den Fackeln dem Herrn Battany , der mit seinen Freunden , den Mädchen , den Flötenspielern und Weinschläuchen langsam näher kommt , diensteifrig entgegen . Die Fackeln erleuchten den Pfad . Die Mongolen sitzen auf ihren Pferden ganz stramm . - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - Und bald sind Alle oben im Empfangssaal . Nur die Mongolen sind unten geblieben . Der Herr Battany ist guter Dinge und schickt gleich die Flötenspieler in den dritten Turm , in dem er gewöhnlich zu arbeiten pflegt . Die Sklaven mit den Fackeln werden auf den Galerieen , den beiden anderen Türmen und auf dem Altane verteilt . Auf dem fünfeckigen Altan leuchten jetzt fünf Fackeln in fünf schwarzen Fäusten . Die drei Mädchen schenken den Wein in die großen Becher . Und Alle trinken die großen Becher in einem Zuge aus . Und dann küssen die drei Mädchen den Battany und seine sieben Freunde so stürmisch , daß Allen ganz schwindlig wird . Jetzt wirds sehr laut . Alles lacht und schreit . Der Wein berauscht . Und Abla will singen - doch sie will nur singen auf Abu Maschars hohem Turm - Abu Maschar soll mitkommen . Der Prophet geht schließlich lächelnd mit der weißen Abla auf seinen Turm . Und Abla singt oben den neuesten Gassenhauer - die berühmten Sareppa-Strophen , die im Jahre 892 nach Christi Geburt in allen Schenken Bagdads gesungen wurden . Die Strophen waren von einem unbekannten Sänger der berüchtigten Sareppa gewidmet . Die Sareppa ist eine schlitzäugige Mongolin , die besser reiten kann als die Beduinen . Die Abla singt : » Warum bist Du bös auf mich , Wilder brauner Wüstensohn ? Warum bist Du ärgerlich ? Ist das meiner Liebe Lohn ? Schenk mir Dein Roß - Und schenke mir Rosen ! Liebst mich heute ganz allein - Morgen muß es anders sein . Komm wieder rein ! Ich schenk Dir Wein ! Willst Du eifersüchtig sein ? Ach , Du bist es nicht allein - Hör doch meine Freunde schrein - Jeder will mich heut schon frein - Schenk mir Dein Roß ! Komm wieder rein ! Willst Du meine Freunde schlagen , Steigst Du noch in meiner Gunst . Mußt Dein Leben für mich wagen , Sonst ist Lieben keine Kunst . Schenk mir Dein Roß - Und schenke mir Rosen ! Liebst mich heute ganz allein - Morgen muß es anders sein . « Alle lauschten - die Strophen klangen weich und voll durch die Nacht . Die Fackeln flammten unheimlich in den Sternenhimmel hinauf . Unten flüsterten die Mongolen - oh - die kannten die Sareppa . Die Abla hatte nicht so gesungen , wie man die Sareppa-Strophen in den Schenken zu singen pflegt - Manches hatte so schwermütig geklungen . Im Empfangssaal hätten die Männer beinah das Trinken vergessen ... Doch die Menschen werden so anders , wenn sie beim Trinken sind . Jakuby wackelt immer mit dem Kopf und mit seinem lila Turban - redet fortwährend zu Osman von Byzanz und von Damaskus , setzt dem dicken Schreiber auseinander , daß er in diesen beiden Städten jede einzelne Sängerin gehört habe . Osman will das garnicht glauben . Battany ist zur Sailóndula sehr höflich , ist entzückt von ihren kleinen Füßen , ihren Veilchen und ihren Augen - nur ihr weingrünes Gewand will ihm nicht gefallen . Kodama streichelt der Tarub die braunen Wangen und raubt ihr eine dunkelrote Rose . Suleiman sitzt auf dem großen Teppich , trinkt und lacht , wundert sich , daß die Andern nicht auch sitzen und lachen . Die Andern lächeln nur . Abu Hischam und Safur stehen auf dem fünfeckigen Altan und reden mit einem fürchterlichen Eifer über die Welt und über den Genuß . Die Schwarzen mit den Fackeln staunen . Kodama singt : » Schenk mir Dein Roß - Und schenke mir Rosen ! « Und der Dicke trinkt mit der Tarub - er ist schon recht heiter . Sailóndula schaut zuweilen scheu zu dem indischen Götzenbild hinüber . In Battanys Arbeitszimmer flöten die Flötenspieler - sie haben auch Wein zu trinken bekommen . Abu Hischam sagt : » Lieber Safur , wir täuschen uns ja so oft . Wenn wir träumen , denken wir doch immer - wir wachen . Müssen wir deswegen nicht auch in unseren wachen Augenblicken - an unserm Wachsein zweifeln ? Wenn wir aber erst zweifeln , daß dieser Altan ein Altan ist , so wird uns doch der Boden unter den Füßen fortgezogen - dann schwankt alles - ja , Safur , dann schwankt Alles ! « Und der Philosoph schwankte wirklich , worüber Safur sehr lachen mußte . Sie tranken wieder - Saids Diener schenkten diensteifrig immer von Neuem die großen Becher voll - der erste Weinschlauch lag schon schlaff hinter dem kupfernen Himmelsglobus . Abu Hischam spricht weiter : » Ja , Safur , Du hältst Dich für einen großen Schlaukopf . Du willst immer mit Deinen Sinnen genießen - ei , wenn Deine Sinne garnicht da sind - was dann ? Das Zweifeln mußt Du lernen , das Zweifeln hast Du noch nicht raus . Leben heißt zweifeln . Genießen heißt auch nur zweifeln . Immer schwanken muß man . Die großen Weisen schwanken und zweifeln immer . Trotzdem kann man ganz vernünftig sein - man braucht deswegen nicht zum Gewohnheitssäufer zu werden . Man kann trotzdem das Große wollen - die Welt kann noch alle Tage besser werden - für die Entwicklung der Welt müssen wir sogar kämpfen . Das ist ja der Hauptgenuß - wer an der Verbesserung der Welt arbeitet - - - der pfeift auf das Fressen und Saufen - der pfeift ! « Der große Philosoph schwankt und pfeift . Die Flötenspieler flöten . Safur legt ernst seine Hand auf Abu Hischams Schulter und redet nun also : » Du irrst Dich , wenn Du glaubst , daß ich nur mit meinen fünf Sinnen genießen will . Ich will genießen in allen Formen - in jeder Weise - wie - wo - was - das ist mir ganz gleich . Aber Alles will ich genießen - und daher will ich auch mit meinen fünf Sinnen genießen . Immer will ich genießen - daher will ich auch genießen , wenn ich esse . Allerdings - Du sagtest , es gäbe noch eine übersinnliche Welt . Ich glaube ja an diese übersinnliche Welt . Die soll drum auch für mich da sein . Indessen - nur übersinnlichen Genüssen nachgehen - das scheint mir sehr unsinnig . Das kriegen wir ja garnicht fertig . Ich kann doch nicht immerfort an Wüstengeister denken . Allerdings - Du hast Recht . Zu große Bedeutung darf ich den Genüssen der Zunge nicht beimessen . « Safur denkt nach . Abu Hischam trinkt . Abu Hischam sieht so furchtbar altbacken aus - nüchtern ist er auch nicht mehr . Und Ablas Stimme ist nun auf der Galerie nebenbei zu hören , sie singt leise zu Abu Maschar : » Komm wieder rein ! Ich schenk Dir Wein ! « Das singt sie öfters . Der Prophet ist gutmütig freundlich zu ihr wie ein milder Vater . Die Beiden betreten jetzt den Altan . Safur begrüßt sie sehr freundlich , Abu Hischam sehr spöttisch . Abu Maschar ist milde wie gewöhnlich . Die Drei trinken zusammen und reden . Sie reden aber Dinge , die so schwer verständlich sind , daß sich die weiße Abla traurig abwendet . Den Schwarzen macht das Fackelhalten wenig Spaß - die Sache ist auch nicht grade leicht . Abla sieht in den Empfangssaal . Da brennen oben die maurischen Lampen . Rechts neben dem kupfernen Waschbecken liegen die vollen - links die leeren Weinschläuche . Im Hintergrunde stehen Saids Diener . In der Mitte des Hintergrundes unter der indischen Götzenfigur liegt der alte Dichter Suleiman und schläft - er ist abgefallen . Battany wandelt in seiner blauen Sammettoga mit der Sailóndula auf dem großen Teppich umher - so vertraut und gemütlich . Ungefähr in der Mitte des Teppichs sitzt Kodama neben einem Weinschlauch - im Arme des dicken Geographen befindet sich die Tarub , die sich von dem Dicken lachend küssen läßt und ihm fleißig Wein einschenkt . Die Flötenspieler spielen nicht - man hört nur reden , lachen und flüstern . Die beiden Säulen , die zwischen Altan und Empfangssaal die drei Spitzbogen tragen , sind nur dünn und können das Durchsehen nicht hindern ... Die Abla sieht alles . Und sie ärgert sich über Kodama und auch über die Tarub , singt spöttisch sehr laut und hell : » Liebst mich morgen ganz allein - Heute muß es anders sein . « Und das singt sie immer wieder , bis das der leichtsinnige Kodama versteht . Gleichzeitig sieht aber auch der Safur seine Tarub in Kodamas Arm . Donnerwetter - da wird er wütend . Der Dicke läßt sich aber nicht leicht aus der Fassung bringen , ruft dem Dichter mit wohltönender Stimme zu : » Du schlauer Safur - wir sind ja gute Freunde . Unter Freunden nimmt man sich so was doch nicht übel . Ich wollte nur die kleine Abla ein bißchen eifersüchtig machen ! Sei wieder gut ! « Safur aber knirscht mit den Zähnen , daß es Alle hören . Alle sind jedoch ziemlich berauscht , sodaß man diesen knirschenden Wutlauten nicht zu große Bedeutung beimißt . Nur Battany merkt , daß die Lustigkeit der Zecherei gestört werden könnte , und schreit daher mit donnernder befehlender Stimme : » Sailóndula wird hier auf unsrem Teppich tanzen . Kodama , steh auf ! Safur , sei vernünftig ! Trink , Bruder ! Sailóndula , tanz ! Alle Sklaven sollen mit den Fackeln in den Saal kommen ! « Die Rede wirkt . Man holt die Flötenspieler . Die zwölf Schwarzen kommen mit den Fackeln in den Saal . Kodama und Tarub stehen auf . Suleiman wird an die Seite gelegt . Auch Jakuby erscheint jetzt wieder , er fällt immer hin und fuchtelt mit dem Zeigefinger durch die Luft , was sich sehr albern ausnimmt . Der dicke Osman kommt auch mit den Flötenspielern zusammen herein , er ist schrecklich lustig und kneift den Schwarzen in die Backen . Die Schwarzen grinsen . Sie sehen drollig aus . Dann aber bittet der große Al Battany seine Freunde auf den jetzt dunkeln Altan hinaus - die Tarub und die Abla werden von ihm ganz besonders höflich gebeten . Tarub schimpft auf den Safur . Abla singt dazu : » Eifersüchtig willst Du sein ? Ach , Du bist es nicht allein ! « Safur lacht und küßt die Abla . Man trinkt wieder - noch hastiger als bisher . Wenn Sailóndula tanzt - dann hat das was zu bedeuten . Schade nur , daß der Suleiman schläft ; der sieht so gern tanzen . Abu Hischam , der kaum stehen kann , will jetzt wieder lallend vom Bunde der lauteren Brüder reden , man hält ihm aber den Mund zu und bittet ihn , sich hinzusetzen . Ach - die Menschen werden so anders , wenn sie getrunken haben . Im Empfangssaal thront die indische Götzenfigur - rechts und links neben ihr stehen die Flötenspieler mit den Flöten . Die Sailóndula im weingrünen Kleide geht in die Mitte des Teppichs und blickt noch einmal scheu zum indischen Götzen hinauf . Vier Schwarze stellen sich an die hintere Seite des Teppichs - vier rechts und vier links . Die Fackeln flammen hoch auf . An der Decke wirbeln die Rauchwolken . Der indische Götze leuchtet und glänzt . Auch der kupferne Himmelsglobus wirft das Fackellicht zurück , das kupferne Waschbecken gleichfalls . Battany sitzt mit Tarub und Abla hinter dem Mittelbogen , die Andern sitzen und stehen hinter und neben dem Astronomen . Und Sailóndula tanzt . Die Flötenspieler spielen ein altes indisches Lied - das klingt so weich und getragen . Langsam bewegt die Sailóndula die Arme durch die Luft und biegt dabei den Körper nach allen Seiten . Ihre gelben Finger recken sich , und die Arme drehen sich , und die Füße heben sich dabei - nur wenig - nur so zaghaft . Die Muskeln der Beine spannen sich , und dann dreht sich der ganze Körper der Tänzerin . Die gelben Glieder drehen sich und beugen sich und krümmen sich - sie bewegen sich - wie sich die Weisen der Flöten bewegen - wie sich Bäume bewegen im Abendwinde - wie sich Schlingpflanzen ranken - wie sich kleine Quellen durch die Wiesen winden . Und die Fackeln qualmen , daß man das indische Götzenbild kaum mehr sieht . Man sieht nicht mehr die Decke mit ihren blauen und grünen Mustern auf dem prächtigen Goldgrunde . Aber man sieht noch die silbernen und roten Querstreifen auf den Wänden , die blitzen oft auf im Fackelschein . Die Schwarzen stehen tiefernst ; mit beiden Fäusten halten sie die Fackeln ; ihre orangefarbigen Lendentücher leuchten . Die zwölf roten Flammen knistern . Die Flöten ziehen in weichen Tönen durchs Gemach . Die indische Sailóndula tanzt . Doch jetzt wollen Alle , daß Sailóndula nackt tanze . Sie besinnt sich . Und Battany legt sich aufs Bitten . Abla bittet den Kodama um die roten Rosen , die er der Tarub geraubt , singt leise : » Schenk mir Dein Roß - Und schenke mir Rosen ! « Doch dann tanzt Sailóndula nackt , ihr weingrünes Gewand fliegt hastig an die Seite . Die Flötenspieler spielen ein wildes Jagdlied . Hei - wie sich die gelben wunderschönen Glieder jetzt bewegen . Nicht mehr ruhig ist der Tanz . Ein wildes tolles verzerrtes Springen und Stampfen geht los . Der Körper des Mädchens zittert . Sailóndulas Muskeln schwellen an , daß sie fast so stark erscheinen wie die Muskeln der schwarzen Fackelträger . Aber jetzt - plötzlich - da weiten sich die Augen der nackten Tänzerin . Sie sieht was - ein alter indischer Tempel steigt vor ihr auf - mit herrlichen Pforten und reizend durchbrochenen Türmen , die wie Filigrangebilde sich aufrecken - wie Elfenbeinschnitzereien ... Und neben dem Tempel fließt der heilige Ganges im Fackelschein . Und ein Jüngling kommt aus dem Tempel raus und starrt die Sailóndula an . Mit einem gellenden Schrei bricht das Mädchen zusammen . » Mein Kleid ! Mein Kleid ! « ruft es angstvoll . Battany und seine Freunde eilen auf die gelbe Tänzerin zu ; sie wissen nicht , was ihr fehlt . Sie aber reißt sich mit den Nägeln den Busen blutig , daß das Blut ihren gelben Leib hinunterrieselt . Und dann brechen ihr die Tränen hervor . » Meine Heimat ! « schluchzt sie . Und dann weint die Sailóndula wie ein Kind - wie ein ganz kleines Kind . Battany gibt ihr Wein . Doch sie schlägt ihm den Becher aus der Hand . Sie weint furchtbar und windet sich dann in Krämpfen . Siebentes Kapitel » Endlich ! « schreit Kodama in den frischen Morgenwind hinein , » endlich sind wir die dummen Frauenzimmer wieder los . Die Tarub schnauzt , die Sailóndula heult , und die Abla will immerfort Rosen haben . Freunde , wir sind frei - darum wollen wir jetzt auf dem Karawanenplatz Tee trinken . Kommt ! « Und der dicke Geograph geht breitbeinig voran - die beiden Dichter Suleiman und Safur folgen - der Philosoph Abu Hischam desgleichen . Diese vier Leute hatten die drei Frauen nach Hause gebracht - mit Mühe - wie sich ja denken läßt - denn nüchtern war Niemand . Äußerlich machten jetzt die Vier einen sehr friedlichen Eindruck . Das war aber alles nur Schein . Der Wein hatte die Gemüter ganz gehörig aufgeregt . Gereizt wandte sich Safur an den dicken Kodama und verlangte Aufklärung in Betreff der Tarub - den Dichter plagte heiße Eifersucht . Ein Wort gab das andre - der sonst so gemütliche Geograph mit den herrlichen seidenen Hosen hatte seine ganze wohltönende Beredsamkeit aufzubieten , um den Dichter davon zu überzeugen , daß eine Umarmung doch nur eine Umarmung und ein Kuß doch nur ein Kuß sein könnte . Der gemütliche Dicke trat währenddem in die Bude eines alten Wunderdoktors und ließ sich in vier zierlichen Näpfchen ein schwarzbraunes dickflüssiges Getränk verabreichen , das Wunder tun sollte gegen den Kater . Alle tranken das schwarzbraune Zeug und fühlten sich gleich beruhigt - auch Safur . Leichtgläubig wie alle Dichter ließ auch dieser leicht sich was einreden . Das schwergläubige Mißtrauen schien dem Safur ohnehin eine recht lästige Sache . Die Hitze ist auch schon recht lästig . Grelles Sonnenlicht flutet durch ganz Bagdad , obgleich es noch immer Morgen ist . Auf dem Karawanenplatz sieht es sehr bunt aus - der Platz ist so bunt wie ein Opal . Die hellen Zelte , auf denen die Sonne brennt , geben dem großen Karawanenplatz das Ansehen eines großen Lagers . Die mächtigen Blätter der Bananen und die riesigen Palmen ragen in den hellblauen Himmel so beruhigend hinauf - so beruhigend wie das Grün der Oasen . Links zeigt ein indischer Schlangenbändiger seine Künste . Suleiman soll bezahlen und tuts . Suleiman denkt nur an den Schneider Dschemil , denn Said hat dem Dichter eine dicke Goldrolle geschenkt - zum Lohne für das Lobgedicht . Das Gold hat den Alten schrecklich glücklich gemacht - er benimmt sich zuweilen ganz närrisch . Neben ruhenden Kamelen liegen prächtige bunte Teppiche aus Smyrna und Damaskus . Gelbe Chinesen stehen feierlich neben grellfarbigen Seidenstoffen . Braune Araber handeln mit Wollenzeug , Baumwolle und Leinen - die Stoffe zeigen auch alle Farben - rote , blaue , gelbe , braune und andere . Alte Ägypter verkaufen Rosenöl und Räucherwerk . Perser mit langen schwarzen Bärten bieten lustigen braunen Mädchen himmelblauen Türkisenschmuck an . - Und betrunkne Tofailys kommen jetzt torkelnd und johlend immer näher - sie sehen Kodama , brüllen ihm was zu - und dabei fällt der eine Tofaily wie ein abgehackter Baum auf die eine Seite mitten in ein großes Lager irdener Töpfe und Kruken , die ein alter Mann aus Kufa neben sich auf der Erde fein säuberlich aufgestellt . Mörderliches Geschrei ! Das Geschirr klirrt und klappert . Ein frecher nackter Junge reitet auf einem kleinen grauen Elephanten heran - und das Tier zerschlägt auch noch ein paar Töpfe . Höllenlärm ! Die Tofailys lachen , sind aber in großer Not - die Kaufleute auf dem Karawanenplatz verstehen im Entzweischlagen keinen Spaß . Kodama bezahlt schließlich die zerbrochenen Gefäße - widerwillig zwar - doch mit Anstand . Die Tofailys sind drob natürlich ganz außer sich vor Vergnügen . Kodama wird von den Betrunkenen bestürmt - wie von arabischen Kriegern eine Burg bestürmt wird . Die Vier sind im Nu umringt . Und Alle wandeln lachend in die nächste Teebude . - Schlitzäugige chinesische Mädchen bringen das heiße Getränk in blau bemalten Porzellanschalen herbei . » Wie gehts Deinem Bären ? « fragt man den Safur - höhnisch - denn Safur wird beneidet . Sein Bär , Bagdads berühmte Köchin , leuchtet sehr hell an dem trüben Himmel , der Bagdads berühmte Männer überwölbt . Abu Hischam muß gleich wieder vom Bunde der lauteren Brüder sprechen . Doch es wird heiß . Auch unter den hellen Leinendächern der Zelte und Marktbuden nimmt die Hitze ganz beträchtlich zu . Die Augen kann man garnicht mehr ordentlich offen halten - die Sonne blendet . Tiefblau sind die Schatten der Palmen und Bananen . Vor den Teezelten liegt die große Moschee . Und rechts von der Moschee ragen die hohen , auf einem Hügel gelegenen Paläste der Chalifenburg mit vielen vielen Türmen und bunten Galerieen in den glühenden Himmel hinauf . Träge zieht eine Karawane an den Teetrinkern vorüber . Die Kamele nicken einförmig mit den drolligen Köpfen , die Pferde suchen mit der Schnauze den heißen Erdboden zu erreichen . Die Kameltreiber schwitzen und fluchen . Träge zieht die Karawane vorüber - ein Bild tiefster Erschöpfung - ein Bild lähmender Schlaffheit . Das Gespräch unter den Teezelten verstummt - man verabredet noch eine Zusammenkunft abends auf der Tigristerrasse - und trennt sich . Abu Hischam , Kodama , Suleiman und Safur wenden sich nach rechts , gehen an einer großen Bude , die ganz mit kleinen indischen Götterfigürchen gefüllt ist , vorüber - in die Stadt . In den Straßen ist es leer und heiß . Die blauen Schatten der niedrigen zumeist fensterlosen Hausmauern und die blauen Schatten der Palmen und Bananen - verkleinern sich - die Sonne steht schon hoch . Der dicke Kodama gähnt und will zur Sareppa , die Andern wollen mit , und man geht hin . Der weiße Straßenstaub durchsengt die Sandalen . Donnerwetter ! Die Hitze ist stärker als tausend Löwen . Die Vier nehmen erst noch ein Bad . Das erfrischt ein bißchen . Dann gehts zur Sareppa . Da knallen die Peitschen . Da fliegen die Speere und die Pfeile . Da wiehern und stampfen die prächtigsten Hengste - denn die Sareppa handelt mit Pferden , und ihre Hengste sind berühmt . Auf einem freien Platze , der nur von ein paar Palmen beschattet wird , jagen junge nackte Mongolen auf schäumenden Hengsten im Kreise herum . Die Mongolen werfen dabei mit kurzen Lanzen nach einer Holzpuppe , die hoch oben unter den Blättern einer Palme hängt . Die Lanzen sausen oft in weitem Bogen fast bis auf die Straße hinaus , daß man sich in Acht nehmen muß . Die beiden Gelehrten und die beiden Dichter gehen daher schleunigst unter ein Holzdach , unter dem Gras wächst - da grasen die Pferde der Sareppa , und - Beduinen bewundern die Pferde . Manche Beduinen kaufen sich ein Pferd unter diesem Holzdache - doch die meisten Beduinen kommen hierher , um ihre Pferde zu verkaufen - und dann bettelnd herumzulungern . Bagdad , diese üppige Stadt , bricht manchem Wüstensohn den Hals . Und Safur spricht mit den Beduinen . Er spricht von den blauäugigen Dschinnen und will mehr von diesen wilden Wüstengeistern wissen , die nachts auf schwarzen Rossen über den heißen Sand sprengen und die Menschen - töten wollen . Die Beduinen erzählen viel von den Dschinnen . Und vor Safur , der träumend zuhört , erscheint ein wildes Weib mit schwarzem Gesicht und hellblauen Augen ; die Haare hängen dem Weibe lang und strähnig an den Schläfen nieder . Die Stirn des schwarzen Weibes zeigt senkrechte dicke Furchen . Die Mundwinkel des bläulich-blassen Mundes hängen tief runter - ein dunkler Gespensterkopf vor einem leuchtenden Nachthimmel ! Safur erschrickt . Und er liebt das Gesicht . Aber plötzlich ist es wieder weg . Er sieht nur noch die Beduinen vor sich , sieht die Pferde der Sareppa grasen und den alten Suleiman drüben an dem einen Holzpfahl Kirschen essen . Safur hört nicht mehr , was ihm die Beduinen erzählen . Er versucht wieder , das Dschinnengesicht zu sehen - kriegt es aber nicht fertig . Ganz verstört kommt er später zu seinen Freunden zurück und ißt schweigend mit ihnen Kirschen , trinkt auch Wein mit ihnen ; der Kodama ist in bester Laune , hat an jeder Hand ein Mongolenmädchen und erzählt Schnurren , daß die Mädchen sich krümmen vor Lachen . Die Sareppa badet , die ist heute nicht zu sehen . Die Beduinen werden aber bald aufdringlich , die Obstjungens auch , sodaß man sich nach einiger Zeit entschließt , weiterzuwallen . Kodama übernimmt die Führung und bringt seine Freunde in ein berüchtigtes Haus . Man geht in den großen Badegarten , wos sehr laut ist . Beduinen und ein paar reiche Jünglinge aus Bagdads besten Familien zechen dort mit weißen Armenierinnen . Das eine Mädchen singt mit gellender Stimme , während sie ihren Jüngling an die Ohren packt : » Willst Du meine Freunde töten , Steigst Du noch in meiner Gunst ! Blutig muß Dein Dolch erröten ! Sonst ist Lieben eitel Dunst ! « Und das Unerwartete geschah . Blitzschnell zog der Jüngling seinen Dolch und stieß ihn einem jungen Beduinen bis ans Heft in den Leib . Aber im nächsten Augenblick hatte der Jüngling einen furchtbaren Säbelhieb . Der Säbel ging ihm durch die linke Stirnseite , durchschnitt das Auge und blieb im Kopfe stecken . Lautlos brach der Heißblütige zusammen . Das dunkelrote Blut zweier Nebenbuhler besudelte den feinen bunten Fliesenboden . Entsetzt wandten sich die beiden Gelehrten und die beiden Dichter ab und schritten eilig an den Rosengebüschen und an den Gummibäumen - an dem reizenden großen Badeteich , in dem Lotosblumen blühten , vorbei - hinaus - ins Freie . Drinnen schrieen die Weiber wie die Wahnsinnigen , als wenn das berüchtigte Haus ein Tollhaus geworden wäre . » Siehst Du ! « sagte draußen der dicke Geograph zum Safur , » da siehst Du wieder , wohin die Leidenschaften führen . Hüte Dich vor der Eifersucht ! « Und im Sturmschritt rannte der Dicke seinen drei Freunden voran zur Tigristerrasse . In Schweiß gebadet kamen die Vier dort an . Die Tofailys waren schon da . Die Sonne ging blutrot unter . Hastig erzählten die Vier ihr Abenteuer . Aber die Tofailys rührte das nicht allzu sehr . Sie waren ja des Morgens von einem Leichenschmaus gekommen - von dem Leichenschmaus , den die hübsche Witwe des alten Wollkremplers gegeben , den die Tofailys in jener grünen Schimmelnacht in der Betrunkenheit erstochen haben sollten . Es ward Nacht . Man aß und trank . Abu Hischam sprach wieder vom Bunde der lauteren Brüder . Und als Alle recht viel getrunken hatten , nahm Abu Hischam feierlich alle Anwesenden in seinen Bund auf . Suleiman riet vergeblich zur Mäßigung . Er erinnerte vergeblich an die Empfindlichkeit des reichen Battany . Abu Hischam nahm sämtliche anwesenden Tofailys sehr förmlich in den Bund der lauteren Brüder auf . Und darauf trank man - bis Alles betrunken war . - Die Tofailys lagen schließlich auf der Tigristerrasse umher wie die Scherben einer zerbrochenen Waschschüssel . Safur dachte an seine Dschinne und an seine Tarub . An seine Tarub dacht er mit Ingrimm , denn er wußte , daß sie ihm wieder Vorwürfe seiner wüsten Sauferei wegen machen würde . Der Tigris glitzerte im Mondenschein . Die lauteren Brüder verstummten und begannen zu schnarchen ; der Kopf ward ihnen so schwer wie ein Henkerbeil . Safur dachte an seine blauäugige schwarze Dschinne . Jetzt sah er sie wieder hoch oben im Himmel - übermenschlich groß - von funkelnden Sternen umstrahlt . Achtes Kapitel Und als es abermals Morgen ward , schien die Sonne so , als wenn garnichts los wäre . Jedoch - die lauteren Brüder , die allmählich erwachten , hatten gleich das Gefühl , daß in ihren Köpfen was los war - oder was losgehen wollte ... Durch die persischen Eichen , die auf der Tigristerrasse mächtig aufwuchsen , wehte ein sanfter Wind , der leider garnicht kühl werden wollte . Safur erwachte unter einem blühenden Oleanderbaum . Der Dichter Buchtury erwachte neben großen weißen Lilien , die das eirunde , rot und weiß gemusterte Fliesengetäfel in der Mitte der Terrasse umzäunten . Buchtury sah die Lilien , den Safur und eine hohe Leiter . Er hob diese Leiter auf , stellte sie senkrecht auf das rot und weiß gemusterte Fliesengetäfel und bat ein paar Freunde , die gerade nicht wußten , was sie anfangen sollten , die Leiter festzuhalten . Und dann kletterte der Dichter auf die Leiter rauf , sodaß sein Kopf die grünen Blätter einer sehr hochgewachsenen persischen Eiche berührte . Und in dieser Höhe begann der berühmte Tofaily , der nichtswürdige Prasser - zu krähen . Mit krächzenden Lauten schrie er drauf in den Morgenwind seine Leib- und Magenverse hinein . Von seiner Leiter starrte Buchtury auf die Terrasse runter wie ein müdes Pferd . Des Dichters Augen waren verglast . Den Safur sah er ganz blöde an und schrie : » Ihr , die Ihr so viel dichtet , Ihr habt die Kunst vernichtet ! Die schönste Kunst des Lebens - Die lerntet Ihr vergebens ! Ihr habt ja ganz vergessen , Euch gründlich satt zu essen . Den Magen vollzuschlagen , Ist doch das Hauptbehagen . Das ist die schönste Kunst , Das Andre ist nur Dunst ! Beim Hahnenkampf und Hochzeitsschmaus , Bei alten Bettlern seid zu Haus ! Wo Kinder geboren , Leichen begraben , Ist allzeit auch was zum Essen zu haben . In Keller und Küch ' , beim Würfelspiel , Oh , Kinder , da gibts zu essen viel . Gut essen , Freunde , ist immer fein - Ihr müßtet nur eifrig dahinter sein ! lhr schaut viel zuviel nach den Sternen , Ihr müßt erst das Essen erlernen . Salbet den Magen an jedem Morgen - Laßt Euch die Salbe vom Krämer borgen ! Laßt Euch kneten den vollen Leib - Lustig ist dieser Zeitvertreib ! Vergeßt nicht täglich öfters zu baden , Oh - baden - baden - nie kann das schaden ! Tut überall nur , als wärt Ihr zu Haus ! Seid auch nicht ärgerlich , lacht man Euch aus ! Schlägt man die Tür Euch zu vor der Nas - Tut so , als wärs ein lustiger Spaß ! Klettert durch den Schornstein herein ! Mutig muß der Hungrige sein ! Ich hab oft schon Prügel empfangen - Oft mit dicken eisernen Stangen . Das war mir alles ein lustiger Spaß - Wenn nur erst da war ein leckerer Fraß . Dann gabs nicht mehr Geschwätz und Getu - Sofort war fort die freundliche Ruh . Mit den Fäusten packt ich die Keulen an - Mit zween Fingern hab ich das nie getan . Wie kleine Mädchen zierlich zu speisen - Das überließ ich schwächlichen Greisen . Den Nachbarn hab ich nie angeschaut . Beim Essen