fragte Witiko . » Als ich nach einer langen Krankheit die Besorgung der Kirche meiner Gläubigen aufgeben mußte « , sagte Benno , » habe ich angefangen , in meiner Stube aufzuschreiben , was den hocherhabenen Kaisern begegnet ist , da sie noch lebten , und ich fahre darin fort , und werde darin fortfahren , bis ich auf den Kaiser unserer Zeit komme , wenn mir Gott das Leben so lange fristet . « » Da können viele lernen , denen die Worte bekannt werden « , sagte Witiko . » Ich habe daraus gelernt « , antwortete Benno , » die Menschen lernen aber nicht gerne aus den Schicksalen anderer . « » Silvester sagte , sie handeln nach ihrer Lust « , sprach Witiko . » Davon ist das Unglück des Landes Böhmen ein Zeuge « , antwortete Benno , » sie üben Rache und ergötzen sich an der Grausamkeit der Rache , sie reißen Güter mit Gewalt an sich , und genießen die Güter mit Übermut . Dann kömmt ein anderer , und rächt sich an ihnen und nimmt die Güter wieder , oder ein starker Herzog wirft die Empörer nieder , zieht ihr Gut an sich , und stürzt sie in Ohnmacht . Und die nach ihnen kommen , üben wieder Rache , üben wieder Gewalt , und werden wieder gestürzt . So ist es oft gewesen , und so wird es wieder sein , wenn nicht ein fester Brauch errichtet wird , wie der Herzog nach dem Tode des frühern Herzoges folgen soll , und wenn nicht der heilige Glaube tief gegründet , und in schönen Ordnungen durch das ganze Land geleitet wird , daß er die Herzen erleuchtet . Möge der Segen des Himmels auf Guido , dem Gesandten des Heiligen Vaters , ruhen , der erwartet wird . « » Viele erwarten ihn mit Ungeduld « , sagte Witiko . » Mögen sie aber auch seinem Tun entgegen kommen « , sprach Benno . » Mein Kind , wenn du nicht anders als in deiner frühen Jugend bist , so wirst du gewiß nicht Hochmut , Raub und Unterdrückung üben . Und dir wird ein großes Gut entstehen , die Liebe der Deinen , und dazu wird der Himmel sich freuen . Aber auch deine Macht wird sich vermehren , wenn man gleich ihre Vermehrung nicht sieht . In jedem Baume deines Waldes wächst dir Reichtum empor , und in jedem Baume wächst deinen Untertanen Reichtum empor , an ihrem Reichtume wirst du reicher , und in ihrer Willigkeit wirkst du in das Schicksal unseres Landes . Du wirst auch die Gebote unseres Glaubens hegen , und ihn in seinen Dienern weiter unter die Deinigen verbreiten , und ein viel höherer Lohn des Herrn wird dich dereinst erwarten , als hienieden irdische Macht ist . Und wenn nach dir wieder Männer kommen , die so sind , so wird ein Geschlecht entstehen , schöner und herrlicher , als die Sage von deinen Vorfahrern dichtet . « » Hochehrwürdiger Vater « , sagte Witiko , » da ich ein Kind war , und da ich empor wuchs , hast du so viel zu mir gesprochen , und hast vor mir gehandelt , meine ehrwürdige Mutter hat zu mir gesprochen , und hat vor mir gehandelt , meine ehrwürdige Base hat zu mir gesprochen , und hat vor mir gehandelt , ich habe die Handlungen des guten Bischofes Regimar gesehen , und ich habe jetzt viele Handlungen gesehen , von denen einige den deinigen ähnlich , andere ihnen entgegengesetzt waren . Ich werde immer so handeln , wie es in mir bei euch allen und bei dem guten Bischofe Regimar geworden ist , und wie es sich durch das , was ich jetzt gesehen habe , noch mehr gefestigt hat . Ich habe zu meiner Mutter auf dem Kahlenberge gesagt , ich möchte ihr Genüge tun , und dann dir , Benno , und dann Silvester , und dann noch einem Menschen , und was ich gesagt habe , werde ich halten . « » Aus den Nachrichten , die Witiko gesendet hat « , sagte Wentila , » und aus den Nachrichten , die der fromme Vater Benno von Lechen und Herren erhalten hat , glauben wir , daß Witiko so ist , wie er gewesen ist , und er wird auch in der Zukunft so sein . Dieses glaubt auch der hochehrwürdige Benno , und die gute Base . « » Witiko kann ja nicht anders sein als er ist « , sagte die Base . » Ich habe dir auf dem Kahlenberge gesagt , Mutter « , antwortete Witiko , » daß der hochehrwürdige Silvester nicht alles lobt , was ich getan habe . Ich will mich nach seinen Worten richten , und werde klüger werden . Ich habe nach meinem guten Sinne gehandelt , und werde in der Zukunft nach gutem Sinne und immer besserer Einsicht handeln . « » Handle so , und das andere richtet Gott « , erwiderte Benno . » Und weil du noch von einem Menschen gesprochen hast , dem du recht tun möchtest , mein Kind , so spreche ich auch von ihm . Es wird sich jetzt erfüllen , was du in deinen Gedanken trägst . Ehre deine Gefährtin , sie wird dich wieder ehren , und ihr werdet Freude haben bis in das höchste Alter . « » Es ist der tiefste Wunsch meines Herzens , daß deine Weissagung erfüllt wird « , sagte Witiko . » Sie wird es gewiß , Kind Witiko « , sagte die Base , » und meine Augen werden es schauen . « » Nun , meine lieben Frauen « , sprach Benno , » ihr werdet noch manches mit Witiko reden wollen , ich verabschiede mich . Witiko , komme , so lange du in Landshut bist , zuweilen zu mir in meine Stube , und erlaube , daß ich auch öfter in dein Kämmerlein komme . « » Ich werde kommen « , antwortete Witiko , » und werde erfreut sein , wenn du zu mir kömmst . « » So gehabt euch alle wohl « , sagte Benno . » Gehabt Euch wohl , hochehrwürdiger Herr « , sagten die Mutter und die Base . » Gehabe dich wohl , Vater Benno « , sagte Witiko . Und der Priester Benno erhob sich von seinem Sitze , und verließ das Gemach . Wentila , Witiko und die Base sprachen noch lange und mancherlei mit einander . Dann ging Witiko wieder in die Herberge , ordnete dort verschiedene Dinge an , und sah nach den Leuten und den Tieren . Hierauf ging er in das kleine Häuschen zu der Mutter und der Base zurück . Sie hatten ein Abendessen gerichtet , verzehrten es mit einander , und Witiko legte sich dann in dem Kämmerlein seiner Kindheit auf ein Lager , das größer als damals bereitet worden war . Er blieb eine Woche in Landshut , indessen sich die Frauen und Benno zur Reise rüsteten . Er ging jeden Tag zu Benno , und Benno zu ihm . Dann begaben sich alle auf den Weg nach Pric . Die Frauen und die Dienerinnen wurden von Saumrossen in Sänften getragen . Auch das alte Mütterlein Marhild wurde mitgenommen . Die Männer ritten . Die Habschaften trugen ebenfalls Saumtiere . Als sie in Pric ankamen , waren viele Menschen versammelt , und grüßten sie mit Zurufen der Freude . Sie riefen die Namen , und wiederholten den Ruf öfter . Alle Leute des Hofes standen vor dem Tore , und grüßten die Herrin und den Herrn , und den hochehrwürdigen Vater Benno und die Base , und endlich auch die Männer des Geleites Witikos , und die Frauen des Geleites Wentilas . Als die Männer von den Pferden gestiegen waren , und die Frauen aus den Sänften gehoben hatten , führte Witiko die Mutter in die Wohnung des Hofes , welche immer die ihrige gewesen war . Dann geleitete er die Base in die zwei Gemächer , in denen sie gehauset hatte , als sie gastlich in dem Hofe Pric beherbergt worden war . Dann geleitete er Benno in die Stube , in welcher er das Buch der Kaiser aufzuschreiben begonnen hatte . Hierauf ging er erst in seine Wohnung . Die Gemächer der Mutter waren noch in dem nämlichen Stande , in dem sie gewesen waren , als sie mit ihrem Gatten in denselben gewohnt hatte . Die zwei Gemächer der Base waren daneben , und waren auch in der früheren Gestalt . Und so war auch die Stube Bennos . Witiko hatte nur eine Stube und ein Kämmerlein . Für die Unterkunft des Geleites wurde durch Gemächer und in der ersten Nacht auch durch Gezelte gesorgt . An dem Morgen nach der Ankunft gingen die Mutter , die Base , Benno und Witiko mit einem Gefolge in die Kirche , die auf einem Berge bei Pric stand . In der Kirche wurde der Gottesdienst gefeiert , und dann beteten sie auf den Gräbern des Vaters Witikos , seines Großvaters und seines Urgroßvaters . Die Gräber der anderen Vorfahrer wußte man nicht mehr . Und nach dieser heiligen Handlung begannen sie das Leben in Pric . Die Leute des Hofes , die Leute , die zu dem Gebiete des Hofes gehörten , und die Leute , die sonst in der Umgebung wohnten , kamen , und bezeugten Witiko Ehrerbietung und Huldigungen zu seiner Standeserhöhung . Er besah die Angelegenheiten des Hofes , und besprach sich mit den Seinigen darüber . Als die Blätter der Bäume abgefallen waren , ritt er an den Hof des Herzogs Wladislaw nach Prag . Er wurde von dem Herzoge mit Ehren empfangen , und wenn Rat war , zu demselben gezogen . Er saß bei den Herren und Lechen , und sprach , wenn von den Geschicken des Landes gesprochen , und über dieselben ein Entscheid eingeleitet wurde . Er durfte zu der Herzogin kommen , und wurde von ihr über sein Leben und das Leben der Seinigen befragt . Er ging zu den Herren und Lechen , die er kannte , und die in Prag waren , er ging zu Welislaw , der nach dem Tode des früheren Zupanes vom Wysehrad jetzt als Zupan auf dem Wysehrad wohnte . Er ging auch zu dem hochehrwürdigen Bischofe Otto , und wurde von ihm in dem Gemache empfangen , in welchem er einmal mit dem gewählten Bischofe Silvester geredet hatte . Er ging zu dem Baue der Kirche des heiligen Veit , und betrachtete , wie weit er gediehen sei . Er ging zu dem Kloster des heiligen Georg , und sah , wie man es wieder errichtete , und er ging an manche Stellen der Stadt und der Burgflecken , um zu sehen , was man seit der Belagerung wieder erneuere und verschönere . Er ging auch mit seinem Pergamente in die Kammer des Herzoges , und sagte , daß er keinen Wunsch einer Änderung habe . Es wurde in einem zweiten Pergamente der genauere Bestand seines Gebietes aufgeschrieben , an die beiden Pergamente hingen viele Herren und Lechen ihre Siegel , und die Pergamente wurden ihm gegeben . Er bewahrte sie in einem festen ledernen Trühelchen bei den Sachen , die ihm wert waren . Er ging auch zu verschiedenen Männern , und beriet sich mit ihnen über Dinge , die er vor hatte . Dann verabschiedete er sich von Prag , und ritt zu Silvester . Von Silvester ritt er wieder nach Pric . In Pric lebte er im Winter mit seiner Mutter , mit Benno , und mit der Base , und sie beratschlagten , was in dem Walde geschehen müsse , und was überhaupt in der Zukunft weiter zu tun sei . Im Frühlinge ritt er mit seinem Geleite in den Wald gegen Mittag . Er ritt in den Wangetschlag , und hieß seine Leute Gezelte vor dem Häuschen errichten . Als er von dem Pferde gestiegen war , wurde er von Huldrik , der sein Haupt entblößt , und seinen Nacken gebeugt hatte , in die Stube geführt . Er legte seine Haube und sein Schwert ab , setzte sich an den Tisch , und sagte : » Sei mir sehr viele Male gegrüßt , du guter alter Huldrik . « Huldrik fiel auf die Knie vor Witiko nieder , und rief : » Witiko , Witiko , ein Witiko wird kommen , und Witiko ist gekommen . « » Stehe auf , Huldrik « , sagte Witiko , » ich kann sonst nicht mit dir reden . « » Lasset mich nur Gott danken , daß meine Augen es schauen « , sagte Huldrik . Dann rief er : » Ich danke dir , Gott , ich danke dir , Gott . « Dann stand er auf , und schluchzte , daß sein ganzer Körper erzitterte . Regina stand neben ihm , und weinte auch , wie Lucia in dem oberen Plane geweint hat . Der neue Knecht , der an Jakobs Stelle jetzt in dem Häuschen war , stand auch da , und die Tränen flossen ihm herab . » So fasse dich , mein lieber alter Huldrik « , sagte Witiko , » ich habe es dir ja versprochen , daß ich nach dem mährischen Kriege kommen werde , als ich mit den Männern im vorvorigen Winter an deiner Leuchte saß . « » Aber wie Ihr kommen werdet , habt Ihr nicht gesagt ; ich aber habe gesagt , daß ich es erleben werde , und daß ich Euch den Bügel halten werde , wenn Ihr in Euer neues Schloß einzieht « , rief Huldrik , » und nun ist es da , Ihr seid der Herr im Walde , so weit meine Augen sehen und noch weiter , und Eure Macht wird noch wachsen , bis sie unendlich ist . Der reichste Herr des Stammes wird Milch und Honig an dem Buchentische essen , Ihr habt sie gegessen , und ich habe gesagt , daß es sehr schnell geht , und nun geht es schnell , und Ihr werdet der reichste Herr des Stammes . « » Huldrik « , entgegnete Witiko , » und ich habe dir gesagt : Versuchen wir nicht Gott . Der gute Herzog Wladislaw hat mir Waldesland gegeben . Ich werde in demselben schalten , wie ich es für gut und recht halte , und wenn es sein kann , es vermehren , ich werde den Leuten Gutes tun , und dir und dem Wangetschlage gewiß nicht das wenigste . « » Das ist der Anfang « sagte Huldrik , » alles muß einen Anfang haben , und der Anfang ist gewesen , wie Ihr zu Milch und Honig habt kommen müssen . Und wie jetzt Eure Leute Gezelte vor diesem Hause bauen , so werden Lager vor Euerem Schlosse hier sein , weit dahin , und Tausende von Zelten , und Rosse und Reiter , und Wagen und Männer mit Edelsteinen und Waffen , die gekommen sind , Euch zu huldigen , und es werden Hunderte und Tausende von Eiern verzehrt werden und Tausende von Fischen und Tausende von Hühnern und Tausende von Lämmern , und das Heu für die Pferde wird wie ein häusergroßer Schober lagern , und Ihr werdet wie ein König sein , der noch genug hat , und der einen Hofrichter und einen Schenken und einen Truchseß und einen Kämmerer besitzt . « » Indessen sollen wir doch denen , die draußen Gezelte bauen , behilflich sein « , sagte Witiko , » und ihnen mit Rat und Weisung beistehen . « » Ja , das sollen wir , und so ist es der Burggebrauch « , sagte Huldrik . » So tun wir es « , entgegnete Witiko . Witiko nahm seine Haube und sein Schwert , und sagte dann zu dem Knechte und zu der Magd : » Ich grüße euch freundlich , lasset euch nicht leid sein , was ihr für mich und die Meinigen Mühe habt . « » Wir tun alles gerne , recht gerne « , sagte der Knecht . Regina küßte den Ärmel von Witikos Kleide , und weinte fort . Dann gingen Witiko und Huldrik hinaus zu den Männern , die draußen das Lager machten , und der Knecht folgte . Es waren die Säumer mit Witikos Habe angekommen , und er ließ die Dinge in das Häuschen bringen . Leute aus den Häusern von dem Wangetschlage gingen herzu , und betrachteten , was da geschah . Einige riefen Witiko Heil und Segen zu , und grüßten ihn . Er dankte , und redete mit mehreren . Viele halfen bei dem Lager . Am Abende kam der alte Johannes , und es kamen manche , welche mit Witiko in dem Kriege gewesen waren , zu dem Häuschen . Sie saßen vor demselben auf Bänken , die man aus Brettern errichtet hatte , und sprachen von den Dingen , die gewesen sind , und die etwa sein werden . Am nächsten Tage kaufte Witiko eine Wiese und ein Feld , welche zu dem Besitztume gut gelegen waren . » Seht Ihr , wie es sich erfüllt « , sagte Huldrik , » aber es wird noch viel um das Schloß nötig sein . « » Ich sage es dir , Huldrik « , antwortete Witiko , » du wirst mir den Bügel halten , wenn ich in mein Haus einziehe ; aber wie noch alles wird , ist in Gottes Hand . « » Es wird , es wird « , sagte Huldrik . » Und wenn es doch wäre , daß es nicht würde , dann , dann . « » Was dann ? « fragte Witiko . » Dann müßte noch ein Witiko kommen , der das Schloß baut , in dem die goldenen Tische stehen werden , an denen man aus goldenen Schüsseln essen wird « , antwortete Huldrik . » Mein Vater hat es gesprochen , mein Großvater hat es gesprochen , und mein Urgroßvater , und es stammet von dem Himmel . « » Die Dinge gehen oft auf eine andere Art in Erfüllung , als wir uns denken « , sprach Witiko . » Sie erfüllen sich , wir denken oder nicht « , sagte Huldrik . » So werden sich auch diese erfüllen « , sprach Witiko . » Sie werden , sie werden , und Ihr werdet es sehen « , entgegnete Huldrik . Witiko blieb zwei Tage in dem Wangetschlage . Dann ritt er nach Friedberg . In Friedberg kaufte er das steinerne Haus mit dem starken runden steinernen Torbogen , in welchem er einmal mit seinem Führer Florian übernachtet hatte . Er machte die Einleitung , daß das Haus für ihn und sein Gefolge , so weit es möglich wäre , hergerichtet würde . Dann fragte er , ob Männer wären , die bei der Grabung eines Brunnens arbeiten und mauern könnten . Man nannte ihm die Männer . Er ließ sie rufen , und sagte ihnen , daß sie sich bereit hielten , wenn er sie brauche . Sie versprachen es . Hierauf ritt er in den oberen Plan . Von dort sandte er Botschaft an den Zupan Lubomir nach Daudleb . Lubomir sandte Botschaft zurück , daß nach fünf Tagen Wentislaw , der Zupenrichter , zur Verkündung der Herrschaft Witikos kommen werde . Witiko sendete Boten aus , und ließ alle Richter aller Orte seiner Besitzung auf den Tag nach Plan entbieten . Als der Tag gekommen war , wurde ein Tisch vor die Kirche von Plan gestellt . Und als Wentislaw und Witiko und die Richter und viele Menschen dem Gottesdienste beigewohnt hatten , traten Wentislaw und Witiko vor den Tisch . Der Pfarrer stellte ein Kreuz des Heilandes auf den Tisch , und ging dann an die Seite Witikos . Die Richter standen in einer Entfernung von dem Tische mit den Angesichtern gegen Wentislaw und Witiko . Weiter zurück und herum standen die andern Menschen . Wentislaw las nun den Befehl des hocherlauchten Herzoges Wladislaw , daß Witiko von Pric mit Gebieten des Waldes und allen Gebühren begabt worden sei . Er las aus dem Pergamente die Orte und das Gebiet und die Grenzen , und forderte die Richter zum Gelöbnisse der Untertänigkeit unter Witiko auf das Kreuz des Heilandes auf . Die Richter gelobten die Untertänigkeit unter Witiko auf das Kreuz des Heilandes . Dann rief der Schmied von Plan mit lauter Stimme : » Heil dem guten Witiko , den wir zu unserem Herrn erkoren haben . « » Heil Witiko « , riefen die Menschen rings herum . Und wieder riefen sie Heil , und wiederholten es mehrere Male . » Witiko , der Obmann im Kriege , und der Obmann zu Hause « , rief David , der Zimmerer . » Der Obmann im Kriege und der Obmann zu Hause « , riefen die Menschen . » Wir haben es auf jenem Berge so gesagt , daß er uns führen müsse , ehe noch die Schlacht gewesen ist « , rief Zacharias , der Schenke , » und er hat es gut gemacht , und er ist wie wir , und wir sind wie er . Und es ist alles gut . « » Und er hat die ganzen Waldleute , die auch nicht zu uns gehörten , geführt , als der grüne Feldherr erschlagen war « , rief Paul Joachim , der Maurer , » und es ist gut gewesen , wir haben ihn verstanden , und alles ist gut gewesen , und ist jetzt gut . « » Die zu Hause wissen nicht , wie es im Kriege ist « , rief Stephan , der Wagenbauer , » aber wir , wir können es sagen , daß es nun gut ist . « Tom Johannes , der Fiedler , sprang hervor , daß er zwischen den Leuten und den Herren stand , er streckte seine verstümmelte Hand empor und die andere auch , und machte mit den Mienen und den Händen Zeichen , daß er reden wolle . Als alle stille waren , rief er : » Ja , wir wissen es , die wir in dem Kriege gewesen sind , wir wissen es , wir wissen alles ; aber alle wissen nicht , wie es sich gebührt , und wie es in der hohen Sitte bei dem Herzoge ist und bei den großen Lechen und bei den Herren und bei denen , die es verstehen , und wer es versteht , dem müssen sie folgen , und ich sage euch , da redet ihr alle , bevor der Herr geredet hat , als ob ihr vornehmer wäret , erst redet der Herr und dann der Untertan . « » Du redest auch vor dem Herrn , und mehr als wir alle « , rief Zacharias , der Schenke . Die Menschen lachten ; aber sie schwiegen . Da sprach Witiko : » Redet , es rede , wer da wolle . « Sie redeten aber jetzt nichts mehr . Da erhob Witiko seine Stimme , und rief : » Richter der Häuser und Orte meines Gebietes , ihr habt mir das Gelöbnis der Untertänigkeit für alle Menschen des Gebietes auf das Kreuz des Heilandes geleistet , ich nehme das Gelöbnis an , und leiste auf das Kreuz des Heilandes euch und allen Menschen des Gebietes das Gelöbnis der Treue eines Herren gegen seine Untertanen und der Erfüllung der Pflichten der Herrschaft entgegen . Ich beginne an dem heutigen Tage die Herrschaft , und sage : den zehnten Teil dessen , was ihr dem hocherlauchten Herzoge Wladislaw als Gebieter des Waldlandes gegeben habt , erlasse ich euch auf die Zeit meines Lebens . Das andere werdet ihr mir entrichten . Die Dienste für mich allein zu meinem Bedarfe und zu meinem Vergnügen werde ich nicht von euch erzwingen , meine Bauwerke , meine Wege , meine Stege und Brücken , meine Reisen , meine Jagden und meine Bewachung schöpfe ich aus meinem Eigentume . In den Diensten für das Gebiet und für den hocherlauchten Herzog werde ich euch nicht bedrücken , und werde euch , wenn die Notwendigkeit dazu kömmt , die Notwendigkeit darlegen . Den Guten werde ich gut sein , wie ein Genosse des Waldes dem Mitgenossen des Waldes ist . Die da fehlen , werde ich zu bessern suchen , und wenn Strafe sein muß , werde ich nach dem Erweise der Schuld milde aber sicher strafen . Wer Hilfe braucht , der komme zu mir , und ich werde nach meinen Kräften helfen . Die Tore meiner Wohnung werden offen stehen , daß keiner meiner Untertanen ausgeschlossen ist . Ich danke euch , daß ihr gekommen seid , gehet zu den Eurigen und verkündet , was ich gesagt habe . « Als er diese Worte mit lauter Stimme gerufen hatte , entstand ein Schreien in dem Volke , daß kein einziger Ruf zu verstehen war ; aber es war ein Schreien der Zustimmung und ein Schreien der Freude . Sie drängten sich herzu , daß kein Raum mehr zwischen ihnen und Witiko war , und es stieß einer den andern . Und in dem Schreien des Volkes hörte man das Aufweinen von Kindern und das Kreischen von Weibern , die gedrückt wurden . Die Richter aber streckten ihre Hände gegen Witiko , und er reichte jedem die seinige . Und als das Schreien sich gemildert , und als man einzelne Rufe vernommen hatte : » Heil Witiko « , » Segen Witiko « , » Das ist recht « , » Das ist gut « , und als nur mehr die Stimmen durcheinander redeten , nannte Witiko jeden Richter mit seinem Namen , und sagte ihm , daß er seine Insassen und seine Angehörigen grüßen möge . Dann wurde das Kreuz des Heilandes in die Kirche getragen , Witiko und Wentislaw und der Pfarrer und der Richter von Plan bahnten sich einen Weg durch die Menschen , und gingen gegen das steinerne Häuschen Witikos . Alle Menschen , die vor der Kirche gewesen waren , gingen mit ihnen , und die zu Hause hatten bleiben müssen , standen jetzt auf der Gasse , und sahen dem Zuge nach , und immer dauerte das Rufen der Freude und das Jubeln . Witiko und seine Gefährten traten in das Häuschen , und verzehrten dort ein Mahl . Als das Mahl geendiget war , kamen junge Männer und Mädchen in ihrem Festtagputze auf die Gasse vor dem Häuschen , und sangen Lieder . Witiko und seine Gäste gingen zu ihnen hinaus , und hörten zu . Und als die Lieder zu Ende waren , dankte Witiko den Sängern und Sängerinnen herzlich , und es dankten die Gäste . Dann dankte Witiko auch den Menschen , die noch immer auf der Gasse versammelt waren , und sie zerstreuten sich nach und nach . Am nächsten Tage ritt Wentislaw mit seinem Geleite wieder gegen Daudleb zurück . Als die Morgenstunden dieses Tages vergangen waren , kamen der Pfarrer und der Richter von Plan mit mehreren Männern zu Witiko , und brachten ihm die Huldigung von Plan dar . Er reichte ihnen Brod und Salz , und dankte . Dann sprachen sie von verschiedenen Dingen . Witiko sagte , er werde von Männern wie Lubomir und Bolemil lernen , was in dem Walde zu tun sei , es liege ein Schatz in dem Walde , der gehoben werden könne . Wenn er die Mittel wisse , werde er jedem , der es wünscht , in seinem Gebaren behilflich sein . Die Männer dankten , und sagten , sie würden sich folgsam erweisen . Witiko lud sie ein , an den Abenden , so lange er da sei , zu ihm zu kommen . Die Männer versprachen es . Und am Abende des Tages saß er mit vielen Männern vor dem Häuschen , und sie sprachen , bis die Zeit zum Nachhausegehen gekommen war . Witiko ging auch an Abenden in andere Häuser , und saß dort bei den Männern , die sich versammelt hatten . In diesen Tagen kamen noch Richter mit Männern aus Waldstellen nach Plan , um Witiko die Huldigungen darzubringen . Er sprach zu ihnen , wie er zu denen von Plan gesprochen hatte . Hierauf ritt er nach Friedberg , und wohnte in dem steinernen Hause . Da kamen auch noch Richter mit Männern zur Huldigung , und es wurde gesprochen , was in Plan gesprochen worden war . Eines Tages sandte Witiko Botschaft an den Brunnenmeister in Daudleb . Der Brunnenmeister kam nach einer Zeit zu ihm . Witiko ließ die Brunnenarbeiter , mit denen er bei seinem früheren Aufenthalte in Friedberg gesprochen hatte , kommen , und er ging dann mit allen durch den breiten Wald hinauf zur Stelle , auf welcher die Säule des heiligen Apostels Thomas gestanden war . Dort , sagte er , möchte er einen Brunnen graben lassen , wenn man gutes Trinkwasser finde . Der Brunnenmeister meinte , es werde reines Trinkwasser im Granitsteine gefunden werden . Und dann bestimmte er die Zeit , wann begonnen werden könnte , und machte die Vorbereitungen . An dem bezeichneten Tage begannen die Männer zu graben . In der Zeit , da sie gruben , ritt Witiko mit einem Geleite zu Lubomir , zu Rowno , zu Diet von Wettern , zu Osel und den anderen Herren , die in der Nähe seines Gebietes hausten . Diese Herren kamen dann auch mit Geleiten zu Witiko in das steinerne Haus nach Friedberg , und wurden von ihm bewirtet . Es kam auch der Richter von Friedberg mit mehreren Männern zu ihm , und sie baten ihn um Unterstützung zur Erweiterung des kleinen hölzernen Kirchleins . Witiko sagte die Unterstützung zu , und bald wurden die Anstalten zu dem Baue