! Erst ausbeten . « - Da war es wieder dunkel am Himmel . - Mit einem Fluch riß dem Hunnenhäuptling Cethegus Bogen und Köcher von der Schulter . » Nun rasch vorwärts ! « rief leise Wachis , der schon fast das rechte Ufer gewonnen hatte , zurück - » ehe der Mond aus jener schmalen Wolke tritt . « » Halt , Wallada ! « rief Witichis , abspringend , die Last zu erleichtern , und sich an der Mähne haltend . » Da ist ein Fels ! Stoße dich nicht , Rauthgundis . « - Roß , Mann und Weib stockten einen Augenblick an dem ragenden Stein , wo in gurgelndem , tiefem Wirbel das Wasser reißend zog . Da ward der Mond ganz frei . Hell beleuchtete er die Fläche des Stroms und die Gruppe am Felsen . » Sie sind es ! « rief Cethegus , der schon den gespannten Langbogen bereit hielt , zielte und schoß . Schwirrend flog der lange , schwarzgefiederte Pfeil von der Sehne . » Rauthgundis ! « rief Witichis entsetzt . - Denn sie zuckte zusammen und sank nach vorwärts auf die Mähne des Rosses , aber sie klagte nicht . » Bist du getroffen ? « - » Ich glaube . Laß mich hier . Und rette dich « . - » Niemals ! Laß dich stützen . « » Um Gott , Herr , duckt euch ! taucht ! sie zielen ! « Die Hunnen hatten jetzt ausgebetet . Sie ritten bis hart an den Strom , bis in sein Uferwasser , bogenspannend und zielend . » Laß mich , Witichis ! Flieh , ich sterbe hier . « - - » Nein , ich lasse dich nie mehr ! « Er wollte sie aus dem