paarmal nach seinem Sohne zurückblickend , es berührte ihn wie immer gar nicht so unangenehm , wenn er sich diesem überlegen zeigen konnte . Toni ging durch den Hausflur in den Garten . Er ließ sich in der Rebenlaube nieder . Er stützte den Kopf mit der Linken , den Ellbogen hatte er auf das eine Knie aufgestemmt , auf dem andern lag flach seine Rechte ; so saß er nachdenklich eine geraume Weile , dann seufzte er auf : » So kann ' s nit fortgehn . « Der Garten hatte ein Seitenpförtchen , von welchem ein ausgetretener Weg auf dem Kamme des Hügels über die Wiesengründe führte . Wer diesem schmalen Steig , der sich mählich bergab verlor , folgte , hatte das Dorf im Rücken . Toni schlenderte bedächtig auf selbem dahin , oft blieb er stehen und sah nach der letzten Hütte da unten in Zwischenbühel . Plötzlich riß es ihn herum , und er beugte den Oberleib vor und streckte den Hals . Helene war auf die Straße getreten . Kein Zwinkern der Augen , kein Zucken der Mundwinkel wie damals , als er über die Wiese nach dem Bache hinunterstieg , zeigte sich jetzt in dem Gesichte des Burschen , nur die äußerste Spannung war darin zu lesen , mit welcher er von der Höhe aus jede Bewegung der Dirne beobachtete . Helene trug einen kleinen Buckelkorb , sie stand eine Weile und blickte um sich , dann ging sie unten an dem Ufer des Baches in der gleichen Richtung fort wie Toni oben am Kamme des Hügels . Gewiß , sie ging dürres Astwerk oder Tannenzapfen auflesen in dem kleinen Nadelholzbestande , welcher der Gemeinde gehörig war und der » tote Wald « hieß ; es war das ein kümmerliches Gehölze , nahe dem Rande des Baches , der es bei Hochwasser überflutete und Sand und Gerölle zwischen den Stämmen ließ , aber ganz war es dem Verderben geweiht , seit der Borkenkäfer dort zu hausen begann ; kahl ragten die schlanken Schäfte empor , morsch brachen sie in sich zusammen , nur wenige gesunde Bäumchen fristeten noch für unbestimmte Dauer ihr Sein . Der tote Wald war aufgegeben . Selbst des Leseholzes wegen gab es keinen Streit , nur die Allerärmsten des Ortes schickten ab und zu ihre Kinder , um von dem Geäste heimzuholen , was einem nicht unter dem Griffe zermürbte . Daß ihn die Dirne gesehen habe und ihm nun geflissentlich über den Weg laufe , das galt dem Burschen für ausgemacht , doch empfand er diesmal keine freudige Genugtuung darüber , er fühlte sich vielmehr bange und beklommen , einen Augenblick wünschte er sogar , sie möchte nicht gekommen sein , doch weil sie es war , achtete er bald auf nichts mehr , als mit der Gestalt , die flink auf der Straße da unten sich fortbewegte , gleichen Schritt zu halten . Nahe , wo der Steig endete , führte er hinter den Büschen knapp am Rande des Baches dahin ; dort blieb der Bursche einen Augenblick stehen , mit verhaltenem Atem und ohne Regung , damit er nicht unversehens an einen Zweig des Strauches rühre , der ihn deckte . Nur durch das schmale Bett des Wassers getrennt , ihm gerade gegenüber saß die Dirne auf einem Erdaufwurf , der Schuh mochte sie wohl gedrückt haben , sie hatte ihn ausgezogen und schüttelte ihn , dann zog sie ihn wieder an , streckte den Fuß zierlich vor und lockerte ihr Strumpfband , darauf erhob sie sich und schritt in den Tann , hinter dessen schlanken Stämmen sie verschwand . Toni legte die kurze Strecke Weges bis an den Bach zurück , lief über den Baumstamm , der da statt einer Brücke diente , und sah nahe im toten Walde Helene erwartend stehen . Er ging entschlossen auf sie zu . Sie ließ ihn auf drei Schritte herankommen , dann warf sie mit dem einen Arme den Korb von der Schulter zur Erde und streckte den anderen gegen ihn aus . » Das muß einmal ein End haben « , rief sie . » Das mein ich auch « , sagte der Bursche und nickte dazu ernst mit dem Kopfe . » Ganz offen gesteh ich ' s « , fuhr sie fort , » heut hab ich dich wohl von der Höhen daherkommen gsehn und es drauf anglegt , daß ich mit dir zusammtreff , weil mir dein Nachlaufen durchn Ort und ewig Angaffen in der Kirchen hitzt schon einmal z ' dumm wird ! Hilft ' s bei dir nit , wenn mer , was dich angeht , kurz und bündig in einm Sprüchel sagt , brauchst du zum Verstehen leicht ein Predigt oder ein Litanei ? « » Red dich aus , red dich nur aus « , sagte Toni , indem er vor sich zu Boden sah . » Du bildst dir wohl ein , du wärst gar ein Besondrer und alle anderen gring gegen dich ? Freilich , du bist der einzige Sohn vom reichen Bauer afm Sternsteinhof und selber einmal der Herr drauf , halt ja , das bist du , aber deßtwegn brauchst doch mich nit für ein schlechts Mensch z ' halten ! « Sie hatte unterdem von den nahe stehenden Bäumen dürre Äste abgebrochen und neben dem Korb hingeworfen , jetzt schwang sie eine dünne Gerte in der Hand und führte damit einen Lufthieb gegen den Burschen . » Haltst mich leicht nit dafür ? « » Wie käm ich auf den Gedanken ? « sagte er kleinlaut , ohne den Blick vom Boden zu erheben . » Bist noch nit draufkommen , so helf ich dir drauf ! Was willst mit all deinm Nachlaufen und Aufdringlichkeiten bezwecken , als daß ich den Burschen , der ' s ehrlich mit mir meint , fahrenlassen sollt , dir zlieb , der ' s nit in Ehren meint , nit in Ehren meinen kann noch darf ? ! « Toni blickte auf . » Wieso nit könnt und nit dürft ? « » Dumme Frag « , zürnte die Dirne . » Nimm du mich nur nit für gleicherweis so dumm und ehrvergessen , daß ich dir ein Ghör schenken und dabei übersehen könnt , wie groß und breit der Sternsteinhof zwischen uns zweien liegt , von wo ich niemal Hoffnung hab , aus einer Fensterrahm auf Zwischenbühel herunterzschauen . Jetzt weißt mein Meinung , und von heut , bitt ich mir aus , bleib von mein Wegn und schau in der Kirchen , wohin z ' schauen hast , wann dich d ' Frommheit hneinführt , nachm Altar und nach der Kanzel , aber nit nachn Weiberbänken ; meintwegn auch dahin , aber nach einer andern . « » Bist fertig ? So hör auch mich an . Ob ich gegn andere stolz bin , kommt da nit in Frag , du hast dich in derer Hinsicht gwiß nit über mich zu beklagen ; wär ich nur halb so übelnehmerisch wie du , so laufet ich jetzt wohl schon heimzu , übrigens gschieht ' s weder aus Demütigkeit , noch tu ich mir ein Zwang an , daß ich dir standhalt , es is mir nur drum , daß ich dich seh und hör , und hast kein freundlich Gsicht und kein gut Wort für mich , so nimm ich auch mit ein finstern und mit unbschaffene vorlieb , und dafür , daß ich dich gern hab , kann ich just sowenig wie der Herrgottlmacher , möcht also nit , du nähmst mir ' s übler auf und legest mir ' s anders aus wie dem . « Helene hob die runden Schultern . » ' s tät deiner Ehr nit ' n gringsten Abbruch , wann d ' dich mitleidig bezeigest zu mir . « Helen runzelte die Brauen . » Du Narr du , setz dir keine Dummheiten in Kopf , so fehlt dir gleich nix ! « » Hast schon recht , wenn du ' s ein Dummheit nennst und ein allmächtige dazu ! Alles , was du dagegen vorgebracht hast , und mehr noch , hab ich mir selber gsagt , mich z ' Anfang gnug dawider gsperrt und gspreizt , und doch hat ' s mich unterkriegt , daß ich mich jetzt nimmer ausweiß . Leni , mein Seel und Gott , auf dein Red vorhin , daß der Sternsteinhof zwischen uns zwein stünd , hätt mir einer sagen können , derselbe wär niedergebrennt bis afn Grund , mir wär ' s nit nahgangen . « Die Dirne lachte laut auf . » Das kannst ja erprobn . Zünd ihn an ! « » Das is ein sündhaft Reden . In Vatershaus wird doch keiner Feuer anlegen . « » No , mein nur nit , daß ich dich dazu anstiften möcht ! Ich wollt dir nur weisen , daß ' s schließlich doch allweil af mein frühers Sagen hnauslauft und jeds weitere Reden zwischen uns überflüssig is . Hättst du dein Hof eben nit , könnt mer dir a ehrlich Absicht zutrauen , so bist du aber der Toni vom Sternsteinhof , und die Dirn , die sich mit dir einlaßt , vergibt sich von vorhinein . « » Als ob ich ' s - wie ich bin - nit ehrlich meinen könnt ! Afm Sternsteinhof bleibt ' s nit allweil so bstellt wie jetzt , kann auch ein Veränderung eintreten . « - » Wenn dein Vater sterbet , meinst ? « Die Dirne sah ihm bei der Frage scharf in die Augen . Er wandte sich ab . » Ich wünsch ihm den Tod nit , bewahr , aber gsetzt - « » Der Mann is noch nit so alt , daß er von heut af morgen stirbt ; der kann ' s noch ein Reih von Jahrln mitmachen . Glaub kaum , daß d ' eine findst , die sich , dadrauf z ' warten , einlaßt . « » ' s wär auch das nit notwendig , nur af a schicksame Glegenheit brauchet mer z ' passen , dann krieget ich ihn schon herum . Was mir anliegt , das setz ich bei ihm durch , da bin ich sicher . « » Das hast schon einmal gsagt . « » Du kannst auch drauf glaubn , und über kurz oder lang vermöcht ich dir ' s auch zu weisen . Nach der Leut Gred frag ich ' n Teuxel . Auf dich allein kommt ' s an . Aufrichtig gsagt , Leni , ließest du den Muckerl gehn und haltest zu mir , wann - « » Was , wann ? « » Wann ich dir ' s heilig Versprechen gäb , daß ich dich zur Bäuerin afm Sternsteinhof mach ? ! « » Geh zu « , schrie sie auf , mit beiden Armen abwehrend . Ein flüchtiges Zittern überlief ihren Körper , dann stand sie starr mit leuchtenden Augen , zwischen den halb geöffneten Lippen den Atem hastig , aber geräuschlos einsaugend ; sie fuhr mit der Rechten nach dem linken Arm , den sie dicht an den Leib geschmiegt hielt , und kneipte sich paarmal in das pralle Fleisch ; dann bückte sie sich rasch nach dem Korbe und warf das Reisig , das herumlag , in denselben . Als sie sich mit hoch gerötetem Antlitz wieder aufrichtete , sagte sie neckend : » Meinst , ich trau dir nur gleich so ? Das müßtst mir schriftlich gebn . « » ' s gilt schon « , sagte ernsthaft der Bursche . » Heut schreib ich ' s noch nieder . Find du dich morgen da an der Stell ein , kannst ' s haben . « » Ich komm schon « , lachte sie , » ich bin ja auch neugierig , was du für eine Handschrift schreibst . Bhüt dich Gott derweil ! « Sie warf den Buckelkorb über die Achsel , nickte dem Burschen freundlich zu und lief ein paar Schritte , dann hielt sie inne und kam bedächtig zurück . » Laß ' s doch lieber sein « , sagte sie . » Ja , warum denn aber ? « » Armer Hascher , am End reuet dich der ganze Handel . « » Mich nit , da drauf gib ich dir mein Wort . « » Laß gscheiterweis mit dir reden , Toni . Jetzt , wo ich wohl glauben muß , daß du ' s ehrlich meinst , wär es von mir nit rechtschaffen , wenn ich dir verhehlen tät , was mir eben für Bedenken durchn Kopf schießen . Bevor sich nit d ' schicksame Glegenheit findt , wo du dein Vadern herumzkriegen glaubst , können wir uns nit offen als Liebsleut zeigen , denn was ihm bis dahin verschwiegen bleiben soll , dürfen wir nit in der Leut Mäuler bringen ; wir müssen also heimlich zueinand halten . Gelt ja ? « Toni nickte . » Und da is ' s wohl nit gut möglich , daß ich , ohne ein Aufsehn z ' machen und ein aufdringlichs Gefrag zu wecken , ' n Muckerl , so mir nix , dir nix , abweis , und du kannst auch nit verlangen , daß ich ' s tu , solang die Sach noch in Lüften hängt ; denn ein wie fests Zutraun du auch haben magst , so is uns ein rechter Ausgang doch nit verbrieft . Gelt nein ? So is wohl für all Fäll besser , ich laß den Bubn noch weiter neben mir herzotteln und tu dazu nix dergleichen . « » O nein ! Mußt mich nit für gar so einfältig halten ! « brauste der Bursche auf . » Wann du die Meine sein willst , leid ich nit , daß ein anderer an dich rührt . « » Mein lieber Toni , da hast du nix z ' leiden , das müßt wohl vorerst ich , und daß d ' derhalbn ganz sichergehst , so sag ich dir : sowenig ich mir den Bubn hab nah kommen lassen und nah kommen ließ , bevor ich ihm nit als Weib anghör , ebensowenig sollst du mir nah kommen , bevor ich nit als Bäurin afm Sternsteinhof sitz ! Is dir das nit anständig , meinst du ' s anders , so magst dein Gschrift nur bhalten ! « » Af Ehr und Seligkeit ! Leni , einer anderen trauet ich nit soviel , aber du darfst dir schon alls herausnehmen gegn mich ! Tu , wie d ' glaubst und für recht haltst ; dem , was mich dabei verdrießt , muß ledig ich nach einm End sehn ; sei nur freundlich zu mir , gib mir öfter Glegenheit , daß ich dich sehen und hören mag und bei ' n Händen fassen kann - « Sie standen Hand in Hand und lächelten sich an . Da zog die Dirne die Hände zurück und sagte : » Morgen is auch ein Tag . Morgen beredn wir ' s andere . Aber weil d ' mein braver Bub sein willst und weil d ' so willig Vernunft angnommen hast - ich bin sonst wohl gar nit freigebig - doch geh her , sollst ein Lohn dafür habn . « Sie schlang ihm den Arm um den Nacken und preßte ihre Lippen auf die seinen , dann lief sie eilig auf und davon . Toni ging an den Bach , er taumelte , als er den Steg überschritt , so daß er ärgerlich auflachte , dann ging er , wie träumend , über die Wiese dem Sternsteinhofe zu . Von der Höhe sah er , ferne auf der Straße unten , verschwindend klein , die Gestalt der Dirne sich hastig fortbewegen , und manchmal schien ihm , als unterbräche ein Sprung oder ein Stolpern die Gleichmäßigkeit ihrer Schritte . In der nächstnächsten Nacht , als die alte Zinshofer eingeschlafen war und » Holz zu sägen « begann , erhob sich Helene vom Lager , trat an das Fenster , zu dem der Vollmond hereinschien , und griff nach einer bereitgehaltenen Nadel ; sie nähte an einem kleinen Leinwandtäschchen , fügte eine Schnur daran , und nachdem sie das Anhängsel um den Hals genommen , schlüpfte sie wieder unter die Decke . Sie schlief unruhig , und wenn sie halbwach nach dem Täschchen griff , so knitterte das , als ob es ein Papier enthielte . Es umschloß auch ein solches - das Eheversprechen des Toni vom Sternsteinhof . VII Schon einige Male hatte die Sepherl , wenn sie vom oberen Ende nach dem unteren kam , um Helene aufzusuchen , diese nicht daheim getroffen . Die alte Zinshofer sagte , sie wäre in den toten Wald gegangen , und lachte über die närrische Dirn , die jetzt fast jeden andern Tag dahin liefe , Klaubholz sammeln , wobei sie immer für einen gesunden Span hundert mit Wurmmehl heimbrächte ; aber besser sei doch , sie tue etwas , wenn sie damit auch nichts richte , als sie möcht gar faulenzen und etwa auf dumme Gedanken gebracht werden . Eines Tages aber setzte sich ' s Sepherl in den Kopf , die Kameradin wiederzusehen , und entschloß sich , selbe auf dem Heimweg oder an Ort und Stelle zu überraschen . Sie ging nach dem toten Walde . Die lange Strecke bis hin hatte sie keine Begegnung , doch als sie vor den Tannen stand und eben beide Hände hohl vor den Mund legte , um durch einen lauten Ruf ihre Anwesenheit und Wartestelle der Gesuchten kundzugeben , da krachten im Gehölze dürre Zweige unter nahenden Tritten . Sie ließ erschreckt beide Arme sinken , als sie an der Seite Helenens den Toni vom Sternsteinhof herankommen sah . Der Bursche duckte sich allerdings sofort hinter die Stämme , aber es war zu spät , um nicht bemerkt zu werden . Helene schritt auf Sepherl zu . » Je , du bist da ? Grüß dich Gott ! « » Grüß dich auch Gott « , antwortete kurz die Angesprochene . Helene faßte die Dirne an der Rechten , um Hand in Hand mit ihr dahinzuschlendern , aber da Sepherl mit unwilliger Gebärde sich losriß , fragte sie : » Na , was is ' s denn ? Was hast denn ? « » Du warst nit allein ! « » Wer sollt denn bei mir gwest sein ? « » Für blind müßts mich nit nehmen und Verstecken is vor klein Kindern gut . Ich hab ' n ganz gut gsehn , ' n Bauerssohn vom Sternsteinhof . « » Und wann er ' s war ? Kann ich ihm ' n Ort verwehren ? « » Davon is kein Red , aber heut is nit ' s erste Mal , daß d ' hertriffst . Er sucht dich da , und du laßt dich finden . Solltst dich wohl schämen ! « » Ich wüßt nit warum . Denkst du von mir Schlechts ? « » Ich will just nix Schlechts von dir denken , aber Rechts kann ich doch auch nit , wo du zu noch ein haltst nebn ' m Muckerl . « » Du sollst dich hüten , z ' sagn , daß ich ' s mit ein andern halt . Wo hast denn ' n Beweis ? Übrigens , schätz ich , bist du weder zu mein Richter noch zu sein Wachter bstellt ! « » Trutzig tun steht dem gar wohl an , den man af üblen Wegn betrifft . « » Auf üblen Wegn ? ! « schrie Helene . » Ja , af üblen Wegn « , ereiferte sich Sepherl , » ich sag , af üblen Wegn , weil s ' seitab von Ehrlichkeit und Ehrbarkeit führn . Von zwein muß doch allweil einer der Betrogene sein , nit ? Und wer ' s da wär , is für mich gar kein Frag ! Was willst denn mit dem reichen Bauerssohn ? Vielleicht dein Gspaß habn , weil ' s doch zu kein Ernst führen kann ? ' s selbe steht schon einm Weibsleut übel gnug an und is nit ehrlich gegn den , der ' s ernst meint ; denn ehrlicherweis kann man nur einm anghörn fürs Leben , oder verlangst du s ' leicht paarweis für Zeit und Weil ? ! « » Purr ! Hast du ein Maul ! Kann mich aber von dir nit beleidigen . Ich weiß ja , gegn eine , die bei mehr Mannleuten Anwert findt , da redt der Neid aus euch , bei denen sich der eine einzige fürs Leben ewig nit einstelln will ! Überhaupt versteh ich nit , wie du da so aufbegehrn magst ! Dir kann ja recht sein , wenn ich mich mitm Muckerl entzwei , vielleicht wirst du dann eins mit ihm . « » Laß dir sagen « , schrie zornrot Sepherl , » laß dir sagen , du bist ' n gar nit wert , du grauslichs Ding du ! Und daß d ' es weißt , mit dir geh ich auch gar nimmer . « Sie lief etliche Schritte voraus . » Geh zun Teuxel , wann d ' willst ! Wer bist denn du , daß ich mir a Gnad aus deiner Freundschaft machen müßt ? ! « Schweigend rannten die beiden auf der Straße dahin , eine voran , die andere hinterher . Helene biß sich auf die Lippen . Nach einer Weile rief sie : » Du , Sepherl ! « » Was gibt ' s ? « fragte die Angerufene , ohne stehenzubleiben oder den Kopf zu wenden . » Du wirst doch von dem Heutigen nix weiter verlauten lassen ? Gelt nein ? « » Wenn ich nit darnach gfragt werd , nit ! « lautete die trockene Antwort . Sepherl wurde aber gar bald darnach gefragt , die Entfremdung zwischen ihr und Helenen fiel zuerst der alten Matzner Resl auf , und diese machte das in Erfahrung Gebrachte der Kleebinderin zu wissen , welche den Muckerl davon in Kenntnis setzte und am Schlusse einer sehr eindringlichen Rede fragte , ob er nach allem , was er sich schon habe gefallen lassen , sich auch das noch gefallen lassen wolle . Muckerl erklärte mit aller Entschiedenheit , die ihm zu Gebote stand , daß er das nicht gesonnen sei und die Dirne rechtschaffen zur Rede stellen werde . Er machte sich auch denselben Abend noch auf den Weg nach dem toten Walde ; doch als er des Gehölzes ansichtig wurde , stand er von dem Gedanken ab , es zu betreten . Scheute er ein Zusammentreffen mit dem Burschen , oder fürchtete er , bei einer Überraschung vielleicht mehr zu sehen , als ihm lieb sein möchte ? Darüber gab er sich keine Rechenschaft , meinte nur , daß er es eigentlich ja doch nur mit der Dirne allein zu tun habe , und setzte sich unweit des Tanns auf einen Geröllhaufen , um die Heimkehrende zu erwarten ; als er sie endlich herankommen sah , erhob er sich und ging ihr entgegen . Als er vor ihr stehenblieb , tat sie noch einen Schritt auf ihn zu und stand so hart an ihm , daß er hätte aufblicken müssen , um ihr in die Augen zu sehen , aber er hob den Kopf nicht und sagte leise : » Ich hätt mit dir z ' reden . « » So red ! « » Ich weiß , wo du herkommst . « » Das is kein Kunst , es weiß jeder , woher der Weg führt . « » Ich mein , von wem du herkommst , mit wem du warst , weiß ich . « » Nun ? « » Mitm Sternsteinhofer-Bubn treibst d ' dich da herum . « » Was weiter ? « » Das brauch ich mir nit gfallen z ' lassen ! « » Wann d ' dich überhaupt drum z ' bekümmern hättst , freilich nit ! « » Was sagst du ? « fragte , durch die kurzen Reden der Dirne erregt , der kleine Bursche mit erhobener Stimme . » Was sagst du ? Ich hätt mich da drum nit zu bekümmern ? Ich mich nit ? ! Mußt ich nit dastehn , wie ausn Wolken gfalln , wie d ' Mutter davon z ' reden anghobn hat ? ! « » So , dein Mutter hetzt dich also gegn mich auf ? Gut , daß ich ' s weiß . « » Sag du nur nix gegn mein Mutter , damit kommst du nit auf ; mein Mutter is ein Ehrenweib - « » Mag sie zehnmal ein Ehrenweib sein « , schrie jetzt Helene , » deßtwegen bin doch ich auch noch kein schlechte Dirn ! Ein einzigs find mer auf im ganzen Ort , das mir a Schlechtigkeit nachsagen kann ! « » So ? Und zeigt das von einer Ehrlichkeit und Rechtschaffenheit und Bravheit , wann du mit einm andern gehst ? « » Wann ich ging - ich sag wann - , so ging ich allweil nur mit einm , von ein andern weiß ich nix ! « » Von ein andern weißt nix ? Wer wär denn nachher ich , wenn ich nit der eine bin , mit dem zu gehn hast ? « » Mit dem ich z ' gehn hab ? No hörst , Muckerl , jetzt seh ich wohl , du willst eifern , und dazu hast du doch gar kein Recht . « » Bin ich nit dein Schatz ? « » Warst ' s vielleicht , kannst ' s noch sein , oder bist ' s gar niemal gwesen . Schatz nennt auch der Fuhrmann d ' Kellnerin vom Wirtshaus , wo er alle heilige Zeit einmal einkehrt . Das Wörtl Schatz wird viel beredt , aber sagt nix . « » Und du redst jetzt auch nur , weil d ' nix z ' sagen weißt ! Ich hab ' s vom Anfang nit anders gmeint , als daß du mein Weib werdn solltst , und ich durft nach deinm Bezeign wohl auch voraussetzen , daß du dazu ' n Willen hast ; und daß du mein Bewerben gar nit oder anders verstanden hättst , das glaub ich nit , denn von der Zeit , wo s ' ' n ersten Schuh selber an d ' Füß bringt , is jede Dirn so gscheit , daß sie sich in denen Sachen auskennt ; und wann du meinst , es könnt dir kein einzigs im ganzen Ort a Schlechtigkeit nachweisen , so irrst dich ! Einm einzigen fragt freilich ' s ganze Ort wenig nach , und wie d ' Sach zwischen uns zwein steht , so bringt ' s dich just auch nit ins Gschrei ; schlecht handelst aber trotzdem gegen mich , wann du mir hinterm Rücken mein ehrlich Meinung so übel vergiltst ! « » Tu jetzt dein Maul zu und d ' Ohren auf , damit ich dir beibring , wie wir eigentlich zueinand stehen . Davon , daß ich dein Weib werden sollt , war zwischen uns , wann d ' dich recht bsinnen willst , niemal die Red ! Präsent hast mir gmacht , eingladen hast mich zu euch h ' nüber , das war alles ! Das hast du freiwillig ; ich hab dir nix nit abgebettelt und mich euch auch nit aufdrängt . Daß ich ' s gschenkte Gewand nit zruckgwiesen und af gute Bissen an eurem Tisch kein Spott glegt hab , das kann mir auch nur verübeln , wer mich nit bloß und hungrig hat herumrennen gsehn . Da draufhin konnt ich mich aber doch nit unfreundlich gegn dich bezeigen ? Kein Hund knurrt die Hand an , die ' n streichelt und füttert . Ich konnt mir wohl denken , daß dir nit alleinig drum sein würd , an mir a gut Werk z ' tun , aber ich braucht ' s auch nicht anders aufznehmen , denn bis afn heutigen Tag hast du mich ungfragt neben dir herlaufen lassen . Reut dich jetzt dein Weggschenkts , so schick ich dir zruck , was ich davon noch im Bsitz hab , aber das Recht räum ich dir nit ein , mit mir z ' eifern und mich z ' Red z ' stellen ! So steht die Sach zwischen uns zwei , und damit habn wir ausgredt ! « Muckerl begann sich hinter dem Ohr zu krauen . » Mein Gschenkts nimm ich nimmer zruck « , stotterte er , » und was ' es Fragen anlangt , so hab ich ' s nur unterlassen , weil ich gmeint hab , es verstünd sich doch alles von selber . Wann d ' aber gfragt sein willst , so könnt ich dös doch gleich hitzt an der Stell . « » Nach dem , was d ' heut schon alls gredt hast , verlang ich mir nix mehr von dir z ' hören . Wann überhaupt , so dürft ' s a ziemliche Weil dauern , bis ich dir das Geredte vergiß ! « » Aber schau , Helen - wann ' s noch bös gmeint gwest wär ! - Aber , geh zu - du wirst doch nit so sein ? « » Eingedenk deiner Gutheit gegn mich will ich dir was sagn . Wann dir anständig is , mit mir zu verkehren wie bisher und anders nit , wie ich dir vorhin ausdeut hab , so will ich ' s weiter mit dir versuchen und dir dein dumm Aufbegehren verzeihn . « » Dadrauf gib mir d ' Hand ! « » Da hast ' s. « » Gelt ja , es gilt aber auch dafür , daß d ' ' s mit kein andern haltst ? « Sie zog die Hand