und Gräfin Itzenplitz Graf und Gräfin Itzenplitz 1803 – 1848 General Lestwitz hatte eine einzige Tochter , die Frau von Friedland gehabt , an die Cunersdorf-Friedland und die dazu gehörigen Güter übergegangen waren . Frau von Friedland hatte wiederum eine einzige Tochter : Henriette Charlotte , die nun das reiche Erbe antrat . Diese einzige Tochter , Henriette Charlotte von Borcke , geb . zu Potsdam am 18. Juli 1772 , vermählte sich am 23. September 1792 mit dem eben damals zum Kriegs- und Domänenrat ernannten Peter Alexander von Itzenplitz , geb . am 24. August 1768 zu Groß-Behnitz im Havelland , eine Vermählung , infolge deren das Lestwitzerbe an die Familie Itzenplitz überging . Gleich nach der Hochzeit trat das junge Paar eine besonders auch auf landwirtschaftliche Zwecke gerichtete Reise nach Holland und England an . Während dieses Aufenthaltes in England schrieb von Itzenplitz , auf ausdrücklichen Wunsch des damaligen Ministers von Struensee , verschiedene Berichte über landwirtschaftliche und kommerzielle Fragen , worin er seine Beobachtungen und seine Ansichten über das , was sich seinem Auge dargeboten hatte , niederlegte . Diese landwirtschaftliche Reise dehnte sich bis ins zweite Jahr hinein aus . Das junge Paar würde gern auch Frankreich besucht und die Agrikulturverhältnisse dieses Landes kennengelernt haben , wenn nicht die französische Revolution , die eben damals auf ihrer Schreckenshöhe stand , die Ausführung dieses Planes verhindert hätte . Bei der Rückkehr erwies sich die Reise von den segensreichsten Folgen für die Bewirtschaftung der eigenen Güter . Besonders waren es die englischen Verhältnisse , denen , als einem Vorbilde , nachgestrebt wurde . In allem sah sich von Itzenplitz von seiner Gemahlin unterstützt , die den Geist ihrer Mutter geerbt hatte und namentlich nach dem Tode dieser die Verwaltung der Güter mit einer dort heimisch gewordenen Umsicht und Energie betrieb . Von 1794 – 1804 war von Itzenplitz Landrat des Havelländischen Kreises . In dieser Zeit machte er auch die Bekanntschaft Thaers , der das junge Itzenplitzsche Paar auf Schloß Cunersdorf im Hause der damals noch lebenden Frau von Friedland kennenlernte . Die Beziehungen gestalteten sich so freundschaftlich , daß im Jahre 1803 , bei Gelegenheit der französischen Okkupation Hannovers , Thaer seine Frau und Töchter zu größerer Sicherheit nach Cunersdorf schicken konnte , wo sie von dem Itzenplitzschen Ehepaar auf das fürsorglichste aufgenommen wurden . An an derer Stelle habe ich ausführlicher erzählt , wie es vorzugsweise die freundschaftliche Vermittelung Itzenplitzs war , die im Jahre darauf ( 1804 ) zur Übersiedelung Thaers von Celle nach Möglin führte . Itzenplitz befürwortete jene günstigen Bedingungen , ohne welche Thaer seine alte sichere Stellung nicht hätte aufgeben können , um eine neue , immerhin unsichere , anzutreten . 1804 legte von Itzenplitz sein Landratsamt nieder , um sich ausschließlicher der Verwaltung seiner Güter widmen zu können . 1810 indes zum Geheimen Staatsrat und Generalintendanten der Domänen und Forsten ernannt , gab er sich ganz dieser schwierigen Verwaltungstätigkeit hin , doppelt schwierig und verantwortungsvoll eben damals , wo die Kriegsdrangsale die Veräußerung der Königlichen Domänen nötig machten . Er blieb in dieser verantwortungsvollen , das höchste Vertrauen bekundenden Stellung bis 1814 , wo er ausschied . Das Jahr darauf ward er wegen seiner in den Kriegsjahren betätigten aufopfernden Vaterlandsliebe in den Grafenstand erhoben , während zugleich auf seinen und seiner Gemahlin Wunsch das Wappen des inzwischen ausgestorbenen Lestwitzschen Geschlechts mit dem Itzenplitzschen Wappen vereinigt wurde . Seit 1815 lebte Graf Itzenplitz auf seinen Gütern , namentlich auf Cunersdorf . Das Beispiel , das seine und seiner Gemahlin Art der Güterbewirtschaftung sowohl in der Mark wie in Pommern gab , hat in beiden Provinzen höchst segensreich gewirkt und die Agrikultur weiterer Distrikte auf eine höhere Stufe gehoben . Aber der im besten Sinne reformatorische Eifer des gräflichen Paares beschränkte sich nicht auf Ackerbestellung und Bodenkultur , auch die schwierigen Verhältnisse der Gutsherrschaft zu den Bauern wurden auf den Itzenplitzschen Gütern durch freies Übereinkommen geregelt und die Hofedienste in mäßige Geld- und Kornabgaben umgewandelt , lange bevor an eine Gesetzgebung von 1811 gedacht war . Ebenso sind bei allen Gemeinheitsteilungen und Servitutsablösungen die Itzenplitzschen Güter immer Muster und Vorbild gewesen . Graf Peter Alexander von Itzenplitz starb am 14. September 1834 zu Groß-Behnitz im Havellande ; seine Gemahlin zu Berlin am 13. April 1848 . Die Herrschaft Friedland ging an den zweiten Sohn , den Grafen Heinrich August Friedrich von Itzenplitz ( geb . den 23. Februar 1799 ) über . Nachdem ich bis hierher die Personen vorgeführt habe , die seit 1763 in Cunersdorf heimisch waren , versuche ich nunmehr die Lokalität und anknüpfend an diese die lokalen Ereignisse während eines halben Jahrhunderts zu schildern . Lestwitz baute das Schloß . Wie er es baute , ist es noch . Eine Einfahrt von der Dorfgasse her bildet zugleich die Scheidelinie zwischen den ausgedehnten Wirtschaftsgebäuden zur linken und den Wohngebäuden zur rechten Seite . Das Schloß ist in jenem Stil gebaut , der damals in der Mark ausschließlich Geltung hatte , und am richtigsten als » verflachte Renaissance « bezeichnet worden ist . Ein Erdgeschoß , eine Beletage , eine Rampe , ein geräumiges Treppenhaus , ein Vorflur , dahinter ein Gartensalon und von dem Salon aus ein Blick in den Park . Das Ganze breit , behaglich , gediegen . 1765 hatte der damalige Oberst von Lestwitz Cunersdorf gekauft , aber erst 1773 , wie die Jahreszahl über dem Portal besagt , wurde der Schloßbau beendet . Bis zu diesem Jahre also haben wir unseren Lestwitz , kurze Besuche behufs Inspizierung des Baues abgerechnet , schwerlich in Cunersdorf zu suchen ; ohnehin hielt ihn der Dienst bei dem Bataillon Garde , das er kommandierte , in Potsdam fest . Dieser Dienst gestattete auch wohl von 1773 ab einen immer nur gelegentlichen Aufenthalt , und von einem wirklichen Beziehen des Schlosses , von einem Heimischwerden darin konnte wohl erst die Rede sein , als unser Lestwitz , inzwischen zum Generalmajor avanciert , den Dienst überhaupt quittiert hatte . Dies war 1779 . Von da ab bis zum Tode des Generals ( 1788 ) gehörten die Sommermonate Cunersdorf , während der Winter in der Hauptstadt zugebracht wurde . Die Stadtwohnung war das wohlbekannte Nicolaische Haus in der Brüderstraße . Vielleicht das wichtigste Ereignis , das in diesen neun Jahren Schloß Cunersdorf und seine Bewohner traf , war die große Oderüberschwemmung im Jahre 1785 . Es war dieselbe , der , in dem benachbarten Frankfurt , der junge Herzog Leopold von Braunschweig zum Opfer fiel . Weder vorher noch nachher hat das Oderwasser in diesen Gegenden eine gleiche Höhe erreicht . Ein Pfeil am Cunersdorfer Schlosse zeigt noch , wie hoch damals das Wasser stand . Die Fluten strömten in die Küche ein und mit ihnen kamen allerlei Fische , groß und klein , und plätscherten ungefährdet und wie zum Spott in den eingemauerten Kesseln umher , aus denen sie dann bei guter Zeit ihren Rückzug antraten . Der Park stand unter Wasser und in halber Höhe der Rampe , auf der sonst die Equipagen vorfuhren , legten die Kähne an . Das war ein Ereignis . Sonst vergingen die Tage in jener stillen Weise , die das Leben alter Militärs , vielleicht nach einem Naturgesetze , so oft kennzeichnet . Der Lärm und die Leidenschaften des Kriegshandwerks machen sie doppelt begierig nach der Stille des Friedens und des Alters . So war es auch hier . Alte Kameraden kamen oft und waren gern gesehen ; im Wort lebte wieder auf ( auch wohl ausgeschmückt ) , was einst Tat gewesen war . Die großen Tage wurden wieder lebendig . Ein Gang durch den Park , ein Ritt ins Feld , die Freuden der Tafel , auch Billardspiel füllten den Tag aus . Zur Jagd war man zu alt ; auch war sie nicht Mode unter dem großen König . Der Abend gehörte dem Tarock oder dem Geplauder . Festtage waren die Besuchstage in der Umgegend , zumal bei » Prittwitzens « in dem nahe gelegenen Quilitz . Mit allen Dehors , die dem gegenseitigen Range gebührten , ging man dabei zu Werke ; sechs Pferde , nie weniger , wurden vor die Staatskarosse gelegt , der Staub auf dem ziemlich öden und sandigen Wege wirbelte auf und der Kutscher beschrieb mit möglichster Eleganz die Kurve , die das langgespannte Gefährt auf die Rampe des Quilitzer Schlosses führte . Aber solche Besuche fanden nicht häufig statt . Prittwitz spielte hoch ( noch 1790 nahm er dem Herzog von Mecklenburg dreißigtausend Taler in einer Nacht ab ) und Lestwitz war ein guter Wirt und frommer Christ . So vergingen die Tage in Schloß Cunersdorf bis 1788 , vielleicht bis zu der Zeit , wo die Generalin von Lestwitz ihrem Gatten folgte . Von da ab wurde es lebendiger . Sinn und Geschmack der Frau von Friedland lagen nach anderer Seite hin , und statt der » alten Kameraden « , die nichts hatten als ihre Erinnerungen und nichts liebten als ihre Spielpartie , wurden nun – gleichsam eine andere Hinterlassenschaft aus der Friderizianischen Zeit her – die Berliner Savants , die Akademiker und Philosophen in Schloß Cunersdorf heimisch . Zum Teil mochte das Nicolaische Haus , in welchem Frau von Friedland ihre Stadtwohnung beibehielt , eine äußerliche Veranlassung dazu bieten ; was aber den Ausschlag gab , das lag tiefer . Die Epoche der geistreichen Zirkel , die später in der Prinz-Louis-Ferdinand-Zeit ihren Höhepunkt erreichte , war eben angebrochen ; Geburt war nicht viel , oder sollte nicht viel sein ; Talent war alles . Dieser damals herrschenden Anschauung neigte man sich auch in Schloß Cunersdorf zu ; Buttmann und Bode , Engel und Spalding , Biester und Nicolai waren gern gesehene Gäste , und die Vertreter historisch berühmter Namen galten wenig , wenn sie nicht ihres Teils gewirkt und geschafft und das ererbte Pfund durch eigene Kraft gemehrt hatten . Der Tod der Frau von Friedland änderte hierin nichts Wesentliches ; ihre Tochter , die Gräfin Itzenplitz , trat eben in jedem Sinne die Erbschaft der Mutter an und alles , was hervorragte , sei es in Staat , Leben , Wissenschaft , fand nach wie vor die gastlichen Tore von Schloß Cunersdorf offen . Wenn sich ein Unterschied zeigte , so war es vielleicht der , daß die einseitige Bevorzugung des Talents , wie es die Zeitströmung mit sich gebracht hatte , nunmehr einer nach allen Seiten hin gerechteren Würdigung des Lebens und seiner tausend Kräfte Platz machte . Die persönlichen Neigungen der Tochter lagen im wesentlichen nach derselben Seite hin wie die der Mutter ; die Wissenschaften standen in erster Reihe , unter diesen die Botanik obenan , und Klaproth , Wildenow , Lichtenstein , Erman , beide Humboldts , Leopold von Buch , dazu Savigny , Ranke , Knesebeck , Reden , Marwitz , Oberst von Romberg , vor allem der alte Oberpräsident von Vincke , waren Freunde und Gäste des Hauses . Aber , wie schon angedeutet , der Kreis war doch ein weiter gezogener , als früher , und die Kunst , deren erstes Dämmern in diesem Lande Frau von Friedland nur eben noch erlebt hatte , fand jetzt ein eingehenderes Verständnis und soweit es die Zeit und Mittel eines Privathauses überhaupt gestatteten , auch Förderung und Pflege . Rauch , Friedrich Tieck , Wach ( der beiden Altmeister Schadow und Weitsch zu geschweigen ) traten , teils gesellschaftlich , teils künstlerisch , in nähere Beziehung zu dem Itzenplitzschen Hause , und der Verlauf dieses Aufsatzes wird mir noch Gelegenheit geben , ihre Werke , soweit sie auf Schloß Cunersdorf Bezug haben , aufzuzählen . Die eben genannten Namen haben uns fast bis an die Grenze der Gegenwart geführt . Aber noch haben wir in aller Kürze von Tagen zu erzählen , die dem Anfange dieses Jahrhunderts angehören , der Epoche von Jena bis Leipzig . Auch Cunersdorf hat seine Erinnerungen und sogar seine kleinen historischen Momente aus jener Zeit her . Die Schlacht von Jena war geschlagen und die Sieger gingen wie eine Welle über das Land . Indessen scheint Cunersdorf von dieser ersten Not des Krieges wenig oder gar nicht berührt worden zu sein und erst der Rückschlag der Welle , wie er dem Frieden von Tilsit folgte , brachte den Feind auch in diese Gegenden . Die Marken , unter allerhand Vorwand , blieben okkupiert , trotzdem der Wortlaut des Friedens alles Land östlich der Elbe dem besiegten Preußen gelassen hatte , und von den okkupierenden Truppen kamen die berühmten Kavallerieregimenter , die die Division Nansouty bildeten , in die Oderbruchdörfer zu liegen . Die Wahl war gut getroffen . Wo hätten die zehntausend Pferde sich wohler fühlen können , als in der Korn- und Heukammer der Provinz ? In Schloß Cunersdorf allein lagen achtundvierzig Franzosen in Quartier , darunter wenigstens zehn Offiziere . Einzelne gehörten guten Familien an , die meisten aber waren roh und ungebildet und machten es der Itzenplitzschen Familie unmöglich , mit ihnen zu leben . Zehn Monate lang lag diese » schwere Kavallerie « ( schwer in jedem Sinne ) in den Oderbruchdörfern ; endlich rückte sie westwärts . Liebesaventuren , Händel , Hazard und Pistolenschießen hatten plötzlich ein Ende , und Schloß Cunersdorf wurde gelüftet und gebadet , als wäre der Böse darin gewesen . Die Regimenter zogen nach Spanien , später , wenigstens teilweis , nach Rußland . Aber wenn man im Oderbruch und speziell in Cunersdorf dieser schweren Kavallerie nicht vergaß , so vergaß auch diese nicht , wie » fette Weide « sie hier gefunden hatte . Im Januar 1813 kamen Quartiermacher durch das Dorf und gaben Zettel im Schloß und auf dem Schulzenamt ab , in denen die nahe Ankunft der » Nansoutyschen « und ihrer Anverwandten ( nunmehr , wenn wir nicht irren , unter dem Oberbefehl des General Sebastiani ) fast wie ein bevorstehendes freudiges Ereignis angekündigt wurde . Aber ob nun diese nachrückenden Reiter , die meist keine Reiter mehr waren , eine andere Route nahmen , oder ob diese Zettel einzig und allein den Zweck verfolgten , die Gegenden , durch die man kam , immer noch an das Vorhandensein einer grande armée glauben machen zu wollen , gleichviel , die schwere Kavallerie kam nicht . Wer kam , das waren andere . Am 18. Februar , als man es mit gutem Grunde längst aufgegeben hatte , die Nansoutyschen wiederzusehen , hielten plötzlich , unvermutet und unangemeldet , struppige Pferde vor jedem Ausgange des Dorfes und auf den kleinen abgetriebenen Gäulen saßen seltsame Leute mit Pelzmützen und Piken , wie sie seit den Tagen von Zorndorf und Schlachten-Kunersdorf in diesen Gegenden nicht mehr gesehen worden waren . Es waren Kosaken . Damit hatte es folgenden Zusammenhang . General Tschernyschew , der Führer der russischen Avantgarde , nachdem seine Vorhut unter Oberst von Tettenborn bereits am Tage zuvor bis Werneuchen und Alt-Landsberg vorgedrungen war , hatte am 18. in der Mittagsstunde die Oder passiert . » Ein Alliierter von Rußland her « , so schreibt Friedrich Adami , » hatte ihm und seinen zweitausend Pferden die Brücke dazu gebaut : die Oder trug noch ihre Eisdecke . Wenige Stunden später , um vier Uhr nachmittags , brach das Eis , auf dem drei russische Regimenter : Kosaken , Dragoner , Husaren , ihren Übergang bewerkstelligt hatten . Es hatte , so schien es , nur eben noch die Landsleute des harten , nordischen Winters hinüberlassen wollen . Diese zweitausend Reiter erschienen jetzt in den Dörfern zwischen Wriezen und Möglin . Tschernyschew selbst übernachtete in Cunersdorf . « In Schloß Cunersdorf selbst erzählt man den Hergang etwas abweichend . Danach erschien Tschernyschew nicht spät nachmittags , sondern bereits früh am Morgen , übernachtete auch nicht im Schloß , sondern brach nach kurzer Rast und nachdem alle zweitausend Reiter im Dorfe gefuttert hatten , in der Richtung von Strausberg und Herzfelde auf . Dafür , daß alle zwei tausend Reiter Cunersdorf passierten , scheint allerdings der Umstand zu sprechen , daß , nach einer noch fortlebenden Erinnerung , an jenem einem Vormittage siebzehn Wispel Hafer verfuttert wurden . [ Chamisso in Cunersdorf ] [ Chamisso in Cunersdorf ] Das Jahr 1813 brachte noch einen anderen Gast nach Schloß Cunersdorf und mit seinem Besuche schließen wir wie mit einem Idyll . Dieser Gast war Chamisso . Chamisso , bekanntlich infolge der französischen Revolution aus Frankreich emigriert 26 , hatte als preußischer Offizier die unglückliche Kampagne von 1806 und speziell die Kapitulation von Hameln mit durchgemacht . Seitdem lebte er ausschließlich den Wissenschaften , besonders dem Studium der Botanik . Im Frühjahr 1813 waren seine Mittel erschöpft und Professor Lichtenstein , dem Itzenplitzschen Hause befreundet , empfahl den jungen Botaniker nach Cunersdorf hin , wo er , nach bald erfolgtem Eintreffen , die Anlegung einer großen Pflanzensammlung unternahm , eines Herbariums , das einerseits die Flora des Oderbruchs , andererseits alle Garten- und Treibhauspflanzen des Schlosses selbst enthalten sollte . Chamisso verweilte einen Sommer lang in dieser ländlichen Zurückgezogenheit und unterzog sich seiner Aufgabe mit gewissenhaftem Fleiß . Das von ihm herrührende Herbarium existiert noch . Die Mußestunden gehörten aber der Dichtkunst , und im Cunersdorfer Bibliothekzimmer war es , wo unser Chamisso , am offenen Fenster und den Blick auf den schönen Park gerichtet , den » Peter Schlemihl « , seine bedeutendste und originellste Arbeit niederschrieb . Einige Stellen aus Briefen , die er damals an Varnhagen und Hitzig richtete , mögen hier auszugsweise einen Platz finden . Er schreibt an Varnhagen , Cunersdorf , den 27. Mai 1813 : » Lieber Varnhagen , thun und lassen war für mich gleich schmerzhaft ; durch den Machtspruch von Ehrenmännern in Unthätigkeit gebannt , bring ' ich den Sommer bei dem Herrn von Itzenplitz auf seinen Gütern zu , in Cunersdorf bei Wriezen , und beschäftige mich allein mit Botanik , wozu ich die herrlichsten Hülfen habe . Ich helfe hier übrigens auch den Landsturm exerziren und kommt es zu einem Bauernkrieg , so kann ich mich wohl darein mischen – pro aris et focis . – Mit euch unterzugehen , will ich nicht verneinen . « 27 An Hitzig , Cunersdorf , Juni 1813 : » Ich arbeite immer an meinen Pflanzen , gehe mit meinem Gärtner botanisiren , vergleiche meine Kataloge , corrigire die französischen Aufsätze der jungen Leute , unterweise sie etwas in der Botanik ... Das war ein schwerer Mai ( Lützen und Bautzen ) . Wie klingt doch so seltsam mit einem Male in mir das Wort Fouqués : Im Mai , im Mai , im jüngsten Mai , Wo alles Leben sonst geht auf , Da ist des jungen Helden Lauf Ganz wider Blumenart vorbei . O Gott , möchte er es nicht von sich selber gesungen haben ! Grüß mir die Bekannten und Freunde , die Dir in den Wurf kommen . Gott verzeihe mir meine Sünden ; aber es ist wahr : Das ist die schwere Zeit der Noth , Das ist die Noth der schweren Zeit , Das ist die schwere Noth der Zeit , Das ist die Zeit der schweren Noth . Da hast Du ein Thema . « An Hitzig ( Cunersdorf ; wahrscheinlich im September ) . » ... Du hast nichts weniger von mir erwartet als ein Buch ! Lies das Deiner Frau vor , heute Abend , wenn Du Zeit hast . Wenn sie neugierig wird zu erfahren , wie es Schlemihl weiter ergangen und besonders , wer der Mann im grauen Kleide war , so schick mir gleich morgen das Heft wieder , auf daß ich daran schreibe ; – wo nicht , so weiß ich schon , was die Glocke geschlagen hat . Vom dritten Kapitel ist das erst der Anfang ; dies und das folgende sind mir sehr beschwerlich – es stehen die Ochsen am Berge . « An Hitzig ( Cunersdorf , Spätherbst 1813 ) . » Dieses zur Erinnerung , daß Du einen Freund in Cunersdorf hast , dem Du eben nicht sehr oft schreibst . Es ist eine ganz fatale Empfindung , wenn alle Tage der Postbote einläuft , und die Austheilung der Briefe im Salon geschieht und für einen Jeden etwas da ist , und für den Herrn von Chamisso – nischt niche ! ... Ich kratze immer an meinem › Schlagschatten ‹ , und wenn ich ' s Dir gestehen muß , lache und fürchte ich mich manchmal darüber , so wie ich daran schreibe ; – wenn die anderen nur für mich nicht darüber gähnen . Mein viel gefürchtetes viertes Kapitel habe habe ich mir , nach vielem Kauen , gestern aus einem Stücke , wie eine Offenbarung , aus der Seele geschnitten und heute abgeschrieben . Es ist auch schon eher Morgen als Nacht , darum ade . Das Blitz-Prosa-schreiben wird mir ungeheuer sauer , mein Brouillon sieht toller aus als alle Verse , die ich je gemacht . « Bald nach diesem Briefe scheint Chamisso nach Berlin zurückgekehrt zu sein . Es wird zwar in Cunersdorf erzählt , er habe sich zunächst nach Nennhausen hin , zu Fouqué , auf den Weg gemacht , um diesem seinen Schlemihl vorzulesen ; es liegen aber doch wohl Monate dazwischen , da , wie wir aus dem letztzitierten Briefe ersehen , bis etwa Mitte Oktober erst vier Kapitel von elf beendigt waren . Übrigens stand Fouqué damals auch wohl im Felde . So waren die Erlebnisse von Schloß Cunersdorf , so waren die Personen , die während eines halben Jahrhunderts und darüber dort kamen und gingen . Wir durchschreiten jetzt zunächst die Zimmer und Säle des Erdgeschosses und verweilen vor älteren und neueren Familienporträts von zum Teil künstlerischem Interesse . Die Aufzeichnung dieser Bilder aber für eine andere Gelegenheit vertagend , wenden wir uns nunmehr dem im oberen Stockwerk gelegenen Bibliothekzimmer zu , wo wir zunächst den Bildnissen derer begegnen , die einst Freunde des Cunersdorfer Hauses waren : Thaer , Wildenow , Alexander von Humboldt , Reil usw. Was aber unser Interesse lebhafter in Anspruch nimmt , das ist ein großer pultartiger Schrank , der in seinen verschiedenen Kästen und Fächern alles das umschließt , was sich auf den Generalmajor von Lestwitz bezieht . Das ganze Arrangement erinnert mehr oder weniger an die großen Glaskästen , in denen man in England ( im britischen Museum , im Greenwich-Hospital , in Abbortsford usw. ) allerhand Erinnerungsstücke an historische Persönlichkeiten , z.B. an Nelson , Walter Scott oder Sir John Franklin auszustellen pflegt . Auch unsere » Kunstkammer « hat ähnliches . In diesem Lestwitz-Schranke , dessen oberer Teil aus ebensolchem Glaskasten besteht , befinden sich folgende Gegenstände : 1. Die beiden Degen des Generalmajors von Lestwitz , jeder mit drahtumsponnenem Griff und einfacher Lederscheide . 2. Der Schlachtplan von Torgau ( » der Lestwitz-Tag « ) groß und in sauberster Ausführung . Dazu : » Ausführlicher Bericht , wie die merkwürdige Schlacht bei Siptitz , ohnweit Torgau , am 3. November 1760 geschehen ist . Leipzig , bei Christian Gottlieb Hilscher . « 3. Karten und Manöverpläne , die der Generalmajor von Lestwitz selbst gebraucht . 4. Karten , die auf den Siebenjährigen Krieg Bezug haben , bis 1763 . 5. Militärische Pläne und Karten seit 1763 . Alle unter 3 , 4 und 5 angeführten Karten und Pläne befinden sich in großen Mappen und sind zum Teil für den Lestwitzschen Privatgebrauch gezeichnet und getuscht , teils im Buchhandel erschienen . Bei den letztern lesen wir abwechselnd : » Zu finden in Johann Jacob Korns Buchhandlung in Breslau « , oder » gestochen von Glaßbach in Berlin « . In demselben Schranke finden wir noch ein anderes historisches Wertstück , das freilich nicht mehr der Lestwitzzeit angehört , sondern vom Grafen Peter Alexander von Itzenplitz , von Groß-Behnitz im Havellande her , mit nach Cunersdorf gebracht wurde . Es ist dies 6. der Flötenkasten Friedrichs des Großen , den – bald nach dem Tode des großen Königs – Friedrich Wilhelm II. an seinen Minister Wöllner zum Geschenk machte . Der Minister Wöllner war mit einer Groß-Behnitzer Itzenplitz vermählt , wodurch dies historische Wertstück ( da das Wöllnersche Paar kinderlos starb ) in die Itzenplitzsche Familie kam . Es ist ein weißer , in der geschmackvollsten Weise mit Rosen , Erdbeeren und allerlei Blumengirlanden bemalter Porzellankasten von etwa fünf Zoll Höhe bei sieben Zoll Breite und elf Zoll Länge . In diesem Kasten , der zwei Etagen hat , und mit rotem Samt ausgeschlagen ist , liegt die Ebenholzflöte des Königs . Sie besteht aus acht Stücken : einem Mundstück , einem Klappenstück und sechs Einsatzstücken , jedes Stück von einem Elfenbeinrande eingefaßt . Dazu gehört noch ( zugleich als Autograph von der Hand des Königs ) eine sieben Seiten lange Partitur . Die Überschrift derselben lautet : Aria per il Paulino del Opera di Demofoontée , allegro di molto non odi consiglio . Rechts oben in der Ecke : di Frederico . Vielleicht die größte Sehenswürdigkeit von Schloß Cunersdorf ist die Begräbnisstätte für die Familie Lestwitz-Itzenplitz . Dieselbe liegt an der anderen Seite der Dorfstraße , und die verschlungenen Pfade eines Obstgartens – an Blumenbeeten und dem hohen Schilf eines kleinen Teiches vorbei – führen zu dieser Stätte hin . Eine hohe Schwarztanne , deren Zweige weit in den Friedhof hineinragen , bezeichnet den Eingang . Dieser Friedhof , den eine ziemlich niedrige Feldsteinmauer umfaßt , erinnert zumeist an die Begräbnisstätten der Familie Marwitz in Friedersdorf und der Familie Humboldt in Tegel . Mit beiden hat er eine gewisse Eigentümlichkeit der Anlage gemein , und wenn er vielleicht einerseits hinter der christlich-poetischen Schlichtheit des einen , wie anderseits hinter der klassisch-ästhetischen Feinheit des andern zurückbleibt , so übertrifft er doch beide sowohl durch Mannigfaltigkeit wie durch den Reichtum des künstlerisch Gebotenen . Die Anlage , wenn ich nicht irre von Frau von Friedland herrührend , die auch hierin die Selbständigkeit ihres Wesens zeigte , ist folgende . An der Einfassung entlang , aber diese bedeutend überragend , zieht sich , wie ein solider Wandschirm , ein Stück Mauerwerk entlang , dessen Rückseite glatt ist , während die Front ( der Begräbnisstätte zugekehrt ) eine Anzahl von Nischen zeigt . Einfache Säulen fassen nach links und rechts diese Nischen ein und tragen einen wenig vorspringenden Sims . Zu Füßen jeder Nische liegt ein Grabstein , während in der Nische selbst die Aschenkrüge mit den Reliefbildnissen der Verstorbenen oder sonstige Mementos stehen . Um die Grabsteine rankt sich Efeu ; Geisblatt und Immergrün steigen zu den Säulen empor . Die ganze Anlage hat den Vorteil , daß sie sich ohne Mühe durch Anbau einer neuen Nische erweitern läßt . Der Bau , wie er jetzt ist , besteht aus neun Nischen , und die Mitglieder der Lestwitz-Itzenplitzschen Familie , die hier ihre Ruhestätte gefunden haben , sind , unter wörtlicher Zitierung der Inschriften , die folgenden : 1. » Gruft des irdischen Überrestes von Hans Sigismund von Lestwitz , Königl . Preußischen General-Majors der Infanterie . Geboren zu Kontop in Schlesien am 19. Junius 1718 ; gestorben zu Berlin am 16. Februar 1788 . « Denkmal : Eine über zwei Fuß hohe Urne von grauem schlesischem Marmor ; in Front der Urne der Reliefkopf des Generals ; oben auf der Urne Helm , Schwert , Handschuh . Von Schadow zwischen 1790 und 1803 ausgeführt . 2. » Dies Denkmal bedeckt den sterblichen Theil von Catharina Charlotte von Lestwitz , geb . von Treskow . Geboren zu Schlagentin im Magdeburgischen am 3. Januar 1734 , gestorben zu Berlin am 14. Januar 1789 . « Denkmal : Urne von grauschwarzem Marmor mit Reliefbild . Ebenfalls von Schadow . 3. » Dem thätigen Geiste , der diese Fluren belebte , ordnete und nun schützt , Helenen Charlotten von Friedland , geborenen von Lestwitz . Geb . zu Breslau am 18. November 1754 , gestorben zu Cunersdorf den 23. Februar 1803 « . Denkmal : Ein Säulenabschnitt , an dem sich das Reliefbild der Heimgegangenen befindet , trägt eine Marmorurne . Diese Urne zeigt am oberen Rande , auch reliefartig , die Attribute der Landwirtschaft : Pflug , Egge , Sense , Sichel , Harke . Darunter ein Genius , mit dem Schmetterling in der Hand ; im Hintergrunde zwei weibliche Figuren , von denen die eine einen Blütenzweig , vielleicht eine Lotosblume , oder doch eine Blume von ähnlicher allegorischer Bedeutung , in der Hand hält , während die andere sich , durch eine Schere in ihrer Rechten , als eine der Parzen kennzeichnet . Dies Denkmal , von Enrigo Keller in Rom herrührend , gilt für ein ausgezeichnetes Kunstwerk . Die Basreliefs an der Urne sind nach antiken Vorbildern ausgeführt . 28 Ich bekenne indes , daß ich die hohe Schönheit speziell dieses antiken Reliefbildes ( der Genius mit dem Schmetterlinge gleicht einem Amor , den eine Biene gestochen hat ) nicht habe empfinden können . Der unten in der Anmerkung abgedruckte Brief Wilhelm von Humboldts widerlegt mich , – ohne mich zu überzeugen . 4. » Peter Alexander Graf von Itzenplitz . Zu Groß-Bähnitz geboren den 24. August 1769 , gestorben den 18. September 1834 . Sein Herz , reich an umfassender Liebe , sein Geist voll Durst nach Wissen , wirkte mit lebendiger Einsicht und beharrlicher Kraft , was in dauernder Frucht uns trostvoll umgiebt . « Denkmal : Ein zugeschrägter griechischer Altar trägt zuoberst das Reliefporträt des Grafen . Darunter ein anderes Reliefbild , das alte und das neue Oderbruch , d.h. den Zustand wie es war und den Zustand wie es ist , allegorisch darstellend . Wasser entströmt der Urne der Najade , und Eiche , Storch und Reiher , die im Sumpf ihre Heimat haben , bezeichnen das alte Oderbruch . Aber das ababgewandt entströmende Wasser legt den Vordergrund trocken und ein pflügendes Stiergespann , Apfelbaum und Garbe , versinnbildlichen das Oderbruch , wie es jetzt ist . – Von Rauch herrührend . 5. » Henriette Charlotte Gräfin von Itzenplitz , geborene von Borcke