Flachswickel um den andern zum feinen Faden drehte . Die Herrische Nun hatte sich also der Weidhofer , mein Ziehvater , wie ein rechter , guter Christ der Jungfer Kathrein angenommen , hatte ihr in der Erbsache wohl geraten und auch ihr Geld in seine Obhut getan . Die Kuh und Geißen standen nun im Stall bei seinem Vieh , und wegen des Waldhauses war er bald mit dem Mädchen einig um fünfhundert Gulden ; denn er meinte , der Grund sei am Wald wohl saftig genug , daß man es mit Klee und Haber darauf probieren könne . Nun waren aber noch alle Stuben im Waldhaus so , wie sie am Todestag der Irscherin gewesen ; der Weidhofer nahm daher Rücksprach mit der Jungfer , ob sie nicht willens wär , das ganze Gerumpel auf den Markt zu stellen und versteigern zu lassen ; denn , meinte er , es nehme ihm den Platz in der Hütte weg und sei dennoch nichts für gut . » Was dir grad bsunder lieb und wert ist , kannst ja in meinen Hof schaffen « , sagte er , als sie ihn mit großen , angstvollen Blicken ansah ; » von mir aus kannst dir auch deine Stuben vollstellen mit dem Zeug ; aber das meiste , die Hauptsach , tät ich hergeben , wenn ich du wär ! « Da sagte sie ja , und nachdem der Hausl mit dem Fuhrwerk das Himmelbett , einen bemalten Kasten , eine Kommode , die Standuhr , die Zither und das Spinnradl samt Tisch , Stühlen und Bildtafeln in den Weidhof gebracht hatte , ließ sie die noch vorhandenen Kästen und Truhen leeren , behielt vom Inhalt , was ihr gefiel , und übergab das andere nebst dem Mobiliar dem alten Donatl , der an jedem ersten Mittwoch im Monat auf dem Marktplatz den Hammer schwang und überflüssige und entbehrliche Dinge wieder nutzbar und wertvoll machte , indem er sie denen , die sein Faß , auf dem er schrie und werkte , umstanden , mit vielen und wohlgewählten Worten anpries und ein ganz respektables Mindestgebot dafür forderte . Ich half überall mit anpacken , auch beim Fortschaffen dessen , das auf den Markt kam , obgleich mir um jedes Stück , das ich aus dem Haus trug und zum Wagen schleppte , von Herzen leid war ; denn ich hing doch viel mehr an dem Waldhaus , als es durch den kurzen Aufenthalt dort eigentlich bedingt gewesen wäre . Aber gewaltsam unterdrückte ich jede Kundgebung meines Schmerzes , um ja dem Mädchen keinen Einblick in mein Inneres mehr zu geben ; denn nichts in der Welt hätte noch vermocht , mich von dem einmal gefaßten Entschluß abzubringen , meine Lieb für sie ganz zu verschließen und zu verbergen . Ich ging ihr aus dem Weg , so gut dies in einem engen Bauernhaus eben möglich war ; und wenn ich mit ihr dennoch beisammen sein mußte , legte ich ein so gleichgültiges , ja unfreundliches Wesen an den Tag , daß sie wohl glauben mußte , ich hätte keinen Gedanken mehr an sie und an das Vergangene . Freilich , in den stillen Nächten , wenn es kein Aug ersehen , kein Ohr vernehmen konnte , da packte mich der Schmerz immer von neuem und trieb mir nicht selten grimmige Tränen in die Augen , wenn ich jener Stunden und Tage gedachte , die ich im Waldhaus mit dem Mädchen verbracht . Ich war durch meine Neigung zu ihr unversehens zu einem reifen Burschen geworden und hatte keinen Augenblick anders gedacht , als daß ich sie dermaleinst werde besitzen und für sie arbeiten können , bis die unselige Erbschaft alle meine Träume und mein Hoffen zerschlug . Gegen Abend war nun das Waldhaus ganz leer , und der Weidhofer ging von Stube zu Stube und sagte zufrieden : » Da hat schon was Platz herin ; herunten machen wir mit Futter voll und droben mit Stroh . Jetzt kann wachsen , so viel als mag ; unterbringen tun wir ' s schon ! « Mit fröhlicher Miene verschloß er alles und ging gemächlich heim ; die Jungfer schritt blaß neben ihm her , und ich folgte ihnen , nachdem ich noch einen Augenblick beim Kreuz verweilt hatte . Der Hausl hatte derweil das Himmelbett und alles andere vom Leiterwagen herab und im Hof aufgestellt , worüber die Weidhoferin so erzürnt war , daß sie uns mit heftigem Schelten empfing , als wir in den Hausflöz traten . Dennoch aber half sie darnach selber mit , die Kammer der Jungfer auszuräumen , und befahl sogleich einer Dirn , den Boden zu fegen und frische Vorhänge aufzustecken . Dann lief sie geschwind in ihre eheliche Schlafkammer , holte geweihten Rauch und Kräuter , legte sie aufs Glutpfännlein und räucherte die Stube damit aus , auf daß dem Kathreinl nichts Übles darin widerfahre . Und da ihr die Jungfer mit einem guten Dank vergalt , wurde meine Ziehmutter plötzlich weich und meinte : » Mußt mir ' s nit sonderlich nachtragen , meine Letzheit gegen dich ! Schau , wenn ich gwißt hätt , wo d ' her bist ... « Sie wurde ganz rührselig und mußte die Schürze an die Augen drücken , so daß das Mädchen mit einem brennroten Gesicht sagte ; » Aber , Weidhoferin ! Zwegen dem brauchts Ihr doch nit zu heunen ! Ob man jetzt von hoch oder nieder stammt - vor unserm Herrgott sind wir doch allesamt bloß arme Würm ! « Der Weidhofer unterbrach sie : » Ein Wetter steigt auf ! Helfts und packts an , daß wir alles trocken unterbringen ! « Da gings ! Die Meßmerin regierte die Leut herbei , die Jungfer stand in der Kammer und nannte den Platz , wo sie ein jedes Ding haben wollte , und nach einer knappen Stunde war die Stube fertig , und das Mädchen gehörte zum Weidhof . Und als nach einer Weile der Sturm ums Haus fegte und der Weidhofer in die Kirche lief , den Wettersegen zu läuten , da kniete auch die Jungfer drunten in der Wohnstube und betete mit dem ganzen Haus samt Kostkindern und Ehehalten das Evangelium Johannis : Im Anfange war das Wort , und das Wort war bei Gott , und Gott war das Wort . Aß auch am selben Abend noch unangefochten am großen Tisch mit den andern zur Nacht und ward von allen geehrt und hochgehalten als die leibliche Tochter des edlen Herren von Höhenrain . Sie hatte einen Haufen kleiner Münze unter das Gesinde verteilt und , nachdem das Wetter sich verzogen hatte , allen zu Ehren ihres Einzugs Freibier und Honigkuchen gestiftet ; mir aber legte sie , bevor sie zu Bett ging , den feinen Rock , ein samtenes Leibstück und die große Taschenuhr ihres Ziehvaters in meine Kammer und bat mich , daß ich es annehmen wolle zum Angedenken an die Irschermutter und das Waldhaus . Sie begabte auch die Kirche und stiftete einen Jahrtag für ihre selige Mutter ; wollte auch für die Irscherin einen anordnen , das ihr aber nicht gelang , dieweil der Pfarrer auch jetzt noch der Toten jede heilige Handlung und Segnung verweigerte . Doch wußte der Weidhofer hierin einen guten Rat und empfahl der betrübten Jungfer , sie solle doch zu unserer lieben Frau auf den Birkenstein gehen , dort wär die Stiftung wohl angenehm und in willfährigen Händen ; wofür ihm die Jungfer groß dankte und fünfzig Gulden dorthin brachte . Von Mathäi zu Laurenzi Nach diesen Ereignissen kam die Erntezeit ; ein jedes im Weidhof hatte vollauf zu werken , und auch ich mußte nun meine Glieder fleißig brauchen ; der Ziehmutter mangelte das Kuchelmensch , dem Vater der Ochsenbub , da beide im Heuet waren ; auch mußte ich den Mahdern das Essen und den Scheps aufs Feld bringen , Heu und Klee wenden , die Leiterwagen zum Einführen der Ernte bald auf diesen , bald auf jenen Acker oder Grund fahren und zuweilen wohl auch an Stelle des Vaters in der Kirche zum Angelus läuten . Im Waldhaus wurden nun alle Fensterladen geschlossen und die Stuben und Kammern mit dem reichen Ertrag an Klee , Heu , Wicken und Haber angefüllt , während die Stadel des Weidhofs Roggen , Korn und Grummet , Stroh und Laubstreu bargen . Ein fröhliches Erntefest folgte auf diese an Arbeit und Sorge reiche Zeit , und es wurde wieder lebendig in dem bisher stillen Bauernhaus . Bald erscholl auch wieder aus der weitgeöffneten Tenne das klappernde Lied der Dreschflegel : Buama , hauts ein , Hauts nur grad drein ! Dirndln , hauts ein , Dreschts fleißig drein ! Laßts enka Drischl fliagn , Daß mir an Lobspruch kriagn ; Drischts alle Spitzbuam z ' samm , Daß mir koa Plag it habn Mit so an Teifisgfraß ; Hauts zua , na habts an Gspaß ! Unter der Drischl drin Habts die foast Weberin Und den kloan Nagelschmied ; Dreschts ' n nur aa guat mit ! Hauts nur grad zua allsam , Dreschts es guat z ' samm ! Bauer , hau ein , Drisch uns an Wein ! Bäuerin , hau ein , Drisch uns an Brei ! Laßts enka Drischl fliagn , Daß mir hübsch Gulden kriagn ; Drischts alle Schulden z ' samm , Daß mir koan Schadn it habn ; Dreschts uns a Feirtagwand , Gebts uns an Guldn auf d ' Hand ! Unter der Bettziach drin Habts enkan Geldsack liegn , Teats ' n nur außa gschwind , Daß ' n der Schwed it findt ! Laarts ' n am Dreschbodn hin , Na san ma zfriedn ! Es ist schon ein alter Brauch , daß die Drescher in ihren Drischelliedern die Verfehlungen ihrer Nachbarn , besonders aber den Ehebruch , geißeln und rügen , ihre Gerechtsamen als Ehehalten dem Bauern und der Bäuerin fürhalten und auf ehrliche Auszahlung ihres Lohnes dringen . Drum stellte auch die Weidhoferin während dieser Tage öfter als sonst den Fleischhafen übers Feuer und warf auch in den Brei allwegen ein größeres Stück Schmalz zum Schmeck als sonst . Und als dann die Kirchweih kam , da trug sie Schüsseln auf , daß sich der Tisch bog : dreierlei Fleisch und dreierlei Knödel , zweierlei Tauch und zweierlei Schmalzküchlein , und ein eigenes Kirtabrot mit Zibeben und gedörrten Birnen und Zwetschgen gespickt , Kaffee , Bier , Most und Wein . Dann kam der Zupfgeigenjackl und der Klarinettensteffl ; der Oberknecht holte seine Zither unter der Bettstatt heraus , und der Ochsenbub nahm das Trumscheit aus der Ecke , und bald gings an ein Musikmachen und Singen , an ein Tanzen und Stampfen , daß alle Fenster schepperten und der Boden erzitterte . Auch das Kathreinl brachte an diesem Tag seine Zither herab und schlug sie meisterlich , sang auch viele Trutzgsangln und war munter und aufgeräumt . Sie hatte wieder ihren Staat angelegt , und als sie einmal mit einem der Burschen tanzte , da klirrten die Taler und Münzen , die Träublein und Ringe an ihrem Silbergeschnür , und der Seidenzeug ihres Gewandes knisterte und rauschte . An diesem Tag hat mancher , glaub ich , leichtlich vergessen gehabt , daß das Maidel einmal als Hexenjungfer verachtet und verschrien war ; ja , ich glaube nicht übel zu raten , wenn ich dem oder jenem zutraue , er habe damals im Ernst erwogen , ob seine Spargroschen sich etwan wohl ausnähmen neben dem Geldsack der Jungfer oder ob sein pechschwarzer und strohgelber Haarschüppel zu den Goldzöpfen einer Herrischen gut stünde . Auch mich ergriff wieder eine unbezwingliche Sehnsucht , das Mädchen an mich zu reißen und zu herzen ; doch kämpfte ich hart dagegen und begann zu saufen und zu plärren , auf daß meine Sinne betäubt würden . Sang auch alle Trutzlieder durch , die mir bekannt waren , machte ungefüge neue hinzu , sang über die Junker und über die Pfaffen , spottete der Lieb und Treue und gehub mich am End so zügellos , daß der Weidhofer aufstund , mich bei den Ohren hinauszog und mir ein paar herunterstrich . Über diese derbe Zurechtweisung war ich dann so sehr beschämt , daß ich mir nicht mehr getraute , zu den andern hineinzugehen , sondern mich ganz still und kleinlaut nach der Kuchel verzog , wo die Weidhoferin und das Kuchelmensch eifrig brieten und hantierten ; bald wurde es mir aber darin zu dämpfig , und ich drückte mich nach dem Stall , lehnte mich an die Hühnersteigen und schlief schließlich dorten so fest ein , daß mich weder das Rufen der Stallmagd noch die Püffe des Ochsenbuben wieder erwecken konnten und das Stallmensch mir am End aus christlicher Nächstenlieb ihren Melkkittel unterbreitete und mich daraufstieß und schnarchen ließ bis zum andern Morgen . Da verwunderte ich mich höchlich über diese seltsame Liegerstatt und konnte mich gar nicht drauf besinnen , wie ich dahin gekommen war . Es wurde mir aber bald ein Licht darüber aufgesteckt , indem die Burschen und Mägd allesamt , kaum ich darnach in die Stube trat , um meine Frühsuppe zu essen , anfingen , mich zu verlachen und als traurigen Helden zu rühmen , der , wenn er auch noch nach Windeln rieche , gleichwohl schon gut beschlagen sei im Saufen und Schreien , und der jede gute und ehrbarliche Gemein durch sein säuisches Benehmen in üble Nachred brächte . Mit offenem Maul saß ich unter solchem Gered da und marterte mein Hirn , ohne daß mir was einfiel . Da half mir der Weidhofer drauf : » Gelt , heut sitzt da , als wenn dir d ' Hennen ' s Brot gnommen hätten ! Aber gestern hat einer plärrt und grehrt wie ein narreter Stier , und hat sich aufgmandelt und ein rechtlichs Maidl verächtlich gmacht ! ... « Und da ich ihn ganz verdattert anglotzte , fuhr er fort : » Ja , ja . So hast es trieben , gestern . Aber jetzt hast ausgstänkert , mein ich ; jetzt sind dir die Perlen rausgfallen aus der Kron ; und deine Jungfer , denk ich , wird wohl auch genug haben an so einem Lüdrian , so einem Hannaken , wie du einer bist . « Bei einer solchen Kirchweihpredigt wär einem andern auch kaum mehr bsunder geruhig zumut gewesen ; mir aber ward so elend dabei , daß ich , weiß Gott , was drum gegeben hätt , wenn ich in diesem Augenblick hätt ein Tarnkäpplein oder Bleßpulver bei mir getragen , mich unsichtbar zu machen , oder einen Meilenstiefel , mich damit an das ander Weltend zu kutschieren ; aber ich war verurteilt , zur Predigt auch noch das Amt zu hören , indem sie nun alle zusammenschrien und auf mich einfuhren , bis ich mit einemmal einen greulichen Fluch ausstieß , meinen Stuhl umwarf und hinausstürmte . Ich riegelte mich in meine Kammer ein und ließ mich nicht mehr sehen , bis die andern auf dem Kirchgang waren ; da denn der Kirchweihmontag bei uns als ein guter Feiertag gleich dem Oster- und Pfingstmontag galt . Erst als alles im Haus still geworden , schlich ich aus meiner Kammer und lief durch den Stall hinaus und fort , trieb mich etliche Zeit im Wald herum und ging darnach keck zu einem Sonnenreuther Bauern auf den Kirtaheimgarten ; doch hielt ich mich dorten tapfer und sparte den Trunk . Gegen Abend bedankte ich mich sodann und ging heim , drückte mich , während die Unsern in der Stube sangen und spielten , eilig über die Stiegen hinauf in meine Kammer und ließ mich von dem Tag ab nur selten noch bei den Mahlzeiten sehen . Der Jungfer Kathrein aber ging ich nun noch mehr aus dem Weg wie ehvor und tat , wenn wir uns dennoch trafen , wie ein Fremder gegen sie ; blieb auch den Winter über wie ein Einsiedel in meiner kalten Klausen , während die andern scherzend und lachend in der warmen Stube bei der Kunkel saßen und die Burschen den Maiden mit dem Kienspan zum Spinnen leuchteten und allerhand Fäden knüpften . So kam der Auswärts , das Frühjahr , und der Weidhofer schickte mich wieder , wie ehedem , mit dem Vieh auf die Alm ; denn , meinte er , zur groben Arbeit taugte mein zerschundener Leib doch nicht viel ; womit er auch recht hatte : ich wurde nichts Rechtes mehr seit dem Sturz vom Felsen ; mein Körper blieb unscheinbar , meine Füße waren kurz und stumpficht , meine Arme aber dürr und gar lang . Auch zwickte und riß es mich bald da , bald dort , und ich hatte manchen Tag , an dem ich mich kaum rühren konnte . Ging also mit vieler Freud wieder auf die Berg wie ehvor , hütete das Vieh des Weidhofs und die Kuh samt dem Kalb und den Geißen der Jungfer Kathrein und schnitzelte dabei allerhand Krippenmännlein und Himmelmuttern , bis eines Tages etwas daherkam , das mich wie der gottlos und unbarmherzig Kuckuck aus meinem Nest warf und in eine fremde Welt hinausjagte . Kindlnot und Brautschau Es schickte sich um Laurenzi desselben Jahres , da ich wieder auf der Alm saß , daß unsere Schwaigerin , die Hosennandl , über allerhand Beschwernisse und Gebresten klagte und mit Schmerzen die Zeit herbeisehnte , wo wir wieder heimtreiben durften von der Alm . Und etliche Wochen darnach geschah es , daß es mitten in der Nacht heftig an meine Kammertür klopfte und die Nandl mit Zähnklappern bat , ich solle doch geschwind hinüberlaufen in die Riedleralm , daß die Mariandl käm und ihr beistünd . Ich stand also eilends von meinem Strohsack auf , fuhr in die Hosen und lief , was ich konnte ; denn die Nandl tat so wehleidig und jammerlich , daß mir ganz angst um sie wurde . Pochte also ungestüm an die Fenster und Tür der Mariandl , bis sie endlich aufmachte und mich anhörte . » Daß ' s Gott gsegn ! « schrie sie . » Sie wird doch nit die rot Ruhr im Leib haben oder gar die Pestilenz ! « Eilig legte sie ihren Kittel an , und wir liefen , so schnell wir konnten , durch die mondhelle Nacht hinüber in die Weidhoferalm zu der Kranken . Aber , wer kann unser Staunen und Verwundern beschreiben , als wir die Tür auftaten und uns ein dünnes Kreischen in die Ohren scholl ! Da lag die Nandl , müd und matt , und neben ihr ein nackends Wuzerlein , nicht größer denn eins von unsern jungen Säulein , so die Alte zu Pfingsten geworfen hatte . Mit schwacher Stimm bat mich die Mutter Nandl , daß ich mich ums Melken bekümmern wolle ; die Mariandl , der ' s Gott danken mög ihre Lieb , würd schon fertig in der Hütten . Hätt ja schon gern noch das brennrote Würmlein mit dem feinen , schwarzen Haarschüppel ein wenig betrachtet ; aber ich ging , als man mir sagte , daß ich darnach noch lang das Kindsmensch machen könnt , wenn unser lieber Herr den Balg da ließ auf der Welt , und daß ich ihm , zumal es ein Bub sei , Gevatter stehen und ihn aus der Tauf heben dürft . Als nun der helle Tag heraufgekommen war , schickten mich die Frauen hinab zum Weidhof , daß ich meiner Ziehmutter die Botschaft brächt von dem Ereignis , auch um eine Aushilf für die Schwaigerin tracht und im Vorbeigehen dem Häuslpauli ans Fenster pumpere und ihm ausricht : ein Bub wär ' s , und er sollt an seine Vaterpflicht denken . Also machte ich mich auf den Weg und traf den Pauli grad auf dem Rübenacker vom Staudenweber , Blätter für seine Stallhasen rupfend . Pfiff ihm also , daß er erschrocken in die Höhe fuhr , und schrie ihm zu : » He , Pauli ! Ich soll einen Kinihasen auf d ' Weidhoferalm bringen , Kindstauf gibt ' s ! « Er kam langsam , wie lauernd , näher : » Ha moanst ? « » Wie ich mein , fragst ! « schrie ich ihm da in die Ohren , als wenn er stocktaub wär . » Na , ich mein , und ich weiß und soll dirs sagen , daß d ' Vater worden bist heut nacht ; ' n Buben hat s ' , die Hosennandl vom Weidhof ; wirst ja schon gutding wissen jetzt , was d ' zu tun hast . « Damit wollte ich gehen ; der Pauli aber hielt mich am Ärmel fest : » Daß i net wüßt , Bua ! ... Is mir nix bekannt ! - Gar nix ! ... An Buam , sagst ? ... Naa , gar nix bekannt ! ... Soo , heunt nacht , sagst ? ... Woaßt , mi gehts ja nix o , i kenn mi aa net o als Vatern ; naa , gar net ! ... Wenn hat s ' denn schon ? ... Ja so , heunt nacht ... ja ... no - sagst halt , es is scho recht . I werd mirs überlegn . « Damit bückte er sich wieder und rupfte weiter , wie wenn nichts gewesen wär ; ich aber rief ihm noch zu : » Ist auch gescheider , du überlegst dirs , Pauli ! D ' Nandl hat ein hübsches Geldl und ist auch sonst gar net übel ! « Dann lief ich weiter und kam gerade in dem Augenblick in den Weidhof , als zwei mit Bändern und Blumen geschmückte Rösser am Brunnengrand vor der Haustür standen und tranken . Ich trat ins Haus und mit dem Ruf in die Kuchel : » D ' Nandl braucht eine Hilf , sie ist krank und hat ' n Buben ! « Aber kein Mensch merkte auf mich ; die Ziehmutter stand lachend vor dem Herd und kochte ein fettes Eiergericht , und das Kuchelmensch holte die Schnapskrugel aus der Speiskammer und lief damit in die Stube , wo zwei mit bunten Bändern und Blumen aufgeputzte Mannsleute standen und sich mit dem Ziehvater laut vom Wetter und von der Ernte unterhielten . Ich folgte der Dirn und trat neugierig ein , als plötzlich der eine von den Bandelnarren die Nase in die Luft reckte und ausrief : » Was kimmt denn jetzt lei a feins G ' rüchei in d ' Stubn daherein ? Meiner Treu ! In dem Haus muaß a Bräutl sein ! « Worauf auch der andere herumschnupperte und sagte : » Bruada , du hast recht , und i werd schaugn gschwind , Ob i das Bräutl nindascht find ! « Damit nahm er seinen blumengeschmückten Hut vom Tisch , steckte sich einen Rosmarinzweig ins Knopfloch und zog einen hölzernen , bemalten Säbel aus der rot und blaubebänderten Scheide , salutierte und ging hinaus , während der andere dem Weidhofer mit einem Gläschen Schnaps Bescheid tat . Derweilen brachte die Ziehmutter das duftende Eierschmalz auf einer großen Platte herein und stellte es auf den Tisch , indem sie sagte : » I kann mirs a schier gar nit denken , was uns die groß Ehr verschafft ; aber ich mein , daß ichs erraten hab , wenn i sag , zwegn der Oarspeis ! « » Fehlg ' raten ! « schrie der Bandelnarr und riß einen Rosmarinzweig aus dem Sack , steckte ihn ins Knopfloch , zog gleich seinem Genossen einen bemalten Holzsäbel aus der bandgeschmückten Scheide , salutierte und rief : » Also , meine Leutln , ich tu enk z ' wissen und kund , Daß ich ein Bräutl such in diesem Haus und auf diese Stund , Das Bräutl soll heißen : Jungfrau Maria Kathrein Und soll dem Lackenschusteranderl seine Hochzeiterin sein . Drum , Leutln , teats mi net lang umasprenga und plagn , Vielmehr teats mir als dem Hochzatlader dem Bräutl sein Aufenthalt sagn , Auf daß i hingeh zu der Jungfrau und Braut , Und lad s ' zum G ' festen , in d ' Kirch und zum Kraut ! « » Ja , was nit gar ! « rief da die Weidhoferin lachend ; » unser Kathrein ! Dera fallts net im Traum ein , daß s ' in Ehstand geht ! ... Da bist gstimmt , mein Lieber ! « Und sie schob den Widerstrebenden an den Tisch und bat ihn , doch zu essen , bevor das Gericht kalt sei . Da setzte sich also der Bandlnarr oder Hochzeitlader nach vielen Komplimenten und aß , während der Weidhofer ganz leis aus der Stube schlich . Ich lief ihm nach und sagte draußen : » Vater , ist ' s Euch recht , wenn ich die Stallmagd mitnimm auf d ' Schwaig ? D ' Nandl is krank . « Dabei überkam mich plötzlich ohne jede Ursach ein Zwang , laut aufzuweinen ; unterdrückte ihn aber und tat einen derben Fluch und spaizte giftig auf den Boden , so daß der Meßmer mich zornig und verwundert ansah und rief : » Schlingel , unrespektierlicher ! Muß i dir ' n Haselhans oder d ' Birkalies zeigen und überstreichen , damitst lernst , was sich ghört ? « Wurde aber gleich wieder gnädig und besann sich auf meine Frage : » D ' Stallmagd brauchst ? ... Ja , sag ihrs nur ! ... Nimm ein etlichs paar Flaschen Most oder Wein mit für d ' Nandl ! ... Wo fehlts denn ? « » Halt am Gsund « , sagte ich ; » ' n Buben hat s ' auf d ' Welt bracht heut nacht . « Aber der Weidhofer hörte schon nichts mehr ; eilends schlüpfte er aus seinen Haferlschuhen , sprang die Stiegen hinauf und in die Kammer der Jungfer , steckte den Kopf zur Tür hinein und rief halblaut : » Auf , Maidl , der Hochzatlader is da ! Der Anderl möchts richtig machen und d ' Hochzat ansetzen . - Wenn paßts dir denn am ehndesten ? « Herrgott ! Wie wurd mir da bald warm , bald kalt ; und eh ich mich dessen versah , stand ich auch schon droben hinter dem Ziehvater , zitternd und auf die Red der Jungfer harrend , die nun kam . Mit einem hellen Lachen sagte sie : » Ja , was ! Der Lader ist da ! Da muß ich mich aber gschwindse verkriechen ! « Sie lachte wieder laut und lustig und sprach weiter : » Sagts eahm halt : In drei Wochen kann er mich haben ! Am Samstag ' s Stuhlfest , am Sonntag zum ersten verkünden , und derweil , denk ich , wird der Schreiner schon richtig sein mit ' n Kuchelwagen ! ... Übrigens , was ich noch sagn möcht , Meßmer : In Glaskasten muß er noch a Spiegelwand einsetzen ! - Und der Hausaltar soll bloß drei Heilige kriegen : unser liebe Frau , d ' Sankt Kathrein und ' n Sankt Andrä ; sonst weiß man ja kaum mehr , wo man hinbetn soll , vor lauter Heilige . So viel übrige Zeit hat man ja auch nit , daß man den ganzen Tag an unsern lieben Herrn sein Freundschaft denken kunnt . - So , und jetz geh ich nunter hinter d ' Stiegen . « Da kam sie auch schon aus der Kammer ; ich aber wollt , ein Mausloch oder Mauerspalt hätt mich in dem Augenblick aufgenommen ; - mit brennrotem Kopf stand ich auf der obersten Staffel und mußt mich an die Wand lehnen , daß ich nicht herabfiel vor Übelkeit . Sie aber lachte lustig auf : » Ei sieht eins ! Der Mathiasle ! ... Gilt schon , Mathiasle , gilt schon ! Hättst nit eigens brauchen den weiten Weg z ' kommen ! Glaub ' s schon , daß d ' mir du nix Schlechts wünschst zu mein Ehstand ! « Sie langte in den Sack : » Da ! - Halt - ich hab was anders für dich ! « - lief noch einmal zurück in die Kammer und holte eine Schachtel , während der Ziehvater lachend und voll Spott sagte : » Na , Bursch , wo hast denn jetzt auf einmal deine Schneid lassen ? Bist doch ehvor noch so anhabisch gwesen ! « O , wie gern wär ich da hinab über die Stiegen und davon ! Aber es war , als hätt der Blitz in mich eingeschlagen ; ich lehnte ganz schwach und elend an der Mauer und konnte nicht Fuß noch Hand rühren , auch nicht den Mund auftun und hinausschreien , was in mir tobte . Derweil brachte also die Jungfer eine schöne Kette , aus Haaren zierlich geflochten und mit goldenen Schließen und Schnörkeln geschmückt , und hing sie mir um den Hals , indem sie mit lieblicher Stimm dazu sagte . » So Bub , die Ketten soll für dich sein ; ist noch von der Irschermutter eine . Halt s ' gut und in Ehren ! « Dann täschelte sie meine Wange und lief drauf eilig über die Stiegen hinab und hinter dieselbe , wo das große Krautfaß stand . Schlüpfte geschwind hinein , und der Weidhofer deckte eine Wagendecke drüber ; ging drauf in die Stuben und lud den Bandelnarren schalkhaft ein , das Bräutl , von dem er red , zu suchen . Im selben Augenblick kam der andere mit seinem Säbel eilig zur Haustür herein , hielt in einem roten Barchentsack eine schreiende Henne in die Höhe und rief : » Hui ! Auf , Kamerad ! Mei Bräutl , dös hab i im Sack ! Lus auf , Bua , wie ' s juchazt und schrein tuat : gigg gagg ! Is sauber und mollat und liabli vom Fuaß bis zum Kopf , Grad schad