. Diesen Augenblick der Unachtsamkeit benutzte der Syrier , sein Gold wieder zu erhaschen , und seine Hände faßten gierig danach ; drei , vier Andere nahmen die Bewegung für einen Aufruf zum Raub und fielen über den Geldhaufen des Corsen her . » Canaglia ! « Einen Augenblick funkelte das Stilet des Banditen in der erhobenen Faust , dann fuhr es nieder und nagelte die Hand des unglücklichen Asiaten fest auf den Tisch . Ein wilder Schrei des Schmerzes und der Wuth - gleich einer Schlange wand sich der Mann an dem gefesselten Arm . » Wallah ! Auf die Dschaurs , Ihr Gläubigen ! « Säbel und Handjars blitzten - mitten hinein in den Lärmen knallte ein Schuß . - - Der Haiduck hatte den Mantel von sich geworfen , - seine Linke suchte das Mädchen fortzudrängen und zu schützen , während die Rechte eine lange Pistole aus dem Gürtel riß . » Zurück da , die Moma ist eine ehrliche Jungfrau und meine Braut ! « In dem wüsten Lärmen verklang der Ruf oder wurde mit Hohngelächter beantwortet ; seiner Tracht nach hielten ihn die Christen für einen der Irregulairen , daher der wüthende Schrei : » Er hat Pistolen ! Nieder mit dem Schuft , Kameraden ! « Der Irrthum war aber zugleich die Rettung des Haiducken . Während Monsieur Louis , der lustige Pariser , und einige Vernünftigere sich zwischen ihn und den Italiener warfen und einen tollen Streit verhindern wollten , faßte der Portugiese mit frecher Faust die Schulter und das Gewand des Mädchens , ein Ruck , und das wollene Kleid riß in Stücken und enthüllte die weiße Brust der Jungfrau . Der trunkene Lüstling that jedoch jauchzend nur einen Blick auf die enthüllten Reize - der nächste schon zeigte ihm die weite Mündung einer Pistole dicht vor den Augen und mit zerschmettertem Schädel stürzte er auf seine Gefährten zurück . Der Schuß gab das Signal zum allgemeinen Kampf , die Baschi-Bozuks warfen sich von allen Seiten auf die gehaßten Christen , und der lange verhaltene Groll brach in ungezügelter Heftigkeit aus . Säbel , Handjars , Dolche und Messer blitzten und färbten sich roth im Blut der Gegner . Mit den Schlägen des schweren Pistolenkolbens hatte sich der Haiduck , die Braut im Arm , Bahn gebrochen durch das Getümmel , keine der Parteien wußte recht , woran sie mit ihm war , und so kam er glücklich bis zu der Treppenleiter , welche neben dem Heerd zum Dachgeschoß des Hauses führte , in dem außer den Vorrathsräumen zwei Kammern für die Töchter und die Mägde des Hauses sich befanden . Der scharfe Blick des Knees hatte gesehen , wohin der Handja sein Gewehr verborgen , und indem er das Mädchen nöthigte , die Leiter hinaufzusteigen , hatte er auch bereits die treue Waffe gefaßt und hielt mit ihr Wache am Fuß der Leiter . - » Bassa manelka ! Sollen wir uns von den türkischen Lumpen erschlagen lassen ? Hierher , Kameraden ! « Die breite kräftige Gestalt des ungarischen On-Baschi ' s hatte sich auf einen der Tische geschwungen , und während die Reiter sich um ihn sammelten , regnete es Hiebe von seiner breiten Klinge auf die Köpfe und Schultern der Gegner . Gawra , der Wirth , an Schlägereien des Gesindels gewöhnt , hatte Anfangs die Sache wenig gefährlich genommen und war nur herbeigeeilt , um sein Kind aus den Händen der Trunkenen zu befreien . Als aber , noch ehe er das Mädchen erreicht , der Schuß fiel und überall die Waffen blitzten , erkannte er die drohende Gefahr und drängte die Baba und ihre jüngere Tochter zur Thür . » Geschwind zur Stadt und hole Hilfe . Die Teufel stecken uns sonst das Haus über ' m Kopf in Brand ! « Die Weiber entflohen , während sie im Umblicken noch sahen , wie eine Anzahl der Baschi-Bozuks sich auf den Wirth selbst warf und der Knabe Jowan zu Boden geschlagen wurde . » Hinaus mit den verräterischen Hunden ! Schlagt sie fort , die asiatischen Spitzbuben ! « schrie der Führer der christlichen Freischaar , und in geordneter Phalanx drangen sie auf die wilde Horde ein und ihre gewichtigen Hiebe trieben diese durch Fenster und Thür , heulend vor Wuth , aus zwanzig Wunden blutend im Handgemeng . Doch nur eine kurze Zeit war der Sieg auf Seite der Christen . Im Tschardak faßten die Moslems , von den Ihren , die sich draußen umhergetrieben , unterstützt , festen Fuß und begannen auf ' s Neue den Eingang zu stürmen . Wie ein Zündfeuer lief die Nachricht von dem begonnenen Streit zu dem nahe gelegenen Lager , und trotz der ausgestellten Wachen begannen bereits neue Banden des Gesindels durch das Dunkel des Abends herbeizuströmen . Vergebens war das Erscheinen mehrerer unteren Offiziere , der Christenhaß und der Groll , der zwischen den beiden Truppentheilen herrschte , loderte in so vollen Flammen , daß an Gehorchen vorerst nicht zu denken war . Die Kosaken unter dem Kommando des On-Baschi Stephan begannen sich in dem Gemach zu verschanzen , denn bei ihrer geringen Zahl und der größeren Entfernung der Stadt sahen sie sehr wohl die Gefahr ein und daß es galt , sich zu halten , bis Entsatz kam . Mehrere von ihnen waren gleichfalls verwundet , außer der Leiche des Portugiesen lag ein junger Pole zum Tode getroffen am Boden , der Handjar Hussein ' s des Albanesen hatte seinen Schädel gespalten . Zwei der Bozuks waren dafür in der Hoda gefallen . Sta Lucia , der Bandit , der zum großen Theil den Ausbruch des Kampfes mit veranlaßt hatte , war überall und legte mit Hand an die Verbarrikadirung der Thür und der Fenster . An den Haiducken dachte Keiner mehr , man hatte ihn für einen der Baschi-Bozuks gehalten und glaubte , daß er mit den Andern entwichen . Michael Miloje aber hatte die Gelegenheit benutzt , während der Kampf am Tschardak tobte , und sich mit Marutza in das Bodengeschoß geflüchtet . Seine starke Faust zog die Leiter ihnen nach . Die wilden Gesellen , trotzend der Gefahr , ließen es dann nach der Sicherung des Eingangs ihr erstes Geschäft sein , die Vorräthe der Mehana zu plündern und alles Getränk herbeizuschaffen . Ein wüstes Bachanal begann , ein Bachanal , das jeden Augenblick sich in das letzte Todesstöhnen verwandeln konnte . Durch die Fenster hinaus die Branntweinkrüge schwingend , höhnten sie ihre Gegner . Eine kurze Pause des Kampfes war eingetreten - wohl an Zweihundert der Irregulairen waren jetzt versammelt in der Nähe und auf den braunen dunklen Gesichtern flammten alle Nüancen der erregten Leidenschaften . Offiziere sprengten neuerdings herbei und versuchten die Leute zurückzutreiben , - Mahmud-Aga , der Capitain der Kosaken , unter ihnen , - aber vergeblich drohte er , seine Escadron ausrücken zu lassen , wildes Hohn- und Rachegeschrei antwortete den Bitten und Befehlen . Kiehnfackeln - die Ställe des Roßhändlers boten des Vorraths genug - flammten ringsum , dazu verbreitete der helle Mondschein volle Klarheit . - Die Baschi-Bozuks schienen ihren Haß und ihr Unternehmen getheilt zu haben , denn ein starker Haufe hatte den unglücklichen Wirth nach der hintern Seite des Hofes geschleppt zu dem dort befindlichen Ausgange , und zeigte ihm hier sein Verbrechen : - drei rothe mit Thierblut gemalte Christenkreuze auf dem Querbalken des Thores ! Die fanatischen Moslems sahen darin eine Verhöhnung des Halbmonds und Ibrahim , der Derwisch , hetzte die Erbitterten . Unterdeß bereitete die größere Hälfte vor den Stufen des Tschardaks sich zum neuen Angriff vor . Die Bozuks , welche den Bulgarenwirth trotz seiner Protestationen und seines Flehens am Thor unter den Kreuzen mit ausgespannten Gliedern festgebunden hatten , begannen nun ein teuflisches Spiel zu treiben , das stark an die Martern der Indianerstämme Nordamerika ' s erinnerte . Ben-Bahoui , der Damascener , hatte es angegeben . Er rief seine Landsleute zusammen , und auf etwa zehn Schritt von dem Unglücklichen tretend , wog er seinen Yatagan zwischen den Fingern und schleuderte ihn dann in geschicktem Wurf nach dem Unglücklichen , daß die Spitze etwa in Fußweite von seinem Leibe in das Holz fuhr . » Kreuzigt ihn ! kreuzigt ihn ! « Das gellende Hohngelächter der Wilden verschlang den Hilferuf des Gefährdeten . Ein Zweiter der Bande - ein großer Schwarzer mit dem stumpfen Bullenbeißergesicht der Stämme der Nilquellen - trat vor , den Wurf zu versuchen ; die taumelnde Haltung bewies , daß er seine geringen Fähigkeiten im Slibowitza ersäuft hatte . Andere strömten hin und her zwischen den beiden Haufen , den Hohn ihrer Gegner in der Mehana mit der Ladung zu dem blutigen Spiel beantwortend . » Mashallah ! schlagt die Dschaurs todt ! « Die wüthende Bande begann jetzt den Sturm gegen die Thüren und die Fenster des Hauses . - Der Mohr hob grinsend das schwere Messer zum Wurf - plötzlich warf er auch den andern Arm wild in die Höhe , drehte sich um sich selbst und stürzte zu Boden . Der Knall , der kräuselnde Rauch aus der Dachöffnung der Mehana zeigte , woher der Flintenschuß gefallen . » Die Hunde haben Feuerwaffen ! Wallah ! Steckt ihnen das Haus in Brand ! « - Die schwache Thür der Mehana brach vor den Schlägen der Stürmenden , über die Trümmern her wurden die Freiwilligen und die Bozuks auf ' s Neue handgemein . Wüthend über den Tod eines Gefährten , stürzten Mehrere der Asiaten mit geschwungenem Handjar auf den unglücklichen Wirth zu , während Andere sich bereit machten , das Dach in Brand zu stecken . Die Gefahr , der Tumult waren auf ' s Höchste gestiegen - Da hob es sich wie eine dunkle Masse jenseits des fast fünf Fuß hohen Zaunes und sie flog durch die Luft und mitten zwischen die Gruppe der Asiaten : ein braunes schäumendes Roß , das jetzt zitternd von der gewaltigen Anstrengung stand und schnaufte . Und auf dem Roß ein Mann , die breite Brust von dem silberbeschnürten schwarzen Dolman umspannt , Todesdrohung im feuersprühenden Blick , das häßliche , aber energische Gesicht vor Aufregung glühend : - Graf Ilinski , Iskender-Bey , der Oberst der Irregulairen . » Przeklecie ! In Eure Zelte , Ihr Hunde ! Fort ! « Seine Rechte spannte den Hahn der Sattelpistole - sie Alle hörten deutlich das Knacken , - eine solche Stille war um den Grafen her , als sie ihn erkannt - nach allen Seiten hin verloren viele der Meuterer sich eilig in ' s Dunkel . » Wer hat das Aas hier erschossen ? - Ihr kennt das Verbot , Feuerwaffen bei Euch zu führen . Antwort ! « » Sen ektiar der20 , o Bey ! « sagte endlich , sich zu Boden werfend und seinen Steigbügel küssend , der Damascener ; » der Schuß kam von den Christen her aus der Mehana . Es ist unser Kismet , Deinem Willen zu gehorchen ; wir haben keine Flinten . « » Was thut Ihr mit dem Mann da ? « » Er hat Koth auf unsern Glauben gehäuft . Es ist ein bulgarischer Mistträger - wir wollten ihn strafen . « » O , Aga , « rief der Unglückliche , » sie warfen mit ihren Yatagans nach mir ! « Der Bey schaute nach dem Thor . » Ungeschickte Hunde - nennt Ihr das einen Wurf ? Eine Elle vom Ziel ! « Er ritt zum Thor und zog den Handjar , der noch neben dem Leibe des zitternden Bulgaren steckte , aus dem Holz . » Halt still , Prostak21 ! « Er ritt auf fünfzehn Schritt zurück und hob sich im Sattel . Einen Augenblick wog er die schwere Klinge auf der flachen Hand , mit dem Mittelfinger den Knopf des Griffs berührend , dann warf er die Waffe , die zischend die Luft durchschnitt und kaum in Zollweite über dem Kopf des Wirthes tief in ' s Holz fuhr . Ein donnernder Beifallsruf der Kinder der Wüste erschütterte die Luft . Das war die Weise , wie Iskender-Bey diese ungezähmten Seelen gebändigt hatte . Er sagte zu ihnen : » Ich schieße besser , wie Du , ich werfe den Djerid besser , wie Du , ich reite besser , wie Du ; « und er schoß besser , er warf besser , er ritt besser , und war Allen voraus im Kampf . Der Tiger der Wüste beugte sich vor dem polnischen Wolfe und ward sein Knecht . » Bindet den Mann los ! « Es geschah . » Und nun fort mit Euch Schurken und zu Euren Zelten , denn in fünf Minuten lasse ich Allarm blasen und , Inshallah ! - ich spieße den , der nicht in seiner Reihe steht . Zum Dank für den Lärmen hier sollt Ihr noch diese Nacht marschiren . - Du , « er wandte sich zu dem Damascener , » und zwei dieser Hundssöhne - Ihr bleibt bei dem Mann hier , bis ich nach Euch sende . « Er wandte das Pferd und ritt nach dem Hause , ohne die Bande auch nur eines Blickes weiter zu würdigen . Gleich begossenen Hunden schlichen sie eilig nach allen Seiten davon . Am Tschardak der Mehana hatte unterdeß eine eigenthümliche , fast komische Scene gespielt und dem blutigen Gemetzel ein Ende gemacht . Während der Kampf tobte und das Blut floß , jagten mit verhängtem Zügel die Adjutanten des Bey ' s , Jacoub-Aga und Hidaët-Aga , in den Hof , und der Erstere , ohne alle Rücksicht auf die Niedergetretenen , sein Pferd mitten in den dichtesten Haufen . Im nächsten Augenblick schon regnete es rechts und links , vorn und hinten Hiebe mit dem schweren Kantschuh , den er in der Hand hatte , auf die Köpfe und Schultern der Stürmenden , während das Pferd , von dem tollen Reiter gespornt , rechts und links die Männer zu Boden warf . Erschrocken über den unerwarteten Gruß , stob die Bande , die nicht den Säbel der Christen , wohl aber die ungezählten Prügel des Kolassi ' s fürchtete , bei Seite und gerieth hier in die Hände Hidaët-Aga ' s , der sie mit einer gleichen Tracht mit der flachen Säbelklinge empfing . - » Jacoub ' a ! Jacoub ' a ! Allah beschütze uns ' re Köpfe ! « heulte es überall , und ehe fünf Minuten vergangen , war der Platz unter dem schallenden höhnenden Gelächter der so eben noch in blutiger tödtlicher Vertheidigung begriffenen Belagerten von dem Gesindel gereinigt . Zugleich hörte man im Lager die langen gewundenen Hörner der Irregulairen in schweren klagenden Tönen die Signale zum Sammeln blasen , und von Widdin her schmetterten Trompeten und der Rest der Escadron der türkischen Kosaken unter Führung eines Mulassim trabte heran . Iskender-Bey kam ruhig aus dem hintern Theil des Hofes , wo er in so tollkühner und glücklicher Weise im rechten Augenblick erschienen war , zum Tschardak geritten , auf den jetzt die Belagerten - fast die Hälfte mehr oder weniger verwundet - sich herausgedrängt hatten . Ein Baschi-Bozuk lag erschlagen mit weit klaffender Wunde in der Veranda ; die Verwundeten hatten ihre Kameraden jedoch mit fortgeschleppt . » Kolassi Jacoub ? « Der Aga salutirte . » Wie viel Todte ? « » Ich höre eben , daß Einer der Freiwilligen d ' rinnen erschossen , ein Anderer schwer verwundet ist . Zwei Leichen der Unsern liegen in der Mehana , eine hier . « » Nur ? Ein Vierter liegt im Hof ; die Sache ist also gut genug abgelaufen . Jüs-Baschi Mahmud ' a ! « Der Hauptmann der Kosaken , der sich vergeblich bemüht hatte , die Kämpfenden auseinander zu bringen , nachdem er eilige Meldung in die Locanda Alexo ' s gesandt , trat vor . » Ich bin der Höchstkommandirende hier , wenn auch Ihre Leute nicht zu den Meinen gehören . Lassen Sie die Halunken dort , die den Handel angezettelt , hervortreten . « Es geschah . » Wer von Euch hat die zwei Schüsse gethan ? - Antwort ! « Einige Augenblicke schwiegen Alle , dann entgegnete der On-Baschi : » Keiner von uns hat nach dem Tagesbefehl Schießgewehr bei sich geführt . Der Erschossene da drinnen ist einer der Unsern . « » Wer also schoß ? « » Ein Baschi-Bozuk natürlich , Mir-Alai22 . « » Narr ! Warum sollte der seinen eigenen Kameraden erschießen ? - Ruft den Wirth der Mehana aus dem Hofe herbei und seine drei Wächter . « Die Leute wurden gebracht . Der Bey wandte sich zu dem Damascener . » Woher kam der Schuß , der den Mohren niederstreckte ? « » Aus dem Hause , Bey ! Ich sah selbst den Rauch aus dem Dache steigen . « » Durchsucht das Haus . - Kannst Du uns Auskunft geben , Wirth ? « » Excellenz , habe Gnade mit Deinem Knecht . Ich habe viele Gäste gehabt , die ich nicht kenne . Man riß mich sogleich zu Boden und schleppte mich in den Hof . Ich weiß nicht , woher der Schuß gekommen , die Angst des Todes war über mir . « Die beiden Mulassims , die mit dem On-Baschi das Haus durchsucht hatten , erschienen wieder , Marutza mit sich führend . Der Eine trug die Flinte des Haiducken . » Wer ist das Mädchen ? « » Meine Tochter , Excellenz ; sie flüchtete auf den Boden , als der Streit im Hause begann . « » Habt Ihr Niemand weiter gefunden ? « » Niemand , als dies Weib und die Flinte unter dem Stroh verborgen . In der Hoda liegt ein junger Bursche , der Aufwärter des Handja , aber er ist verwundet . « » Jowan , mein Neffe ! « » Still . Mädchen , Du mußt es wissen , rede die Wahrheit . Wer schoß die Flinte ab auf den Mohren ? « Der Bulgar zitterte . » Ich , o Aga , that es . Mein Vater war in Gefahr ! « Der Bey schaute ihr scharf in die schwarzen Augen , die muthig Stand hielten . Das ritterliche Blut des Polen trug den Sieg davon über den Moslem . » So thatest Du brav , Mädchen , wie ich wünsche , daß meine Tochter an mir thun möge . Doch vermag ich Deinen Vater nicht vor Strafe zu schützen , weil er gegen den ausdrücklichen Befehl der Regierung Waffen in seinem Hause gehegt hat . Mulassim Hassan , der Ihr in dem Lager bleibt , Ihr werdet morgen den Mann und das Mädchen zu Sami-Pascha führen . Die Todten hier sind meine Sache , versteht mich wohl , nur das Gewehr geht den Pascha und seine Khawassen an . Gute Nacht , Mädchen ! « Sie neigte sich demüthig und küßte den Riemen seines Steigbügels . » Jüs-Baschi Mahmud ' a , führt Eure Leute fort . Nach der Schlacht hören die Burschen da das Weitere . Und nun , meine Herren , zu unserem Corps und sorgt dafür , daß keiner der Lebendigen unter dem Vorwande einer Wunde in seiner Reihe fehle . Bei dem Gott Mahomed ' s und der Christen , ich will den Kerl lebendig schinden , der es wagt ! Vorwärts , Jacoub ' a ! « Und dem scharrenden Roß die Sporen in die Flanken pressend , flog der wilde Graf im Galopp davon - hinter ihm d ' rein seine Adjutanten . In langen , verhallenden Tönen bliesen die Hörner zum Aufbruch nach Czetate . Fußnoten 1 Bulgarisches Dorf . 2 Saal , großes Gemach . 3 Hunnengräbern - 15-50 Fuß hohen Grabhügeln aus dem Alterthum ; der Moslem nennt sie Tege . 4 So nennt der Slawen-Grieche sinnig sein Pferd . 5 Christen ! 6 Thurm . 7 Sehr bezeichnend für den Volkscharakter ist das Lob , das man in Bulgarien 1840 dem Pascha von Sophia , Seïd , zollte : » An dem Pascha ist weiter Nichts auszusetzen , als daß er uns , so viel er kann , Geld abschindet , aber wenigstens sieht er darauf , daß seine Leute unsere Ehre und unsere Weiber nicht antasten . « 8 Rundtanz mit fest verschlungenen Armen , als Zeichen der Kraft und Vereinigung . 9 Dorfobrigkeit . 10 Wirth . 11 Ein kleines Goldstück , fünf Piaster an Werth . 12 Hundsfott ! - Spanisch . 13 Lümmel ! - Portugiesisch . 14 Cither . 15 Mädchen . 16 Schurke ! - Italienisch . 17 Heilige Jungfrau ! 18 Herren des Landes . 19 Häuptling . 20 Du bist der Herr . 21 Lümmel . 22 Oberst . Officiell wurde Iskender-Bey erst nach der Schlacht von Czetate dazu ernannt . III. Im Gefecht ! Czetate . Der Oberbefehlshaber der russischen Armee hatte beschlossen , die Operationen gegen den linken Flügel der türkischen zu beginnen und diese aus der kleinen Walachei zu verdrängen . Zu dem Ende galt es , Kalafat zu cerniren , und General-Lieutenant Graf Anrep-Elmpt , der bei dem Einrücken in die Fürstenthümer die Avantgarde kommandirt hatte und jetzt in Krajowa befehligte , erhielt die entsprechenden Ordres . Kalafat liegt , wie ein Blick auf die Karte lehrt , in einer kurzen Biegung der Donau nach Nord-Osten , ehe sie sich zur serbischen und ungarischen Gränze wendet . Dem entsprechend bildeten die Bewegungen der Russen auf der Basis der Donau die zwei Seiten eines Dreiecks , indem zwei mit einander in Verbindung bleibende Colonnen von Krajowa aus vorrückten . Das Corps des Generals Dannenberg bewegte sich von Karakal über den Schyl in den Rayon Radowan und lehnte seinen äußersten linken Flügel an die Mündung des Flusses , über die Deszneizia hinaus ; die fünfte leichte Division des General-Lieutenants von Fischbach dagegen besetzte in einem forcirten Marsch die Straße , welche von Kalafat längs des Donauufers gegen Orsowa und das eiserne Thor führt . Radowan bildete somit den Winkel der combinirten Position . Diese Bewegungen waren in den letzten Tagen des December ausgeführt worden , hatten natürlich die Aufmerksamkeit der Türken erregt , und es war vor der Rückkehr des Muschirs nach Nicopolis in Folge der neuerdings durch die Spione über die Vorwärtsbewegung des Feindes eingegangenen Nachrichten beschlossen worden , die drohende Festsetzung der Russen nördlich von Kalafat bei Czetate um jeden Preis zu verhindern . Gegen diesen günstig zur Vertheidigung und Befestigung gelegenen Ort war die ( erste ) Infanterie-Brigade des General-Majors Bellegarde , bestehend aus dem Jekaterinenburgischen Infanterie-Regiment Nr. 19 unter Oberst Uwasnow-Alexandrow und dem Tobolskischen Regiment Nr. 20 , vorgeschoben worden , und Oberst Baumgarten nahm mit dem letzteren hier Stellung , nachdem bereits am 31. December in der Nähe ein heftiges aber erfolgloses Gefecht stattgefunden hatte . Schweres Geschütz mit Pionieren und Schanz-Arbeitern hatte Krajowa am 2. Januar verlassen , um die Stellung bei Czetate zu befestigen . Diese Nachrichten waren es , welche Oberst Pisani durch die geheime Correspondenz der Gräfin Laszlo erhalten hatte , die trotz der Kriegsgefahr , und während viele walachische Bojaren im Gegensatz nach Ungarn und Siebenbürgen flüchteten , zu Anfang December von ihren nahegelegenen ungarischen Besitzungen auf einem ihr gehörenden Gute in der Nähe von Radowan und Krajowa in dem von den russischen Truppen besetzten Gebiet erschienen war . - Die Scene , welche wir in dem vorigen Capitel beschrieben , ereignete sich am Donnerstag den 5. Januar . Obschon der nächste Tag der Sonntag der Moslems war , hatte man doch nicht zögern wollen , bis die Russen sich stärker befestigt hätten , und der Angriff war für den nächsten Tag bestimmt . Um 4 Uhr Morgens verließen die Türken , 13 Infanterie-Bataillone , 6 Kompagnieen Jäger , ein Regiment türkischer Kosaken und zwei starke Abtheilungen der berittenen Irregulairen mit 28 Geschützen , im Ganzen etwa 18,000 Mann stark , die Verschanzungen von Kalafat und rückten gegen Czetate vor . Ismaël-Pascha , der Tscherkesse , kommandirte die Vorhut und das Haupttreffen , unter ihm der Ferik ( Divisions-General ) Mustapha-Pascha und der Livas ( Brigade-General ) Osman -Pascha . Achmet-Pascha , der Commandeur von Kalafat , befehligte die Reserven . Zwei der türkischen Bataillone mit zwei Kanonen wurden auf der Straße in den Dörfern Maglavit und Gunia zurückgelassen , um die Verbindung mit Kalafat aufrecht zu erhalten . Sieben Bataillone sollten die Reserve bilden . - Das Dorf Czetate liegt auf einem Hügel , welcher auf mehrere Meilen hin die umliegende Fläche überragt und auf beiden Seiten von Schluchten eingefaßt ist . Die östliche ist von ziemlicher Tiefe , zerklüftet und steil und verliert sich in einen kleinen See , unter welchem sich eine Fläche bis zur Donau erstreckt ; die andere , weniger furchtbar , windet sich gegen die Spitze des Hügels hinter dem Flecken , indem sie eine Art Hohlweg bildet , den man jedoch ohne Schwierigkeit von einem Ende zu dem andern passiren kann . Die Straße von Kalafat schneidet mitten hindurch in nordwestlicher Richtung , nachdem sie zwischen den Schluchten aufgestiegen ist . Auf der Höhe über dem Flecken , rechts von der Straße , hatten die Russen eine starke Verschanzung aufgeworfen , die für den Fall eines Rückzugs als Zufluchtsort dienen konnte . Vor Czetate und dies deckend , liegt der Weiler Fonton-Banali , den Oberst Baumgarten mit dem Regiment Tobolsk , einer Schwadron Husaren des Regiments Fürst von Warschau und einer Abtheilung des Donischen Kosaken-Regiments Nr. 36 mit 6 Kanonen der leichten Batterie Nr. 1 von der 10. Artillerie-Brigade unter Oberst Sagoskinn besetzt hielt . Die Reserve der Position unter General-Major Bellegarde stand , da man den raschen Angriff keineswegs erwartete , fast zwei Meilen zurück in dem Dorfe Motsesseï . Der Oberkommandirende , General-Lieutenant von Anrep , hatte sein Quartier in etwa gleicher Entfernung zur Rechten in dem Dorfe Boleschti genommen . - Es war bereits spät am Abende , als eine Ordonnanz einen Offizier weckte , der in einer ärmlichen Hütte des letztgenannten Dorfes auf seinem Mantel schlief , und zu dem General beschied . Capitain von Meyendorf , dieser war der Offizier , war rasch empor und in wenig Minuten bei dem Kommandirenden . Einige Offiziere waren in dem Gemache versammelt , Kosaken hielten am Eingang einen walachischen Bauer , dem die Hände auf dem Rücken zusammengeschnürt waren , am Strick . Der General selbst war offenbar in großer Aufregung und sah wiederholt Briefe durch , die auf dem Tische lagen . » Gut , daß Sie kommen , Herr Adjutant , es giebt für uns Alle zu thun . Wir werden eher Gelegenheit haben , als wir es hofften , die Befehle des Fürsten auszuführen und mit den Türken anzubinden . Meine Kosaken haben in der Nähe der Deszneizia diesen Nachmittag bei einer Streifpartie einen Spion aufgegriffen , den Hettmann Poduroff mir so eben zuschickt . Seine Papiere sind von Wichtigkeit und zeigen , daß unsere Stellung bei Czetate vielleicht morgen schon angegriffen wird . « » Desto besser , Excellenz . « » Das mag sein , aber nicht besonders erfreulich ist es , zugleich daraus zu erfahren , daß der Verrath nicht müde wird , in unserm eigenen Feldlager sein Nest zu bauen . Wenn ich mich recht erinnere , kennen Sie die ungarische Gräfin Laszlo , die sich seit Monatsfrist - wie sie angab , um ihr Eigenthum in den Kriegsdrangsalen möglichst zu schützen , - auf Schloß Badowitza zwischen Radowan und Krajowa aufhält . Ich erinnere mich wenigstens , Sie in Unterhaltung mit ihr gesehen zu haben , als die schöne Dame uns in voriger Woche in Krajowa besuchte . « Der Capitain verbeugte sich , um die Röthe zu verbergen , die sein Gesicht überflog . » Ich habe die Ehre , die Frau Gräfin von Wien aus zu kennen und besuchte sie noch vor einigen Tagen mit mehreren Offizieren . « Er verschwieg , daß gerade die Nachricht von ihrer Anwesenheit auf den walachischen Gütern ihn veranlaßt hatte , den Fürsten um den Auftrag zur Ueberbringung von Depeschen an General Anrep und zur Einleitung wichtiger Verbindungen mit dem serbischen und bulgarischen Ufer zu bitten , die ihn jetzt seit vierzehn Tagen im Hauptquartier des westlichen Corps beschäftigten . » Werden Sie es glauben , Capitain , daß gerade diese Dame den Spion bei uns gespielt und die Mittelperson abgegeben hat , durch welche der schlaue Fuad fortwährend mit unsern Bojaren verkehrt und uns so manche Verlegenheit bereitet ? « Der Offizier erblaßte , doch suchte er sich rasch zu fassen . » Unmöglich , Excellenz , « stotterte er . » Die Beweise halte ich in der Hand , Herr Capitain . Hier dieses Paket mit gedruckten Proclamationen an die Bojaren und das Volk trägt die Unterschriften Omer ' s und Fuad-Effendi ' s ; dieses Couvert , das man bei dem Boten fand , enthält Briefe an verschiedene Bojaren , und ein Blatt , offenbar an die Gräfin gerichtet , in welchem man - der Schreiber ist nicht genannt , - für die letzten Nachrichten dankt , die sie nach Widdin über unsere combinirten Bewegungen gegen Kalafat und die neuen Zuzüge unserer Truppen gemacht hat . Der Brief schließt mit der Benachrichtigung , daß der Muschir zwar heute Morgen Widdin verlassen , aber den Befehl geben werde , unsere Linien bei erster Gelegenheit zu durchbrechen , und bittet die Gräfin um weitere Kunde über die Dispositionen . Offenbar hat der Verkehr meiner Offiziere in ihrem Hause , den ihre täglichen Einladungen so sehr beförderten , ihr alle diese Nachrichten verschafft . « » Und darf ich fragen , was Euer Excellenz beschlossen haben ? « » Ich muß natürlich Bellegarde und Baumgarten benachrichtigen lassen , auf ihrer Hut zu sein . Sie , Herr Capitain , beauftrage ich , da Ihnen die Person der Gräfin hinlänglich bekannt ist , morgen bei Tagesanbruch sich mit einem Zug Husaren nach Schloß Badowitza auf den Weg