: er sölle freiwillig bekennen , maßen er dann vielleicht sein Leben retten könne , so es sich anders fände , daß er Niemand nit erwürget , bekannte er auch : daß er sich habe durch sein Weib ein arm Sünderkleid nähen lassen , solches angethan und sich zur Nacht und insonderheit , wann er in Erfahrung gebracht , daß ein Wagen in der Stadt sei so nacher Wolgast wölle , vor dem Kerl auf das Rad gesetzet , wo es dann in der Tunkelheit und der Ferne nit zu sehen gewest , daß sie selbander dorten gesessen . Wäre nun ein Wagen angekommen , und er herabgesprungen und hinten nach geloffen , hätte sich alles sogleich entsetzet und sein Augenmerk nit mehr auf den Galgen sondern blos auf ihm gehabt , forts die Pferde angeschlagen und mit großem Rumor und Gepolter über den Knüppeldamm gekutschiret . Solches hätten aber seine Gesellen in Strellin und Dammbecke gehöret , ( zwo Dörfer , so fast drei Viertel Wegs entfernt seind ) und sich fertig erhalten den Reisenden wenn sie nachgehends bis dahin gelanget , die Pferde abzuspannen und selbige zu plündern . Als man nachgehends den Kerl begraben , hätte er seinen Spök noch leichter gehabt etc. Dieses Alles wäre die reine Wahrheit , und hätte er selbsten in seinem Leben Niemand etwas abgenommen , noch ihn erwürget , dahero man ihm verzeihen wölle , dieweil er ganz unschuldig sei , und alleswas an Raub und Mord fürgefallen , seine Gesellen allein verübet hätten : Ei du feiner Schelm , aber der Teufel hat dir das W nit umbsonst eingeflicket . Denn wie ich nachmals erfahren , ist er sammt seinen Gesellen , wie billig , wieder aufs Rad gestoßen . Umb nun wieder auf meine Reise zu kommen , so ist der Junker nunmehro zur Nacht mit mir in der Herbergen verblieben , und am andern Morgen frühe seind wir beide aufgebrochen , und da wir gute Kundschaft4 mit einander gemacht bin ich auf seinen Wagen gestiegen , wie er geboten , um mit einander unterweges zu conversiren , und mein Claas hat hintennach gefahren . Habe auch bald gemerket , daß er ein feiner , ehrbarer , und wohlgelahrter Herre sei , angesehen er nit nur das wüste Studentenleben verlobete5 , und sich freuete , daß er nunmehro , den argen Sauftonnen entronnen , sondern auch sein lateinisch ohne Anstoß redete . Hatte dannenhero viel Kürzweil mit ihm auf dem Wagen . Doch zuriß uns in Wolgast auf dem Fährboot das Seil , sodaß uns der Strom bis nach Zeuzin6 niederführete , und wir endlichnit ohne große Mühsal ans Land gelangeten . Hierzwischen war es fast spät worden , und kamen wir erst umb 9 Uhren in Coserow an , wo ich dann den Junker bate , bei mir die Nachtherberge zu nehmen , was er sich auch gefallen ließ . Mein Töchterlein saß am Kamin und nähete vor ihre kleine Pate ein Röcklein aus ihren alten Kleiden zusammen . Erschrak dahero heftig und verfärbete sich , als sie den Junker mit mir eintreten sahe und hörete er wölle hier zur Nachtherberge verbleiben , angesehen wir bishero nit mehr Betten als zur höchsten Nothdurft von der alten Zabel Neringsche , der Heidereuter - Wittwen zu Ueckeritze gekaufet hatten . Dannenhero nahm sie mich gleich absonderlich : wie es werden sölle ? Mein Bette hätte heute ihre kleine Pate , so sie darauf geleget , nit wohl zugerichtet , und in ihrs könne sie doch den Junker unmöglich legen , wenn sie selbsten auch gerne bei der Magd niederkrühe . Und als ich sie fragete : warumb denn nit ? verfärbete sie sich abermals wie ein roth Laken und hub an zu weinen , ließ sich auch den ganzen Abend nit wieder sehen , so daß die Magd alles besorgen , und ihr , verstehe meiner Töchterlein Bette endlich nur mit weißen Leylachen vor den Junker überziehen mußte , da sie selbsten es nit thun wollte . Führe hier solches an , damit man sehen möge , wie die Jungfern seind . Denn am andern Morgen trat sie in die Stuben mit ihrem roth seidin Leibichen , mit der Haarhauben und dem Schurzfleck , summa mit Allem angethan , so ich ihr in Wolgast gekaufet , so daß der Junker sich verwunderte und viel mit ihr unter der Morgensuppen conversirete , worauf er alsdann seinen Abschied nahm , und mich bate , wieder einmal in seine Burg vorzusprechen . Fußnoten 1 Wallenstein wär nämlich vom Kaiser mit Meklenburg belehnt und schonete daher des Landes so viel er konnte . 2 Spukerei . 3 Gewimmer . 4 Bekanntschaft . 5 verachtete . 6 jetzt Sauzin . Capitel 12. Was ferner Freudiges und Betrübtes fürgefallen item wie Wittich Appelmann gen Damerow auf die Wulfsjagd reutet , und was er meinem Töchterlein angesonnen . Der Herr segnete meine Gemeind wunderlich in diesem Winter , maßen sie nicht nur in allen Dörfern eine gute Menge Fische fungen und versilberten , besondern auch die Coserowschen 4 Saalhunde1 schlugen , item der große Stormwind von 12ten Decembris eine ziemliche Menge Birnstein an den Strand trieb , so daß nunmehro auch viele Menschen Birnstein funden , doch nit sonderlich von Größe , und wieder anfingen sich Viehe , als Küh und Schaafe von der Liepen und andern Orten zu kaufen , wie ich mir selbsten denn auch wieder zwo Kühe zulegete . Item lief mein Brodkorn , so ich zur Hälfte auf meinen Acker , und zur anderen Hälfte auf den alten Paasschen seinen ausgestreuet noch ganz lieblich und holdselig auf , da uns der Herr bis dato einen offenen Winter geschenket ; aber wie es bei eines Fingers Länge aufgeschossen , lag es an eim Morgen wieder umbgestürzet und geruiniret und abermals durch Teufels-Spöck , massen auch jetzo wie zuvorab nit die Spur eines Ochsen oder Pferdes im Acker zu sehen war . Der gerechte Gott aber wölle es richten , wie es denn jetzo auch schon geschehen ist . Amen . Hierzwischen aber trug sich etwas Absonderliches zu . Denn als Herr Wittich meines Vernehmens eines Morgens aus dem Fenster schauet , daß das Töchterlein seines Fischers , ein Kind bei 16 Jahren , deme er fleißig nachgestellet , in den Busch gehet , sich trocken Holz zu brechen , macht er sich auch alsobald auf , warumb ? will ich nit sagen und mag sich ein Jeglicher selbsten abnehmen . Als er jedoch den Klosterdamm eine Weile aufgeschritten und bei der ersten Brücken kömmt , da wo der Ebreschenbaum stehet , siehet er zwo Wülfe , so auf ihn zulaufen , und da er kein Gewehr nit bei sich führet , als einen Stecken , klettert er sofort in einen Baum , worauf die Wülfe umb selbigen herumtraben , ihn anblinzen mit den Augen , das Maul löcken , und endlich sich mit den Vordertatzen gegen den Baum in die Höhe auffheben , und hineinbeißen , wobei er gewahr worden , daß der eine Wulf , so ein He und ein langer feister Feger gewesennur ein Auge gehabt . Hebet also an in seiner Angst zu schreien , und die große Langmuth des barmherzigen Gottes wollte ihn auch noch einmal erretten , doch ohne , daß er dadurch klug worden wäre . Denn das Dirnlein , so sich auf der Wiesen hinter einen Knirkbusch verkrochen , als sie den Junker kommen sieht , rennet forts auf das Schloß zurücke , worauf denn auch viel Volks alsobald herbeifähret , die Wülfe verjaget , und den Junker erlöset . Selbiger ließ dahero eine große Wulfsjagd des andern Tages in der Klosterheiden ansagen , und wer den einäugigen Feger ihm todt oder lebendig brächte , sölle eine Tonne Bier zum Besten haben . Doch haben sie ihn nit gefangen , obgleich sie in den Netzen sonsten bei vier Wülfen diesen Tag gehabt und geschlagen . Also ließ er auch weiters in meinem Kapsel die Wulfsjagd ansagen . Doch wie der Kerl kömmt , die Glocke auf dem Thorm zu rühren , hält er nit ein wenig inne , wie es bei Wulfsjagden der Brauch ist , sondern schläget sine mora2 immer tapfer zu an die Glocke , so daß männiglich glaubt es sei ein Feuer aufgegangen , und schreiend aus den Häusern herfürspringt . So läuft auch mein Töchterlein herbei ( denn ich selbsten war zu einem Kranken nach Zempin gefahren , angesehen mir das Gehen schon etwas schwer fiele , und ichs nunmehro ja auch besser haben mochte , ) hat aber noch nit lange gestanden , und nach der Ursachen geforscht als der Amtshaubtmann selber auf seinem Schimmel mit drei Fuder Zeug hinter ihm herbei galoppiret und dem Volk befiehlet , sogleich zur Heiden aufzubrechen und auf den Wulf zu klappern . Hierauf will er schon mit seinem Jägersvolk , und etzlichen Männern , so er sich aus den Häufen gegriffen , weiter reuten , umb hinter der Damerow den Zeug zu stellen maßen die Insel dorten wunderlich schmal ist3 und der Wulf das Wasser scheuet ; als er meines Töchterleins gewahr wird , sein Pferd wieder umbdrehet , sie unter das Kinn greifet , und freundlich examiniret , wer und woher sie sei ? Als er solches erforschet , sagt er , daß sie schier so hübsch sei , als eine Engelin , und daß er gar nit gewußt , daß der Priester hieselbsten eine so schöne Dirne hab . Reutet darauf weiter , sich noch wohl an die zwei oder drei Malen nach ihr umbschauend , und gelangt auch im ersten Treiben schon zu dem einäugigten Wulf , so im Rohr an der Sehe gelegen , wie sie gleich an der Loosung verspüret . Denn der Wulf looset immer auf einen Stein , die Wölfin aber thät ihre Loosung mitten in den Weg und es ist platschicht , wogegen seins immer fast dicke ist . Das hat den Junker sehr ergetzet und haben die Zeugknechte ihn mit großen eisernen Zangen aus dem Garn herfürhohlen und halten müssen , worauf er ihn bei einer Stunden lang unter großem Gelächter langsam und jämmerlich zu Tode gemartert , was ein prognosticon ist , wie ers nachhero mit meinem armen Kinde gemacht , denn Wulf oder Lamm ist diesem Schalksknecht gleich . Ach du gerechter Gott ! - Doch ich will nichts übereilen noch zuvorkommen . Des andern Tages kömmt den alten Seden sein gluderäugigt Weib , so wie ein lahmer Hund mit dem Hindern drohete , und stellet meinem Töchterlein für : ob sie nit wölle bei dem Amtshaubtmann in Dienst treten , lobet ihn als einen frommen und tugendsamen Mann , und wäre alles was die Welt von ihm afterrede , erstunken und erlogen , wie sie selbsten deren Zeugniß ablegen könne , angesehen sie länger denn zehn Jahre bei ihme in dem Dienst gestanden . Item lobet sie das Essen , so sie dorten hätte , und das schöne Biergeld , so große Herren , welche hier gar oft zur Herberge lägen , vor die Aufwartung spendeten , wie sie denn selbsten von Sr.f.G. dem Herzogen Ernst Ludwig mehr denn ein Mal einen Rosenobel überkommen . Auch hätt es hier sonsten oft viel junge hübsche Leut , so daß es ihr Glück sein könnte , massen sie ein schön Frauensbild wäre , und nur das Aussuchen hätte , wen sie heirathen wölle ; daß sie aber in Coserow , wo Niemand nit käme , sich krumm und dumm sitzen könne , bevorab sie unter die Hauben geriethe etc. Darob erzürnete sie mein Töchterlein über die Macht und antwortete : ei du alte Hexe , wer hat dir gesaget , daß ich wölle in Dienst treten , umb unter die Hauben zu kommen . Packe dich , und komm mir nit ferner in das Haus , denn ich habe mit dir Nichtes zu schaffen , worauf sie denn auch alsobald wieder mummelnd ihrer Straßen zog . Kaum aber waren etzliche Tage verschienen , und stehe ich mit dem Glaser in der Stuben so mir neue Fenster eingesetzet , als ich mein Töchterlein in der Kammer bei der Küchen schreien höre . Laufe also gleich hinein , und perhorrescire heftiglich , als ich den Ambtshaubtmann selbsten in der Eckeh sahe , wie er mein Kind umbhalset hält . Läßt sie aber alsogleich fahren und spricht : ei Ehre Abraham , was habt Ihr für eine kleine spröde Närrin zur Tochter . Will ihr nach meiner Weiß einen Kuß zum Willkommen geben , da wehret sie sich , und thut einen Schrei , als wäre ich ein junger Fant , der sie überschlichen , so ich doch wohl doppelt ihr Vater sein könnte . Als ich hierauf schwiege , hüb er an fortzufahren , daß er sie habe zuversichtlich machen wollen , massen er sie , wie ich wüßte in seinen Dienst begehrete und was er sonst fürbrachte und ich vergessen hab . Nöthigte ihn darauf in die Stube , dieweil er immer meine von Gott gesetzte Obrigkeit ware , und fragte demüthiglich : was Se , Gestrengen von mir wöllen ? worauf er freundlich zur Antwort gab : daß er wohl billig mir zürnen möchte , angesehen ich ihn vor der ganzen Gemeine abgekanzelt , solches aber nit thun , sondern die Klageschrift contra me ( gegen mich ) so er schon gen Stettin an Se . fürstliche Gnaden geschicket und mir leicht den Dienst kosten könnte , wiederkommen lassen wölle , so ich seinen Willen thät . Und als ich fragete : was Sr. Gestrengen Willen wär , auch mich von wegen der Predigt soviel entschuldiget , als ich konnte , gab er zur Antwort : daß er sehr benöthiget sei um eine treue Ausgebersche , so er dem andern Frauensvolk fürsetzen könnte , und da er in Erfahrung gezogen , daß mein Töchterlein eine treue und wackere Person sei , möcht ich sie ihme in den Dienst geben . Siehe , sprach er zu ihr und zwackete sie in die Backen , so will ich dich zu Ehren bringen obwohl du ein so junges Blut bist , und doch schreistu , als wöllt ich dir zu Unehren verhelfen . Fu schäme dich ! ( Mein Töchterlein weiß dieses noch alles verbotenus4 , ich hätte es über allen Jammer , so ich nachgehends gehabt , wohl hundertmal vergessen ) . Aber sie ließ sich solches verdrießen , indem sie von der Bank aufsprange und kurz zur Antwort gab : ich danke Ihme für die Ehre , will aber nur meinem Papa wirthschaften helfen , das wird besser Ehre vor mich sein , worauf der Junker sich zu mir hinwendete , und was ich dazu sagte ? Ich muß aber bekennen , daß ich in nit geringer Angst ware , inmassen ich an die Zukunft gedachte , und an das Ansehn , in welchem der Junker bei Sr. fürstl . Gnaden stande . Gab also demüthig zur Antwort : daß ich mein Töchtcrlein nit zwingen könne , sie auch gerne umb mich behielte , angesehen meine liebe Hausfrau in der schweren Pestzeit bereits dieses Zeitliche gesegnet , und ich nicht mehr Kinder hätte , denn sie alleine . Se . Gestrengen müchten dannenhero nicht ungnädig werden , wenn ich sie nicht bei Sr. Gestrengen in den Dienst schicken könnte . Dieses verdroß ihn heftiglich , und nachdeme er noch eine Zeitlang umbsonst disputiret , valedicirte er endlich , doch nicht , ohne mir zu dräuen , daß er es mir schon gedenken wölle . Item hat mein Knecht gehöretso in dem Pferdestall gestanden , daß er umb die Ecken gehend für sich gesaget : ich will sie doch wohl kriegen ! Solches machte mich schier wieder ganz verzaget , als den Sonntag darauf sein Jäger kam , Namens Johannes Kurt , ein hübscher , großer Kerl und wohlgeputzet . Hatte einen Rehbock vor sich auf das Pferd gebunden , und sagte : daß Se . Gestrengen mir solchen verehret , in Hoffnung ich würd mich besinnen über unsern Handel , anerwogen er seit der Zeit umbsonst nach einer Ausgebersche überall herumbgegabelt . Se . Gestrengen wölle auch , so ich mich anders schickete , bei Sr. fürstlichen Gnaden ein Fürwort thun , daß mir aus dem fürstlichen aerario die Dotation des Herzogen Pilippi Julii verabreichet würde , etc. Dieser junge Kerl erhielt aber dieselbige Antwort , denn sein Herr selbsten und bate ihn er wölle den Rehbock nur wieder mitnehmen . Aber solliches wegerte er sich , und da ich ihm von ungefährlich vorhero gesaget , daß Wildprett vor mich das liebste Essen sei , versprach er : mich auch in Zukunft reichlich zu versorgen , weilen es gar viel Wild in der Heiden hätte , er öftermalen hier im Streckelberge pürschen ginge , und ich ( wollte sagen mein Töchterlein ) ihm absonderlich gefiele , zumalen ich nit seines Herren Willen thät , welcherim Vertrauen geoffenbaret , kein Mädchen nit im Friede ließe , es also auch meine Jungfer nit lassen würde . Wiewohlen ich nun sein Wildprett recusirete , bracht er es doch und kam inner 3 Wochen wohl an die vier oder fünf Malen , und wurde immer freundlicher gegen mein Töchterlein . Schwätzete endlich auch viel von seinen guten Dienst , und daß er sich eine gute Hausfrau suche , wo wir denn alsobald merketen , aus welcher Ecken der Wind bliese . Ergo5 gab ihm mein Töchterlein zur Antwort , wenn er sich doch eine Hausfrauen suche , so wundere es ihr , daß er die Zeit verliere , umbsonst nach Coserow zu reuten , denn hier wisse sie keine Hausfrau vor ihn , welches ihn fast schwer verdroß , und er nit wieder kam . Nun hätte männiglich gläuben sollen , der Braten wäre doch auch vor den Amtshaubtmann zu riechen gewest ; nichts destoweniger aber kam er bald darauf wieder herbeigeritten , und freiete nun gerade raus vor seinen Jäger um mein Töchterlein . Versprach auch , er wölle ihm ein eigen Haus in der Heiden bauen , item ihm Kessel , Schüsseln , Betten etc. verabreichen , angesehen er den Kerl aus der heiligen Taufe gehoben , und er sich auch inner sieben Jahren wacker und gut in seinem Dienst gestellet . Hierauf gab ihm mein Töchterlein zur Antwort , daß Se . Gestrengen ja bereits gehöret , daß sie ihrem Papa nur wirthschaften wölle , sie auch noch viel zu jung wäre , umb schon vor eine Hausfrau zu gelten . Solches verdroß ihn aber nit , wie es den Anschein hatte , sondern nachdem er noch eine Zeitlang viel umbsonst discuriret , ging er freundlich abe , wie ein Kätzlein , so sich auch stellet , als ließe sie von der Maus , und hinter die Ecken kreucht , so es doch nicht ihr Ernst ist , und sie alsbald wieder herfürspringt . Denn er sahe sonder Zweifel , daß er seine Sache sehr tumm angefangen , darumb ging er , sie besser anzuheben , und Satanas ging mit ihm , wie weiland mit Judas Ischarioth . Fußnoten 1 Seehunde . 2 ohne zu pausieren . 3 Die Breite , welche immer mehr ab nimmt , beträgt jetzt kaum noch einen Büchsenschuß . 4 wörtlich . 5 Daher . Capitel 13. Was sonsten in diesem Winter fürgefallen , item wie im Frühjahr die Zauberei im Dorfe anhebt . Sonsten ist in diesem Winter nichts Sonderliches fürgefallen , als daß der barmherzige Gott großen Seegen gab , im Achterwasser wie in der Sehe , und wieder gute Nahrung in der Gemeine kam , so daß auch von uns konnte gesaget werden , wie geschrieben stehet : ich hab dich ein klein Augenblick verlassen , aber mit großer Barmherzigkeit will ich dich sammlen1 . Dannenhero wurden wir auch nit müde dem Herrn zu danken , und thät die Gemeine der Kirchen viel Gutes , kaufete auch wieder neue Kantzel- und Altartücher , da der Feind die alten geraubet , item wollte mir das Geld vor die neuen Kelche wieder erstatten , so ich aber nit genommen hab . Doch hatte es noch bei zehen Bauern im Kapsel die ihr Saatkorn zum Frühjahr nit schaffen kunnten angesehen sie ihren Verdienst vor Vieh und das liebe Brodkorn ausgegeben . Machte also mit ihnen einen Vertrag , daß ich ihnen wölle das Geld dazu fürstrecken , und könnten sie es mir in diesem Jahr nicht wieder aufbringen , möchten sie es im nächsten mir wiedererstatten , welches sie auch dankbarkich annahmen , und schickten wir bei sieben Wagens nacher Fredland in Meklenburg , vor uns Alle Saatkorn zu hohlen . Denn mein lieber Schwager Martin Behring in Hamburg hatte mir allbereits durch den Schiffer Wulf , der zu Weihnachten schon wieder binnen gelaufen war , vor den Birnstein 700 Fl . übermachet , die ihme der Herr gesegnen wölle . Sonsten starb diesen Winter die alte Thiemksche in Loddin , so vor eine Großmutter im Kapsel ware , und auch mein Töchterlein gegriffen hat . Aber sie hat in letzter Zeit wenig Arbeit gehabt , inmassen ich in diesem Jahre nur zwei Kinder getaufet , als Jung seinen Sohn in Ueckeritze , und Lene Hebers ihr Töchterlein , so die Kaiserlichen gespießet . Item sind es fast fünf Jahr , daß ich die letzten Brautleute vertrauet . Dannenhero männiglich gießen mag , daß ich hätte mögen zu Tode hungern , wenn der gerechte Gott mich nit auf andere Weiß so grundgütig bedacht und gesegnet hätte . Darumb sei ihm allein die Ehr . Amen . Hierzwischen aber begab es sich nit lange darauf , als der Ambtshaubtmann das letzte Mal da gewesen , daß die Zauberei im Dorfe begunnte . Saß eben und traktirte mit meinem Töchterlein den Virgilium im zweiten Buch , von der gräulichen Verwüstung der Stadt Troja , so doch noch erschröcklicher gewesen denn unsere , als das Geschreie kam , daß unsern Nachbauern Zabel seine rothe Kuh , so er sich vor wenigen Tagen gekaufet , im Stalle alle Viere von sich gestoßen und verrecken wölle , und solches ein seltsam Ding wäre , angesehen sie noch vor einer halben Stunden wacker gefressen . Mein Töchterlein möchte doch hinkommen , und ihr drei Haare aus dem Schweif ziehen und selbige unter der Stallschwellen verscharren . Denn sie hätten in Erfahrung gebracht , wenn solches eine reine Jungfer thät , würde es besser mit der Kuh . Thät ihnen mein Töchterlein also den Willen , dieweil sie die einige Jungfer im ganzen Dorf war ( denn die andern seind noch alle Kinder ) und schlug es auch von Stund an , so daß sich männiglich verwunderte . Aber es währete nit lange so kam Witthahnsche ihrem Schwein beim gesunden Fressen auch was an . Selbige kam also angelaufen : daß mein Töchterlein sich umb Gotts Willen erbarmen und ihrem Schwein auch etwas gebrauchen wölle , da böse Menschen ihme was angethan . Dannenhero erbarmte sie sich auch , uhd es half alsogleich wie das erste Mal . Doch hatte das Weib , so gravida war , von dem Schröcken die Kindesnoth überkommen , und wie mein Töchterlein kaum aus dem Stalle ist , geht sie jünsend , und sich an allen Wänden stützend und begreifend in ihre Bude , rufet auch ringsumbher die Weiber zusammen , da die rechte Großmutter wie bemeldet verstorben war und währet es nit lange , so scheußt auch etwas unter ihr zur Erden . Doch als sich die Weiber darnach niederbücken , hebt sich der Teufelsspök , so Flügel gehabt , wie eine Fledermaus , von der Erden , schnurret und burret in der Stuben umbher , und scheußt dann mit großem Rumor durch das Fenster , daß das Glas auf die Straßen klinget . Wie sie aber nachsehen , ist allens fort . Nun kann man genugsam bei sich selbsten abnehmen , welch ein groß , gemein Geschrei hieraus entstande . Und judicirte fast das ganze Dorf , daß Niemand nit , denn den alten Seden sein gluderäugigt Weib solchen Teufelsspök angerichtet . Aber die Gemein wurde bald in solchem Glauben irrig . Denn desselbigen Weibes ihre Kuh kriegt es bald auch so , wie alle Andern ihre Kühe . Kam dahero auch wehklagend herbeigelaufen , daß mein Töchterlein sich ihrer erbarmen wöll , wie sie sich der Andern erbarmet , und umb Gotts willen ihrer armen Kuh helfen . Hätte sie ihr verarget , daß sie von dem Dienst beim Ambtshaubtmann ihr etwas gesaget , so wär es ja aus gutem Herzen geschehn etc. Summa , sie beredete mein unglücklich Kind , daß sie auch hinginge , und ihrer Kuh half . Unterdessen lag ich an jeglichem Sonntag mit der ganzen Gemein auf meinen Knieen dem Herrn an , daß er dem leidigen Satan nit wölle gestatten uns dasjenige wiederumb zu nehmen , was seine Gnad uns nach so vielerlei Noth aufs Neu zugewendet , item , daß er den autorem von solchem Teufelsspök an das Tageslicht bringen wölle , umb ihm die verdiente Straf zu geben . Aber es half Allens nit . Denn allererst waren wenig Tage verstrichen , so kam Stoffer Zuter seiner bunten Kuh auch was an , und kam er wieder , wie all die Andern zu meinem Töchterlein geloffen . Ging sie also auch hin , aber es wollte nit anschlagen sondern das Viehe verreckete fast unter ihren Händen . Item hatte Käte Berow von das Spinngeld , so sie diesen Winter von meim Töchter lein erhalten , sich ein Ferkelken angeschaffet , so das arme Weibstück wie ein Kind hielte und bei sich in der Stuben lauffen hatte . Selbiges Ferkelken kriegt es auch wie die andern im Umbsehen ; doch als mein Töchterlein hiezu gerufen wird , will es auch nit anschlagen , sondern es verrecket ihr abermals unter den Händen , und erhebt das arme Weibsbild ein groß Geschrei , und reißt sich für Schmerz die Haare aus , so daß es mein Kind erbarmet und sie ihr ein ander Ferkelken verspricht , wenn meine Sau werfen würd . Hierzwischen mochte wohl wieder eine Woche verstreichen , in währender Zeit ich mit der ganzen Gemein fortfuhre , den Herrn umb seinen gnädigen Beistand , wiewohl umbsonst , anzurufen , als Sedensche ihr Ferkel auch was ankömmt . Läuft dahero wieder mit großem Geschrei zu meiner Tochter , und wiewohl diese ihr sagt , daß sie ja sähe , es wölle nit mehr helfen , was sie vor das Vieh gebrauchte , hörte sie doch nit auf , selbiger mit großem Lamentiren so lange anzuliegen , bis sie sich abermals aufmachte , ihr mit Gotts Hülfe beizustehn . Aber es war auch umsonst , angesehen das Ferkelken schon verreckete , bevorab sie den Stall verlassen . Was thät aber nunmehro diese Teufelshure ? Nachdeme sie mit großem Geschrei im Dorf umbhergeloffen , saget sie : nun sähe doch männiglich , daß mein Töchterlein keine Jungfer mehr wäre , denn warumb es sonst jetzt nit mehr helfen sollte , wenn sie dem Viehe was gebrauchte , so es doch vorhero geholfen ? Hätte wohl ihre Jungferschaft in dem Streckelberg gelassen , wohin sie diesen Frühjahr so fleißig trottire , und wüßte Gott , wer selbige bekommen ! Doch weiter sagt sie noch nichtes , und erfuhren wir dies Allens nur hernachmals . Und ist wahr , daß mein Töchterlein diesen Frühjahr ist mit und ohne mich in den Streckelberg gespaziret , umb sich Blumen zu suchen , und in die liebe Sehe überzuschauen , wobei sie nach ihrer Weiß diejenigen Versus aus dem Virgilio so ihr am Besten gefallen , laut gerecitiret , ( denn was sie ein paar Mal lase , das behielte sie auch . ) Und solche Gänge wegerte ich ihr auch nicht , denn Wülfe hatte es nicht mehr im Streckelberge , und wenn es auch noch einen hatte , so fleucht er vor dem Menschen zur Sommerszeit . Doch nach dem Birnstein verbot ich ihr zu graben . Denn da er nunmehro schon zu tief fiele , und wir nicht wußten , wo wir mit dem Aufwurf bleiben söllten , daß es nit verrathen würd , nahm ich mir für , den Herrn nicht zu versuchen , besondern zu warten , bis mein Fürrath an Gelde fast klein würde , bevorab wir wieder grüben . Solliches thät sie aber nicht , wiewohl sie es versprochen , und ist aus diesem Ungehorsamb all unser Elend herfürgegangen . ( Ach du lieber Gott , welch ein ernst Ding ist es doch umb dein heilig viertes Gebot ! ) Denn da Ehre Johannes Lampius von Crummin , so mich im Frühjahr heimbgesuchet , mir verzählet , daß der Cantor in Wolgast die opp . St. Augustini2 verkaufen wölle , und ich in ihrer Gegenwärtigkeit gesaget , daß ich solche wohl vor mein Leben gerne kaufen möchte , aber das Geld davor nit übrig hätte , stunde sie ohne mein Wissen des Nachts auf , umb nach Birnstein zu graben , solchen auch so gut sie könnte in Wolgast zu versilbern und zu meinem Geburtstag welcher den 28sten mensis Augusti einfällt , mir heimlich die opp . St. Augustini zu verehren . Den Aufwurf hat sie aber immer mit tännin Zweigen bedecket , so es genugsam in der Heiden hat , damit Niemand nichtes verspüren möchte . Hierzwischen aber begab sich , daß der junge nobilis Rüdiger von Nienkerken eines Tages angeritten kam , um Kundschaft von dem großen Zauber zu überkommen , so hier im Dorfe sein sölle . Als ich ihme nun solchen verzählet , schüttelte er ungläubig das Haupt und vermeinete daß es mit aller Zauberei fast Lüg und Trug wäre wovor ich mich heftiglich perhorrescirete angesehen ich diesen jungen Herrn für einen klügeren Mann gehalten , und nun sehen mußte , daß er ein Atheiste war . Solches aber merkete er und gab lächelnd zur Antwort , ob ich jemals den Johannem Wierum3 gelesen , so nichts wissen wölle