wie ich ihn kenne , wird wohl mit diesem Römer-Gotenstaate sich versöhnen . Der schwarze Teja aber , denk ' ich , zieht mit mir davon . « * * * Am Abend durchlief die Stadt das Gerücht von einer Kapitulation . Die Bedingungen waren ungewiß . Aber gewiß war , daß Belisar auf Verlangen des Königs große Vorräte von Brot , Fleisch und Wein in die Stadt schickte , welche an die Armen verteilt wurden . » Er hat Wort gehalten ! « sagten diese und segneten den König . Dieser erkundigte sich nun nach dem Befinden der Königin und erfuhr , daß sie sich langsam wieder beruhige und erhole . » Geduld « : sprach Witichis aufatmend - » auch sie wird bald frei und meiner ledig . « Es dunkelte bereits , als eine starke Schar berittener Goten sich aus der innern Stadt nach der Mauerlücke am Turm des Aëtius wandte . Ein langer Reiter voran : dann eine Gruppe , die auf quergelegten Lanzen eine mit Tüchern und Mänteln verhüllte Last in schweren Kisten trug . Dann der Rest der stark gerüsteten Männer . » Auf mit dem Notriegel ! « rief der Führer , » wir wollen hinaus . « » Du bist es , Hildebad ? « rief der Wache haltende Graf Wisand , und gab Befehl zu öffnen . » Weißt du schon , die Stadt wird morgen übergeben . Wo willst du hin ? « » In die Freiheit ! « rief Hildebad und gab seinem Roß die Sporen . Dreiundzwanzigstes Kapitel . Mehrere Tage waren vergangen , bis die Königin Mataswintha sich aus den wirren Fieberphantasien und aus dem von wilden Träumen gequälten Schlummer , der auf dieselben gefolgt war , erhoben hatte . Teilnahmslos und stumpf stand sie der ganzen Außenwelt und den gewaltigen Entscheidungen gegenüber , die sich damals vorbereiteten . Sie schien keine Empfindung mehr zu haben , als das eine Gefühl ihrer ungeheuern frevelhaften Taten . Und rasch hatte sich der wild frohlockende Triumph des Hasses , mit dem sie die Fackel in der Hand , durch die Nacht gestürmt war , in zerstörende Reue , in Grauen und Entsetzen verwandelt . In dem Augenblick , da sie die arge Tat getan , hatte sie der Erdstoß in die Kniee geworfen : und ihr von allen Leidenschaften erregter Sinn , ihr im Augenblick des vollendeten Frevels erwachendes Gewissen glaubte , die Erde wolle sich über ihre Untat empören : sie sah die Rache des Himmels hereinbrechen über ihr schuldiges Haupt . Und als sie nun , in ihrem Gemache wieder angelangt , alsbald die Lohe , die ihre Hand entzündet , riesengroß emporsteigen sah , als sie das tausendstimmige Wehegeschrei der Ravennaten und Goten vernahm , da schien jede Flamme an ihrem Herzen zu nagen und jede der klagenden Stimmen sie zu verfluchen . Sie verlor das Bewußtsein : sie brach zusammen unter den Folgen ihrer Tat . Als sie die Besinnung wiedergefunden und sich allmählich des Geschehenen wieder erinnert hatte , war die Kraft ihres Hasses gegen den König völlig gebrochen . Ihre Seele war geknickt . Tiefste Reue über ihre Tat , zitternde Scheu , je wieder vor sein Antlitz treten zu sollen , erfüllte sie ganz . Um so mehr , als sie selbst wußte und von allen Seiten vernahm , wie der Untergang der Speicher den König zur Ergebung an seine Feinde zwingen werde . Ihn selber sah sie nicht . Auch als er einmal einen Augenblick Zeit fand , selbst nach ihrem Zustand in ihren Gemächern sich zu erkundigen , beschwor sie die staunende Aspa , um keinen Preis den König vor ihr Antlitz treten zu lassen : obwohl sie wieder seit mehreren Tagen das Lager verlassen und häufig arme Leute aus der Stadt empfangen hatte , ja die Darbenden auffordern ließ , sich bei ihr zu melden . Sie pflegte dann eigenhändig die für sie und ihren Hof bestimmten Speisen und mit maßloser Freigebigkeit Schmuck , Gold und Kostbarkeiten an sie zu verteilen . Solchen Besuch eines Bettlers erwartete sie , als ein Mann in braunem Mantel und einer Sturmhaube wiederholt und dringend sie um die Gnade gebeten hatte , sie möchte nicht ihm , sondern einer armen Frau ihres Volkes die Gunst einer Unterredung ohne Zeugen gewähren . » Es gelte des Königs Heil : es gelte zu warnen vor tätigem , überführbarem Verrat , der seine Krone , vielleicht sein Leben , bedrohe . Mataswintha gewährte eifrig die Bitte . - « Mochte es ein Irrtum , ein Vorwand sein : sie durfte nicht mehr abweisen , was auch nur mit dem Vorwand seiner Rettung an sie trat . Auf Sonnenuntergang bestellte sie das Weib . - Die Sonne war gesunken . Der Süden kennt fast keine Dämmerung . Es war finster beinahe , als der schon lange im Vorsaal harrenden Frau eine Sklavin winkte . Die Königin , krank und schlaflos des Nachts , habe erst zur achten Stunde Schlummer gefunden . Eben erst erwacht , sei sie sehr schwach . Gleichwohl solle die Bittende vorgelassen werden , da es dem König gelte . » Ist das aber auch gewiß wahr ? « forschte die Sklavin . » Nicht unnütz möcht ' ich meine Herrin mühen « : - es war Aspa - » wenn Ihr nur Gold damit erlisten wolltet , sagt es mir frei . Ihr sollt mehr haben , als Ihr begehrt : - nur schont meine Herrin . Gilt es dem König wirklich ? « » Es gilt dem König ! « Seufzend führte Aspa die Frau in das Gemach Mataswinthens . Diese erhob sich , das Haupt und Haar von dichtem Tuch umwunden , ganz in leichtes , weißes Krankengewand gekleidet , im Hintergrund des großen Gemaches von dem Lager , an welchem ein runder Mosaiktisch stand . Die goldene Ampel , die über demselben in die Wand eingelassen war , brannte bereits mit mattem Licht . Sie blieb auf dem Rand des Lagers müde sitzen . » Tritt näher , « sprach sie . » Es gilt dem König ? warum zögerst du ? Rede . « Das Weib deutete auf Aspa . » Sie ist verschwiegen und treu . « - » Sie ist ein Weib . « Auf einen Wink Mataswinthens entfernte sich ungern das Mädchen . » Amalungentochter - ich weiß : nur des Reiches Not , nicht Liebe , hat dich zu ihm geführt . ( Wie wunderschön sie istobzwar todesblaß ! ) Doch , Gotenkönigin bist du : seine Königin - ob du ihn auch nicht liebst : - sein Reich , sein Sieg muß dir das Höchste sein . « Mataswintha griff nach der Goldlehne des Lagers . » So denkt jede Bettlerin im Gotenvolk ! « seufzte sie . » Zu ihm kann ich nicht sprechen . Aus eignen Gründen . So sprech ' ich denn zu dir , der es am meisten zusteht , ihn vor Verrat zu warnen . Höre mich . « Und sie trat näher , scharf auf die Königin blickend . » Wie seltsam , « sprach sie zu sich selbst . » Welche Ähnlichkeit der Gestalt . « » Verrat ! Noch mehr Verrat ? « - » So ahnst auch du Verrat ? « - » Gleichviel . Von wem ? Von Byzanz ? Von außen ? Von dem Präfekten ? « » Nein , « sprach das Weib kopfschüttelnd . » Nicht von außen . Von innen . Nicht von einem Mann . Von einem Weib . « » Was redest du ? « sprach Mataswintha , noch bleicher werdend . » Wie kann ein Weib - « » Dem Helden schaden ? Durch höllische Bosheit des Herzens ! Nicht mit Gewalt . Mit List und Verrat . Vielleicht bald mit heimtückischem Gift oder , wie schon geschehen - mit heimtückischem Feuer . « » Halt ein ! « Mataswintha , die sich erhoben hatte , wankte zurück an den Mosaiktisch , sich daran lehnend . Aber das Weib folgte ihr , leise flüsternd : » Wisse das Unglaubliche , das Schändliche ! Der König glaubt und das Volk : der Blitz des Himmels habe sein Korn verbrannt . Ich aber weiß es besser . Und auch Er soll es wissen . Wissen , gewarnt durch deinen Mund , zu erforschen und zu entwaffnen die Bosheit . Ich sah in jener Nacht eine Fackel durch die Speichergänge eilen , und ein Weib hat sie hineingeschleudert . Du schauderst ? Ja , ein Weib . Du willst hinweg ? Nein , höre nur noch ein Wort . Dann will ich dich lassen . Den Namen ? Ich weiß ihn nicht . Aber sie brach vor mir zusammen und entkam mir : doch verlor sie als Wahrzeichen , als Erkennungszeichen - diese Schlange von Smaragd . « Und die Frau trat hart an den Tisch , dicht unter den Schein der Ampel , den Armreif erhebend . Da fuhr die Gepeinigte hoch empor . Vor das Antlitz hob sie die beiden nackten Arme . - Von der hastigen Bewegung fiel die Kopfhülle . Ihr rotes Haar flutete nieder , und durch das Haar hindurch schimmerte an ihrem linken Arm deutlich eine Goldspange mit smaragdner Schlange . » Ah ! « schrie das Weib laut auf . » Beim Gott der Treue ! Du ! Du selber bist ' s ! Seine Königin ! Sein Weib hat ihn verraten ! Fluch über dich ! Das soll er wissen ! « Mit gellendem Aufschrei fiel Mataswintha auf ihr Antlitz in die Kissen zurück . Der Schrei brachte Aspa aus dem Nebengemach zur Stelle . Aber als sie eintrat , war die Königin schon allein . Der Vorhang des großen Eingangs rauschte . Die Bettlerin war verschwunden . Vierundzwanzigstes Kapitel . Am andern Morgen schon sahen die Ravennaten mit Staunen Prokop , Johannes , Demetrius , Bessas , Acacius , Vitalius und eine Reihe andrer belisarischer Heerführer in den Palast des Königs ziehen . Sie berieten dort mit ihm die näheren Bedingungen und die Formen der Übergabe . Unter den Goten verlautete einstweilen nur : der Friede sei geschlossen . Die beiden Hauptwünsche , um deren willen das Volk den ganzen schweren Kampf getragen , würden erreicht : sie würden frei sein und im ungeteilten Besitz des fruchtbaren Südlands bleiben , das ihnen so teuer geworden war . Das war weitaus mehr als nach dem schlimmen Stand der gotischen Sache seit dem Abzug von Rom und dem unvermeidlich gewordnen Verlust von Ravenna zu erwarten war . Und die Häupter der Sippen und sonst die einflußreichsten Männer im Heere , die jetzt von dem bevorstehenden Schritt Belisars verständigt wurden , billigten vollständig die beschlossenen Bedingungen . Die wenigen , welche die Zustimmung weigerten , erhielten freien Abzug aus Ravenna und Italien . Aber auch abgesehen hiervon , wurde das in Ravenna stehende Gotenheer nach allen Richtungen zerstreut . Witichis sah die Unmöglichkeit ein , in der ausgesogenen Landschaft außer den Truppen Belisars mit dessen Vorräten auch noch das gotische Heer und die Bevölkerung zu versorgen : und so bewilligte er die Forderung Belisars , daß die Goten , in Gruppen von Hunderten und Tausenden , zu allen Toren der Stadt hinausgeführt und in allen Richtungen nach ihren Heimstätten entlassen würden . Belisar fürchtete den Ausbruch gotischer Verzweiflung , wenn der arge Verrat , den man vorhatte , ruchbar würde : und er wünschte deshalb die Verteilung des aufgelösten Heeres . War er einmal im sichern Besitz von Ravenna , so hoffte er etwaige Erhebungen auf dem flachen Lande leicht zu dämpfen . Und Tarvisium , Verona und Ticinum , die letzten festen Plätze der Goten in ganz Italien , konnten dann nicht lange mehr seiner gesamten gegen sie gewendeten Macht widerstehen . Die Ausführung dieser Maßregeln erforderte mehrere Tage Zeit . Erst als nur mehr wenige Mann Goten in Ravenna versammelt waren , beschloß Belisar seinen Einzug . Und auch von diesem geringen Rest wurde die Hälfte in das byzantinische Lager verlegt , die andre Hälfte in den Quartieren der Stadt verteilt unter dem Vorwand , den etwaigen Widerstand von hartnäckigen Anhängern Justinians zu brechen . Was aber die Ravennaten und die in den Plan nicht eingeweihten Goten am meisten wunderte , war , daß nach wie vor die blaue gotische Fahne auf den Zinnen des Palastes wehte . Freilich stand ein Lanzenträger Belisars dort oben bei ihr Wache . Denn auch der Palast war schon voll von Byzantinern . Gegen einen etwaigen Versuch des Präfekten , sich wie in Rom durch Besetzung der wichtigsten Punkte zum Herrn der Stadt zu machen , hatte Belisar vorsichtige Maßregeln getroffen . Cethegus durchschaute sie und lächelte . Er tat nichts dagegen . Am Morgen des zum Einzug bestimmten Tags trat Cethegus in glänzender Rüstung in das Zelt Belisars . Er traf nur Prokop . » Seid ihr bereit ? « fragte er . » Vollständig . « - » Welches ist der Moment ? « - » Der Augenblick , in dem der König im Schloßhof zu Pferde steigt , uns entgegenzureiten . Wir haben alles bedacht . « » Wieder einmal alles ? « lächelte der Präfekt . » Eins habt ihr mir doch noch übriggelassen . Es wird nicht ausbleiben , daß die Barbaren , sowie unser Plan gelungen und bekannt ist , im ganzen Land in heller Wut auflodern werden . Mitleid und Rachedurst für ihren König könnten sie zu sehr wilden Taten . Die ganze Begeisterung für Witichis und die Entrüstung gegen uns würde nun im Keim erstickt , und die Goten sähen sich nicht von uns , sondern von ihrem König verraten , wenn dieser selbst schriftlich bezeugen würde , er habe die Stadt nicht an Belisar als Gotenkönig und Rebellen gegen Justinian , sondern einfach an den Feldherrn Justinians übergeben . Jene Empörung Belisars , die ja auch wirklich ausbleibt , erscheint dann den Goten als eine bloße von ihrem König ersonnene Lüge , die Schande der Ergebung ihnen zu verhüllen . « » Das wäre vortrefflich ; aber Witichis wird das nicht tun . « » Wissentlich schwerlich . Aber vielleicht unwissentlich . Ihr habt ihn den Vertrag doch nur im Original unterschreiben lassen ? « » Er hat nur einmal unterschrieben . « » Diese Urkunde ist in seinem Besitz ? Gut , ich werde ihn hier dies von mir aufgesetzte Duplikat unterzeichnen lassen , auf daß auch Belisar , « lächelte er , » das wertvolle Schriftstück besitze . « Prokop blickte hinein . - » Wenn er das unterzeichnet , hebt sich freilich kein gotisch Schwert mehr für ihn . Aber - « » Laß die Aber mich besiegen . Entweder unterschreibt er heute freiwillig , im Drang des Augenblicks , ohne zu lesen « - » Oder ? « » Oder , « vollendete Cethegus finster , » er unterschreibt später . Unfreiwillig . - - Ich eile voraus . Entschuldige , wenn ich euern Triumphzug nicht begleite . Meinen Glückwunsch an Belisar . « Aber da trat Belisar in das Zelt . Antonina folgte ihm . Er war nicht gerüstet und blickte düster vor sich hin . » Eile , Feldherr , « mahnte Prokop , » Ravenna harrt ihres Besiegers . Der Einzug - « » Nichts von Einzug , « sprach Belisar grimmig . » Ruf ' die Soldaten ab . Mich reut der ganze Handel . « Cethegus blieb an dem Ausgang des Zeltes stehen . » Belisar ! « rief Prokop entsetzt , » welcher Dämon hat dir das eingeblasen ? « » Ich ! « sagte Antonina stolz , » was sagst du nun ? « » Ich sage , daß große Staatsmänner keine Frauen haben sollten ! « rief Prokop ärgerlich . » Belisar entdeckte mir erst in dieser Nacht euer Vorhaben . Und ich hab ' ihn unter Tränen ... - « » Versteht sich , « brummte Prokop , » die kommen stets zu rechter Zeit . « - » Unter Tränen beschworen , abzustehen . Ich kann meinen Helden nicht von so schwarzem Verrat befleckt sehen . « » Und ich will ' s nicht sein . Lieber reit ' ich besiegt im Orkus ein , denn also als ein Sieger in Ravenna . Meine Briefe an den Kaiser sind noch nicht abgegangen . - Also ist ' s noch Zeit . « » Nein , « sagte Cethegus herrisch , von der Tür ins Zelt schreitend . » Zum Glück für dich ist ' s nicht mehr Zeit . Wisse : ich habe schon vor acht Tagen an den Kaiser geschrieben , ihm alles mitgeteilt und Glück gewünscht , daß sein Feldherr ohne mindesten Verlust Ravenna gewonnen hat und der Krieg beendet . « » Ah , Präfekt , « rief Belisar . » Du bist ja sehr dienstfertig . Woher dieser Eifer ? « » Weil ich Belisarius kenne und seinen Wankelmut . Weil man dich zu deinem Glücke zwingen muß . Und weil ich ein Ende dieses Krieges will , der mein Italien zerfleischt . « Und drohend trat er gegen die Frau heran , die auch jetzt der dämonischen beherrschenden Gewalt seines Blickes nicht zu entgehen vermochte . » Wag ' es , versuch ' es jetzt ! Tritt zurück , enttäusche Witichis und opfre einer Grille deines Weibes Ravenna , Italien und dein Heer . Siehe zu , ob dir das Justinianus je vergeben kann . Auf Antoninas Seele diese Schuld ! Horch , die Trompeten rufen : rüste dich ! Es bleibt dir keine Wahl ! « Und er eilte hinaus . Bestürzt sah ihm Antonina nach . » Prokop , « fragte sie dann , » weiß es der Kaiser wirklich schon ? « » Und wenn er es noch nicht wüßte , - zu viele sind schon in das Geheimnis eingeweiht . Nachträglich erfährt er jedenfalls , daß Ravenna und Italien sein war , und - daß Belisar um die Gotenkrone , die Kaiserkrone warb . Nur daß er sie erlangt und - abliefert , kann ihn rechtfertigen vor Justinian . « » Ja , « sagte Belisar seufzend , » er hat recht . Es bleibt mir keine Wahl . « » So geh , « sprach Antonina eingeschüchtert . » Mir aber sei ' s erlassen , bei diesem Einzug dich zu begleiten : - es ist ein Schlingenlegen , kein Triumph ! « * * * Die Bevölkerung von Ravenna , wenn auch im Unklaren über die näheren Bestimmungen , war doch gewiß , daß der Friede geschlossen und den langen und schweren Leiden des verheerenden Kampfes ein Ende gemacht sei . Und die Bürger hatten in aufatmender Freude über diese Erlösung die Trümmer , die das Erdbeben auf sehr viele Straßen geworfen , hinweggeräumt und ihre befreite Stadt festlich geschmückt . Laubgewinde , Fahnen und Teppiche zierten die Straßen , das Volk drängte sich auf den großen Fora , in den Lagunenkanälen und in den Bädern und Basiliken in freudiger Bewegung , begierig , den Helden Belisar und das Heer zu sehen , die so lange ihre Mauern bedroht und endlich die Barbaren überwunden hatten . Schon zogen starke Abteilungen von Byzantinern stolz und triumphierend ein , während die in schwachen Zahlen überall zerstreuten gotischen Posten mit Schweigen und mit Widerwillen die verhaßten Feinde in die Residenz Theoderichs einrücken sahen . In dem ebenfalls reichgeschmückten Königspalast versammelten sich die vornehmsten Goten in einer Halle neben den Gemächern des Königs . Dieser bereitete sich , als die für den Einzug Belisars anberaumte Stunde nahte , die königlichen Kleider anzulegen : - mit Befriedigung , denn es war ja das letztenmal , daß er die Abzeichen einer Würde tragen sollte , die ihm nur Schmerz und Unheil gebracht . » Geh ' , Herzog Guntharis , « sprach er zu dem Wölsung , » Hildebad , mein ungetreuer Kämmerer , hat mich verlassen . Vertritt du dies eine Mal seine Stelle : die Diener werden dir im Königsschatz die goldene Truhe zeigen , die Krone , Helm und Purpurmantel , Schwert und Schild Theoderichs verwahren . Ich werde sie heute zum ersten- und letztenmal anlegen , sie dem Helden abzuliefern , der sie nicht unwürdig tragen wird . Was gibt es dort für Lärm ! « » Herr , ein Weib , « antwortete Graf Wisand , » eine gotische Bettlerin . Sie hat sich schon dreimal herangedrängt . Sie will ihren Namen dir nur nennen ! Weise sie hinaus ! - « » Nein , sagt ihr , ich will sie hören : - heute abend soll sie im Palast nach mir fragen . « Als Guntharis das Gemach verlassen , trat Bessas ein mit Cethegus . Der Präfekt hatte diesem , ohne ihn einzuweihen , die Abschrift des Vertrages übergeben , die der Gotenkönig noch unterschreiben sollte . Aus dieser unverdächtigen Hand , glaubte er , würde jener die Urkunde argloser nehmen . Witichis begrüßte die Eintretenden . Bei dem Anblick des Präfekten flog über sein Antlitz , das heute heller als seit langen Monden glänzte , ein dunkler Schatte . Doch bezwang er sich und sprach : » Du hier , Präfekt von Rom ? Anders hat dieser Kampf geendet als wir meinten ! Jedoch , du kannst auch damit zufrieden sein . Wenigstens kein Griechenkaiser , kein Justinianus wird dein Rom beherrschen . « » Und soll es nicht , solange ich lebe . « » Ich komme , König der Goten , « fiel Bessas ein , » dir den Vertrag mit Belisar zur Unterschrift vorzulegen . « » Ich hab ' ihn schon unterschrieben . « - » Es ist die für meinen Herrn bestimmte Doppelschrift . « » So gib , « sprach Witichis und wollte das Pergament aus des Byzantiners Hand nehmen . Da trat Herzog Guntharis mit den Dienern eilfertig ins Gemach : » Witichis , « rief er , » der Königsschmuck ist verschwunden . « » Was ist das ? « fragte Witichis . » Hildebad allein führte die Schlüssel davon . « » Die ganze Goldtruhe , auch noch andere Truhen sind fort . In der leeren Nische , da sie sonst standen , lag dieser Streif Pergament . Es sind die Schriftzüge von Hildebads Schreiber . « Der König nahm und las : » Krone , Helm und Schwert , Purpur und Schild Theoderichs sind in meinem Gewahrsam . Wenn Belisar sie will , soll er sie von mir holen . Die Rune H - für Hildebad . « » Man muß ihn verfolgen , « sagte Cethegus finster , » bis er sich fügt . « Da eilten Johannes und Demetrius herein . » Eile dich , König Witichis , « drängten sie . » Hörst du die Tubatöne ? Belisar hat schon die Porta des Stilicho erreicht . « » So laßt uns gehn , « sprach Witichis , ließ sich von den Dienern den Purpurmantel , den sie statt des verschwundenen mitgebracht , um die Schultern werfen und drückte einen goldenen Reif auf das Haupt . Statt des Schwertes reichte man ihm ein Zepter . Und so wandte er sich zur Tür . » Du hast nicht unterschrieben , Herr , « mahnte Bessas . » So gib , « und er nahm die Schrift jetzt aus der Hand des Byzantiners . » Die Urkunde ist sehr lang , « sagte er hineinblickend und hob an zu lesen . » Eile , König , « mahnte Johannes . » Zum Lesen ist nicht mehr Zeit , « sagte Cethegus gleichgültig und reichte ihm die Schilffeder von dem Tisch . » Dann auch nicht mehr zum Schreiben , « antwortete der König . » Du weißt : ich war ein König nach Bauernart , wie die Leute sagten . Bauern unterschreiben keine Zeile , ehe sie genau gelesen : gehen wir . « Und lächelnd gab er die Urkunde an den Präfekten und schritt hinaus . Die Byzantiner und alle Anwesenden folgten . Cethegus drückte das Pergament zusammen : » Warte nur , « flüsterte er grimmig , » du sollst doch noch unterschreiben . « Langsam folgte er den andern . Die Halle vor dem Gemach des Königs war bereits leer . Der Präfekt schritt hinaus auf den gewölbten Bogengang , der im Viereck den ersten Stock des Palastes umgab , und dessen byzantinisch-romanische Rundbogen den freien Blick in den weiten Hofraum gewährten . Derselbe war von Bewaffneten dicht gefüllt . An allen vier Toren standen die Lanzenträger Belisars . Cethegus lehnte hinter einem Bogenpfeiler und sprach , dem Gang der Ereignisse folgend , mit sich selbst : » Nun , Byzantiner genug , um ein kleines Heer gefangen zu nehmen ! Freund Prokop ist vorsichtig Da ! - Witichis erscheint im Portal ! Seine Goten sind noch weit hinter ihm auf der Treppe . Des Königs Pferd wird vorgeführt . - Bessas hält dem König den Bügel . - Witichis tritt heran , er hebt den Fuß . - Jetzt ein Trompetenstoß . - Die Treppentüre des Palastes fällt zu und schließt die Goten in den Treppenbau . Auf dem Dache reißt Prokop das Gotenbanner nieder . - Johannes faßt seinen rechten Arm , brav Johannes . - Der König ruft : Verrat , Verrat ! Er wehrt sich mächtig . - Aber der lange Mantel hemmt ihn . - Da , da , er strauchelt . - Er stürzt zu Boden . - Da liegt das Reich der Goten . « - - - * * * » Da liegt das Reich der Goten ! « Mit diesen Worten begann auch Prokop die Sätze , die er an diesem Abend in sein Tagebuch eintrug : » Ein wichtig Stück Weltgeschichte hab ' ich heut bei Tage machen helfen und zeichne ich nun nachts hier ein . Als ich heute das römische Heer seinen Einzug halten sah in die Tore und Königsburg von Ravenna , kam mir abermals der Gedanke : nicht Tugend oder Zahl oder Verdienst entscheidet den Erfolg in der Geschichte . Es gibt eine höhere Gewalt , die unentrinnbare Notwendigkeit . An Zahl und an Heldentum waren uns die Goten überlegen : und sie haben es nicht fehlen lassen an irgend denkbarer Anstrengung . Die gotischen Frauen in Ravenna schmähten heute ihre Männer laut ins Angesicht , als sie die kleinen Gestalten , die nicht zahlreichen Scharen unserer einziehenden Truppen sahen . Summa : in gerechtester Sache , in heldenmütigster Anstrengung kann ein Mann , kann ein Volk doch erliegen , wenn übermächtige Gewalten entgegentreten , die durchaus nicht immer das bessere Recht für sich haben . Mir schlug das Herz im Bewußtsein des Unrechts , als ich das Gotenbanner heute niederriß und den Golddrachen Justinians an seine Stelle setzte , die Fahne des Unrechts erhob über dem Banner des Rechts . Nicht die Gerechtigkeit , eine unserem Denken undurchdringbare Notwendigkeit beherrscht die Geschicke der Menschen und der Völker . Aber den rechten Mann macht das nicht irre . Denn nicht was wir ertragen , erleben und erleiden - wie wir es tragen , das macht den Mann zum Helden . Ehrenvoller ist der Goten Untergang denn unser Sieg . Und diese Hand , die sein Banner herabriß , wird den Ruhm dieses Volkes aufzeichnen für die kommenden Geschlechter . Jedoch , wie immer dem sei : - da liegt das Reich der Goten . « Fünfundzwanzigstes Kapitel . Und so schien es . Auf das glücklichste war , dank den Maßregeln Prokops , der Streich gelungen . Im Augenblick , da auf dem Turme des Palastes die Fahne der Goten fiel und der König ergriffen ward , sahen sich die überraschten Goten überall im Schloßhof , in den Straßen und Lagunen der Stadt , im Lager von weit überlegenen Kräften umstellt : ein Rechen von Lanzen starrte ihnen überall entgegen : fast ausnahmslos legten die Betäubten die Waffen nieder : - die wenigen , welche Widerstand versuchten , - so die nächste Umgebung des Königs - , wurden niedergestoßen . Witichis selbst , Herzog Guntharis , Graf Wisand , Graf Markja und die mit ihnen gefangenen Großen des Heeres wurden in getrennten Gewahrsam gebracht , der König in den » Zwinger Theoderichs « : einen tiefen , starken Turm des Palastes selbst . Belisars Zug von dem Tore Stilichos nach dem Forum des Honorius wurde nicht gestört . Im Palast angelangt , berief er den Senat , die Decurionen der Stadt , und nahm sie in Eid und Pflicht für Kaiser Justinianus . Prokopius wurde mit den goldenen Schlüsseln von Neapolis , Rom und Ravenna nach Byzanz gesendet . Er sollte ausführlichen Bericht erstatten und für Belisar Verlängerung des Amtes erbitten bis zur demnächst zu erwartenden völligen Beruhigung Italiens und hierauf , wie nach dem Vandalenkrieg , die Ehre des Triumphes , unter Aufführung des gefangenen Königs der Goten im Hippodrom . Denn Belisar sah den Krieg für beendet an . Cethegus teilte beinah diesen Glauben . Doch fürchtete er in den Provinzen den Ausbruch gotischen Zornes über den geübten Verrat . Er sorgte daher dafür , daß über die Art des Falles der Stadt vorläufig keine Kunde durch die Tore drang : und er suchte eifrig im Geiste nach einem Mittel , den gefangenen König selbst als ein Werkzeug zur Dämpfung des etwa neu auflodernden Nationalgefühls zu verwerten . - Auch bewog er Belisar , Hildebad , der in der Richtung nach Tarvisium entkommen war , durch Acacius mit den persischen Reitern verfolgen zu lassen . Vergebens versuchte er , die Königin zu sprechen . Sie hatte sich seit jener Nacht der Schrecken noch immer nicht ganz erholt und ließ niemand vor . Auch die Nachricht von dem Falle der Stadt hatte sie mit dumpfem Schweigen hingenommen . Der Präfekt bestellte ihr eine Ehrenwache - um sich ihrer zu versichern . Denn er hatte noch große Pläne mit ihr vor . Dann