denn haben wir , mit Übergehung geringerer Dinge , in nachstehendem in Betracht gezogen , wie euer Zustand würdig und angemessen zu reformieren sei . Der Zustand des Klosters war also der Reform bedürftig . Es scheint aber fast , daß er derselben sogar dringend bedürftig war , denn der letzte Satz der Urkunde , den wir zu diesem Zweck vorwegnehmen , schließt mit folgender Androhung : Wer aber unter euch , sei es im einzelnen oder in all und jedem , noch zwölf Tage nachdem diese Statuten , Ordinationen und Befehle zu eurer Kenntnis gelangt sind , als frecher Verletzer oder freche Verletzerin sich erblicken läßt , erfährt die Sentenz der Exkommunikation , von welcher der Betroffene , es sei denn er stürbe ( nisi in mortis articulo ) , nicht ohne unsere spezielle Erlaubnis absolviert werden wird . 3. Den Hauptinhalt der Urkunde bildet aber die Aufzählung der verschiedenen Punkte , die der Reform bedürftig sind , und die Angabe des Guten und der Ordensregel Entsprechenden , das an die Stelle eingerissener Unordnung zu setzen ist . Die Urkunde sagt darüber : a ) So denn , nach fleißiger Beratung und Verhandlung , setzen wir fest , ordinieren und befehlen wir , inwieweit ihr Nonnen unter fester Klausur zu verbleiben habt . Zu allen Türen , deren Eingang und Ausgang erforderlich ist , sollt ihr zwei verschiedene Schlüssel haben , der eine , von innenher , für euch Abbatissin , der andere , von außenher , für euch Herr Präpositus , so daß niemand ein- oder ausgehen kann , ohne Wissen und Zulassung von euch beiden . Wir ordnen dabei ferner an , daß keine der Nonnen , unter was immer für Vorwand , Erlaubnis haben soll , außerhalb des Klosters wohnende Freunde , noch auch überhaupt draußen Lebende zu besuchen , so wie wir befehlen , daß niemand ohne spezielle Erlaubnis der Abbatissin oder des Präpositus an das Küchenfenster ( ad fenestram collationi ) herantreten soll . Auch soll keine der Nonnen eine besondere Wohnung ( habitaculum ) oder sonstige Bequemlichkeit haben , noch auch außerhalb des gemeinschaftlichen Refektoriums oder eines andern gemeinschaftlichen Eßraumes ( coenaculum ) zu Mittag oder zu Abend essen . 22 Nur in gewissen Fällen wird die Abbatissin von dieser Anordnung Abstand nehmen können , aber doch immerhin nur so , daß alsdann an einem andern , eigens und speziell dazu bestimmten Orte die Mahlzeit eingenommen werden muß . b ) Im übrigen , in Gemäßheit der zweiten Ordensregel und nach alter löblicher Gewohnheit dieses Klosters , sollt ihr der Abbatissin folgsam und gehorsam sein . Und wenn eine unter euch , wegen Ausschreitung und Unterlassung , Mahnung oder Strafe verdient , so soll sie dem Ausspruch der Abbatissin , in Gemäßheit der Ordensregel Gehorsam leisten , soll auch nicht von irgendeiner andern gegen die Abbatissin verteidigt werden , außer wenn es die Ordensregel gestattet . c ) Und ihr sollt ferner keine Mägde oder besondere weltliche Dienerinnen , weder innerhalb des Klosters , noch auch außerhalb desselben , zu diesem oder jenem Geschäfte haben , außer solche , welche durch euren Präpositus zugelassen und zu eurer Bedienung speziell erlesen sind ; noch auch soll euch gestattet sein unter was immer für Vorgabe , irgendeine weltliche Jungfrau in euer Kloster auf längere oder kürzere Zeit als Mitbewohnerin aufzunehmen , es sei denn auf spezielle Erlaubnis . Und wenn ihr infolge unserer Erlaubnis eine solche unter euch aufgenommen habt , so soll sich diese Aufgenommene ( suscepta ) kleiden wie ihr , in ein ebensolches Kleid und eine graue Tunika darüber . Und einmal aufgenommen , soll sie das Kloster nicht wieder verlassen , unter was immer für Vorgabe , vor Ablauf einer festgesetzten Zeit , es sei denn , daß sie unsere Erlaubnis dazu erhielte . Und für den Fall , daß etwas für die Kosten solcher Mitbewohnerin beigesteuert wird , sollt ihr dies dem Präpositus geben oder irgendeinem andern , in den ihr Vertrauen setzt . – d ) Im übrigen sollt ihr eine Lehrschwester oder Schulmeisterin , so wie auch eine Gemeindeschule für Knaben und Mädchen ( ad omnes moniales juniores ) haben , und zwar dergestalt , daß die Knaben von Seiten der Lehrschwester und Schulmeisterin zu bestimmten und herkömmlichen Zeiten unterrichtet werden , wobei sie ( die Knaben ) in allem , was Zucht und Schulwissenschaft angeht , der Lehrschwester zu gehorchen haben . e ) Und keine unter euch soll über Bedürfniß Speis ' und Trank fordern oder nehmen , sondern soll zufrieden sein mit dem , was durch den Präpositus gegeben wird . Außerdem sollt ihr bestrebt sein , durch Tracht und Kleid ( vestitu et habitu ) in Schuhen , in Haarschleifen , in eng schließenden Gürteln , in Gürtelschnebben keinen anderen Schmuck zu haben , als solchen , welchen die Kirche zuläßt ; noch sollt ihr , weil es der Scham , der Sitte und eurem Geschlechte widerstreitet , Maskenspiel und Maskenscherze treiben , noch auch sollt ihr die Geburtstage oder andere jährlich wiederkehrende Feste besonders halten und festlich begehen . f ) Ebenso , wenn es sich trifft , daß ihr gemeinschaftlich ausgehet und in Prozession das Cömeterium umschreitet , so werde keine von irgend wem berührt oder nach Sitte weltlicher Frauen an Hand oder Arm geführt , vielmehr kehret alle nach dem Umgang in euer Kloster zurück , so daß kein anderer Zutritt zu euch offen steht , wie der , der oben beschrieben wurde . g ) Im übrigen , auf daß ihr aufmerksamer den heiligen Gebräuchen ( divino cultui ) obliegen könnt , sollt ihr nicht versuchen , Brote oder Backwerk zu Hochzeiten oder anderen Festlichkeiten zu machen , zu kochen oder zu schicken . Dann wird der Präpositus ermahnt , auch seinerseits das Rechte und Billige zu tun , niemand darben zu lassen , niemandem Grund zur Klage zu geben . Jedes Klostermitglied aber , das alsdann noch zu Übertretungen schreitet und Gehorsam weigert , wird , wie oben schon wörtlich mitgeteilt , mit der Sentenz der Exkommunikation bedroht . Ob und inwieweit dieser Erlaß des Brandenburgischen Bischofs der eingerissenen » milden Praxis « ein Ziel setzte , das erfahren wir nicht . Zwar sind es noch verschiedene Urkunden , denen wir auf dem langen Wege von 1381 bis zur Aufhebung des Klosters begegnen , aber außer den Namen einzelner Äbtissinnen , Priorinnen und Propste entnehmen wir denselben nichts weiter , als daß gelegentlich ein Pfuel oder Wulffen eine Schenkung machte , oder ein Ilow oder Platen , dies oder das – meist Zölle und Hebungen – an das Kloster Friedland verpfändete . Dieses scheint also immer bei Kasse gewesen zu sein . So gingen die Dinge bis zum Jahre 1540 , wo die Säkularisation erfolgte . Man zog die Klostergüter ein , respektierte jedoch die Personen , d.h. beließ die Nonnen spittelfrauenhaft in ihren Zellen und wartete ihr Aussterben ab . Dieses Aussterben ließ aber lange auf sich warten . Die Luft um Friedland herum war sehr gesund . Kloster Friedland ging inzwischen , gleich innerhalb der ersten zwei Dezennien , aus einer Hand in die andere , wobei die Nonnen , wie ein altes Inventarium , immer mit überliefert wurden . Erst 1568 regelten sich die Dinge in einer zufriedenstellenden Weise . Schon vier Jahre früher hatte Joachim von Roebel die gesamten Kirchengüter durch Kauf an sich gebracht , jetzt ( 1568 ) gelang es ihm auch , die Nonnen zu einem Aufgeben ihrer Wohnungsansprüche zu vermögen . Eine Urkunde darüber ward aufgenommen , die noch existiert . Es heißt darin , mit einem leisen Vorwurf gegen den säkularisierenden Kurfürsten : Und dieweil hin und wieder in der Welt , sonderlich auch im heiligen römischen Reich allerhand Permutationen hinsichtlich der Klöster und geistlichen Güter vorgefallen sind ( Veränderungen , die wir diejenigen verantworten lassen , denen es gebührt und zusteht ) so haben wir gedachtem Joachim Roebel , unserm Schwager , Freund und Landsmann , dieses Kloster gegönnt und ihm Brief , Siegel und Wohnung abgetreten . Aus eben dieser Urkunde lernen wir auch die Namen derjenigen Damen kennen , die damals noch , wie eine Hinterlassenschaft aus der katholischen Zeit her , als Nonnen von Kloster Friedland lebten . Es waren : Ursula von Barfus , Priorin . – Anna von Krummensee , Schaffnerin . – Ursula von Pfuel . – Margarete von Stranz , Küsterin . – Ursula von Barfus II. , Nonne . – Magdalene von Löwenberg . – Ursula von Hoppenrade . Ursula von Hoppenrade war die Jüngste . Sie war zweiundvierzig Jahre früher als letzte Nonne aufgenommen worden , jetzt also , bei Unterzeichnung der Urkunde , mutmaßlich eine Dame von einigen sechzig Jahren . Es drängt sich unwillkürlich die Frage auf , wie alt die älteste gewesen sein möge . Kloster Friedland blieb lange Zeit im Besitze der Roebels , bis es um die Mitte des vorigen Jahrhunderts , zusammen mit Quilitz , an den Markgrafen Karl kam , der sich wenigstens vorübergehend hier aufzuhalten pflegte . Seine bevorzugte Geliebte , eine Mamsell Siebert , der er in der Köpenickerstraße zu Berlin ein schönes Haus bauen ließ , war eine Taglöhnertochter aus Friedland . Wie Friedland endlich an den General von Lestwitz und dadurch an die Familie Itzenplitz kam , erzähle ich im folgenden Kapitel , unter Cunersdorf . Die Lage Kloster Friedlands , – auf einem schmalen Landstreifen zwischen zwei Seen , dem Kloster- und dem Kiezersee – muß von nicht gewöhnlicher Schönheit gewesen sein , als die umgebende Bruchlandschaft noch ihren alten Charakter hatte und die hohen Giebel des Klosters abwechselnd in den einen oder andern See ihren Schatten warfen . Aber ein solches Bild bietet sich dem Auge nicht länger dar , und die Ruinen anderer märkischer Klöster machen einen tieferen und poetischeren Eindruck , teils weil die Trümmer selber pittoresker , teils weil ihre Umgebungen , bei sonst mannigfach Verwandtem , ansprechender sind . Die Lage z.B. des zur Schwedenzeit durch Feuer zerstörten Jungfrauenklosters zu Lindow , in der Grafschaft Ruppin , ist der Lage Kloster Friedlands nahe verwandt , aber die efeuumrankten Mauern , die storchnestgeschmückten Giebel , vielleicht auch die Hügellage zwischen den Seen , leihen jenem einen romantischen Reiz , den dieses entbehrt . Kloster Lindow ist schöner gelegen , vielleicht auch malerischer in sich selbst , aber Kloster Friedland ist besser erhalten , und die Umfassungsmauer , das Haus des Propstes , ein Stück Kreuzgang , vor allem das Refektorium , zeigen sich teilweise noch in gutem Zustand . Das Refektorium , jetzt als Malzplatz benutzt , läßt sich in seinen Einzelheiten am besten verfolgen . Es scheint der Stil früherer Gotik . Das alte Kloster , das 1300 großenteils durch Feuer zerstört wurde , war ein romanischer Bau , 23 den nun ein gotischer Bau , mutmaßlich im Stile des uns erhalten gebliebenen Refektoriums ersetzte . Die gewölbte Decke desselben wird von drei Säulenpfeilern getragen . Zwei dieser Pfeiler sind rund , der dritte ( mittelste ) vier- oder sechseckig . Die auf den Pfeilern stehenden Gewölbe sind vielgerippt , so daß immer sechzehn Rippen auf einem Pfeiler ruhen oder aus demselben palmenhaft aufwachsen . Der Abstand zwischen den Pfeilern ist verschieden , und von oben nach unten zu abgeschritten , bemerkt man , daß der Zwischenraum von Pfeiler zu Pfeiler immer um ein bis zwei Fuß kleiner wird . Es stehe dahin , ob dies Absicht oder Zufall ist . Neben dem Kloster , und vielleicht früher in unmittelbarem Zusammenhange mit ihm , steht die ehemalige Klosterkirche , jetzt die Dorfkirche . Sie ist nicht mehr , was sie war . Der Turm ist kein eigentlicher Turm mehr , und die Kirche selbst hat unter den verschiedenen Umbauten , denen sie unterworfen wurde , ihren gotischen Charakter beinah völlig verloren . Sie besitzt aber aus alter katholischer Zeit her noch mehrere Wertstücke , von denen Kuglers Kunstgeschichte vor allem eines Taufbeckens Erwähnung tut . Wohl in einiger Überschätzung . Es finden sich , ähnlich wie die Reste vergoldeter Schnitzaltäre , solche Taufbecken zu vielen Hunderten in unserer Mark . Was aber nicht nach Hunderten anzutreffen ist , und was in der Tat eine Sehenswürdigkeit der Friedländer Kirche bildet , das sind drei reichvergoldete Abendmahlskelche , die noch , als Wert-und Erinnerungsstücke aus der vorlutherischen Zeit her , im Pfarrhause aufbewahrt werden . Alle drei sind von verwandter Form und nur der Größe nach verschieden . Auf einem breiten Fuße ruht ein tulpenförmiger Kelch , in der Mitte des kurzen Stiels aber , der diese Kelchtulpe trägt , legt sich ein sechseckiges Ornament ringförmig um den Stiel herum . Eins dieser sechseckigen Ornamente ist hohl und von durchbrochener Arbeit ; innerhalb desselben klappert eine Reliquie , ein Knochensplitter oder der Zahn eines Heiligen . Derselbe Kelch , einer der kleineren , trägt auch zugleich die Namen : Martha . Johannes . Welsickendorp . Ein anderer , der größte und schönste , zeigt statt der Namen drei sauber einradierte Marienbilder nach Stellen aus der Offenbarung und abwechselnd mit diesen drei Radierungen drei kleine Goldskulpturen , hautreliefartig auf den Fuß des Kelches aufgelötet . Diese kleinen Goldfigürchen stellen » Maria und Johannes zu beiden Seiten des Gekreuzigten « , ferner » St. Georg , den Drachen tötend « und schließlich noch ein drittes dar , dessen Entzifferung mir nicht gelungen ist . Die Kelche beweisen zur Genüge , daß Kloster Friedland zu den reicheren Stiftungen des Landes gehörte . Es darf auch nicht wundern : zählen doch die Barfus , die Pfuels , die Krummensee und Ilows , deren Töchtern wir vorzugsweise in Kloster Friedland begegnen , zu den begütertsten und angesehensten Familien des Landes . Über den Ort , wo die Kelche herstammen , ist nichts bekannt . Die Geschichte » Kloster Friedlands « hatte mit dem Eingehen desselben ihre Endschaft nicht erreicht . Die Roebels und der Markgraf Karl von Schwedt folgten , wie schon hervorgehoben , im Besitz ; aber keiner von ihnen hat nachträglich dem alten stillen Klosterdorf einen anderweiten Charakter aufzudrücken vermocht . Es konnte auch kaum anders sein . Die Roebels lebten in Buch ( bei Berlin ) , das ihnen schon , um der Nähe der Hauptstadt willen , lieber sein mußte , und scheinen in Friedland niemals dauernd Wohnung genommen zu haben . Der Markgraf erschien allerdings von Zeit zu Zeit ; aber seine Besuche waren doch zu flüchtig und zu selten , als daß der Wunsch in ihm hätte lebendig werden können , ein Schloß an dieser Stelle aufführen zu lassen . Ein einfaches Wohnhaus genügte dem Bedürfnis . Dies Wohnhaus existiert noch , und in ihm , als einziges direktes Erinnerungsstück an die Zeit des Markgrafen , ein trefflich gemaltes Bildnis desselben in halber Figur . Ich weiß nicht , ob andere Porträts von ihm vorhanden sind ; wäre es das einzige , so würde es schon um deshalb einen gewissen historischen Wert beanspruchen können . Das Bild erinnert noch an Markgraf Karl und , nicht zu vergessen , eine andre Hinterlassenschaft noch : eine Glocke , die er der Kirche seiner Zeit zum Geschenk machte . Sie führt nicht den Namen eines Heiligen , sondern heißt : » Markgraf Karl « . Ob er selber durch Beispiel und Mahnung die Dörfler jemals zur Kirche gerufen , ist mindestens zweifelhaft ( es waren nicht die Zeiten danach ) , aber die Glocke tut es jetzt statt seiner , und sooft sie am Sonntag morgen erklingt , heißt es im Dorfe : Markgraf Karl ruft . Cunersdorf Hans Georg Sigismund von Lestwitz Hans Georg Sigismund von Lestwitz 1763 – 1788 Lestwitz , ebenso wie Prittwitz , gehört in die Reihe derjenigen Offiziere des großen Königs , denen es bei verhältnismäßig jungen Jahren vergönnt war , durch irgendeine glänzende Kriegstat in die Geschichte einzutreten , denen wir aber während der letzten dreißig Jahre ihres Lebens kaum wieder begegnen , weil ihnen der andauernde Friede jede Gelegenheit zu historisch aufzeichnenswerten Taten versagte . Ich gebe hier alles , was ich über Lestwitz habe in Erfahrung bringen können . Hans Sigismund von Lestwitz wurde am 19. Juni 1718 zu Kontopp im Glogauschen geboren . Sein Vater war der spätere Generalleutnant Johann George von Lestwitz , seine Mutter Helene geb . Freiin von Kottwitz . Die Lestwitze , die im Mannesstamme mit unserem Hans Sigismund ausstarben , gehörten den fünf alten schlesischen Familien an : Rothkirch , Lestwitz , Prittwitz , Strachwitz , Zedlitz , die schon bei Liegnitz in der Mongolenschlacht gefochten hatten . Hans Sigismund machte seine Studien auf der Universität zu Frankfurt a. d. O. und trat 1734 als Fahnenjunker in das daselbst garnisonierende Schwerinsche Regiment . Er machte die beiden Schlesischen Kriege mit , focht bei Mollwitz , Chotusitz , Hohenfriedberg und Soor mit Auszeichnung und erhielt gleich in der ersten Schlacht des Siebenjährigen Krieges ( bei Lobositz ) den Pour le mérite . 1757 ward er Major im Regiment Alt-Braunschweig . Er war noch Major in eben diesem Regiment , als die blutige Schlacht bei Torgau am 3. November 1760 ihm Gelegenheit gab , sich in besonderem Grade auszuzeichnen . Eine vortreffliche , von Graf Waldersee herrührende Schilderung der » Schlacht bei Torgau « sagt darüber im wesentlichen folgendes : Der Flügel des Königs war geschlagen ; nur vier Bataillone vom Regiment Schenkendorf standen noch in Reserve ; unter ihrem Schutze sollte sich die Armee wieder sammeln . Der König fühlte sich durch eine starke Kontusion ( eine Kartätschenkugel hatte ihn besinnungslos vom Pferde geworfen ) so ermattet , daß er sich nicht mehr fähig hielt , das Kommando der Armee fortzuführen . Er trat es also – auch Markgraf Karl war blessiert – an den Generalleutnant von Hülsen ab . Er selbst zog sich aus dem Getümmel zurück . Um diese Zeit war es , daß einzelne Offiziere die Mannschaften wieder zu sammeln suchten . Besonders zeichnete sich der Major von Lestwitz vom Regiment Alt-Braunschweig dabei aus . Es war ihm bereits gelungen , einige hundert Infanteristen von verschiedenen Regimentern und eine Anzahl Tambours in eine Masse zu formieren , als der König in der Absicht , das Schlachtfeld zu verlassen , vorüberritt . » Wer ist Er und was will Er hier machen ? « fragte der König . » Ew . Majestät , ich bin der Major Lestwitz von Alt-Braunschweig und sammle Offiziere und Leute , um mit ihnen die Höhen zu stürmen . « » Na , Herr , das ist brav , sehr brav . Da mach ' Er nur geschwind und formier ' Er einige Bataillone . « Beim Fortreiten wandte der König sein Pferd noch einmal um und sagte : » Hör ' Er , mein lieber Lestwitz , sei Er versichert , daß ich Ihm dies nie vergessen werde . « Der König mochte sich erinnern , daß der Major von Lestwitz der Sohn des Generalleutnants von Lestwitz 25 war , den wegen der unglücklichen Kapitulation von Breslau ( 1757 ) die Ungnade des Königs und die ganze Schwere der Militärgesetze getroffen hatte . Es glückte Lestwitz in der Tat , aus den Zersprengten drei Bataillone zu bilden , zu denen sich nun die vier noch intakt gebliebenen Bataillone des Regiments Schenkendorf gesellten . Diese sieben Bataillone waren es , die , als spät am Abend Zieten die Süptitzer Höhen in der Front attackierte , diesen Frontangriff durch einen Flankenangriff unterstützten und dadurch den Tag entschieden . Der König schrieb – vielleicht nicht ohne eine gewisse Ungerechtigkeit gegen Zieten , den er übrigens andern Tags unter Tränen umarmte – den Erfolg dieses Gefechtes , nächst dem Major von Lestwitz , dem Regimente Schenkendorf zu . Er vergaß auch Lestwitzen nicht . Unmittelbar nach dem Kriege , wie wir bereits gesehen haben , erhielt er Amt Friedland , also die Hälfte des ehemaligen Markgraf Karlschen Besitzes , und der König , wie um zu zeigen , daß Prittwitz und Lestwitz seinem Herzen gleich nahe ständen , verfuhr bei der Teilung mit solcher Gewissenhaftigkeit , daß er z.B. dem etwas kleineren Amt Friedland einige Quilitzer Höfe hinzufügte . 1765 wurde Lestwitz Oberst , 1766 Chef des Leibgrenadierbataillons , 1767 Generalmajor . Er blieb ein Liebling König Friedrichs , der ihn oft in seine Gesellschaft zog . Auch das Testament des Königs vom 8. Januar 1769 erwähnt seiner wenigstens mittelbar . Es heißt darin § 28 : » Einem jeden Stabsoffizier von meinem Regiment und von Lestwitz , wie auch von der Garde du Corps , vermache ich eine goldene Denkmünze , die bei Gelegenheit unserer glücklichen Waffen und der Vorteile , die unsere Truppen unter meiner Anführung erhalten haben , geprägt worden ist . « 1779 , wahrscheinlich unmittelbar nach dem bayrischen Erbfolgekrieg , an dem er noch teilnahm , zog sich von Lestwitz aus dem Dienste zurück . Er starb 1788 am 16. Februar . Frau von Friedland Frau von Friedland 1788 – 1803 Hans Sigismund von Lestwitz war am 16. Februar 1788 zu Berlin gestorben , seine Leiche aber nach Cunersdorf übergeführt worden . Da ihm , wie wir gesehen haben , Amt Friedland als freies Eigentum von seiten des Königs verliehen worden war , so ging nun die ganze Herrschaft Friedland , die bereits eine ganze Anzahl von Gütern zählte , auf seine Erbtochter über , die damals schon den Namen » Frau von Friedland « führte . Mit diesem Namen hat es folgende Bewandtnis : Helene Charlotte von Lestwitz , geb . am 18. November 1754 , vermählte sich 1771 , also kaum siebzehn Jahre alt , mit Adrian Heinrich von Borcke , Königlichem Gesandten in Dresden , später in Stockholm . Die Ehe war jedoch , durch Schuld des Gemahls , keine glückliche , und wurde , bald nach der Geburt einer Tochter Henriette Charlotte , spätere Gräfin von Itzenplitz , wieder getrennt . Da die Geschiedene so wenig wie möglich an eine Ehe erinnert sein wollte , die ihr eine Last und Kränkung gewesen war , so nahm sie unter Zustimmung des Königs den Namen einer Frau von Friedland an und führte das Lestwitzsche Wappen fort . Gleichzeitig kehrte sie nach Schloß Cunersdorf , in das elterliche Haus zurück und lebte daselbst ausschließlich der Erziehung ihrer Tochter und der Ausbildung ihres eigenen Geistes . Nach dem Tode des Generals , ihres Vaters , übernahm sie sofort die Verwaltung der beiden Güter , und da es ihrem scharfen Auge nicht entging , daß die Bewirtschaftung , um zu größeren Erfolgen zu gelangen , vor allem eines größeren Betriebskapitals als bisher bedürfe , so verkaufte sie ihren Schmuck und ihre Juwelen , um sich in den Besitz eines solchen Kapitals zu bringen . Dieser erste Schritt , mit dem sie die Verwaltung ihrer Güter begann , zeigt am besten , welcher raschen und energischen Entschlüsse sie fähig war . Es war eine seltene und ganz eminente Frau ; ein Charakter durch und durch . General von der Marwitz auf Friedersdorf , der ihr Gutsnachbar war , hat uns in seinen Memoiren eine Schilderung dieser ausgezeichneten Frau hinterlassen . Er schreibt : » Das meiste in der Landwirtschaft – ungefähr alles , was ich nicht schon aus der Kindheit wußte und nachher aus der Erfahrung erwarb – habe ich von einer sehr merkwürdigen Frau in unserer Nachbarschaft gelernt , von einer Frau von Friedland . Als ich sie kennenlernte ( 1802 ) , war sie ungefähr zwölf Jahre im Besitz der Güter und führte alles mit beispielloser Ausdauer und Umsicht . Es waren sechs große Wirtschaften , die sie selbst leitete ; Unterbeamte hatte sie keine andern als Bauern , die sie selbst dazu gebildet hatte . Nicht nur war der Ackerbau im blühendsten Zustande , sondern sie hatte ihre Wälder aus sumpfigen Niederungen auf bisher öde Berge versetzt , diese Niederungen aber in Wiesen verwandelt , und so in allen Stücken . Ein solches Phänomen war natürlicher Weise weit und breit verschrien . Man sagte , sie ritte auf den Feldern umher ( das war wahr ) und hätte beständig die Peitsche in der Hand , womit sie die Bauern zur Arbeit treibe – das war erlogen . Ich fand im Gegenteil eine wahre Mutter ihrer Untergebenen in ihr . Wo sie sich sehen ließ , und das war den ganzen Tag bald hier , bald dort , redete sie freundlich mit ihnen , und den Leuten leuchtete die Freude aus den Augen . Aber gehorchen mußte alles . Sie war aber nicht bloß eine Landwirtin , sondern eine höchst geistreiche und in allen Dingen unterrichtete Frau . Ich schulde ihr sehr viel ; sie hatte mir , als ich Friedersdorf übernahm , die nötigen Wirtschaftsbeamten verschafft und die Rechnungsbücher einrichten lassen . « So weit Marwitz über Frau von Friedland . Sehr ähnlich , aber noch lebhafter , wärmer , begeisterter , äußert sich Thaer über dieselbe , der sie im Sommer 1801 , nachdem er schon 1799 ihre erste Bekanntschaft gemacht hatte , bei seinem zweiten Besuch in der Mark näher kennenlernte . Er schreibt : » Auf der Grenze ihrer Herrschaft kam uns Frau von Friedland , eine der merkwürdigsten Frauen , die je existiert haben , in vollem Trabe entgegen , sprang vom Pferde und setzte sich zu uns in den Wagen . Nun ging es in vollem Galopp über Dämme und Gräben weg . Wir fuhren vier volle Stunden von einem Ort zum andern . Fünf bis sechs Verwalter , Schreiber usw. waren immer neben und hinter dem Wagen , und mußten bald eine Herde Kühe , bald eine Herde Schafe oder Schweine herbeiholen . Da indessen einige der Gesellschaft nicht länger verhehlen konnten , daß ihnen nach einem Imbiß verlange , sagte Frau von Friedland : › Wir sind sehr bald zu Hause ; wollen Sie aber im Freien essen , kann ich Ihnen sogleich etwas schaffen . ‹ Als wir letzteres versicherten , ging es sofort in einen prächtigen Wald hinein , einen steilen Berg hinauf , wo wir erst ein Feuer und bald darauf eine gedeckte Tafel erblickten , auf einem Platze , wo wir im Vordergrunde dichte Waldung , zur Seite einen großen See und in der Ferne eine weite Aussicht in das herrliche Oderbruch hatten . Eine Menge von Schüsseln , die schönsten Weine , und ein Dessert von Ananas , Weintrauben usw. ward aufgetragen . Aber sie ließ uns zum Essen und Trinken nicht eben viel Zeit . Es ging bald wieder fort , von einer Feldflur zur andern , und so waren wir gewiß fünfzehn Meilen die Kreuz und Quer gefahren , ehe wir auf ihrem gewöhnlichen Wohnsitze , auf Schloß Cunersdorf , ankamen . Sie hat außerdem noch sieben bis acht völlig eingerichtete Wohnungen , wo sie , wie es ihr einfällt , mittag oder nachts bleibt . Ihre Leute wissen es keine Stunde vorher , wo sie essen oder schlafen will . « Im weiteren Verlauf der Schilderung , die Thaer von ihr entwirft , heißt es an anderer Stelle : » Heute von morgens sechs Uhr an , bis jetzt , abends zehn Uhr , hat sie uns nicht fünf Minuten Ruhe gelassen . Wir haben gewiß vier Spann Pferde müde gefahren . So etwas von Aktivität ist mir noch nie vorgekommen . Sie hat über ein Dutzend Verwalter , Schreiber und Meier , und dennoch kennt sie jeden kleinen Gartenfleck , jeden Baum , jedes Pferd , jede Kuh , und bemerkt jeden kleinen Fehler , der in der Bestellung vorgefallen ist , jede Lücke in einer Hecke , jeden falschgestellten Pflug . Sie hat nicht nur mehrere große Branntweinbrennereien und Brauereien , sondern betreibt auch ein starkes Mühlengewerbe , weshalb sie sich förmlich in das Müllergewerk hat einschreiben lassen , so daß sie das Meisterrecht hat , und Lehrburschen ein- und losschreiben kann . « Diese Schilderungen , sowohl die Thaerschen wie die von Marwitz herrührenden , deuten bereits den Punkt an , worin Frau von Friedland ganz besonders hervorragte ; ich meine ihr Organisations- und Erziehungstalent , ihre Gabe , Leute aus dem Bauernstande zu treuen und tüchtigen Verwaltern , Förstern und Jägern heranzubilden . Sie zeigte dabei ebensoviel Menschenkenntnis , wie sie zugleich ihrerseits Gelegenheit fand , sich von der Bildungsfähigkeit der hier lebenden deutsch-wendischen Mischrasse zu überzeugen . Die meisten und besten Grundstücke der Herrschaft Cunersdorf-Friedland gehörten jenem Teile des Oderbruchs an , der erst durch die von Friedrich dem Großen ausgeführte Odermelioration dem Wasser und Sumpf abgerungen wurde . Diese Grundstücke waren nicht sofort fruchtbar , mehrere Dezennien vergingen , ehe bei dem damaligen mangelhaften Zustande des Ackerbaus in unserer Provinz auf diesem eroberten Grund und Boden auch nur mäßige Ernten erzielt werden konnten . Hier treten uns nun die ganz besonderen Verdienste der Frau von Friedland entgegen . Aber auch verwandten Gebieten wandte sie ihre Aufmerksamkeit und ihren Eifer zu . Ihre Baumschulen , ihre Pflanzungen erregten Erstaunen , sowie denn z.B. im Frühjahr 1803 ein Vorrat von fünfundzwanzig Wispeln Kienäpfel zur Aussaat sich vorfand . Auch auf Verschönerungen war sie feinen Sinnes bedacht , und die reizenden Partien zwischen Buckow und Pritzhagen , die » Springe « , die » Silberkehle « und andere Glanzpunkte der Märkischen Schweiz sind , ihrer ersten Anlage nach , ihr Werk . Durch Umsicht , Sorgsamkeit und Anspannung aller ihr zur Verfügung stehenden Mittel den Reichtum des Bruchbodens gefördert und seine Naturkräfte lebendig gemacht zu haben , wird immer ein besonderes und nicht leicht zu überschätzendes Verdienst dieser ausgezeichneten Frau verbleiben . Was sie tat , wurde Beispiel , weckte Nacheiferung und wurde , wie ihr zum Nutzen , so dem ganzen Landesteile zum Segen . Sie starb noch nicht neunundvierzig Jahre alt am 23. Februar 1803 infolge einer heftigen Erkältung , die sie sich , zu rascher Hilfe herbeieilend , bei einem in der Nähe von Cunersdorf ausgebrochenen Feuer zugezogen hatte . Ihr Gedächtnis lebt segensreich in jenen Oderbruchgegenden fort , die ihrem Vorbild , ihrem Rat und ihrer Hilfe so viel verdanken . Graf