und gehen heim . « » Nein ! « riefen die Bauern ; » aber daß das Schwert mangelt , ist schlimm , denn es bedeutet das Kreuz , woran der Herr Christus gelitten hat . « Sie blieben in nachdenklichen Stellungen . Auch ihr alter Vorstand hatte Mühe , seine Fassung zu behalten . Er erhob indessen die Stimme und sprach zum Fronboten : Ich biete , zu sagen mir : Sind Notschöffen allhier ? Oder Mann , die nicht wissen ? Das sage mir beflissen . Der Fronbote sah sich im Kreise um und versetzte dann mit lautem Tone : Alle Mann sind wissend und gerecht , Weder Notschöffen , weder Juden , weder Knecht . Jetzt redete der Hofschulze die Versammlung mit folgenden Worten an : » Ist es die rechte Stätte und die rechte Stunde , Ding und Gericht zu halten nach Freistuhlsrecht unter echtem Römischen Königsbann ? « - Die Bauern antworteten einstimmig : » Ja , sie ist es « ; und der Hofschulze fuhr fort : » So warne ich euch vor Unlust , Keif , Scheltwort . Niemand soll sprechen , denn mit Fürsprach , niemand scheiden vom Gericht , denn mit Urlaub . - Dieweil - « setzte er hinzu - Dieweil an diesem Tage Mit eurer aller Behagen Unter dem hellen Himmel klar , Ein frei Feldgericht offenbar Wo Notschöffen keine Gehegt beim lichten Sonnenscheine , Nicht in Schlüften Nicht in Klüften Zwischen sieben Uhr frühe Und ein Uhr mittags ; siehe ! Alle Mann auch nüchtern kommen sind , Königsstuhl und Maß man recht befind ' t , So sprecht das Recht ohne Witz und Wonne , Weil scheint die Sonne . Die Bauern sprachen : » Wir wollen ' s. « Der Hofschulze fragte abermals : » Was gibt dem Freischöffen Fug und Recht ? « Die Bauern murmelten dumpf : » Hebende Hand , blickender Schein , gichtiger Mund . « - Darauf sagt der Fronbote : » Herr Grafe , es steht draußen ein Mann , der Begehr am Ding und Gericht hat . « Der Hofschulze wandte sich wieder an die Versammlung und sprach : » Ist es euch genehm und zum Behagen , daß mein Eidam vom Jürgenserb , frei , keinem eigenbehörig , ohne Schimpf noch Schande , unverleumd ' t im Lande , wissend gemacht werde auf roter offener Erde , fahe Losung und Heimlichkeit , wie Kaiser Carolus gesetzt zu seiner Zeit ? « Die Freischöffen erwiderten : » Es geschehe . « - Der Hofschulze gab nun dem Fronboten einen Wink , dieser ging zu dem Eidam und führte ihn herbei . Der junge Bauer sah sehr stolz und freudig aus , als er in den Kreis trat , in welchem er die höchste Ehre von seinesgleichen empfangen sollte . Der Fronbote gab ihm Anweisung , darauf entblößte der junge Bauer sein rechtes Knie , kniete bedeckten Hauptes vor seinem Schwiegervater nieder , legte die linke Hand auf die Weide , die ihm der Fronbote vorhielt , und empfing in dieser Stellung vom Hofschulzen die Vermahnung vor Eidbruch , die ihm unter schweren Verwünschungen erteilt wurde . Bei der Weide solle er denken an den Strick um den Hals , hieß es darin , und bei der Linde , die er sehe , an den Baum , der den Verräter trage . Vermaledeit sei dessen Fleisch und Blut , der Wind solle ihn verwehen , die Krähen , Raben und Tiere in der Luft sollen ihn verführen und verzehren . Noch schrecklichere Drohungen enthielt dieses Verwarnen . Der Eidam verzog aber keine Miene dabei . Hierauf nahm ihm der Fronbote den Eid ab , den der neue Schöffe nachsprach . Er schwor , die Feme zu hüten : Vor Mann , vor Weib , Vor Dorf , vor Traid , Vor Stock , vor Stein , Vor groß , vor klein , Auch vor Quick Und vor allerhand Gottesgeschick , Ohne vor dem Mann , Der die heilige Feme hegen und hüten kann , Und nicht zu lassen davon Um Lieb noch um Leid , Um Pfand oder Kleid , Noch um Silber , noch um Gold , Noch um keinerlei Schuld . Als der Eidam den Eid geleistet hatte , wollte er aufstehen , der Fronbote hielt ihn aber in seiner knienden Stellung fest und sagte , sich vergessend , und aus der feierlichen Redeweise in seine Bauersprache fallend : » Wollt Ihr denn wie das liebe Vieh Schöffe sein ? Ihr kriegt ja erst die Losung . « » Auch gut ! « rief der junge Bauer , dem die fürchterliche Verwarnung und der Eid ein Behagen erregt zu haben schien . » Her mit der Losung ! « Der Hofschulze setzte den Hut auf , der Eidam mußte ihn abnehmen und nun sagte jener : » Die Losung und das Notzeichen , das ich dich lehre , lautet : Stock , Stein , Gras , Grain . « » Gut « , versetzte der Eingeweihte . » Stock , Stein , Gras , Grain , das ist wohl zu behalten . Aber was bedeutet : Stock , Stein , Gras , Grain ? « » Neige dein Ohr zu meinem Munde « , versetzte der Freigraf , » du sollst den heimlichen Sinn erfahren , den außer dir nicht einmal die Lüfte hören dürfen . « Indem der Eidam sich zu den Lippen des Schwiegervaters hinüberbeugte , rief aber der alte Fronbote überlaut : » Halt ! Das Ding ist geschändet , wir haben einen Lauscher in der Nähe , ich hörte ein Geräusch ganz deutlich . « » Nun ja « , sagte Oswald , der hinter der alten Linde hervortrat , gezwungen lachend , » ich habe euch belauscht . Ich stand in dem hohlen Baume da . Das Horchen , welches ich noch nie getan , wollte mir aber so schlecht behagen , daß ich mich rührte , um fortzugehen , womöglich da in den Forst , euch unbemerkt . Nehmt mir ' s nicht übel , ich werde nichts von euren Sachen verraten , es ist , als ob ich sie nicht gehört hätte . « - Er trat in den Forst zurück und verlor sich unter den Bäumen . Wie wenn bei einem fröhlichen Mahle plötzlich ein fremder Eindringling durch eine ungeheure Beleidigung der ganzen Gesellschaft den Fehdehandschuh hinwirft - anfangs ist alles lautlos und gleichsam versteinert , mit einem Male aber springt jeder auf und läßt das verletzte Gefühl in Blick , Gebärde , Drohung , Zornes- und Racheworten ausschäumen , so wirkte hier die unerwartete Erscheinung des fremden Zeugen anfangs nur ein atemloses Staunen und die Bauern sahen ihm , ohne ein Wort zu sagen , nach , bis er im Forste verschwunden war . Dann aber sprangen sie wütend auf , ballten die Fäuste und ergossen sich in einem Strome von wilden Reden , Drohungen , Verwünschungen . Einige riefen : » Soll das geschehen dürfen wider uns ? « Andere antworteten : » Nimmermehr ; tot sollte man ihn schlagen ! « - » Tot ! « riefen alle und bekräftigten dieses finstere Wort durch ein lautes Murren , welches schauerlich von der nebelumgebenen Höhe klang . - An eine Fortsetzung des Freigerichts wurde nicht gedacht . Der Hofschulze war während des Getöses stumm geblieben , sein Antlitz sah aber kreideweiß aus . Als jetzt nach jenem Murren eine augenblickliche Stille eintrat , erhob er sich und sagte : » Nachbarn , wollt ihr mir überlassen , die Sache in aller Manier zu schlichten ? « Die Bauern versetzten : » Tut das , Hofschulze . Nur daß nichts auskommt von der Heimlichkeit . « » Ich hoffe , es soll nichts auskommen « , versetzte der Hofschulze , mit einem seltsamen Lächeln . » Wie wollt Ihr es anfangen ? « fragten seine Nachbarn . » Ich will euch nur veroffenbaren « , sagte der Hofschulze und sein Lächeln wurde immer sonderbarer , » daß ich eine Sache von meinem Vater seliger ererbt habe , die , wenn man sie gehörig braucht , jemandem den Mund schließt über jegliches Ding , worüber man will . « » Ja « , sagte einer , » so etwas müßt Ihr wohl innehaben , denn vom Oberhofe ist niemals was herunter geschwatzt worden « - Sie schüttelten ihm die Hand und liefen nach allen Richtungen hügelabwärts auseinander , unterweges ihr Murren , Schelten und Verwünschen fortsetzend . Als die beiden Alten oben auf der Höhe allein waren , wechselten sie miteinander die allerverwunderlichsten Blicke . Der Fronbote hatte seit dem Abgange des jungen Grafen wie ein Falke nach jedem Gesichtszuge seines Freigrafen gespäht . Er verstand ihn und der Freigraf verstand den Fronboten ; es bedurfte aber dazu keines Wortes unter ihnen . Nach langem Schweigen erhob zuerst der Fronbote seine Stimme und sagte : » Wollt Ihr mir eine Nachbargefälligkeit tun , Hofschulze ? « » Ja , wenn ich kann « , versetzte der Hofschulze . » Ihr könnt schon « , sagte der alte Fronbote . » Es fehlt mir im Nußholz an Fällern und auf der Pfaffenwiese an Grummetwenderinnen . Darf ich Eure Knechte und Mägde dazu vom Oberhofe mitnehmen , die Knechte nach dem Nußholze schicken und die Mägde nach der Pfaffenwiese ? Ihr kriegt sie aber vor spät abend nicht zurück , denn es ist viel zu tun . « » Nehmt sie nur alle mit , Knechte und Mägde , und behaltet sie bis zum späten Abend draußen « ; antwortete der Hofschulze . » Ich tue Euch auch einen Gefallen dagegen « , sagte der Fronbote . » Ihr spracht neulich , daß Ihr den alten Brunnen hinter der Scheure wieder aufnehmen wolltet ; er ist aber ganz versperrt ; das Geströhde vor dem Zugange will ich Euch daher immer schon etwas wegräumen , wenn ich hinunterkomme . « » Es soll mir lieb sein « , erwiderte der Hofschulze . » Wohin geht Ihr von hier aus ? « fragte der Fronbote . » In die Hollenberge , um nach den Mandeln zu sehen « , antwortete der Hofschulze , und schlug , ohne sich weiter zu verweilen , einen Pfad zwischen den Kornfeldern ein . Der Fronbote sah ihm nach und sagte dann : » Wenn man nun einstmals unvermutet um Sachen befragt werden sollte , so kann man schwören , daß er weder in den Oberhof noch in den Forst da gegangen ist , dem Menschen nach . « Hierauf schritt er den Weg zum Oberhofe hinunter . Der Hofschulze kehrte , als er einige hundert Schritte gegangen war , um und ging in den Forst , bebend , bleich , außer sich . Zehntes Kapitel Wie der Hofschulze und der Graf Oswald aneinander und auseinander gerieten Unten im Oberhofe befahl der Fronbote den Knechten zum Holzfällen nach dem Nußholze , den Mägden zum Grummetwenden nach der Pfaffenwiese zu gehen , der Baas habe sie ihm für den Tag verstattet . Sie sollten sich Brot mitnehmen und am Abend werde er Ihnen das eingebüßte Mittagsessen wohl ersetzen , fügte er hinzu . Die Knechte und Mägde gehorchten ihm , denn der alte Fronbote war des Hofschulzen genauester Freund und galt wie der Herr selbst im Hofe , wenn jener entfernt war . Nachdem sich alle Menschen , wie er glaubte , aus dem Hofe entfernt hatten , blieb er noch einige Minuten in dem stillen Hause stehen und sagte dann wohlgefällig : » Jetzt kann hier geschehen , was recht ist . « Darauf ging er über den Hof nach den Ställen . Zwischen der Scheure und dem Pferdestalle war ein schmaler Gang , der noch dazu durch Rasen und Reisig etwas versperrt war . Diese Hindernisse räumte der Fronbote hinweg , legte sie jedoch so , daß sie mit leichter Mühe wieder an ihren Platz getan werden konnten . Von dem Gange gelangte er auf ein kleines dunkeles Plätzchen hinter der Scheure , welches kaum acht Fuß im Gevierte hielt . Nur ihm und dem Hofschulzen war das Dasein dieses Plätzchens kund , auf welchem der alte Brunnen des Oberhofes stand , der , welcher gebraucht worden war , ehe durch den Bau der neuen Scheure vor dreißig Jahren das Plätzchen verbaut wurde , welches durch einen Winkel der hinter der Scheure durchziehenden Hofesmauer entstand . Ein großer Holunderbaum , welcher an dieser Mauer grünte , überschattete das Plätzchen und machte es feucht . Nesseln und Unkrautspflanzen wucherten dort in wilder Fülle . Der Fronbote schlug einige der höchsten Nesseln zurück , und seine rauhen Fäuste empfanden nichts von ihrem Brennen . Er stieß mit dem Fuße die Kröten fort , die auf den feuchten Steinen in Menge saßen , nahm ein Paar morscher Bretter , womit der Brunnen überdeckt war , hinweg , beugte sich über die niedrige Brunnenmauer , ließ einen Stein hinunterfallen und freute sich , als das Plätschern unten anzeigte , daß noch Wasser in dem Brunnen war . Er legte einige große Steine neben den Brunnen und einen Strick , den er aus der Tasche zog , legte er dazu . Dann schwang er sich ungeachtet seines Alters rüstig an dem Holunderbaume über die Mauer , nachdem er noch ein Blatt von dem Baume abgebrochen hatte . Auf dem Blatte pfiff er eine Melodie , während er draußen durch Wiesen und Felder nach seinen Besitzungen ging . Zuerst wollte er das Nußholz und dann die Pfaffenwiese besuchen . Als das Haus des Oberhofes ganz still geworden war , tat es oben an der Türe der Kammer , worin das Schwert Karls des Großen gelegen hatte , ein leises Klinken , so leise , als fürchte der Klinkende , daß auch nur das geringste Geräusch von ihm vernommen werden möchte . Darauf schlich es ebenso leise über den Gang nach dem Zimmer Lisbeths , und dann wurde es wieder eine Zeitlang ganz still , als werde an der Türe gehorcht , ob jemand in dem Zimmer sei . Darauf klinkte die Türe des Zimmers schon etwas lauter und als nun letztere geöffnet worden war , ging es oben und tat ein Kramen wie von jemand , der nicht mehr darauf achtete , ungehört zu bleiben . Aber plötzlich ertönte unter dem Kramen ein Schrei , es kam aus dem Zimmer gesprungen , die Türe desselben wurde rasch zugeworfen , es rannte über den Gang , huschte in die Kammer und auch deren Türe flog mit Geräusch zu . Kurz nach diesem Vorgange betrat der Hofschulze mit dem jungen Grafen Oswald das Haus . Das war ungefähr um die Zeit , als der Fronbote sein Geschäft am Brunnen getan hatte . - » Welche Versicherung begehrt Ihr von mir , daß ich Eure Heimlichkeit nicht ausbringe ? « fragte Oswald seinen alten Gastfreund . » Ich bin willfährig mit Euch gegangen , als Ihr mich oben im Forste darum ersuchtet , aber nun beeilt Euch und sagt mir an , was Ihr wollt . « - Mit einem schweren Seufzer setzte er hinzu : » Es gefällt mir nicht mehr bei Euch , und ich muß fort . « » Ich werde Ihnen da droben meine Meinung veroffenbaren , da droben in der Kammer am Gange « , sagte der Hofschulze so mühsam und stockend , daß jedes Wort sich wie von Klammern in seiner Brust loszuringen schien . Er ließ den Gast vorangehen und folgte ihm mit schweren und dröhnenden Schritten . Als sie oben in die Kammer eingetreten waren , schob der Hofschulze den Riegel vor das Schloß und warf seinen lichtblauen Feiertagsrock ab . Dann reckte er seine Glieder und die ganze Gestalt wuchs wieder wie damals , als er im Mondschein den Jäger warnte , an die Geheimnisse des Schwertes zu rühren . Er wiegte die Arme und Fäuste , gleichsam um ihre Kraft zu prüfen , hin und her . Oswald , durch dessen Seele eine finstere Ahnung flog , sagte nicht ohne Schauder : » Was soll das ? « Der Alte zog die buschichten Brauen in die Höhe und versetzte kalt : » Einer von uns beiden verläßt diese Kammer nicht lebend . « » Was ! « rief Oswald entsetzt . » Ihr wollt mich ermorden ? Zum Meuchelmörder wollt Ihr an Eurem Gaste werden ? « » Keinesweges « , sagte der Hofschulze ruhig wie in guten Tagen , » sondern es soll alles mit der Manier zugehen . Jetzt höret mich an , junger Herr Graf oder Fürst , oder wer Ihr sonst sein möget , denn es kann sich treffen , daß ich auf dieser Kammer liegen bleibe , und drum ist mir sehr vonnöten , daß Ihr eine gute Meinung von mir heget und behaltet . Das Gemüte des Menschen kann ein vieles ertragen , aber vom Übermaß wird es in die Desperation getan . Ich bin desperat , Herre , und kann dafür nichts . Meine Seele ist voll Nöte und Pein und schreit wie ein Hirsch nach der Wasserquelle . Es ist zuviel Kreuz und Herzeleid über mich gekommen in diesen paar Tagen und das letzte war das schlimmste . Mein Schwert ist mir gestohlen , mein Schwert ! mein Schwert ! Das Schwert von Carolus Magnus ! Ich bin wie Asche und Scherben , wenn ich daran gedenke . Nun behorchen Sie auch noch die Heimlichkeit , meine Heimlichkeit ! Ei , Herre , war das recht ? Nachdem ich Ihnen Logement gegeben manchen Tag und mich ganz in der Ordnung mit Ihnen betragen ? Sie werden es ausbringen und haben uns eine Schande angetan , eine Schande , daß mir zumute ist , als wäre meiner Tochter durch Sie Gewalt geschehen - « Oswald rief : » Ich schwöre , nichts ... « » ... zu verraten , das wollen Sie schwören « , fiel der Hofschulze ein . - » Sie schwören es heute und brechen es morgen , ich verstehe mich auf solche Schwüre . Wer dergleichen absonderliche Heimlichkeit erfuhr , der verrät sie auch an seinen Freund , oder an seine Liebste , oder an ein Blatt Papier , oder an die Lüfte und die Sache kommt unter das Schwabenvolk draußen im Reich . Nein , nur der Tod stopft den Mund über diese Dinge , auch sagen die alten Rechte ganz genau , wer Freigerichtes Heimlichkeit sieht , ohne wissend zu sein , der ist des Lebens los . Ich habe einen Haß auf Sie , wie auf keinen Menschen sonst in der Welt , denn - sagen muß ich Ihnen auch nur : In der Nacht zeigte mir das Gesicht mein Schwert in Ihrem Verschlage , darunter stecken Sie also auch mit , und nun tun Sie das - das - das - « Er hielt , von innerer Wut zusammengeschnürt , einige Augenblicke inne . Dann fuhr er pathetisch fort : » So dachte ich da droben auf der Höhe am Stuhl : Herr , Herr , wie soll das werden ? Die Heimlichkeit darf nicht von der roten Erde , wie aber magst du es gleichwohl schlichten ? Du kannst nicht drei hinter ihm hergehen lassen , die ihn fassen am Kreuzweg und aufhenken und ihm lassen Geld und Gold und ihr Messer neben ihn stecken in die Borke des Baumes nach Königsrecht ! - Und darfst du ihn locken in dein Gehöfte und abmeucheln und sollst noch so etwas Schandhaftiges auf dich laden in deinen urältesten Tagen , o pfui , o pfui ! - Auf einmal aber tat es in mir einen Blitzschlag und eine innerliche Erleuchtung und ich wußte , wie ich mich zu fassen und zu verhalten habe . Denn ich bin zwar noch stark bei Kräften , aber Sie sind jung und auch nicht schwach , und so sind wir einander gleich . Deshalb wollen wir nun kämpfen um unser Leben , Mann gegen Mann , Auge in Auge blickend . Schlage ich Sie darnieder , so ist Ihr Grab im alten Brunnen bereitet und die Heimlichkeit bleibt auf der roten Erde , tun Sie es mir an , so hat es Gott also gewollt ; auf jegliche Weise aber ist dieses ein wahres und aufrichtiges Gottesgericht . Also frisch ans Werk , denn ich weiß mir sonst nicht zu helfen ! « Er erhob eine Axt , die neben ihm stand , und sah , indem er sie leicht wie eine Feder emporschwang , furchtbar aus , gleich einem von den Streitern Wittekinds in den Schlachten bei Detmold und an der Hase . » Seid Ihr bei Sinnen , Hofschulze ? « rief Oswald . » Ich fürchte mich vor keinem Feinde , aber womit soll ich mich verteidigen gegen Euch alten , rasenden Mann ? « » Dort steht eine zweite Axt « , sagte der Hofschulze . » Nehmt sie , Herre ; jegliches Gerät kann zu einer Waffe werden in des Mannes Faust , und wie geschrieben steht , so sind sie vor alten Zeiten auch solcherweise mit Streitäxten aufeinander losgegangen . « » Ich nehme die Axt nicht und haue mich nicht mit Euch herum wie ein Schlächter und Stierfäller « , versetzte stolz und fest der junge Graf . » Ihr seid , scheint es , in der Berserkerwut , dem uralten Wahnsinne Eures Stammes . Ihr werdet aber zu Euch selbst kommen und Euch dann schämen mit mir so verfahren zu sein um Possen ... « » Possen ! « schrie der alte Bauer mit einer entsetzlichen Stimme . » Possen ! « wiederholte er ebenso laut und stieß den Stiel der Axt so heftig auf den Boden , daß ein Teil des Kalks von der Decke fiel . - » Herr ! Herr ! In den Possen bin ich alt und grau geworden , und mit den Possen habe ich mir Recht genommen an einem Schalk und Sohnesmörder , und mit den Possen folgen mir meine Landsleute , wohin ich sie haben will , wie eine Lämmerherde , und um die Possen verstehen sie mich , ohne daß wir ein Wort miteinander zu reden brauchen , also mögen es wohl für euch da draußen in Schwabenland Possen sein , aber für mich und meinesgleichen sind es keine Possen nicht . - Und Herr , ich will jetzo mein Recht haben und meine Rache an Euch und die Sicherheit von wegen der Heimlichkeit . So wahr der Herr lebt , ich suche das alles nicht wie ein schlechter und boshafter Mensch , sondern in grausamer Herzensangst und Unruhe - wißt Ihr ein ander Mittel , sagt es an - aber werden muß mir es , mein Recht und die Sicherheit , und werden soll mir es , so wahr uns hier niemand hört als Gott und die vier weißen Wände , denn der Fronbote hat die Menschen hinweggeschafft vom Hofe und nur das blöde Vieh brüllt da drunten in seinem Stalle . « Das Saatlaken bewegte sich und eine bleiche , jungfräuliche Gestalt trat dahinter hervor . » Ihr irrt Euch , Hofschulze « , sagte Lisbeth zitternd am ganzen Körper , aber mit fester Stimme . - » Aus meinem Verstecke treibt es mich hervor . Euch vor Torheit zu retten . Nicht Gott allein hörte Euch und die stumme Wand , sondern auch ich hörte Euch und er setzte mich zu einer Zeugin Eurer wilden Gedanken . So hat Euch also Gott mit Eurem Vermessen in mir zuschanden werden lassen , deshalb steht von den Werken blinden Grimmes ab . « Die Gewalt dieser plötzlichen Erscheinung war zu groß , als daß der Hofschulze nicht vor ihr mit seiner doch nur fieberhaften Aufregung hätte zusammenbrechen müssen . Er ließ die Axt fallen , seine Gestalt schrumpfte gleichsam vor dem zitternden Mädchen , welches doch so fest sprechen konnte , ein , stumm und gebeugt verließ er die Kammer . Oswald war überrascht , freudig und kummervoll vor Lisbeth in die Kniee gesunken . Ach , sie war wieder da , aber wie sah sie aus , und wie streng und kalt hatte sie ihn einen Augenblick angesehen , um dann beharrlich von ihm wegzublicken ! - » Kommst du endlich wieder zum Vorschein , Lisbeth ? « stammelte er . » O was hattest du vor ? - Du hast mir mein Leben gerettet , denn ich glaube , die Kraft würde mir ausgegangen sein dem wütenden Alten gegenüber . « » Sie haben mir dafür nicht zu danken , Herr Graf oder Fürst , um zu sprechen wie der Hofschulze sprach « , versetzte Lisbeth . » Was ich hier tat , würde ich jedem Fremden erwiesen haben . « Sie wollte das in einem kalten Tone sagen , aber die Stimme bebte so heftig , daß es wie Zorn klang . Die Liebe hört in solchen Fällen nur auf die Worte und deren Klang . Zornig und bestürzt sprang er auf , trat weit von ihr zurück und sagte schneidend : » Also ist es wahr ? Also doch verabschiedet nach vierundzwanzig Stunden ? « » Ich habe mit Ihnen nichts mehr zu reden « , erwiderte Lisbeth kaum hörbar . » Ich bitte Sie , mich ruhig meiner Wege gehen zu lassen . Ich wollte nach der Stadt zu dem Herrn Diakonus , von dem ich vorhin einige Zeilen auf meinem Zimmer gefunden habe , daß er mich aufnehmen will . « » Nach der Stadt wollte ich auch « , sagte er kalt lächelnd . » Wie aber die Sachen zwischen uns stehen , so werden Sie wohl meine Begleitung ablehnen . « » Ich fürchte mich nicht und bin gewohnt , allein zu wandern « , antwortete Lisbeth . - » Übrigens darf ich Ihnen ja die offene Straße nicht verbieten , die Ihnen wie mir gehört . « - Sie verließ die Kammer und wäre er ihr nachgefolgt , so hätte er ein Schluchzen wahrnehmen können , welches das ganze Wesen des armen Kindes aufzulösen drohte . Er hätte sie nur fragen dürfen : » Was hast du gegen mich Lisbeth ? Sage mir ' s ! Selbst wenn du meinst , daß ich geraubt und gemordet habe , so mußt du mir mein Verbrechen doch nennen . « - Dann hätte sie gesprochen und er hätte gesprochen und aus dem Sprechen wäre wahrscheinlich ein Lachen über die unnützen Kümmernisse geworden . Aber er dachte nicht daran sie zu fragen . Denn Liebe ist alles ; auch ungerecht und hochmütig ist Liebe , sie sieht in manchen Fällen die Geliebte lieber treulos oder veränderlich , als unter der Wucht eines Mißverständnisses erliegend . Ingrimmig knirrte er mit den Zähnen , als er allein war . » Es ist unglaublich ! « rief er , » freilich aber doch wahr . « Er stieß seine Stirn wider die Wand , um nur einen recht heftigen körperlichen Schmerz zu empfinden . Dann rief er in seine Brust hinein , in welcher es eben wieder unheimlich zu wühlen begann : » Herauf ihr kleinen roten Schlangen ! Herauf ans Tageslicht ! « - Die Axt nahm er , die der alte wilde Bauer ihm hatte aufnötigen wollen und warf sie mit solcher Gewalt nach einem Kasten , daß die Schärfe des Beils tief in das Holz fuhr und darin stecken blieb . Ein Geräusch draußen verriet ihm , daß Lisbeth fortgehe . Obgleich sie ihm nicht mehr gehörte , so war ihm doch , als sei noch Leben im Oberhofe , solange Lisbeth darin verweilte . Nun aber kam es ihm vor , als öffne sich das Grab . - » Fort aus dem Grabe ! « rief er und sprang Lisbeth nach . Sie stand , ihr Bündelchen unter dem Arme , unten einen Augenblick still und zuckte zusammen , als sie Oswald kommen sah . Er wollte ihr das Bündel abnehmen , sie versagte es mit stummer Gebärde . Sie ging und er schlug , mehrere Schritte zwischen sich und ihr Raum lassend , denselben Weg ein . So geschieden und sich scheidend verließen sie den Oberhof , in welchem ihnen viel begegnet war , beides , Freude und Schmerz . Eilftes Kapitel Eine Art von Feldzug In keinem Trauerhause fehlt es an jemand , der auf eine so lächerliche Weise zu weinen weiß , daß er die Wehklage der anderen fast in Unordnung bringt und nahe dem Umschlagen in eine geheime Heiterkeit . - Der würdigste Vater mag sich bei der wohlgemeintesten und wohlgesprochensten Ermahnung an seine mannbare Tochter ja davor in acht nehmen , daß irgendein sonderbar mithandelnder Zipfel ihm ein durchaus komisches Ansehen leihe . - Ernste Männer vom größten Verdienst haben nicht selten das Unglück gehabt , daß ihre feierlichsten Handlungen durch den ungeschickten Eifer eines Anhängers fast wie Schnurren ausliefen . - Mir ist , um auf das Trauerhaus noch einmal zurückzukommen , der Fall bekannt , daß eine ganze Familie am Begräbnistage einer teuren Verwandten in das tiefste Leid eingetaucht um einen Tisch her versammelt saß , plötzlich aber zu einem ärgerlichen und unwiderstehlichen Lachen fortgerissen wurde , weil einer , und gerade der Schluchzendste , sacht eine baumwollene Nachtmütze hervorholte , diese sich auf den Kopf setzte und unter derselben fortfuhr zu schluchzen . An und für sich war diese Handlung höchst vernünftig , weil er das Herannahen eines Rheumatismus im Kopfe fühlte und demselben mit der wärmenden Hülle begegnen wollte . Gleichwohl wirkte sie in so anstößig erheiternder Weise ! Denn eine baumwollene Nachtmütze gehört nun einmal zu den Dingen , die unwiderstehlich jeden feierlichen Ernst zerstören . Der neckende Geist , welcher bei allen trüben oder erhabenen Angelegenheiten des Lebens sein Spiel zu treiben scheint , hatte auch den Küster wieder in die Nähe des Oberhofes geführt . Dieser Mann war nämlich gekommen , sein Deputat an Lebensmitteln von der Hochzeit einzufordern . Rasch hatte sich das Geschäft gemacht , weil schon alles für