für eine Burg so gut , daß ihr wenige gleich sind . Das Pergament dürft Ihr mir nicht zeigen ; aber die Abbildung der Burg zeigt mir . Und so sage ich Euch , Witiko , Ihr dürft , wie Ihr die Worte gesprochen habt , den Gedanken fassen , daß Ihr der höheren Ehren teilhaftig werdet , unter denen Ihr öfter in meiner Burg sein sollet . Meine Gattin hat mit mir den gleichen Willen . « » Ich habe ihn « , sagte Wiulfhilt , » wie es beschlossen worden ist , und ich habe ihn noch früher gehabt als die andern , weil ich Euch mit meinen inneren Augen früher kannte , als Euch die andern mit ihren äußeren Augen kennen lernten . « » Hoher Herr « , antwortete Witiko , » hocherhabene Frau , ich danke mit Ehrerbietung der Antwort , die ihr mir gegeben habt . Euch , hocherhabne Frau , danke ich noch , daß Ihr mit Euern inneren Augen Gutes an mir gesehen habt , und Euch , hoher Herr , danke ich noch , daß Ihr gut von mir geredet habt . Ihr habt zu gut geredet . Die Dauer und Kraft der Waldleute hat gewirkt und die Güte des Herzogs . « » Und beide haben gerne für Euch gewirkt « , sagte Heinrich , » erhaltet Euch beide . « » Ich will darnach streben « , sagte Witiko . » Und nun , hoher Herr und erhabene Frau , erlaubet , daß ich auch das zweite rede , weshalb ich gekommen bin . « » Sprecht « , sagte Heinrich . » Eure hochedle Tochter Bertha « , sprach Witiko , » hat zu mir bei dem großen Steine an dem Waldessaume gesagt : Baue dir ein Haus , Witiko , und wenn dann noch keine Makel an dir ist , so folge ich dir , und harre bei dir bis zum Tode . Gestattet , hoher Herr und hocherhabene Frau , daß ich Bertha sage , ich baue mir nun ein Haus , und daß ich sie frage , ob eine Makel an mir ist . « » Sagt ihr , und fragt sie « , antwortete Heinrich . » Und wenn sie sagt , es sei keine große Makel an mir , darf ich sie dann fragen , ob sie mir folgen wolle ? « sprach Witiko . » Ihr dürft sie fragen « , entgegnete Heinrich . » Und wenn sie sagt , sie folge mir , darf ich dann feierlich kommen , um sie zu werben , daß sie mein Eheweib werde ? « sprach Witiko . » Ihr dürft kommen , und vor allen den Unsern werben « , antwortete Heinrich , » und so gehet zu Bertha . « » Gehet , Witiko , sie harret Eurer « , sagte Wiulfhilt . » Geleite Witiko zu ihr « , sagte Heinrich . » So folget mir , Witiko « , sprach Wiulfhilt . » Ich folge Euch , hocherhabene Frau « , sagte Witiko . Sie standen auf . Heinrich reichte Witiko die Hand , Wiulfhilt ging bei der Tür hinaus , und Witiko folgte ihr . Sie führte ihn über den Gang in das Gemach Berthas . Bertha saß in dem Gemache an einem Tische . Von ihrem Haupte hingen zwei Zöpfe nieder , an den Armen war weißes Linnen , der Brustlatz war rot , und von ihm fiel der stark faltige schwarze Rock hinab . Sie stand auf , da ihre Mutter mit Witiko in das Zimmer kam . » Bertha « , sagte die Mutter , » Witiko hat deinen Vater und mich gefragt , ob er mit dir sprechen dürfe , und wir haben ihm geantwortet , er darf mit dir sprechen . Willst du ihn hören , und auch mit ihm sprechen ? « » Ich will ihn hören , und mit ihm sprechen , Mutter « , sagte Bertha . » So sprecht , und ich gehe zu dem Vater « , sagte Wiulfhilt . Sie verließ nach diesen Worten das Gemach . Witiko stand in seinem Ledergewande vor Bertha , und sah sie an . Bertha sah ihn an . » Was willst du zu mir sprechen , Witiko ? « fragte sie . » Du hast an dem schönen großen Steine neben dem Waldsaume vor zwei Jahren zu mir gesagt , Bertha « , antwortete Witiko : » Baue dir ein Haus , Witiko , und wenn dann noch keine Makel an dir ist , so folge ich dir , und harre bei dir bis zum Tode . Nun baue ich mir ein Haus , und bin gekommen , dich zu fragen , ob eine Makel an mir ist ? « » Es ist keine Makel an dir , Witiko « , antwortete Bertha . » So wirst du mir in das Haus folgen ? « fragte Witiko . » Ich werde dir in das Haus folgen « , entgegnete Bertha . » Und wirst dort harren bis zu dem Tode ? « fragte Witiko . » Ich werde harren bis zu dem Tode « , antwortete Bertha . » So ist gesprochen , was zuerst gesprochen werden sollte « , sagte Witiko . » Bertha , Bertha , sei mir tausendmal gegrüßt . « » Sei tausend und tausend Mal gegrüßt , Witiko « , antwortete Bertha . Und sie reichten sich die Hände , hielten sich an denselben , und schauten sich in das Angesicht . » Bertha « , sprach Witiko , » du hast gesagt : Ich will , daß dir keiner gleich ist , so weit die Augen blicken , es mögen unten die Bäume des Waldes emporstehen , oder die goldenen Felder der Ähren , oder der grüne Sammet der Wiesen dahin gehen . Nun aber sind mir viele gleich , es sind sehr viele über mir , wirst du mich in hoher Achtung halten können , Bertha ? « » Witiko « , antwortete Bertha , » als ich jene Worte gesagt hatte , gabst du mir die Erwiderung : Ich will zu dem Höchsten streben . « » Ich wollte es , und will es noch « , sagte Witiko , » und ich habe auch gesagt , daß ich das Ganze tun will , was ich kann . « » Nun , das Streben ist der Anfang « , sagte Bertha , » und den Anfang hast du gemacht , Witiko . Ich habe an jenem Steine auch gesagt : Wenn ich dir folge und bei dir harre , dann rede zu den Männern deines Landes , bringe sie zu dem Großen , und tue selber das Große . Ich kann also nicht wollen , daß dir jetzt schon keiner gleich ist ; aber die Jahre werden es nach den Jahren bringen , und einmal werde ich sagen : Witiko , jetzt ist dir keiner gleich . « » Und die Jahre werden nach den Jahren vergehen , und du wirst es nicht sagen können « , antwortete Witiko . » Dann werde ich noch weiter harren « , sprach Bertha . » Und wenn du immer harrest « , sagte Witiko . » So weiß ich dich auf dem Wege « , antwortete Bertha . » Witiko , ich habe gesagt : Wenn du ein niederer Mann würdest , so würde ich als dein Weib von dir gehen , dahin du mir nicht folgen könntest . « » Ich werde niemals ein niederer Mann « , sagte Witiko , » und so , Bertha , in diesen Gefühlen wirst du mein Weib . « » So werde ich dein Weib « , entgegnete Bertha . » Und so ist nun erfüllet , was erfüllt werden sollte , gehen wir jetzt zu den Eltern « , sprach Witiko . » Gehen wir « , sagte Bertha . » Ich bitte dich noch um etwas « , sprach Witiko . » Sage es « , entgegnete Bertha . » Gehe mit mir heute an diesem Tage , wenn es deinem Vater und deiner Mutter genehm ist « , sprach Witiko , » zu der Stelle , auf welcher ich dich zum ersten Male gesehen habe , da du mit Rosen bekränzt da standest , und gehe mit mir zu den Steinen , auf welchen wir an jenem Tage gesessen waren . « » Ich werde sehr gerne mit dir gehen , Witiko « , sagte Bertha , » und wir werden den Vater und die Mutter darum bitten . « » So gehen wir nun « , sprach Witiko . Und sie gingen über den Gang zurück in das Gemach Wiulfhilts . In demselben war noch Heinrich bei seiner Gattin . Witiko und Bertha traten vor die Eltern . Wiulfhilt stand auf , und küßte Bertha auf die Stirne . Heinrich nahm Witikos Hand in die seine , und legte sie dann in die Hand Wiulfhilts . » Lasse die Kinder an unserer Seite sitzen , Wiulfhilt « , sagte er . » Setzet euch zu uns « , sprach Wiulfhilt . Heinrich und Wiulfhilt setzten sich auf ihre Stühle , und Witiko und Bertha setzten sich auf Stühle daneben . » So sind Eure Wünsche gesichert « , sprach Heinrich , » und die Vollendung wird folgen . Und da Ihr nun , Witiko , wie Eure Worte gelautet haben , der höheren Ehren bei uns teilhaftig geworden seid , so werdet Ihr auch die minderen nicht verschmähen , und eine Weile unser Gast sein . « » Ich werde es mit Freude sein « , antwortete Witiko , » und werde auch diese Ehre ehren . « » Und uns wird es eine Freude sein , Euch länger zu sehen als sonst « , sagte Wiulfhilt . » Wir können dann auch über viele Dinge sprechen , die sich ereignet haben , und Ihr könnt mir manches erzählen , Witiko « , sprach Heinrich . » Auch könnt Ihr Bertha besser kennen lernen , und Bertha Euch . « » Ich kenne Witiko schon , mein Vater « , sagte Bertha . » Und ich kenne Bertha « , sagte Witiko . » Und wenn ihr eines das andere kennet « , sprach Heinrich , » so wird die Gegenwart euch doch erheben . « » Ja « , sagte Bertha . » Ja « , sagte Witiko . » Und unser Haus und unser Wald und unsere andern Liegenschaften können Euch zu mancher Betrachtung dienen « , sagte Heinrich . » Und ich kann für die Zeit , die mir zunächst liegt , etwas lernen « , sprach Witiko . » Ihr könnt für Eure Handlungen , die Ihr jetzt tut , bald die Einsichten gewinnen « , sagte Heinrich . » Und Ihr werdet mir mit Eurem Rate gewiß beistehen « , sprach Witiko . » Wenn Ihr ihn bedürft , und wenn er etwas nützt , werde ich ihn gerne geben « , antwortete Heinrich . » Ich werde ihn bedürfen , und er wird nützen « , sagte Witiko . » Jetzt aber « , sprach Heinrich , » ist es die erste Pflicht des Wirtes , den Gast zu pflegen . Ihr seid von dem Pferde gestiegen , und seid gleich in mein Gemach geführt worden . Es ist billig , daß ich Euch in Eure Wohnung geleite , daß Ihr Euch stärkt , vorerst einrichtet , und dann sagt , was Ihr weiter bedürfet . « » Es ist eine Bitte ganz anderer Art , welche ich stellen möchte « , sprach Witiko . » So redet « , sagte Heinrich . » Gebet Eure Genehmhaltung « , sprach Witiko , » daß Bertha und ich an diesem heutigen Tage die Stelle besuchen , an welcher ich Bertha zum ersten Male gesehen habe . Bertha bittet das Gleiche . « » Ich bitte das Gleiche , Vater « , sagte Bertha . » So besuchet die Stelle « , antwortete Heinrich , » wenn die Mutter meiner Meinung ist . « » Lasse die Kinder gehen « , sagte Wiulfhilt . » Ich danke « , sprach Witiko , » wir werden wieder in das Gemach zurückkommen . « » Ich danke , Vater und Mutter « , sagte Bertha . Nach diesen Worten standen Witiko und Bertha auf , verabschiedeten sich von den Eltern , und verließen das Gemach . Sie gingen durch die Tür des Hauses auf den Sandplatz hinaus , und von dem Sandplatze auf dem Wiesenpfade gegen Mittag dahin , wie sie vor sechs Jahren auf demselben Pfade gegen Mitternacht dem Hause zugegangen waren . Sie sprachen beide kein Wort . Als sie zu der Betstelle des roten Häuschens gekommen waren , knieten beide neben einander nieder , und beteten . Dann gingen sie stumm weiter . Sie kamen an den Saum der Schlucht , in welcher das Wasser rauschte , wie es vor sechs Jahren gerauscht hatte . Sie gingen am Rande der Schlucht in der Richtung des rinnenden Wassers dahin . Der Wald nahm sie auf . Sie verließen dann das Wasser , und gingen links zwischen den Stämmen weiter . Da sagte Witiko : » Bertha , Bertha , vor sechs Jahren sind wir auf diesem Wege herauf zu deinem Vater und zu deiner Mutter gegangen , zu denen du mich , den Fremdling , geführt hast . Wer von uns beiden hätte damals gedacht , daß wir einmal diesen Weg gehen werden , wie wir ihn heute gehen ? « » Das habe ich nicht gedacht « , sagte Bertha , » aber das war mir , daß wir oft mit einander gehen werden . « » Und mir war « , entgegnete Witiko , » daß ich oft mit dir gehen möchte . Hast du mich also gerne in das Haus deiner Eltern geführt ? « » Ich wäre sonst nicht an der Waldstelle mit den Rosen auf meinem Haupte stehen geblieben , als du dich nähertest « , sagte Bertha , » sondern wäre in den Wald geflohen wie Trude geflohen ist . « » Also bist du meinetwillen an der Stelle stehen geblieben ? « fragte Witiko . » Ich wollte dich sehen « , sagte Bertha , » und als ich dich gesehen hatte , warst du mir lieb . « » Und als ich dicht gesehen hatte , warst du mir auch lieb « , sprach Witiko . » Wir waren zwei Kinder . « » Ja , aber ich habe schöne Ritter und Knaben vor dir gesehen , und keiner war mir lieb « , antwortete Bertha . » Und ich habe schöne Jungfrauen und Mädchen vor dir gesehen , und keine war mir lieb « , sagte Witiko . » Siehst du ? « sprach Bertha . » Und weil ich dir lieb war , hast du mit mir geredet ? « fragte Witiko . » Weil du mir lieb warst , habe ich mit dir geredet « , antwortete Bertha . » Und weil ich dir lieb war , bist du mit mir zu den Sitzsteinen an den Ahornen gegangen ? « fragte Witiko . » Weil du mir lieb warst , bin ich mit dir zu den Sitzsteinen an den Ahornen gegangen « , antwortete Bertha . » Und bist neben mir auf den Steinen gesessen « , sagte Witiko . » Und bin neben dir auf den Steinen gesessen « , sprach Bertha . » Und mir bist du so lieb gewesen « , sagte Witiko , » daß ich immer bei dir hätte sitzen , und immer mit dir hätte reden mögen . Du bist heute wie damals gekleidet , Bertha . « » Es ist das nämliche Gewand , welches ich an jenem Sonntage an gehabt hatte « , antwortete Bertha , » nur das schwarze Röcklein ist mir ein wenig kürzer geworden . « » Mir ist alles wie in jener Zeit « , sagte Witiko . » Ich habe jetzt das Kleid nie mehr getragen ; aber ich habe mir es aufbewahrt « , sprach Bertha , » und da du heute kamest , und da ich wußte , um was du mich fragen würdest , habe ich es angezogen . Du bist auch in einem Gewande wie damals . « » Es ist das nämliche « , sagte Witiko , » ich trage es oft , aber nicht immer , und habe es genommen , weil ich dich heute um das fragen wollte , um was ich dich gefragt habe . Und warum bin ich dir denn damals lieb gewesen , Bertha ? « » Du bist mir lieb gewesen , weil du mir lieb gewesen bist « , antwortete Bertha . » Ich bin dir ja ganz fremd gewesen « , sprach Witiko . » Du warst mir nicht fremd ; als ich dich sah , habe ich dich lange gekannt « , antwortete Bertha . » Und ich habe dich ja immer gekannt , da du mit den Rosen an dem Waldsaume standest « , sagte Witiko . » Ich habe es gewußt « , entgegnete Bertha . » Deine Mutter , Bertha , hat gesagt « , sprach Witiko , » sie habe mich mit ihren inneren Augen schon früher gekannt , als mich die anderen mit ihren äußeren Augen kennen lernten . Hast du auch solche innere Augen , Bertha ? « » Ich weiß es nicht « , antwortete Bertha , » aber ich habe dich nicht früher als die andern kennen gelernt , sondern habe dich gleich gekannt . « » Ich habe dich auch gleich gekannt , und weiß nicht wie « , sagte Witiko . » Und doch bin ich , da ich an dem Steine deinen Mund geküßt hatte , nicht mehr gekommen bis heute . « » Du durftest nicht kommen , Witiko « , antwortete Bertha , » daß du mich erschleichest , sondern , weil du mich an dem Steine geküßt hattest , mußtest du kommen , mich zu fordern , und du bist gekommen . « » Und wenn ich heute nicht gekommen wäre « , sprach Witiko . » So wärest du später gekommen « , sagte Bertha . » Und wenn ich gar nicht gekommen wäre « , sprach Witiko . » Das ist nicht möglich « , sagte Bertha , » weil du gekommen bist . « » Ja , es ist nicht möglich « , antwortete Witiko . » Wenn aber deine Eltern stets nein gesagt hätten . « » Das tun sie nicht , weil sie uns kennen « , sprach Bertha , » und wenn sie es getan hätten , so wäre ich durch mein Leben geblieben wie unsere Base , die Nonne . « » Und ich hätte in meinem Gebiete , und im Lande ohne Weib geschaltet « , sagte Witiko . » Hier ist die Stelle « , sprach Bertha . » Hier bist du mit den Rosen gestanden « , sprach Witiko . » Und dort bist du gestanden , da die Sonne auf die Steine geschienen hat , und bist dann gegen mich her gegangen « , sagte Bertha . » Ich bin erschrocken , da ich die Waldrosen auf deinem Haupte gesehen hatte « , sprach Witiko , » weil bei uns oft auf die Rosen gedacht wird . « » Und ich mußte an diesem Tage die Rosen nehmen , und wir müssen die Rosen ehren « , sagte Bertha . » Wir müssen sie ehren « , antwortete Witiko , » und sie werden mir immer ein Sinnbild bleiben . « » Hier ist Trude gestanden « , sagte Bertha . » Werde ich sie sehen , wenn ich in euerem Hause bin ? « fragte Witiko . » Du wirst sie sehen « , antwortete Bertha , » sie ist sehr schön geworden . « » Und dieser Platz , auf dem wir stehen , soll uns sehr lieb bleiben « , sagte Witiko . » Er soll uns lieb bleiben fort und fort « , entgegnete Bertha . » Nun gehen wir zu den Steinen « , sprach Witiko . » So gehen wir « , sagte Bertha . Sie wandelten an dem Saume des Waldes dahin , bis sie zu den Steinen gelangten , von denen Witiko damals auf die singenden Mädchen geschaut hatte . Da sie bei den Steinen angekommen waren , sagte Witiko : » Bertha , setze dich nieder . « » Ich bin auf diesem gesessen « , sagte Bertha . » So setze dich wieder auf ihn « , sprach Witiko . Sie tat es . » Und ich bin neben dir auf diesem gesessen « , sagte Witiko , » er ist niederer , und ich setze mich wieder auf ihn . « Er tat es . » Siehst du , Bertha « , sagte er , » unsere Angesichter sind nun wieder in gleicher Höhe , wie damals , da ich dich angeblickt hatte , und da du mich angeblickt hattest . « » Bist du größer geworden , Witiko ? « fragte Bertha . » Es muß ein wenig sein « , antwortete Witiko , » da ich dir hier wieder gleich bin , und da du gesagt hast , daß dir dein Röcklein kürzer geworden ist . Mein Lederkleid dehnt sich . « » Und so wie damals ragt dein Schwert in die niedreren Steine « , sagte Bertha , » und in den nämlichen Gewändern sitzen wir hier wie vor sechs Jahren . « » Nur die Bäume , die jenseits der hellen Wiese stehen , an deren Rande wir sitzen « , sprach Witiko , » glänzen nun im Sonnenscheine , da sie damals im Schatten waren , und die Blätter der Ahorne über uns sind dunkel , die damals geschimmert hatten . « » Ich habe dir gesagt « , sprach Bertha , » daß es im Herbste hier am Vormittage mild ist , im Sommer sehr heiß , daß aber am Nachmittage Schatten ist . Der Schatten ist lieblich , lege deine Haube wieder in das Gras wie damals , Witiko . « Er nahm die Lederhaube von seinem Haupte , und legte sie in das Gras , und die blonden Haare rollten auf seinen Nacken herab . Und seine blauen Augen schauten in ihr Angesicht , und ihre braunen in das seine . » Wie wird denn die Burg heißen , die du baust ? « fragte Bertha . » Witikohaus « , antwortete Witiko . » Aber , Bertha , du hast einmal gesagt : Ich weiß nicht , ob ich in Böhmen wohnen möchte ; und die Burg wird in Böhmen stehen . « » Und die Mutter hat gesagt « , antwortete Bertha : » wir Frauen , die wir abhängig sind , wissen nie , wo wir wohnen werden , und wo wir dann mit den Unsrigen wohnen , wird es uns auch gefallen . « » Und wird es dir so gefallen ? « fragte Witiko . » So wird es mir gefallen « , antwortete Bertha . » Dein Vater hat gesagt , Bertha « , sprach Witiko : » Die alten Böhmen haben ihre Burgen und die Verbalkungen ihrer Zupen stets in der Ebene gebaut , wo Sümpfe waren , oder zwei Wässer zusammen gingen , so daß nur auf einer Seite ein Eingang war . Ich baue meine Burg nicht so . « » Das wäre häßlich « , sagte Bertha . » Ich habe damals deinem Vater geantwortet « , sprach Witiko : » Wo ein steiler Fels gegen Wasser vorgeht , daß er rückwärts nur mit einer schmalen Zunge am Lande hängt , wird eine gute Wohnung sein . Und dein Vater baut jetzt die Burg Schauenberg auf einer solchen Zunge , nur daß kein Wasser vor dem Felsen ist . « » Kennst du den Schauenberg ? « fragte Bertha . » Ich bin auf einem Gerüste der Burg gestanden , die gebaut wird , als ich nach Landshut ritt « , antwortete Witiko . » Ich habe aber , da ich zum ersten Male bei euch war , auch gesagt : Ein großer Wald , der einem zahlreichen Feindeshaufen den Zugang wehrt , und ihm Nahrung versagt , könnte auch als Schutz dienen . Und so baue ich mir die Burg . « » Sieht man von ihr so herum , wie von der Burg Schauenberg ? « fragte Bertha . » Noch viel weiter « , antwortete Witiko . » Bertha , du wirst auf dem Söller der Burg stehen wie auf dem Fels der drei Sessel , und wirst das ganze Alpengebirge sehen , so weit Augen zu reichen vermögen , da , wo das Land Baiern im Mittage an diese Gebirge stößt , und weiter gegen Morgen hin , wo das Land gegen Mittag an die Gebirge stößt , das der Markgraf von Österreich beherrscht , bis zu dem Lande Ungarn , in das sich die Berge senken . Du wirst die Gaue des Landes Baiern sehen , wo die Mihel fließt , wo die Donau strömt , wo die Enns und die Traun ist , du wirst Gaue des Landes Österreich sehen , und Wiesen und Felder und Wälder in allen Gauen , und lichte Stellen , die Burgen sind oder Kirchen oder Ortschaften . Und wenn du mitternachtwärts schauest , so siehst du die Moldau unten in den Forsten , und du siehst die Flecke in dem großen Walde , wo Wiesen und Felder und Wohnungen sind , und siehest dahin bis zu den letzten Säumen der Bäume . « » Der Vater lobt die Stelle « , sagte Bertha , » er ist oft dort gewesen , und ist in der letzten Zeit wieder in dem Lande Böhmen gewesen . « » Und unterhalb deiner Augen von der Burg hinab « , sagte Witiko , » ragen , wie du an dem großen Steine gesagt hast , die Wipfel des Waldes empor ; aber es gehen nicht die goldenen Felder der Ähren dahin oder der grüne Sammet der Wiesen , wie an dem Fuße des Felsens , auf welchem die Burg Schauenberg steht . « » Ist der Wald , in dem die Burg stehen wird , groß ? « fragte Bertha . » Er ist ein Wald in den Wäldern « , antwortete Witiko . » Wenn du von dem Friedbergwalde , wo die Häuser von Friedberg an der Moldau liegen , durch ihn zur Burg hinan gehst , so ist das der kürzeste Weg , und du brauchst länger als eine Stunde zu ihm . Von der Burg gegen Mittag hinab bis zur Mihel gingest du leicht in zwei oder drei Stunden , und gegen Abend , und wo der Wald sich biegt , gegen Mitternacht , brauchtest du viele Tagereisen , und gegen Morgen wenigere , oder auch viele . « » Und wo ist dein Gebiet ? « fragte Bertha . » Du wirst von der Burg den Kreuzberg sehen , von dem gegen Mittag der obere Plan liegt « , antwortete Witiko . » Von Plan der Moldau entgegen kömmt man zu dem Saume des Berges , darauf euer schwarzer See ist . Von diesem Saume über den oberen Plan hin nach Friedberg , und weiter an der Moldau hinab , bis wo sie durch die Schlucht der Kienberge geflossen ist , und mitternachtwärts gegen den Fels des Rosenberges und gegen die krumme Au geht , sind die Häuser und die Menschen zerstreut , die mir pflichtig sind . Andere sind dazwischen , die zu Rowno gehören oder zu Diet oder zum Herzog . Die Stücke Waldlandes , die mir der Herzog gegeben hat , sind um Plan , um die untere Moldau , und um Friedberg . Die Bäume , die du von der Burg bis gegen die Mihel siehst , und von der andern Seite bis an die Moldau vor Friedberg , sind unsere Bäume . « » Ist eine Kirche bei der Burg ? « fragte Bertha . » Es ist die kleine Burgkirche in der Burg « , entgegnete Witiko , » in Friedberg ist eine hölzerne Kirche , die jetzt größer gebaut wird , und wenn mich Gott segnet , beginne ich noch den Bau einer steinernen Kirche des heiligen Apostels Thomas in der Nähe meines Hauses . « » Und in diesem Hause wirst du sein , Witiko « , sagte Bertha , » du wirst Männer und Freunde haben , du wirst des Waldes pflegen , du wirst in die Geschicke des Landes handeln , und in den Rat des Herzoges gehen . « » Und in diesem Hause wirst du sein , Bertha « , sagte Witiko , » du wirst Frauen haben , du wirst der Heimat pflegen , du wirst in die Geschicke des Landes blühen , und zu Hofe nach Prag gehen . « » Und in diesem Hause werde ich sagen : Witiko , jetzt ist dir keiner gleich « , antwortete Bertha . » Und ich werde in dem Hause sagen : Bertha , dir ist keine gleich , und sage es jetzt schon « , sprach Witiko . » Nun aber gehen wir zu den Eltern « , antwortete Bertha , » Witiko , nimm deine Haube wieder , und komme . « Witiko nahm seine Haube , und setzte sie auf . Dann erhoben sie sich , er nahm Bertha bei der Hand , und sie gingen am Saume des Waldes hin , und gingen auf dem nämlichen Wege in das Haus , auf welchem ihn Bertha vor sechs Jahren in dasselbe geführt hatte . Als sie in das Gemach kamen , von welchem sie ausgegangen waren , sahen sie den Vater