aus lauter Fragmenten zusammengesetzten Gelehrtenschmauses aufbehalten , welches zum Belege alles dessen , was hier von ihm gesagt wird , dienen kann , und wovon eine meisterhafte Uebersetzung in der Abhandlung meines gelehrten Freundes J. über die Griechischen Hetären , im zweiten Hefte des dritten Bandes des Attischen Museums zu finden ist . W. 52. Brief . 153 Wie diese prophetische Vermuthung Aristipps vornehmlich in dem goldnen Zeitalter der nie genug zu preisenden Kaiser Hadrian und beider Antonine in Erfüllung gegangen , davon finden sich , unter andern , in Lucians Nigrinus , wo er das damalige Athen mit dem damaligen Rom so treffend contrastiren läßt , sehr schöne Beweisstellen . W. 53. Brief . 154 Anspielung auf eine Anekdote , welche Diogenes der Laërter und Athenäus von Aristipp erzählen , und worüber Cicero in einem Briefe an Pätus ( in Wielands Uebersetzung Bd . 5 S. 205 ) so schreibt : » erröthete doch auch der berühmte Sokratiker Aristippus nicht , als ihm vorgeworfen wurde , er habe die Lais . Wahr ist ' s , sagte er , ich habe sie , aber sie hat mich nicht . Auf Griechisch läßt sich das artiger sagen : versuche du einmal es besser zu übersetzen , wenn du Lust hast . « Man hält schon darum diese Replik für unübersetzbar , weil sie im Griechischen nur aus drei Worten besteht : exo , oyk exomai ( habeo , non habeor bei Cicero ) . Außer dieser Kürze aber liegt ein noch weniger übersetzbarer Doppelsinn in dem Worte exomai ( s. die Anm . von Schütz zu dieser Stelle Cicero ' s Epp . 4 , 435 ) . Dieser Doppelsinn wäre nun hier glücklicher als irgendwo erreicht , aber nicht die Kürze . 155 D.i. gleichgültig gegen ihre Liebe zu bleiben . Hippolytus ist bekannt aus des Euripides Tragödie dieses Namens und aus Racine ' s , von Schiller übersetzter , Phädra . 156 Von diesem Haupthelden der Ilias wird erzählt , daß wegen einer Weissagung , er werde vor Troja seinen Tod finden , seine besorgte Mutter ihn dem Lykomedes übergeben habe , der ihn , um ihn desto sicherer zu verbergen , in Frauentracht unter seine Töchter mischte . Im Griechischen Lager hatte man indeß die Weissagung , daß ohne Achilles Troja nicht erobert werden könnte . Man kundschaftete daher , erfuhr , und sendete Odysseus nach Skyros . Der Listige brachte unter weiblichen Geschenken für die Töchter auch Waffen mit , und bei deren Anblick verrieth sich der junge Held . 157 Pausanias wird er im folgenden Briefe nach Athenäus , bei Plutarch Hippolochus , bei andern Eurylochus , Aristonikus und Hippostratus genannt . 55. Brief . 158 Gastgeschenk . Nach Griechischer Sitte wurde jedem Gaste , wenn er sich wieder entfernte , noch irgend ein kleines Geschenk gegeben . Dritter Band . 1. Aristipp an Eurybates . Ich habe mich gewöhnt mir einzubilden daß es meinen Freunden sehr wohl ergehe , wenn sie mich lange nichts von sich hören lassen , und es wäre mir lieb , wenn sie sich eben dasselbe von mir vorstellen wollten . In der That hat die Zeit für niemand schnellere Flügel als für die Glücklichen ; und wenn man auch vielbeschäftigte Personen sagen hört , daß ihnen Tage zu Stunden werden , so geschieht dieß doch meistens nur , wenn sie sich aus eigener Wahl und mit Dingen , die ihnen in einem hohen Grade wichtig oder angenehm sind , beschäftigen ; denn bei Arbeiten dieser Art fühlt man sich nicht minder glücklich , ja vielmehr noch glücklicher als im Genuß eines nicht mit Arbeit erkauften Vergnügens . Bei allem dem gestehe ich , lieber Eurybates , wir haben uns beinahe zu viel darauf verlassen , daß wir einander nicht unentbehrlich sind , und wenn wir es noch lange so forttrieben , könnt ' es , wiewohl gegen unsre Meinung , doch so weit mit uns kommen , daß wir einander vor lauter Wohlbefinden endlich ganz vergäßen . Denke indessen nicht , daß ich mir ein Verdienst daraus machen wolle , dir in Erneuerung unsers Briefwechsels zuvorgekommen zu seyn . Du weißt , es ist meine Sache nicht , meinen Handlungen einen gleißenden Anstrich zu geben , und für weiser oder uneigennütziger angesehen seyn zu wollen , als wir andern anspruchlosen Leute gewöhnlich zu seyn pflegen . Kurz , ich habe zwei sehr eigennützige Ursachen dir zu schreiben : die erste , daß mir das Verlangen nach zuverlässigen Nachrichten von dir selbst und allem was zu dir gehört , und von der schönen Athenä überhaupt durch so lange Nichtbefriedigung peinlich zu werden anfängt ; die andere , daß ich vielleicht durch dich aus meiner Ungewißheit über das Schicksal unsrer Freundin Lais gezogen zu werden hoffe . Zwei Jahre sind bereits vorüber , seitdem sie , im Begriff Korinth und das südliche Griechenland auf immer zu verlassen , mit den ahnungsschweren Worten von mir und Kleonidas Abschied nahm : » wenn ich an den Ufern des Peneus die Ruhe wieder finde , werdet ihr mehr von mir hören : wo nicht , so laßt mich in euerm Andenken leben und seyd glücklich . « - Sie hat in dieser langen Zeit nichts von sich hören lassen , und ich kann mich nicht erwehren ihrentwegen in Sorgen zu seyn ; denn wofern es ihr nicht ginge wie wir wünschen , so bin ich nur allzu gewiß , daß sie zu stolz ist Hülfe von ihren Freunden anzunehmen , geschweige bei ihnen zu suchen . Wir genügsamen Cyrener befinden uns bei unsrer goldnen Mittelmäßigkeit so wohl , daß wir uns wenig um die besondern Umstände der ewigen Zwistigkeiten und Fehden bekümmern , welche Eifersucht , Ehrgeiz und Begierde immer mehr zu haben zwischen Athen und Sparta , und überhaupt zwischen dem Dorischen und Ionischen Stamm der Hellenen niemals ausgehen lassen werden . Alles was ich seit einiger Zeit von dem Uebermuth , womit die Spartaner sich der ihnen aufgetragenen Vollziehung des Friedens des Antalcidas überheben , vernommen habe , läßt mich einen nahe bevorstehenden neuen Ausbruch des allgemeinen Mißvergnügens der Städte vom zweiten und dritten Rang vermuthen , wovon die Athener ohne Zweifel Gelegenheit nehmen werden , sich der Herrschaft des Meers wieder zu bemächtigen , auf deren langen Besitz sie ein vermeintes Zwangsrecht gründen , welches ihnen von den übrigen Seestädten freiwillig niemals zugestanden werden wird . Inzwischen erheben sich im nördlichen Griechenlande , wie uns neuerlich ein reisender Byzantiner berichtet , zwei neue Mächte ; eine seit ungefähr vierzig Jahren unvermerkt heran gewachsene Republik , und ein vor kurzem noch unbedeutender Fürst ; welche , wenn man ihren raschen Fortschritten noch einige Zeit so gleichgültig wie bisher zusehen würde , beide der bisherigen Verfassung der Hellenen eine große Veränderung drohen . Du siehest daß ich von Olynthus in der Chalcidice1 und von dem Thessalischen Fürsten Jason2 rede , der , nach allem was der Byzantiner von ihm erzählt , den Unternehmungsgeist seines alten Namensverwandten in der Heldenzeit mit der Tapferkeit Achills und der Besonnenheit des erfindungsreichen Ulysses verbindet , und kein Geheimniß mehr daraus macht , daß er nichts Geringeres vorhabe , als das alte Mutterland der Hellenen wieder in sein schon so lange her verscherztes vormaliges Ansehen zu setzen , und die Macht des gesammten Griechenlands darin zusammen zu drängen , um sodann , an der Spitze aller Abkömmlinge Deukalions , das Griechische Asien auf immer vom Joche der Perser zu befreien . Meiner Meinung nach könnte euern übelberathenen , die wahre Freiheit und ihr wahres Interesse ewig verkennenden Freistaaten nichts Glücklicheres begegnen , als wenn es diesem edeln Thessalier gelänge seinen großen Gedanken auszuführen . Aergere dich nicht , lieber Eurybates , mich so philotyrannisch reden zu hören ; meine Vorliebe zur Monarchie dauert gewöhnlich nur so lange , als ich in einem demokratischen oder oligarchischen Staat lebe , und ich bin der Freiheit nie wärmer zugethan , als da wo ein Einziger alle Gewalt in Händen hat . Ein weiser und edel gesinnter Monarch weiß jedoch beides sehr gut mit einander zu vereinigen ; nur Schade , daß die weisen und guten Monarchen ein eben so seltnes Geschenk des Zufalls sind als die weisen und guten Demagogen . Ist es nicht ein niederschlagender Gedanke , daß noch kein Volk auf dem Erdboden Verstand genug gehabt hat , das , was bisher bloß Sache des Zufalls war , zu einem Werke seiner Verfassung und seiner Gesetze zu machen ? Und wo ist das Volk , von welchem ein solches Kunstwerk ( vielleicht das größte , dessen der menschliche Verstand fähig ist ) zu erwarten wäre , da das sinnreichste und gebildetste von allen , die Griechen , in so vielen Jahrhunderten noch nicht so weit gekommen ist , sich den Unterschied zwischen Regierung und Herrschaft deutlich zu machen , und einzusehen , daß wohl regieren eine Kunst , und in der Ausübung zwar eine der schwersten , aber doch , so gut wie jede andre , zu erlernen und auf feste Grundsätze zurückzuführen ist ? Das schlimmste ist nur , daß die Kunst wohl zu regieren , wenn sie auch gefunden wäre , ohne die Kunst zu gehorchen wenig helfen könnte ; oder mit andern Worten : daß das Volk zum Gehorchen eben so wohl erzogen und gebildet werden müßte , als seine Obern zum Regieren . Der Gesetzgeber der Lacedämonier ist meines Wissens der einzige , der dieß eingesehen hat ; und daß die Verfassung , die er ihnen gab , der Natur zum Trotz länger als irgend eine andere gedauert hat , ist , denke ich , hauptsächlich der sonderbaren Erziehung beizumessen , an welche alle Bürger von Sparta durch seine Gesetze gebunden sind . Ich für meine Person werde immer und überall frei gestehen , daß mir die Wörter Herr und Herrschaft eben so herzlich zuwider sind als Knecht und Knechtschaft ; ich will regiert seyn , nicht beherrscht ; wenn ich aber doch ja einen Herrn über mich dulden muß , so sey es ein einziger Agamemnon , nicht alle Heerführer - und am allerwenigsten das ganze Heer der Achaier3 . Da jedoch die Wahl nicht immer in meiner Willkür steht , so werde ich mich , im Nothfall wenigstens bis uns Plato mit seiner Republik beschenken wird , mit meiner Philosophie zu behelfen wissen , die mich allenthalben unter leidlichen Umständen so glücklich zu seyn lehrt als ich billigerweise verlangen kann ; und leidlich sollte sie mir sogar den Schnappsack und Stecken unsers Freundes Diogenes machen , wenn der einzige Herr , den ich gutwillig über mich erkenne , die allmächtige Göttin Anangke4 jemals Belieben tragen sollte , mich auf so wenig Eigenthum herabzusetzen ; ein Fall , wovor der große König zu Persepolis am Ende nicht sicherer ist als ich . 2. Eurybates an Aristipp . Das zweideutige Mittelding von Knabe und Jüngling , aus dessen Händen du diesen Brief erhalten wirst , lieber Aristipp , trägt so deutliche Merkmale seiner Abkunft in seinem Gesichte , daß er euch hoffentlich beim ersten Anblick lebhaft genug an Droso und Eurybates erinnern wird , um ihn ohne schärfere Untersuchung für den , wofür er sich ausgibt , gelten zu lassen , und als solchen gastfreundlich aufzunehmen . Ich glaubte dir nicht besser beweisen zu können , daß Zeit und Entfernung meine dir längst bekannten Gesinnungen nicht geschwächt haben , als indem ich dir meinen Sohn Lysanias unangemeldet zuschickte , in voller Zuversicht , daß du ihn für einige Zeit unter deine Hausgenossen aufnehmen , und des Glückes unter deinen Augen zu leben würdigen werdest . Es ist nun seine eigene Sache , sich euch durch sich selbst zu empfehlen . Ihr werdet wenigstens finden , daß er euch , wie billig , nicht als ein roher Marmorblock zugefertiget worden ist . Er hat drei Jahre lang die Schule unsers berühmten Isokrates , und in dem letzt verfloss ' nen sogar die Akademie besucht ; und da sein noch grünes Alter ihm den Zutritt zu den Geheimnissen der Philosophie verwehrte , welche der göttliche Plato in ein beinahe noch dichteres Dunkel einhüllt als jenes , das die heiligen Mysterien zu Eleusis umgibt , so hat er wenigstens von dem exoterischen Unterricht unsers Attischen Pythagoras so viel mit genommen als er aufpacken konnte . Die Wahrheit zu sagen wünsche ich auch nicht , daß mein Sohn und Erbe sich jemals so hoch versteige , um unter die Dinge über uns zu gerathen , oder gar bis zu den Ideen unsers großen Sehers empor zu dringen , und bis zu der hehren » Göttin Anangke und ihrem vom Gipfel des Lichthimmels herabhangenden , unermeßlichen stählernen Spinnrocken und ihrer wundervollen Spindel mit den acht in einander steckenden Wirteln , auf deren jedem eine Sirene sitzt , die ihren eigenen aber immer eben denselben Ton von sich gibt , wozu die Moiren , Lachesis , Klotho und Atropos , während sie unsre Schicksale spinnen , sich die Zeit damit kürzen , alle drei zugleich , Lachesis das Vergangene , Klotho das Gegenwärtige , und Atropos das Künftige zu singen ; « - wie du aus dem zehnten Buch der wundervollen Republik mit mehrerem vernehmen wirst , von welcher , als einer der neuesten überirdischen Erscheinungen aus der Akademie , Lysanias dir eine von unserm Freunde Speusipp selbst berichtigte Abschrift überbringt . Wenn du mir gelegentlich dein Urtheil über dieses sonderbare Kunstwerk , so ausführlich als Lust und Muße dir ' s gestatten werden , mittheilen wolltest , würdest du mir keine geringe Gefälligkeit erweisen : denn mein eigenes macht mit den dithyrambischen Lobgesängen seiner Bewunderer einen so häßlichen Mißklang , daß es unbescheiden wäre , wenn ich nicht einiges Mißtrauen in seine Vollgültigkeit setzte . Aufrichtig zu reden , Aristipp , ich hab ' es noch nicht über mich gewinnen können , das ganze Werk von Anfang bis zu Ende zu durchlesen ; ich kenn ' es nur aus einigen Bruchstücken , und würde dir daher desto mehr Dank wissen , wenn du mich durch einen umständlichen Bericht , wie du das Ganze gefunden hast ( einen vollständigen Auszug darf ich dir nicht zumuthen ) , in den Stand setzen wolltest , mir einen hinlänglichen Begriff davon zu machen . Es wird dir nicht entgehen , daß mein Lysanias mit einer gewissen natürlichen Anmuthung zu den Spindeln , Wirteln , Sirenen und singenden Spinnerinnen des göttlichen Platons auf die Welt gekommen ist . Um so nöthiger fand ich , ihn bei Zeiten in einen gesellschaftlichen Kreis feingebildeter aber unverkünstelter und unverschrobener , vorzüglicher aber anspruchloser , mit Einem Wort , unverfälschter und ( wenn ich dir eine deiner Redensarten abborgen darf ) menschlicher Menschen zu bringen , unter welchen er sich an eine natürliche Ansicht der Dinge gewöhnen , für alles Menschliche das rechte Maß finden , und sich in allem auf der Mittellinie zwischen zu wenig und zu viel mit Sicherheit und Leichtigkeit sein ganzes Leben durch fort bewegen lernen könne . Ich würde einen meiner angelegensten Wünsche erfüllt sehen , wenn Lysanias bei euch den Beschäftigungen und Freuden des Landlebens Geschmack abgewinnen , und bei täglichem Anblick der Glückseligkeit etlicher durch Uebereinstimmung der Gemüther und wechselseitiges Wohlwollen noch enger als durch die Bande der Anverwandtschaft und Verschwägerung vereinigter Familien , den hohen Werth des häuslichen Glückes schätzen lernte . Er ist mein einziger Sohn ; ich möchte ihn einst als einen glücklichen Menschen hinter mir lassen , und ich habe keine Lust ihn einer Republik aufzuopfern , in welcher der Uebermuth und thörichte Dünkel des zu herrschen wähnenden , aber jedem kecken Schwätzer zu Gebote stehenden Pöbels täglich ausschweifender , die Unredlichkeit der Demagogen , die ihm den Ring durch die Nase gezogen haben , immer schreiender , die Maximen , nach welchen man handelt , immer widersinnischer , der gegenwärtige Zustand immer heilloser , und die Aussicht in die Zukunft immer trüber werden . Der gute Plato hat uns mit seiner erhabenen , aber nur gar zu hoch hinauf geschraubten Philosophie , die er zur bösen Stunde der schlichten Sokratischen untergeschoben hat , im Ganzen nicht um einen Schritt vorwärts gebracht ; und wie sollt ' er auch ? Wahrlich , die Behauptung in seinem Menon5 , daß die Tugend keine Frucht des Unterrichts und der Erziehung seyn könne , ist nicht sehr geschickt eine bessere Erziehung unsrer immer mehr verwildernden Jugend zu befördern ; und was ein noch so fein und zierlich ausgearbeitetes Modell einer Republik idealischer Menschen , die von lauter leibhaften Platonen nach idealischen Gesetzen zu einem idealischen Zweck regiert werden , uns Athenern und allen übrigen eben so unplatonischen Hellenen helfen soll - wenn du es ausfindig machen kannst , lieber Aristipp , so wirst du mich durch die Mittheilung sehr verbinden . Was ich täglich sehe ist , daß die um uns her aufschießende neue Generation ( vermuthlich zu großem Trost unsers Philosophen ) alle mögliche Hoffnung gibt , noch schlechter als ihre schon so sehr ausgearteten Väter zu werden , und also für die Wahrheit seiner Behauptung , daß außer einer Republik von Philosophen seines Schlags kein Heil sey , noch handgreiflicher beweisen wird als wir . So wie die Sachen dermalen bei uns stehen , kann ein ehrlicher Mann , der nicht das Opfer eines vergeblichen und lächerlichen Heldenthums zu werden Lust hat , keine bessere Partei ergreifen , als nach dem Beispiel unsrer wackern Großväter sich auf seine Hufe zurückzuziehen , seiner Oelbäume und Knoblauchfelder zu warten , seinem Hauswesen vorzustehen , und sich von allen Versuchungen der unter der schönen Larve der Vaterlandsliebe sich verbergenden Ruhmsucht und Begierde den Meister zu spielen so rein als möglich zu erhalten . Bei allem dem können doch in Zeitläufen , wie die unsrigen , Fälle eintreten , wo man schlechterdings zwischen zwei Uebeln wählen muß , und , um nicht durch die Untüchtigkeit oder Treulosigkeit des Schiffers , auf dessen Fahrzeug man sich befindet , zu Grunde zu gehen , genöthigt ist selbst Hand anzulegen , und zu Erhaltung des Ganzen mit Rath und That beizutragen . In dieser Rücksicht wird es dann freilich nöthig seyn , daß Lysanias , außer den gewöhnlichen gymnastischen und andern Leibesübungen , sich hauptsächlich in den beiden Künsten , die einem hellenischen Staatsmann und Kriegsbefehlshaber die unentbehrlichsten sind , der Redekunst und der Kunst die Menschen recht zu behandeln , so geschickt zu machen suche als nur immer möglich seyn wird . In der letztern kann ihn niemand weiter bringen als du selbst ; zur erstern hat er unter Isokrates einen so festen Grund gelegt , daß es bloß einer fleißig fortgesetzten Uebung unter den Augen eines guten Meisters bedarf . Ich habe ihn deßwegen noch besonders an deinen Freund und ehmaligen Zögling Antipater empfohlen , der , nach einem langen Aufenthalt unter uns , mit allen Schätzen der Griechischen Musen beladen zu euch zurückgekehrt ist , und auch durch die genaue Kenntniß , die er sich von dem Innern unsrer zahllosen Republiken und ihren Verhältnissen gegen einander erworben hat , dem jungen Menschen nützlich werden könnte . In allem diesem , Aristipp , wird , wie ich zuversichtlich hoffe , deine Gesinnung für den Vater auch dem Sohne zu Statten kommen , und ich werde dir und deinen Freunden in seiner mit eurer Hülfe vollendeten Bildung die größte aller Wohlthaten zu danken haben . Nun noch ein Wort von unsrer Freundin Lais . Auch ich nehme an der schönsten und liebreizendsten aller Weiber , die seit der schönen Helena die Männerwelt in Flammen gesetzt haben , zu warmen Antheil , um nicht zu wünschen , daß ich dir die angenehmsten Nachrichten von ihr zu geben haben möchte : aber mit allen möglichen Nachforschungen ist von ihrem dermaligen Aufenthalt und Zustand nichts Zuverlässiges zu erhalten gewesen , wiewohl es an allerlei einander widersprechenden und mehr oder weniger ungereimten Gerüchten nicht fehlt . Ich besorge sehr , die Moiren6 spinnen ihr nicht viel Gutes . So viel scheint gewiß , daß ihr Vorsatz , sich in Thessalien anzusiedeln , nicht zu Stande gekommen ist . Der heillose Mensch , der ihr ganzes Wesen auf eine so unbegreifliche Art überwältiget hat , scheint ihr nicht Zeit dazu gelassen zu haben . Er führte sie wie im Triumph von einer Thessalischen und Epirotischen Stadt zur andern , machte überall großen Aufwand , und verließ sie endlich ( sagt man ) wie Theseus die arme Ariadne auf Naxos , ohne sich zu bekümmern was aus ihr werden könnte . Sobald ich diese Nachricht aus einer ziemlich sichern Hand erhielt , schickte ich einen meiner Freigelass ' nen , auf dessen Verstand und Treue ich rechnen darf , mit dem Auftrag ab , wofern es nöthig wäre ganz Thessalien , Epirus und Akarnanien zu durchwandern , um sie aufzusuchen und Nachrichten von ihr einzuziehen . Learch zu Korinth that eben dasselbe , und unser Vorsatz war , sie , sobald sie gefunden wäre , mit möglichster Schonung ihres Zartgefühls zu bewegen , überall wo sie künftig zu leben gedächte , uns die Sorge für ihre Haushaltung zu überlassen . Aber , wie gesagt , bis itzt ist es unmöglich gewesen auf ihre Spur zu kommen . Wir geben indessen noch nicht alle Hoffnung auf , und sobald wir etwas entdecken , soll es dir unverzüglich mitgetheilt werden . Wenigstens haben wir so viel mit unsern Nachforschungen gewonnen , daß alle über ihren Tod und die Art ihres Todes herumlaufenden Gerüchte bei genauerer Untersuchung falsch befunden worden sind . Mit wie vielem Vergnügen würde ich sie in den Besitz des schönen Witthums wieder einsetzen , wo der edle Leontides ihr auf alle Fälle eine ruhige und angenehme Freistätte gegen alle Zufälle des Lebens zu hinterlassen glaubte ! Was euch der Byzantiner von dem schnellen Wachsthum der neuen Chalcidischen Republik Olynthus und von den weit aussehenden Entwürfen des Thessalischen Fürsten Jason berichtet hat , bestätigt sich alle Tage mehr . Der letztere ist wirklich ein Mann von seltnen und glänzenden Eigenschaften , ganz dazu gemacht sein Vaterland aus dem politischen Nichts , worin es beinahe seit der Heroenzeit gelegen , hervorzuziehen , und ihm die ganze Wichtigkeit zu verschaffen , die es vermöge seiner Lage , Fruchtbarkeit und starken Bevölkerung schon längst hätte behaupten können , wenn seine Kräfte in einen einzigen Punkt zusammengedrängt gewirkt hätten . Was Olynthus betrifft , so hat sie sich nicht nur zum Haupt einer beinahe allgemeinen Bundesvereinigung aller Städte der Chalcidice erhoben , sie hat sogar einen ansehnlichen Theil der Macedonischen Provinz Pierien an sich gebracht , den unmächtigen Amyntas aus seinem Königssitz zu Pella7 vertrieben , und sich unter den benachbarten Thracischen Völkerschaften einen bedeutenden Anhang zu verschaffen gewußt ; kurz sie ist bereits mächtig genug , eine gänzliche Unabhängigkeit von Athen und Sparta behaupten zu können ; zumal da Jason ( der einzige im nördlichen Griechenland , der ihrer Vergrößerungssucht Gränzen zu setzen vermöchte ) es natürlicher Weise seinem Interesse gemäßer findet , mit dieser neuen Republik in gutem Vernehmen zu stehen . Daß beide unsrer Aufmerksamkeit nicht entgangen sind , kannst du dir leicht vorstellen . Beide , vorzüglich aber der Held des Tages Jason , versehen unsre Versammlungsplätze , Märkte und Hallen reichlich mit immer frischen Neuigkeiten , und wenn du uns reden hören könntest , müßtest du glauben , die Athener hielten sich dem letztern noch sehr verbunden , daß er nicht müde wird , ihnen so viel Stoff zu zeitkürzenden Unterhaltungen zu geben . Denn daß wir von den Fortschritten , die er in Thessalien und den angränzenden Landschaften macht , etwas für uns selbst befürchten sollten , dazu ist er noch zu weit von uns entfernt ; und sollte die Gefahr wider Vermuthen größer werden , » so sind wir ja auch da , und im Nothfall findet sich wohl immer , mit oder ohne unser Zuthun , ein Dolch , der den luftigen Entwürfen eines kleinen Thessalischen Parteigängers auf einmal ein Ziel setzt . « Mit den Olynthiern , deren täglich zunehmende Seemacht billig unsre Eifersucht reizen sollte , scheint es zwar eine andre Bewandtniß zu haben : aber » was ist denn am Ende das Olynth , das wie ein Pilz seit gestern aus dem Boden auftauchte , gegen die uralte , weltberühmte , von Pallas und Poseidon und allen andern Göttern begünstigte Athenä ? und was werden diese Chalcidier gegen die Abkömmlinge der unüberwindlichen Männer von Marathon und Salamis ausrichten ? Lass ' sie sich doch vergrößern und ausbreiten so gut sie können , sie arbeiten doch nur für uns ! Wir können der Zeitigung dieser schönen saftreichen Frucht ruhig zusehen , sicher daß wir sie pflücken werden , sobald sie uns reif genug zu seyn dünken wird . « - So , mein Freund , denkt und spricht man in Athen , und sieht daher mit der größten Gleichgültigkeit den Anstalten zu , welche die herrschlustigen Spartaner , als Vollzieher und Schirmherren des Friedens des Antalcidas , zu machen im Begriff sind , um etliche kleine , von ihnen selbst aufgehetzte Städte gegen die Olynthier in Schutz zu nehmen , und sich mit diesen in eine Fehde einzulassen , » von welcher wir , wie sie auch ausfallen mag , immer den Vortheil haben werden im Trüben zu fischen , und uns um so leichter wieder zu Herren des Meers zu machen , da , allem Ansehen nach , entweder Sparta oder Olynth in den Fall kommen wird , unsern Beistand suchen zu müssen . « Diese eben so unkluge als unedle Art von Politik ist nun einmal unter uns Griechen herrschend geworden , und wird ( wie du sehr richtig voraussiehst ) über lang oder kurz den Verlust unsrer Freiheit zur Folge haben . Ein Staat , der von seiner Unabhängigkeit keinen weisern Gebrauch macht als wir , und es immer nur darauf anlegt , alles rings um sich her zu unterdrücken und seiner Willkür zu unterwerfen , ist eben so unfähig als unwürdig seine eigene Freiheit zu behaupten , und bereitet thörichter Weise die Fesseln sich selbst , die er unaufhörlich für alle andern schmiedet . Aber wie weit sind wir Athener noch entfernt , uns eine solche Katastrophe der ewigen Tragödie , die wir in Griechenland spielen , träumen zu lassen ? Wir sehen mit hämischer Schadenfreude zu , wie das stolze , gewaltthätige und unersättliche Sparta sich allen Griechen täglich verhaßter und unerträglicher macht , und kein warnender Dämon flüstert uns zu , daß die Spartaner nichts thun , als was wir selbst an ihrer Stelle so lange gethan haben und mit Freuden wieder thun werden , sobald das Uebergewicht wieder auf unsrer Seite seyn wird . Wie hoch haben die Stifter von Cyrene sich um ihre Nachkommen verdient gemacht , da sie euch jenseits des libyschen Meeres , unter dem heitersten Himmel und auf dem fruchtbarsten Boden , eine so schöne und sichere Freistätte bereiteten ; weit genug von der stürmischen Hellas entfernt , um weder mit Gewalt in den Wirbel unsrer Händel hinein gerissen zu werden , noch in Versuchung zu gerathen , euch freiwillig darein zu mischen . Wohl euch bei eurer goldnen Mittelmäßigkeit ! Cyrene wird vermuthlich niemals eine bedeutende Rolle in der Geschichte spielen ; aber in Hinsicht auf Glückseligkeit ist es mit Völkern und Staaten wie mit einzelnen Menschen : man wird immer unter denen , die sich still und unbekannt durchs Leben schleichen , mehr glückliche finden , als unter denen , die am meisten Aufsehen , Geräusch und Staub um sich her machen . 3. Aristipp an Eurybates . Der schöne Lysanias hat sich durch sein sittsames , anmuthiges und gefälliges Wesen bereits nicht weniger Freunde in Cyrene erworben als Personen sind , mit welchen er bekannt zu werden Gelegenheit hatte . An einem jungen Cekropiden sind dieß so seltene Tugenden , daß man beinahe , wo nicht an seiner Attischen Autochthonie , wenigstens an seiner Erziehung in Athen zweifeln müßte , wenn er nicht von so vielen andern Seiten eine Bildung zeigte , die man in seinem Alter nur zu Athen erhalten haben kann . Mit Einem Worte , Freund Eurybates , die Grazien haben ihm bei seiner Geburt zugelächelt und ihn mit der Gabe zu gefallen beschenkt , der köstlichsten aller Göttergaben , die ihrem Besitzer in allen Verhältnissen des Lebens unzählige Vortheile bringt , und nur dann gefährlich wird , wenn er sich selbst zu sehr gefällt . Bis itzt scheint unser junger Freund von dieser Untugend völlig frei zu seyn ; nichts an ihm verräth daß er sich seiner Liebenswürdigkeit bewußt sey ; im Gegentheil beweiset die Art , wie er das Wohlgefallen , so wir alle an ihm haben , aufnimmt , daß er , weit entfernt es für einen schuldigen Tribut zu halten , uns vielmehr dafür , als für eine ganz freiwillige Aeußerung unserer Gutherzigkeit und Wohlmeinung mit ihm , verbunden zu seyn glaubt . Daß er in dieser schönen Unbefangenheit erhalten , und weder durch zu vieles Liebkosen verzärtelt , noch durch Schmeichelei eitel und einbildisch gemacht werde , soll eine der angelegensten Sorgen aller derer seyn , denen du dieses edle Gewächs zu pflegen anvertraut hast . Wir fühlen den ganzen Werth deines Zutrauens , und werden uns beeifern es zu rechtfertigen . Inzwischen vereinigen sich Musarion und Kleone mit Kleonidas und mir , der schönen Droso zu danken , daß sie unsern Freund Eurybates mit einem so liebenswürdigen Erben beschenkt hat , und bitten sie versichert zu seyn , daß es nicht an ihrem guten Willen liegen soll , wenn er seine geliebte Mutter in Cyrene nicht doppelt wieder gefunden zu haben glauben wird . Du siehest ohne mein Erinnern , daß sechzehn Jahre das Alter nicht sind , wo das Landleben für einen in Athen aufgewachsenen Abkömmling von Kodrus einen überwiegenden Reiz haben könnte . Es wird aber auch zu deiner Absicht genug seyn , wenn er nur , durch öftere Abwechslung des städtischen Lebens mit dem ländlichen , das Nützliche sowohl als das Angenehme des letztern immer besser kennen und schätzen