Erwägung dessen , was es damals mit dem Ruppiner Magistrat auf sich hatte , eigentlich tief unter sich selbst herab , denn nach anderen Berichten , die uns vorliegen , hatte Ruppin , etwa um dieselbe Zeit , wo Joachim Friedrich zur Huldigung erschien , nicht mehr und nicht weniger als sein augusteisches Zeitalter . Die Stadt , so bemerkt der Chronist , trat eben damals in eine Periode ein , die wir mit Recht die gelehrte nennen dürfen . Der Adel , in dessen Händen bis dahin sich die vorzüglichsten Magistratsstellen befunden hatten , ging auf seine nachbarlichen Güter zurück und statt seiner nahmen » gelehrte und berühmte Männer « die erledigten Sitze ein . Ruppin entfaltete sich zu einem Beschützer der Musen und freien Künste , und die Kämmereiregister aus dem Schluß des sechzehnten Jahrhunderts geben uns Auskunft darüber , in welcher Weise das Mäzenatentum der Stadt damals nachgesucht und betätigt wurde . Im Jahre 1573 überschickte Nikolaus Rensperger , Künstler und Mathematiker zu Halle , einen geschickt gearbeiteten Quadranten und empfing » dreiunddreißig Groschen « nebst einem Dankesschreiben , – die meisten Arbeiten aber , die eingingen , waren literarisch-theologischer Natur und wurden in artigster Form entgegengenommen . Petrus Sinapius aus Gartz schickte sein gelehrtes Carmen » de Sanctis Angelis « ( 1580 ) , Balthasar Leutinger überreichte 1585 sein Werk » de Principio theologico « . Die Honorare , die zur » Ermunterung ferneren Fleißes « bewilligt wurden , waren nicht bedeutend , Petrus Sinapius erhielt zwei Gulden sieben Groschen , Balthasar Leutinger ein Gulden und elf Groschen ; wie bescheiden aber auch diese Ehrensolde sein mochten , sie hatten ihren Wert und ihre Bedeutung in der Vergleichung untereinander . Die eigentlichen belles lettres , so scheint es , kamen schon damals zu kurz und George Pondo , der , unter dem Titel » der Knabenspiegel « eine Komödie zu überreichen wagte , erhielt seine Arbeit zurückgesandt unter einfacher Beifügung von sechs Groschen . Wie seltsam diese Dinge , besonders auch diese Summen uns heutigen Tages erscheinen mögen , sie waren weder kleinlich noch komisch zu ihrer Zeit , und das gelehrte Ruppin von 1570 , indem es auf ein halbes Jahrhundert in den Rang und Reigen deutscher Universitätsstädte eintrat , genoß vorübergehend die Ehren eines literarischen Tribunals . Erst der Dreißigjährige Krieg machte dem allen ein Ende . Einzelnes aus jener Unglücksepoche gebe ich später , namentlich in dem Kapitel Gottberg . 4. Andreas Fromm 4. Andreas Fromm Hispansche Mönche , öffnet mir die Tür ! ... Laßt hier mich ruh ' n , bis Glockenton mich weckt . Platen In der Epoche des » gelehrten Ruppin « war es , daß Andreas Fromm , nicht der gekannteste , aber höchst wahrscheinlich der gelehrteste Mann , den die Ruppiner Lande hervorgebracht haben , um 1615 geboren wurde , nach einigen in der Stadt Ruppin selbst , nach andern in dem benachbarten Dorfe Plänitz . Ich lasse gleich eingangs folgen , was ich über den Lebensgang dieses mit der Kirchengeschichte der Mark in engem Zusammenhange stehenden Mannes in Erfahrung bringen konnte . Dieser Lebensgang , wie fast immer bei Künstlern und Gelehrten , zeigte im großen und ganzen keine Verkettung äußerlich interessanter Lebensschicksale . Fromms hervorragende Teilnahme jedoch an den theologischen Streitigkeiten der Paul-Gerhardt-Zeit , sein Übertritt zum Katholizismus , um diesen Streitigkeiten zu entgehen , endlich seine angebliche , wenn auch durchaus nicht erwiesene Verfasserschaft der Lehninschen Weissagung , machen sein Leben zu einem Gegenstande , der Anspruch darauf hat , an dieser Stelle beschrieben zu werden . Andreas Fromm , nachdem er die lateinische Schule in Ruppin und Perleberg , schließlich das » graue Kloster « in Berlin besucht hatte , studierte Theologie in Frankfurt und Wittenberg , wurde Rektor in Alt-Damm , bald darauf Professor der Philosophie am Gymnasium zu Alt-Stettin und sah sich 1651 plötzlich und ohne vorgängige Schritte seinerseits von Berlin aus als Propst an die Petrikirche berufen . Er nahm auch an . Mitglieder des Berlin-Cöllner Magistrats hatten ihn wenige Monate früher , während eines Besuches in der Hauptstadt , im Hause seines Vetters , des Archidiakonus Johannes Fromm , kennengelernt , und der Eindruck , den er bei dieser verhältnismäßig flüchtigen Begegnung gemacht hatte , war bedeutend genug gewesen , um bei eintretender Vakanz sich seiner in erster Reihe zu erinnern . Unser Fromm trat , bewillkommt von Magistrat und Gemeinde , in sein neues Amt ein ; drei Jahre später , 1654 , ward er zum Mitgliede des geistlichen Konsistoriums ernannt , das damals aus dem ersten Konsistorialrat Joh . George Reinhardt ( nicht zu verwechseln mit dem starren Lutheraner , Archidiakonus Elias Sigismund Reinhart ) , aus dem Hofprediger Stosch , dem Kammergerichtsrat Seidel und Andreas Fromm bestand . Gottfried Schardius war Protonotar . Die ersten Jahre vergingen verhältnismäßig in Frieden , die von ihm gehegten Erwartungen erfüllten sich , und alle gleichzeitigen Zeugnisse sprechen sich in hohem Maße günstig über seine Gaben und seine Wirksamkeit als Prediger und Seelsorger aus . Er übernahm freiwillig den Religionsunterricht in den oberen Klassen des Cöllnischen Gymnasiums , benutzte die wöchentlichen Betstunden , die Bibel vorzulesen und zu erklären , stellte mit seinen Geistlichen Disputationen an und erwies sich dabei , mehr als es den Eiferern hüben und drüben lieb war , als ein Mann des Friedens , der Versöhnung und des schönen Maßes , dem es am Herzen lag , das echt biblische Christentum an die Stelle des schroff-lutherischen und schroff-calvinistischen zu setzen . 11 Als Lutheraner geboren und erzogen , stand er freilich innerhalb der lutherischen Kirche , aber ohne von der Unantastbarkeit einzelner den Streit nährender und zum Teil erst in nach-lutherischer Zeit vereinbarten Glaubenssätze durchdrungen zu sein . Die » Formula Concordiae « , die von den Wittenbergischen Ultras als Palladium der reinen Lehre verehrt und als ein rechter Prüfstein für das volle Maß der Rechtgläubigkeit angesehen ward , erschien ihm lediglich als eine unselige Scheidewand zwischen Lutheranern und Calvinisten . Er glaubte , wenn nicht an eine Verschmelzung , so doch an eine Versöhnung der beiden Konfessionen , an die Möglichkeit eines einträchtigen Nebeneinandergehens und beklagte deshalb die unerbittliche Rechthaberei der Lutheraner , deren Starrsinn ( um die Mitte des siebzehnten Jahrhunderts , wo der Streit neu aufzuleben begann ) die Möglichkeit einer Ausgleichung oder auch nur eines gegenseitigen sich Geltenlassens immer weiter hinausrückte . Widerstand nun schon dieser Starrsinn überhaupt seiner ganzen , zu Nachgiebigkeit und Kompromiß geneigten Natur , so widerstrebten ihm ganz besonders die Formen , in denen lutherischerseits der Streit geführt wurde . Die Wittenberger , die Formula-Concordiae-Männer , die damals noch keineswegs die Unterdrückten waren und eher Zwang übten als litten , die Wittenberger , sage ich , waren ihm einfach zu derb , und ihre Parteischriften erfüllten ihn mit Abneigung und Unbehagen . Titel , wie : » Eine unzeitige , abgeschmackige , falsche Prophetenfeige und synkretistische , dicke , fette General-Lüge , welche sich neuerdings eingefunden hat usw. « , waren damals in der polemischen Literatur der Wittenberger an der Tagesordnung , und Ausrufe wie : » die Calixtiner sind verdammt « , wurden allsonntäglich auf den Berliner Kanzeln gehört . Diakonus Heinzelmann an der Nikolaikirche , einer der größten Eiferer , predigte damals wörtlich : » So verdammen wir denn die Papisten , die Calvinisten und auch die Helmstädter . Mit einem Worte , wer nicht lutherisch ist , der ist verflucht . « Das war nicht ein Auftreten , das dem feineren Sinn unseres Fromm gefallen konnte ; Gesinnung wie Sprache waren ihm ein Schmerz und ein Greuel , und er schrieb , als ihm jene Heinzelmannschen Worte hinterbracht worden waren , an den Hofprediger Bergius : » Ach , lieber Gott , wo will doch solche Teuffelei endlich hinaus . « Keineswegs geneigt , wegen einzelner offener Fragen rundab mit dem Luthertum zu brechen , aber verletzt durch die Art , in der sich das orthodoxe Luthertum tagtäglich äußerte , bildete sich bei ihm wie von selbst eine gewisse Hinneigung zu den Reformierten aus . Sie waren die feineren Leute und deshalb seinem Wesen näher verwandt . Man kann auch heute noch , innerhalb der politischen Welt , vielfach dasselbe beobachten . Konservative wie Liberale , die zufällig in ihrem zunächst gelegenen Kreise nur gröblich gearteten Elementen ihrer eigenen Partei begegnen , ziehen es vor , in Leben und Gesellschaft mit ihren Gegnern zu verkehren , sobald sie wahrnehmen , daß diese Gegner ihnen in Form und Sitte näher verwandt sind . Die Verschiedenartigkeit der Ansichten kann zwischen feineren Naturen unter Umständen zu einem Bindemittel werden , aber grob und fein schließen einander aus . So ähnlich war es mit unserem Fromm . Das Maßvollere , das dem Schmähen und Schimpfen Abgeneigtere , das die Calvinisten ( was sonst auch ihre Mängel sein mochten ) vor den zelotischen Wittenbergern auszeichnete , tat seiner Natur wohl , und aus die ser Empfindung heraus gestaltete sich alsbald ein Freundschaftsverhältnis zu einigen der reformierten Geistlichen , ganz besonders zum Hofprediger Stosch . Leider sollte dasselbe nicht zu seinem Glücke führen . Die vertraulichen Briefe , die er durch Jahre hin an Stosch richtete und die alle darauf hinausliefen , den Eigensinn und die Untoleranz der Wittenberger zu verurteilen , entschieden später , als das Verhältnis zwischen den Freunden sich zu trüben begann , über sein Schicksal . Diese Trübung des Verhältnisses konnte aber schließlich kaum ausbleiben , ja der Entwicklungsgang , den der Kirchenstreit in unserem Lande nahm , führte direkt darauf hin . Wir werden sehen wie . Die Lutheraner hatten , um ein schon oben gebrauchtes Wort zu wiederholen , eine Reihe von Jahren hindurch eher Zwang geübt als Zwang gelitten . Aber dies änderte sich . Auf die siegreichen Jahre der Formula Concordiae folgten die bittern Jahre des » Revers « , mit dem es in Kürze die nachstehende Bewandtnis hatte . Der Kurfürst , der Zänkereien müde , deren tiefere Bedeutung er nicht einsah , entschloß sich zu einem energischen Vorgehen gegen den immer lauter werdenden Unfrieden in der Kirche . Er erließ Edikte » gegen das unnötige Eifern , Gezänk und Disputieren der Geistlichen auf den Kanzeln « , Edikte , zu deren Inhalt und sachlicher Berechtigung die Geistlichen sich durch Unterzeichnung eines Reverses bekennen mußten . 12 Der Schritt war vielleicht unvermeidlich und das Harte , was darin lag , zum guten Teile wohlverdient , dennoch war es ein Zwang , der auf einen Schlag die ganze Sachlage umgestaltete und aus denen , die bis dahin die Drückenden gewesen waren , plötzlich die Gedrückten machte . Ein Notschrei ging durch das Land , Städte- und Ständeversammlungen protestierten gegen die kurfürstliche Forderung , aber ohne Erfolg . Der Kurfürst bestand auf den Revers . Viele unterzeichneten ; andere weigerten sich , legten ihr Amt nieder und gingen außer Landes . Unter diesen letzteren war beispielsweise Paul Gerhardt . So war der allgemeine Verlauf , und die Frage entsteht : Wie stellte sich unser Andreas Fromm zu dieser veränderten Sachlage ? Die Antwort kann nicht zweifelhaft sein . Fromm , der dem Zelotismus der Wittenberger jahrelang voll Unwillen und Unbehagen den Rücken gekehrt und den Duldungsprinzipien der Reformierten sich zugewandt hatte , mußte das leis geknüpfte Band auch wieder lösen , als er erkannte , daß die Reformierten ihren Sieg nur erfochten hätten , um schließlich eine noch härtere Unduldsamkeit zu üben , als die der Wittenbergischen Eiferer gewesen war . Er war , wie wir gesehen haben , eine auf Freiheit , Maß und Schönheit gestellte Natur , und jede Art der Bedrückung ihm gleich verhaßt . Mehr denn einmal wurde er Zeuge der Gewissensangst , die einzelne Geistliche bei Unterschrift des Reverses empfanden , und der Entschluß reifte in ihm heran , sich gegen diese Bedrückung aufzulehnen . Die Gelegenheit bot sich bald . Johann Müller , Prediger zu Ribbeck , der einer Streitsache wegen vor das Konsistorium geladen war , sollte bei dieser Gelegenheit unterschreiben und weigerte sich dessen mit der Versicherung , » daß die Unterschrift wider sein Gewissen sei « . Als man immer heftiger in den erschrockenen Mann eindrang , konnte sich Fromm nicht länger halten . Er erklärte es für Unrecht , einen Revers zu fordern , wenn jemand sein Gewissen dadurch beschwert fühle , und brach zuletzt in die Worte aus : » Vim patitur Ecclesia Lutherana « , die Lutherische Kirche leidet Zwang . Dies Wort , von einem Mitgliede des Konsistoriums inmitten einer Sitzung derselben ausgesprochen , konnte nicht verfehlen , ein außerordentliches Aufsehen zu machen . Es wurde dem Kurfürsten hinterbracht . Dieser , der wie es scheint unserem Fromm wohlwollte , verlangte nur , » daß das Scandalum hinweg genommen und die Äußerung vonseiten des Propstes als eine Übereilung anerkannt werde « . Aber hierzu konnte sich Fromm nicht verstehen . Er schrieb an den Kurfürsten , er habe anfangs , da er noch auf Toleranz zwischen den beiden Parteien gehofft , das Unheil , das nun herauskomme , nicht vor Augen gesehen und habe zugegeben , soviel das Gewissen nur zugeben könne . Nunmehr aber sei er , re diu et accurate pensitata , der Ansicht , daß die begehrten Reverse von den Lutherischen nicht mit gutem Gewissen ausgestellt werden könnten . » Ich bitte « , so schließt er , » um Gottes und so vieler geängstigten Gewissen Willen , Ew . Churfürstliche Durchlaucht erbarme sich doch und überhebe sowohl die Prediger als die Ordinandos des Reverses , und lasse uns doch in Gnaden widerfahren , was den Päpstlichen nicht versaget wird . « Nach dieser Erklärung wurde Fromm aus dem Konsistorium entlassen . Die Beziehungen zwischen ihm und den Reformierten waren abgebrochen , und was das Schlimmste war , auch das Luthertum zeigte sich abgeneigt , demjenigen , der so lange sein wenigstens scheinbarer Gegner gewesen war , jetzt goldene Brücken zu bauen . Es gab nur ein Mittel , eine kirchliche Gemeinschaft wieder zu gewinnen und dies Mittel hieß : Widerruf , Lossagung von aller Synkretisterei und Glaubensvermengung . Fromm , vergeblich nach einem anderen Ausweg suchend , war endlich bereit , unter das Joch hinwegzugehen , aber er mochte das beschämende Wort des Widerrufs wenigstens nicht in Berlin , nicht innerhalb seiner alten Umgebung sprechen . Auch stand der reformierte Stosch mit den Frommschen Briefen im Hintergrund und wartete auf einen éclat . Diesen » Eclat « wollte Fromm unter allen Umständen vermeiden . So verließ er denn heimlich die Stadt , am 20. Juli 1666 , in der er jahrelang , wie selbst seine Gegner nicht zu bestreiten wagten , segensreich gewirkt hatte . Er ging nach Wittenberg , wo er in die Hände des strengen Abraham Calow fiel . Dieser unterzog ihn einer Prüfung und nahm ihn endlich in die streng-lutherische Gemeinschaft wieder auf , nachdem der scheinbar Bekehrte den in Sachsen gebräuchlichen Religionseid geschworen und dieselbe Formula Concordiae unterschrieben hatte , gegen die er , während der Jahre seiner besten Kraft , als gegen einen Druck und Zwang der Gewissen ( wie später gegen die Reverse ) geeifert hatte . Die Umkehr , hart wie sie war , hätte wenig zu bedeuten gehabt , wenn sie ehrlich gemeint gewesen wäre . Aber sie war nicht ehrlich gemeint und konnte es nicht sein . Alles , was unserem Fromm jemals als Bedrückung und Unfreiheit , gleichviel von welcher Seite her , erschienen war , erschien ihm jetzt nicht minder so , und wenn er nichtsdestoweniger dem Ansinnen Abraham Calows nachgab , so folgte er mehr einer stumpfen Verzweiflung , als einer neuen , freudigen Überzeugung . Daß ihn Wittenberg wenig befriedigte , zeigte sich bald . Die Superintendentur in Eisenberg im Sächsischen war vakant geworden , und alles deutete darauf hin , daß ihm dieselbe zufallen werde ; aber diese Aussicht , statt ihn zu erheben , drückte ihn vollends nieder . Abraham Calow und Formula Concordiae , Wittenberg und starres Luthertum , alles lag bergeschwer auf ihm , schwerer denn je zuvor , und seine Seele sehnte sich nach Freiheit oder wenigstens nach Ruhe . So beschloß er zu fliehen . Eine Reise vorschützend , machte er sich von Abraham Calow fort , und ging mit seiner Frau und fünf Kindern heimlich und in aller Stille nach Prag . Zu Anfang des Jahres 1668 legte er daselbst in einer Kirche der Jesuiten das katholische Glaubensbekenntnis ab . Nicht lange darauf wurde er in den gewöhnlichen Abstufungen zum Priester geweiht . Sein Übertritt machte Aufsehen , sowohl innerhalb der protestantischen wie katholischen Welt , und ein Jesuit , namens Tanner , entwarf einen ausführlichen Bericht über die Feierlichkeiten , die bei der Konversion stattgefunden hatten . Die Protestanten ihrerseits begnügten sich , Spottverse auf ihn zu machen , und einer stellte aus seinem Namen Andreas Fromm das Anagramm zusammen : den fraß Roma . Fromm selbst lebte noch eine Reihe von Jahren und starb 1685 als Kanonikus zu Leitmeritz in Böhmen . Während dieser seiner letzten Epoche , die , wenn nicht die glücklichste , so doch jedenfalls die friedlichste Zeit seines Lebens war , soll er , nach Ansicht Otto Schulz ' s ( des bekannten Berliner Schulrats und Herausgebers der Paul Gerhardtschen Lieder ) , die Lehninschen Weissagungen geschrieben und die Muße , die ihm der Katholizismus gewährte , zu einem Verurteilungsgedicht der protestantischen Hohenzollern benutzt haben . Ich kann diese Ansicht nicht teilen . 13 Ebensowenig kann ich mich denen anschließen , die den ehemaligen Propst von St. Petri zu einem zweideutigen , mindestens zu einem schwachen Charakter haben stempeln wollen . Er war einfach ein Mann , der in einer kirchlichen Zeit , die durchaus ein » Entweder-Oder « verlangte , sich mit Wärme für ein » Weder-Noch « entschied . Er war ein feinfühliger Mann , dem alles Gröbliche und Rücksichtslose widerstrebte , er war ein freisinniger Mann , dem alles tyrannische Wesen , gleichviel ob es Hof oder Geistlichkeit , Volk oder Regierung übte , widerstand . Als der lutherische Zelotismus drückte und peinigte , neigte er sich dem glatteren und mehr weltmännischen Calvinismus zu , als umgekehrt die Reformierten Gewissenszwang zu üben begannen , stellte er sich wieder – nicht der Dogmen halber , sondern als freier Mann – auf die lutherische Seite . Es gebrach ihm an dogmatischer Strenge , das wird zuzugeben sein , aber er hatte die schönsten Seiten des Christentums : die Liebe und die Freiheit . Wäre er eine schwache oder gar eine zweideutige Natur gewesen , hätte er sein irdisches Wohl über sein ewiges gesetzt , so hätten wir die Wandlung , die ihn wieder zu den Lutherischen zurückführte , sich nie an ihm vollziehen sehen . Seine Briefe an Stosch hatten ihn bereits halb in das Lager der Calvinisten hinübergeführt , und er brauchte auf dem betretenen Wege nur einfach weiter zu schreiten , um einer glänzenden Laufbahn sicher zu sein . Die Reformierten hätten ihn freudig begrüßt und die Lutheraner ihn ohne Verwunderung scheiden sehen . Er tat es aber nicht und hatte den Mut , auf halbem Wege stillzustehen und sich zwischen die Parteien zu stellen . Er wußte , daß sein Schicksal in Stoschs Händen lag , aber er sprach dennoch in voller Sitzung des Konsistoriums sein » Vim patitur ecclesia Lutherana « , weil , über die Klugheit und alle Berechnung hinaus , sein Herz immer bei den Unterdrückten war . Daß er sich dem Abraham Calow auf kurze Zeit überantwortete , statt gleich den Schritt in den Ruhehafen des Katholizismus zu tun , mag man tadeln , aber die Mutter dieser ängstlich nach dem Ziele tappenden Verirrung war die – Verwirrung . Pastor Reinhart , einer von den hartköpfigsten Lutheranern jener Epoche , soll freilich , lange bevor die geschilderte Katastrophe kam , über unseren Fromm geäußert haben : » der Kerl sieht aus wie ein Jesuit und er wird auch noch einer werden « , aber aus diesem Kraftspruch , der ohne Not zu einer Art Prophezeiung gemacht worden ist , ist doch einfach nur der Schluß zu ziehen , daß unser Andreas Fromm von St. Petri ein Mann von glatteren Formen war , als Elias Sigismund Reinhart von St. Nikolai . Übrigens existiert bekanntlich auch heute noch kein Geistlicher , und wenn er an der Grenze der Lichtfreundschaft stände , dem nicht irgend einmal nachgesagt worden wäre : » er säh ' aus wie ein Jesuit und würd ' auch noch einer werden . « Andreas Fromm flüchtete in den Katholizismus . Die aus Gewissenhaftigkeit und Eigensinn , aus Überzeugungstreue und engherziger Philisterei geborenen Zänkereien jener Epoche trieben ihn an ein Ziel , an das er , in den glücklichen Jahren seines Wirkens , nicht einmal gedacht haben mochte . Konsistorialrat Martin Friedrich Seidel , Fromms besonderer Freund , schrieb über ihn : » Wollte Gott , es wäre dieser Fromm mit Glimpf und gütlichen Mitteln bei unserer lutherischen Kirche behalten und von solchen extremen Schritten abgehalten worden . Ich muß ihm das Zeugnis geben , daß ihm Gott stattliche Gaben verliehen hatte . « Und selbst Otto Schulz , der sonst eher als Ankläger denn als Verteidiger unseres Fromm auftritt , schließt mit den Worten : » Seine innerste Gesinnung war christlich ; nichts als das Gezänk im Innern der evangelischen Kirche und das Schwanken , sowohl in der Lehre als in der Verfassung , haben ihn aus der Kirche herausgetrieben . « 5. Kronprinz Friedrich in Ruppin 5. Kronprinz Friedrich in Ruppin Die Wetter waren verzogen Und die Sonne wieder schien , – Es spannt sich ein Regenbogen Auf dem dunklen Grunde Küstrin . I Das der Thronbesteigung des großen Königs vorhergehende Jahrzehnt , also der Zeitraum von 1730 – 1740 , pflegt in zwei ungleiche Hälften geteilt zu werden , in die düstern Tage von Küstrin und in die lachenden Tage von Rheinsberg . Diese Einteilung , die sich neben andrem auch durch den Reiz des Gegensatzes empfiehlt , mag der ganzen Welt ein Genüge tun , nur die Stadt Ruppin hat ein Recht dagegen zu protestieren und eine Dreiteilung in Vorschlag zu bringen . Zwischen den Tagen von Küstrin und Rheinsberg liegen eben die Tage von Ruppin . Es ist wahr , die Ruppiner Episode ist unscheinbarer , undramatischer , kein Katte tritt auf das Blutgerüst und kein Bayard-Orden wird gestiftet , aber auch diese stilleren Tage haben ihre Bedeutung . Versuch ' ich es , ihnen in nachstehendem ihre Existenz zurückzuerobern . Am 26. Februar war Kronprinz Friedrich von Küstrin in Berlin wieder eingetroffen , und zwölf Tage später ( am 10. März ) erfolgte seine Verlobung . Aller Zwiespalt schien vergessen . » Obristlieutenant Fritz « , über dessen Haupte vor nicht allzu langer Zeit das Schwert geschwebt hatte , war wieder ein » lieber Sohn « und Oberst und Chef eines Regiments . Dies Regiment , das bis dahin kompanieweis in den kleinen Städten der Priegnitz und des Havellandes , in Perleberg , Pritzwalk , Lentzen , Wittstock , Kyritz und Nauen in Garnison gelegen und nach seinem frühern Chef den Namen des von der Goltzschen Regiments geführt hatte , wurde jetzt zu größerer Bequemlichkeit für den Kronprinzen in Ruppin und Nauen konzentriert . Das Regiment selbst aber erhielt den Namen » Regiment Cronprintz « . Bratring , in seiner Geschichte Ruppins , schreibt , daß im Jahre 1732 das zweite Bataillon des Prinz von Preußen Infanterieregiments nach Ruppin verlegt worden sei . Dies ist in doppelter Beziehung nicht ganz richtig . Es gab damals noch gar kein Prinz von Preußen Infanterieregiment , weil es noch keinen Prinzen von Preußen gab . Erst 1744 wurde Prinz August Wilhelm zum Prinzen von Preußen ernannt und seinem Regiment der entsprechende Name gegeben . Sein Regiment hieß bis dahin das Prinz Wilhelmsche Regiment . Dies stand allerdings zu Neu-Ruppin in Garnison , es kam aber 1732 – und dieser Irrtum ist der gewichtigere – nicht nach Ruppin , sondern ward umgekehrt von Neu-Ruppin nach Spandau fortverlegt , um dem einrückenden Regiment Kronprinz – bis dahin von der Goltz – Platz zu machen . Wenn wir , wie in nachstehendem geschehen soll , die Erlasse des Königlichen Vaters zusammenstellen , die jener Zeit der Wiederversöhnung angehören und sich damit beschäftigen , dem wieder angenommenen Sohne sein Entree und sein Leben in Neu-Ruppin möglichst angenehm zu machen , so wird man von der Vorsorglichkeit und einer gewissen Zärtlichkeit des Vaterherzens ( eines Vaters , der achtzehn Monate früher mit dem Tode gedroht hatte ) nicht wenig überrascht . So scheint es ihm beispielsweise zu Ohren gekommen zu sein , daß Ruppin auf einem seiner Plätze , dem noch jetzt existierenden Neuen Markt , einen alten Militärgalgen für die Deserteure habe . Voll feinen Gefühls erkennt er , daß das an die Küstriner Novembertage von 1730 erinnern könne , und in folgenden Erlassen trifft er Vorsorge , daß dem Auge des Sohnes solch Anblick erspart weden möge . » Der Galgen soll außer der Stadt herausgeschafft , auch die Pallisaden an die Mauer gesetzt und alle Schlupflöcher zugemacht werden . Muß alles gegen den 20. Juni fertig sein . Auch soll das Haus dicht bei des Obristen von Wreech Quartier , so der Kronprinz von Dero Quartier choisiret , gehörig aptiret werden . « ( Potsdam , Reskript vom 24. Mai 1732 . ) Aber nicht nur der häßliche Schmuck des Neuen Marktes soll fort , die ganze Stadt soll sich dem Einziehenden , dem neuen Mitbürger , in ihrem besten Kleide präsentieren und so heißt es in einer zweiten Order vom Tage darauf : » das Prinz Wilhelmische Regiment soll den 1. Juni aus Neu-Ruppin ausmarschiren . Dann soll gleich der Koth aus der Stadt geschafft und die Häuser , die noch nicht abgeputzt sind , sollen abgeputzt werden . « Wir haben in vorstehendem festzustellen gesucht , welches Regiment damals als » Regiment Cronprintz « nach Ruppin und Nauen hin verlegt wurde ; schwerer ist es , sich zu vergewissern , welches Bataillon in Ruppin und welches in Nauen lag . Wir finden darüber Widersprechendes . Am 22. April ( 1732 ) erläßt der König folgendes Reskript an den Kriegsrat Lütkens : » Das erste Bataillon des cronprintzlichen Regiments soll in Nauen und das andre Bataillon in Neu-Ruppin vom 1. Juli 1732 an einquartieret werden « , und im Einklang mit dieser Order schreibt derselbe Kriegsrat Lütkens noch am 20. Juni an den Ruppiner Magistrat : » So wird denn also das zweite Bataillon des besagten Regiments am 26. Juni in Ruppin einmarschieren . « Aber der König oder der Kronprinz müssen plötzlich ihre Ansicht hierüber geändert haben , denn schon Anfang Juni heißt es in einem Briefe aus Ruppin : » Unsere neue Garnison ist eingerückt , das erste Bataillon des Regiments › Cronprintz ‹ ist hier , auch der Cronprintz selbst , der Obrist-Wachtmeister usw. « Diese letztere Angabe stimmt auch mit Preuß überein . Ingleichen bestätigen die Papiere , die mir zur Hand sind , die Angabe , daß von den fünf Kompanien des zu Nauen in Garnison liegenden Bataillons eine weggenommen und der Ruppiner Garnison zugeteilt wurde . In einem Reskripte vom 30. November 1733 heißt es : » Von den 5 Compagnien des Cronprintzlichen Regiments , die zu Nauen liegen , soll eine Compagnie und zwar die des von Calebutz nach Neu-Ruppin hin verlegt werden . « Dies geschah , weil Nauen zu klein war für eine so große Garnison . So viel von dem Regiment , dem der Kronprinz als Chef und Oberster vorgesetzt war . Die nächste Frage ist : wann traf der Kronprinz in Neu-Ruppin ein ? Preuß sagt : » bereits im April « . Dies scheint nur in gewissem Sinne richtig zu sein . Er war allerdings im April dort , aber wie wir annehmen müssen , nur auf einen oder auf wenige Tage , nur ausreichend , um eine passende Wohnung zu suchen . Der König in dem oben zitierten Reskript ( vom 24. Mai ) schreibt : » Die Wohnung , die der Cronprintz zu seinem Quartier choisiret , soll aptiret werden « , woraus sich mit ziemlicher Gewißheit ergibt , daß er , der Kronprinz , vorher selber da war , um eben die Wahl zu treffen . Aber ebenso sicher scheint es , daß er erst Ende Juni zu wirklichem Aufenthalt in Ruppin eintraf , denn nicht nur , daß den Personen , die für die » Abtirung « der Oberst von Wreechschen Wohnung Sorge zu tragen hatten , ausdrücklich bis zum 20. Juni Zeit gelassen ward , es schreibt auch der Fähnrich von Buddenbrock am 22. Juni : » Die neue Garnison wird am 26. d. erwartet und der Cronprintz wird im Wreechschen Hause logiren . « Also er war noch nicht da und traf erst , mutmaßlich am gleichen Tage mit seinem Bataillon , gegen Ende des Juni am neuen Wohnort ein . Das Palais , das er bezog , lag in der Nähe der Stadtmauer , nur durch einen Garten von ihr getrennt , und war durch die Verbindung zweier Nachbarhäuser , der Wohnung des mehrgenannten Obersten von Wreech und des Oberstleutnants von Möllendorff , die bis dahin wahrscheinlich das Prinz Wilhelmsche Regiment geführt hatten , in aller Eile hergestellt worden . An Komfort mochte Mangel sein und dieser Umstand trug gewiß das Seine dazu bei , daß , zwei Jahre später , das Rheinsberger Schloß gekauft und , nachdem es hergerichtet war , zum entschieden bevorzugten Aufenthaltsort gewählt wurde . Suchen wir nun festzustellen , wie der Kronprinz seine Ruppiner Tage zubrachte . Was ihn nachweisbar zumeist in Anspruch nahm , war die Ausbildung seines Regiments und die Verschönerung der Stadt . Die ernstliche Beschäftigung mit dem » Dienst « fing an , ihm den Soldatenstand lieb zu machen . Er achtete auf kleines und großes , nichts erschien seinem Interesse zu gering . Standen Revuen vor dem Könige bevor , so wurden beide Bataillone zusammengezogen , um dem Regiment durch gemeinschaftliche Manövres