hätte mit Ruhe geschehen können , und die Zenzi wäre heute noch ohne Aufsehen fortgekommen , und kein Wort hätte man darüber reden brauchen ; aber nein ! Es muß einen Krawall geben , und aus der verschwiegenen Nacht muß die Dummheit ans Licht hingestellt werden , daß sie nur ja recht dreckig ausschaut ! Und geredet muß darüber werden , wo jedes Wort zu viel ist und alles erst aufrührt . Er hätte sich selber schon die Leviten gelesen und aus der Geschichte seinen Merks genommen ; aber von einem andern läßt man sich so was nicht unter die Nase reiben . Herrgott ! Wie das zuwider und dumm war ! Stellt sich die Gans hin und kehrt den Schmutz zu einem rechten Haufen zusammen . Bei der Magd bist gewesen in der Kammer ! Zu der Magd bist hinaufgeschloffen in der Nacht ! O du Lall ' n ! Wäre es gar nicht gegangen , daß man das Maul gehalten und bloß mit den Augen geblinzelt hätte ? Ich weiß alles , verstehst schon , aber ... Dann war dem Respekt nicht weh getan ; und wenn der Schiefling ausgezogen war , hätte die Wunde schön verheilen können . So aber war das Kurieren schier nicht mehr möglich . Wenn er die Zenzi wegschickte , schaute es aus , als hätte er reumütig der Tochter nachgegeben und sich von ihr zwingen lassen ; und ob die Magd nach der Schimpferei sich still verziehen wolle , das war auch nicht gewiß . Und wenn er sie bis Lichtmeß im Hause ließ , war die Geschichte erst recht nichts . So oder so : die Blamaschi war einmal da . Wie das Sprichwort sagt : Lange Haar und kurzer Verstand , und immer das Maul voraus und immer zuerst plärren und nachher erst zum Denken anfangen . Wenn er die Zenzi daließe - gelt wie die in sich hineinlachen würde , aber doch nicht so heimlich , daß es die andere nicht sehen könnte und nicht alleweil wieder eine Ursach hätte zum Spektakel aufschlagen ! Ja , was tun ? Da hätte der Gescheiteste eine harte Nuß zum Aufknacken ! Und so einfach wär ' es zu machen gewesen ! Fein still und mit aller Ruhe . Der Schormayer schaute zum Fenster hinaus . Gerade fuhr die Zenzi einen Schubkarren voll Mist auf den Dunghaufen . Aha ! Die dachte gar nicht ans Gehen und tat ihre Arbeit wie jeden Tag . Jetzt leerte sie den Schubkarren um und sah zu ihm her . Er ging zurück und setzte sich auf die Ofenbank . Das war nichts , daß die Dirn noch bleiben sollte . Wer wußte denn , ob die zwei Weibsbilder nicht eines Tags im Hofe zu raufen kämen , oder ob die Ursula vor dem Knecht ihre Worte in acht nehmen würde ? Ein Ausweg war vielleicht , die Zenzi wegschicken , und gleich hinterdrein die Ursula . Die sollte nur zum Basel nach Arnbach ziehen ; eine Ausrede ließ sich schon finden . Hernach bald heiraten , und weg damit ! Der Schormayer konnte es anschauen , wie er wollte : es war jedenfalls das einzige , was sich noch tun ließ . Und mit der Zenzi wollte er gleich reden . Er stand resolut auf ; und wie er hinaussah , fuhr sie gerade wieder mit dem Schubkarren aus dem Stall . Er öffnete das Fenster und pfiff ihr . » Zenzi ! « Sie wandte das Gesicht lachend gegen ihn . » Was is ? « » In a halb ' n Stund , und bal ' s d ' mit der Arbet firti bist , kimmst zu mir eina ! « » Was willst denn ? « » Dös sag i dir nacha scho . « Er schloß das Fenster . Sein Sohn , der Lenz , stand unter der Türe und schaute ihn mit groben , zornigen Augen an . » Was hat denn mir d ' Ursula g ' sagt ? « fragte er schier drohend . » Was woaß denn i , was dir de g ' sagt hat ? « » Is dir nix bekannt ? « » Frag mi net a so aus ! Gel ? Dös is do mir ganz wurscht , was de sagt ! « » Aba mir it ! « » So ? Na red no fleißi damit und stell di in d ' Kuch ' l und ratsch ! « » Da braucht ' s koa ratsch ' n gar it ! Dös is schnell g ' sagt g ' wen , was sie mir zu ' n sag ' n g ' habt hat . « » Lang oda kurz , - mir is wurscht . « » Ja , dir muaß scho viel wurscht sei , wann die du gar nimma schamst und bei da Nacht umanandsteigst wia ' r an alta Koda . « » Hoscht du mi g ' sehg ' n ? « » Na ! Sinst hätt i ' s no bei da Nacht außi g ' haut , dös lüaderliche Mensch ! « » Bal i di lass ' n hätt ' , gel ? « » I hätt di scho it g ' fragt , und frag ' di nacha aa net , bal i außi geh und hau s ' mit da Goaßl zu ' n Hof außi ! « » Du ? « » Ja , i ! « » Dös will i sehg ' n ! « » Dös ko ' st glei sehg ' n , bal ' s d ' am Fensta steh bleibst ! « Lenz griff an die Türklinke . » Da bleibst ! « herrschte ihn sein Vater an . » Was nacha ! « » Du bischt a Mannsbild , und vo dir valang i was andersts , als wia von dem dumma Frauenzimma da draußd . « » Bei dir waar a jed ' s dumm , dös si den Saustall it g ' fall ' n laßt ! « » Was g ' wen is , is g ' wen ; und du machst as it anders ! « » Aba nausschmeiß ' n ko i de sell . « » Na ! Dös ko ' st it ; du hoscht no lang koa Hausrecht da herin . « » So ? Dös will i sehg ' n , bal dös gerichtsmaßi werd , ob a sellene Person in an Haus bleib ' n derf . « » Um dös kümmert si koa G ' richt nix . « » I zoag ' s o ! Hoscht mi vastanna ? An Kommadant frag i , ob mi dös leid ' n müass ' n. « » Geh no und bring d ' Schandarm ' her ; aba du kimmst nimmer eina , dös mirk da guat ! « » Amal kimm i scho wieda . « » Na , Bürschei ! Für dös schiab i dir an Rieg ' l vor , und auf mei Sterb ' n freust di du umasunst . « » Vo so was hab i net g ' red ' t. « » Aba g ' moant host d ' as . Amal kimm i scho wieda , sagt der Lackl ganz frech zu mir ! « » Dir gib i koan Lackl net o ! « » ' s Mäu halt ! Und paß guat auf , was i dir sag ! Wann du bei da Tür außi gehst und machst ma was drei und sagst was , was mir net paßt , und tuast was , was mir net paßt , Bürschei , nacha fahr i in der nämlinga Stund in d ' Stadt nei ' zu ' n Jud Levi und laß an Hof z ' trümmern . « » Dös ko ' st du leicht sag ' n ... « » Und grad so leicht toa . I bin bessa dabei , wann i z ' Dachau drin privatisier und brauch enk Maulaufreißer net um mi rum hamm . Ös habt ' s mi a so scho a bissel vagrämt , ös zwoa ! « » Mit was nacha ? Tua ' r i mei Arbet net rechtschaff ' n ? « » Tua s ' halt net , na stell i mir an Knecht mehra ein ! Der nimmt sei Geld und is z ' fried ' n und zählt net an jed ' n Tag in Kalenda nach , bis i übagib oder o ' kratz ! « » Du werst vo mir aa nix sellas g ' hört hamm ! « » G ' hört it . So schlau bist du freili , daß d ' so was it sagst . Aba Aug ' n macha und d ' Trentsch ' n hänga lass ' n vo lauta Vadruß , daß i net glei Schnall und Fall übageb ' n hab ' . « » Was du jetz allssammete daher brachtst ! « » Dös , was i scho lang g ' spürt hab , woaßt ! Dös , was mi scho lang druckt , dös kimmt jetzt außa , weil ' s du so frech bischt zu mir ! Weil di du für mi hi ' stellst und sagst , i soll außi schaug ' n , wia ' s du mein Deanstbot ' n mit da Goaßl außi haust ... « » Bal amal d ' Urschula ... « » Jetzt red i ! Bischt du aa no oana , daß du dein ' Vatern mit ' n Schandarm kimmst ? Wo nimmst denn du dei Recht her , daß du a so aufdrahst ? Dös sell möcht i wiss ' n. « » Mi sagt grad , daß mi so was it leid ' n muaß ... « » Muaßt aa net ! Koa Stund net ! Pack z ' samm und geh und kaff dir a Häuslersach von dein ' Muattaguat ... « » Dös hon i vom Vatern it vadeant , daß mir da Strohsack vor d ' Tür g ' schmiss ' n werd ! « » Dös host du dir in dera Stund vadeant mit deina Frechheit , und bal ' s dir it g ' fallt , ko ' st mi ja über dös aa ' r o ' zoag ' n bei de Schandarm ' . Mei Liaba , dös hab i dir in ' s Wachsl druckt , daß d ' mir du mit ' n G ' richt und mit da Polizei daherkamst ! Frag amal dein Kommadant , wia ma dös macht , wann da Herr Sohn ' s Recht hamm möcht , und der Alt laßt ' s it her . Vielleicht hilft a dir , du ausg ' schamta Kerl , du ! « » I hab g ' rad g ' sagt ... « » Du hoscht g ' sagt , daß du mi o ' zoagst ! Daß du dein ' Vatern o ' zoagst , hoscht g ' sagt . « » Dös hon i aa net so ernst gmoant ... « » Na , gib i dir an G ' spaß , o gel ! So red ' n d ' Handwerksbursch ' n mitanand , aba net du zu mir . « » Ja no , bal i einakimm , und woant mir d ' Urschula was für ... « » Na gehst du rei ' und bischt frech ! Scheniern brauchst du di ja it , und mit mir werst du glei ferti . Und bal ' s dir selm it g ' lingt , host ja d ' Schandarm ' auf deina Seit ' n ... « » I sag da ja ... « » Nix mehr sagst , und außi gehst ! I will di nimma hamm da herin . « » Und de ... de ander da , de bleibt ? « » So lang , als i will , oda bis d ' Schandarm ' kemman und mi vahaft ' n. « » Vata , laß ' s guat sei ! « » Mach , daß d ' weita kimmst , und geh an dei Arbet und laß mi nix mehr hör ' n vo dera G ' schicht ! Und dös will i dir no sag ' n : zwoamal habt ' s mi ös dumme Luada aufg ' halt ' n , daß i da Zenzi net heut scho an Laufpaß geb ' n hab . Z ' erscht de ander da draußd , und jetzt du ! « » Vata , sei g ' scheit und tua s ' weg ! « » Na , sag i ! Sinst moanst du , i scheuch d ' Schandarm ' . Und jetzt geh ! I mag nix mehr hör ' n. « Lenz sah , daß keine Zeit mehr war für gute oder gar für zornige Worte . Er hatte noch nie einen ernsten Auftritt gehabt mit dem Alten und merkte zu spät , daß eine unbedachte Rede nicht gar so leicht verklingt , sondern einen tiefen Riß auftun kann ; und ihn reute , was er gesagt hatte . Er ließ den Kopf hängen und zog die Türe still hinter sich zu . » Bst ! Lenz ! « Die Ursula wisperte ihm aus der Küche zu . » Lenz , geh eina ! « Er zögerte , ging aber doch zu ihr . » Daß er gar so g ' schriean hot ? « » Geh weg ! Du host mi in was Schön ' s einibracht . « » Jetzt kamst du aa ' r a so daher ! Was ko denn i dafür ? Müass ' n mi zuaschaug ' n , bal so was g ' schiecht ? « » A , hör auf und red it ! I wollt ' , i hätt mi it eini g ' mischt ! « » Du muaßt ja glei gar zu der andern helfa ! « » Hätt ' st dei Mäu g ' halt ' n , na hätt er s ' selm außi g ' schmiss ' n. « » Dös glaabst du ? Da bischt d ' schö dumm ! « » I moan ' , de Dumm ' bischt bloß du g ' wen ! « » Da ... da schaug ! Jetzt kimmt sie ! Sie geht zu eahm eini ! « Ursula deutete hastig gegen das Türfenster hin ; ihre Blicke hingen sich an der Zenzi fest , die ins Hausflötz herein kam und aus den Pantoffeln schloff . » Schaug hi ' ! « wisperte sie erregt . Aber die Magd war schon in die Stube eingetreten . Die Augen der Ursula funkelten und schauten den Lenz vielsagend an . » Host as g ' sehg ' n ? « Er gab ihr keine Antwort und biß an den Fingernägeln . » Dös muaß i hör ' n , was de mitanand hamm , « flüsterte die Ursula wieder und wollte hinaus . » Du bleibst da ! « » Laß mi do lus ' n ! « » Na , sag ' i. Bal des Mensch rauskam und di bei ' n horch ' n derwischet ? Soll s ' des aa no im Dorf rum vazähl ' n ? « Er hielt sie am Arm fest und stellte sich vor die Türe . - Zenzi stand in der Stube vor dem Schormayer ; sie hatte ein Lächeln in den Mundwinkeln , als sie nun fragte : » Was willst na von mir ? Do host g ' sagt , i soll kemma . « » Ja so . I hab g ' hört , d ' Ursula hat di ausg ' schafft ? « » Freili ! Heut in da Fruah , woaßt ! Sie hat ja all ' s g ' hört , geschtern auf d ' Nacht . I hab dir ' s glei g ' sagt , daß ... « » Vo geschtern woaß i nix mehr . Desweg ' n hab i di net kemma lass ' n. « » Net ? Ja , was ... ? « » Was i dir sag ' n will , is dös , daß du bis Liachtmeß ' s Bleib ' n hoast . « Zenzi kicherte . » Du , paß auf , aba wenn ... « » Daß du bis Liachtmeß bleib ' n kost , hab i g ' sagt , und desweg ' n brauchst it so dumm lacha . Zum Lacha gibt ' s gar nix . So , und jetzt gehst wieda außi und machst dei Sach mit Ordnung ! « Zenzi schaute ihn verblüfft an ; er drehte ihr den Rücken zu und sah zum Fenster hinaus . Da sagte sie recht kleinlaut » Adjäh ! « und schlich lautlos in das Flötz und schloff wieder in ihre Pantoffeln und klapperte in den Hof hinaus . » Gar so viel müass ' n s ' net dischkriert hamm « , sagte der Lenz in der Küche . » Dös ander sagt er ihr nacha scho auf d ' Nacht , bal er wieda aufischliaft « , antwortete Ursula . Achtes Kapitel Es war jetzt eine Krankheit im Schormayerhause , an der alle leiden mußten ; und sie waren still und mißmutig und so feindselig , daß auch die gleichgültigsten Worte wie Grobheiten klangen und wie Beleidigungen vom andern gespürt wurden . Wenn sie beim Essen zusammen saßen , merkte jedes das Unbehagen des andern und stärkte daran sein eigenes , und die Löffel klapperten lauter , und die Gabeln stachen spitziger wie ehedem . Über Mittag wurde selten etwas geredet , und der Knecht , der Hansgirgl , der erst ein paar Tage nach dem Streite aus dem Krankenhause zurückgekommen war , wußte sich zuerst in der schweigsamen Gesellschaft nicht zurechtzufinden und rumpelte bei jedem mit seinen unbefangenen Fragen an , bis er merkte , daß hier keine Unterhaltung aufkommen konnte . Die Ursula stellt die Schüsseln unfreundlich und hart auf den Tisch , der Lenz schlang sein Essen so schnell hinein , daß man sah , wie gerne er wieder hinaus wollte , und der alte Schormayer schnitt ein grimmiges Gesicht und führte den Löffel so widerwillig zum Maul , als hätte er bittere Arzneien zum einnehmen . Kein Mannsbild hätte sich als Ursache und Gegenstand so vielen Hasses im Gleichgewicht gehalten , aber Zenzi war , wie manche ihres Geschlechtes , mit einer gewissen Lust am Kleinkrieg begabt und fand in der unbehaglichsten Stimmung immer noch stille Freude an der verhaltenen Wut ihrer Feindin Ursula . Sie erzählte auch gerne und unbefangen von den Erlebnissen im Stalle , daß die Scheck stiere und die Prittlbacherin in der Milch nachlasse und die Hoferin gewiß und wahr aufgenommen habe . Wie ihre Stimme aber niemals ein Echo weckte , gab sie das Reden allgemach auf und begnügte sich , schmatzend und kauend durch einen vortrefflichen Appetit stilles Ärgernis zu erregen . » Woaßt du , was de hamm ? « fragte sie einmal der Hansgirgl . » Was soll ' n denn de hamm ? « » No , dös siecht do a Blinda , daß s ' wia Hund und Katz leb ' n. Da is do eppas fürkemma ! « » Ko scho sei ; mi bekümmert dös gar nix . Auf Liachtmeß geh ' n i a so . « » So ? Du gehst ? Warum nacha ? « » Weil i halt an andern Deanst möcht ; allawei dös nemlinge is it schö ' . « » Aha ! Freili , a bissel an Abwechslung mag a niada Mensch . « Der Hansgirgl war hell genug , daß er die Kündigung der Zenzi mit allem andern , was er sah , in Zusammenhang brachte ; und ein paar Tage später erlebte er in der Küche einen Streit , der ihm ein Licht aufsteckte . Wie er frühmorgens seine Kaffeesuppe trank , kam auch die Zenzi herein , und die Ursula schob ihr den Hafen hin , wie man keinem Hund das Fressen vorsetzt . Nah dem ersten Löffel spuckte die Zenzi heftig aus . » Da is ja a Petrolium drin ! « » Na is halt oans drin « , sagte die Ursula . » Allssammete is do it guat gnua für an Deanstbot ' n ; und bal i mei Arbet richtig mach ' , derf i aa a richtig ' s Ess ' n valanga . « » Für so a Mensch tuat ' s leicht was . « » So ? Tuat ' s leicht was ? Dös will i sehg ' n , ob i dös sauf ' n muaß ! Da probier ' s amal , Hansgirgl , ob da koa Petrolium it drin is ! « » Mein ' Kaffee feit nix « , sagte der Knecht gleichmütig . » Probier ' s grad amal ! Dös is ja ausg ' schamt , daß mi oan so was gibt ! « » Dös is mei Sach it . « » Aba i woaß scho , was i tua « , schrie die Zenzi und eilte mit ihrem Hafen zur Türe hin . Ursula vertrat ihr den Weg . » Was willst du toa ? Wo mögscht du hi ? « » Zu ' n Bauern geh ' n i eini , und der muaß amal sehg ' n , wia du mit die Deanstbot ' n umgehst ! « Ursula riß ihr den Hafen aus der Hand und schüttete den Inhalt auf den Boden . » So , jetz geh eini zu dein ' liab ' n Bauern und zoag eahm dein ' Kaffee ! « Zenzi riß die Türe auf und wollte hinaus , aber da trat der Lenz ein . » Was geit ' s da ? « » Dera Loas da waar da Kaffee it guat gnua , und zum Vatern möcht s ' . « » Und i laß ma ' s it g ' fall ' n ! Da müaßt ja oans krank wern aa no in dem Haus ! « » Du ! Sei it so frech ! « sagte der Lenz drohend . » Da waar mi frech , bal mi si net vagift ' n laßt ! Laß mi außi ! I geh ' zu ' n Bauern . « Lenz nahm Zenzi beim Arm und führte sie zu der hinteren Türe , die ins Freie ging . » Da gehst außi , und zu ' n Vatern kimmst du it ! Und drah mir da it lang auf , sinscht hast d ' as mit mir z ' toa ! « Er gab ihr einen leichten Schub und schloß hinter ihr zu . » Was is dös g ' wen mit ihran Kaffee ? « fragte er die Schwester . » A Petrolium hat sie außag ' schmeckt . Vielleicht is oans drin g ' wen . Was woaß i ! « » Dös sell sollst d ' bleib ' n lass ' n. Dös hat jetzt koan Wert gar it . « » Bal s ' ' n it mag , braucht s ' ' n ja it saufa ! « » Laß ' s guat sei und red ' nix mehr über dös und gib ihr dös richtig Ess ' n , so lang s ' da is . « Er gab ihr mit den Augen einen Wink und ging hinaus . Hansgirgl hatte sich aus diesem Auftritt einiges entnommen und kannte sich beiläufig schon recht gut aus . Er trank seine Kaffeesuppe ruhig und bedachtsam ; und wie er fertig war , schleckte er den Löffel sauber ab . Ursula hielt ihn noch auf . » Du , Hansgirgl , hörst du gar nix , daß de sell recht schimpft über mi ? « » De Zenzi ? « » Ja . « » Da hon i no gar nia nix g ' hört . « » Geh weita , du sagst as g ' rad it . « » Na , i müaßt lüag ' n ; sie hat si no gar nia auslass ' n gegen meiner . « » Bal sie ' s aba tuat , na glaabst ihr nix ! Dös is a ganz a schlecht ' s Weibsbild . « » I gib ihr scho koan Audienz , bal si amal mit so was kam , und überhaupts : was mi nix o ' geht , um dös sell bekümmer ' i mi ganz weni . « » Mi sagt g ' rad , woaßt d ' , daß d ' di auskennst . « » Is scho recht nacha . Guad Morg ' n ! « Draußen pfiff Hansgirgl leise durch die Zähne . » Aha ! Da hat ' s was ! Zu dein ' liab ' n Bauern , hat de ander g ' sagt . Schau ! Schau ! « Der Schormayer hatte das Streiten wohl vernommen , aber er wunderte sich nicht darüber . Das war klar und ausgemacht , daß die Weibsbilder miteinander hakeln mußten ; und wenn es nicht gar zu dick kam , wollte er sich nicht einmischen . Sonst brannte das Feuer lichterloh . Pfüat di Good ! Und das war auch gewiß , daß er die Ursula so bald als möglich ausheiraten mußte ; denn sie würde keinen Frieden geben , und wenn die Zenzi schon lange aus dem Hause wäre . Das tröpfelt immer noch ; das hört nicht auf . Er tauchte den Kamm ins Wasser und strich sich damit die Haare nach vorne . Wurden auch schon dünn , sackerisch dünn , und der graue Esel schaute überall heraus . Vierundfünfzig Jahre . In der Stadt heißen sie es das beste Alter , aber heraußen denken sie anders . Wird bald Feierabend sein , Bauer ; und eine Zeit kommt , die nicht schön ist . Im Austrag sitzen , jeden Brocken vorgezählt kriegen und überall im Weg und zu nichts mehr nutz sein . Kann sich einer ja ausrechnen , wie der Herr Sohn sich aufspielt , wenn er erst einmal am Regiment ist , und hat sich vorher nicht halten können . Die Geschichte mit dem Lenz wurmte ihn , und er wurde nicht fertig damit . Daß die Kinder mit dem Alter nicht an Zärtlichkeit zunehmen , weiß man freilich , und es muß auch nicht jedes Wort fein sein , aber den Vater kotzengrob in die Ecke schieben und ihm mit einer Anzeige drohen , den Streit aus dem Haus hinaustragen , - das selbige war ein wenig viel getan . Daß es den Lenz hinterher vielleicht gereut hatte , machte nichts anders , und wenn er den Hof einmal in Händen hielt , würde er dem Vater am Ende den Streit heimzahlen . Er traute ihm nicht mehr , und er wollte sich gut vorsehen . Am Ende war es wirklich das beste , wenn er sich mit einem guten Austrag nach Dachau verzog ? Ein Häusel mieten oder kaufen und allein sein mit einer richtigen Person , die ihm aufwarten konnte . Der Blank Andrä von Happach hatte es so gemacht und hockte dort noch heute zufrieden und guter Dinge . Unterhaltung konnte man genug finden ; aufs Gericht gehen und den Verhandlungen zulosen , auch fleißig Messen und Rosenkränze aufsuchen , seinen Diskursi haben mit allen möglichen Leuten ; und wenn man ins Wirtshaus wollte , hatte man die Auswahl . Was erwartete ihn denn daheim in Kollbach ? An jedem Zahltag ein Schimpfen über den unverschämten Austrag und Jammern , daß es der Sohn nicht erschwingen könne . Jedesmal der Versuch , was abzuzwacken oder Schlechtes für Gutes herzugeben , und dieselbigen Kunststücke , mit denen man die unliebsamen Fresser in stille Wut bringt , daß sich ihre Tage verkürzen . Nur nicht angewiesen sein auf den guten Willen der Kinder ! War eine Frau im Hause , hernach hetzte sie beim Schlafengehen und Aufstehen , wußte alle Tage was Neues zu finden und den jungen Bauern wegen seiner dummen Gutmütigkeit zu schelten . Und gab acht , daß verwässerte Milch und abgestandene Eier und immer das Schlechteste als Deputat hergegeben wurden . Streitest dann , ist der Teufel erst recht los , und du hast vielleicht den glücklichen Umstand , mit deiner Prozeßpartei Tür an Tür zu leben und einen heimlichen Krieg mit der Schwiegerin zu führen , der hundert Bosheiten einfallen , bis du selber auf eine einzige kommst . Na - na , Lenz ! Das wird sich der Schormayer noch genau überlegen , ob er sich dir mit Haut und Haar ausliefert . Jetzt schon gar ! Hast ja ein scharfes Maulwerk zum Erbstück bekommen und kannst großmächtig aufdrahen , wie man ' s gesehen hat . Ein Roß , das leicht ausschlagt , muß ein schweres Kummet tragen und kurz eingespannt werden . » Hö , was is ? « Die Zenzi stand draußen und klopfte ans Fenster . Der Schormayer öffnete . » Was is denn dös für a Modi ? Was willst denn ? « fuhr er sie grob an . » An Viechdokta hon i vorbeigeh sehg ' n , und weil mi d ' Scheck gar it g ' fallt , hon i g ' moant , ob er it herschaug ' n soll . « » Vo mir aus gnua ! Aba muaßt du dös beim Fensta eina sag ' n ? Kunnst du it bei da Tür einakemma wia ' r ander ' Leut ? « » I derf ja it . « » Was derfst it ? « » Bei da Tür derf i it eini , weil mi da Lenz it laßt .