, dann das Badmeitli , nach dem Badmeitli die Hühnermutter , nach der Hühnermutter das Kindermeitschi und nach dem Kindermeitschi die Wirtstöchtern noch alle , so ginge es bis am Morgen , und was wurden die Leute sagen , wenn er erst mitten im Morgen heimkäme ! Da erschien zum Glück unter der Türe der Wirt und fluchte : Es nehme ihn doch wunder , warum heute alles da oben sein wolle ; aber wenn das nicht aufhöre , so wolle er ihm schon ein Ende machen und jage die Geiger fort . Es dünke ihn , für so eine Alte sollte sie witziger sein , und wenn eine drei Männer gehabt und vierzehn Kinder , so sollte ihr das Tanzen erleidet sein . Aber er habe schon manchmal gehört , für die Narrochtige sei kein Kraut gut als einmal der Tod . Sie solle sich abemachen , es seien Leute unten , die wollten etwas essen , und zwar auf der Stelle . » He , die werden wohl warten « , sagte die Wirtin , » wir haben auch warten müssen , bis sie gekommen sind . « » Hast dus gehört « , sagte der Wirt , » oder soll ich dir zünden ? « » Du bist ein Grobian « , sagte Die Wirtin , » hast du es gehört , ich lasse mir nicht von dir befehlen und tanze , mit wem ich will und so lang ich will . Komm , Bürschli , wir wollen noch einen haben « , und somit drehte sie sich und wollte Resli wieder fassen , aber es war kein Resli mehr da ; sie streckte die Arme in die Luft und stand da , ungefähr wie Loths Weib gestanden sein mag . Es erscholl ein donnernd Gelächter , der Wirt sagte : » Gäll , der hat es dir gereiset ! « » Wo ist der junge Löhl ? « fragte die Wirtin , sah rund in der Stube hemm , aber Resli war nirgends zu sehen . » Hat ihn der Schwarze genommen ? « Und abermal lachten alle , und der Wirt sagte : » Such nur ! « Die Wirtin wurde endlich verblüfft und sagte : » He nu so de ! Wenn es hat sein müssen , so ist es mir allweg lieber , er habe ihn alleine genommen als mich damit . Es nimmt mich nur wunder « , sagte sie zu ihrem Manne , » warum er dich nicht mitgenommen hat , es wäre ihm in einem zu gegangen , und er hat schon Manchen genommen , der am kleinen Finger besser gewesen ist als du am ganzen Leib mit Haut und Haar . « Während unter solchen zärtlichen Gesprächen das Ehepaar an seine Arbeit ging , hatte Resli , der zum offenen Fenster aus auf die Laube und von da ins Freie gekommen war , schon einen Plätz Weg gemacht . Bald schiens ihm , er gehe auf Rädern , bald wieder kniestief in der Erde , bald tanzte er mit dem Mädchen , bald dachte er , er hätte es zum letzten Male gesehen . Er machte Plan um Plan , wie er zu ihm gelangen wolle , bald nachts als Kiltbub , bald unter dem Vorwand , Kühe oder Rosse zu kaufen oder Heu oder Stroh ; so ein Baurensohn hat gar manchen Schlüssel zu andern Baurenhäusern , wenn es ihm ernst ist , hineinzukommen . Aber nichts gefiel Resli recht ; er ersann immer etwas Neues , und das gefiel ihm dann wieder nicht , und er war daheim , er wußte nicht wie . Die Andern hatten schon gegessen , aber die Mutter hatte ihm sein Essen an die Wärme gestellt . Sonst war sie neben ihn gesessen und hatte ihn gefragt , wo er aus gewesen , und dann hatte ein Wort das andere gegeben , bis Beide wußten , was sie wollten . Jetzt aber stellte sie ihm sein Essen dar , fragte nicht : » Ist es noch warm ? « , sagte nicht : » Du bist früh heim « , sagte ihm kein Wort , ging aus und ein , als wäre er nicht da . So konnte er keine Frage anbringen , und das tat ihm weh . Manchen Tag strich er um die Mutter herum , aber wenn er etwas vom Sonntag anfangen wollte , so verschloß ein mürrisch-grollend Wort ihm den Mund . Endlich glaubte er einen günstigen Augenblick erhascht zu haben , er war mit der Mutter alleine im Spycher und faßte ihr Korn für die Schweine . » Mutter , kennst du den Dorngrüter Bauer ? « » Warum fragst du nach dem ? « » He , ich habe ihn letzten Sonntag gesehen . « » Wie hast du gewußt , daß es der Dorngrüter Bauer war ? « » Oh , ich habe gefragt . « » Was hat dich das wunder genommen ? « » Ho , nienerum . Aber ich habe mit der Tochter einen Tanz getanzt oder zwei . « » Jä so « , sagte die Mutter , » während man daheim für euch sorget und huset und kummert , fahrt ihr herum und lauft jedem Schlärpli nach . « » Es dünkt mich doch , Mutter , du solltest nicht über mich zu klagen haben , ich mache ja , was ich kann . « » Ja « sagte die Mutter , » und läufst an den Orten herum , wo es lustig geht . Es dünkt mich , das sollte dir vergehen , wenn du sinnetest , wie wir dran sind , und der Mut zum Tanzen und Karisieren sollte dir vergehen . Aber so hat man es mit den Kindern , wenn man sie am nötigsten hätte , so sieht ein jedes für sich und frägt Vater und Mutter nicht mehr nach . « Darauf konnte Resli keine Antwort mehr geben , das Herz tat ihm zu weh . Die Mutter sollte doch wissen , dachte er , wie lieb er sie hätte und daß er diese Vorwürfe nicht verdiene . Wenn es einem Bauernsohn nicht mehr ziehe , einmal im Jahr zu baden und einige Tänze zu tanzen , so wäre es doch bös , und darneben sei er doch der Erste und Letzte bei der Arbeit , und wenn es gerechnet sein müßte , so gehörte ihm ein schöner Lohn heraus . Und öppe für wüst zu tun oder Schlägereien sei ja noch kein Kreuzer für ihn bezahlt worden . Solches dachte Resli , aber es erbitterte ihn nicht . Es war ihm immer , als müßte er der Mutter und noch einer Andern zeigen , daß er besser sei , als man von ihm denke , als werde man hier oder dort nach ihm fragen , und dann solle jeder sagen müssen , einen brävern Burschen und einen , der alles besser angreife , gebe es nicht , so weit der Himmel blau sei . Und wenn ihm die Galle aufsteigen wollte und ihn antreiben zum Wüsttun , so wars ihm , als hebe das Meitschi hinter einem Hag den Finger auf und sage : » Bhüet mih Gott vor einem Selligen . « Dann nahm er sich zusammen und tat wieder , wie er dachte , daß ein Meitschi , welches gerne einen guten Mann hätte , es am liebsten sehen würde . Aber wie viele Pläne er auch machte , auf das Dorngrüt zu gehen , er führte keinen aus . Es munterte ihn niemand auf , und so wie es bei ihnen immer mehr ging , hatte er nicht das Herz , eine junge Frau in das Wesen hineinzuführen . Als künftiger Besitzer des Hofes , um der Mutter zu gefallen und ein gutes Lob zu erhalten ringsum , hatte er geglaubt , er dürfte wohl dem Vater sich näher zur Hand stellen , dürfte ihn fragen : » Wollen wir nicht an dieses oder jenes hin ? Vater , bleib du daheim , wir wollen die Sache schon machen , daß es dir recht ist . « Auch fragte er : » Vater , darf ich nicht mit dir zMärit , soll ich den Kleb mitnehmen oder den Tschägg , sie sind fett und geben wenig Milch , es wäre Geld zu verdienen , und ich sollte das Handeln auch lernen ? « Dann sah und hörte der Vater einige Zeit zu , und es dünkte ihn , er sollte selbst Freude haben am Eifer seines Sohnes , und er sagte wohl einige Male zu sich selbst : Das gibt einmal ein rechter Bauer . Hätte die Erfahrung des Vaters den Eifer des Sohnes unterstützt , die fünftausend Pfund wären nicht nur bald ersetzt , sondern ihr Verlust wäre durch die erzeugte Aufregung ein eigentlicher Vorteil geworden . Aber bald kamen Eifersucht und Mißtrauen über den Vater . Er meinte , Resli sei von der Mutter aufgestiftet und sollte jetzt den Hof führen nach ihrem Sinn , mit Hasten und Jagen und Grämpeln , wie es Vater und Großvater nie getan . Er wollte den Sohn nicht über den Kopf sich wachsen lassen , die Leute sollten ihm nicht sagen , sein Sohn sei ein ganzer Kerli , und seit er regiere , gehe alles besser . Es sei eins ein schlechter Sohn , wenn er den Pflug nicht im gleichen Loche fahre wo der Vater . Einmal er hätte sich geschämt , regieren zu wollen , solange der Vater gelebt , und als derselbe gestorben , habe er gebauert , wie er es vom Vater gelernt , und es wäre auch gegangen . Aber die Welt werde immer schlechter , und die Kinder verachteten ihre Eltern , und ein jeder Bube wolle gescheiter sein als Vater und Großvater . Aber solange er lebe , gebe er den Löffel nicht aus der Hand und auch das Hefti nicht , und man solle erfahren , wer Meister sei . Von dieser Zeit an ging es dem armen Resli bös , und er brauchte nur ein Wort zu einer Sache zu sagen , so ging es übel , und von allem , was er sagte , tat der Vater gerade das Gegenteil , und wenn er ihm eine Unerfahrenheit oder Unbesonnenheit aufrupfen konnte , so sparte er es nicht und nahm sich damit nicht einmal vor den Diensten in acht . Wo er nur konnte , gab er ihm zu verstehen , daß er eigentlich nur noch ein Bub sei und nichts verstünde und noch manchen Bissen Brot essen müßte , bis er nur wüßte , was eigentlich ein Bauer sei . Resli verlor allen Mut , als sein Eifer ihm so übel genommen ward . War er dann laß und mutlos , so hieß es , da sehe man , was mit ihm sei ; wenn er die Sache mit dem Maul machen könnte , so wäre es wohl gut , aber wo es müsse ausgehalten sein , da sei er nicht daheim . Doch dies hätte er auch noch ertragen , er wußte gar wohl , daß man mit der Eltern Gebrechen Geduld haben solle , wenn nur diese Vorwürfe im Stillen unter vier Augen geschehen wären . Aber die Art im Hause hatte sich ganz geändert , und das war es , was ihn am übelsten plagte und manchmal fast z ' weinen tat . Früher war man so besonnen mit der Rede , hütete sich , daß kein böses Wort fiel oder wenigstens nie vor fremden Ohren ; denn wenn Mann und Weib sich böse Worte geben , was sollen Kinder und Diensten daran für ein Exempel nehmen ? Und muß man sich darüber wundern , wenn sie ebenfalls böse Mäuler kriegen ? Darum auch war das Haus so berühmt weit und breit ; denn wo Keiner dem Andern ein böses Wort sagt , da geht es im Frieden , und wo es im Frieden geht , da können böse Leute ihr Maul nicht hineinhängen , und das ist eine rare Sache . Nun war es anders geworden . Christen und seine Frau gaben sich manches böse Wort und hielten sich unverblümt ihre Fehler vor . Christen hielt seiner Frau ihre Wohltätigkeit vor und wie diese und jene Frau eine ganz andere sei , so und so viel Eier- und Milchgeld hätte sie in einem Jahr ihrem Mann gegeben . Aber da stünden nicht immer Zwei vor der Tür und warteten , bis drei Andere , die drinnen wären , herauskämen , um dann auch hineinzugehen . Mit einer solchen Frau sei es auch eine Freude zu hausen , da hätte man ungsinnet immer mehr ; er aber möge einnehmen , so viel er wolle , so sei in Gottes Namen immer kein Geld da , es sei , wie wenn der Luft darhinter wäre . Die Frau blieb nichts schuldig und sagte , fünftausend Pfund hätte sie doch nicht verliederlichet , und sie könnte manchem armen Menschen wohltun , ehe sie nur den Zins davon gebraucht hätte , und zwischen Spitzbuben und armen Leuten sei doch noch ein Unterschied , und es heiße in der heiligen Schrift nirgends , daß die einen Gottslohn davon hätten , welche Spitzbuben mästeten . Sie könne nichts dafür , daß es nicht mehr Milchgeld gebe , sie kaufe und verkaufe die Kühe nicht und müsse die Milch nehmen , welche man ihr bringe . Und wenn man zu rechter Zeit jede Arbeit verrichten würde , man erhielte auch mehr und besseres Futter . Sie wüßte Männer , welche ds Halb mehr auf dem Hofe machen würden . Wenn sie dann auf ähnliche Weise mit einander gewortet hatten , so konnte sich vielleicht Christen nicht enthalten , vor Knechten und Taunern zu sagen : Es erleide ihm , dabei zu sein , und wenn seine Frau nicht bald aufhöre , ihm die fünftausend Pfund vorzuhalten , so müsse etwas anders gehen . Änneli aber weinte in der Küche vor den Mägden und sagte : Es sei gut , daß ihre Mutter das nicht erlebt hätte ; sie hätte es nicht ausgestanden , und wenn sie es jetzt schon könnte , wie es ihr gehe , sie kehrte sich noch im Grabe um . Daß man so mit ihr umgehe , hätte sie nicht verdient , und was sie gebe , gebe sie eigentlich aus ihrer Sache , und es dünke sie , das sollte niemand viel angehen . Aber sie wollte , sie wäre tot , Christen könnte dann eine von denen nehmen , welche so viel Eier- und Milchgeld machten . Vielleicht machten die es wieder gut , und Christen würde noch manchmal an sein Änni sinnen , welches jetzt in keinen Schuh mehr gut und nichts recht sei , es möge in Gottes Namen machen , was es wolle . Die Worte , welche in die Ohren der Diensten fallen , Die finden nicht unfruchtbares Erdreich , die gehen auf , manchmal tausendfältig , und wenn sie aufgegangen sind , so stehen sie nicht still wie Korn oder Weizen , sondern wandern von Haus zu Haus und samen sich wiederum ab in die Ohren neugieriger Weiber , die , wie gegenwärtig die Stadttore , Tag und Nacht offen stehen . Es ist aber mit Dienstenohren noch eine wunderliche Sache . In gewisser Beziehung würde man ihnen das größte Unrecht antun , wenn man sagte , das wären auch Ohren , die nicht hörten . Denn diese Ohren hören zuweilen auf hundert Schritte , sogar durch verschlossene Türen und solide Wände , und von dem , was sie so hören , vergessen sie nichts ; dann gibts wiederum andere Sachen , welche nicht zu diesen Ohren ein wollen . Es gibt Dinge , man kann sie ihnen hundertmal des Tages sagen , am folgenden Morgen wissen sie nichts mehr davon und sagen sie auch nie wieder . Kuriose Ohren sind Dienstenohren ! Aber nicht nur Diensten redeten , auch Annelisi klagte zuweilen einer Freundin ihr Leid , wie es nicht mehr auszuhalten seie daheim , und es wäre ihr zuletzt recht , den ersten Besten zu heiraten , wenn sie nur daheim wegkäme . Aber sie solle es bei Leib und Sterben niemand sagen . Die Freundin sagte : » Was denkst du doch , und wenn man vier Rosse ansetzte , kein Sterbenswörtchen brächte man aus meinem Munde . « Und kaum war sie heim , so sagte sie : » Mutter , dort drüben gehts strub zu , ds Annelisi hat es mir selbst geklagt , für viel Geld möchte ich nicht im Hause sein . Ja , auf my armi , wenn mich jetzt einer von den Buben schon wollte , sie könnten mir küderlen . « Der Versuch wäre jedoch nicht ratsam gewesen . Christeli konnte sich ebenfalls nicht enthalten , wenn er getrunken hatte , anzügliche Worte fallen zu lassen , und wenn er seine melancholische Laune hatte und sich vernachlässigt glaubte , dann war sein Herz noch offener . Ja auch die Bettler , welche Guttaten empfingen aus Ännelis Händen , schnappten Worte auf und vergaßen fast zu danken für die erhaltene Gabe , aus Eifer und Hast , das aufgeschnappte Wort weiterzutragen . Man findet oft auf wüsten Inseln Gewächse blühen aus fernen Zonen , und es können die Menschen es nicht fassen , wie die Gewächse auf die einsame Insel gekommen , bis irgend ein Gelehrter sich ihrer erbarmet und mit gelehrtem Gesichte ihnen erzählt , wie Blumenstaub fliege in der Luft herum und dieser Blumenstaub sich hänge an eines Vogels Flügel oder Beine . Nun geschehe es oft , daß diese Vögel durch mächtige Winde verschlagen würden weithin über den unermeßlichen Ozean . Dann würden sie müde , und wo sie festen Boden erblickten , ruhten sie . Nun falle der Blumenstaub ihnen von den Füßen , keime , sprosse , und nach wenig Jahren sei auf der wüsten Insel ein blühend Leben . Dem fliegenden Blumenstaube gleichen alle Worte ; sie sind Geister der Lüfte , fliegen im Winde , hängen in Menschenohren sich , lassen sich tragen , wohin ihre Fuße gehen , lassen sich absetzen , wo sie stehen und sitzen , keimen und wuchern , und wer sie hergetragen , vergißt man . Wer später ihren Wuchs sieht , wundert sich , errät das Geheimnis nicht , weiß nicht , wie lange solche Geschichten wachsen und fort und fort wachsen weit , weit von dem Leben weg , in welchem sie sich zugetragen haben sollen ; er weiß nicht , wie leicht lange Geschichten sprossen können aus einem geflügelten Wort , das in eines Bettlers Ohr sich hängt . So wurde jetzt viel geredet allenthalben von der unglücklichen Familie , denn gar zu oft flogen solche gefährliche Luftgeister , die so gerne hängen bleiben , ums Haus herum . Und je weniger man vorher Ursache gehabt hatte , über sie zu reden , um so mehr redete man jetzt und entschädigte sich gleichsam für das frühere Schweigen , so wie die , welche zu fasten belieben , sich auch durch desto mächtigeres Essen entschädigen , wenn die Fasten zu Ende gegangen . Mehr oder weniger mochten es ihnen alle gönnen . Da sehe man jetzt , sagten die Leute , die hätten immer besser sein wollen als Andere , und wegen fünftausend Pfund täten sie so nötlich . Wenn sie ein solches Vermögen hätten wie jene , sie wollten nicht nebenume luegen , aber da sehe man jetzt , daß sie das Geld noch lieber hätten als andere Leute und daß sie nur die guten Leute machten , wo sie es mit ein paar Birenschnitzen und öppe einer Handvoll Mehl zwegbringen könnten . Nein , die hätte man so weit und breit gerühmt und bsunderbar viel auf ihnen gehalten , aber wegen fünftausend Pfund schämten sie sich doch , so wüst zu tun . Die Weiber absonderlich konnten ihre Freude nicht verbergen . Wegen Christen sei es ihnen leid , sagten sie ; mit dem könnte jede vernünftige Frau nachkommen , und Manche wäre froh , der Ihrige wäre nur halb so gut wie Christen . Wenn man mit ihm zu reden komme , so sei es nicht , daß er die Sache nicht verstehe , so ausbündisch könne nicht Mancher über alles Bescheid gehen wie er . Aber Änni , der Gränne , möchten sie es gönnen , der geschehe es vom Tüfel recht . Die habe gemeint , sie habe die Weisheit mit Kaffeechachelene trunke , habe alle Weiber verachtet , mit keinem Gemeinschaft haben , weit und breit die Beste sein wollen , habe die armen Leute auf begehrisch gemacht , daß man ihnen nicht genug habe geben können . Ja sie seien imstande gewesen , ihnen das Brot wieder zu Füßen zu werden und zu sagen : Sie sollen es dem Hund geben , wenn er es möge , sie wüßten einen Ort , wo man für arme Leute Brot hätte , das sie essen könnten . Die hätte gemeint , sie hätte kein Fleckli nirgends und es solle kein Mensch etwas über sie sagen und der liebe Gott könnte seine Beine nicht stille halten im Himmel vor Freude , daß einmal so eine in den Himmel käme , und jetzt könne man sehen , wie die eigentlich seien , wo besser sein wollen wie alle Andern . Sie hätten schon lange gesagt , wenn der nicht etwas auf die Nase werde , so wüsse man nicht , ob man noch an eine Gerechtigkeit glauben solle oder nicht . Aber wohl , jetzt sei es gekommen ; an der Hälfte hätten sie mehr als ds Halbe zviel , und es könnte sie jetzt bald noch dauern . Aber wunder nähme sie es , ob Änni jetzt Die Milch hinuntergelassen und ob es jetzt mit Leuten wie sie sich abgeben möchte . Aber jetzt möchten sie auch nicht . Seien sie ehemals nicht gut genug gewesen , so wußten sie jetzt auch nicht , warum so eine jetzt ihnen gut genug sein sollte . So räsonierten die Weiber ; die Männer machten es etwas kürzer , und Änneli fand vor ihnen mehr Gnade als Christen . Da müßte man doch blind sein , wenn man nicht wüßte , wer den Wagen in den Hag gefahren und jetzt nichts mit ihm anzufangen wüßte . Es sei bei einem so großen Hofe nichts verderblicher , als wenn man immer um eine Arbeit hintendrein sei . Das sei gerade , wie wenn man an einem Morgen nicht auf möge und am Abend nie nieder könne . Drüben aber gehe es so , und daran sei Christen schuld . In der Haushaltung , welche Änneli regiere , da habe alles seine Zeit , und man habe nie gehört , daß die Diensten nicht zu rechter Zeit essen könnten . Und was Änneli unter seinen Händen habe , das suche es zu guter Losung zu bringen , während Christen nichts aus den Händen lassen könne und im Handel ein rechter Fösel sei , jeder Schulbub möge ihn . Sie wollten mit Änneli wohl nachkommen , es sei eine manierliche Frau , und wenn eine einen solchen Mann hätte , so nehme es sie nicht wunder , wenn sie zuweilen auch ein Wort dazu sagen wolle . Es wäre wohl gut und käme Manchem wohl , es würde keine schlimmeren Weiber geben als Änneli . Dann sagten wohl die Weiber : Es gebe keine wüstern Hüng als das Mannenvolk ; es brauche eine nur wüst zu tun , so gefiele sie allen wohl . Es gelüstete sie , den Männern es zu zeigen , wie einem sei bei so einem Änni ; es nehme sie wunder , ob sie nicht bald aus einem andern Loche pfiffen . Aber es sei ein wüst Volk , und alles sei ihnen recht , außer was ihre eigene Frau täte ; die könnte es ihnen in Gottes Namen nicht breichen , sie möge es anfangen wie sie wolle . Dieses Gerede tat aber niemand mehr weh als Resli . Alles andere hätte er im Stillen ertragen wollen , wenn nur das nicht gewesen wäre . Ihm war es immer im Gemüte , als würde des Dorngrüter Bauern Tochter noch nach ihm fragen , als müßte sie vernehmen , wo er daheim sei . Und wenn sie jetzt fragte , was vernahm sie ? War nicht der alte , berühmte Name dahin ? Mußte es nicht heißen : Da gehe es nicht mehr gut . Lauter Streit und Zank sei im Hause , und wenn nicht Reichtum dagewesen wäre , so ginge es nicht mehr lange . Jetzt möchte es noch ein Weilchen halten , aber immer könne das nicht so gehen . Es müßte eine da zweimal luegen , ehe sie hineintrappe , sonst nehme sie einen Schuh voll heraus . Aber öppe ein rechtes Meitschi , das noch nicht zu äußerst am Hag sei , werde sich wohl hüten . Er wußte wohl , daß ein Name , welcher durch mehrere Geschlechter während einem ganzen Jahrhundert erworben worden war , in wenig Jahren ganz dahin gehe , und wer mußte es büßen als gerade er , der auf dem Hofe blieb ! Es kam ihm immer mehr vor , wenn schon zehntausend , ja zwanzigtausend Pfund verloren gegangen und nur der Friede geblieben wäre , so wäre er glücklich und wollte kein Wörtlein klagen . Es schien ihm , als würde ein Verlust alleine das Meitschi nicht abschrecken ; in ein Haus aber , wo nur Streit und Zank sei , da hinein wurde es um alles in der Welt nicht gehen ; das , meinte er , habe er ihm wohl angesehen . Je länger je weniger durfte er daran denken , sich im Dorngrüt zu zeigen . Jena Sonntag war ihm ein schöner Traum , der ihm aber oft das Wasser aus dem Herzen herauf in die Augen trieb . Er trug lange sein Leid alleine und meinte immer , die Mutter müsse in einer guten Stunde ihm dasselbe ansehen und darum fragen ; dann wolle er es ihr in der Liebe sagen , alles , was er auf dem Herzen hätte . Vielleicht könne sie es einsehen , wie es ihren Kindern auf diese Weise viel zu übel gehe . Aber die Mutter fühlte nur ihr Leid , hatte keine Augen mehr für Anderer Leid , und die gute Stunde kam ihr nicht . Endlich vermochte Resli sein ganzes Leid nicht mehr in sein Herz zu fassen , er klagte dasselbe seinem Bruder . Dieser hatte ihn als einen Günstling betrachtet , und da er ihn im gleichen Spital krank fand , wallte auch das gleiche Mitleid , welches er mit sich selbsten hatte , für den Bruder in ihm auf , und Beide wurden rätig , daß es je länger je schlimmer gehe und daß man da zu helfen suchen müsse , wie man könne und möge . Man müsse den Eltern , wenn sie zu kifeln anfingen , abbrechen , meinten sie , und ihnen sagen , das trage nichts ab , als daß sie verbrüllet würden . Wenn man es ihnen in der Manier sage , so würden sie es wohl annehmen und merken , daß sie unrecht hätten , bsunderbar wenn man dem , welches eigentlich die Urhab sei , zeige , daß es unrecht hätte und sich doch um Gottes und der Kinder willen besänftigen solle . Das fanden sie für das Beste , und als Christen noch an Reslis Liebe teilnahm und sagte , es müsse nicht zu machen sein oder Resli müsse des Dorngrütbauern Tochter haben , er wolle in den nächsten Tagen um das Dorngrüt herumstreichen , und wenn er das Nötige vernommen , ins Haus selbst zu kommen suchen , um zu sehen und zu hören , wie es um das Meitschi stehe : da war Resli wieder voll guten Muts und meinte , sövli bös seien doch die Eltern nicht , und wenn sie sehen , wie es ihnen daran gelegen sei , so würden sie sicher schon sich Gewalt antun , sie hätten allweg noch ein Herz für ihre Kinder . Dem Annelisi sagten sie nichts davon . Sie betrachteten es halb wie ein Kind und halb wie einen Hintersäß , welcher vor Zeiten in Gemeindssachen auch nichts zu reden harre . Bauernsöhne haben es fast wie die Katzen , welchen man es nachredet , daß sie sich mehr an die Häuser als an die Leute schlossen und hingen , während die Mädchen es haben wie die Täubchen , welche alle Tage ins Weite fliegen und ob fremden Tauben ihr Häuschen vergessend ihnen gerne folgen . Die Söhne sind die Aristokraten , die Mädchen die Radikalen ; die Erstern meinen , es gehöre ihnen alles von Rechts wegen , die Letztern flüchten sich je eher je lieber in fremdes Land , um unter fremdem Schutz desto sicherer und mächtiger gegen die brüderlichen Aristokraten aufzubegehren und aus ihren Klauen zu reißen so viel wie möglich . Die Brüder hatten Annelisi recht lieb , aber weil es zuweilen etwas gäuggelhaft tat , so trieben sie oft ihr Gespött mit ihm und sahen es so gleichsam über die Achseln an . Annelisi , welches sich wohl bewußt war , daß es nicht auf den Kopf gefallen sei und so gute Gedanken hätte als irgend ein Meitschi , nahm das übel und vergalt den Brüdern ihr vornehm Wesen durch manche Spottrede , manche Neckerei und verrätschte sie wohl zuweilen bei Vater und Mutter ; kurzweg gesprochen , es tat recht radikal gegen sie , wessen sie sich aber wenig achteten , sondern nur noch vornehmer gegen Annelisi wurden . Wie gut Christen und Resli es auch meinten , gut kam es ihnen nicht . Die Eltern verstunden sie nicht ; es ging ihnen , wie wenn Unkundige in einer Wunde herumfahren oder in eine Beule