wenn er heute abend nicht Laden kam . Hein Mück dachte noch immer an die große , gefährliche Reise über das Eis , die Störtebeker gemacht hatte , und mit einem Mal sagte er mehr zu sich selbst als zu den andern : » Junge , dat is jüst so as der Reiter und der Bodensee ! « Gotts den Donner , - Klaus Mewes verschüttete den halben Kaffee , und Kap Horn blieb der Brotknust im Halse stecken , so verwunderten sie sich schließlich dieser Rede ihres Speisemeisters . » Wat is dat ? « fragte der Schiffer zuletzt . » Och , nix . « » Nix ? « » Ne , nix ! « » Ik will di gliek bi nix ! Hier vertillst oder du wardst afmunstert , un Klaus Störtebeker ward uns Kock « , befahl Klaus . » Och nix : ik dach bloß an een Gedicht in uns Leesbook , dat is meist as Störtebeker sien Reis . « » Upseggen ! « Hein Mück bekam einen roten Kopf . Das war eine schöne Tasse Tee ! Hätte er doch nichts gesagt ! Nun mußte er in seine Koje steigen und sein Lesebuch aus dem Stroh suchen . Kap Horn konnte sich einen kleinen , freundlichen Hieb auf Klaus nicht verbeißen : » Jä , jä , Klaus Mees , du kiekst un wunnerst di woll , dat he sien Leesbook noch hett , wat ? He hett dat nich so mokt as du . Du hest den letzten Dag jo all dien Beuker opfluckern loten , hest dor annen Westerdiek een grote Ostermoon von mokt ! « » Jo « , sagte Klaus Mewes , » ik wür son groten Döskupp : man god , wat de Jungens nu all een Deel kleuker sind . Non , denn legg los , Heinrich Mücke « , setzte er gemütlich hinzu , und der Koch las von dem Reitersmann , der über den zugefrorenen Bodensee geritten war , ohne es zu wissen ... Den Reiter schauderts , er atmet schwer : Da hinten die Ebne , die ritt ich her . Da recket die Magd die Arm ' in die Höh : Herrgott , so rittest du über den See ! An den Schlund , an die Tiefe bodenlos Hat gepocht des rasenden Hufes Stoß ! Und unter dir zürnten die Wasser nicht , Nicht krachte hinunter die Rinde dicht , Und du wardst nicht die Speise der stummen Brut , Der hungrigen Hecht ' in der kalten Flut ? Sie rufet das Dorf herbei zu der Mär ; Es stellen die Knaben sich um ihn her , Die Mütter , die Greise , sie sammeln sich : Glückseliger Mann , ja segne du dich ! Herein zum Ofen , zum dampfenden Tisch , Brich mit uns das Brot und iß vom Fisch ! .. . .... .... .... .... .... .... .... .... .... .... .... .... .... .... Als der Junge fertig war , entstand eine kleine , stille Pause im Ewer , obgleich Klaus Mewes der Schluß nicht recht gefallen wollte , denn hinterher vor Angst sterben , war nichts für ihn . Auch Störtebeker war still , so sehr wunderte er sich darüber , daß Hein Mück laut lesen konnte . Dann stand sein Vater auf , klopfte dem Koch auf die Schulter und sagte anerkennend : » Du kannst god beten , Hein ! Bliew man giern beten bi de Beuker : wennt weiht , hest dor Tied genog to . « Damit stand er auf und ging an Deck , um wieder nach einer Schiffsgelegenheit für seinen Jungen zu suchen . Und diesmal fand sie sich , obschon Störtebeker wünschte , es möchte kein einziges Schiff vorbeisegeln , damit er die Nacht und immer an Bord bleiben mußte . Aber da kam Jan Külper mit seiner alten Jolle heraufgesegelt und drehte richtig bei , als Klaus Mewes ihn anrief und ihm die Sache verklarte . Jawohl , er nehme ihn gern mit , sagte Jan . Da kamen auch schon Kap Horn und Hein Mück an Deck . Störtebeker sah , daß die Herrlichkeit vorbei war , und daß er von Bord sollte . Tränen standen ihm in den Augen , als sein Vater ihn hinüberwriggte und Kreek und Peek an die Jolle übergab . Dann mußte er selbst übersteigen . » Adjüst , Störtebeker . « » Jüst , Vadder ! « Er konnte kaum sprechen , so traurig war er geworden , und hatte für Jan Külper keinen guten Tag und guten Weg . » Greut Mudder man un segg man , wi kommt bald mit een Reis lebennige Schullen , hürst ? Un to Sommer kummst du ok mit no See ! « » Jo « , sagte Störtebeker dumpf und dachte : Lot dien Snacken doch bloß no ! Klaus Mewes wriggte zurück , und Jan Külper ließ die Jolle schwoien . » Adjüst , Störtebeker ! « riefen Kap Horn und Hein Mück , die auf den Luken standen , aber der Junge starrte ins Wasser und gab keine Antwort mehr . Er war ganz krank und wollte nichts hören und sehen . Er wollte auch den Ewer nicht mehr angucken . Jan Külper hatte gedacht , einen munteren Fahrtgenossen zu bekommen , der ihm den langen Weg verkürze , aber Störtebeker blieb ein trübseliger Maat und blickte während der ganzen Fahrt bis nach Finkenwärder hinauf starr ins Wasser . » Ward man ne seekrank , Störtebeker « , sagte der Elbfischer einmal . » Dor quäl di man ne üm ! « » Sutje , mien Jung , anners kriegst du de Utsettung « , drohte der Fischer . » Smiet mi doch ober Burd , wenn mi ne mihr mithebben wullt « , rief der Junge patzig . Da goß Jan ihm zur Strafe ein Euschfatt voll Wasser über den Kopf . Mit der hereinbrechenden Dämmerung kamen sie in Finkenwärder an . Am Köhlfleet , eben hinter der Königsbake , setzte Jan seinen mürrischen Passagier an Land . Störtebeker nahm seine Kreek auf den Buckel , die Peek in die Hand und ging den dunkeln Deich entlang nach dem Neß . Als er bei Gerd Eitzen um die Huk bog , hörte er seine Mutter schon rufen : » Klaus ! Klaus ! Klaus ! « Und er sah , daß Leute bei ihr standen . Auch sein Großonkel , der alte Jäger , den er oft wochenlang nicht sah , war auf dem Deich . » Klaus ! Klaus ! Klaus ! Neem schull de Jung doch woll bloß wesen ? « » Hier is he ! « » Woneem , woneem ? « » Hier uppen Diek , Mudder ! « Da lief sie ihm entgegen , laut aufschreiend , und nahm ihn bei der Hand und führte ihn in die Stube und fragte , wo er gesteckt hätte . Und als er seine Reise über das Eis und seine Fahrt mit dem Ewer die Elbe hinunter und mit der Jolle die Elbe herauf verklart hatte , ohne jede kindliche Übertreibung , denn er hielt sich an das Wort seines Vaters : Eulich wat beleben , denn brukt ' n ok ne to legen ! - da warf die Mutter sich schluchzend auf den Tisch und sagte : » Haut ji em , Unkel , haut ji em . ik kannt ne ! « » Hebben mütt he wat « , erklärte der verbissene und durch das viele Rufen gereizte Alte . » Du kannst mi haun , Mudder , ober van Korl-Unkel lot ik mi ne haun « , sagte Störtebeker mit blitzenden Augen , auch der alte Jäger , den das Schreien aus dem Schlaf gebracht hatte , knurrte grimmig : » Wat ? Van mit leß du di ne haun , du Kosak ? Dat wöt wi doch mol wies wardn ! « Erst wollte Störtebeker sich wehren , wollte hinauslaufen , dann aber war ihm auch das einerlei : mochte er ihn tothauen , wie Jan Külper ihn über Bord werfen wollte . Unbeweglich blieb er stehen und ließ sich schlagen , ohne zu zucken oder zu schreien . Nur seine Augen funkelten : dat ward ne vergeten ! Diese Ruhe brachte den Alten noch mehr auf , und er schlug ihn ärger , da warf sich aber die Mutter dazwischen und drängte die beiden auseinander , denn sie wußte , daß der Trotz des Jungen nicht zu brechen war , daß er sich lieber krumm und lahm prügeln ließ , ehe er einen Laut von sich gab . » Lot em man , Unkel , lot em man ! Goht man wedder uppen Bitt , ik will woll alleen mit em klor wardn « , bat sie dringend . Der Alte ging mit einem bösen Blick hinaus und brummte noch auf der Diele . Ungerührt ließ Störtebeker sich die Geschichte von dem Schuster vorhalten . » Dat beten Hoveree « , sagte er verächtlich , » wat he dor son Larm üm moken mag ! Harrst em dat Gild jo man ut mien Sporputt geben kunnt ! « Abbitte aber täte er nicht : der Schuster hätte ihn fürn Narren gehalten und hätte selbst Schuld , daß ihm das Fenster eingeworfen wäre . Nach dem Abendessen zog er sich aus und legte sich zu Bett . Nach dem langen , ereignisreichen Tag schlief er schnell ein . Er dachte noch : wenn ik ierst an Burd bün , denn haut mi keeneen mihr : Vadder litt dat ne as Mudder : - dann sang der Schlafschiffer mit ihm ab . Wie seelenruhig er schlief , als die Mutter an sein Bett schlich und ihm in das stille , braune Gesicht sah ! Lange Zeit sah sie ihn an und bat ihm ab , daß sie ihn hatte schlagen lassen , denn der kleine Kerl konnte ja nicht anders flöten , als sein wilder , lachender Vater es ihn gelehrt hatte . Die Mutterliebe wallte heiß in ihr auf : sie beugte sich über ihn und küßte ihm den festgeschlossenen Mund . Bei Tage hätte sie das nicht tun dürfen : er hätte sich mit Händen und Füßen gesträubt gegen solchen Kinderkram , wie er es hieß , und wäre lieber aus dem Fenster gesprungen , als daß er ihr einen Süßen gegeben hätte . » Mien Jung büst du doch « , flüsterte sie zärtlich und strich ihm über das Haar , da regte er sich und sagte halblaut : » U , Vadder , kiek mol dat grote Schipp ! « Da schlich sie in die Küche zurück und dachte schmerzlich : er steht schon wieder bei seinem Vater an Bord - und du , Gesa ? Fünfter Stremel . Den andern Morgen war es das erste , was Störtebeker tat , daß er auf den Deich lief und nach dem Wetter guckte . Und er freute sich , als der Wind wehte , daß die Ewer im Fahrwasser schnell von der Stelle kamen , denn so kam auch sein Vater gut vorwärts und war um so eher wieder da . Denn sein Vater , sein Vater ! Danach fragte er , das ging ihn an : ohne den war es nichts , ohne den wußte er nicht , was er anfangen sollte , ohne den und ohne den Ewer machte es ihm keinen Spaß , zu leben . Beim Kaffeetrinken ging es noch , als er in behaglicher Breite von dem Segeln und Kreuzen sprach , wie weit sie wohl schon wären , ob das Boot wohl schon wieder aufgetallt wäre , ob sie den großen Klüver wieder aufgesetzt hätten und andere fahrensmännische Dinge : aber als er dann im Türloch stand , da war er wieder ganz allein und wußte nicht , was für einen Weg er einschlagen solle . Zuletzt dachte er an sein Viehzeug , und er ging hin und mistete den Kaninchenkoben aus . Auch die Nebelkrähe bekam eine Lage frischen Strohes , die sie sich selbst mit wichtigem Gehabe zurechtlegte . Danach ging er an dem Graben entlang und zog die alte Bunge , die sein Vater noch mit unter den Stubben gesetzt hatte . Es war aber weder ein Hecht noch ein Schlei darin , nur ein großer Wasserbulle krabbelte an dem mittleren Reifen und sprang eilig ins Wasser zurück . Der Junge stellte das Netz auf einer anderen Stelle ins Wasser und ging nach dem Binnendeich , um sein Hütfaß zu überprüfen ; er zog den durchlöcherten Kasten , eine englische Hummerkiste , die sein Vater auf See eingezogen hatte und die nun vor dem Deichsiel im fließenden Wasser lag , aufs Trockne und überzeugte sich , daß die beiden Karauschen , die er drinnen hatte , noch springenlebendig waren . Damit waren seine Vormittagsämter eigentlich schon verwaltet . Was sollte er nun noch tun ? Wenn sein Vater da war , hatte er alle Hände voll : nun war er eigentlich arbeitslos . Weiterhin auf dem Deich , wo die Häuser wieder anfingen , spielten die Kinder , Jungens und Dierns , Ringelreihe und Tickfast . » Speel doch een beten mit de Kinner « , sagte die Mutter , die auf der Wurt stand und die Hühner fütterte , da ging er hin , um sich nicht andere Landarbeit aufladen und sah eine Weile zu . Sie fragten ihn , ob er mitspielen wolle , aber er sagte nein : mit Mädchen spiele er überhaupt nicht , er wäre doch kein Mädchenkönig ! Wenn sie Suhl oder Steckpfahl oder Hahnensehen mitspielen wollten , aber ohne die Mädchen , dann hätte er Lust ! Sie wollten aber lieber bei der Ringelreihe bleiben , - deshalb wurde es ihm bald über , da Gevatter zu stehen , und er kehrte ihnen den Rücken . Der alte Jäger begegnete ihm . Er hatte das Gewehr auf dem Nacken und den Sack mit den Lockenten auf dem Rücken und wollte wilde Enten schießen . Juno , der große , braungefleckte Hund , lief neben ihm her . Störtebeker tat , als sähe er ihn gar nicht , denn er dachte an die Schläge vom Abend vorher , aber der Alte hatte seine Wut verschnarcht und sagte vergnügt : » Meun , Klaus Störtebeker ! « Störtebeker dachte aber : snack , soveel du wullt , wat geiht mi dat an , - obgleich die Enten durcheinander schnatterten : meunmeunmeunmeun und er gern einmal in den Sack geguckt hätte , auch von Herzen gern mit auf die Jagd gegangen wäre . Als der Jäger vorbei war , setzte er sich auf das Rickels und wartete , daß einige von seinen Mackern kommen sollten , mit denen er in die Pütten oder nach der Wisch ziehen konnte . Niemand ließ sich blicken : die Mütter hielten sie fest , denn die Schustergeschichte hatte schon die Runde mit den Stutenfrauen gemacht , und auch die Reise über das Eis war schon bekannt geworden . Ihre Jungen sollten sich nicht mehr mit dem Buschräuber abgeben , riefen die Frauen einander zu . » Hein , du bliwst hier un geihst mi ne no den Neß no den Störtebeker , hest mi verstohn ? « » Jo , Mudder ! « In seiner Not nahm Störtebeker schließlich die Hechtschnarre zur Hand und lief mit dem Bambusstock grabenauf und grabenab , um einen Hecht zu erwischen , aber er hatte auch damit kein Glück . Es war nicht sonnig genug , die Hechte standen tief im Wasser und waren sehr scheu , sie schossen meistens schon in die Tiefe , wenn er näher kam . Einmal gewahrte er einen großen Hecht , der gut gegen die Sonne stand : behutsam tauchte er die goldige Drahtschlinge in das Wasser , ohne Wellenringe zu machen , und schob sie vorsichtig an den Fisch hinan . Es ging auch anfänglich gut : die Schnauze war schon in der Schnarre : wenn sie hinter den Kiemen war , wollte er rasch zuziehen und den Hecht aufs Land schnellen , aber da strich eine Krähe über die Erlen , und wo eben noch Muschi Pundsheek gestanden hatte , da lief nun ein Küsel im Wasser . » Du verdreihte Jakob du ! « rief Störtebeker ärgerlich und warf mit einem Kluten nach ihr , dann gab er die Feekfischerei auf und zog mit seinem runden Netz nach der Sielkule , um Stichlinge zu fangen . Das war lohnender : er ketscherte einen halben Eimer voll , weiße , dicke Weibchen und graue , dünne Männchen . Den größten Teil bekam die Mutter , die sie für die Hühner kochen wollte , den Rest aber machte er , auf der Bank unter den Linden sitzend , mit seinem Knief , seinem Puggenslachter , für Kluß zurecht , indem er die Köpfe und die Stacheln abschnitt . Die alte Krähe lebte ordentlich auf , als er ihr den Schmaus durch die Maschen des Kastens stopfte . Als er sich dann aber vor den Käfig auf den Haublock setzte und ihr ununterbrochen die drei Worte vorpredigte , die sie lernen sollte : » Höh , Klaus Mees ! « da sprang sie auf ihre Stange , hielt den Kopf schief , als wenn sie schwerhörig wäre , und öffnete mitunter verlangend den Schnabel , als wenn sie um weiter nichts als um neue Stichlinge verlegen wäre , sie krächzte auch einmal , aber zum Nachsprechen kam sie nicht , so eifrig der Junge sich auch um sie bemühte , denn er wollte seinen Vater nach getaner Reise damit überraschen : der sollte sich fix verjagen , wenn er in den Hof hineinging und es mit einem Male rief : Höh , Klaus Mees ! Eigentlich sollte die Krähe lernen : De Jung mütt no See ! - aber das sollte nun erst später eingeübt werden . Diesmal war die Geduld freilich noch nicht groß . » Du büst dummerhaftig , Kluß ! « sagte Störtebeker ärgerlich , » wenn du ne bald snackst , bring ik di keen Steengrimpen mihr her . « Nach dem Mittagessen , - Plummensaus gab es , eine Götterspeise für ihn , - machte er sich ans Knütten und dachte , mehr zu beschicken als zwei Tage vorher zwischen seinem Vater und Kap Horn bei dem vielen Erzählen und Ausgucken . Er knüttete emsig , ohne sich zu verpusten , die Nadel flog nur so , aber nach anderthalb Stunden sah er ein , daß es ohne ohne seinen Vater doch nichts schaffte . Da ging er mit dem Euschfatt nach der Neßkule und goß den Kahn leer , der immer noch etwas Wasser machte . Kalfatert mußte der werden , das war ein Apfel , und wenn sein Vater nicht so auf den Stutz gefahren wäre , hätten sie es auch zusammen getan : nun mußte er wohl allein dabei . Er sah auf : das Wetter war gut , der Wind moi : sie fischten wohl schon und hatten bald die Reise ! Wenn sie doch schon morgen kämen oder übermorgen ! Der Jäger kam vom hohen Neß zurück . Drei Enten baumelten an der Tasche und machten ihn guter Laune . » Dor achter kummt de Schoster , Klaus Störtebeker , du schallst Afbitt dohn « , stichelte er , aber der Junge ließ sich nicht in die Kneife bringen . » De ward fix nattgoten « , sagte er gleichmütig , dann aber besann er sich , schluckte den Rest des Grolles seines Grolls hinunter und lief auf den Deich , um die geschossenen Enten zu besehen und zu befühlen , Juno zu streicheln , der gänzlich mit Schlick bespritzt war , und die Flinte zu tragen , denn er wollte nun doch gern einmal wieder mit auf die Jagd , bis sein Vater kam . » Wenn dat Is man ierst weg wür , Korl-Unkel , wat ik mit mien Kohn schippern kann . « » Offermorgen kriegt wi een neen Moon , denn wardt woll anner Wetter « , sagte der Jäger und sah den Heben an . Zu Hause warteten drei Jungen vom östlichen Norderelbdeich , die dreierlei wissen wollten . Erstens : ob er noch kleine Kaninchen zu verkaufen hätte , denn dann wollten sie einen Bock und eine Eve bestellen . Zweitens : ob es wahr wäre , daß er dem Schuster alle Fenster eingeschlagen hätte , denn das wäre am Deich erzählt worden . Drittens : ob der Feek am Westerdeich schon trocken wäre , denn dann wollten sie gleich Ostermoonen beuten . Streichhölzer hätten sie eine ganze Schachtel voll in der Tasche . Störtebeker ging mit ihnen achternhus und wies ihnen die Eve . » Ik weet ne , veel lütte Munkis dat ik krieg , Jannis : fief sünd verseggt , wenn dor söben van ward , denn kriegst du noch twee . « Wegen des Schusters ließ er es geruhig bei der einen Scheibe , die seine Mutter bezahlt hatte , und sagte : » De Lüd snotert sik wat trecht , Hein ! « Der Feek sei noch mistnaß und für Ostermoonen sei es überhaupt noch viel zu früh : was sie sich wohl eigentlich einbildeten , sie hätten wohl einen Splien ? Wenn es soweit wäre , dann würden sie wohl den weißen Rauch trecken sehen . » De Rietsticken geef mi man , Ott , dor kannst du lütte Boitel doch noch ne mit ümgohn , de nimmt dien Mudder di doch noch wedder weg . « Damit entriß er dem Jungen die Schachtel und steckte sie in die Tasche . Er wies ihnen noch Kluß und die angefangene Bunge , ließ sie in das Hütfaß gucken und die Karauschen gebührend bewundern , dann aber schickte er sie um , denn er sah die Gören vom andern Ende doch nicht ganz für voll an , und wenn nicht die Bestellung gewesen wäre , hätte er sich gar nicht weiter mit ihnen abgegeben , aber die Kundschaft mußte man sich ja gewogen halten . Er lief nach der Neßkule , und obgleich es ihm vor drei Tagen so schlecht bekommen war , ging er doch wieder an das scharfe Dümpeln mit dem Kahn , um sich seefest zu machen . Diesmal wurde ihm nicht schlecht . In der Dämmerung mußte er nochmal den Deich entlang und Graupen und Zucker vom Krämer holen . Damit war sein Tagewerk beendigt . » Noch süß Dog , Mudder , denn kummt Vadder all wedder « , sagte er zuversichtlich , als er die Stiefel auszog . * * * Ungefähr so wie diesen Tag füllte Störtebeker auch die anderen Tage aus , ohne rechte Lust und rechten Wind , und wartete auf den großen , schönen Ewer mit den hohen , braunen Segeln , dem grünen Bug und dem rot und weißen Flögel . Als es an der Zeit war , daß sein Vater aufkommen konnte , stand er stundenlang auf dem Deich oder am Bollwerk , wenn Flut war , oder er saß im Wipfel der Linden vor der Tür und blickte nach den vorbeisegelnden Fischerfahrzeugen aus . Er suchte einen grünen Ewer und einen blauweißen Stander , der von Godefroo bis zur Nienstedter Kirche wehen mußte , nicht länger , wenn es der rechte sein sollte : das wußte er . Zwar wartete er auch noch auf das Trockenwerden des Feeks des angetriebenen Schilfes , am Westerdeich , auf das Schmelzen des Eises , auf die Besserung der Grabenfischerei , auf das Jungen des Kaninchens und auf das Fertigwerden der Seestiefel : aber das waren doch nur Kleinigkeiten gegen das große Warten auf seinen Vater . Außer seinem Elternhaus und zwei älteren Häusern stand auf der Neßhuk nur noch eine alte Kate , in der Sill wohnte , eine alte , wackelige Frau , die im Winter Wurstprökel machte und Strümpfe anstrickte . Auch nahm sie die Schinken in Pflege , denn die Kate hatte keinen Schornstein , und aller Torfrauch sammelte sich auf der Diele , die die beste Rauchkammer weit und siet abgab . Im Sommer spielte sie Fischfrau in Hamburg , auch suchte sie Regenwürmer mit der Laterne für die Aalfischer . Sill war ein wenig wunderlich geworden in ihrem harten Leben und galt auf dem Eiland allgemein als eine Hexe , die einem etwas antun konnte . Sie trauten ihr nicht , aber sie hüteten sich , es merken zu lassen . Niemand verdarb es gern mit ihr , denn manchem Fischermann , der sie schief angeguckt hatte , war es schlecht ergangen , er hatte den Mast abgebrochen oder andere große Haverei bekommen , die Kurre eingebüßt oder nichts gefangen . Manch einen gab es am Deich , der an Hexen und Blaufärben glaubte und nicht fuhr , ohne sein Fahrzeug vorher gehörig ausgeräuchert zu haben . Man mußte Thees to Baben hören , den Hexenmeister , dann wußte man erst Genaueres über die mannigfaltige Tätigkeit dieses Weibes . Einmal hatte Peter Külper seine Kurre geloht und sie zwischen den Eschen zum Trocknen aufgehängt . Nachts wachte er mit einem Mal auf , und es trieb ihn , aus dem Fenster zu gucken , da sah er die alte Sill im Mondlicht zwischen den Bäumen gehen und bemerkte , daß sie seine Kurre berührte . » Nu bün ik behext « , dachte er . Am Morgen besah er die Kurre genau und fand einen Pfennig , in das Steerttau geklemmt . Er pulte ihn heraus und vergrub ihn , und das war sein Glück , denn sonst hätte er das Netz auf der ersten Reise gleich an den Steinen zerrissen . Also sprach Thees to Baben . Einer der wenigen , die von solchem Hünenglauben nichts hielten , war Klaus Mewes , der Lachende , und als er einmal darüberzukam , als Gesa dem Jungen einschärfte , doch ja nichts von der Frau anzunehmen , keinen Apfel und keine Birne , da sagte er ernsthaft : » Mudder , gläuf doch ne an Hexen un sowat . De arme Froo kann ne mihr as du . Wat schull de den Jungen woll geben ? De freit sik , wenn se sülben wat to bieten hett ! « Und dann sagte er , um das Unrecht gutzumachen , das Gesa ihr nach seinem sicheren Gefühl zugefügt hatte : » Wi hebbt noch een poor Schullen ober : kumm , Störtebeker , un bring Sill de hin ! « Der Junge tat es : Sill war vergnügt und wollte ihm einen Apfel schenken , aber sie konnte nicht gleich einen finden und sagte ihn für später zu . Als Störtebeker einen Tag wieder von seinem Kahn kam , dachte sie daran , klinkte die Tür auf und sagte : » Mol rin , Jung , schallst wat Scheuns hebben . « Er ließ sich nicht lange nötigen , aber er guckte sich erst um , ob ihn die Mutter auch nicht sah . Als die Luft rein war , trat er auf die dunkle Diele , denn bange war er nicht . » U , Sill , wat bitt de Rook mi inne Ogen « , rief er . » Jä , jä , de Rook ! De is slecht för de Ogen , obersen god för de Schinken « , sagte die Alte und kroch in das Kellerloch hinein , das unter den Wandbetten war . » Junge , wat een barg Schinken ! Hürt di de all to , Sill ? « Sill saß ganz im Stroh und musselte darin umher , wie ein Schwein im frischbestreuten Koben . Zu sehen war gar nichts mehr von ihr , nur noch zu hören . Ein anderes Kind wäre ängstlich geworden und hätte die Beine in die Hand genommen , aber Störtebeker wußte nichts davon . » Wat seggst du , Junge ? « » Ich meen , wat dat all dien Schinken sünd ? « wiederholte er lauter . » Jo , all mien Schinken . « » Diern , denn kannst du di woll frein ! « Die schwarze Katze erhob sich auf dem Herde und sah ihn mit glühenden Augen an . » Is dat de Katt oder de Koter , Sill ? « Die Alte tauchte gerade wieder aus der Versenkung auf.wie der Geist von Hamlets Vater . Sie hatte Strohhalme in den Haaren und zwei Äpfel in der knochigen Hand . » Dat is de Koter , Störtebeker , de Koter is dat . De Katt hett Junge : wenn du Lust hest , kannst jüm offermorgen all versupen . « » Jo , Sill , dat mokt jo Spoß « , sagte er gemütlich , sie aber gab ihm die Äpfel und bemerkte dazu , es seien die letzten , die wären für die Fische von damals , und er solle sie sich nur schmecken lassen . Er nahm sie ohne Danke an und machte , daß er hinaus kam , denn er konnte den beißenden Rauch nicht mehr aushalten . Auf dem Deich überlegte er , was er nun tun sollte , und betrachtete die schönen , rotbäckigen Äpfel . Wie fein die rochen ! Ob sie wohl behext waren , und ob er wohl krank davon wurde , wenn er sie aß ? Die Mutter hatte es gesagt , aber sein Vater hatte darüber gelacht , und sein Vater war der Oberste für ihn : er wollte sie getrost essen . » Klaus , kumm hier mol her ! Wat hest du dor , wat sünd dat för Appeln ? « - rief die Mutter , die mit einem Mal neben ihm stand . O weh , - das hätte nicht kommen dürfen . » Kantappeln , Mudder ! « - » Keen hett di de geben ? « Junge , daß sein Vater ihm das Lügen verboten hatte !