Was wird man sagen , wenn es heißt , daß man in dem ... Gesandtschafts-Hotel Fêten für Personen zweideutigen Rufes gibt , bei denen man sich betrinkt , f .... und sich ohrfeigt - - Was wird Se . Majestät sagen ! Was der Premier ! Ich bin verloren - - « » Aber lieber Graf , was wollen Sie , daß ich dabei tue ? « erwiderte der Herzog mit der größten Höflichkeit . » Liebster , bester Herzog , erklären Sie dem Ritter , daß Sie ihn nicht beleidigen wollten - - « » Aber kann ich das ? « sagte der Herzog , berstend vor Lachen . » Es ist nur der Form wegen - - « » Nun gut , wenn der Ritter damit zufrieden ist - mir ist es einerlei . « Und so geschah ' s. Am anderen Morgen kommen die beiden Kämpfer zu einer heldenmütigen Versöhnung zusammen . Schnapphahnski tritt dem Herzog mit der ritterlichsten Miene und mit allen seinen Orden wie ein spanischer Maulesel behangen entgegen . » Unter Männern so hohen Standes können keine Beleidigungen vorkommen « , sagt der Ritter , » und kommen sie vor , so dürfen sie nicht als solche angesehen werden . « Der Herzog macht eine ironische Verbeugung . Die Memoiren des berühmten Ritters Schnapphahnski waren fast vollendet . Er verließ Brüssel ... Zunächst finden wir ihn in Aachen . Tiefsinnig sitzt er am Grabe Karls des Großen und spielt - Roulette . VIII München Das Spiel ist eine schöne Sache . Als acht- oder zehnjähriger Knabe nimmt man die Karten gewöhnlich zum ersten Male in die Hand - an langen Winterabenden , wenn draußen der Schnee auf den Bergen liegt und die Flamme rätselhaft im Kamine emporsteigt , flackernd und knisternd . Man spielt » Schwarzen Peter « . - Agnes , Bertha , Paul und Mathilde sitzen um den runden Tisch , und wer verliert , der bekommt einen schwarzen Strich , und wenn Paul dreimal verliert , da bekommt er auch drei Striche , und fängt er an zu weinen : da lacht man ihn aus , und Agnes fällt ihm um den Hals und küßt ihn , trotz seines Schnurrbarts , und der Abend verstreicht unter Scherz und Jubel , und es gibt kein schöneres Spiel als der » Schwarze Peter « . Herr von Schnapphahnski trieb es nicht so unschuldig . Wie wir schon erzählten , saß er in Aachen am Grabe Karls des Großen und spielte Roulette - - Beiläufig bemerkt , war Aachen bis in die neueste Zeit hinein ein höchst unbekannter Ort . Erst vor kurzem wurde er durch Heinrich Heine entdeckt und nach Verdienst besungen . Die Schönheiten Aachens sind erst durch Heine recht ans Licht gekommen . Man hatte früher nur eine dunkle Ahnung davon . Man wußte nur , daß Karl der Große , seliger , dort verstorben und vergraben sei , daß die Bauern der Umgegend alle sieben Jahre zu der Kunstausstellung des heiligen Hemdes und die Bonner Studenten jeden Sonntag zu dem naturgrünen Tische der Redoute wallfahrteten - die Bauern , um mit reuigem Herzen , mit verzückten Augen und gebeugten Knien vor dem wundertätigen Hemde ihre Andacht zu verrichten und von Not und Fegefeuer erlöst zu werden , - die Studenten , um im Schmuck der goldenen Locken an den grünen Altar der Croupiers zu treten und erst recht in Not und Fegefeuer hineinzugeraten . Das war indes auch alles , was jedem Kinde von Aachen bekannt war . Aber jetzt ? Man kennt jeden Lieutenant auf der Straße , man kennt den Adler über dem Posthause , man weiß genau , womit sich die Hunde , die armen langweiligen Hunde , in Aachen beschäftigen . Genug , man kennt die winzigsten Kleinigkeiten , und wenn der ehrwürdigen Stadt jemals etwas Menschliches passieren sollte , wenn sie je einmal unterginge durch Pestilenz , Brand und Hunger : da wird man nur Heines » Wintermärchen « aufzuschlagen haben , um den Feuer- oder Lebensversicherungsgesellschaften die beste Anleitung zu geben , in welcher Weise sie das Zerstörte zu ersetzen haben , sei es an Häusern , Menschen oder Vieh . Nie hatte Aachen glänzendere Tage als bei der Anwesenheit des Herrn von Schnapphahnski . Der edle Ritter ließ die Aachener Bank aber auch gehörig für die Ehre seines Besuches zahlen , und mit gefüllter Kriegeskasse reiste er dann nach München . Nicht ohne Zittern und Zagen geschah indes diese Reise . Denn wenn in München auch nicht wie in Berlin jeder Gardelieutenant mit dem Finger auf unseren Ritter zeigen und seinen Kameraden fragen konnte , ob jener Herr von Schnapphahnski derselbe Schnapphahnski sei , der einst die schriftliche Erklärung gab , daß er sich in der berühmten Liebesaffäre mit Carlotta höchst unzweideutig benommen habe , so war doch wenigstens immer die Möglichkeit vorhanden , daß dem edlen Ritter selbst in dem bayrischen Babylon ein Lakai des Grafen S. aus O. in Schlesien begegnete , und Herr von Schnapphahnski hatte nun einmal eine entschiedene Abneigung vor den Haselstöcken dieser Ungeschlachten . Und nähmst du die Flügel der Morgenröte und bettetest dich am äußersten Meere , die Arme der Lakaien aus O. in Schlesien können dich doch noch erreichen ! - Also dachte unser Ritter , und es versteht sich von selbst , daß er auch in München nicht auf der Stelle mit der alten Keckheit aufzutreten wagte . Jedenfalls tat er das , was auch jeder andere vernünftige Mensch in seinem eignen wohlverstandenen Interesse getan haben würde . Er suchte nämlich seinem Erscheinen in München vor allen Dingen einen angenehmen Geruch vorhergehen zu lassen , um auf diese Weise jeder möglichen Gefahr wenigstens in etwas vorzubeugen . Der sinnreiche Junker hatte bereits durch die Herausgabe seiner Memoiren ein gewaltiges Stück in diesem Punkte vorgearbeitet . Indem er nämlich seine spanischen Abenteuer schilderte und sich dabei von Gottes und Rechts wegen in ein ungemein günstiges Licht stellte , hatte er wirklich die trostlosen Ereignisse früherer Jahre vorteilhaft zu balancieren gewußt . Gewöhnliche Vergehen würden gänzlich durch die spanischen Lorbeeren unsres Helden gesühnt worden sein ; aber Herr von Schnapphahnski begriff , daß er ein zu interessanter Sünder sei , als daß nicht noch einige außerordentliche Mittel zu seinem Heile angewandt werden müßten . Er mietete daher einige seiner alten spanischen Genossen , mehrere seiner Kameraden unter Don Carlos , die nach ihrer Rückkehr aus Spanien an der Wüstenleere der Taschen litten , und sandte sie als die Herolde seines Ruhmes oder besser als die Rosenölflaschen , die ihm den erwünschten guten Geruch bereiten möchten , voraus nach München . Die zwei hauptsächlichsten dieser Ruhm- und Rosenölflaschen waren der Königl .... Oberst Graf K. und der frühere Königl .... General von R. , zwei Leute , die des blanken Geldes geradeso dringend bedurften wie Herr von Schnapphahnski des guten Geruches . Einmal engagiert , waren Graf K. und General von R. viel zu ehrliche und gewissenhafte Spießgesellen , als daß sie nicht alles aufgeboten hätten , um den Sold ihres Meisters auch wirklich zu verdienen . Sie zogen von Haus zu Haus , agitierend und intrigierend , und als vierzehn Tage herum waren , da duftete auch schon ganz München nach dem Ruhme des trefflichsten aller Ritter , nach den Lorbeern des Herrn von Schnapphahnski . Endlich erschien unser Held in eigner Person , und es war nicht anders , als ob ein zweiter Frühling über der Biermetropole emporstiege . - Die Männer zitterten , die Weiber erröteten , und gewandt wie ein Wiesel wedelte und scharwenzelte der edle Ritter durch alle Salons . Man kann wirklich sagen , daß unser Held in diesem Augenblicke seine schönsten Triumphe feierte . Meine Leser werden es mir hoffentlich erlassen , dieselben weitläufig zu schildern . Es wäre auch unmöglich , den edlen Ritter ganz naturgetreu zu zeichnen . Herr von Schnapphahnski strahlte von Anmut und Lügenhaftigkeit ; nach kurzem war er schon wieder ganz der alte , und wenn er morgens , mittags und abends in den Spiegel sah , da verbeugte er sich vor seinem eignen Antlitz und gestand sich , die Hand aufs Herz legend , daß er der schönste Mann seines Jahrhunderts sei . In München weilte damals in der Nähe des kunstsinnigsten aller christlichen Germanen ein gewisser Herzog von ...... , ein Mann , den die Mainzer und Koblenzer Bajaderen besser als alle züchtigen Weiber der Gegenwart zu schätzen wissen werden . Wenn sie ihren Freund auch einst inkognito an die frische Luft setzten , so machte dies wenig aus . Der Herzog versöhnte sich wieder mit seinen alten Bekanntinnen , und die guten Mainzer und Koblenzer wissen von dem freudenfreundlichen Manne viel galante Affenteuer zu erzählen . Es konnte nicht fehlen , daß der Herzog bei seinem Münchener Aufenthalt auch auf den Ritter Schnapphahnski stieß ... Tagtäglich hörte er von der ruhmreichen Vergangenheit unsres Helden erzählen , und es versteht sich von selbst , daß er schließlich vor Eifersucht zu zerspringen meinte . Als man daher einst seinen trefflichen Rivalen wieder bis in den Himmel erhob , strich der Herzog nachlässig den Schnurrbart und meinte , daß er nach den Antezedenzien des edlen Ritters nicht leicht an seine hohe Bravour glauben könne . Wie ein Nadelstich traf diese Äußerung das fröhliche Herz unsres armen Ritters , und kaum davon in Kenntnis gesetzt , läßt er den Herzog auch schon wegen seiner unerquicklichen Äußerung zur Rede stellen . Er bemerkt ihm , daß alles nur auf Unkenntnis beruhen könne und daß er , der edle Ritter Schnapphahnski , sich wegen seines unvergleichlichen Heldentums auf das Zeugnis des - Generals von R. berufe , den der Herzog jedenfalls als kompetent anerkennen werde ... , vor allen Dingen möge der Herzog seine Äußerung zurücknehmen . Der Freund der Mainzer und der Koblenzer Bajaderen weigert dies , und im Nu verbreitet sich die Geschichte durch alle Salons . Herr von Schnapphahnski sieht sich daher in die unangenehme Notwendigkeit versetzt , dem Herzoge mit der ganzen unerbittlichen Frechheit eines Ritters ohne Furcht und Tadel auf den Hals zu steigen , und als er ihn furchtsam findet : fordert er ihn . Selten hatte unserm Helden der Stern des Glückes heller gestrahlt als dieses Mal . Der Herzog will sich nämlich nicht schlagen ; er verkriecht sich hinter seine Souveränität und behauptet , daß im unglücklichen Falle alle Bäche und Flüsse , von den Tränen seiner Untertanen zu reißenden Strömen angeschwemmt , Häuser und Weingärten hinwegreißen würden , daß sein etwaiger Tod das europäische Gleichgewicht stören könne usw. , kurz , je mehr sich der Herzog weigert , auf ein Duell einzugehen , desto gewaltiger schwillt unserm Falstaff-Schnapphahnski der Kamm , und als der Herzog endlich sein letztes Wort gegeben , da erklärt ihm der edle Ritter , daß der Herzog , wenn er sich wirklich dauernd hinter seiner Souveränität verstecke , auch in seinem Herzogtum bleiben und sich mit einer chinesischen Mauer umgeben müsse , denn an jedem andern Orte werde Se . Hochgeboren so frei sein , den unübertrefflichen Souverän mit der Hundspeitsche zu bedienen . Münchens kunstsinnigster Barde , dem diese Äußerung überbracht wurde , nahm sie im höchsten Grade übel , und unser Ritter hatte das Pech , zwar nicht in ein Kirchenfenster des Kölner Doms , wohl aber aus den heiligen Bierstaaten Sr. Majestät für immer verbannt zu werden . IX Wien Ich habe mir oft im Leben Feinde gewünscht , bitterböse Feinde in Menge . Nichts schien mir langweiliger , als mit der ganzen Welt auf gutem Fuße zu stehen . Nun ich älter werde , begreife ich allmählich , daß mein Wunsch in Erfüllung gehen mag , ja , ich glaube an Vater Goethes Worte , und sinnend schaue ich hinaus in die Zukunft . Was wird sie bringen ? Wer wird mein Feind sein ? Schütze mich Gott vor den Weibern ! Ja , ihr unsterblichen Götter , beschützt mich vor dem Haß der Weiber ! Kränkt mich mit falschen Freunden , plagt mich mit tobenden Gläubigern , hetzt mir alle Windhunde der Literatur auf den Leib und alle Erzengel der Gerechtigkeit - es wird mir einerlei sein ; nur bringt mich nicht um die Liebe der Weiber ! - Oh , ein Weib kann entsetzlich sein . Wehe , wenn eine schöne Frau dir Rache geschworen ! Du bist verloren ; sie wird dich verderben . Lachen magst du , wenn sie mit dem kleinen Fuße den Boden stampft ; lachen , wenn sie die Lilienfinger zu zorniger Faust ballt ; lachen , wenn sie errötet bis über den Busen ; lachen , wenn ihre Augen Schmerz und Erbitterung funkeln ; lachen , wenn sie gebrochnen Lautes dich verflucht und verdammt , und lachen , wenn sie groß , schlank und gebieterisch sich erhebt , um dir höhnisch die blendenden Zähne zu zeigen . Ja , lachen magst du für einen Augenblick , für einen Monat , für ein Jahr ; aber kommen wird endlich der Tag , wo ihr Zorn dich erreicht , wo sie mit grausamen Händen dein zitterndes Herz packt , wo sie dein Herz aus der ruchlosen Brust reißt und das blutrote Herz helljubelnd in die Luft wirft und es wieder auffängt wie einen Ball , ja , Ball mit deinem Herzen spielt , bis es gebrochen und verblutet ist , dein armes blutrotes Herz ... Herr von Schnapphahnski hatte nicht das Glück , von einer schönen jungen Frau gehaßt zu werden , was aber noch weit schlimmer war : es haßte ihn eine Frau , die früher einmal schön und jung gewesen . Von München hatte sich unser Ritter nach Wien gewandt . Es war im Februar 1840 . Voran eilten ihm wieder Graf K. und General R. , die bankrotten Genossen der spanischen Kriege , um ihrem Herrn und Meister den Weg zu bereiten . Wenn sie den Ruhm unseres Helden in München ausgeflüstert hatten , so suchten sie ihn in Wien auszuposaunen . Alle Springfedern wurden wieder in Bewegung gesetzt . Graf K. und General R. wetteiferten in Erfindung der märchenhaftesten Aventüren . Ein Louvet hat seinem Chevalier keine interessanteren Streiche angedichtet als die beiden Landsknechte des Don Carlos unserem trefflichen Junker . Weit vor den Gaskonaden der beiden sinnreichen Herolde flog indes unserm Ritter ein solcher Ruf von Unausstehlichkeit und Impertinenz , von Indiskretion und Effronterie vorher , daß sich schon längst , ehe er in Wien eintraf , eine wahre Ligue in der Wiener Gesellschaft gebildet hatte , die fest entschlossen war , unsern Helden weder zu sehen noch zu empfangen . Die Geschichte mit der Gräfin S. , die jedermann bekannt war , trug viel zu dieser allgemeinen Abneigung bei . Man fragte sich erstaunt , wie es ein Edelmann noch wagen könne , öffentlich aufzutreten , wenn er sich jeden Augenblick den Stöcken der gräflichen Lakaien aussetzen müsse , und mit stillem Hohngelächter sah man der Ankunft des Ritters entgegen . Endlich erschien er , schön wie immer . » Zierlich saß ihm Rock und Höschen , Doch noch zierlicher die Binde . - « Beau Brummell , der Dandy König Georgs IV. , tändelte nicht koketter durch das Drawing-room seines Herrn als Herr von Schnapphahnski durch die Wiener Gassen . Aber ach , vergebens war alle Liebenswürdigkeit unseres Ritters . Umsonst ließ er alle Minen springen . Das ganze Pulver seiner Frechheit verschoß er Schuß auf Schuß ; aber er schoß keine Bresche in die Wiener Gesellschaft . Ein einziger Mann , ein Löwe der Wiener Salons , Fürst H ... , nahm sich zuletzt aus Mitleid seiner an , und vielleicht hätte der große Kredit dieses Mannes ihn » durchgesetzt « , wenn sich nicht plötzlich wieder eine andere Jugendsünde unseres Helden , ganz im Stile seines Abenteuers mit Carlotten , auf eine schreckliche Weise an ihm gerächt hätte . Die kleine Historie , die wir jetzt erzählen werden , greift so tief in das Wiener Leben ein und berührt so weltbekannte Personen , daß wir uns , um nicht indiskret zu werden , lieber aller Ausschmückungen enthalten wollen , um uns rein an die vorliegenden , von sehr guter Hand geschriebenen Aktenstücke zu halten . Prahlend hatte nämlich einst ein Herr von Schnapphahnski bei seinem Aufenthalt in Paris einigen Freunden das Porträt der Fürstin ... , der Gemahlin jenes Mannes , vorgezeigt , der noch bis vor kurzem die Geschicke so vieler Völker in seinen Händen hatte und der vielleicht in diesem Augenblicke mit dem alten Usurier der Tuilerien auf dem Schachbrett jenes Spielchen wieder aufnimmt , was er auf dem Felde der Politik jüngst so schmählich verlor . Herr von Schnapphahnski rühmte sich , daß er in der Gunst dieser Dame gestanden habe . » Die Fürstin , hinlänglich blasiert darüber , wenn man sich ihrer Liebesgunst rühmte , wo diese wirklich gespendet wurde , wollte es gleichwohl nicht dulden , daß ihr Ruf leide , wo sie keine Gegenleistung erhalten hatte . « - Ich führe diese Passage wörtlich aus den vorliegenden Manuskripten an , da sie von zu köstlicher Naivität ist , als daß auch nur ein Jota daran verändert werden dürfte . Wohl zu merken : die Fürstin will ihrem Gemahle nur deswegen keine Hörner von unserm Ritter aufgesetzt wissen , weil sie keine » Gegenleistung « von ihm erhalten hat ! Gibt es eine feinere Wendung des Stiles ? Gegenleistung , ja , Herr von Schnapphahnski , Gegenleistung ! Prägen Sie sich das tief ins Gedächtnis . Gegenleistung ! that ' s the job ! Leisten Sie etwas , Herr von Schnapphahnski . Um Gottes willen , leisten Sie etwas , ehe Sie sich Ihrer Eroberungen rühmen , sonst wird man auf allerlei seltsame Vermutungen kommen . Man verlangt nicht von Ihnen , daß Sie ein Maximin sind , ein Mann wie jener kräftige Jüngling in goldener Rüstung , von dem alle römischen Damen Mutter zu werden wünschten und der auch viele Schmachtende zu trösten wußte , ehe sein abgeschlagenes Haupt gleich einem » schönen Gespenste « von dem Gitter seines Palastes sah . Man verlangt auch nicht , daß Sie dem Stuhlrichter Warga , jenem Graner Repräsentanten , gleichen , gegen dessen Zulassung zum ungarischen Parlamente man im verflossenen Juli in Pest so sehr protestierte , weil der glückliche Mann während seiner zehnjährigen Amtsdauer 4000 Mädchen verführte ... , nein , auch mit den handfesten Lakaien des Grafen S. aus O. in Schlesien will man Ihnen gern den Wettstreit erlassen ; aber lieber , teurer Ritter , leisten Sie etwas , etwas , etwas ! Denn bei all Ihren Liebschaften , die wir erzählten , sind Sie noch nicht bis zu dem Punkte gekommen , der gerade die Pointe jeder Liebschaft ist ... , weder bei der Gräfin S. noch bei der Schwester des Grafen G. , noch bei Carlotten , ja , leisten Sie etwas , und das recht bald , sonst werden Ihnen alle Ihre trefflichen Reden nichts nützen , sonst werden trotz aller Ihrer angenehmen Manieren die Geister der Unweisen auf der Galerie sitzen und über Sie lachen , sonst wird man trotz alledem jenen hübschen Vers auf Sie anwenden , daß sehr oft die » .... gens d ' esprit , d ' ailleurs très estimables Ont fort peu de talent à former leurs semblables . « Die Fürstin ... wollte also nicht , daß unser Held sich ihrer Liebe rühme , ohne ihr Gegenleistung gewährt zu haben . Armer Schnapphahnski , das war Pech ! - Gott weiß es , heißt es in den betreffenden Dokumenten weiter , wie der Ritter zu dem Porträt der Fürstin gekommen war . Sicher ist , daß er die Gunst jener hohen Frau nie genossen und daß er sich derselben mit vollkommenem Ungrund rühmte . Übrigens ist die Fürstin seine ... , und er kann daher auf verwandtschaftlichem Wege leicht zu dem Miniatur-Porträt gekommen sein , das er als Beweis-pièce vorzeigte . Madame ... , der die freche und grundlose Kompromittierung von seiten unsres Helden längst zu Ohren gekommen war , wurde natürlich sehr lebhaft daran erinnert , als sie den edlen Ritter plötzlich in eigner Person nach Wien hinübervoltigieren sah , und es war hauptsächlich durch ihre Vermittlung , daß jene League entstand , welche Sr. Hochgeboren den Zutritt zu der Wiener Gesellschaft à tout prix zu verbarrikadieren suchte . Man verbrüderte sich förmlich , um ihn weder zu empfangen noch um irgendein Haus zu besuchen , wo er empfangen wurde . Einer Dame , bei welcher er seinen Besuch durch den Fürsten H ... bewerkstelligte , wurde ohne weiteres notifiziert , daß sie auf alle andern Besuche verzichten müsse , wenn sie den Ritter Schnapphahnski bei sich empfange . Die Anstrengungen des Grafen K. und des Generals v.R. waren nutzlos ; ihre besten Anekdoten blieben ohne Erfolg ; der Ruf unsres Helden war für immer untergraben , und unerbittlich schlossen sich vor ihm alle Türen . Herr von Schnapphahnski überzeugte sich davon , was es heißt , mit wütenden Frauen zu tun zu haben . Gegen ein feindlich gesinntes Weib helfen weder Säbel noch Pistolen ; ein Weib , das dich vernichten will , ist gefährlicher als alle falschen Freunde , als alle wütenden Gläubiger , als alle bezahlten literarischen Windhunde , als tausend Sbirren ; eine Frau , die dich haßt , wird dich eher niederwerfen als ein Regiment Dragoner , als eine Batterie Vierundzwanzigpfünder - ein Weib ist allmächtig . Wehe dir , wenn sie mit ihren schwachen Händen in die Räder deines Schicksals greift : zitternd wirst du zum Stillstand kommen ! Und wäre auch bei der Dauer des Kampfes das Rot ihrer Lippen verblichen , der Glanz ihres Auges erloschen und das Braun ihrer Haare silberweiß geworden : kommen wird die Stunde , wo sie ihren Fuß auf deinen Nacken setzt , wo sie sich königlich schön erhebt , wo sie in der Majestät des Glückes mitleidig auf dich hinablächelt und wo du fühlst , daß du ein Leben der Schmach hinter dir hast , ein Leben der Schande , weil du dich vergingst , ja , weil du gesündigt hast an einem Weibe . - Wie gesagt , Herr von Schnapphahnski machte in Wien vollständig Fiasko . Aus München hatte man ihn ausgewiesen , weil er so heroisch war , sich an einer furchtsamen Souveränität zu vergreifen ; aus Wien wurde er durch die Abneigung der Damen verjagt , die alle bei dem Gedanken zitterten , daß sie sich bei der geringsten Berührung mit dem herrlichen Ritter auch schon nach kurzem in ein süßes Verhältnis mit ihm verwickelt hören müßten . Ingrimmig verließ Se . Hochgeboren Wien . Aber wie er nie damit zufrieden war , eine einfache Niederlage erlitten zu haben , so konnte er auch dieses Mal nicht umhin , einem Unglück noch eine Jämmerlichkeit hinzuzufügen . Er suchte nämlich die Fürstin ... dadurch zu strafen , daß er über den wirklichen Geliebten derselben , über den spanischen Chevalier ... , eine Infamie erdichtete und veröffentlichte , eine Infamie , von der er seinen Bekannten selbst eingestand , daß er sie nur fingiert habe , um sich an der Fürstin zu rächen . Glücklicherweise brachte ihm diese Niederträchtigkeit eine wohlverdiente Züchtigung . X Die Huldigung Es ging Herrn von Schnapphahnski wie den jungen Katzen , die sechsmal aus der Dachrinne in die Straße hinunterpurzeln können , ohne den Hals zu brechen . Unser Ritter besaß wirklich vor allem andern die Eigenschaft , daß er ein unbeschreiblich zähes Leben hatte . Nach so fatalen Niederlagen , wie sie unser Held in München und Wien erfuhr , würde jeder andere Mensch nach Indien , nach Amerika oder nach einem Eiland des Stillen Ozeans gereist sein . Nur ein Schnapphahnski durfte noch hoffen , auch an einem andern Orte eine Rolle spielen zu können . Der Ritter konnte sich gratulieren , daß er deutscher Abkunft war , oder eigentlich wasserpolackischer . Wäre er als Pariser oder Londoner einmal in recht Schnapphahnskischer Weise durchgefallen , so würde er sich schwerlich so schnell wieder erholt haben . Bei den vielen Höfen des deutschen Vaterlandes wußte sich der erfinderische Mann aber schon eher zu retten , und Gott weiß es , zu welchen verwünschten Prinzessen er sich noch hinabgelassen hätte , wenn nicht um die Mitte des Jahres 1840 durch den Tod eines großen Monarchen plötzlich so viele Hindernisse für unsern Helden aus dem Wege geräumt worden wären , daß er schnell wieder den Plan aufgab , sich einstweilen nur in den mehr verborgenen Sphären des germanischen Adels herumzutreiben , und es abermals wagen zu können glaubte , sogar in Berlin sein holdes Antlitz von neuem sehen zu lassen . Sollte man es glauben ? Schnapphahnski wieder in Berlin ! - Man wird über die Keckheit unseres Helden lachen , wenn man bedenkt , wie schmählich er das dortige Feld einst räumen mußte . Wurde nicht das Abenteuer aus O. in Schlesien und das Duell aus Troppau noch manchmal bei Hofe erzählt ? Lächelte nicht Carlotta noch immer so selig von der Bühne hinab in das Parkett , wo der Adonis der Garde stand , und wußte man nicht noch allerwärts die rührende Geschichte jener armen Tänzerin , die sich geradeso großmütig von des Ritters Diamanten trennte , wie der Ritter die Tänzerin ungroßmütig im Stiche ließ ? Aber alles das machte nichts . Der Ritter war davon überzeugt , daß noch etwas aus ihm werden könne . Sein gewaltigster Feind war dahin ; neue Gesichter verdrängten die alten , und unser Held hätte nicht Schnapphahnski heißen müssen , wenn er nicht versucht hätte , die Wendung der Dinge auch für sich zu exploitieren . Keck setzte er den Fuß wieder in das Berliner Leben . Schnapphahnski mußte etwas wagen , denn er hatte drei Sachen nötig , drei Dinge , die man ungern im Leben zu entbehren pflegt . Unser Ritter bedurfte des Vergnügens , der Ehre und des Geldes ; nach dem letzteren sehnte er sich am meisten . Für das Vergnügen war in Berlin schon gesorgt ; Ehre konnte der Umschwung der politischen Zustände mit sich bringen ; mit dem Gelde sah es am schlimmsten aus , und kopfschüttelnd dachte unser Ritter bisweilen an das alte Sprichwort : » Wo Geld ist , da ist der Teufel ; aber wo keins ist , da ist er zweimal . « Über die Geldverhältnisse unseres Helden finden wir in den schon erwähnten Dokumenten die genauesten und wichtigsten Aufschlüsse . Wir würden unserm Freunde gern die Demütigungen ersparen , so vor allem Volke seine Tasche umzukehren . Leider sehen wir uns aber gewissermaßen dazu gezwungen , denn die spätern Liebesabenteuer unsers Ritters stehen in so genauem Zusammenhange mit seinem Beutel , daß wir wirklich das eine nicht ohne das andere schildern können . » Die in der Wasserpolackei gelegenen Güter Schnapphahnskis « , heißt es in unsern Notizen , » waren fast gänzlich ertraglos , da enorme Schulden auf ihnen lasteten , Schulden , die dadurch täglich stiegen , daß der edle Ritter auch nicht im entferntesten nur soviel Einkünfte besaß , als zur Bezahlung der Hypothekenzinsen nötig waren . Der Vater Schnapphahnskis schaffte sich einen Teil dieser Schuldenlast auf höchst geniale Weise vom Halse , indem er sich seinerzeit freiwillig interdizieren ließ . Die Güter gingen durch dieses Manöver auf den damals noch blutjungen Ritter über , der die Schulden des Vaters nicht bezahlte , da Majorate nicht angreifbar sind und selbst auf die Revenuen derselben nur so lange von den Gläubigern gerechter Anspruch gemacht werden kann , als der eigentliche Schuldner Herr des Majorates ist . Durch dieses feine Finanzkunststück der Familie Schnapphahnski war zwar mit den Schulden großenteils tabula rasa gemacht und manche bürgerliche Kanaille ruiniert worden . Aus Mangel an jedem Betriebskapitale gerieten indes die Güter sehr bald wieder in die alte Lage . Alle ihre Einkünfte wurden abermals verpfändet , und der ganze Besitz war wiederum von Hypotheken erdrückt . An und für sich sind die Einkünfte dieser Güter sehr bedeutend . Tzztzztzzt « - hier trägt das Manuskript einen unaussprechlich schönen wasserpolackischen Namen , den wir dem Scharfsinn unserer Leser zu buchstabieren überlassen - also , » an und für sich sind die Einkünfte dieser Güter sehr bedeutend . Tzztzztzzt hat in ganz Deutschland die beste Zucht von Merinomutterschafen und Böcken . « - Ich bitte meine freundlichen Leserinnen höchst aufmerksam zu sein , da meine Skizzen über Herrn von Schnapphahnski in diesem Augenblicke sehr belehrend werden . - » Diese Merinomutterschafe und Böcke werfen allein jährlich einen Ertrag von 60.000 Talern Revenue ab , von denen Se . Hochgeboren indes damals nicht einen Heller besah . « - Armer Schnapphahnski ! Für 60.000 Taler Schafe und Böcke , und dann nicht einmal einen Pfennig Einkommen . - Das ist unbegreiflich , das ist entsetzlich ! Übrigens hat die Geschichte etwas sehr Patriarchalisches . Man denke sich den kleinen Schnapphahnski » sporenklirrend , schnurrbartkräuselnd « mitten zwischen seine Schafe und Böcke tretend . Zu seiner Rechten stehen die Schafe , zu seiner Linken die Böcke . » Verehrte Mutterschafe und Böcke « , beginnt Schnapphahnski , » ich bin im höchsten Grade erfreut , euch wiederzusehen . Ich habe viel gereist , und außerordentliche Taten bezeichnen meine Laufbahn . In O. in Schlesien setzte ich dem Grafen S. ein Paar Hörner auf ( hier unterbrach den Redner das freudige Geblök sämtlicher Böcke ) . In Troppau erschlug ich den wilden Menschenfresser , den Grafen G. ( allgemeines Erstaunen ) . In Berlin kostete ich den Lilienleib Carlottens ( alle Schafe schlagen verschämt die Augen nieder ) . In Spanien erwarb ich mir unsterblichen Ruhm unter Don Carlos ( Schafe und Böcke brechen in Oho und Bravo aus ) . In München erschoß ich den Herzog von ...... und wurde deswegen verbannt ( schmerzliche Rührung auf allen Gesichtern ) . In Wien drohte mich die Liebe der Damen zu erdrücken ( die Böcke wedeln und beißen einander in die Ohren )